Deutsches Rundfunkarchiv – Stimmen des 20. Jahrhunderts – XI. Olympische Sommerspiele 1936 in Berlin (1996)

FrontCover1Dem geneigten Leser dieses blogs wird ja nicht entgangen sein, dass ich ein ausgesprochenes Interesse an Geschichte und natürlich auch an deutscher Geschichte habe. Und von daher hat mich diese CD wieder mal ganz besonders interessiert:

Die XI. Olympischen Sommerspiele im August 1936 in Berlin waren sowohl ein bedeutendes sportliches Ereignis als auch ein großer propagandistischer Erfolg für das nationalsozialistische Deutschland. Als auf dem IOC-Kongreß 1931 in Barcelona und in dessen Gefolge die Olympischen Spiele für das Jahr 1936 nach Berlin vergeben wurden, konnte niemand vorhersehen, daß 1933 Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernehmen und Hitler als deutscher Reichskanzler die Olympischen Spiele offiziell eröffnen würde. Halbherzige Versuche, dem nationalsozialistischen Deutschland mit seinen 1935 verabschiedeten antijüdischen Nürnberger Gesetzen und seinen Konzentrationslagern die Spiele zu entziehen, hatten keinen Erfolg.

Die Nationalsozialisten erkannten sehr früh die propagandistischen Möglichkeiten, die ein solches sportliches – und vermeintlich unpolitisches – Großereignis vor allem auf das Ausland haben würde. Hitler persönlich hat sich – wie Carl Diem erläutert – für den Bau des Reichssportfeldes mit

Plakat zu den Olympischen Spielen 1936

Plakat zu den Olympischen Spielen 1936

dem Olympiastadion als Mittelpunkt ausgesprochen, der Welt sollte der wirtschaftliche Aufschwung des „neuen Deutschland“ eindrucksvoll vor Augen geführt werden. Unverblümt erklärte Edgar Stahff, der Auslandsreferent des Reichssportführers, daß die meisten Auslandsdeutschen Berlin weniger wegen des Sports besuchen werden, „sie wollen vor allem das Reich und seinen Führer sehen“: die Olympischen Spiele mutierten so zu einer „großdeutschen Kundgebung“, die nur möglich werde, weil Hitler „dem deutschen Volk den Glauben an seine Zukunft wieder gegeben hat“. Daß bei deutschen Siegen neben dem Deutschlandlied auch das Horst-Wessel-Lied – die nationalsozialistische Parteihymne – gespielt wurde, war selbstverständlich, auch die häufige Anwesenheit Hitlers in seiner „Führerloge“ gab dem Sportereignis eine besondere politische Bedeutung.

Bei den ersten drei Tonbeispielen auf dieser CD handelt es sich um Schallplatten, die vor allem im Ausland verbreitet wurden und dort für das nationalsozialistische Deutschland werben sollten, alle übrigen Aufnahmen – mit einer bemerkenswerten Ausnahme – wurden aus Rundfunksendungen zusammengestellt. Der Olympia-Weltsender ersetzte damals das eigenständige Programm der verschiedenen Reichssender (Hamburg, Köln, Leipzig, München usw.) durch ein Einheitsprogramm aus Berlin, in dessen Mittelpunkt natürlich die Berichterstattung über die Olympischen Spiele stand. Aber auch das einzige weitere deutsche Radioprogramm, das des Reichssenders Berlin, übernahm bei wichtigen Ereignissen die Sportreportagen des Olympiasenders, so daß für 16 Tage tatsächlich die Sportwettbewerbe mit ihren Siegen und Niederlagen die politischen Fragen in den Hintergrund drängten. Auch wurden die Reportagen mittels Lautsprecher auf die Straßen Berlins übertragen, die Wochenschauen brachten umfangreiche Berichte, vor allem aber hatte das Fernsehen eine erste große Bewährungsprobe zu bestehen: in 21 Fernsehstuben konnten die Berliner das Geschehen auf dem Reichssportfeld live miterleben, „kostenlos“ und „augenblicksgetreu“, wie ein Zeitungsbericht stolz vermerkte. Außerdem hatte die Reichspost in vier Berliner Postämtern Großprojektionsflächen aufgestellt, so daß dort bis zu 300 Personen die Wettbewerbe verfolgen konnten.

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Unter den auf dieser CD vorgestellten Sportreportagen ragen die Laufwettbewerbe an Zahl und Länge heraus, einfach deshalb, weil sie am besten die Dramatik des Geschehens auf der Aschenbahn vermitteln können. Zugunsten längerer Ausschnitte, die auch etwas von der damaligen Atmosphäre heutigen Zuhörern nahebringen, wurde auf Kurzreportagen weitgehend verzichtet. Beim Anhören des spannenden Berichts vom 10.000-m-Lauf zum Beispiel erlebt man einen Glanzpunkt der Sportreportage. Von den zahllosen Aufnahmen, die der Reichs-Rundfunk von den Olympischen Spielen 1936 auf Platte oder Folie archiviert hat, ging der weitaus größere Teil verloren. Auch dies hat natürlich die Auswahl beeinflußt, so mußten in mehreren Fällen Zwischenläufe als Ersatz für die fehlenden Entscheidungen dienen.

Die Olympischen Spiele 1936 warteten mit zahlreichen Neuerungen auf, unter anderem mit dem Fackellauf, der das Olympische Feuer aus dem griechischen Olympia nach Berlin brachte, sowie mit dem Internationalen Kunstwettbewerb, bei dem Medaillen für Baukunst, Malerei, Bildhauerkunst, Literatur und Musik vergeben wurden. Um an diese heute vergessene Kuriosität zu erinnern, wird auf dieser CD ein Ausschnitt aus der Rede von Reichsminister Goebbels bei der Preisverleihung wiedergegeben.

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Die CD endet mit einer Rede von Rudolf Heß auf dem Nürnberger Parteitag von 1936, einen Monat nach Beendigung der Olympischen Spiele. Mit deutlichen Worten erklärt er vor den nationalsozialistischen Propagandisten – und natürlich nicht vor dem Rundfunk -, wie gelegen die Olympischen Spiele dem nationalsozialistischen Deutschland kamen; seinem abschließenden Satz „Wir haben allen Grund, der Vorsehung dankbar zu sein“, muß hinzugefügt werden, daß die Nationalsozialisten immer vorgefundene Gelegenheiten konsequent und ohne Zögern für sich ausgenutzt haben.

Alle auf dieser CD zusammengestellten Tondokumente stammen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv Frankfurt am Main/Berlin; zu danken ist André Huthmann, der für eine sorgfältige technische Aufbereitung der 60 Jahre alten Tonaufnahmen sorgte. (Walter Roller)

Und so interessant all diese Radiomitschnitte auch sind (Sportreportagen im Radio haben halt ihre eigene, dramatische Dynamik), mir fehlen die erläuternden Kommentare zu diesem propagandistischen Monster-Show, die einzig und allein das Ziel hatten, das Ausland zu besänftigen, einzulullen.

Und bei manchen Rede-Beiträge kann einem fast schlecht werden. So z.B. wenn Julius Lippert, Staatskommissar für Berlin erklärt, dass Deutschland ein „Bollwerk des Friedens“ sei. Oder wenn Joseph Goebbels in seiner Ansprache an die Vertreter der ausländischen Presse erklärt, warum die seit 1933 wirksamen Pressezensur einfach notwendig sei …

Und natürlich kann/sollte/muss man sich bei diesen Aufnahmen seine Gedanken machen … welche Funktion der Sport insbesondere bei totalitären Staaten hat …

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Titel:
01. (1936) Carl Diem, Generalsekretär des Organisationskomitees für die Xl. Olympischen Sommerspiele: Vorschau auf die Olympischen Sommerspiele 3.16
02. (1936) Julius Lippert, Staatskommissar für Berlin: Berlin als Olympiastadt 0.49
03. (1936) Edgar Stahff, Auslandsreferent des Reichssportfühers: Die Olympischen Spiele 1936 und das Auslandsdeutschtum 2.03
04. (28.07.1936) Interview mit Jesse Owens im Olympischen Dorf: Ich hoffe, drei Goldmedaillen zu gewinnen 2.46
05. (29.07.1936) Juliss Lippert begrüßt die Vertreter des DC in der Berliner Friedrich-Wilhelm- Universität 1.16
06. (30.07.1936) Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Ansprache an dieVe rtreter der ausländischen Presse 1.21
07. (31.07.1936) Reportage von der Übergabe des Olympischen Feuers an der tschechoslowakisch- deutschen Grenze 2.30
08. (31.07.1936) Joseph Goebbels spricht anläßlich der Übergabe der Medaillen im Internationalen Kunstwettbewerb: „Der Maler steht dem Sport am fernsten“  1.26
09. (1936) Aufruf des Rundfunks zu „Deutschlands Olympischen Spielen 1936“ 2.12
10. (01.08.1936)  Eröffnungsfeierlichkeiten im Olympiastadion. Adolf Hitler: „Ich verkünde die Spiele von Berlin zur Feier der Xl. Olympiade neuer Zeitrechnung als eröffnet“ 3.11
11. (02.08.1936) Reportage vom 10.000-m-Lauf der Männer. Es siegt der Finne Ilmari Salminen vor seinen Landsleuten Askola und lso-Hollo, Vierter wird der Japaner Murakoso 6.18
12. (03.08.1936) Reportage vom 100-m-Lauf der Männer. Jessie Owens unschlagbar“. Jesse Owens siegt vor Metcalfe (USA). Dritter wird der Holländer Osendarp 2.36
13. (05.08.1936) Mitteilung des Olympia-Senders     0’38“
14. (06.08.1936) Reportage vom 1.500-m-Lauf der Männer. Der Neuseeländeriohn Lovelock siegt vor Cunningham (USA) und Beccali (Italien)     3.02
15. (07.08.1936) Reportage vom 5.000-m-Lauf der Männer: Es siegt der Finne Gunnar Hoeckert vor seinem Landsmann Lehtinen. Dritter wird der Schwede ionsson; wie im l0.000-m-Lauf wird Murakoso nur Vierter 3.49
16. (09.08.1936) Reportage vom Hochsprung der Frauen: Die Ungarin lbolya Csak gewinnt die Goldmedaille vor der Engländerin Odam und vor der Deutschen Elfriede Kaun  3.18
17. (09.08.1936) Reportage von der 4x 100-m-Staffel der Frauen: Es siegen die USA vor Groß- britannien; die führende deutsche Staffelläuferin Ilse Dbrffeldt verliert beim letzten Wechsel den Stab 1.05
18.     09.08.1936     Reportage vom Marathon-Lauf: Überlegener Sieger ist der Koreaner Sah Kee-Chung, der 1936 unter japanischer Flagge als Kitei Son starten muß     3’39“
19.     09.08.1936     Reportage von der 4 x 100-m-Staffel der Männer: Die englische Staffel siegt vor den USA und Deutschland     0’52“
20.     09.08.1936     Reportage aus dem Schwimmstadion: 100 m Freistil der Männer. Es siegt der Ungar Ferenc Csik vor dem Japaner Yusa     1’15“
21. (09.08.1936)  Reportage aus dem Schwimmstadion: 100 m Freistil der Frauen (Zwischenlauf) Die im Zwischenlauf über 100 m Freistil siegreiche Holländerin Hendrika Mastenbroek gewinnt im Finale die Goldmedaille; insgesamt erschwimmt sie drei Goldmedaillen 4.31
22. (11.08.1936) Mitteilung des Olympia-Senders (2) 0.48
23. (11.08.1936) Reportage von der Regattabahn Berlin-Grünau: Vierer mit Steuermann (Vorlauf). Hier wie beim Zweier ohne Steuermann gewinnt das siegreiche deutsche Boot auch den Endlauf 3.58
24. (11.08.1936) Reportage von der Regattabahn Berlin-Grünau: Zweier ohne Steuermann (Vorlauf) 2.42
25. (11.08.1936) Interview mit der amerikanischen Olympiasiegerin im Kunstspringen, Marjorie Gestring 4.03
26. (12.08.1936) Reportage aus dem Schwimmstadion: 400 m Freistil der Männer. Die Goldmedaille erringt der Amerikaner John Medica, Zweiter wird der Japaner Uto 1.18
27. (15.08.1936) Reportage aus der Deutschlandhalle: Finale im Schwergewichtsboxen. Herbert Runge besiegt den Argentinier Lovell 2.01
28. (16.08.1936) Mitteilung des Olympia-Senders (3) 0.34
29. (14.09.1936) Rudolf Heß: Ansprache an die Propagandisten der NSDAP auf dem Nürnberger Parteitag (keine Rundfunkansprache) 2.40

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Die 68er und die Folgen (3): Erich Rauschenbach – Reichtum ist was wunderbares – Cartoons für Manager (1996)

TitelEs mag ein wenig verwegen wirken, wenn ich nun den Erich Rauschenbach in diese Serie (die ja ihren Hintergrund darin hat, dass ein Alexander Dobrindt die Auffassung vertrat, 50 Jahre „68er“ sind genug) aufnehme, aber liest man sich nur ein paar Eckpunkte seiner Biographie durch …. wird das vielleicht ein wenig verständlicher:

Erich Rauschenbach (* 21. Mai 1944 in Lichtenstein) ist deutscher Cartoonist.

Nach einer Banklehre, Reiseleitertätigkeit und einem nicht abgeschlossenen Studium an der Pädagogischen Hochschule Berlin studierte Rauschenbach von 1969 bis 1973 Grafikdesign an der HdK Berlin.

Seitdem arbeitet er als freiberuflicher Karikaturist und Illustrator für Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen. Bisher erschienen über 50 Bücher seiner Cartoons.

Von 1994 an entstand eine Serie von mehr als 50 Acrylbildern („Alle meine Mädels“), die in Ausstellungen u.a. in Berlin (Lindencorso), Kassel (Caricatura), Greiz (Sommerpalais) und im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover (Juli – September 2005) gezeigt wurden.

Rauschenbach lebt in Berlin. (Quelle: wikipedia)

Erich RauschenbachAlso … wenn da einer im Jahre 1968 an der Pädagogischen Hochschule Berlin studierte … dann kann mir keiner sagen, dass er nicht von dem Geist jener Jahre erfasst wurde.

Und viele seiner späteren Cartoon-Bänden sprechen da auch ne klare Sprache  … über all die Widersprüchlichkeiten der „linken Szene“ kann man nur dann so fein humoristisch, karikierend berichten (bzw. die Feder schwingen), wenn man jene Geisteshaltung dieser Szenerie mehr als gut kennt.

Dies gilt insbeondere für all seine Werke, die sich mit dem Verhältnis der Geschlechter beschäft … hier lief er regelmässig zur Höchstform auf …  Kein Wunder, denn damals beschlossen ja so etliche Frauen, zum Halali gegen das Patriachat zu blasen.

Also: der Erich Rauschenbach ist für mich ein Kind der 68er … ohne wenn und aber …

In diesem Band bekommen nun die Manager ihr Fett ab … dabei bedient er sich eines allseits beliebten Stilmittels: Man konfrontiert den erfolgreichen Manager mit seinen Idealen der Jugend.

Das ist auf Dauer ein wenig ermüdend, von daher ist dies eher ein mittelmäßiger Rauschenbach … aber selbst ein eher mittelmäßiger Rauschenbach ist immer noch des Lesens wert … ganz, ganz sicher.

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