Jürgen Kerth – Komm herein (1980)

FrontCover1.jpgIch weiß nicht wie lange ich mich mmer wieder mal mit dem Jürgen Kerth beschäftigt habe. Endlich komme ich dazu, ihn auch mal zu präsentieren:

Jürgen Kerth (* 19. Juli 1948 in Erfurt) ist ein deutscher Blues-Gitarrist und -Sänger.

Jürgen Kerth absolvierte eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Kerths Laufbahn begann 1964 mit der Schülerband Spotlights (zusammen mit Heinz-Jürgen Gottschalk), die sich auf Druck der Kulturbehörden in „Rampenlichter“ umbenennen musste und 1966 verboten wurde. Er gründete daraufhin 1967 das Rock & Blues Ensemble Kerth. Nach einer musikalischen Ausbildung in der Musikschule Erfurt gründete er 1971 das Jürgen-Kerth-Quintett bzw. die Gruppe Jürgen Kerth, aus der 1973 ein Quartett und nach dem Tod des Bassisten Roland Michi im Jahr 1979 ein Trio wurde.

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Jürgen Kerth und Roland Michi, Mitte der 70er Jahre

Virtuose Gitarren- und Gesangstechnik prägen seine bluesgefärbte Rockmusik, er spielte aber auch hervorragende jazzorientierte Instrumentals. Er spielte mehrere LPs und Singles ein, eine Auswahl ist auf dem Sampler Best of Blues enthalten. 2002 coverte Clueso sein Lied Nachts unterwegs. 2006 erschien die CD Blues-Anthologie.

Kerth engagiert sich als ehrenamtlicher Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e. V. in Tambach-Dietharz und lebt in Erfurt.

1999 erhielt Kerth den Kulturpreis der Stadt Erfurt. (Quelle: wikipedia)

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Die Tür könnte einem bekannt vorkommen

Und hier sein zweites Album nd Jürgen Kerth erweist sich auf diesem Album nicht nur als versierter Bluesgitarrist, nein, auf diesem Album erweist er sich letztlich auch als ambitionierter Liedermacher und seine Texte, ja … nicht nur gut, sondern da stecken auch viele biographische Erfahrungen drin. Und den Soul hat er dann auch noch („Ich finde keine Ruhe“).

Bemerkenswert auch das Orgelspiel Lothar Wilke … eine wunderbare Ergänzung.

Und es wiede ral so ein trauriges Kapitel der DDR Musikgeschichte: Kurz nach dem Erscheinen dieses Albums erheilt er quasi ein Auftrittsverbot und auch die Zusammenarbeit mit dem Amiga Label wurde beendet … seine Texte kamen bei der DDR Obrigkeit wohl nicht so gut an …

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Aber er hat durchgehalten … bis heute ! Und so ist und bleibt er ein Urgestein der mich immer wieder faszinierenden ‚Blues-Szene der DDR.

Und als Bonus gibt´s dann noch Singel-Titel aus den Jahren 1973 bzw. 1975 … wir den ganz, ganz jungen Jürgen Kerth.

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Besetzung:
Jürgen Kerth (guitar, vocals, bass)
Eberhard Meyerdirks (drums)
Lothar Wilke (keyboards)

BackCover

Titel:
01. Komm herein (Kerth) 4.53
02. Geburtstag im Internat (Kerth) 4.32
03. Kindheit (Kerth) 5.01
04. Kerth’s Boogie (Kerth) 4.28
05. Schwarze Perle (Kerth) 4.04
06. April-Reggae (Kerth) 3.12
07. Ich liebe die eine (Kerth) 5.18
08. Amazonas / Tanz der Alligatoren (Kerth) 6.58
09. Ich finde keine Ruh‘ (Kerth/Kühne) 4.42
10. Blues für Jimi (live) (Kerth) 2:32
+
11. Sie war mein Dämon (Kerth) 2.59
12. Dein Zug fährt ab (Kerth) 4.12

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Jürgen Kerth mit B.B. King

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Die aktuelle website von Jürgen Kerth

Funny van Dannen – Groooveman (2002)

FrontCover1.jpgAlso der Funny van Dannen ist wirklich ein ganz besonderer Liedermacher … stets gegen den Srich gebürstet und seine Text sind in schöner Regelmäßigkeit ziemlich sperrig. Wer mehr über ihn wissen will, kann das z.B. hier tun.

Hier sein 6. Album:

An Funny van Dannen scheiden sich die Geister: Wenn ich zu Hause — was ab und zu vorkommt — beispielsweise sein geniales Debüt Clubsongs auflege, brauche ich nicht lange warten, bis meine Frau entsetzt das Betätigen der Stop-Taste fordert. Lustige, tiefgründige, melancholische Geschichten und Alltagsbetrachtungen zu Lo-Fi-Wandergitarre, das ist gewöhnungsbedürftig. „Instrumentalmusik ist sowieso das Beste, denn wenn der Groove stimmt, ist der ganze Rest egal“, meint Funny im Titelsong, fordert „also nennt mich einfach Groooveman!“ und führt den Uneingeweihten erst mal völlig in die Irre: Denn mit Groove im herkömmlichen Sinn hat seine Musik nicht viel zu tun, Instrumentalstücke hat er keine im Programm. Funny van Dannen ist Liedermacher — und hat mit Kollegen wie Wecker oder Mey doch nicht viel mehr als die Sprache gemein. Er dichtet nun mal Texte wie kein zweiter in deutschen Landen — das haben auch die Kollegen von den Toten Hosen erkannt, denen er „Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)“ oder „(Niemals zu) Bayern“ schrieb.

Groooveman ist eine Live-CD mit durchwegs neuen Songs geworden, aufgenommen während zweier Abende im Münchner Club 2 im Juni 2002. Funny singt darüber, dass er „schon vor dem 11. September oft ein Scheißgefühl hatte“, singt eine Hymne an die „Frauen dieser Welt“, verdammt Sex zur Konfliktlösung, denn ihm ist es zu „langweilig, immer nur rumzuficken“, er schaut lieber „Schalke gegen Dortmund kicken“. Fleischfresser, Kapitalismus, Liebe auf den ersten Blick, Weltpolitik und Lebenssinn bringt er in seine wundervollen Songs unter. Und wer 75 Minuten Funny van Dannen hinter sich gebracht hat, der hat seine ganz ureigene Form von Groove entdeckt und wird Funnys Poesie für alle Zeit verfallen sein. (Hanno Güntsch)

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„Ich wäre gern Popstar geworden / so zwischen zwanzig und dreißig / Nun ja, was soll ich sagen / Wie Popstars aussehen weiß ich.‘ So unangestrengt und lakonisch erzählt uns Funny Van Dannen in „Kunden Der Zeit‘, warum er der letzte Liedermacher Deutschlands werden musste (die irrelevanten nicht mit- und Bernd Begemann zu den Popstars gerechnet), und man kann nicht anders, als dem Schicksal zu danken, das ihn dazu zwang. Undenkbar, dass irgend etwas anderes als die reaktionär schrummelnde Wandergitarre in der Lage wäre, Van Dannens grandioses lyrisches Ich zu erwecken, das uns jetzt schon in seinem sechsten Leben so beglückend entertaint. Auch die neue Platte lässt ihren Schöpfer in allen gewohnten Disziplinen siegend strahlen, welche da wären: die epische Form, der kontrolliert alberne Reim, der irrlichternde Humor und dann wieder der gütige, goldene Ernst des Familienvaters, der so viel zu verlieren hat. Geliebt und geborgen fühlt man sich als Hörer der bunten Geschichten, die mehr als sonst über ihren Erzähler verraten. Zum Beispiel nimmt eine Stelle in dem Lied „Schilddrüsenunterfunktion‘ dem beunruhigenden Gerücht, Funny Van Dannen sei Christ, einiges an Schrecken: „Ich floh vor dem Alltag in die Welt der Religion / Ich fühlte Gott in mir, doch es war Schilddrüsenunterfunktion‘ – Ist das nicht saugut? Und solche Ideen gibt es auf „Groooveman‘ wie Heu. Eine Platte voller Anspieltipps! Erwähnt seien aber doch „Fleischfresser‘ als der beste Vegetarismus-Song seit „Meat Is Murder‘ und „Ich Sehe Wind‘ als das beste deutsche Liebeslied seit Ewigkeiten. Alles natürlich mit der original Funny-Van-Dannen-Melodie. (Jens Friebe)

Funny van Dannen: Schräg und nachdenklich („Kunden der Zeit“) …. diese Mischung muss man mögen … und ich mag sie !

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Besetzung:
Funny van Dannen (vocals, guitar, harmonica)

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Titel:
01. Groooveman 3.34
02. Bonobo 3.02
03. Schilddrüsenunterfunktion 4.49
04. Menschenverachtende Untergrundmusik 2.32
05. Fleischfresser 3.38
06. 11. September 2.50
07. Frauen dieser Welt 3.37
08. Nur du nicht 5.12
09. Ich sehe Wind 2.09
10. Alle müssen was tun 2.15
11. Emotionen Pause machen 3.02
12. Vladimir Putins Cousine 3.55
13. Tombolamusikant 5.51
14. Kunden der Zeit 4.43
15. Rod Weiler 4.33
16. Blaue Stunde 2.58
17. Enttäuscht vom Leben 6.18
18. Kapitalismus 2.49
19. Schade – Scheiße 3.56
20. Letzte Zigarette 3.29

Musik und Texte: Funny van Dannen

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Konstantin Wecker – Sage Nein! (Antifaschistische Lieder – 1978 bis heute) (2018)

FrontCover1.jpgKann man auch als Kommentar zur Europawahl nehmen …

Sage Nein! Antifaschistische Lieder 1978 bis heute ist das 24. Studioalbum des Sängers und Liedermachers Konstantin Wecker aus dem Jahr 2018. Es umfasst Lieder der letzten 50 Jahre und neue Lieder. Zwei Live-Versionen ergänzen die Studioaufnahmen.

Umrahmt wird die neu aufgenommene Liedersammlung von Willy, beginnend mit der Version von 2018 und abgeschlossen mit dem Originaltext von 1977. Es ist mittlerweile die sechste Version dieses Liedes. Als Bonustracks werden Bella Ciao und Blümlein stehn am Waldessaum angehängt.

Die 2018er-Fassung von Sage Nein leitet Wecker mit einer Ansage ein, die instrumentiert ist. Auch das Bonus-Lied Blümlein stehn am Waldessaum erläutert er. Bei Den Parolen keine Chance verwendet er für den Refrain als musikalisches Zitat Beethovens Ode an die Freude. Neuaufnahmen sind u. a. Das Leben will lebendig sein und Sturmbannführer Meier.

Das macht mir Mut wurde im Juli 2016 bei Songs an einem Sommerabend aufgenommen.

Seit 40 Jahren kämpft Konstantin Wecker gegen Faschismus. Die Ausschreitungen in Chemnitz 2018 zeigten ihm, dass in Deutschland die Nazi-Ideologie aufkeimt: „Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie.“

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Ein Teil des Erlöses wird der Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet.

Shekib Mosadeq übersetzte und sang auf Farsi Empört euch und Bella Ciao.
Produktion

Jo Barnikel übernahm die Arrangements von Ich habe Angst und Bella Ciao. Produzent des Albums war Florian Moser, Stefan Gienger übernahm die Tontechnik. Die Aufnahmen fanden im September 2018 im Mastermixstudio Unterföhring statt.

Das Titelfotos des CD-Covers stammt von Dominik Beckmann, für Grafik und Design war Uwe Liesmann zuständig. (Quelle: wikipedia)

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Lieder gegen den Wahnsinn:

Es ist mehr als ein Weckruf, es ist ein Aufschrei. Seit 40 Jahren kämpft Konstantin Wecker mit seinen Liedern gegen drohenden Faschismus. Doch die Vorfälle in Chemnitz machten dem Münchner Liedermacher deutlich, dass sein Heimatland von keinem Rechtsruck betroffen ist, sondern von einem Aufkeimen der Nazi-Ideologie: „Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie“, so der Sänger und bekennende Pazifist, der mit dem Satz großgeworden ist: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Aus diesem Grund entschloss sich Konstantin Wecker 16 seiner antifaschistischen Lieder auf der aktuellen CD „Sage Nein!“ zu vereinen. Darauf finden sich unter anderem die erste Version des Wecker-Kultliedes „Willy“ sowie eine ganz neu eingespielte Aufnahme der Zwiesprache mit seinem Freund, der einst von Neonazis erschlagen wurde.

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Neben dem ebenso brandneuen Song „Das Leben will lebendig sein“ bilden Klassiker wie „Sage nein!“, „Vaterland“, „Die weiße Rose“ und „Ich habe Angst“ eine starke Mischung antifaschistischer Wecker-Lieder, die den Menschen Mut machen sollen. Mut, um aufzustehen, sich einzumischen, Mut, zu widerstehen. Es sind Lieder, die gegen Ängste, Resignation und gegen den bedrohlichen Nazi-Wahnsinn anklingen. Ton für Ton, Wort für Wort. Die CD, aus deren Erlösen auch der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet wird, ist für nur zehn erschwingliche Euro erhältlich. Auch damit leistet der Musiker einen Beitrag, dass noch mehr Menschen erreicht werden können, die ganz einfach Nein sagen. (Quelle: wecker.de)

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Vermutlich sind Konstantin Wecker und seine nachdenklichen, rebellischen, antifaschistischen Lieder in der heutigen Zeit relevanter denn je. Er weiß sehr wohl, dass er mit seinen Texten nur diejenigen erreicht, bei denen die Worte ohnehin auf fruchtbaren Boden fallen. Um so höher ist es im anzurechnen, dass er nicht aufgibt. Unermüdlich erzählt er aus seinem Leben, von dem friedvollem Vater, der ihm so viel mitgegeben hat, von eigenen Erfolgen und Niederlagen.

Der Song „Willy“ hätte Konstantin Wecker fast zum Verhängnis werden können. Weil er damit in eine Ecke gestellt wurde, die zwar großen Erfolg brachte, ihn aber musikalisch sehr einengte. Protestsongs ja – doch Weckers Devise war es immer, sie mit romantischen Liedern zu verknüpfen. Poesie und Widerstand. Wut und Zärtlichkeit. So gab es die ruhigen Chanson-Alben mit Wurzeln in Italien und Südfrankreich, die in Weckers mittlerer Lebensphase manche Fans verprellten, inzwischen aber doch so deutlich zu seinen Livekonzerten hinzu gehören.

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Nur mal zur Erinnerung: Das brachte uns Deutschen der Faschismus (hier Tote im KZ Buchenwald)

Auf „Sage Nein! Antifaschistische Lieder 1978 bis heute“ ist „Willy“ wieder stark vertreten. Der Song rahmt das Album ein: Mit der ursprünglichen Version am Schluss und der 2018er Version ganz am Anfang, die vor allem eine energische Ansprache an die heutige Gesellschaft darstellt und vor internationalen Tyrannen und nationalen Gestalten wie Seehofer und Gauland warnt.

Romantisch wird es auf dem Album nicht, aber melancholisch. Neben dem brandneuen Song „Das Leben will lebendig sein“ bilden Klassiker wie „Sage nein!“, „Empört euch“, „Vaterland“, „Die weiße Rose“ und „Ich habe Angst“ eine starke Mischung antifaschistischer Wecker-Lieder, die den Menschen Mut machen sollen. Mut, um aufzustehen, sich einzumischen, Mut, zu widerstehen. Es sind Lieder, die gegen Ängste, Resignation und gegen den bedrohlichen Nazi-Wahnsinn anklingen. Ton für Ton, Wort für Wort. Auch das Loblied an die Anarchie „Anna R. Chie“ darf nicht fehlen.

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Die CD, deren Erlös zu einem Teil auch der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet wird, ist für nur zehn erschwingliche Euro erhältlich. Auch damit leistet der Musiker einen Beitrag, dass noch mehr Menschen erreicht werden können, die ganz einfach Nein sagen.

Die Mischung zwischen Neuaufnahmen, Originalen und Live-Mitschnitten ist stimmig. Fanny Kammerlander und Jo Barnikel leisten als Instrumentalisten einen fantastischen Job. Und Konstantin Wecker ist in Topform. Als Bonus gibt es „Bella Ciao“ im weltmusikalische Duett mit Shekib Mosadeq. Und der letzte Song lässt das Album nicht mit einem Knaller enden, sondern mit dem als Volkslied getarnten Trauersong der KZ-Häftlinge „Blümlein stehn am Waldessaum“. Sehr berührend! (musicheadquarter.de)

Und für mich schlicht und ergreifend ein unverzichtbares Album !

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Besetzung:
Jo Barnikel (keyboards, percussion)
Fanny Kammerlander (cello)
Konstantin Wecker (vocals, piano)
+
Shekib Mosadeq (vocals bei 09. + 15.)

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Titel:
01. Willy 2018 – 8:08
02. Sage Nein (2018) – 4:30
03. Das Leben will lebendig sein – 2:09
04. Vaterland – 3:43
05. Die Weiße Rose – 4:35
06. Sturmbannführer Meier – 3:13
07. Stilles Glück, trautes Heim – 2:26
08. Vaterland? (live) – 4:54
09. Empört euch – 6:49
10. Anna R. Chie – 3:47
11. Den Parolen keine Chance – 3:12
12. Das macht mir Mut (live) – 3:06
13. Ich habe Angst – 5:57
14. Willy (Originalversion) – 7:42
+
15. Bella Ciao – 4:46
16. Blümlein stehn am Waldessaum – 2:22

Musik und Texte: Konstantin Wecker

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Mei Willy, jetzt is fast scho a hoibs Jahrhundert her, dass ich in meiner Verzweiflung und Wuat des Lied über dich rausgschrien hab. A halbs Jahrhundert und ich hätt mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können damals, dass das heut wieder so erschreckend aktuell sein könnt.

Woasst os no Willy, damals 68 habn ma hauptsächlich die oidn Nazis aufspürn woiln, die immer no fett in ihre Vorstandsetagen oder in christlich sozialen Parteien ghockt san und Herrn Frahm -unsern Willy Brandt – Vaterlandsverräter gschimpft habn, weil er eben koa Nazi gwesen is, da Willy.

Und heit?

Du werst as ned glaubn, du konnst as ned glaubn Willy – heit drucka die neuen Nazis ins Parlament und erklären die unmenschlichste Epoche der Menschheitsgeschichte zu einem Vogelschiss in Anbetracht der 1000jährigen erfolgreichen Geschichte des deutschen Volkes.

Hähhh?

1000 Jahre deutsche Geschichte? Da sind dem Herrn Gauland wohl die Wahnvorstellungen seines Führers dazwischengekommen.

Ja, es gab dann einen Aufschrei hier und da – aber der is ja eh kalkuliert von denen, dann gibst eine halbherzige Entschuldigung und es war ja „alles nicht so gemeint“ und das wars dann – denn die potentiellen Faschisten des Landes sind ja erreicht worden mit dieser kalkulierten Ungeheuerlichkeit.

Was is passiert Willy? Wia hat des jemals soweit komma kenna?

Warn mia alle zu behäbig, zu eingeigelt in unser sattes Weltbild? In den Kokon unserer Selbstsicherheit gute Demokraten zu sein?

Währenddessen hat sich der Kapitalismus wie ein Monster auf die Menschheit gestürzt um alle die zu verschlingen, die keine „Leistungsträger“ sein können oder wollen, nicht wirklich rücksichtslos genug sind, nicht wirklich ellbogig genug um alles niederzuwalzen was sich ihnen in den Erfolgsweg stellt.

Neoliberalismus heißt diese Monster, das es geschafft hat uns einzureden, dass wir all das aus freiem Willen tun, was das Monster mästet, was dieser Hydra immer wieder neue Köpfe wachsen lässt und damit einen kleinen Prozentsatz der Menschheit immer reicher und gieriger macht und alle anderen in tiefste Verunsicherung, Verarmung, Verzweiflung stürzt.

Was is passiert Willy???

Alle zwei Sekunden wird ein Mensch auf dieser unserer Erde zur Flucht gezwungen.

Einer von 110 Menschen weltweit ist von Flucht und Vertreibung betroffen.

Und neun von zehn Flüchtlingen leben in Entwicklungsländern.

Und vor was fliehen die denn wohl?

Du woaßt as Willy: vor unsere Waffen, vor unseren Finanzspekulationen, vor unserer Ausbeutung der Erde auf der sie leben!

„Wenn man sich die europäische Geschichte ansieht“, schreibt der von mir geschätzte Philosoph Jürgen Wertheimer, „wirkt es weit eher so, als seien wir die Erfinder eines Perpetuum mobile der Kriege, die wir seit Jahrtausenden in allen Variationen durchdeklinierten.

Und in die Welt hinaustrugen.

Die europäische Kolonisation erfasste die gesamte Welt und stellt eine einzige „Grenzüberschreitung“ der Außengrenzen anderer Länder dar.

Und jetzt rufen ausgerechnet wir nach strikter Wahrung und Sicherung unserer Außengrenzen – nachdem wir über Jahrhunderte das Gefüge der Welt aus dem Lot gebracht haben… Bei all dem berufen wir uns gebetsmühlenartig auf unsere „christlich-abendländischen“ Werte – die nota bene allesamt orientalischer Herkunft sind. Jedenfalls wüsste ich nicht, dass die Bibel und das Neue Testament in Tübingen, Gelsenkirchen oder Straßburg geschrieben wurden.“

Was ist nur geschehen seit jener großartigen Bürgerbewegung der „Willkommenskultur“, die uns hoffen ließ, dass der Neoliberalismus doch nicht den letzten Rest von Mitgefühl aus den Herzen der Menschen verjagt hat? Ein eigentlich völlig selbstverständliches Mitgefühl für gejagte, verfolgte, hungernde, gepeinigte, verletzte Menschen, das nur psychisch völlig verrohten und gestörten Wesen nicht zu eigen ist. Und natürlich ideologisch Verblendeten, die ihr ach so gut durchdachtes starres Weltbild scheinbar aus freiem Willen wie eine Zwangsjacke über alles Lebendige ziehen.

Gewissenlose Potentaten, die schnell die Chance erkannten, ihre bröckelnde Machtposition wieder zu festigen, schlugen erbarmungslos zu: mit Parolen und Fake News, mit vorgeschobener Bürgernähe und fahnenschwenkendem Unsinn. Sie wussten wohl, was für Ängste in den von einem gnadenlosen Kapitalismus verunsicherten BürgerInnen lauerten und weckten den Leu, der in allen Verängstigten lauert: Denn wer seine Identität nicht in seinem tiefsten Selbst wahrnehmen kann, sucht sich Identität bei „Identitären“. In etwas „Größerem“, “Hehren“ – in Volk, Nation und Vaterland.

Wir waren auf einem guten Weg, diesen gefährlichen, ja tödlichen Wahn zu besiegen. Haben wirs versaut???

Gaulands „Vogelschiss“ ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, das schon vorher bis zum Rand gefüllt war mit Herzlosigkeit und Verharmlosung der Nazi-Diktatur. Es wird Zeit, dass wir dafür sorgen, dass die braune Brühe nicht noch weitere Landstriche überschwemmt.

Vielleicht erscheint der Widerstand vielen sinnlos. Und mancher mag sich sagen: „Was kann ich denn schon tun, alleine, ohne Gleichgesinnte?“Denen gilt es nun Mut zu machen, denn die mit dem Herzen denken sind – und da bin ich mir sicher – immer noch in der Überzahl. Aber schrecklich verunsichert und vor allem: nicht annähernd so lautstark.

Nach wie vor glaube ich, dass eine spirituelle Revolution am Wachsen ist, und mir kommt dieses ganze Machogehabe verunsicherter Männlein wie Trump, Erdogan, Putin, Kim, Orban, Gauland, Strache, Kurz und Söder und wie sie alle heißen mögen wie das – hoffentlich! – letzte große, fast verzweifelte Aufbäumen des Patriarchats vor.

Nicht jeder, der jetzt begeistert den Neofaschisten, Identitären und Nationalisten hinterherhechelt ist ein Nazi. Aber: sie haben sich in ihrer zunehmenden Blindheit die Nazibrille aufsetzen lassen von den Höckes und Straches und Salvinis und Le Pens.

Lassen wir uns von ihnen nicht ins Bockshorn jagen. Lassen wir uns nicht verführen von den sogenannten „Führern“.

Widerstehen wir mit all dem, was uns als menschlichen Wesen gegeben ist an Mitgefühl und Verstand, Poesie und Zärtlichkeit!

Lassen wir uns nicht entmutigen! Deutschland weint, wenn Mexiko im Fußball gewinnt und schaut weg, wenn 600 Flüchtende im Meer ausharren und Italien die Häfen dicht macht.

Danke den Spaniern und den 2.320 Helfern, die am Hafen von Valencia bereitstanden, um die Menschen aufzunehmen.

Jeder einzelne von ihnen ist wertvoller für eine menschliche Gesellschaft als Ihr unmenschliches Taktieren, Herr Seehofer!

Gestern habns an Willy daschlagn, aber heit halt ma endlich zamm.

Reinhard Mey – Keine ruhige Minute (1979)

FrontCover1.JPGDer Reinhard Mey kann ja auf eine wirklich unglaubliche Biographie zurückblicken (60 Studioalben, mehr als 20 Live-Alben !): Und so sah es bei ihm in der zweite Hälfte der 70er Jahre aus:

1976 Einwöchiges Ensuite-Gastspiel im Théâtre de la Ville, Paris. 40-Städte-Frankreich-Belgien-Holland-Tournee. Dreiwöchiges Ensuite-Gastspiel im Palais des Congrès, Paris. Erste Platin-LP für „Als de dag van toen“ in Holland. In Holland wird eine Chrysanthemenzüchtung „Reinhard Mey“ getauft. Französische LP „Frédérik Mey, Volume 4“. Zweite holländische LP „Er zijn dagen …“ Erwerb der Instrumentenflugberechtigung. Scheidung von Christine. Sohn Frederik geht aus der Verbindung mit Freundin Hella hervor.

1977 LP „Menschenjunges“, 30-Städte-Frankreich Tournee.
72-Städte-Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Veröffentlichung der Liedersammlung „Von Anfang an“ (Voggenreiter-Verlag), die die bislang geschriebenen ca. 180 deutschen und französischen Lieder enthält. Eheschließung mit Hella, Mutter seines Sohnes.

Reinhard Mey 1978

Reinhard Mey, 1978

1978 Live-Doppelalbum „Unterwegs“ und eine Instrumental-LP mit dem Titel „M(e)y Instrumentals“, LP „Keine ruhige Minute“.

1979 LP „Frédérik Mey, Volume 5“. Dreiwöchiges Gastspiel in der Pariser Music-Hall „Bobino“. Der französische Rosenzüchter André Eve benennt eine korallenrote Floribunda Rose – eine Neuzüchtung – „Frédérik Mey“, die wiederum in Orléans mit einem 1. Preis ausgezeichnet wird. (Selbstdarstellung)

Ich weiß nicht, wie viel Alben des Reinhard Mey von meiner Seite das Prädikat „bemerkensert“ erhalten. Dieses gehört ganz sicher dazu.

Und das hat natürlich viel mit so etlichen Texten zu tun, die poetisch und zugleich sehr klar sind.

Da ist z.B. das Lied „Zeugnistag“

Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein,
Und wieder einmal war es Zeugnistag.
Nur diesmal, dacht‘ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein,
Als meines weiß und hässlich vor mir lag.
Dabei war’n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt,
Ich war ein fauler Hund und obendrein
Höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt,
So ein totaler Versager zu sein.

So, jetzt ist es passiert, dacht‘ ich mir, jetzt ist alles aus,
Nicht einmal eine 4 in Religion.
Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus,
Sondern allenfalls zur Fremdenlegion.
Ich zeigt‘ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie,
Schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl’n!
Ich war vielleicht ’ne Niete in Deutsch und Biologie,
Dafür konnt‘ ich schon immer ganz gut mal’n!

Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus,
Die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt.
Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus,
So stand ich da, allein, stumm und geknickt.
Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück,
Voll Selbstgerechtigkeit genoss er schon
Die Maulschellen für den Betrüger, das missrat’ne Stück,
Diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.

Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an
Und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft,
So gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran,
Das ist tatsächlich meine Unterschrift.“
Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug.
Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh’n,
Dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug.
Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns geh’n.“

Ich hab‘ noch manches langes Jahr auf Schulbänken verlor’n
Und lernte widerspruchslos vor mich hin,
Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn,
Dass ich dabei nicht ganz verblödet bin!
Nur eine Lektion hat sich in den Jahr’n herausgesiebt,
Die eine nur aus dem Haufen Ballast:
Wie gut es tut, zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt,
Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!

Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, dass meine Eltern mich
Da rausholten, und wo bleibt die Moral?
Die Schlauen diskutier’n, die Besserwisser streiten sich,
Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal.
Ich weiß nur eins, ich wünsche allen Kindern auf der Welt,
Und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind,
Wenn’s brenzlig wird, wenn’s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt,
Eltern, die aus diesem Holze sind.
Eltern, die aus diesem Holz geschnitten sind.

Oder aber auch sein „Alles ist gut“

Für ein paar Stunden neigt sich Frieden über uns’ren Meridian.
Alles ist gut.
Was heut‘ gescheh’n sollte, geschah, und was zu tun war, ist getan.
Für eine kleine Weile ist’s, als gäb es weder Hass noch Neid,
Als verginge alles Böse, alle Ungerechtigkeit
Im Dunkel des endlosen Raumes,
Und für die Dauer eines Traumes
Ist’s, als ob alle Zwietracht ruht:
Alles ist gut, mein Kind, alles ist gut.
Alles ist gut.
Für kurze Zeit erlöst die Nacht den Kranken von seinem Leid.
Alles ist gut,
Und schließt die Augen dem Betrübten über alle Traurigkeit.
Und dem Verzweifelten, der ohne Trost und ohne Hoffnung ist,
Schenkt die Erschöpfung doch Vergessen, wenigstens für kurze Frist.
Und der Verfolgte ist geborgen
In Dunkelheit, die bis zum Morgen
Den Mantel schützend um ihn tut:
Alles ist gut, mein Kind, alles ist gut.
Alles ist gut.
Alles Gemeine ungescheh’n und alle Schulden ausradiert.
Alles ist gut
Im Niemandsland, wo Heut‘ nicht mehr und wo noch Morgen nicht
regiert;
Wo der Gescheiterte sein Ziel, das Unerreichbare, erreicht,
Findet der Unterdrückte Zuflucht, wird ihm Unduldbares leicht,
Heilt Schlaf barmherzig alle Wunden,
Nimmt alle Last für ein paar Stunden,
Die schwer auf uns’ren Schultern ruht.
Alles ist gut, mein Kind, alles ist gut.
Alles ist gut.

Und sein ganz spezielles „Happy Birthday To Me“ Lied findet sich dann unten. Aber auch das Lid „Erinnerungen“ hat es in sich ….

Die dezente und zugleich intensive musikalische Begleitung von Solisten der Rias Berlin Band sorgt ein ums andere mal für ein ganz und gar angenehmes Empfinden.

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Die Singles, ja, ja …die Zeiten der Latzhosen ….

In den 70er Jahren konnte ich mit dem Reinhard Mey so gar nichts anfangen … aber heute … als Teil der reifen Jugend werde ich immer mehr warm mit ihm: Seine Lieder: zärtlich, nachdenklich, spöttisch … exakt jene Mischung, die mir sehr vielversprechend erscheint.

Ob es wirklich notwendig war, seinen Sohn auf die Hülle zupacken … da hab´ ich meine Zweifel …

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Besetzung:
Reinhard Mey (vocals, guitar)
+
Solisten der Rias Berlin Band

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Die vielen Facetten des Reinhartd Mey

Titel:
01. Happy Birthday To Me 5.11
02. Dieter Malinek, Ulla und ich 3.49
03. Dr. Nahtlos, Dr. Sägeberg und Dr. Hein 4.46
04. Von Kammerjägern, Klarsichthüllen, von dir und von mir 2.26
05. Zeugnistag 4.19
06. Alles ist gut 3.33
07. Keine ruhige Minute 2.27
08. Erinnerungen 3.23
09. Daddy Blue 5.07
10. Von Luftschlössern, die zerbrochen sind 3.17
11. Was weiß ich schon von dir? 3.11
12. Ab heut‘ und ab hier 3.00

Musik und Texte: Reinhard Mey

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Das Poster zur LP

Und so sah dann 1979 die Zwischenbilanz des REinhard Mey bezüglichseiner Biographie aus:

Morgen brennt auf meinem Kuchen wieder eine Kerze mehr.
Langsam muss ich überlegen, wie lang ist denn das schon her,
Dass da noch gar keine brannte, wie alt ich denn nun schon bin,
Dabei geh’n mir mit den Jahren Geburtstage durch den Sinn.
Den ersten hab ich verschlafen, so hat man es mir erzählt.
Als die ersten Bomben fielen, kam ich grade auf die Welt,
Als es splitterte und krachte, alles hastete und schrie.
Ich sah aus, als ob ich lachte, happy birthday to me!

Ich entnehme noch der Chronik, dass ich aufwuchs und gedieh,
Masern hatte, Mumps und Röteln, Windpocken und Diphtherie.
Doch mit vier kann ich mich schon an der Hand meiner Mutter seh’n,
Nach ’nem bisschen Milch und nach Trockenkartoffeln Schlange steh’n.
Und dann wünschte ich mir sehnlichst eine Spielzeug DC 3,
Das war’n die „Rosinenbomber“, bei der Luftbrücke dabei.
Und darüber wurd‘ ich sieben, und endlich bekam ich sie
Und ein Care-Paket von „drüben“, happy birthday to me!

Ich war neun, als ich meine erste lange Hose bekam,
Und erlöst von Strümpfen, Leibchen und Strumpfbändern Abschied nahm.
Mit zwölf gab’s eine Gitarre, doch ich übte nicht so recht,
Denn fortan galt mein Int’resse nur noch dem and’ren Geschlecht.
Da musst‘ ich mit 16 dringend Moped ohne Auspuff fahr’n,
Mit ’ner James Dean-Wendejacke und Frisierkrem in den Haar’n.
Dann bin ich kleben geblieben wegen Mathe und Chemie,
Und mehrerer großer Lieben, happy birthday to me!

Dann mit 20 kam der Ernst des Lebens, Schluss der Fröhlichkeit,
Zur Erinn’rung hab ich heut‘ noch zwei Krawatten aus der Zeit,
Doch mit 24 kam mir die Erkenntnis über Nacht,
Dass nur glücklich ist, wen auch der Ernst des Lebens glücklich macht.
So entschloss ich mich, den Weg des größ’ren Widerstands zu geh’n,
Mein Handwerkszeug war’n die Noten und mein Reichtum die Ideen,
Die in meinem Kopf rumoren, und voll Hoffnung sang ich sie.
Und ich fand offene Ohren, happy birthday to me!

Und ich zog mit meinen Liedern durch das Land jahrein, jahraus.
Manchen Bahnhof, manche Straße sah ich öfter als mein Haus,
Und das Leben, das ich führte, machte mich glücklich und frei,
Doch der Frau an meiner Seite wurd‘ ich ein Fremder dabei.
Und wir haben uns verloren, ohne Hass und ohne Zorn,
Ganz leis‘, nach so vielen Jahr’n und ich begann noch mal von vorn
Mit den Träumen, die mir blieben im Gepäck, und ich fand „sie“,
Und ich lernte, neu zu lieben, happy birthday to me!

Dreiunddreißig mittlerweile stellt‘ ich staunend fest, dass man
Einem über dreißig hin und wieder doch vertrauen kann,
Denn ich sah, dass ich, mal abgeseh’n von einem grauen Haar
Und den Kratzern an der Seele, immer noch der alte war.
Weder Jahre noch Erfolg machten mich weder brav noch zahm,
Höchstens ein Geschenk von ihr, das schönste, das ich je bekam:
So groß wie ein Osterhase, und es sah so aus wie sie,
Und es hatte meine Nase, happy birthday to me!

Morgen brennt auf meinem Kuchen wieder eine Kerze mehr.
Käme aus dem Anlass die berühmte güt’ge Fee daher
Und sagte: „Du hast drei Wünsche frei!“, wär‘ mir die Antwort klar:
Erstens eine zweite Halbzeit, genau wie die erste war,
Zweitens würd‘ ich gern die doppelte Zahl Kerzen brennen seh’n,
Drittens soll das Haus voll alter Freunde aus den Fugen geh’n
Und von Kinderlärm erbeben, zwei Enkel auf jedem Knie,
Und dich als Großmutter daneben, happy birthday to me!

Schmidbauer Kälberer – Wo bleibt die Musik (2014)

FrontCover1Für mich das Osteralbum 2019 und deshalb auch eine recht ausführliche und lange Besprechung:

Es war der 12. August 2013: In der Arena zu Verona fand ein Konzert-Highlight der besonderen Art statt: Dort, wo sonst Bruce Springsteen, Bob Dylan und viele andere der „Großen“ umjubelte Konzerte geben, wo sich die besten Operettendarbietungen weltweit abspielen, gaben das bayerische Liedermacherduo Werner Schmidbauer und Martin Kälberer zusammen mit ihrem italienischen Bruder im Geiste, Pippo Pollina, das Abschlusskonzert der vielleicht jetzt schon legendären SÜDEN-Tour. 10.000 Besucher machten aus diesem Konzert eine rauschende Nacht: Dieser Abend war der Abschluss der gefeierten, 100 Konzerte in vier Ländern umfassenden Tour.

„Was soll da jetzt noch kommen?“ – das fragte sich der Tausendsassa des Bayerischen Rundfunks, Werner Schmidbauer, nach diesem Konzert. Aber nicht nur er. Auch die vielen „alten“ Fans und Freunde der schmidbauer-kälberer’schen Musik, aus der Zeit von „Viere“ oder „oiweiweida„. Und: Finden die beiden Liedermacher, deren Stärke eine selten gewordene Authentizität ist, wieder zurück zu ihren Wurzeln – „zuzwoatalloa“? Schritte zurück sind erfahrungsgemäß manchmal schwieriger als die nach vorne…

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„Ich war raus aus der Musik, völlig leer im Kopf“, bekennt Schmidbauer. Umso erstaunlicher ist daher, dass nicht mal ein Jahr nach Verona bereits das nächste Schmidbauer & Kälberer-Album auf dem Tisch liegt. Eine viertägige Reise nach Istanbul war es schließlich, die dem 52-jährigen Oberbayern nicht nur die verlorene Energie zurückbringt, sondern auch viele Songideen, mit denen sich ein komplettes Album füllen lässt. Bereits auf dem Heimweg macht er sich daran, die Ideen und Gedanken auf Papier zu bringen. Und als er wieder zu Hause durch seine Heimatstadt München schlendert, ist auch schnell ein Titel für die CD gefunden: „Wo bleibt die Musik?“ Denn im Vergleich zu den Erfahrungen in der türkischen Metropole wirkt sein München für ihn musikalisch eher wie eine „Leichenhalle“. Er schildert Martin Kälberer seine Erlebnisse und Eindrücke. Kälberer, über den Willy Astor einmal sagte: „Dieser Mann nimmt keine Haltung ein, wenn er Musik macht. Dieser Mann ist die Haltung.“ Treffender kann man das musikalische Genie Martin Kälberer wohl kaum beschreiben…

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Gemeinsam besuchen sie nochmals Istanbul – und auch Martin Kälberer hat sofort das Gefühl: „Ja, das passt!“ Und der Weg – gedanklich und musikalisch – ist endgültig frei für „Wo bleibt die Musik?“. Ein Album, von dem Werner Schmidbauer bereits im Vorfeld sagt, es sei das persönlichste bisher. Aber ist der Weg von Verona über Istanbul auch tatsächlich wieder der Weg zurück zu den Wurzeln? Ein persönliches Album – daher steht diesem auch eine sehr persönliche Einschätzung zu:

Vorab die nüchternen Fakten: Das Album kommt wieder in einem sehr ansprechenden Layout … Das Artwork von Till Jenninger und Peter Schmidbauer ist einmal mehr gelungen – und hüllt die Scheibe in eine hochwertige Verpackung.

Los geht’s gleich mit der Titelnummer „Wo bleibt die Musik?“, die bereits vorab als Single erhältlich war. Der Song schildert die Erlebnisse, die Werner während seines Trips nach Istanbul hatte – und wie musikalisch ruhig es dort im Vergleich zu Deutschland zugeht. Ein eingänglicher Song und ein würdiges Titellied, welches auf der Tour sicherlich eine „Mitsinggarantie“ bietet.

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Natürlich darf auch eine Hymne an den Ort der musikalischen Renaissance Schmidbauers nicht fehlen: „Istanbul“ lautet der zweite Track. Schmidbauer beschreibt hier in sehr direkter Art und Weise seine Eindrücke der kontinentübergreifenden Metropole. Die Musik dieses Stückes stammt aus der genialen Feder von Martin Kälberer. Als alteingessener Anhänger des Liedermacherduos ist man geneigt zu sagen: „Das hört man.“ „Wenn nicht Werner, wer sonst könnte das Lied schreiben?“

Dass es sich tatsächlich um das persönlichste Album handelt, belegt der dritte Song: „Lass uns feiern“ ist nicht nur ein Liebeserlklärung an seine Frau, es ist vielmehr ein gefühlsbetonter Einblick in die Seelenwelt der Beziehung zwischen den beiden. Obwohl er eingangs singt, dass es „ganz g’wiß neamds wos o’gheht“, lässt er tief blicken. Er schreibt von „Demut, Zweifel, Dankbarkeit, Sehnsucht und Vertrauen“, von Momenten, an denen er einfach weg muss, raus muss. Aber letzlich überwiegt das in diesem Lied geschilderte, überwältigende Vertrauen zueinander. Ein Vertrauen, auf dem die Beziehung gründet – und das Schmidbauer in seiner für ihn typischen Form beschreibt: authentisch, treffend – und so, dass sich jeder damit identifzieren kann. Ein Gänsehaut-Song, der durch die Musik, die auch in dem Fall von Martin Kälberer stammt, abgerundet wird.

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Einer der Höhepunkte des Albums folgt mit dem Song „Mandela“, den der Singer-Songwriter aus Bad Aibling dem 2013 verstorbenen Freiheitskämpfer gewidmet hat. Wenn man die Musik und das Schaffen Schmidbauers lange verfolgt und dann „Mandela“ hört, ist der erste Gedanke: „Wenn nicht Werner, wer sonst könnte ein so authentisches Lied für diesen großen Menschen schreiben?“ Genau dies bestätigt sich Wort für Wort. Das Lied ist teilweise in Suaheli geschrieben, eine Sprache die Schmidbauer während eines einjährigen Aufenthaltes in Kenia kennenlernte. Obwohl der Song einem bereits Verstorbenen gewidmet ist, wirkt er zu keiner Sekunde traurig. Ganz im Gegenteil. Eine kraftspendende, mutmachende Wirkung löst er aus. Und man könnte sich vorstellen, dass diese live, gemeinsam mit dem Publikum gesungen, noch viel intensiver wird, als sie ohnehin in der Studioversion schon ist. Bei „Mandela“ gibt es übrigens prominente Unterstützung: Claudia Koreck hat ein paar Zeilen eingesungen. „Pfiat di, Mandela – Kwa heri, Mandela!“

„Inselprinzessin“ schließt sich an – und holt den Hörer wieder etwas zurück in die Gegenwart, handelt es sich hierbei doch um eine entspannt-ruhige Nummer.
Nach Verona-Konzert zwar glücklich, aber auch „verlor’n“

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Ob der Text des Songs „Aufgebn wird am Schluss“ auch ein Beleg dafür ist, dass es sich um das persönlichste Album Schmidbauers handelt? In jedem Fall besingt er hier die Probleme des Älterwerdens, um dann im Refrain und ganz am Ende der vermeintlich sich dem Zahn der Zeit hingebenden Gesellschaft Mut zu machen und ihr zuzurufen: „Hey, i sog da, es is ned vorbei, do konn ma no was macha. Und jetzt geh naus und stell di hi und mach dei Herz und deine Augn und deine Ohrn weit auf! Vergiß ned, aufgebn werd am Ende, aufgebn wird erst ganz am Schluss!“

„Verona“ – das war der Ort des grandiosen Abschlusses der SÜDEN-Tour. Naheliegend, dass auf diesem Album dieser Stadt ein Song gewidmet wird. Aber nicht nur irgendeiner, sondern wiederum einer, der dem Zuhörer einen wirklich tiefen Blick in die schmidbauer’sche Seele offeriert. Er beschreibt seine ganz persönlichen Eindrücke, die er vor, während und nach dem Konzert in der Arena erlebt hat. Und schildert auch, dass er nach dem Konzert zwar glücklich war, aber eben auch „verlor’n“. „Schmidl“ besingt sein Verona-Erlebnis so, als ob er sich mit einem Freund auf einem Berggipfel darüber unterhalten würde (Stichwort: „Gipfeltreffen„?). In keinster Weise „hochkonstruiert“ – und diejenigen, die bei diesem Tourfinale dabei waren, werden vielleicht ganz unbewusst zu diesem Song zustimmend nicken.

Dann folgt vielleicht der einzige Song, den die Schmidbauer & Kälberer-Fans seit dem Album „oiweiweida, live“ auf jeder CD erwarten: „Hangxang“ – ein Instrumentalstück rund um das Hang, dem durch Martin Kälberer in Bayern bekannt gewordenen Instrument, das seinen Ursprung in der Schweiz hat. Aber es ist kein reines Hangstück: Martin und Werner haben drumherum eine regelrechte Batterie an Instrumenten – garniert mit ihren eigenen Stimmen – aufgebaut.

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„Bei dir“ – ein Song für Werners Kinder und somit zwangsläufig wieder ein sehr persönliches Lied. Der Song des neuen Albums, auf dessen Live-Umsetzung man am gespanntesten sein darf. Warum? Weil er erst vor Publikum seine ganze Wirkung und seine ganze Botschaft entfalten wird.

Im Vorfeld wurde ein Video veröffentlicht, das während der gemeinsamen Istanbulreise entstanden ist. Darin spricht Werner davon, dass man ja einfach nur ein „paar lustige Liedermacher-Songs“ hätte machen können – und es „passt scho“. – „Lacha und Lebn“ ist genau so ein Liedermacher-Song. Es geht um die Ängste und Tücken des Älterwerdens. Aber – und das ist typisch „Schmidl“ – dann folgt auch sogleich die Besinnung: Eigentlich ist die Zeit, in der man lebt, die beste, wenn man sie dazu macht. Eine zwar recht simpel erscheinende Erkenntnis – deren Umsetzung aber umso schwieriger ist. Werner schafft es in dem Song, diese Botschaft glaubhaft und authentisch zu vermitteln und agiert, wie sooft, als der Spiegel, der einem vorgehalten wird.

Er selbst war ja in seiner Heimat Bad Aibling ebenfalls betroffen von der Jahrundertflut 2013. Mit dem Song „Flut“, einer sehr ruhig-melancholischen Nummer, hat er diesem Erlebnis ebenfalls einen Platz auf der Platte eingeräumt.

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Ja – und dann folgt auch schon der Schluss des Albums: „Ois is guad“. Und da ist er wieder, der Grund warum einen die Musik von Werner Schmidbauer schon so lange verfolgt. Seit dem ersten Kontakt, als er als „Ein-Mann-Vorband“ von Austria3 in der Passauer Nibelungehalle auf der riesigen Bühne fast verloren wirkend sein „Pfeilgrodaus“ gespielt hatte… Ich sprach schon oft davon, dass mich so viele Songs des Liedermacher-Duos innerlich „blitzen“, sehr tief berühren. Viele Texte hätte ich auch Zeile für Zeile so hinschreiben können. Ebenso auch diesen letzten. Werner beschreibt darin seine Lieblingsplätze, an denen er „oiwei scho dahoam war“ und die ihm viel Kraft und Mut geben: sein Fluss, sein Berg, sei Oacha (Eiche). Ein ruhiger, sensationeller Text – auch nach mehrmaligem Hören beschert er mir eine Gänsehaut. DAS ist der Schmidl, so wie ich ihn am liebsten mag.

Haben es nun Werner Schmidbauer und Martin Kälberer nach dem unglaublichen SÜDEN-Hype geschafft, mit „Wo bleibt die Musik?“ wieder zurück zu sich, zurück zu den Wurzeln zu finden? Nachdem ich das Album nun mehrere Tage durchgehört habe, gibt es nur eine Antwort: JA! Das Album hat mir aufgezeigt, warum mir die Musik der beiden so wichtig geworden ist. Es ist nicht nur aus irgendeiner Marketing-Laune heraus so dahingesagt, dass es das bisher persönlichste Album ist – es ist tatsächlich ein sehr tiefgehender Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt von Werner und Martin. Ein Einblick, der Anerkennung verdient. Trotzdem: Die Songs wirken nie in irgendeiner Weise gefühlsüberladen oder gar „schmalzend“. Vielmehr ehrlich, grodraus und – ich wiederhole mich da gerne – authentisch. Schmidl-typisch authentisch. Die Musik der beiden kann den Blick aufs Wesentliche schärfen, darauf, was oft hinter irgendwelchen Nichtigkeiten und vorgegaukelten Scheinwahrheiten versteckt ist. Die Musik der beiden kann einen erden. „Wo bleibt die Musik?“ erdet. (Daniel Eder)

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Besetzung:
Martin Kälberer (keyboards, accordeon, percussion, programming, vibrandoneon, harmonium)
Werner Schmidbauer (guitar, vocals, harmonica, guitarlele)
+
Hans-Heiner Bettinger (trombone bei 06.)
Benedikt Dorn (guitar bei 01.)
Dorino Goldbrunner (drums bei 01. 04., 06., 08. + 10.)
Fany Kammerlander (cello bei 02. + 11.)
Alex Klier (bass bei 01., 04., 06 + 10.)
Claudia Koreck (vocals bei 04.)
Axel Kühn (saxophone bei 06.)
Claus Reichstaller (trumpet bei 06, flugelhorn bei 11.)
Veronika Weinhart (background vocals bei 01 . + 06.)

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Titel:
01. Wo bleibt die Musik? (Schmidbauer) 3.47
02. Istanbul (Kälberer/Schmidbauer) 3.58
03. Lass uns feiern (Kälberer/Schmidbauer) 4.31
04. Mandela (Schmidbauer) 4.37
05. Inselprinzessin (Schmidbauer) 5.52
06. Aufgebn werd´ am Schluss (Schmidbauer) 5.56
07. Verona (Schmidbauer) 4.29
08. Hangxang (Kälberer) 3.10
09. Bei dir (Schmidbauer) 3.13
10. Lacha und Lebn (Schmidbauer) 4.19
11. Flut (Kälberer/Schmidbauer) 5.31
12. Ois is guat (Schmidbauer) 3.13

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Willy Michl – Blues & Balladen (1976)

FrontCover1Willy Michl (* 9. Juli 1950 in München als Wilhelm Karl Michl) ist ein bayerischer Liedermacher und ein Münchner Original. Man kennt den Sänger überregional als Bluesbarde und ISARINDIAN. Sein im Personalausweis eingetragener spiritueller Künstlername Sound of Thunder ist Zeichen seiner Verbundenheit mit den indigenen Völkern der Kontinente. Michl gilt als Erfinder des Musikgenres „Bairischer Blues“. Er vermarktet seit 1980 seine Platten selbst, als Musiker und Bühnenkünstler betreibt er sein eigenes Management von Anfang an seiner Karriere. Michl ist Indie-Artist, seit 1978 freischaffend ohne Industrie-Plattenvertrag, deutsch- und englischsprachiger Liedermacher(Singer-Songwriter), Komponist, Textdichter, Sänger und Gitarrist, Buchautor, bildender Künstler, Schauspieler und Musikproduzent.

Willy Michl wuchs die ersten Jahre im Zentrum Münchens bei seinen Großeltern auf. Ab 1953 wohnte er im Hause der Eltern in München-Trudering. 1958 zog die Familie in den Stadtteil Giesing nahe der Isar. Von 1961 an besuchte Willy Michl das Albert-Einstein-Gymnasium. Hier erlernte und spielte er Violine und Kontrabass, später wechselte er zur Gitarre und begleitete damit seinen Gesang.

WillyMichl1Seine Musik ist beeinflusst von Jazzgrössen wie Louis Armstrong, Glenn Miller und Benny Goodman, insbesondere aber auch von Rock ’n’ Roll Stars wie Bill Haley und Elvis Presley. Außerdem haben Willy Michl die Beatles, Rolling Stones, deutsche Stars wie Udo Jürgens und Drafi Deutscher, aber auch Barry McGuire und Bob Dylan in seinen Anfängen inspiriert. Als Kind hatte Willy Michl amerikanische und englische Musik verinnerlicht, die im AFN (American Forces Network) ausgestrahlt wurde, und sich für Beatmusik, Rock ’n’ Roll, Soul, Jazz und Blues begeistert. Als Jugendlicher und als junger Erwachsener war er bis in die 1980er Jahre in verschiedenen Soul- und Jazz-Clubs der Besatzungssoldaten in München zu Gast.

Ende der 1960er Jahre diente er bei der Gebirgstruppe der Bundeswehr in der Fernmeldeausbildungskompanie 1/8 1.GD. Nach seiner Wehrdienstentlassung 1972 heiratete er Eva Vera Rath, Solotänzerin und Primaballerina des Staatstheater am Gärtnerplatz.
Es gelang ihm, als Entertainer ein erstes lokales Stammpublikum zu gewinnen. Seit 1971 tritt er in Münchner Szene-Lokalen auf. 1974 brachte er seine erste Platte Blues Goes to Mountain heraus. Die Plattenaufnahmen fanden in den Union Studios München-Solln statt. Produzent war Gerhard Mendelson. Es folgen 1975 Blues & Balladen, sowie 1976 Willy Michl LIVE.
WillyMichl3.jpg1978 löste Willy Michl seinen Exklusiv-Plattenvertrag einvernehmlich auf und produzierte auf eigenem Label „Michl Records“ seine erste Indie-Scheibe. Das Doppelalbum Ois is Blues wurde im Eigenvertrieb 30.000 mal verkauft und machte den Liedermacher berühmt. (Qulle: wikipedia

Den Rest dieses wikipedia Artikels spare ich mir, denn, mir scheint, da hat der Willy Michl selbst zur Feder gegriffen: Selten habe ich einen derart subjektiv-euphorischen wikipedia Beitrag gelesen …

Und das verwundert nicht:

Willy Michl hat sich im Laufe der Jahre zu einem eitlem Pfau entwickelt, der als selbsternannter Indianer (dabei nennt er sich „Sound of Thunder“) durch die Gegend reist und sich in seinen indianischen Heilslehren gefällt.

Das war früher, also Mitte der 70er Jahre noch ganz anders. Da war er bayeriches Urvieh, der – und das muss man ihm lassen – als einer der ersten die „boarische“ Variante des Blue entdeckte und spielte … Dabei wurde er von dem hervorragenden Gitarristen Dave Inker (der stammte aus UK; bereits bei „Drah di net um“ muss man einfach aufhorchen) begleitet.

Und wie gut das klingt, kann man z.B. auf dieser LP hören.

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Die Labels der Erstausgabe

Ursprünglich erschien sie auf „Munich Records“, später gab es dann auch eine größere Verbreitung durch das Label Decca aus Hamburg … die ihn wohl als bayerische Variante von Udo Lindenberg aufbauen wollten. Nun daraus wurde wohl nichts … Gott sei Dank !

Geblieben aber ist eine wunderbare poetische, oftmals auch sentimental-nachdenliche Sammlung von Liedern, die allesamt auch musikalisch gänzlich überzeugen kann … sofern man sich mit den hier eher leisen Bluesklängen anfreunden kann.

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Besetzung:
Antonio Campo (bass)
Mladen Franko (keyboards, synthesizer)
Meini Geppert (drums, percussion)
Dave Inker (guitar)
Willy Michl (vocals, guitar)
+
Boris Jojic (piano bei 04.)

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Titel:
01. Dichterstreß (Michl/Bengert) 2.13
02. Drah di net um (Michl) 6.15
03. Fliag, Vogel, fliag (Melbinger) 3.13
04. Wintermorgen (Michl/Bengert) 10.04
05. Mein Traum (Michl/Bengert) 3.51
06. Die Zeche (mit „Honky Tonk Woman“) (Michl/Bengert) 5.00
07. Entrümpelung (Michl) 3.11
08. Stein der Weisen (Michl/Bengert) 3.37
09. Waxenstein-Blues (Michl) 4.06
10. Abschied (Michl/Bengert) 3.42

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Und am 9.7.2018 feierte dieser Willy Michl seinen 70. Geburtstag im Münchner Lustspielhaus:

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Peter Cornelius – Gegen den Strom (1986)

FrontCover1Dieses Peter Cornelius Album hat damals viele erstmal irritiert und überrascht. So z.B. die Kritikerin des „Musik Express“:

Ich trau mich ja gar nicht, es zu sagen: Bisher habe ich immer einen weiten Bogen um seine Platten gemacht. Aber offenbar will Peter Cornelius jetzt nicht mehr in seichteren Gewässern rumpaddeln, sondern „Gegen den Strom“ endlich „durch die Schallmauer“ rocken.

Und das dürfte ihm diesmal gelingen. An den Instrumenten hat er beste Schützenhilfe. John Taylors knorriger Baß und Curt Cress mit seiner unerbittlich maßgenauen Drumklopferei holen die manchmal ins Süßlich-Ätherische abschweifenden Keyboardorgien des Cornelius-Intimus Peter Janda immer wieder schön in irdische Sphären zurück. Da bleibt genug Raum für Cornelius, sich rockig und manchmal bis zur heavy-Grenze an der Gitarre auszutoben.

Auf der B-Seite kommt er in Fahrt, da wird’s sogar richtig schräg. Cornelius rockt deftiger als Maffay, er singt nicht so schmalzig, und vor allem sind die Bilder in seinen Texten nicht so platt und abgegriffen. (Christiane Rebmann)

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In der Tat: ein z.T. deftiges Rockalbum, bei sogar auch süffige Slide-Guitar-Klänge aufblitzen und vor allem ein weiteres Cornelius Album, das einen textlich beeindrucken kann.

So hat der Text von „Schau, wie sich Menschen ändern“ für mich einen doch sehr persönlichen Bezug … und man kommt´s ins grübeln. Und der Titelsong, ja … löst bei ihr jenes Gänsehaut-Gefühl aus, vor dem ich bis heute nicht gefeit bin.

Also: ein Album, das durchaus zeitlos ist und von daher auch heute noch gut und gerne möglichst oft erklingen sollte.

PeterCornelius
Besetzung:
Peter Cornelius (vocals, guitar)
Curt Cress (drums)
Peter Janda (keyboards, synthesizer)
Ken Taylor (bass)

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Titel:
01. Irgendwann im nächsten Leb’n (Cornelius/Janda) 4.11
02. Vielleicht (Cornelius) 4.09
03. Jedes G’sicht hat a G’schicht (Cornelius) 4.24
04. Schau, wie sich Menschen ändern (Cornelius) 4.16
05. Was macht der Teufel im Himmel (Cornelius/Janda) 4.28
06. Durch die Schallmauer (Cornelius/Janda) 4.11
07. Kamikaze (Cornelius) 4.07
08. Gegen den Strom (Cornelius/Janda) 8.06
09. Mach’s gut mein Freund, leb wohl (Cornelius/Janda) 4.07

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