Jane – Here We Are (1973)

FrontCover1Einerseits eine verdammt gute Gruppe aus den frühen Jahren des Prog Rocks in Deutschland, andererseits eine ziemlich unappetitliche Geschichte:

Jane ist eine deutsche Rockband aus Hannover und eine der bekanntesten Bands aus dem Genre des Krautrock. Sie wurde im Jahre 1970 gegründet und existierte bis 1994 unter ihrem ursprünglichen Namen. Seitdem gibt es „Jane“ nur noch mit Namenszusatz.

1965 entstand die Band Justice of Peace, die als The J.P.’s eine Single veröffentlichte und sich 1968 auflöste. Zur letzten Formation stieß Werner Nadolny (Keyboard, Flöte) hinzu. Fortan verwendete die Band mit den Musikern Klaus Hess (Gitarre), Peter Panka (Schlagzeug, Gesang), Werner Nadolny und Charly Maucher (Bass und Gesang) den Namen „Jane“. Der erste Auftritt fand am 5. Dezember 1970 in Hannover statt. Anfang des Jahres 1971 kam Sänger Bernd Pulst zur Band. Für die folgenden Veröffentlichungen wirkte Günter Körber als Produzent und verschaffte der Band einen Plattendeal auf dem von ihm mitgegründeten Label Brain. Das erste Album Together erschien 1972.

Bei den Aufnahmen zum Album Here We Are von 1973 nahmen krankheitsbedingt weder Pulst noch Maucher teil. Den Bass spielten abwechselnd Wolfgang Krantz (vorher Justice of Peace) und Klaus Hess.

Das Album Jane III (1974) wurde fast ohne Keyboards aufgenommen, da Nadolny aus der Band ausgestiegen war. Man versuchte die Orgel zu ersetzen, indem Krantz die Gitarre über ein Leslie-Kabinett spielte. Auf Way to Paradise spielte er Klavier. Der Gesang stammte zum größten Teil vom wieder genesenen Maucher, da Bernd Pulst am 3. Februar 1973 verstorben war.

Maucher und Krantz verließen Jane nach der Live-Promotion des Albums und gründeten mit Werner Nadolny, Arndt Schulz (Gitarre, Gesang) und Werner Löhr (Schlagzeug, Gesang) die Band Harlis. Nadolny schied jedoch vor Erscheinen des ersten Albums 1976 (auf Günter Körber’s neuem Label Sky Records) wieder aus und gründete die Band Lady.

Ein Album der Band Lady erschien 1976 auf Vertigo Records. Unter den nachfolgenden Mitgliedern fanden sich der spätere Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs und ex-Epitaph-Mitglied Klaus Walz.

Peter Pankas Jane

Peter Pankas Jane

1975 erschien Janes viertes Album Lady, eine Anspielung auf den Rolling Stones Song Lady Jane. Jane hatten sich nun mit Gottfried Janko (Keyboard, Gesang) und Martin Hesse (Bass) – beide ex-Dull Knife – verstärkt. Da Janko – trotz unüberhörbarer Eigenbeiträge – nicht als Komponist auf der Platte erwähnt wurde, verließ er Jane nach dieser Produktion wieder. Die folgenden Jahre waren weiterhin von zahlreichen Mitgliederwechseln geprägt. Konstante Mitglieder waren lediglich Klaus Hess und Peter Panka.

1976 nahm die Band das Album Fire, Water, Earth and Air auf, auf dem Werner Nadolny überraschenderweise wieder die (dieses Mal reichlichen) Keyboards bediente.

Auf dem später im selben Jahr erschienenen Live-Doppelalbum At Home – ein komplett in der Heimatstadt Hannover mitgeschnittenes Konzert – bediente allerdings Manfred Wieczorke (ex-Eloy) die Keyboards. Das Album enthält – neben einigen umbenannten bereits veröffentlichten Stücken – auch die nur hier erhältlichen Werke Windows, Expectation, Another Way und Hightime for Crusaders.

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1977 folgte Between Heaven and Hell – mit dem ebenfalls eine komplette LP-Seite füllenden Titelstück, welches überraschenderweise für Jane völlig untypischen, bombastischen Chorgesang enthielt. Auf Voice in the Wind wurden Kirchenorgel und Harfe eingesetzt. Live präsentierten Jane das Album mit Quadrophonie-Effekten, indem sie Lautsprecherboxen in allen vier Hallenecken aufstellen ließen.

Im August 1977 bekam die Band für 300.000 verkaufte Alben das Goldene Brain-Label. 1978 folgte Age of Madness, das – ähnlich wie sein Vorgänger – durchaus gute Ideen enthielt, die aber insgesamt eher unausgereift wirkten. Während danach Klaus Hess seinen Ruhm auf Ibiza genoss, tauchte Manfred Wieczorke unter, um später mit Jürgen Baumann (ex-Madison Dyke) Firehorse zu formieren. 1980 erschien das Album On the Wind auf Ariola.

Um bestehende Verträge mit Brain zu erfüllen, nahm Hess mit Panka und Hesse 1979 als Trio Sign No. 9 auf. Hess spielte nun auch Keyboards und überraschte mit vielschichtigen Gitarrenarrangements und zwei interessanten Instrumentals (Henry goes married, Letter to Mariann). Das sonstige Songmaterial war allerdings erneut unausgereift und langweilte überwiegend mit endlosen, variationslosen Wiederholungen.

Auf dem 1980 erscheinenden Album Jane hatte man sich mit dem Sänger und Keyboarder Pedja verstärkt. Ab Anfang der 1980er sanken die Verkaufszahlen; die Band veröffentlichte aber weiterhin Alben und ging auf Tourneen.

1982 erschien Germania, nun wieder im Trio eingespielt, ohne Pedja, den die Fans nicht akzeptiert hatten, mit Hess, Panka und dem zurückgekehrten Charly Maucher.

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Nach dem Auslaufen des Plattenvertrags im selben Jahr – und der Vertragserfüllung – taten sich die Musiker Peter Panka, Charly Maucher, Werner Nadolny und Klaus Hess mit dem Engländer Jon Symon zusammen, um mit diesem das „Rockballett Warlock“ in Hannover aufzuführen. Hess wurde allerdings von Symon, dem Initiator des Rockballetts, gekündigt und dieser durch den Gitarristen Detlef Klamann ersetzt. Hess versuchte es danach mit einer Solo-Karriere. 1983 erschien die live produzierte LP Warlock – The Rockballet auf Lava Records.

Klaus Hess veröffentlichte das instrumentale Album Sternentanz auf dem Label Sky Records. Jane gingen 1983 in der Besetzung Peter Panka, Charly Maucher, Werner Nadolny und Detlef Klamann wieder auf Tour.

1984 bestand das Line Up aus Peter Panka und Werner Nadolny, plus Kai Reuter (Gitarre), Bernd Kolbe (Bass, ex-Epitaph) und Klaus Henatsch (Keyboards, Gesang, ex-Lorry).

Anlässlich des 10-jährigen Labeljubiläums bot Sky-Records-Chef Günter Körber Jane eine neue Plattenproduktion an. Ohne Kolbe erschien 1986 Beautiful Lady. Das Album enthielt neben schwächeren, Jane-untypischen Liedern auch Perlen wie Silence, In my Life und Imagination, in das eine kurze Passage aus John Lennon’s Imagine integriert wurde.

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Keine Ahnung, welche Jane Formation dies nun genau ist, ist mir auch wurscht …

1988 erschien bei Sky Records Jane live ’88 mit Peter Panka, Werner Nadolny, Klaus Walz (Gitarre), Stephanie Shea (Bass) und auch wieder Charly Maucher.

Zum 20. Geburtstag des Labels Brain wurde die LP Jane live ’89 – auf der auch Gottfried Janko bei zwei Stücken mitwirkte – bei Metronome veröffentlicht.

1992 kam es beinahe zu einer Reunion der Urbesetzung mit Klaus Hess, Peter Panka und Werner Nadolny. Charly Maucher plante bereits seinen Umzug nach Kanada, und so bediente Jens Dettmer den Bass. Nach einer kleinen Deutschlandtour ging es nach Neuseeland. Aufgrund Nadolnys Erkrankung an Multipler Sklerose schlugen Hess und Dettmer vor, einen zusätzlichen Keyboarder zur Unterstützung hinzuzuholen. Nadolny lehnte dies ab, und man trennte sich.

1996 nahmen Peter Panka’s Jane das Album Resurrection auf, in der Besetzung Panka, Nadolny, Reuter, plus Klaus Walz und Mark Giebeler am Bass.

Peter Panka und Werner Nadolny spielten ab 1999 mit Gaby Neitzel (Gitarre) und Petra Müller-Gehring (Bass) als Lady Jane und traten auch als Duo unter dem Banner „Pano’s Jane“ auf.

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Werner Nadolny, von der Krankheit gezeichnet

Sowohl Peter Panka als auch Klaus Hess beanspruchten den Bandnamen „Jane“ für sich. Aufgrund der Namensstreitigkeiten wurde ein richterlicher Vergleich am 6. September 1994 vor der Zivilkammer des Landgerichtes Hannover geschlossen, dass sich die aus der Ursprungsformation Jane ergebenden Bands nur noch mit „Namenszusatz“ Jane nennen dürfen. Die Bands durften fortan nur mit Namenszusätzen, wie Peter Panka’s Jane, Lady Jane oder Klaus Hess‘ Jane oder Mother Jane, auftreten.

Vergleich

Der Vergleich zwecks Verwendung des Namens „Jane“

2004 trat die Band Peter Panka’s Jane im Rockpalast auf. Im Herbst 2006 tourte die Band durch Deutschland und die Schweiz und veröffentlichte das Album Voices, das beim eigenen Label cool & easy records erschien.

Anfang 2007 bestand die Band aus Peter Panka, Werner Nadolny, Charly Maucher und Klaus Walz, der früher bei der deutschen Band Epitaph gespielt hatte. Peter Panka starb am 28. Juni 2007 an Lungenkrebs. Auf seinen Wunsch hin sollte die Band weitergeführt werden. Walz, Maucher und Nadolny verpflichteten daher Schlagzeuger Fritz Randow (Eloy, Epitaph) und den Gitarristen und Sänger Arndt Schulz (Harlis).

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Werner Nadolny´s Jane, 2013

Anfang 2008 wurde Werner Nadolny nach bandinternen Unstimmigkeiten durch Wolfgang Krantz, der schon an den Jane-Alben Here We Are und Jane III mitgewirkt hatte, ersetzt. Er gründete noch im selben Jahr 2008 die Band Werner Nadolny’s Jane. Seitdem existieren drei Jane-Formationen, die alle Live-Konzerte geben und CDs oder DVDs veröffentlichen. (Quelle: wikipedia)

Hm … da fällt einem irgendwie gar nichts mehr …

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Aber zurück in jene Tage, als in der Band noch eitler Sonnenschein herrschte … Und mit einer gewissen Verblüffung musste ich feststellen, dass ihr 2. Album „Here We Are“ auch rückblickend nicht sonderlich gut wegkommt (denkt man z.B. an die Rezensionen in den Babyblauen Seiten.

Nachvollziehen kann ich das ja nun überhaupt nicht …

So schreibt z.B der von mir eigentlich sehr geschätzte Achim Breiling zu diesem Albnum u.a. folgendes:

Nach (de Album) „Together“ mussten Jane ohne Bernd Pulst und Charly Maucher auskommen. Dafür kam mit Wolfgang Krantz ein zweiter Gitarrist in die Gruppe. Krantz und Hess wechselten sich am Bass ab und Panka übernahm den Gesang. Musikalisch hatte sich allerdings nicht allzu viel verändert. Auch auf „Here We Are“ gibt es bluesinspirierten Orgelhardrock angelsächsischer Prägung zu hören. An Pink Floyd erinnert das hier Gebotene allerdings kaum, höchtens die Gitarrenarbeit gemahnt gelegentlich an David Gilmour. Einen etwas zähen, gemächlich dahinrumpelnden Hardrock spielen Jane, der auf diesem Album allerdings, durch den gelegentlichen Einsatz eines Mellotrons, leicht progressive Züge bekommt.

Das einleitende „Redskin“ ist wohl die beste Nummer der Scheibe. Das Stück ist eine schleppende, etwas monoton dahinschreitende (meditative) Nummer, in dem sich die Orgel und die Gitarren (zumindest gegen Ende) verhalten austoben und in der sich auch der gelegentliche Backgroundgesang ganz gut macht. Danach plätschert das Album eher gemächlich dahin. „Out In The Rain“ ist der Klassiker der Band, eine etwas holprige Ballade mit massivem Mellotroneinsatzt, die allerdings ziemlich unter dem akzentbelasteten, schwachen Gesang von Panka leidet. Der Rest ist dann nicht mehr sonderlich erwähnenswert, ist durchaus gut gemacht, nicht furchtbar einfallsreich und mit recht unterdurchschnittlischem Gesang versehen. Die Orgel röhrt bisweilen kräftig, die Gitarren jaulen, das Mellotron schwillt (in „Like A Queen“ zumindest), in „Waterfall“ kommt sogar ein kleiner Kinderchor zum Einsatz und gegen Ende des Titelstücks geht es nochmal ordentlich zur Sache.

„Here We Are“ ist eine ganz ordentliche Scheibe mit krautigem Blues/Hardrock, der bisweilen einen leichten Progeinschlag hat, die aber alles in allem ziemlich lustlos und träge aus den Boxen plätschert. Auf dieses Album kann man getrost verzichten, es sei denn, man ist ein exzessiver Krautrocksammler oder schätzt den typischen Rocksound der frühen 70er!

Entschuldigend muss man hinzufügen, dass der Achim Breiling Jahrgang 1968 ist … (kicher, zwinker).

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Und dann noch der Horst Straske:

Das zweite Album von Jane wird vom gemächlichen „Redskin“ völlig untypisch für den zu erwartenden Orgelrock eröffnet. Die Gitarrenarbeit zeigt sich hier von der amerikanischen Bluestradition inspiriert. Mit einem zweiten Gitarristen an Bord offenbarte die Band eine ganz leichte Nähe zum Southern Rock. Insgesamt schlängelt sich dieser Einstieg aber etwas ereignislos entlang und lässt die psychedelische Wucht des Debüts vermissen.

Mit dem hymnischen „Out In The Rain“ wissen sich Jane aber zu steigern und lassen einen symphonischen Unterton einfließen, der sich in den von Achim erwähnten Tasteneinsätzen manifestiert. Hier wird im balladesken Schönklang geschwelgt und viel Gefühl gezeigt, was dem entspannten Grundsound der Band sehr gut steht. Wenn im nachfolgenden „Dandelion“ weiterhin dem melodischen Pathos gefrönt wird, offenbart das zweite Album von Jane aber seine dramaturgischen Schwächen.

Der ungezügelt-bedrohliche Hammondsound ist auf „Here We Are“ leider nicht vorhanden und wird von grundsolidem Rockhandwerk überlagert. Über weite Strecken liegt hier ein schwerfällig dahin gleitender (Blues)-Rocksound vor, der zu kalkuliert wirkt und das spontane Überraschungsmoment vermissen lässt. Den Begriff „Hardrock“ sollte man in diesem Zusammenhang aber gar nicht in den Mund nehmen, da solcherlei Elemente nur ganz unterschwellig auftreten.

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Höchstens der Titelsong „Here We Are“ kann als rifflastig-schleppender Hardrocksong durchgehen. Schlecht sind Jane auf ihrem Zweitling beileibe nicht. Das Debüt ließ jedoch mehr erwarten.

Also „Redskin“ ist schon mal nicht „gemächlich“ (was hier wohl als Synonym für langweilig“ zu vertehen ist).

„Redskin“ ist ein Höhepunkt des deutschen Prog-Rock …aus und fertig … Basta !

Und das Album ist auch insgesamt ein überzeugender Wurf … zupackender, ausgefeilter Rock mit einem superben Orgel-Sound und impulsiven Gitarren-Solos (man höre sich  z.B. mal „Like A Queen / Here We Are“ an).

Aber ich bin ja auch Jahrgang 1955.

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Besetzung:
Klaus Hess (guitar, bass)
Wolfgang Krantz (guitar, bass)
Werner Nadolny (organ, mellotron)
Peter Panka (drums, vocals)
+
Dieter Dierks (electronic effects bei 06.)
+
background vocals:
Angelika Winkler – Ariane Gottberg – Brigitte Blunck – Miriam Kalenberg – Peter Heinemann – Günter Körber

Booklet

Titel:
01. Redskin 8.54
02. Out In The Rain 5.37
03. Dandelion 2.20
04. Moving 3.54
05. Waterfall 4.26
06. Like A Queen / Here We Are 8.15

Musik und Texte: Klaus Hess – Wolfgang Krantz – Werner Nadolny – Peter Panka

LabelB1

  • (demnächst)
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Man klicke auf das Bild und erfährt mehr … die unglaubliche Geschichte von Egomanen, die mal so eine verdammt gute Musik machten:

Traurig