Ougenweide – Herzsprung (2010)

FrontCover1Die Geschichte der Hamburger Formation Ougenweide beginnt im Jahre 1969. Damals spielte man hauptsächlich Coverversionen britischer Bands wie Fairport Convention oder Jethro Tull. Der kurze Zeit später hinzugestoßene Olaf Casalich brachte dann die Idee auf, Texte mittelalterlicher Dichter zu vertonen – in der Originalsprache. Musikalisch boten Ougenweide einen mehr oder weniger stark angeproggten Folk-Rock mit deutlichem Einfluss mittelalterlicher Musik.

Nachdem im September 1973 die Sängerin Minne Graw bei Ougenweide einstieg, war die „klassische“ Formation erreicht, die bis zur Auflösung der Band unverändert bleiben sollte. Anfang der 80er wandelte sich der Stil der Band, die letzten Studioalben „Ja-Markt“ (1980) und „Noch aber ist April“ (1981) waren stärker rockorientiert, aber immer noch mit proggigem Einfluss. Die Texte stammten jetzt komplett aus eigener Feder und hatten oft einen sozialkritischen Inhalt.

Nach dem Rauswurf durch die Plattenfirma wegen der schlechten Verkaufszahlen von „Noch aber ist April“ tourten Ougenweide noch für ein paar Jahre, 1985 trennte sich die Band. Ein Jahrzehnt später kam es zu einer kurzzeitigen Reunion und einem neuen Studioalbum „Sol“.

Im Jahre 2007 sind Ougenweide wieder live unterwegs, im Frühjahr 2010 folgte mit „Herzsprung“ nach 14 Jahren ein neues Studioalbum. (babyblaue-seiten.de)

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Die Idee für diese CD entstand mit der Begegnung des Gründungsmitgliedes Frank Wulff-Raven und der Schauspielerin und Sängerin Sabine Maria Reiß im Jahr 2000, konnte aber lange nicht umgesetzt werden. Die Kompositionen sind von Frank Wulff-Raven, während Sabine Maria Reiß Texte aus mehreren Jahrhunderten und verschiedenen europäischen Ländern aufspürte und teilweise aus dem Englischen ins Deutsche übertrug. Das Album Herzsprung erschien zum 40-jährigen Bandjubiläum und war das erste Studioalbum nach 14 Jahren.

Auf Herzsprung werden Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug verwendet, aber auch so ungewöhnliche Instrumente wie Tritonshörner, Kinsho Koto, Dutar, Clavioline, Monochord, Launedda, Fiedel, Nyckelharpa und Waldoline. Fast alle dieser Instrumente werden von Frank Wulff-Raven gespielt. Bei Ein leis und traurig Lied, dessen Text Maria Stuart zugeschrieben wird, sind einige der im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gesammelten Musikskulpturen der französischen Brüder Baschet zu hören.

Sabine Maria Reiß

Die CD eröffnet mit dem Prolog Tritons Ruf, einem auf Meerschneckentrompeten geblasenen Stück, das in das namensgebende Instrumentalstück Herzsprung übergeht. Es folgt ein Heilungssegen aus dem 10. Jahrhundert, Phol ende Uuodan, von Olaf Casalich gesungen. Textvorlage ist der zweite Merseburger Zauberspruch; damit knüpft man an eine erfolgreiche Ougenweide-Nummer an. Mit Ein leis und traurig Lied, in dem Maria Stuart als 18-Jährige den Tod ihres Gatten, Francois II., beklagt, wird von Sängerin Sabine Maria Reiß interpretiert.

Mechthild von Magdeburg, eine der wenigen Minnesängerinnen des 13. Jahrhunderts, beschreibt in ihrem Gedicht Dy Minne die Macht der Liebe, die am Jüngsten Tage in der Waage schwerer wiegen wird als die gesamte Erde. Die Musik wurzelt im französischen Une jeune fillette.

Christina Rossetti, Schwester des Malers Dante Gabriel Rossetti, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Künstlergruppe der Präraffaeliten gründete, ist mit mehreren Texten auf dem Album vertreten. Das Stück Einem Lieben basiert auf zwei Rossetti-Gedichten, die Sabine Maria Reiß ins Deutsche übertrug und zu einem Text zusammenführte. Es folgt mit Uisk flo aftar themo uuatare ein Text aus dem 10. Jahrhundert in Altsächsisch, ein Heilungsgebet für ein Pferd. Der Dansa joioza, ein provenzalisches Tanzlied nach dem Text des Trobadorliedes A l’Entrada, erzählt von der frühlingshaften Aprilkönigin, die über den eifersüchtigen Winterkönig obsiegt. Nach Christina Rossettis Lilien & Rosen über die Vergänglichkeit der Schönheit folgt ein Tanz- und Liebeslied in altem Italienisch, Ella Mia.

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Hans Neusidlers Der welsche Tanz, für Knickhalslaute im frühen 16. Jahrhundert komponiert und von Ougenweide schon einmal für das Album Eulenspiegel (1976) bearbeitet, leitet über in ein Lied aus dem Glogauer Liederbuch (um 1470), Ich sachs eins mals, ein kurzer Text über die Liebe und die Endlichkeit allen Lebens. Das dritte Stück nach einem Rossetti-Gedicht ist Echo. Es handelt von der Liebe, die über den Tod hinausgeht. Es führt in das Lied Partite Amore über, ein Abschiedslied, mit dessen Text der Notar Nicholaus Phylippi im Bologna des 13. Jahrhunderts ein Dokument fälschungssicher gemacht hat. Die CD endet mit dem Epilog, einem kurzen Instrumentalstück für Tritonshörner und Kinderklavier.
Sonstiges

Frank Wulff-Raven starb am 19. März 2010, wenige Wochen vor Veröffentlichung des Albums. Am 4. Juni 2010 gab Ougenweide ein Konzert zur Veröffentlichung des Albums, bei dem Wulff-Ravens Part von drei Musikern übernommen wurde. (wikipedia)

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Vom ersten Ton an überwältigende Rückkehr dieses Mittelalter-Folk-Urgesteins, 40 Jahre nach der Gründung und fast 15 Jahre nach dem letzten Studioalbum-Lebenszeichen. Aber die lange Zeit des Reifens, nicht zuletzt auch die 40-jährige Erfahrung, des aktiven Am-Musikgeschehen-Teilhabens haben dem einstündigen 15-Song-Epos spür- und hörbar gut getan, entwickelt sich der Herzsprung doch zu einer Stil- und Klangfülle, die man auch bei den schon früher bemerkenswerten stiloffenen Musikern bislang noch nicht erlebt hatte. Mit einigem konventionellen und umso mehr exotischem Instrumentarium (Tritonshörner, Kinsho Koto, Dutar, Clavioline, Monochord, Launedda, Nyckelharpa, Singende Säge, Waldoline) erschafft die Musikanten- und Sängerschar eine überschwänglich Melodie-reiche, Welten und Zeiten verbindende Musik-Vielfalt, die mal zum Tanz, mal zum Lauschen, mal zum Tief-Sinnen lädt. Einflüsse aus Mittelalter, Barock, Jazz, dem Balkan und Asien, irischem Folk und handfestem Rock werden verarbeitet und vereinnahmt und zu einem immer wieder überraschenden, sich verändernden und doch sich treu bleibenden Stil-Fluß vereint. Gemeinsam mit alten Recken und neuen Namen schuf Frank Wulff Raven der Legende Ougenweide ein lebendiges Denkmal, und fand zudem in Sabine Maria Reiß eine Stimme, die Minnes Gesang fast vergessen lässt. Musik und Worte aus vielen Jahrhunderten, im hier und jetzt auf den zeitlosen Punkt gebracht. (Glitterhouse)

Presseinformation:
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Vor einigen Jahren entdeckte ich bei einem Konzert (wohl von Laurie Anderson) Frank Wulff unter den Begleitmusikern und sprach ihn in der Pause an auf die großen Ougenweide-Zeiten der späten 70er, die wir geteilt hatten – er auf der Bühne, ich anonym davor. Er war traurig, dass der Backkatalog in den Archiven verdämmerte, trotz des Erfolges aktueller Mittelalterbands, denen Ougenweide jede denkbare Vorlage geliefert hatten. Nach 15 Jahren Pause und neun Jahren Arbeit erscheint nun ein neues Ougenweide-Album, Frank Wulff hatte dem Termin entgegengefiebert – und erlebt nun die Veröffentlichung nicht mehr. Am 19. März starb er, mit 57, und das melancholische Werk wird zum Erbe des grandiosen Multiinstrumentalisten. Es vereint alle Stärken der Folkfusionisten: die instrumentale Exotik (was ist eine Nyckelharpa???); das Verschmelzen von Gestern und Heute; die tiefe Verwurzelung in der Folktradition, die von Tümelei so weit entfernt ist wie Woody Guthrie von Rednecks – und natürlich die pure Freude an Klängen, Melodien und Ensemblespiel. Die hatte das Hamburger Virtuosenensemble selbst in den 80ern nicht verloren, als es sich zu sehr an den Zeitgeist schmiegte und so an Bedeutung verlor. „Herzsprung“ ist ein großartiges Vermächtnis, das sich mit Verlust und Vergänglichkeit beschäftigt und dabei immer den richtigen Ton trifft. Vielleicht entdeckt ja jetzt jemand den Archivschatz der alten Ougenweide-Alben und remastert sie anständig. Man wäre es dem großen Frank Wulff schuldig. (kulturnews.de)

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Das Ougenweide-Jubiläumsjahr geht gut weiter! Nach der Wiederbegegnung mit Minne Graw gibt es nun also das lang erwartete Ougenweide-Studioalbum, das erste nach eineinhalb Jahrzehnten! Im Gegensatz zu „Sol“, das in synthetischen Klängen geradezu badete, hat man sich bei „Herzsprung“ Natur pur verordnet. Zum Klingen kommen Instrumente, die die Gebrüder Wulff aus aller Herren Länder nach Hamburg ins heimische O-Ton-Studio gebracht haben. So erklingen in trauter Eintracht Tritonshörner, Launedda, Duar, Koto, Monochord und manch andere exotische (oder historische) Köstlichkeit. Ougenweide gelingt es, aus einer deutlich gereiften Perspektive an die Siebziger anzuknüpfen. Mechthild von Magedeburgs „Dy minne“, die brillante Merseburger Zauberspruch-Vertonung „Phol ende Uuodan“ und „Der welsche Tanz“ klingen ganz wie in den besten Tagen. Allerdings ist an die Stelle der jugendlichen Unbefangenheit von einst die Klangsensibilität eines an Musik und Erfahrung reichen Lebens getreten! Die Arrangements sind über Jahre gewachsen und wurden mit Liebe zum kleinsten Detail ausgearbeitet. Neben dem von Olaf Casalich beseelt und rhythmisch zupackend gesungenen Pferdezauber „Phol ende Uuodan“, über dem ein herrlicher fünfminütiger Spannungsbogen liegt, gibt es ein weiteres Meisterstück: Sabine Maria Reiß interpretiert geradezu entrückt das tieftraurige „Ich sachs eins mals“, in dem sich die Liebessehnsucht des Glogauer Liederbuches mit den Schmerzen aus Blues und Klezmer verbinden. Die Band, die Vorbild für die gesamte Mittelaltermusikszene ist, beschließt ihr Album augenzwinkernd mit einem einminütigen Epilog vom Kaliber „Merseburger Spieluhr“. Ein reifes Werk von abgeklärten Musikern, die wissen, worauf es im Leben ankommt – vergleichbar nur noch mit den aktuellen Produktionen von Sting oder Peter Gabriel! (minnesang.com)

Das Album ist wie ein wunderbar gereifter Whisky … !

Und es versteht sich leider von selbst, dass nach dem Tod von Frank Wulff Raven das Projekt Ouenweide ebenfalls mit begraben wurde.

BackCover1

Besetzung:
Olaf Casalich (vocals, percussion)
Hinrich Dageför (guitar, mandolin, kalimba)
Martin Engelbach (drums)
Krzysztof Gediga (clarinet, accordeon)
Sabine Maria Reiß (vocals)
Frank Wulff Raven (guitar, flute, krummhorn, nyckelharpa, fiddle, clarinetto, zither, keyboards, bouzouki, horn, percussion)
Stefan Wulff (bass, percussion)
+
Angelika Bachmann (violine bei 08. + 09.)
Ferdinand v. Seebach Posaune (trombone bei 07.)
Leonie Wulff (vocals bei 08. + 12.)Inlet
Titel:
01. Tritons Ruf (Raven) 0.48
02. Herzsprung (Raven/Dageför) 4.38
03. Phol Ende Uuodan (Raven/Casalich) 5.12
04. Ein leis und traurig Lied (Raven/Erdmann/Stuart) 6.53
05. Dy Minne (Traditional/v.Magdeburg) 3.36
06. Einem Lieben (Reiss/Rossetti) 5.38
07. Uisk Flo Aftar Themo Uuatare (Raven/Traditional) 5.07
08. Dansa Jojoza (Raven/Reiss/Traditional) 4.46
09. Lilien & Rosen (Raven/Reiss/Traditional) 4.51
10. Ella Mia (Raven/Wulff/Dageför/Taditional) 3.43
11. Der welsche Tanz (Raven/Neusiedler) 3.16
12. Ich sachs eins mals (Glogauer Liederbuch) 4.00
13. Echo (Reiss/Rossetti) 4.31
14. Partite Amore (Raven/Reiss/Traditional) 4.13
15. Epilog (Raven) 1.02

CD1

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Ougenweide – Ohrenschmaus (1976)

FrontCover1Den Anstoß zum Minne-Rock der Band 1971 brachte ein Schulbuch mit mittelalterlichen Texten, das Bandgründer Frank Wulff mit seinen Mitspielern Stefan Wulff, Olaf Casalich, Wolfgang von Henko, Jürgen Isenbart und Brigitte Blunck durchging und bearbeitete. Danach nannte sich das Musikerkollektiv nach einem Begriff aus einem Gedicht des Lyrikers Neidhardt von Reuenthal Ougenweide. Erste Konzerte brachten einiges an Aufsehen, Achim Reichel wurde letztendlich auf die Band aufmerksam, und 1973 veröffentlichte Polydor das gleichnamige Debüt. Zumeist Texte von Walther von der Vogelweide hatte die Band vertont, darunter das wunderbare Ouwe. Mit Der Fuchs präsentierte die Platte aber auch einen ersten selbstverfassten Klassiker, der für nicht wenige Fans der Song der Band wurde.

Laut dem Musikmagazin ‚Sounds‘ gelang der Band mit ihrem Debüt eine „ziemlich gelungene Synthese aus Vergangenheit und Gegenwart“.

Nach Erscheinen der Platte verließ Brigitte Blunck die Band und wurde durch die Sängerin und Keyboarderin Minne Graw (Kein Künstlername!) ersetzt.
Nun hatte Ougenweide die klassische Besetzung gefunden, die bis zum Ende der Band 1982 hielt.

Nach gemeinsamen Tourneen mit den britischen Folk-Größen Amazing Blondel 1974 und Fairport Convention 1975 galten Ougenweide bereits offiziell als ‚Deutschlands Minne-Rock-Band No 1‘. Bedingt durch die vielen Live-Auftritte erschien das dritte Album ‚Ohrenschmaus‘ erst 1976. Die Band setzte sich hier mit den Riten und Bräuchen vergangener Jahrhunderte auseinander und inszenierte sie im zart bis heftigen Rock-Ambiente. Das Album enthielt zahlreiche Klassiker der Band wie

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Minne Graw

Olaf Casalichs Im Badehaus sowie Pferdesegen und das unglaubliche Ouwe wie Jaemmerliche. Gerade aber die Sangeskünste von Minne Graw hatten inzwischen eine dermaßen hohe Qualität erreicht, dass sie in einem Zuge mit der legendären Sandy Dennis genannt wurde. Das noch im selben Jahr erschienene Album ‚Eulenspiegel‘ beinhaltete Teile einer Auftragsarbeit für das Tübinger Landestheater im Rahmen einer ‚Eulenspiegel‘-Aufführung. Diesem Album bescheinigte das nicht gerade als Deutschrock-freundlich bekannte Magazin ‚Sounds‘ eine „fast rattenfängerhafte Ausstrahlung“. Mit Wol mich der Stunde und Totus Floreo enthielt auch dieses Album Juwelen, die bis zum Ende der Band zum festen Konzert-Repertoire der Band zählten.

„Ohrenschmaus“ war das dritte Album der Band, und hier hatten sie nun nach dem etwas unausgegorenen Debüt und seinem deutlich reiferen, aber doch sehr ruhigen Nachfolger endgültig ihren Sound gefunden. Mit dem „Bombarde-Ment“ geht gleich zu Beginn ordentlich die Post ab, und der Weg ist frei für Ougenweide-Klassiker wie „Kommt ihr Jungfern helft mir klagen“, „Pferdesegen“, „Bald anders“, „Ouwe wie jaemerliche“ (auf dieser CD aus unerfindlichen Gründen zu „Owê…“ geworden) und „Im Badehaus“. Die restlichen Songs spielen allesamt in derselben Liga, vielleicht mit Ausnahme des etwas lauen Kiffer-Instrumentals „Engelboltes Tocher Aven“. Und auch wenn einige von der Band selbstverfasste Texte nicht immer so ganz glücklich erscheinen („Im Badehaus“, „Eines Freitags im Wald“), so macht die Musik das doch spielend wieder wett. Und so bombastisch das Album eröffnet wurde, so leise verklingt es mit der „Merseburger Spieluhr“, einer – wie der Name schon sagt – Spieluhr-Version der „Merseburger Zaubersprüche“ vom Vorgängeralbum. Blues Caravan)

Und auch wenn die Musik heute in doppelter Bedeutung wie Musik aus längst vergangenen Zeiten klingt – sie klingt weiterhin frisch, anmutig und schmeichelnd – ein Ohrenschmaus eben.  Ach ja, und der Achim Reichel hat auch diese LP von Ougenweide produziert.

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Ougenweide, 1977

Besetzung:
Olaf Casalich (vocals, drums, percussion)
Minne Graw (vocals, harmonium, piano)
Wolfgang von Henko (guitar, mandolin, vocals)
Jürgen Isenbart (marimba, vibraphone, drums, glockenspiel)
Frank Wulff (flute, bouzouki, mandolin, guitar, harmonium, vocals, bombarde)
Stefan Wulff (bass, piano, zither, accordion)
+
Stewart Fahey (trumpet, trombone bei 06.)
Streicher Des NDR-Symphonieorchester (bei 02., 05., 07.) unter der Leitung von Peter Hecht

BackCoverTitel:
01. Bombarde-Ment (F.Wulf/Raven) 1.10
02. Kommt ihr Jungfern helft mir klagen (Traditional/Casalich/Grawv.Henko) 5.03
03. Eines Freitags im Wald (Casalich/v.Henko/Graw) 3.11
04. Pferdesegen (Contra Uermes) (Traditional/Casalich/Reichel/F. Wulff/Raven) 2.00
05. Bald anders (Casalich/St. Wulff/F. Wulff/Raven) 6.32
06. Im Badehaus (Graw/Casalich) 3.08
07. Ouwe wie jaemerliche… (Casalich/v.d.Vogelweide/Wulff/Raven/v.Henko) 4.21
08. Engelboltes Tochter Aven (St. Wulff) 3.01
09. Rumet uz die Schäemel und die Stüele (v.Reuenthal/F. Wulff/Raven/Graw/v.Henko/Casalic) 1.54
10. Al Fol (Wulff/Raven/Graw/Casalich(GlogauerLiederbuch) 1.00
11. Der Schlemihl (Casalich/F. Wulff/Raven/St. Wulff/v.Henko) 3.55
12. Merseburger Spieluhr (F. Wulff/Raven) 0.37

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Ougenweide – Eulenspiegel (1976)

FrontCover1.jpgDie standen bei mir damals schon hoch im Kurs:

Ougenweide ist eine deutsche Folk-Rock-Band und Vorreiterin des Mittelalter-Rock in Deutschland.

Ihr Name rührt her vom mittelhochdeutschen Wort ougenweide für „Augenweide“, also einen Anblick, an dem man sich erfreut.

Eine Vorgängerband bestand Ende 1969 aus Frank Wulff, Michael Steinbeck, Jürgen Isenbart und Brigitte Blunck. Ougenweide wurde im Frühjahr 1970 in Hamburg gegründet. Von Beginn an setzte sich die Band das Ziel, vor allem mittelalterliche Lieder und Gedichte (neu) zu vertonen, wobei der Blickwinkel nie streng auf das Mittelalter beschränkt blieb. Die Band benannte sich nach dem gleichnamigen Lied von Neidhart von Reuental, der ersten gemeinsamen Komposition von Ougenweide (siehe auch: Strophe des Originals). Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die Kombo 1971 bei einem Schulfest. Nach kurzer Zeit wurden Stefan Wulff und Olaf Casalich Bandmitglieder. Ab diesem Zeitpunkt nannten sie sich Ougenweide.

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Ougenweide, 1977

Die Multiinstrumentalisten Olaf Casalich, Wolfgang von Henko, Frank Wulff, sein jüngerer Bruder Stefan Wulff und Jürgen Isenbart nahmen 1973 mit dem Produzenten Achim Reichel ihr erstes Album Ougenweide auf, damals noch mit den Sängerinnen Renée Kollmorgen und Brigitte Blunck. Nachdem Blunck die Band bereits vor dem Erscheinen des Albums verlassen hatte und darauf nur noch als „Gast“ firmierte, stieg im September des gleichen Jahres die Sängerin Minne Graw ein. Kurze Zeit später trennte sich auch Renée Kollmorgen von Ougenweide, sodass Graw nun die alleinige weibliche Stimme der Band war.

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Nach dem 1974 erschienenen Album All die weil ich mag, das textlich einen Bogen von den Merseburger Zaubersprüchen aus dem 9. Jahrhundert über Walther von der Vogelweide und Heinrich von Mügeln bis zu Goethe spannt, folgten 1975 Auftritte mit bekannten Musikern und Bands wie Fairport Convention, Steeleye Span, Planxty, Amazing Blondel, Alan Stivell und Konstantin Wecker. Dichter und Schriftsteller Peter Rühmkorf und Regisseur Gerd Zenkel erstellten im selben Jahr in Zusammenarbeit mit der Band einen Fernsehfilm über das Leben Walthers von der Vogelweide.

Ein Jahr später veröffentlichte die Band gleich zwei Alben. Die LP Ohrenschmaus enthält mit Im Badehaus, Pferdesegen, Bald anders und Kommt ihr Jungfern helft mir klagen einige der bekanntesten Lieder der Band. Noch im Dezember desselben Jahres erschien das Album Eulenspiegel, dessen erste Plattenseite ausschließlich Lieder enthält, die Ougenweide zu einer Tübinger Eulenspiegel-Inszenierung beisteuerte. Die zweite Seite bietet dagegen die bewährte Mischung aus Vertonungen mittelalterlicher Texte und beschwingten Tanzweisen. Totus floreo (aus der mittelalterlichen Liedersammlung Carmina Burana) und Wol mich der Stunde – die Bearbeitung eines mittelhochdeutschen Textes von Walther von der Vogelweide mit einer altfranzösischen Melodie – gehören zu den Stücken der B-Seite dieses Albums. (Quelle: wikipedia)

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Im gleichen Jahr wie Ohrenschmaus erschien auch der Nachfolger Eulenspiegel, das vierte Album der Hamburger Formation. Der Begriff „Konzeptalbum“ trifft dabei nur für die ersten fünf Stücke (entsprechend der ersten Plattenseite in der Vinylfassung) zu; wie Song- und Albumtitel bereits andeuten, geht es natürlich um Till Eulenspiegel. Diese Lieder waren eine Auftragsarbeit für eine Inszenierung des Landestheaters Tübingen.

Nach der kurzen Einführung werden vier Szenen aus Eulenspiegels Leben dargestellt: er gibt sich als Arzt mit dem gelehrt klingenden Namen „Tyllurius Spiegelius“ aus, versucht sich als Hofmaler und liefert dabei nur eine weiße Leinwand ab (nur ehrliche Menschen können das Bild sehen), streitet mit Gelehrten über „wichtige“ Fragen und erlebt schließlich seine Todesstunde. Gerade dieser letzte Abschnitt, Tills Ende und Vermächtnis, zeigt sich richtig „proggig“, inklusive eines geradezu symphonisch-feierlichen Ausklangs.

Wie man auf der Ougenweide-Homepage erfährt, wurde nur ein Teil der für die erwähnte Aufführung komponierten Stücke auf diesem Album veröffentlicht.

In der zweiten Hälfte vertonen Ougenweide dann wieder altertümliche Texte. Mit Totus Floreo ist erstmals ein lateinisch gesungenes Stück dabei, es stammt aus den Carmina Burana, die den meisten durch die Vertonung von Carl Orff bekannt sein dürften. Höhepunkte sind außerdem Wol mich der Stunde nach einem Gedicht von Walther von der Vogelweide, mit einem schönen jammenden Instrumentalteil, sowie Durch den Ermel gât daz Loch, das mit wunderbarem A-Capella-Gesang von Minne Graw beginnt und sich über einen eher meditativen Mittelteil zu einem richtiggehend rockenden (relativ gesehen) Stück mit Anklängen an Jethro Tull entwickelt.

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Die Instrumentierung ist wieder weitgehend akustisch, wobei die Verwendung des Krummhorns in einigen Stücken den besonderen „Mittelalter-Touch“ verleiht. Vereinzelt kommt auch mal E-Gitarre zum Einsatz, aber wenn, dann doch eher zurückhaltend.

Eulenspiegel erschien 2006 erstmals auf CD, zusammen mit dem Vorgänger Ohrenschmaus. Zur Aufmachung der CD siehe dort. Schade, dass auch hier wieder einige Information, die auf der LP enthalten waren, nicht übernommen wurden. So wird der Text des abschließenden Stücks Enzio verständlicher, wenn man weiß, dass es sich um die Übersetzung eines Gedichts von Enzio von Sardinien, eines Sohnes Kaiser Friedrichs II., handelt, das dieser während seiner über zwanzigjährigen Haft in Bologna schrieb.

Für Liebhaber folk-proggiger Klänge ist Eulenspiegel, ebenso wie Ohrenschmaus, Pflicht! (Jochen Rindfrey)

Dem schließe ich mich jetzt einfach mal vorbehaltslos an.

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Besetzung:
Olaf Casalich (drums, percussion, vocals)
Minne Graw (piano, flute, harmonium, vocals)
Wolfgang von Henko (guitar, mandolin, vocals)
Jürgen Isenbart (percussion)
Frank Wulff (flute, crumhorn, mandolin, banjo, bouzouki, guitar, vocals)
Stefan Wulff (bass, guitar, acccordion)
+
Florian Wulff-Haack (Eulenspiegel bei 01.)

BackCover

Titel:
01. Till (Wulff-Raven/Casalich(v.Henko) 0.28
02. Tyllurius Spiegelius (v.Henko/Wulff) 3.22
03. Der Hofmaler (Wulff/Wulff-Raven) 5.06
04. Till und die Gelehrten (Graw) 4.28
05. Tills Ende und Vermächtnis (Casalich/v.Henko) 5.20
06. Welscher Tanz und Hupfauf (Traditional/Wulff-Raven/Graw/Casalich/Wulff/ v.Henko/Neusiedler) 2.46
07. Totus Floreo (Traditional/Wulff-Raven/Graw/Casalich/Wulff/v.Henko) 2.43
08. Wol mich der Stunde (Traditional/Wulff-Ravens/Graw/Casalich/Wulff/v.Henko/von der Vogelweide) 5.38
09. Durch den Ermel gat das Loch (v.Reuental/Casalich) 4.59
10. Enzio (Casalich/v.Henko) 2.12

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