Rheinischer Kammerchor – Transeamus usque Bethlehem (1970)

FrontCover1Ein interessantes Stückchen Musikgeschichte, das stimmungsvolle Transeamus aus dem schlesischem Breslau:

Transeamus usque Bethlehem ist ein schlesisches weihnachtliches Chorwerk eines anonymen Komponisten auf einen lateinischen Text.

Die Pastorella ist in Stimmenmaterial aus dem Breslauer Dom überliefert, das der letzte deutsche Domkapellmeister Paul Blaschke aus dem belagerten Breslau nach Westdeutschland retten konnte. Die Komposition wurde lange Zeit dem Domkapellmeister Joseph Ignaz Schnabel (1767–1831) zugeschrieben, doch konnte Blaschke schon 1961 nachweisen, dass sich Schnabels Anteil auf die Bearbeitung der instrumentalen Begleitung beschränkte. In den Breslauer Chor- und Orchesterstimmen, die wohl von Schnabels Hand stammen, ist kein Komponist namentlich angegeben, jedoch findet sich in einer Stimme der Vermerk Ignoto (lat. ‚von einem Unbekannten‘). Franz Witt hatte bereits 1870 erwähnt, die Komposition sei „nach einer alten Weise arrang. von J. Schnabel“. Paul Krutschek vermutet, Schnabel habe die Komposition in einem schlesischen Kloster gefunden.[3] Die Komposition dürfte ihren Anlass in einem liturgischen Krippenspiel gehabt haben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Komposition ursprünglich noch weitere Sätze enthielt, und damit eine kleine Kantate darstellte. Die Entstehungszeit dürfte aus stilistischen Gründen in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts anzusetzen sein. Elemente des Rokoko sind nicht gegeben, vielmehr weist der Formverlauf auf eine starke Verwurzelung des Komponisten in der Volksmusik. Eine in Textierung, Instrumentation und melodisch-rhythmischer Führung von der Breslauer Fassung etwas abweichende Ausgabe wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im Benediktinerkloster Braunau in Nordböhmen aufgefunden.

NotenDer Text des Werks beruht auf der biblischen Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10–16 Vul). Das Stück ist im Original für einen dreistimmigen Chor (Sopran, Alt, Bass) mit Orchesterbegleitung (8 Bläser, 5 Streicher und Orgel) gesetzt. Weitverbreitet sind Bearbeitungen für vierstimmigen Chor, die Instrumentalbegleitung wird oft von der Orgel allein ausgeführt.

Das Stück setzt mit einem Rezitativ ein, dessen Text in der Breslauer Fassung nicht überliefert ist, und das in vielen Bearbeitungen weggelassen wird. Stimmenabschriften aus dem Glogauer Dom beweisen, dass das Rezitativ mit dem Text Lk 2,10–12 Vul unterlegt war. Die anschließende Pastorella ist in dreiteiliger Liedform mit einem umrahmenden Ritornell aufgebaut. Die Bassstimmen (quasi in der Rolle der Hirten) singen die erste Strophe, die Frauenstimmen setzen danach (quasi als Engelschor) ein und begleiten so die simultan von den Bässen vorgetragene zweite Strophe. Zum Schluss singen die Bässe nochmals allein.

In der harmonischen Analyse erweist sich das Stück als bemerkenswert schlicht; die Harmonien gehen nicht über die drei Hauptstufen der Kadenz hinaus, wobei die Subdominante mit einer einzigen Ausnahme immer nur auf den schwachen Taktzeiten erreicht wird. Die Formgestaltung ist mit ihrer mehrfachen Wiederholung redselig und weitschweifig. Bei aller Schlichtheit der Komposition ist das Stück von der Freude über die Menschwerdung Gottes geprägt, die in volkstümlicher musikantischer Unbekümmertheit ausgeführt wird. (Quelle: wikipedia)

Soweit die Historie; diese wikipedia Text bezieht seine Erkenntnisse übrigens genau auf das Beiblatt dieser Single, die vermutlich 1965 erschienen ist. (Das Beiblatt liegt dem Infopäckchen natürlich auch bei). Desweiteren sind dann noch 2 Lieder eines Leonhard Schröter (um 1532 bis um 1601) zu hören. Ganz sicher auch eine spannende Geschichte ….

Für mich ist dieses Transeamus nicht nur interessantes Stückchen Musikgeschichte, sondern auch persönlich sehr bedeutsam: Es war eines der musikalischen Höhepunkte für meinen Vater … und somit für mich als kleiner Bub „Pflichtlektüre“ zu Weihnachten. Und ja, es ist mir auch ein wenig ans Herz gewachsen.

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Besetzung:
Rheinischer Kammerchor unter der Leitung von Hermann Schroeder
+
Rheinisches Konzertorchester unter der Leitung von Ferdinand Schmitz

Schroeder

Hermann Schroeder

Titel:
01. Transeamus usque Bethlehem (Traditional) 4.13
02. Lobt Gott ihr Christen allegleich (Schröter) 3.12
03. Freut euch ihr lieben Christen (Schröter) 2.48

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