Xhol – Hau-RUK (1971)

FrontCover1Erst hießen sie „Soul Caravan“, dann „Xhol Caravan“ und schließlich nur noch „Xhol“ … und sie waren fantastisch !

Xhol beabsichtigten 1970, auf dem Ohr-Label ein Doppel-Album herauszubringen, eine LP mit Live-, eine weitere mit Studio-Aufnahmen. Für die Live-LP waren die für dieses Album verwendeten Aufnahmen vorgesehen. Da dieses Doppel-Album an R.U.Kaisers Widerstand scheiterrte und deshalb nicht zu realisieren war, erschien Ende 1970 auf Ohr diese Einzel-LP.Man hat lange gerätselt, was den nun der Titel des Albums sei, es hat sich nun manifestiert, dass hau-RUK der Titel ist. RUK bedeutet offensichtlich Rolf Ulrich Kaiser, auf den die Jungs wegen des nicht realisierten Doppel-Albums nicht gerade gut zu sprechen waren. Im Januar 2003 hat Garden of Delight (GOD) eine offizielle Version des Albums in recht guter Tonqualität und mit einem sehr informativen und umfangreichen Booklet sowie einem Bonus-Track herausgegeben. GOD hat 1.000 Exemplare dieser CD aufgelegt, davon sind fast keine mehr in Handel erhältlich, man sollte also zugreifen, wenn noch ein Exemplar angeboten wird. Zuverlässige Bezugsquellen sind Milestone-Mailorder und Green-Brain.

Die zwei am 1. und 2 Juli 1970 im Center Göttingen live aufgenommenen, jeweils ca. 20minütigen Tracks sind vermutlich die musikalisch gelungensten Teile längerer Stücke – Xhol waren ja bekannt für ihre sehr ausladenden Sessions.
„Breit“ ist ein sehr ruhiger, jazzig/psychedelischer Titel, der sich stetig weiterentwickelt, ohne dabei langweilig zu werden. Langsam und ruhig lässt Tim sein elektronisch verstärktes Saxophon eine Melodie finden, untermalt von modulierenden Tönen von Öckis Hammond. Bass und Schlagzeug greifen erst spät in das musikalische Geschehen ein, die schwebend-epische Stimmung bleibt aber auch dann erhalten. Bedächtig, stetig fortschreitend und konsequent entwickelt sich das Stück weiter, nur kurz unterbrochen von einigen freejazzigen Ausbrüchen, die aber schnell wieder zur melancholischen Grundstruktur des Stücks zurückführen. Der Titel wird in manchen Besprechungen mit Titeln aus dem Album Soft Machine III verglichen. Dies stimmt zwar wegen der Länge des Titels und der Instrumentierung, aber musikalisch sind doch einige Unterschiede zu erkennen. Xhols Musik, auch in diesem Titel, ist wesentlich emotionaler und basiert auf anderen, an Soul und Psychedelic orientierten Ursprüngen, dieser Aspekt fehlt bei Soft Machine völlig.

Konzertplakat
„Schaukel“ beginnt mit einer musikalisch unbefriedigenden, man könnte auch sagen, einer technisch etwas misslungenen Einblendung, wird dann sehr bluesig/rockig und endet mit einer melancholischen Melodie aus alten Xhol Caravan-Zeiten, nämlich Talking to my soul. Tims elektrisch verstärktes und verfremdetes, mit Echo und Wah-Wah ausgestattetes Saxophon und Öckis Hammond bestimmen auf beiden Titeln das Geschehen. Drummer Skip übernimmt im rockigen Teil von Schaukel die schrägen vocals

Beide Titel erschliessen sich dem Hörer voll und ganz erst nach mehrmaligem Anhören. Man erkennt dann – aber das gilt ja für die gesamte Musik der Band seit 1969 – wie sich die Musik aufbaut, weiterentwickelt, die Melodien von den Bandmitgliedern improvisiert und variiert werden und zu einem logischen kollektiven Ende geführt werden. Auch viele Details prägen sich einem dann erst nach und nach ein. Auf der Cover-Rückseite hat die Band den schönen alten hessischen Spruch -Haste einen Freund, dann raach mit ihm den Scheund- verewigt. Diese Aufforderung haben bei diesem Konzert, wie bei vielen anderen Konzerten der Band, wohl nicht nur die Musiker, sondern auch die Zuhörer freudig befolgt.

Klanglich entsprechen diese Aufnahmen dem damaligen Stand der Technik für eine Live-Aufnahme, von einem analogen 2-spur Bandgerät kann man nicht mehr erwarten.

Xhol

Eine absolute Überraschung im positiven Sinn – sowohl musikalisch als auch aufnahmetechnisch – ist der ca. 22minütige Bonus-Track „Süden twi Westen“. Er wurde 1974, also 2 Jahre nach der Auflösung der Band, im Dierks-Studio in Stommelen aufgenommen. Leider fehlt Klaus Briest am Bass (ihn ersetzt sehr gut Norbert Dömling von Missus Beastly), dafür ist Hansi Fischer wieder dabei. Die Länge des Titels lässt darauf schliessen, dass ggf. hier ein Album geplant war und dieser Titel eine Seite dieses Album sein sollte. Leider konnte das aber nicht realisiert werden.
Ein direkter Vergleich mit den zwei ursprünglichen Titeln von hau-RUK zeigt, dass es keine Ähnlichkeiten gibt – auch wenn das in diversen Rezensionen behauptet wird. Denn schon nach wenigen Takten ist es wieder da – das typische Xhol Caravan-Feeling von 1969 und 1970, das man auch in den Xhol-Reunion-Konzerten hören konnte: Bass und Drums liefern eine solide rockende und vor allem jazzend/swingende Basis, Öckis Keyboards sorgen für wunderschöne Melodien, Tim und Hansi lassen es röhren wie zu besten Zeiten – beide nun wieder ohne elektronische Verfremdung der Instrumente – und zum Schluss sorgt Öcki für einen richtig schönen melancholischen Ausklang. Für diesen Titel gilt auf jeden Fall: Kopfhörer auf, Lautstärke auf, Augen zu und dann: Jazzen mit rhythmischem Kopfnicken und Fusswippen! (Reinhard Horlacher)

Unglaublich: die Magie dieser Musik ist auch 2014 noch vorhanden … von daher: Ein zeitloser Klassiker … keine Frage !

Booklet02.jpg

Besetzung:
Tim Belbe (saxophone)
Öcki Brevern (keyboards)
Klaus Briest (bass)
Skip van Wyck (drums)
+
Norbert Dömling (bass bei 03.)
Hansi Fischer (flute, saxophone bei 03.)

BackCover1

Titel:
01. Breit (Belbe/Brevern/Briest/v.Wyck) 24.13
02. Schaukel (Belbe/Brevern/Briest/v.Wyck) 20.20
03. Süden twi Westen (Belbe/Brevern/Dömling/Fischer/v.Wyck) 21.52

LabelB1
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Ulrich Roski – Der kleine Mann von der Straße (1974)

FrontCover1Er war ein Sprachakrobat der ganz besonderen Art:

Ulrich Roski (* 4. März 1944 in Prüm in der Eifel; † 20. Februar 2003 in Berlin) war ein deutscher Liedermacher, der seine größten Erfolge in den 1970er Jahren hatte.

Ulrich Roski wuchs im Berliner Bezirk Wedding auf. Während der Schulzeit am Französischen Gymnasium in Berlin waren er und der spätere Liedermacher Reinhard Mey Klassenkameraden.

Ulrich Roski beschrieb in seinen Liedern mit einer Mischung aus lakonischem Humor und Wortwitz die Tücken des Alltags. Er war Preisträger bei den Internationalen Essener Songtagen für sein Lied Beschreibung eines Stierkampfes. Seit 1970 veröffentlichte er mehr als 20 Platten und CDs. Einige seiner Lieder schafften es Mitte der 1970er Jahre bis in die oberen Plätze der Hitparaden. In dieser Phase trat er unter anderem in der Hamburger Musikhalle und der Berliner Philharmonie auf. Die meisten seiner Auftritte absolvierte er allein, wobei er sich am Klavier oder mit der Gitarre begleitete. Im Rahmen einer gemeinsamen Tournee spielte er auch zusammen mit Schobert und Black und Hannes Wader.

Später kehrte er wieder auf Kabarett- und Kleinkunstbühnen zurück. Der unmittelbare Kontakt zum Publikum sei ihm wichtig und biete Stoff für neue Texte, erklärte er damals. Meistens schrieb Roski seine Musik und Texte selbst. Nur auf der Platte So hat es die Natur gewollt veröffentlichte er, neben drei eigenen Liedern, acht von ihm vertonte Gedichte des österreichischen Schriftstellers Andreas Okopenko aus dessen Gedichtband Warum sind die Latrinen so traurig, Spleengesänge und eins von Georg Bungter (der hauptsächlich für seine von Schobert & Black vorgetragenen Limericks bekannt ist).

Live1

In den 1980er Jahren komponierte er Instrumentalstücke auf diversen Synthesizern und verwendete dafür das Pseudonym Riko Chruils, ein Anagramm seines Namens.

Neben Liedern und Bühnentexten verfasste Roski auch Sketche und Kurzhörspiele für Rundfunk und Fernsehen (unter anderem für Diether Krebs in Voll Daneben).

Im Jahr 2002 veröffentlichte er seine Autobiografie In vollen Zügen. In mehreren Interviews und seinen letzten Bühnenprogrammen hatte er mit Galgenhumor auch über seine Erfahrungen mit seinem langjährigen Krebsleiden berichtet.

Ulrich Roski starb am 20. Februar 2003 an einer inneren Blutung, verursacht durch ein Zungenkarzinom. Er liegt auf dem Waldfriedhof Heerstraße im Feld 4-b (neben Paul Wegener) in Berlin-Westend begraben.

UlrichSandraRoski

Ulrich + Sandra Roski

Seine Tochter Sandra Roski lud seither im April 2004, im Oktober 2005, im März 2009 und im März 2013 Künstlerinnen und Künstler zu Ulrich-Roski-Memorials in der Berliner Kalkscheune und ins „TiPi“ am Kanzleramt ein. Weggefährten von Roski und Mitglieder der Berliner Kleinkunstbühne sorgten dabei mit ihren Interpretationen von Roskis Liedern für sein Andenken. (Quelle: wikipedia)

Klar, man muss seinen schrägen Humor mögen … wenn man aber dafür `ne Antenne hat … kann man sich ob  des blühenden Blödsinns auf höchstem Niveau nur erfreuen … und dankbar sein, dass es solche Querdenker gab und gibt !

Single

Besetzung:
Ulrich Roski (guitar, vocals, keyboards)
+
Die Kai Rautenberg-Combo
Die Ozark-Combo

BackCover1

Titel:
01. Der kleine Mann von der Straße  4.30
02. Lasche Lotte 2.39
03. Der Eimer 3.30
04. Plastic-Joe 3.20
05. Nichts wie Ärger 2.39
06. Die Brautwerbung 4.45
07. Am liebsten wär‘ ich tot 3.27
08. Goldener Herbst 2.32
09. I’m A Lonesome Rider 5.20
10. Das Ding 3.02
11. Dabeisein ist alles 3.23
12. He Was A Lazy Man 3.50

Texte und Musik: Ulrich Roski

Labels

 

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Das Oberkrainer Sextett – Weihnachten in Oberkrain – Lieder für die festliche Zeit (1973)

FrontCover1Und nun geht´s schon los … und damit läute ich (wie bereits vorhin angekündigt) jenen Monat ein, in dem ich hier diverse Beiträge zur Weihnachtszeit präsentieren will.

Ich gestehe, erstmal wollte und mußte ich mich informieren, wo „Oberkrain“ eigentlich so ganz genau liegt …

„Das Land Krain (auch die Krain genannt, analog zu ungarisch Krajina „Grenze, Grenzland“; slowenisch: Dežela Kranjska, romanisch und englisch: Carniola, französisch: Carniole) war um 973 (nach anderen Quellen 976) eine dem Herzogtum Kärnten vorgelagerte Mark. Nach der Abkoppelung von Kärnten um 1002 wurde die Krain eine selbstständige Grenzmark mit eigenen Markgrafen. Seit 1364 war sie Herzogtum und seit 1849 österreichisches Kronland. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 ging die Krain in Slowenien auf, das dem SHS-Staat angehörte, der 1929 von König Aleksandar I. Karađorđević in Königreich Jugoslawien (Kraljevina Jugoslavija) umbenannt wurde. Heute ist das ehemalige Herzogtum Krain ein Teil der Republik Slowenien, jedoch keine Gebietskörperschaft. Die einstige Hauptstadt des Herzogtums, auf Deutsch Laibach, auf Slowenisch Ljubljana (nach 1918 FrancKorbar wurde in Slowenien nur mehr die slowenische Version verwendet), ist heute die Hauptstadt Sloweniens.“ (Quelle: wikipedia)

FrancKorbar

Franc Korbar

Verantwortlich für dieses Projekt war Franc Korbar, der zwar nicht den Rum eines Slavko Avsenik hatte, aber in diesem Genre durchaus über viele Jahrzehnte erfolgreich war.

So ganz klar ist mir noch nicht, warum die „Oberkrainer“ musikalisch in Deutschland zumindest in den 50, 60 und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts so eine wichtige musikalische Rolle gespielt haben … aber, sei´s drum: Hier nun sentimental-kitschige Weihnachtslieder, bei denen zumindest die Instrumentalnummer „Eisblume“ wirklich aufhorchen lässt … eine bravoröse Trompete leitet zumindest für mich den Advent 2013 ein ….

Bemerkenswert noch ein Titel namens „Denk nicht an vergangene Tage“ … kommt vermutlich eher selten vor, dass bei so einer Musik der Blick nach vorne gerichtet wird … Und rührend die persönliche Widmung auf der Rückseite des Albums … und so manches Klarinetten-Solo wirkt nicht minder rührend.

BackCover1

Besetzung:
Das Oberkrainer Sextett
+
Inge Brüggemann (vocals)
Danica Filipilic
Franc Korbar (trumpet, vocals)
Ivo Zupaeie (clarinet)
+
Oberkrainer Gesangsquartett

Oberkrain

Das schöne Oberkrain (alte Ansichtskarte)

Titel:
01. Hirtentraum (Traditional) 3.36
02. Weihnachtssterne (Traditional) 2.21
03. Weihnachtserinnerung (Keller/Eichwalder) 2.36
04. Soldaten-Weihnacht (Korbar/Weinkopf) 2.44
05. Eisblumen (Korbar) 3.31
06. Weit so weit (Korbar/Winterberger) 2.47
07. Denk nicht an vergangene Tage (Keller/Eichwalder) 3.00
08. Leuchten die Sterne (Korbar/Pichler) 3.47
09. Oberkrainer Weihnachtsklänge (Oh Du fröhliche – Ihr Kinderlein kommet – O Tannenbaum) (Traditional) 2.14
10. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.53

LabelA1

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Bourbon Skiffle Company – Kunstkopf-Stereofonie (1974)

FrontCover1Da gab´s mal ne Skiffleband aus Hannover:

Seit 1972 ist die Bourbon Skiffle Company (BSC) Garant für mitreißende Musik und gute Laune. Dabei haben die 5 Skiffler aus Hannover ein ganz einfaches Erfolgsrezept: sie haben selbst noch Spaß an ihrer Musik und zeigen das auch!

Ihre musikalischen Anregungen beziehen sie aus Jazz, Blues, Country, Folk und Rock – auch gelegentlichen „Saitensprüngen“ in die Popmusik sind sie nicht abgeneigt. Doch stets drückt die BSC solchen Adaptionen ihren eigenen Stempel auf, und so gelingt es immer wieder, das Publikum zu überraschen. Und ganz nebenbei hat sich die hierzulande wohl dienstälteste Skiffleformation einen Eintrag im Heyne Jazz-Lexikon erspielt.

Einer der größten Erfolge war die Single Giff mi Kalk, mit der die BSC 1980 in der ZDF-Hitparade auftrat.

Für Abwechslung sorgen auch die beiden stilistisch völlig unterschiedlichen Frontsänger Dirk Fehlauer (voc.& guit.) und Wolfgang Düe (voc., bj., guit., mand.).

Die Soli des Ausnahmepianisten Julian Bergerhoff begeistern nicht nur Skiffle-Fans – kein Wunder, denn er hat ein abgeschlossenes Studium als Jazzpianist vorzuweisen!

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Für Waschbrett und Percussion ist Martin Troike zuständig – er hatte sich schon als kleiner Junge vorgenommen, eines Tages bei der „Bourbon“ mitzuspielen – hat geklappt!

Nachdem Gründungsmitglied Manfred (Teppich) Müller mit 67 in den verdienten Ruhestand gegangen ist, hat die Band mit Kalle Kohlhaas einen kompetenten Nachfolger gefunden, da kommt wieder neuer Schwung in die Bude! Schließlich ist Kalle ein alter Hase: seit über 40 Jahren schon spielt er mit alten Kumpels in einer Oldie-Band!
Auftritte

Im Laufe der Jahrzehnte hat die BSC regelmäßig ganz Norddeutschland beschallt und inzwischen so manchen beliebten Auftrittsort überlebt. Nach wie vor sind die Skiffler aber dreimal pro Jahr im Hamburger Cotton Club, dem wohl ältesten und renommiertesten Jazzclub Deutschlands. Geradezu Kultstatus hat seit Jahrzehnten das BSC-Himmelfahrts-Openair in Hannover vor tausenden Fans, und auch beim legendären Maschseefest war die Band schon von Anfang an dabei: an allen drei Sonntagen präsentiert sie dort auf der Löwenbastion den Jazzfrühschoppen. Immer wieder nachgefragt sind die Hannoveraner auch beim Wolfsburger Openair Jazz & More. (Selbstdarstellung)

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Und: Mehrere Schallplatten der Bourbon Skiffle Company wurden in den 1970er-Jahren in Kunstkopfstereofonie aufgenommen.

Und hier ist die erste die sog. Kunstkopfstereofonie – Aufnahmen:

Mit dem Wort Kunstkopf oder englisch Dummy Head verbindet man eine spezielle Tonaufnahmetechnik – die „Kopfhörer-Stereofonie“ oder binaurale Tonaufnahme. Der Kunstkopf besteht aus einer Kopfnachbildung, in der an Stelle der Ohren je ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik am Eingang der Gehörgänge mit der Nachbildung der Ohrmuscheln angebracht ist. Durch die abschattende Wirkung des Kopfes und die für das Gehör auswertbaren Gangunterschiede zwischen den beiden Mikrofonpositionen können Aufnahmen gemacht werden, die durch die so aufgenommen interauralen Signaldifferenzen, also die Ohrsignale, bei der Wiedergabe über Kopfhörer eine recht gute Richtungslokalisation der Schallereignisse vermitteln. Die Rechts-links-Lokalisation geschieht sicher, Oben-unten- und Vorne-hinten-Unterscheidungen sind dagegen schwieriger. Die direkte Vorne-Lokalisation scheint immer in einem bestimmten Winkel nach oben verschoben. Kunstköpfe können laut Physikalisch-Technischer Bundesanstalt auch zur Messung der Belastung der Ohren durch Kopfhörer und anderer „ohrnahen Schallquellen“ eingesetzt werden.

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Kunstkopf mit externen Mikrofonen

 

Kunstkopfaufnahmen mit freifeldentzerrtem Kunstkopf sind ausschließlich zur Wiedergabe über Kopfhörer geeignet. Bei einer Lautsprecherwiedergabe wirken sie verfärbt, eng und unnatürlich, denn interaurale Signaldifferenzen (Ohrsignale) sind grundverschieden von Interchannel-Signaldifferenzen (Stereo-Lautsprechersignale). Interaurale Signaldifferenzen entstehen bereits bei der Aufnahme und werden bei der Lautsprecherwiedergabe mit den hier entstehenden interauralen Signaldifferenzen gemischt, was zu Frequenz- und Lokalisationsproblemen führt. Nur wenn interaurale Signalfrequenzen beim Abhören einer Aufnahme vermieden werden, indem ein Kopfhörer verwendet wird, kann die Kunstkopfaufnahme ihrem Zweck gerecht werden. Auch die Lautsprechertauglichkeit bei diffusfeldentzerrtem Kunstkopf ist umstritten

Neben Kunstköpfen sind auch Kugelflächenmikrofon, Kopfbügelmikrofon, und Jecklin-Scheibe für binaurale Aufzeichnungen geeignet.

Kunstkopf02

Schaut ja ganz schön futuristisch aus …

Beim nicht mehr produzierten Kopfbügelmikrofon Sennheiser MKE-2002 sind die Mikrofone in zwei externen Bügeln untergebracht, die in die Ohren einer Person oder bei einem mitgelieferten künstlichen Kopf (MZK 2002) am Ohr-Referenz-Punkt (ear reference point) in nachgebildete Ohrmuscheln gehängt werden. Ein Mikrofon, das ähnlich arbeitet und wie ein Walkman-Kopfhörer im Ohr getragen wird, ist das Originalkopfmikrofon (OKM) der Firma Soundman. (Quelle: wikipedia)

Nun ja … dieser Technologie hat sich ja mittlerweile mehr oder weniger in der Luft ausgelöst (nach dem Motto: braucht kein Mensch — ähnlich wie bei der Quadrophonie)

Was bleibt ist diese fidele Skiffle-LP, bei denen mehr als einmal ein große Verbeugung vor den großen Vorbildern wie Lonnie Donegan oder Woody Guthrie macht.

Hier wird als geskiffelt, was das Zeug hält … wunderbar !

Da gab´s mal ne Skiffleband aus Hannover … und man glaubt es kaum … die gibt´s heute noch !

BackCover1

Besetzung:
Wilhelm Bauer (guitar, vocals)
Dirk Fehlbauer (guitar, vocals)
Hans Helmut Hamisch (washboard, harmonica)
Jürgen Kraemer (bass, vocals)
Manfred Müller (banjo, mandolin)
Uwe Schnepel (piano)

Booklet1

Titel:
01. BSC-Song I (Voigt/Kraemer) 2.20
02. Jack O’Diamonds (Donegan/Curry) 2.48
03. Old Dan Tucker (Traditional) 1.54
04. I Know The Lord (Whyton) 2.50
05. Tom Dooley (Warner/Lomax) 3.06
06. Gambling Man (Guthrie/Donegan) 2.48
07. Have A Drink On Me (Ledbetter/Lomax/Donegan) 2.41
08. Streamline Train (Traditional) 2.36
09. Mama Don’t Allow It (Traditional) 5.12
10. The Golden Rocket (Traditional) 2.35
11. Hey Liley Liley (Austin/Lomax) 1.55
12. So Long (Guthrie) 3.35
13. Don’t You Rock Me Daddy-O (Whyton/Varley) 2.02
14. BSC-Song III (Voight/Schnepel) 0.42

LabelB1

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BSC01

Im Laufe der Zeit …

 

De Bläck Fööss – Op bläcke Föss noh Kölle – Bilder und Menschen unserer Stadt (1974)

FrontCover1Und nun wieder eine Würdigung einer anderen Region in Deutschland und mit De Bläck Fööss hatte Köln wirkliche Dialekt – Lokalmatadore in ihren Stadtmauern.

Die Bläck Fööss sind eine der erfolgreichsten Kölner Mundart-Musikgruppen.

Vor 1970 spielten die Mitglieder der Bläck Fööss in diversen Kölner Beat-Gruppen. Vorläufer-Bands der Bläck Fööss waren Singing End (Mitglieder: Rainer Pietsch, „Bömmel“ Lückerath und Hartmut Priess) und The Beat Stones (Erry Stocklosa, Peter Schütten und Tommy Engel). Engel spielte bei The Luckies und den Black Birds, danach Schlagzeug bei den Tony Hendrik Five, bevor er zu den Stowaways wechselte. Diese Bands traten im Vorprogramm berühmter Beatgruppen auf, so etwa die Beat Stones am 6. November 1966 bei The Who mit The Lords in Messehalle 8. Die Beat Stones stellten ihre erste Single What? Am I in Love? im Vorprogramm des Beach-Boys-Konzerts am 17. Mai 1967 in der Kölner Sporthalle vor.

Auf Karnevalsbällen spielten diese Gruppen die Hits der Beatles, der Kinks und der Hollies, jedoch gab es auch Nachfrage nach Karnevalsliedern, und so entschloss man sich, auch auf Kölsch zu singen. Graham Bonney, mit dem die Band im Studio arbeitete, schlug ihnen vor, einen kölschen Titel aufzunehmen. Doch die Band wollte ihren guten Namen als Beat-Gruppe nicht riskieren und erfand den Namen De Bläck Fööss (Die nackten Füße) als Parallelnamen, weil er sowohl Kölsch als auch Englisch klang. Die Kölner Plattenfirma Electrola veröffentlichte am 22. Oktober 1970 ihre erste Single Rievkooche-Walzer / Selverhuhzick. Da von der Platte nur 2.000 Exemplare verkauft wurden, produzierte Electrola vorerst keine weiteren mit der Band. Ihr zweiter Titel Mir drinken us einer Fläsch / Drink doch eine met wurde auch von anderen Plattenfirmen zunächst abgelehnt, weil diese englische Texte bevorzugten. Die im September 1971 in den Kölner Cornett-Studios aufgenommenen Titel wurden von Heinz Gietz produziert.

BläckFööss
Mit Heinz Gietz, der Electrola 1966 verlassen und sein eigenes Plattenlabel Cornet Records gegründet hatte, fanden sie schließlich einen erfahrenen Musikproduzenten. Sein kleines Label besaß einen Vertriebsvertrag mit BASF in Ludwigshafen und veröffentlichte 1972 den Titel, der sofort ein Publikumserfolg wurde. Cornet Records produzierte zwei Langspielplatten mit den Bläck Fööss, 1974 Op bläcke Fööss noh Kölle und 1975 Lück wie ich un du. Der Erfolg der Gruppe in den Sälen und beim regionalen Plattenverkauf ermutigte Electrola 1976, der Band erneut einen Plattenvertrag anzubieten. Bald war die Gruppe bei Karnevalssitzungen und -bällen sehr gefragt, nur die konservativen Karnevalsgesellschaften waren zunächst durch das Äußere der Gruppe irritiert: langhaarig, in Jeans und barfuß, um dem neuen Bandnamen gerecht zu werden (was man später wegen der Verletzungsgefahr durch Glasscherben wieder aufgab), tauchten die Bläck Fööss mit E-Gitarren und tragbaren Verstärkern auf den traditionellen Karnevalsveranstaltungen auf.

Hier also ihr Debütalbum aus dem Jahr 1974, wobei die mir vorliegende Vinly-Fassung als Datum 1977 ausweist … Der Grund ist einfach … Nachdem die Bläck Fööss nach diesem Debütalbum zumutlich erstmal in der Kölner Region wie ne Bombe einschlugen, konnten sie auch flugs das Label wechseln … und wer wollte nicht bei Polydor unter Vertrag stehen ?

Von daher ist diese Version eine Reissue … ändert aber nichts an der Musik, die damals die Massen verzückte… Aber die Zeiten ändern sich: ein Lied wie „De Mama kritt schon widder e Kind“ finde ich doch ziemlich frauenfeindlich … und im gleichen Jahr (also 1977) schnürrten BAP ihre Stiefel um in noch ganz andere Galaxien vorzudringen …

BASFFrontCover

Besetzung:
Tommy Engel (drums, vocals)
Günther Antonius „Bömmel“ Lückerath (guitar, banjo, mandoline, violine, vocals)
Hartmut Reinhold Priess (guitar, mandoline, bass)

BackCover1
Titel:
01. Kölle, du uns Stadt am Rhein (Traditional/Priess) 0.40
02. Mer losse d’r Dom en Kölle (Knipp/Priess) 4.30
03. Leev Linda Lou (Knipp/Priess) 4.42
04. Drink doch eine met (Hoock) 4.22
05. Do beste fies op et Föttche jefalle (Priess) 3.37
06. Kumm zoröck noh Kölle (Priess) 3.01
07. Dat häste wirklich nit verdeent (Priess) 3.36
08. Rof mer ens e Taxi (Knipp) 3.08
09. De Mama kritt schon widder e Kind (Priess) 3.01
10. In unserem Veedel (Priess) 3.53
11. Heimweh nach Köln (Ostermann) 2.00

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Bata Illic – Ein Souvenir von MarieAntoinette + Ein Blick zurück (1974)

FrontCover1Wenn man jetzt ein wenig gehässig wäre, könnte man schreiben: Da ist ja die Intergration wirlich gut gelungen:

Bata Illic (serbokroatisch Бата Илић/Bata Ilić; * 30. September 1939 in Belgrad, Königreich Jugoslawien) ist ein deutschsprachiger Schlagersänger.

Illic wurde als Sohn eines Finanzbeamten geboren. Nach seinem Schulabschluss studierte er Philologie, Englisch und Italienisch und war danach zwei Jahre als Lehrer tätig. In dieser Zeit lernte er den Musiker Andreas Triphan kennen, der mit ihm eine Band (zumeist als „Bata Illic & Band“, einzelne Auftritte als „Kommando Iffets“) gründete und diese als Schlagzeuger sowie finanzieller Förderer unterstützte. Ihre Wege trennten sich 1961. Andreas Triphan sah für die Gruppe die Perspektive in Frankreich. Illic wollte ihm aber nicht für mehrere Monate nach Lille folgen.

Im Jahr 1963 bekam Illic mit seiner Band „Grandpa’s Whites“ einen mehrmonatigen Gastspielvertrag für den amerikanischen Club „Twister“ in Bad Kissingen. Weitere Verpflichtungen für Clubs in Bad Hersfeld, Poppenburg, Fulda und Berlin folgten. Im Mai 1966 trafen sich Triphan und Illic zufällig bei einem kleinen Musikfestival in Bern wieder. Zwar hatten sie von Juni bis August einige gemeinsame Auftritte in Süddeutschland, jedoch konnten sich beide keine längere Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Projekt mehr vorstellen.

BataIllic1954

Bata Illic, 1954

Im Jahr 1967 nahm Illic seine erste Schallplatte auf. Seine ersten Erfolgstitel in den Hitparaden waren 1968 Mit verbundenen Augen und Schuhe, so schwer wie ein Stein. Im Jahr 1972 hatte er seinen größten Erfolg mit Michaela. Er trat in zahlreichen Musiksendungen auf, unter anderem in der ZDF-Hitparade, und präsentierte Michaela und die nachfolgende Singleauskopplung Solange ich lebe auch im 1973 erschienenen Film Blau blüht der Enzian. Auch die folgenden Jahre waren sehr erfolgreich für ihn als Schlagersänger. Anfang der 1980er-Jahre wurde es etwas ruhiger um ihn. Er ist seit 1963 mit Olga Illic verheiratet.

In den 1990er-Jahren versuchte Illic ein Comeback. Er tritt heute noch in Rundfunk und Fernsehen auf, bevorzugt mit Songs von Aznavour, Celentano oder Bacharach in deutschsprachigen Versionen. Aber auch seine alten Hits singt er bei diesen Auftritten. Vom 11. Januar 2008 bis 26. Januar 2008 war der Schlagersänger in der Sendung Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! auf RTL zu sehen. Er belegte in der Reality-Show den dritten Platz hinter Michaela Schaffrath und dem Gewinner Ross Antony.

Am 7. Februar 2008 ist die Retro-POP-Single Tschewaptschitschi als Downloadtrack veröffentlicht worden.

Inzwischen wurde ein 2008 aufgenommenes Album veröffentlicht. Die erste Single-Auskopplung ist das Duett Wie ein Liebeslied, das Bata Illic zusammen mit seinem Dschungel-Kollegen Eike Immel aufgenommen hat. Damit erreichte Bata Illic die Top 20 der Deutschen Single-Charts, das erste Mal seit 33 Jahren. Die Maxi-CD und ein – nicht zur Single gehörendes – aktuelleres Album namens Herzgeschichten sind am 29. Februar 2008 erschienen, das offizielle neue Album – wie die Single ebenfalls Wie ein Liebeslied betitelt – folgte am 7. März 2008.(Quelle: wikipedia)

Auch wenn der wikipedia Artiekl hier ein wenig abrupt endet, heißt das noch lange nicht, dass Bata Illic sich zurückgezogen hätte, wie ein Blick auf seine website zeigt:

Aktuelles

Und sein letztes Album stammt aus dem Jahr 2014 und heißt „Träumen kann ich nur in deinen Armen“.

Hier aber ein Sprung in die 70er Jahre mit einer seiner zahllosen Singles. Wir erinnern uns: Das war die Musik die dann bei Dieter Thomas Heck in seiner ZDF-Hitparade vorgestellt hat. Und stolz verkündet Bata Illic auf seiner website, dass er insgesamt 62 mal in dieser Sendung zu Gast war. Und wer wissen will, wie das damals geklungen hat, kann sich hier bedienen.

BataIllic1974

Bata Illic, 1974

Besetzung:
Bata Illic (vocals)
+
unbekanntes Orchester

Titel:
01. Ein Souvenir von Marie-Antoinette (Meyer/Behrle) 2.50
02. Ein Blick zurück (Illic/Loose/Schmidt) 2.31

LabelB1
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Heinrich Lummer – Ich kenn‘ eine Stadt (Berlin, Berlin, Berlin) + Au weia, Mensch Meier (1974)

FrontCover1Wüßte man es nicht besser, könnte man glatt glauben, auf dieser Single singt eine netter, seriöser Herr … Weit gefehlt, denn hier singt Heinrich Lummer:

Heinrich Lummer (* 21. November 1932 in Essen) ist ein deutscher Politiker (CDU und Die Deutschen Konservativen). Er war von 1981 bis 1986 Senator des Innern und Bürgermeister (Stellvertreter des Regierenden Bürgermeisters) des Landes Berlin.

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Lummer eine Ausbildung zum Elektromechaniker und besuchte gleichzeitig das Abendgymnasium in Dortmund. Hier bestand er das Abitur und begann anschließend ein Studium der Politischen Wissenschaft an der Freien Universität Berlin (FU Berlin), welches er 1962 als Diplom-Politologe abschloss. 1960/61 war Lummer AStA-Vorsitzender an der FU. Nach dem Examen war er als Assistent am Institut für Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin tätig. Zeitweilig befragte er für den Bundesnachrichtendienst Übersiedler aus der DDR. 1964 übernahm er die Leitung des Besucherdienstes im Bundeshaus in Berlin. Von 1965 bis 1969 war er Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Seit 1953 ist Lummer Mitglied der CDU. Zugleich ist Lummer Mitglied und Ehrenpräsident des Vereins „Die Deutschen Konservativen e. V.“

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Von 1967 bis 1986 war Lummer Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Hier war er von 1969 bis 1980 Vorsitzender der CDU-Abgeordnetenhausfraktion und von 1980 bis 1981 Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. 1981 wurde er als Bürgermeister und Senator des Innern in den vom Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker geführten Senat gewählt. Er gehörte auch dem ab 1984 von Eberhard Diepgen geleiteten Senat an, trat aber anlässlich eines Bauskandals 1986 gemeinsam mit dem Bausenator Klaus Franke und dem Umweltsenator Horst Vetter von seinem Amt zurück.

Im Anschluss war er von 1987 bis 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1994 wurde er mit 43,3 % der Stimmen direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Berlin-Spandau.

Lummer03

1989 wurde Lummer als Nachfolger von Lothar Bossle Präsident des privaten „Instituts für Demokratieforschung“. Im Dezember 1992 war Lummer unter den Gründern der etwa zehn Jahre lang innerhalb von CDU und CSU existierenden Gruppierung „Christlich Konservatives Deutschlandforum“.

Nach einem Schlaganfall 2003 zog sich Lummer weitgehend aus dem politischen Leben zurück.

Während seiner Amtszeit als Berliner Innensenator kam am 22. September 1981 der Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay zu Tode. Der Vorfall entwickelte sich zum Politikum, da Lummer zuvor angekündigt hatte, härter gegen die Berliner Hausbesetzerszene Lummer05vorgehen zu wollen und Lummer zeitgleich zu dem Tod Rattays in dem kurz zuvor geräumten Haus Bülowstraße 89 eine Pressekonferenz gegeben hatte. Gegendemonstranten vor dem Haus Bülowstraße – darunter Rattay – waren durch einen Schlagstockeinsatz auf die befahrene Potsdamer Straße abgedrängt worden

1989 wurde bekannt, dass sich der Bundesnachrichtendienst lange Zeit durch den Berliner Innensenator, Heinrich Lummer, MdB, zuarbeiten ließ, obwohl Parlamentarier nicht als nachrichtendienstliche Verbindungen geführt werden sollen (BT-Drs. 13/4374).

In den 1990er Jahren besuchte Heinrich Lummer den PKK-Führer Abdullah Öcalan und hielt regelmäßigen Kontakt zu ihm.

Am 1. Mai 1999 schrieb Lummer im Ostpreußenblatt, Stalin und die US-Regierung (Earnest Hooton) hätten die Auslöschung des deutschen Volkes durch erzwungene Einwanderung fremder Völker geplant. Auch die türkische Einwanderung nach Deutschland sei in diesem Kontext zu verstehen.

Wie der SPIEGEL 1986 berichtete, hatte Lummer 1971 einer rechtsradikalen Gruppierung 2000 DM gezahlt, damit diese Wahlplakate der SPD überklebte.

1999 erschien im rechtsextremen Hohenrain-Verlag sein Buch Deutschland soll deutsch bleiben: kein Einwanderungsland, kein Doppelpaß, kein Bodenrecht. In diesem Buch warnt er vor einer „Überfremdung“ Deutschlands und spricht sich für eine „Erhaltung des deutschen Volkes und der deutschen Kultur“ aus. Dort verwendete er auch den umstrittenen Begriff „Holocaust-Industrie“.

Lummer06Als Ehrenpräsident der als rechtsextrem eingestuften Vereinigung „Die Deutschen Konservativen e. V.“ schreibt Lummer regelmäßig für deren Konservative Zeitung. Außerdem war Lummer Autor der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit und trat als Referent für die dem Rechtsextremismus zugeordnete, pflichtschlagende Burschenschaft Danubia München auf.

Am 8. November 1997 sprach sich Lummer im Ostpreußenblatt gegen die Einwanderung russischer Juden nach Deutschland aus. Diese sei angesichts von 4 Millionen Arbeitslosen nicht zu verkraften, zudem sei nicht auszuschließen, dass Russen sich fälschlicherweise als Juden ausgeben würden, um einwandern zu dürfen. Außerdem ordne Deutschland seine Haltung bei den Vereinten Nationen den Interessen Israels unter.

Im November 1998 wurde Heinrich Lummer die Einreise nach Israel verweigert. Das Flugzeug mit 33 Teilnehmern an Bord wurde auf dem Weg nach Tel Aviv über Istanbul umgeleitet, wo die Gruppe von Bord ging.

Am 10. September 1999 suggerierte Lummer in der Jungen Freiheit, dass die „amerikanische Ostküste“ Deutschland zur Errichtung des Holocaust-Mahnmals zwinge.

Am 26. Mai 2000 suggerierte Lummer in der Jungen Freiheit, dass die NS-Zwangsarbeit nicht „so schrecklich und so gering bezahlt war“, denn anderenfalls hätten die ehemaligen Zwangsarbeiter schon früher Schadensersatzforderungen gestellt. Die amerikanischen Juden hätten das Thema erst lange nach Kriegsende für sich entdeckt, um ihre eigenen Identität zu stärken.

Berlin, Interview mit Heinrich Lummer

Mal wieder ein Interview (1976)

Im November 2003 forderte Lummer neben anderen CDU-Politikern in einer Unterschriftenkampagne „Kritische Solidarität mit Martin Hohmann“ nach dessen als antisemitisch kritisierter Rede zum Tag der Deutschen Einheit.

Durch regelmäßige Besuche eines Lokals in Ost-Berlin, wo er mit den Gästen politische Gespräche führte, fiel Lummer 1973 dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR auf. Es setzte von 1974 bis 1981 eine inoffizielle Mitarbeiterin (IM) unter dem Decknamen „Susanne Rau“ auf Lummer an, die zu ihm intime Beziehungen aufnahm. Mit dieser Frau und dem Einsatz eines weiteren IM schöpfte das MfS Lummer ab und versuchte später, ihn mit Hilfe der während der Beziehung entstandenen Fotos für eine Zusammenarbeit zu erpressen. Diese Versuche scheiterten jedoch an Lummer. Das MfS stellte sie ein, als es 1982 durch Abhörmaßnahmen erfuhr, dass Lummer den Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker und das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz von den Anwerbeversuchen unterrichtet hatte. Weizsäcker beließ Lummer im Amt. Als sich 1986 Lummers Rücktritt abzeichnete, nahm das MfS erneut erpresserisch Kontakt zu Lummer auf. Weizsäcker erreichte auf diplomatischem Weg, dass das MfS die Anwerbeversuche auf sowjetischen Wunsch beendete.

Ende der 1990er Jahre moderierte Lummer bei dem Regionalsender TV.Berlin zeitweise eine Fernsehsendung mit dem Titel Auf den Punkt Berlin. In einer der Sendungen wurde er dabei von dem Komiker Hape Kerkeling hereingelegt. Dieser schlich sich für seine Sat.1-Reihe Darüber lacht die Welt, in der Rolle des erbosten Kleingärtners Rico Mielke, in Lummers Talksendung und stellte die Geduld des Moderators auf eine harte Probe.

Das Berliner Abgeordnetenhaus würdigte Lummer 2009 als einen seiner Präsidenten mit einer Büste. Die Laudatio hielt der ehemalige Regierende Bürgermeister Walter Momper. (Quelle: wikipedia)

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Gesellig war er ja …

Weiß der Teufel, was den Lummer geritten hat, dann 1974 diese Single aufzunehmen … aber ich denke mal, dem Lummer war es ungemein wichtig … immer wieder in den Medien mehr als präsent zu sein.

Wir hören hier also einen Wolf im Schafspelz:

Die Seite 1 ist eine jener sentimental.kitschigen Hymnen auf die Stadt Berlin, wie essie zu Hauf gibt … und die Seite 2 ist mehr oder weniger eine akustische Collage, die im Schweinsgalopp das Thema „24 Jahre, 5 Kanzler und mehr“ verarbeitet.

Wir hören, begleitet von Dixie-Klängen die Stimmen von Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmid“ (gut dass uns Helmut Kohl und Gerhad Schröder erspart geblieben sind)

So ne kleine Single … und so viele üble Erinnerungen,die dann aufsteigen …

Warum ist mir nur so speiübel …

Lummer01

Den Kontakt zu jüngeren Frauen mochte er wohl gerne …  (Heinrich Lummer, ca. 1980)

Besetzung:
Heinrich Lummer (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

Lummer09

Hoffentlich kein Meineid …

Titel:
01. Ich kenn‘ eine Stadt (Berlin, Berlin, Berlin) (Milan/Wagner) 2.36
02. Au weia, Mensch Meier (Milan/Rettenbacher) 5.52

LabelB1
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Lummer02

Tja, so war er … der Heinrich Lummer