Ougenweide – Eulenspiegel (1976)

FrontCover1.jpgDie standen bei mir damals schon hoch im Kurs:

Ougenweide ist eine deutsche Folk-Rock-Band und Vorreiterin des Mittelalter-Rock in Deutschland.

Ihr Name rührt her vom mittelhochdeutschen Wort ougenweide für „Augenweide“, also einen Anblick, an dem man sich erfreut.

Eine Vorgängerband bestand Ende 1969 aus Frank Wulff, Michael Steinbeck, Jürgen Isenbart und Brigitte Blunck. Ougenweide wurde im Frühjahr 1970 in Hamburg gegründet. Von Beginn an setzte sich die Band das Ziel, vor allem mittelalterliche Lieder und Gedichte (neu) zu vertonen, wobei der Blickwinkel nie streng auf das Mittelalter beschränkt blieb. Die Band benannte sich nach dem gleichnamigen Lied von Neidhart von Reuental, der ersten gemeinsamen Komposition von Ougenweide (siehe auch: Strophe des Originals). Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die Kombo 1971 bei einem Schulfest. Nach kurzer Zeit wurden Stefan Wulff und Olaf Casalich Bandmitglieder. Ab diesem Zeitpunkt nannten sie sich Ougenweide.

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Ougenweide, 1977

Die Multiinstrumentalisten Olaf Casalich, Wolfgang von Henko, Frank Wulff, sein jüngerer Bruder Stefan Wulff und Jürgen Isenbart nahmen 1973 mit dem Produzenten Achim Reichel ihr erstes Album Ougenweide auf, damals noch mit den Sängerinnen Renée Kollmorgen und Brigitte Blunck. Nachdem Blunck die Band bereits vor dem Erscheinen des Albums verlassen hatte und darauf nur noch als „Gast“ firmierte, stieg im September des gleichen Jahres die Sängerin Minne Graw ein. Kurze Zeit später trennte sich auch Renée Kollmorgen von Ougenweide, sodass Graw nun die alleinige weibliche Stimme der Band war.

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Nach dem 1974 erschienenen Album All die weil ich mag, das textlich einen Bogen von den Merseburger Zaubersprüchen aus dem 9. Jahrhundert über Walther von der Vogelweide und Heinrich von Mügeln bis zu Goethe spannt, folgten 1975 Auftritte mit bekannten Musikern und Bands wie Fairport Convention, Steeleye Span, Planxty, Amazing Blondel, Alan Stivell und Konstantin Wecker. Dichter und Schriftsteller Peter Rühmkorf und Regisseur Gerd Zenkel erstellten im selben Jahr in Zusammenarbeit mit der Band einen Fernsehfilm über das Leben Walthers von der Vogelweide.

Ein Jahr später veröffentlichte die Band gleich zwei Alben. Die LP Ohrenschmaus enthält mit Im Badehaus, Pferdesegen, Bald anders und Kommt ihr Jungfern helft mir klagen einige der bekanntesten Lieder der Band. Noch im Dezember desselben Jahres erschien das Album Eulenspiegel, dessen erste Plattenseite ausschließlich Lieder enthält, die Ougenweide zu einer Tübinger Eulenspiegel-Inszenierung beisteuerte. Die zweite Seite bietet dagegen die bewährte Mischung aus Vertonungen mittelalterlicher Texte und beschwingten Tanzweisen. Totus floreo (aus der mittelalterlichen Liedersammlung Carmina Burana) und Wol mich der Stunde – die Bearbeitung eines mittelhochdeutschen Textes von Walther von der Vogelweide mit einer altfranzösischen Melodie – gehören zu den Stücken der B-Seite dieses Albums. (Quelle: wikipedia)

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Im gleichen Jahr wie Ohrenschmaus erschien auch der Nachfolger Eulenspiegel, das vierte Album der Hamburger Formation. Der Begriff „Konzeptalbum“ trifft dabei nur für die ersten fünf Stücke (entsprechend der ersten Plattenseite in der Vinylfassung) zu; wie Song- und Albumtitel bereits andeuten, geht es natürlich um Till Eulenspiegel. Diese Lieder waren eine Auftragsarbeit für eine Inszenierung des Landestheaters Tübingen.

Nach der kurzen Einführung werden vier Szenen aus Eulenspiegels Leben dargestellt: er gibt sich als Arzt mit dem gelehrt klingenden Namen „Tyllurius Spiegelius“ aus, versucht sich als Hofmaler und liefert dabei nur eine weiße Leinwand ab (nur ehrliche Menschen können das Bild sehen), streitet mit Gelehrten über „wichtige“ Fragen und erlebt schließlich seine Todesstunde. Gerade dieser letzte Abschnitt, Tills Ende und Vermächtnis, zeigt sich richtig „proggig“, inklusive eines geradezu symphonisch-feierlichen Ausklangs.

Wie man auf der Ougenweide-Homepage erfährt, wurde nur ein Teil der für die erwähnte Aufführung komponierten Stücke auf diesem Album veröffentlicht.

In der zweiten Hälfte vertonen Ougenweide dann wieder altertümliche Texte. Mit Totus Floreo ist erstmals ein lateinisch gesungenes Stück dabei, es stammt aus den Carmina Burana, die den meisten durch die Vertonung von Carl Orff bekannt sein dürften. Höhepunkte sind außerdem Wol mich der Stunde nach einem Gedicht von Walther von der Vogelweide, mit einem schönen jammenden Instrumentalteil, sowie Durch den Ermel gât daz Loch, das mit wunderbarem A-Capella-Gesang von Minne Graw beginnt und sich über einen eher meditativen Mittelteil zu einem richtiggehend rockenden (relativ gesehen) Stück mit Anklängen an Jethro Tull entwickelt.

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Die Instrumentierung ist wieder weitgehend akustisch, wobei die Verwendung des Krummhorns in einigen Stücken den besonderen „Mittelalter-Touch“ verleiht. Vereinzelt kommt auch mal E-Gitarre zum Einsatz, aber wenn, dann doch eher zurückhaltend.

Eulenspiegel erschien 2006 erstmals auf CD, zusammen mit dem Vorgänger Ohrenschmaus. Zur Aufmachung der CD siehe dort. Schade, dass auch hier wieder einige Information, die auf der LP enthalten waren, nicht übernommen wurden. So wird der Text des abschließenden Stücks Enzio verständlicher, wenn man weiß, dass es sich um die Übersetzung eines Gedichts von Enzio von Sardinien, eines Sohnes Kaiser Friedrichs II., handelt, das dieser während seiner über zwanzigjährigen Haft in Bologna schrieb.

Für Liebhaber folk-proggiger Klänge ist Eulenspiegel, ebenso wie Ohrenschmaus, Pflicht! (Jochen Rindfrey)

Dem schließe ich mich jetzt einfach mal vorbehaltslos an.

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Besetzung:
Olaf Casalich (drums, percussion, vocals)
Minne Graw (piano, flute, harmonium, vocals)
Wolfgang von Henko (guitar, mandolin, vocals)
Jürgen Isenbart (percussion)
Frank Wulff (flute, crumhorn, mandolin, banjo, bouzouki, guitar, vocals)
Stefan Wulff (bass, guitar, acccordion)
+
Florian Wulff-Haack (Eulenspiegel bei 01.)

BackCover

Titel:
01. Till (Wulff-Raven/Casalich(v.Henko) 0.28
02. Tyllurius Spiegelius (v.Henko/Wulff) 3.22
03. Der Hofmaler (Wulff/Wulff-Raven) 5.06
04. Till und die Gelehrten (Graw) 4.28
05. Tills Ende und Vermächtnis (Casalich/v.Henko) 5.20
06. Welscher Tanz und Hupfauf (Traditional/Wulff-Raven/Graw/Casalich/Wulff/ v.Henko/Neusiedler) 2.46
07. Totus Floreo (Traditional/Wulff-Raven/Graw/Casalich/Wulff/v.Henko) 2.43
08. Wol mich der Stunde (Traditional/Wulff-Ravens/Graw/Casalich/Wulff/v.Henko/von der Vogelweide) 5.38
09. Durch den Ermel gat das Loch (v.Reuental/Casalich) 4.59
10. Enzio (Casalich/v.Henko) 2.12

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