Schmetterlinge – Proletenpassion (1977)

FrontCover1Und jetzt hätte ich noch ein Passionsspiel im Angebot:

Die „Proletenpassion“ der Schmetterlinge“ aus Österreich ist wohl eines der ambitioniertesten Projekte die es jemals im deutschsprachigen Raum produziert wurde. Und von daher hier nun eine sehr ausführliche Würdigung von diesem Meisterwerk:

Die Schmetterlinge waren eine österreichische Folk-Politrock-Band der 1970er und frühen 1980er Jahre mit kritisch-politischen Texten, die größtenteils von Heinz Rudolf Unger verfasst wurden.

Die Schmetterlinge wurden 1969 in Wien gegründet. 1970 stieß Brigitte Schuster zur Band, bereits 1971 wurde sie allerdings durch Pippa Armstrong ersetzt. 1973 verließ Fredi Rubatschek die Band, an dessen Stelle der vielseitige Herbert Tampier trat. 1976 wurde die weibliche Gesangsstimme endgültig von Pippa Armstrong an Beatrix Neundlinger übergeben, die als Sängerin die weiteren „Schmetterling“-Produktionen begleiten sollte. Außerdem spielte Günther Großlercher, der eigentlich für die Aufnahmeleitung, das Management und bei Konzerten für den Saalton zuständig war, auf vielen Platten die akustische Gitarre.

Schmetterlinge21977 erschien die Proletenpassion, in der die Herrschaftsstrukturen und soziale Fragen des frühen 16. bis zum späten 20. Jahrhundert thematisiert wurden. Sie basiert auf Texten von Heinz Rudolf Unger. Uraufgeführt wurde sie 1976 bei den Wiener Festwochen.

1977 vertraten die Schmetterlinge Österreich beim Grand Prix Eurovision de la Chanson, dem heutigen Eurovision Song Contest mit dem Lied Boom Boom Boomerang. Das Lied, getextet von Lukas Resetarits und gedacht als satirische Kritik an der Plattenindustrie, erreichte den vorletzten Platz. Beatrix Neundlinger hatte Österreich bereits 1972 mit der Gruppe Milestones beim Grand Prix vertreten.

Die 1979 erschienene LP Herbstreise ist die wohl zeitpolitischste wie auch die musikalisch ausgefeilteste Platte der Schmetterlinge. Sie nimmt Stellung zu den 1979 in Deutschland vorherrschenden Themen – von Befindlichkeiten im Klima der RAF, Denunziantentum im Zuge der Berufsverbote, über Emanzipation, Wirken alter Kräfte der NS-Zeit in der BRD, bis hin zum Kampf gegen Kernkraftwerke und für die 35-Stunden-Woche. Die LP kann als Soundtrack des „Deutschen Herbstes“ gesehen werden.

1979 sangen die Schmetterlinge den Titelsong Die goldene Acht des deutschen Kinofilms Die Abfahrer von Adolf Winkelmann. Ab 1982 verstärkte Helmut Grössing die Band und spielte Schlagzeug. 1983 verlieh das „Unterhaus“ in Mainz der Gruppe „Schmetterlinge“ den jährlich vergebenen Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Kleinkunst“. 1985 spielten die Schmetterlinge die Revue „Nix is fix“ im Wiener Akademietheater. Im selben Jahr verließen Willi Resetarits und Helmut Grössing die Gruppe, um unter den Pseudonymen Kurt Ostbahn und Eduard Jedelsky bei der Chefpartie mitzuspielen.[3] 1987 erfolgte eine große Tournee mit einer leicht veränderten Wiederaufführung der Proletenpassion in diversen Städten der damaligen BRD (u.a. München, Berlin, Bochum, Bremen, Oldenburg, Köln). 1989 gab es eine Vorstellungsserie des Programms „Vorwärts – und vergessen?“, dann wurde es ruhig um die Gruppe. 1995 folgten noch die Programme „Jahre wie Tränen“ und „Lieder zur rechten Zeit“. Danach gab die Band nur noch vereinzelt Benefizkonzerte – das vorerst letzte Konzert fand im März 2001 statt.

Im Sommer 2008 fand sich die Gruppe (ohne Willi Resetarits) wieder zusammen und spielte vereinzelt Konzerte mit dem Jura-Soyfer-Programm. Am 24. Mai 2013 erlag Gründungsmitglied Erich Meixner seiner Krebserkrankung. (Quelle: wikipedia)

Schmetterlinge3
Soweit die Geschichte der Schmetterlinge, nun zu diesem Album, das damals in einer Box erschien und 3  LP´s enthielt:

Die Proletenpassion ist ein politisches Oratorium der österreichischen Politrock-Gruppe Schmetterlinge. Das Werk wurde 1976 bei den Wiener Festwochen als szenische „Theaterfassung“ unter der Regie von Dieter Haspel uraufgeführt und 1977 auf einem Triple-Album (drei Langspielplatten) als „konzertante Fassung“ eingespielt. Bis in die 1980er Jahre folgten Live-Auftritte der Schmetterlinge mit diesem rund zweieinhalb Stunden dauernden Programm in vielen Städten des deutschsprachigen Raums.

Im Jahr 2015 erfolgte die Wiederaufnahme einer überarbeiteten Fassung Proletenpassion 2015 ff im Werk X in Wien Meidling. Heinz Rudolf Unger fügte hierfür neue Texte hinzu, die im Mandelbaumverlag als Buch erschienen sind  und Eva Jantschitsch hat die Musik neu arrangiert.

Die Arbeit an der Proletenpassion begann 1974 mit dem Versuch der Schmetterlinge, formale Umsetzungen der musikalischen Strukturen der Passionen Johann Sebastian Bachs vorzunehmen. Innerhalb des Band-Kollektivs war der Begriff „Passion“ für das geplante Werk umstritten, da er eine Leidensgeschichte suggeriere. Angesichts des historischen Fortschritts und der auf lange Sicht trotz aller Niederlagen auch erfolgreichen sozialen Kämpfe sei der Begriff verkürzend und irreführend. Dennoch wurde der Titel aufgrund seiner Einprägsamkeit beibehalten, da keine Alternativen dazu gefunden wurden, auf die sich alle Mitglieder der Schmetterlinge einigen konnten.

Bauernkrieg

Gemälde zum Grossen Deutschen Bauernkrieg von Max Lingner 1951-1955 (unvollendet)

Nach zwei Jahren wurde das Werk fertiggestellt. Nicht nur die Musiker der Schmetterlinge waren daran beteiligt, sondern u.a. auch Arbeitsgruppen aus Studenten und Historikern. Die Proletenpassion war das Ergebnis relativ umfangreicher Quellenstudien und teilweise kontroverser Diskussionen. Einzelne bereits eingeplante Lieder wurden dabei wieder gestrichen. Beispielsweise nahm man laut Angaben im Begleitheft des Albums einen Teil der Passage zur Geschichte der Sowjetunion heraus. Unter den Beteiligten herrschte hier in der Frage Uneinigkeit, inwieweit es sich bei der UdSSR der 1970er Jahre noch um einen sozialistischen Staat handle oder nicht.

Nach der Uraufführung bei den Wiener Festwochen wurde die Proletenpassion im eigens für die Bedürfnisse der Gruppe neu aufgebauten und eingerichteten Wiener „Schmetter Sound Studio“ aufgenommen. Dieses Tonstudio sollte auch später den Schmetterlingen und anderen inhaltlich ähnlich ausgerichteten Musikern dazu dienen, von der etablierten Musik- und Unterhaltungsindustrie unabhängige Tonband- und Plattenaufnahmen zu ermöglichen.

In der im Wesentlichen von Heinz Rudolf Unger getexteten und von Willi Resetarits und Georg Herrnstadt komponierten Proletenpassion werden Herrschaftsstrukturen und soziale Fragen der europäischen Neuzeit zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert in einer Mischung aus verschiedenen musikalischen und literarischen Stilelementen thematisiert. Bei der inhaltlichen Aussage steht dabei das Anliegen der Schmetterlinge im Mittelpunkt, gegen die „Geschichte der Herrschenden“ bzw. die „herrschende Geschichtsschreibung“ die „Geschichte der Beherrschten“ zu stellen.

Pariser Kommune

Die Proletenpassion ist angelegt in der Art einer historischen Revue der Geschichte der revolutionären Bewegungen und der Arbeiterbewegung von den Bauernkriegen nach der lutherischen Reformation bis zu den in den 1970er Jahren aktuellen Themen der politischen Linken. Dazu gehörte beispielsweise auch die internationale Auseinandersetzung mit dem Militärputsch gegen die sozialistische Regierung Salvador Allendes in Chile und dem daran anschließenden staatlichen Terrorregime unter General Augusto Pinochet.

Die Proletenpassion hat eine eigene Form der künstlerischen Bewusstseinsbildung mitgeprägt. Erste Umsetzungen dieser Form finden sich bereits in den frühen 1970er Jahren bei der westdeutschen Kabarett- und Politrockgruppe Floh de Cologne, zum Beispiel in deren Alben Mumien – Kantate für Rockband und Geyer-Symphonie von 1974. Nach den Schmetterlingen wurde dieser Stil verschiedentlich auch von anderen Politrock-Bands aufgegriffen (so etwa von der damals bestehenden Gruppe Oktober mit ihrem Doppelalbum Die Pariser Commune). Insgesamt ist diese Art der musikalischen Bearbeitung eines breiter angelegten politischen Themas bei den Schmetterlingen mit ihrem Album zur Geschichte der Arbeiterbewegung am erfolgreichsten zur Geltung gebracht worden.

Die Proletenpassion hat den Anspruch, die Geschichte der vergangenen 500 Jahre aus der Perspektive der Beherrschten im Sinne der marxistischen Geschichtsauffassung als Geschichte von Klassenkämpfen musikalisch mit kabarettistischen Einlagen darzustellen. Ein Stilmittel ist dabei, überlieferte historische Originalzitate einzubauen oder Monologe und Dialoge satirisch überspitzt historischen Persönlichkeiten – von Martin Luther bis zu Adolf Hitler – in den Mund zu legen.

Mit ihrem Anspruch, Geschichte sozusagen „von unten“ zu beschreiben, folgten die Schmetterlinge dem Beispiel von Bernt Engelmann, der dies 1974/75 in seinen „Anti“-Geschichtsbüchern „Wir Untertanen“ und „Einig gegen Recht und Freiheit“ in der literarischen Form des Sachbuchs umgesetzt hatte. Eine weitere Inspiration für die Umsetzung der Proletenpassion war das Gedicht „Fragen eines lesenden Arbeiters“ von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1939 (vgl. unter Weblinks), das im Begleitheft des Triple-Albums statt eines Vorworts abgedruckt ist, und das die Kritik (vgl. Geschichtskritik) an der vorherrschenden Geschichtsschreibung sinnbildlich formuliert.

Oktoberrevolution
Inhaltlich beispielhafte Schwerpunkte setzt die Proletenpassion auf den Deutschen Bauernkrieg 1524/25, die bürgerlichen Revolutionen (vor allem die französische Revolution von 1789), die Pariser Commune 1871, die Oktoberrevolution in Russland 1917 und die ihr nachfolgenden revolutionären Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg, die Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus zwischen 1933 und 1945 und dem Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 bzw. dem Kampf der antifaschistischen Internationalen Brigaden gegen den Franquismus. Am Ende thematisiert das Werk die gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen der damaligen Gegenwart der 1970er Jahre. Dabei propagieren die Schmetterlinge ein politisches Engagement in einem revolutionär-sozialistischen Sinn – als Lehre und Moral der generationenübergreifenden sozialen Klassenerfahrung des Proletariats.

Musikalisch greift die Proletenpassion in vielen der einzelnen, jeweils relativ kurz gehaltenen Titel (nur wenige Lieder in dem insgesamt rund 130 Minuten dauernden Werk sind länger als 2 Minuten) teilweise den populären Musikstil der jeweils behandelten Epoche und Region auf und mischt ihn mit Elementen aus neuerer Folk- und Rockmusik (vgl. auch Folkrock). Dabei reicht das Repertoire von klassischen Elementen über Chorgesang (unterschiedlicher Stilrichtungen), regionalem russischem, französischem, deutschem Volksliedgut (vgl. Volksmusik) – bzw. traditionellen Revolutionsliedern aus historischer und moderner Folklore – bis hin zu moderner Rockmusik im Stil der 1970er Jahre. Akustische Instrumente wie Akkordeon, Congas, Mandoline und Gitarren bewirken einen weltmusikalischen Eindruck.

Zwischen den Musikstücken wechseln sich verschiedentlich gesprochene Einführungen und/oder szenische Darstellungen mit kabarettistischen Elementen ab, immer untermalt mit jeweils zeitgenössischen musikalischem Hintergrund, mal offensiv-kämpferisch, mal melancholisch, mal spitzzüngig-humoristisch.

Das Jalava-Lied ist das populärste Lied aus der Proletenpassion. Wegen seines schmissigen Refrains und des witzigen Plots, der in dem Lied erzählt wird, war es in der Jugendbewegung der 1970er und 1980er Jahre populär. Resetarits war auch der Sänger des Liedes in der bekannten Plattenaufnahme der Proletenpassion. Das Lied erzählt, wie Lenin im Oktober 1917, kurz vor der russischen Oktoberrevolution, angeblich als Heizer verkleidet auf einer finnischen Lokomotive illegal über die finnisch-russische Grenze nach Sankt Petersburg fuhr. Held des Liedes ist der finnische Lokführer Jalava, der das Seinige dazu tat, Lenin durch die Grenzkontrollen zu schmuggeln. In Wirklichkeit war Lenin allerdings als Heizer verkleidet nach Finnland geflohen und kehrte als Priester verkleidet nach Russland zurück.

Der Refrain des Liedes lautet:

Jalava, Jalava, du Finne, was lachst du so gegen den Wind?
Ich lache, weil meine Sinne alle beisammen sind
und weil wir weiterkamen und weil die Welt sich dreht,
und weil mein Heizer von Flammen und Dampfkesseln was versteht.

Diese Metapher spielte auf Lenins Rolle als „Anheizer“ der Oktoberrevolution an.

Rhythmus und Melodie des Liedes erinnern an russische Tanzlieder und zugleich an den Takt der fahrenden Lokomotive.

Faschismus

Opfer des Faschismus (1946) von Hans Grundig

Die Proletenpassion, in ihrem Zusammenhang deren Hauptautor sowie die Schmetterlinge insgesamt, waren Ende der 1970er Jahre vielfach Thema von Rezensionen im Feuilleton deutschsprachiger Zeitungen und Magazine. Dabei äußerten sich auch prominente Journalisten in renommierten Printmedien:

„Unger ist ein sprachbegabter Mann von radikaler Gesinnung […] Er trifft den Volksliedton, den Landsknechtston, den Eisler- und Brecht-Ton, er kann Knittelverse schnitzen und Balladen à la Biermann hämmern, er hat als Wiener von Karl Kraus gelernt, wie man Zitate zu Bumerangs macht […]“
(Auszug aus einer Rezension von Hilde Spiel in der deutschen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung)

„Selten genug schleicht sich in die verzuckerten Fabriken der Unterhaltungsindustrie Sprengstoff […] In mühevoller Kleinarbeit produzierten die fünf Musiker und der Textdichter Unger ein zeitgemäßes Oratorium über die Kämpfe der kleinen Leute, die in den großen Chroniken namentlich nie und sonst nur in den Ziffern von Verlusten und Opfern Platz finden […] Heraus kam ein geschliffenes, beinahe überperfektes Opus, das ziemlich einzigartig in der Branche dasteht […]“
(Auszug aus einer Rezension von Joachim Riedl im österreichischen Nachrichtenmagazin Profil) (Quelle: wikipedia)

Schmetterlinge4

Es mag ja sein, dass all diese Lieder heute ein wenig antiquiert klingen, es mag ja sein, dass diese Form des Geschichtsbewußtseins heute „out of time“ ist … Das ändert aber nichts daran, dass nur und genau nur diese Form der Geschichtsschreibung all jenen Menschen die nicht „da oben“ standen, gerecht wird. Alles andere ist Humbug ! Damit ist allerdings nicht gemeint, dass jene unsägliche kommunistische Geschichtsschreibung die Alternative ist. Aber der Blick auf „die da unten“ ist schon angebracht !

Und deshalb gibt´s dann noch – ganz unten – die Fragen eines lesenden Arbeiters … von Bert Brecht.

Konzertplakat

Konzertplakat

Besetzung:
Joris Dudli (drums)
Schurli Herrnstadt (piano, guitar, vocals)
Erich Meixner (bass, accordion, piano, vocals)
Beatrix Neundlinger (flute, vocals)
Willi Resetarits (vocals, drums, percussion)
Herbert Tampier (guitar, mandolin, bass, vocals)
+
Chor:
Günter Grosslechner – Kirstin Lill – Lukas Resetarits – Pippa Tinsobin

Booklet03ATitel:

LP 1:

Prolog:
01. Wer schreibt die Geschichte? (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.59
02. Wir hatten Gräber und ihr hattet Siege (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.55
03. Lied des Geschichtslehrers (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.42

Die Bauernkriege:
04. Einführung: Deutschland um 1500 (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.09
05. Des Bauern große Not (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.15
06. Die 12 Artikel der Bauern (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.02
07. Martin Luther, Org.-Zitat 1 1.38
08. Kampflied der Bauern (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.27
09. Siegestanz (Tampier) 1.10
10. Bericht über Thomas Münzer (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.49
11. Ein neues Reich, ein bess’res Reich (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.28
12. Martin Luther, Org.-Zitat 2 0.38
13. Thomas Münzer, Org.-Zitat 0.26
14. Kommt, ihr tausend Haufen (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.12
15. Im Mai zu Frankenhausen (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.39
16. Lehren der Bauern (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.05

LP 2:

Die Revolution der Bürger:
17. Mächtelmöchtel (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.36
18. Dialog Bürger-Philosoph (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.13
19. Die große Zeit, die da begann (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.37
20. Marianne (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.52
21. Marseillaise (DeLille) 1.11
22. Lied von der letzten Schlacht (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 3.36
23. Ballade vom Glück und Ende des Kapitals (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.17
24. Die Schlesischen Weber (Heine/Herrnstadt/Resetarits) 3.41

Die Pariser Kommune:
25. Auftritt General V. Moltke (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.40
26. 100 000 Arbeitslose (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.35
27. Ballade von den zwei ruhmlosen Generalen (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.21
28. Lied vom Gespensterzug (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.12
29. Wahlaufruf (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 0.49
30. Was ist die Kommune (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.43
31. Dekrete der Kommune (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.16
32. Die Verhandlung (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.00
33. Die Frauen der Kommune (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.38
34. Chanson vom letzten Kampf Der Kommunarden (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.33
35. Die Lehren der Kommune (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.19
36. Lied der Fragen (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.07
37. Tot oder lebendig (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.55

Die Lehren der Kommune, gezogen im Oktober 1917 in Rußland:
38. Lärm und Stille (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 0.54
39. Es fällt ein Soldat in Tarnopol (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.11
40. Babouschka-Lied (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.11
41. Lied vom Hausbau (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.10
42. Lied der Kleingläubigen (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.51
43. Jalava-Lied (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 3.34
44. Erstürmung des Winterpalais (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.23
45. Wenn ich wieder reich bin (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.35
46. Lied von der Partei (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 3.59
47. Stille und Lärm (Herrnstadt/Resetarits/Unger)1.16

LP 3:

Faschismus:
48. Der Funke fliegt (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.13
49. Der Schuß von hinten (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 3.07
50. Otto Bauer, Org.-Zitat 1.48
51. Das Lied von Krupp und Thyssen (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.40
52. Hitler’s Blues (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 3.22
53. Lied vom A-Sager (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.21
54. Wir haben nie zu kämpfen aufgehört (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 0.22
55. Vier noble Generale (Lied aus dem spanischen Bürgerkrieg) (Traditional)
56. Faschismuslied des Geschichtslehrers (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.05
57. Companero Victor Jara: Presente (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.07

Epilog:
58. Fragelied 1 (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.31
59. Supermarkt-Song (Meixner/Unger) 3.09
60. Die Geschichte vom Arbeiter Willi K., der sich selber wegrationalisierte (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 4.19
61. Demokratie-Lied (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.09
62. Bilanz-Tanz (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 2.27
63. Fragelied 2 (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.12
64. Sozialismus, der fällt nicht vom Himmel (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.49
65. Wir lernen im Vorwärtsgeh’n (Herrnstadt/Resetarits/Unger) 1.57

LabelF1

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Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon,
Wer baute es so viele Male auf ? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die chinesische Mauer fertig war,
Die Maurer? Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Über wen
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten doch in der Nacht, wo das Meer es verschlang,
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte,
So viele Fragen.

Checkpoint Charlie – Frühling der Krüppel (1978)

FrontCover1Checkpoint Charlie war eine der ersten deutschsprachigen Rockbands und hauptsächlich aktiv in den späten 1960er, 1970er und frühen 1980er Jahren, die vor allem sozialkritische und satirische Texte in der Rockmusik verwendete. Durch zahlreiche Auftritte gehörte Checkpoint Charlie Ende der 1960er Jahre zum festen Bestandteil der studentischen Oppositionsbewegung.

Checkpoint Charlie entstand 1966 in Karlsruhe aus einer Begegnung von Harald Linder und Uwe von Trotha. Schnell kam die Idee lyrisches u. a. von Bertolt Brecht und François Villon mit Beatmusik zu verbinden.[1] Neue Bandmitglieder waren Joachim „Krebssalat“ Krebs und Werner Heß. 1969 traten sie auf dem letzten Burg Waldeck Festival auf. Ihre erste LP erschien 1970 in Eigenproduktion und enthielt einen Mitschnitt eines Konzertes an der Uni Erlangen. In ihrer damaligen Rock-Operette „Scheiße“ befassten sie sich mit Problemen des Umweltschutzes.

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Checkpoint Charlie, 1971

Es folgte der erste Prozess gegen die Band aufgrund einer Schwarz-Rot-Goldenen Kloschüssel. Als Beispiel für die deutsche Rockszene und den Begriff „Rock und der Anspruch kultischer Aufklärung“ fand Checkpoint Charlie 1971 Eingang in die 13-teilige NDR-Sendereihe Sympathy for the Devil, wurde allerdings größtenteils nachträglich herausgeschnitten. Nach einer kurzzeitigen Auflösung der Gruppe probte Checkpoint Charlie 1972 auf der Burg Waldeck für ihr Programm „Notwehr“. Die Tournee sollte vom Verband der Kriegsdienstverweigerer finanziert werden, dieser sprang jedoch kurz vor Beginn ab, was große finanzielle Probleme zur Folge hatte. Trotzdem spielte Checkpoint Charlie in kleinerer Besetzung in über 100 Städten der BRD, löste sich aber 1973 auf.

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Checkpoint Charlie als Teil einer Kommune

1977 gründeten Uwe von Trotha und Joachim Krebs die Gruppe neu und beteiligten sich an dem Umsonst und Draußen Festival 1977 in Vlotho und den Folgeveranstaltungen in Porta Westfalica 1978[2] und 1979.[5] Die zweite LP entstand acht Jahre nach der ersten unter dem Namen Frühling der Krüppel auf dem unabhängigen Label Schneeball,[2] bei dem auch befreundete Gruppen wie Embryo, Ton Steine Scherben und Missus Beastly mitwirkten.[6] Die Band gründete die „Familie Hesselbach Kommune“ im nordpfälzischen Bisterschied.[7] Die 1979 erschienene LP, aufgrund des transparenten Vinyls und Covers meist „Die Durchsichtige“ genannt, enthielt neben zwei Studioaufnahmen drei Liveaufnahmen. 1980 kamen sie aufgrund eines „Franz Josef“ genannten Pappschweines in erneute rechtliche Schwierigkeiten. Die Staatsanwaltschaft nahm ein Konzert vom 28. Juli 1979 beim „Burghaldefest“ in Kempten zum Anlass, die Gruppe wegen Beleidigung des bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zu verklagen. Die 1981 erschienene LP Krawall im Schweinestall griff diesen Vorfall sowohl in den Liedern als auch im 8-Seitigen Booklet auf. 1982 erschien die LP Feuer und Flamme, danach zog sich die Band zurück.

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In den 1990er Jahren ging Uwe von Trotha mit Musiker Therofal erneut auf Tournee und veröffentlichte mit weiteren Freunden das Album Echtes Liveblocking Gurglersinfonie.[9]

2002 kam es zur erneuten Wiederbelebung der Band mit einem Konzert beim Burg-Herzberg-Festival und einer kleinen Tournee. (wikipedia)

Und so stellten sie sich selbst dar:

Seit 1967 nehmen die Mannen um Uwe von Trotha „Spießer, kalte Krieger, verkalkte Offiziere, ganz bestimmte Politiker und Schreibtischtäter mit Unterleibern von Käthe-Kruse-Puppen“ aufs Korn – in wechselnden Besetzungen und mit längeren Schaffenspausen. Aber es gibt den Checkpoint Charlie trotz Wiedervereinigung noch immer, demnächst mit neuer CD.

CHECKPOINT CHARLIE:
Die Undercover ROCK Agenten
Wenn man den Namen Checkpoint Charlie hört, denkt man natürlich als Erstes an den
ehemaligen Grenzübergang in Berlin. Aber der ist hier natürlich nicht gemeint.

CHECKPOINT CHARLIE ist eine Pfälzer-Band aus den hippigen 70ziger Jahren, die 1978 als neues Bandmitglied eine rosa Pappsau mit dem Namen „Franz-Josef“ in den Bandbus packte und sie bei ihren Konzerten immer einmal über die Bühne trieben, damit ihr nicht die Füsse einschliefen. Irgendwo in Bayern geschah es dann, dass sich ein aufrechter Landsmann durch den Anblick der Sau und die Namensgleichheit mit dem damaligen Ministerpräsidenten, so in seiner Ehre verletzt fühlte, dass er die Begebenheit dem Verfassungsschutz meldete und dieser zu dem Schluss kam, es müsse sich dabei tatsächlich um eine Verschwörung gegen ihren so geliebten Ministerpräsidenten handeln.
Nach langem Hin + Her wurde CPC vom dem Kemptener Amtsgericht verurteilt in Zukunft die Sau zuhause zu lassen und eine Geldstrafe von damals 15000.- DM wegen Beleidigung an Herrn Franz-Josef Strauss zu zahlen. Dies ging damals natürlich durch die deutsche Presse und war ein positiver Beitrag für die Popularität der Anarcho-Kapelle CHECKPOINT CHARLIE. Aber nicht nur durch diese Aktion, sondern auch durch ihre eigenwilligen Texte und unverblümten Interpretationen waren die Konzerte von CPC ein Happening der anderen Art. Die Shows von Jürgen Bräutigam, Lothar Stahl, Wilfried Sahm um den Frontmann Uwe von Trotha waren prägend für den Begriff „Subkultur von unten“ ! (schneeball-records.de)

Hier ihr zweites Album aus dem Jahr 1978 (das erste erschien bereits 1970 unter dem Titel „Grüß Gott mit hellem Klang“)

Ihre LP „Frühling der Krüppel“ erschien 1978 bei Schneeball Records (Musik im Vertrieb der Musiker) und hat Beschreibungen vom „Wahnsinn des deutschen Alltags“ zum Inhalt. Auf nur drei Titeln prangern sie mit hintergründiger Ironie den Konsumterror an („Wenn sie dich verkaufen wollen, laß dich nicht von ihrem Wahnsinn überrollen“, zeichnen das Leben „Vom Fritzle“ nach („Er gewöhnt sich jetzt das denken ab“) und offerieren unverständliche Philosophien („Du schwarzer Spaziergänger mit den unparfümierten Gesichtszügen; der Stein in deinem Kopf, ein versteinerter Traum, ist wie die Steine dieser Stadt“) (Günter Ehnert)

In der Tat: Die Texte sind mehr als einmal eher sperrig, zuweilen platt … okay, nennen wir sie anarchistisch … und das ist ja mal per se auch eine Form, sich künstlerisch auszudrücken.

Zufriedener macht mich jedoch die Musik, die kann man als durchaus veritablen Rock, gelegentlich auch als Jazz-Rock benennen.

Auf jeden Fall sind und bleiben Checkpoint Charlie schon ne rechte Chaos-Truppe …

BackCover

Besetzung:
Jürgen Bräutigam (bass, vocals, noises)
Joachim Krebs (keyboards, synthesizer)
Wilfried Sahm (guitar, effect (Lemon Sound Phasing), background vocals)
Lothar Stahl (drums, percussion, noises)
Uwe von Trotha (vocals)

Booklet

Titel:
01. Haben Rock 9.31
02. Die Geschichte vom Fritzle 13.03
03. Frühling der Krüppel 22.53

Musik: Jürgen Bräutigam – Joachim Krebs – Wilfried Sahm – Lothar Stahl – Uwe von Trotha
Texte: Uwe von Trotha

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Streichholzbriefchen

Werbemittel: Ein Streichholzbriefchen

 

Panther – Wir wollen alles (1974)

FrontCover1Eigentlich wollte ich ja schon ein wenig mehr über diese „knallharte“ Polit-Rock-Band schreiben. Aber zum einen haben sich intensivere Informationen über diese Band kaum finden lassen, andererseits war ich aber auch nur zu faul zu suchen (die Hitze, you know). Deshalb heute nur soviel:

Die  Band  Panther  existierte  als  Politrockband  von 1971-1977  und  brachte  drei  Alben  heraus.
Mastermind Klaus Schulz war bei Rio Reisers heute noch bekannter Ex-Band Ton Steine Scherben  als Produzent für deren erfolgreichstes Werk „Keine Macht Für Niemand“  verantwortlich. Zu jener Zeit war er mit Sicherheit der am häufigsten von Polizei-MPs bedrohte Musiker Deutschlands. Die  Panther  LP  von  1974  „Wir  Wollen  Alles“  wurde  in  der Politrock-Zeit  zum  absoluten  Hausbesetzer- und  Straßenkämpfer-Hit.  Zu  den  frühen  Fans  zählten unter  anderem  Joschka  Fischer  und  Daniel Cohn-Bendit,  die  ihre  erste  Frankfurter  Zeitung  nach  „Wir  Wollen  Alles“  benannten.

Single

Musikalisch bewegte sich die Band zwischen Status Quo und Canned Heat und die MC 5 waren ganz sicher auch mit dabei. Die Texte, nun ja … einerseits richtige und wichtige Texte für jenen Teil der Jugend der damals aufbegehrte, heute hören sie sich dennoch ein wenig schlicht an, aber vielleicht auch genau das richtige für die damalige Hausbesetzer- und  Straßenkämpfer-Szene.

Wer sich für die Polit-Rock Bewegung jener Tage (Ton Steine Scherben, Tobogan oder Lokomotive Kreuzberg) interessiert, kommt an dieser Band aus Ahrensburg eigentlich nicht vorbei.

Panther

Interessant ist, dass aus dieser Band etliche Musiker weiterhin Musik gemacht haben und dabei sind einige klangvolle Namen dabei, wie diese Übersicht zeigt:

lineups

Quelle: spirit-of-metal.com

Ich selbst habe übrigens die damaligen Ereignisse in Frankfurt natürlich aus der Ferne aufmerksam beobachtet und das einerseits mit viel Sympathie, andererseits aber auch mit einem gewissen Argwohn: Mich störte damals die latent vorhandene Gewaltbereitschaft dieser autonomen Szene. Kein Wunder: bereitete ich mich auch gerade darauf vor, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden (damals kein unbedingt einfaches Unterfangen; aber ich hab´s ja dann schlussendlich geschafft *ggg*)

BackCover

Besetzung:
Gregor Ahrens (drums)
Julle Ahrens (bass)
Gert  Lange (guitar, background vocals)
Olaf Lietzau (percussions)
Manne Rürup (synthesizer)
Klaus  Schulz  (guitar,  vocals)

Joschka Fischer auf einer Demo in Frankfurt 1974:

 

Joschka Fischer auf einer Demo in Frankfurt 1974

 

Titel:
01. Wir wollen alles 4.20
02. Papiertiger 5.18
03. Putte muß bleiben 2.50
04. Mach die Augen auf 4.33
05. Daimler Se 4.16
06. Eingesperrt 7.26
07. Die Sirene heult 2.31
08. Wodka Lemon 9.07

LabelB1

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KlausSchulzHeute

Klaus Schulz im Jahr 2012

Textblätter

Die Textblätter

Flugblatt (Auszug)

Damals wie heute: ieses Thema brennt weiterhin unter den Nägeln !!!

Verschiedene Interpreten – Keiner oder alle (1978)

FrontCover1.jpgAusgangspunkt für diesen Beitrag war mein Beitrag über die Polit-Rock LP der Gruppe Oktober mit dem Titel „Uhrsprung“ aus dem Jahr 1976. Den Beitrag kann man natürlich noch nachlesen und zwar hier.

Und bei den Leserbriefen zu diesem Beitrag informierte mich der Michi, dass es da noch eine andere LP gleiche Coleur gäbe … uund die heiße „Keiner oder alle“. Und da hab´ich natürlich geantwortet, dass mich aus diese Aufnahmen sehr interessieren würden, „denn der Polit-Rock jener Jahre hat mich schon stark geprägt.“ … so schrieb ich das.

Und der Michi, ließ sich nicht lumpen und stellte mir nun dieses Album zur Verfügung.

Und so ist dieser blog wieder um eine Facette reicher … da kann ich nur ein herzliches Dankeschön sagen.

Und ja, die Texte (zuweien rotzfrech), sie mögen manchem antiquiert erscheinen, aber im Kern hatten sie damals wie heute ihre Berechtigung … zumindest hinsichtlich der damaligen AKW-Debatten („Atomkraft – Nein danke“) waren all diese Proteste nicht nur sinnvoll und notwendig, sondern zumindest in deutschen Landen dann letztlich erfolgreich … wenn es auch ein langer Weg war.

AtomkraftNeinDanke.jpg

Und wenn man sich mal der Musik zuwendet, so kann man erfreut feststellen, dass die Zeit der zuweilen arg grobschlächtigen Klänge der ganz frühen Polit-Rock Scheiben vorbei war (man hören sich diesbezüglich mal die Gruppe „Druckknöpfe“ an).

… und standen Liedermacher wie der Dieter Süverkrup oder der Walter Mossmann als Pate (vermutlich gerne) zur Verfügung.

Lieder, die die RAF als „politische Gefangene“ würdigen, fand ich damals wie heute eher deplaciert … aber das ist ein weites ‚Thema … für hat die RAF so ziemlich alles getan, um „linke Ideen und Gedanken“ in Misskredit zu bringen.

Info-Blatt

Info-Blatt

Der Titel dieses so sympathischen Albums stammt übrigens von dem gleichnamigen Gedicht von Berthold Brecht.

Wie gesagt: manches mag überholt und antiquiert klingen, aber dass die damalige junge Generation sich auch musikalisch in das gesellschaftliche Treiben, das ansonsten von bürgerlichen Politikern und dem Großkapital (jawohl, das darf man durchaus so sagen) bestimmt wurde … ist sehr bemerkenwert. Und heute haben wir die „Friday for Future“ – Bewegung … will this cirlcle never been broken.

Von daher: Ganz, ganz viele Sympathiepunkte meinerseits.

Und  ein Kalla Wefel war damals nicht nur musikalisch an diesem Album beteiligt, sondern stellte auch sein kleines 2-Spur „Eulenspiegel Studio“ in der Annenstraße 8, Hamburg zur Verfügung.

Und von dem Kalle Wefel und seinem weiterem Werdegang wird hier demnächst auch die Rede sein.

Bei ihm ist das auch so schwer, weil er bis heute in der einen oder anderen Weise aktiv ist … und was wurde aus all den anderen Beteiligten … ? Das würde mich doch sehr interessieren, weil mich eben Biographien von Menschen sehr interessieren.

BackCover1

Titel:
01. Schraubstock: Laßt uns wecken (Wefel) 4.56
02. Zündhölzer: Kinderlied (Zundhölzer) 0.47
03. Eimsbütteler Liederküche: Ich bau mir ein kleines AKW (E.Liederküche) 4-33
04. Uli; Baustellensicherung (Mock) 3.28
05. St. Pauli Gesangsverein V. 1878: Kriminalisierungslied
06. Hamburger Straßentheater: Unterelbelied (HH Straßentheater) 5.15
07. Zündhölzer: Lied vom Tod (Zünderhölzer/Süverkrup) 3.38
08. Druckknöpfe: Los komm mit (Hochhuth) 2.18
09. Kalla Wefel: Folter (Wefel/Zahn) 3.48
10. Hamburger Straßentheater: Lied von den politischen Gefangenen (Mossmann) 4.42
11. Eimsbütteler Liederküche: Der Berichterstatter (E. Liederküche) 3.35
12. Druckknöpfe: Cäsar (Hochmuth/Pursche) 7.16
13. Hamburger Straßentheater: Polizeistaatslied (HH Straßentheater) 3.08
14. Hamburger Straßentheater: Kapplerlied (HH Straßentheater) 1.10
15. Druckknöpfe: Keiner oder alle (Hochmuth/Brecht) 3.42

LabelA1

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Keiner oder alle

Sklave, wer wird dich befreien?
Die in tiefster Tiefe stehen
Werden, Kamerad, dich sehen
Und sie werden hör’n dein Schreien:
Sklaven werden dich befreien.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Hungernder, wer wird dich speisen?
Willst du dir ein Brot abschneiden
Komm zu uns, die Hunger leiden
Laß uns dir die Wege weisen:
Hungernde werden dich speisen.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Wer, Geschlagener, wird dich rächen?
Du, dem sie den Schlag versetzten
Reih dich ein bei den Verletzten
Wir in allen unsern Schwächen
Werden, Kamerad, dich rächen.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Wer, Verlorener, wird es wagen?
Wer sein Elend nicht mehr tragen
Kann, muß sich zu jenen schlagen
Die aus Not schon dafür sorgen
Daß es heut heißt und nicht morgen.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Oktober – Uhrsprung (1976)

FrontCover1.jpgAlso, nach einer Konsalik Präsentation dürstete es mich nach knackigem Polit-Rock aus den 70er Jahren … und diesmal wurde ich mit „Oktober“ fündig.

Überraschenderweise fand ich keine systematische Darstellung der Bandgeschichte (selbst das kenntnisreiche krautrock-musikzirkus.de bleibt diesbezüglich stumm); überraschend deshalb, denn diese Band hinterließ in den 70er Jahren durchaus Eindruck und sie wurden als Aktiv-Posten der Polit-Rock Szene gesehen, soweit jedenfalls meine Erinnerung.

Wie auch immer, hier ihr Debütalbum das bei dem Label „Unsere Stimme“ (= Trikont) veröffentlicht wurde.

‚Aufgenommen wurde das Album in der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, die Endabmischung erfolgte dann in den Windrose Studios, Hamburg.

Booklet.jpgUnd wir hören z.T. wirklich beeindruckende Instrumentalpassagen (da fällt z.B. der Gitarrist Hans-Werner Schwarz sehr positiv auf) … Prog-Rock Musik eben aus jenen Tagen (die mir heute noch zusagen kann).

Aber dann wieder mal das alte Lied: Der Gesang ist einfach eher dürftig … und die Texte, na ja … der Klassenkampf dringt aus den Rillen.

Wobei: lässt man mal den Pathos beiseite: Die Kernbotschaften haben von ihrer Aktualität nichts verloren … denn der Kapitalismus ist, wie er ist („wie tragen die Lasten, die Profite kriegt der Konzern“) … bis heute … und ja natürlich gibt es die unterschiedlichen Interessen der Klassen … wenn ich da allein an den „Dieselskandal“ denke … es ist unglaublich, wie sich die Autokonzerne letztlich aus ihrer Verantwortung stehlen … und die Software-Manipulation der Wägen, tja … warum ist das wohl passiert … ???

Die Gruppe hat dann noch zwei weitere Alben veröffentlicht … die ebenfalls zumindest interessant sind … und dann … tja …. die Antwort weiß ganz allein der Wind …

Schade eigentlich !

Denn: Trotz aller Mängel verleihe ich hier wieder mal ganz viel Sympathie-Punkte !

Oktober1.jpg

Besetzung:
Carl-F. Dörwald (vocals, flute, percussion, background vocals)
Klaus-Peter Harbort (drums, percussion)
Birger Holm (background vocals)
Axel Ratsch (percussion, background vocals)
Peter Robert (keyboards, synthesizer, spient, percussion, background vocals)
Hans-Werner Schwarz (guitar, percussion)
Kalla Wefel (bass, guitar, vocals, percussion)

CDBackCover

Titel:
01. Uhrsprung :
01.1.Familie 5:42
01.2.Schule 6:00
01.3.Betrieb 8:31
01.4. Staat und Solidaritätslied 8:46

02. Der Traum des Schmieds 8.00

Musik und Texte: Carl-F. Dörwald – Klaus-Peter Harbort – Birger Holm – Axel Ratsch – Peter Robert – Hans-Werner Schwarz – Kalla Wefel

Text bei 02: Eugene Poltier

LabelA1

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Oktober2.jpg

Ton Steine Scherben – Wenn die Nacht am tiefsten (1975)

TSSFrontCoverUnverzichtbar für das Verständnis der BRD in den 70er Jahren: Ton Steine Scherben !

Wenn die Nacht am tiefsten … ist das dritte Studioalbum der Rockband Ton Steine Scherben, welches das letzte vor einer sechsjährigen Studiopause war. Es zeigt erste Anzeichen eines Genrewechsels, also weg von dem Stil des Liedes Macht kaputt was euch kaputt macht hin zu dem Stil des Liedes Halt dich an deiner Liebe fest.

In den Jahren von 1973 bis 1974 hatten Ton Steine Scherben immer weniger Lust darauf, die „politische Musikbox“ der linken Szene zu sein. Dazu gehörte schließlich auch, dass man vom Publikum höchstens einen „Solidaritätsbeitrag“ als Eintritt fordern konnte, wovon es sich nicht besonders gut leben ließ. Daraufhin distanzierte sich die Band immer weiter von den Hausbesetzerparolen, auch wenn man der linken Ideologie treu blieb. Finanzielle Probleme führten zur Auflösung 1973. Die Trennung hielt nicht lange, aber bei der Wiedervereinigung fehlte der Bassist Kai Sichtermann. Er wurde durch Gino Götz ersetzt, der mit den Scherben schon am Kinderhörspiel Teufel hast du Wind zusammengearbeitet hatte. Außerdem fehlte nach wie vor ein Schlagzeuger (auf dem Album Keine Macht für Niemand hatte hauptsächlich Olaf Lietzau Schlagzeug gespielt). Der Drummer, für den sich Ton Steine Scherben nach Olaf Lietzau entschieden war Funky K. Götzner. In dieser Besetzung beschloss man Anfang 1974, eine neue LP zu produzieren.(Quelle: wikipedia)

Album Nummer drei der Kommunencombo fällt deutlich ruhiger und melancholischer aus, als der Vorgänger Keine Macht für niemand. Protest weicht Resignation, die Band ist raus aus der Pubertät, wird erwachsen und beginnt die Einsamkeit zu erkennen, in der Menschen sich befinden. Nichtsdestotrotz präsentieren sich auch hier wieder Rockmusik und Poesie vom Feinsten.

Das Cover zeigt zwar noch ein Foto des besetzten Bethanien-Hauses, aus der Hausbesetzter-Szene hatten sich Ton Steine Scherben jedoch bereits verabschiedet. „Wir haben uns immer gewehrt, eine rein politische Gruppe zu sein. Wir wollten und wollen eine Rockgruppe sein“, erklärt Gitarrist R.P.S. Lanrue den Wandel. So befassen sich die Lieder auf Wenn die Nacht am tiefsten mehr mit Gefühlen als mit Politik und der Rotzrock klingt geschliffener.

Stimmung und Botschaft enthält das Doppel-Album dennoch, es gibt einige schlechtere Scheiben von Ton Steine Scherben — und nie sang Rio Reiser ergreifender als auf der wunderschön tröstlichen Ballade „Land in Sicht“. (Felix von Vietsch)

Und dann schreibt einer noch bei amazon:
Längst nicht mehr so radikal – mit Ausnahme „Guten Morgen“ und „Nimm den Hammer“ präsentieren sich die Scherben wohl auf dem Höhepunkt Ihres Schaffens. Gute deutsche Rockmusik mit teilweise poetisch anmutenden Texten. Es gibt auf dieser Platte kein Stück dass in irgendeiner Form abfällt. Beim Song „Halt dich an deiner Liebe fest“ zeigt Rio dass er längst vor dem Start seiner Solokarriere wunderschöne Liebeslieder schreiben und singen konnte. Daneben gehören „Samstagnachmittag“ – noch aus der Zeit mit den „Roten Steinen“ – das Titelstück selbst sowie das 20 minütige „Land in Sicht“ zu den Highlights dieser Doppel-LP. Ein gutes Stück deutscher Rockgeschichte.

So isses ! Und ich bin ganz bewegt, wenn ich all diese wirklich poetischen Texte und Melodien höre (z.B. „Samstag Nachmittag“ !)

Inlet01

Besetzung:
Jako Benz (guitar)
Werner „Gino“ Götz (bass, saxophone)
Funky K. Götzner (drums)
R.P.S. Lanrue (Ralph Steitz) (guitar, background vocals)
Ralph Möbius (Rio Reiser) (vocals, guitar, keyboards)
Nikel Pallat (vocals)
Jörg Schlotterer (flute)
Vegas von Trantor (Uli Hammer) (percussion)
+
Gaby Borowski (background vocals)
Britta Neander (background vocals)
Angie Olbrich (background vocals)

Inlet02

Titel:
01. Heut Nacht (Möbius/Lanrue) 6.15
02. Samstag Nachmittag (Möbius/Lanrue) 5.01
03. Guten Morgen (Pallat/Möbius) – 4:16
04. Durch die Wüste (Möbius/Lanrue) 4.59
05. Nimm den Hammer (Traditional/Möbius/Lanrue) 5.22
06. Ich geh weg (Möbius/Lanrue) 3.23
07. Halt dich an deiner Liebe fest (Möbius/Lanrue) 6.58
08. Wir sind im Licht (Pallat/Lanrue) 5.31
09. Wenn die Nacht am tiefsten … (Möbius/Lanrue) 3.31
10. Land in Sicht (Möbius/Lanrue) 7.11
11. Komm an Bord (Möbius/Lanrue) 9.14
12. Steig ein (Möbius/Lanrue) 20.50

LabelA1

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Alternatives FrontCover

Alternatives FrontCover

Musiker der Gruppen Oktober + Schmetterlinge u.a. Solisten – Peter P. Zahl – Alle Türen offen (1978)

FrontCover1Hier ein ganz besonderes und ganz sicher auch ein ganz ambitioniertes Projekt aus der Polit-Rock Szene der 70er Jahre. Musiker der damals durchaus bekannten Formationen „Schmetterlinge und „Oktober“ fanden sich in Wien zusammen, um Texte von Peter P. Zahl zu vertonen. Warum sie das taten … davon später mehr …

Und dieser Peter P. Zahl ist dann im Jahre 2011 verstorben. Die „taz“ schrieb folgenden Nachruf:

„Es war unklar, ob der Preisträger persönlich erscheinen konnte, denn er war ein Häftling, der gerade erst aus der Einzelhaft in den Normalvollzug überstellt worden war.

Als dem 1944 in Mecklenburg geborenen Peter-Paul Zahl im Jahr 1980 der Literaturförderpreis der Freien Hansestadt Bremen verliehen wurde, saß dieser junge Autor schon seit rund acht Jahren im Knast. Als mutmaßlicher Terrorist. Er hatte sich im Jahr 1972 seiner Verhaftung widersetzt, dabei von der Schusswaffe Gebrauch gemacht und einen Polizisten schwer verletzt.

Die Haftjahre nutzte Zahl, der bereits 1968 mit einem Buch in Erscheinung getreten war, zum Schreiben nicht nur politischer Texte. 1979 erschien dann schließlich sein berühmtester Roman „Die Glücklichen“, in der Zahl eine Alternativkultur beschrieb, die viele, die von den Utopien der Jahre 68 ff. geprägt waren, sehr gut kannten. „Die Glücklichen“ wurde zum Kultbuch.

Der im Dezember letzten Jahres verstorbene Peter O. Chotjewitz, der nicht nur Schriftstellerkollege, sondern auch Zahls Anwalt war, erinnerte sich vor einigen Jahren, dass er Zahl – obschon dieser immerhin wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war und als politischer Häftling galt – einfach so mit dem Privatwagen aus der Haftanstalt abholen durfte. Chotjewitz, der selbst als Unterstützer der RAF angeklagt gewesen war, musste lediglich garantieren, den Häftling später auch brav wieder abzuliefern. Der Strafvollzug für Staatsfeinde war nach dem Deutschen Herbst des Jahres 1977 nicht immer ohne Witz.

Peter-Paul Zahl (links) und Peter Rühmkorf

Peter-Paul Zahl (links) und Peter Rühmkorf

Zahl nun erhielt den wichtigen Literaturpreis, und seine Schriften wurden somit von der Literaturkritik quasi geadelt. Mit geadelt wurde dabei allerdings auch immer der linksradikale Aktivist, der bei der legendären Berliner Untergrundzeitschrift 883 mitwirkte (und nicht nur bei dieser), der amerikanische GIs bei der Desertation und der Flucht nach Schweden unterstützte, der als Betreiber einer kleinen Druckerei half, so manch einer klandestinen Schrift eine Öffentlichkeit zu geben. Er war der Verleger von Westberliner Anarchisten und Gutlebeleuten, er selbst war auch durchaus ein Lebemensch.

Die Bremer Preisverleihung im Jahr 1980 war ein kleiner Skandal. Der damals noch weitgehend linksliberal gesonnene Literaturbetrieb genoss die Aufregung um den Preisträger. Dieser selbst genoss sie offensichtlich ebenso.

Nach der Haftentlassung, im Dezember 1982, und nach einigen merkwürdigen Wiedereingliederungsmaßnahmen für den bereits anerkannten Schriftsteller blieb Zahl ein linker Aktivist, doch wurde er gemäßigter. Sein Aktionsdrang verlegte sich ins literarische, er bereiste die damals für Linke interessanten Länder, schließlich ließ er sich auf der coolen Kifferinsel Jamaika nieder, der er sich auch literarisch näherte, allerdings oft auch sehr klischeehaft und oberflächlich.

Peter-Paul Zahl, 2006

Peter-Paul Zahl, 2006

Peter-Paul Zahl war kein politischer Theoretiker, kein großer Denker und kein feiner Stilist, er war manchmal derb, weil er nicht anders konnte, große Romane im Sinne der bürgerlichen Literaturkritik hat er nicht geschrieben, dennoch sind die besten seiner vielen Bücher weit mehr als nur Dokumente einer engagierten Linksliteratur. Zahl hatte Humor. Und auch Selbstironie.

Dass der Ruf des Politaktivisten bis zuletzt seinen literarischen Rang überdeckte – es hatte positive und negative Folgen für ihn. Einerseits galt er den meisten Fans der „Glücklichen“ mit allem, was er publizierte, als literarischer Heros, andererseits mied ihn der etablierte Literaturbetrieb zusehends. Er galt als „Figur“, nicht als Autor.

Auch der Umstand, dass ihm mit dem Glauser im Jahr 1995 für seinen Krimi „Der schöne Mann“ einer der wichtigsten Krimipreise verliehen wurde, änderte nichts daran. In den letzten zwei Jahren suchte Zahl noch Verlage für neue und vergriffene Titel, doch er wurde – soweit bekannt ist – nicht mehr fündig. „Miss Mary Huana“ von 2007 ist sein letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Buch.

Dieses Schicksal hat er, bei aller berechtigten Kritik an seinen manchmal doch mit allzu heißer Nadel gestrickten Büchern, nicht verdient.

Am Montag starb Zahl im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus von Port Antonio auf der Insel Jamaica. Im vergangenen Jahr hatte sich Zahl wegen eines Krebsleidens noch in Deutschland behandeln lassen und kehrte dann in sein Haus in Longbay zurück.“

Zahl war also im Jahr 1978 noch in Haft, als diese Aufnahmen entstanden, und diese Aufnahmen sind ganz sicher auch als eine Aktion der Solidarität mit diesem Schriftsteller zu verstehen. Und für meinen Geschmack haben die Texte wirklich Bedeutung und Qualität … und das erfreuliche ist, dass die musikalische Umsetzung dieser Texte einfach nur grandios ist … im Gegensatz zu manchen Polit-Rock Alben dieser Jahren wird hier auf einem wirklich hohem Niveau musiziert … beeindruckend und auch noch im Jahre 2018 mehr als hörenswert !

Wenngleich, und das muss ich auch noch leider loswerden: Meine Sympathie für „gewaltbereite Linke“ in der damaligen BRD geht gegen Null !

Aufgenommen im August 1978 in den Schmetter-Sound-Studios, Wien

BackCover

Besetzung:
Andreas Hage- (piano)
Ali Husseini (drums, percussion)
Schurli Herrnnstadt (Schmetterlinge) (vocals)
Michael Iven (vocals, guitar)
Trixi Neundlinger (Schmetterlinge) (flute)
Peter Robert (Oktober) (keyboards, synthesizer, strings)
Hansi Schwarz (guitar)———————————–
Kalla Wefel (Oktober) (bass, guitar)
+
Willie Resetartis (Schmetterlinge) („Ostbahn Kurti“) (vocals bei 01.)

Booklet1A

Titel:
01. Meine kultivierten Bekannten (hage/Zahl) 2.57
02. Ninguneo (Iven/Zahl) 22.45
03. Hinter der dunklen Seite des Mondes 4:24
04. Zürückgebombt… (Schwarz/Robert) 6.40
05. Dynamos (Schwarz/Robert) 4.32
06.  …In Die Steinzeit (Schwarz/Robert) 4.52
07. Alle Türen offen (Schwarz/Robert) 4.50
08. Folter (Schwarz/Robert) 4.03
09. Brokdorfer Liebeslied (Schwarz/Robert) 4.01
10. Hierher gehört Leben (Schwarz/Robert) 5.30

Tracks 03. – 10. nach dem Gedicht „Doors“ von Peter P. Zahl

Label1

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Nachruf im "Spiegel" (05/2011)

Nachruf im „Spiegel“ (05/2011)