Rundfunk-Tanzorchester Leipzig – Palmen am Meer – Tanzmusik aus Kambodscha (1968)

FrontCover1Unter all diesen Alben mit beschwingter Unterhaltungsmusik, nimmt diese schon eine besondere Stellung ein:

Und das besondere an diesem Album ist, dass sie sich vordergründig oder auch tatsächlich mit Klängen aus Kambodscha beschäftigt :

Kambodscha, dieses junge Land in Südostasien, das 1953 seine Unabhängigkeit errang, kann nicht nur auf eine reiche historische Entwicklung, sondern auch auf eine
wertvolle kulturelle Tradition zurückblicken. Im Innern des fruchtbaren Landes,
inmitten des Dschungels, ragen die Ruinen von Ankor auf, gewaltige steinerne Zeugen
einer kulturerfüllten Vergangenheit. Im 12. und 13. Jahrhundert unserer Zeitrech-
nung wurden diese Bauten errichtet. Ihre Vielfalt, Schönheit und Ausgewogenheit
beeindruckt jeden Betrachter. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei immer
wieder die kunstvollen Reliefs der Bauwerke, die realistische Darstellungen des
Lebens und Kampfes des alten Khmer-Volkes enthalten. Ihre Anschaulichkeit und
Aussagekraft ist so stark, daß sich dem Betrachter eine seit Jahrhunderten versunkene
Welt wieder in aller Deutlichkeit offenbart.

Blick auf Angkor Tom am späten Abend

Heute ist Kambodscha ein unabhängiges, auf der Grundlage strikter Neutralität für
den Frieden und Fortschritt in der Welt wirkendes Land. Freundschaftliche Bezie-
hungen verbinden schon seit Jahren die DDR und das Königreich Kambodscha, das
unter der Leitung des jungen, tatkräftigen Staatschefs Prinz Norodom Sihanouk einen
geachteten PIatz unter den Nationen einnimmt. Prinz Norodom Sihanouk ist jedoch
nicht nur ein hervorragender Politiker, auch als Künstler ist er auf den verschiedensten
Gebieten hervorgetreten. Sein Wirken als Komponist unterhaltender Musik, vorzüg-
licher Pianist und Dirigent ist ebenso international bekannt wie sein Schaffen als
Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler und Filmregisseur.

Kambodscha02

Er mißt der kulturellen Entwicklung seines Landes große Bedeutung bei, unterstützt die bäuerlichen Dorftheater, ermutigt die Laiendarsteller, auch Stücke mit moderner Thematik zu schaffen und aufzuführen, setzt die großen, jahrhundertealten Traditionen der klassischen Ballettkunst seines Landes fort, fördert die zeitbezogenen Tendenzen dieser Kunst und trägt so dazu bei, daß auch die Gegenwart in der Kunst des Landes ihre Widerspiegelung findet.

So vollzieht sich durch das Wirken dieses Staatsmannes und Künstlers in
Kambodscha auch auf kulturellem Gebiete ein rascher, progressiver Wandel.

Norodom Sihanouk01
Die auf dieser Schallplatte dargebotenen Kompositionen von Prinz Norodom Siha-
nouk wurden in der DDR durch die Interpretationen des Rundfunk-Tanzorchesters
Leipzig unter Leitung von Walter Eichenberg bekannt. Diese von Henry Passage
wirkungsvoll arrangierten Werke schlagen die Brücke zu einem Land, das in unserer
Zeit kraftvoll seinen eigenen Weg geht, freundschaftlich verbunden mit allen den
Frieden und den menschlichen Fortschritt liebenden Völkern der Welt. (Hüllentext von Siegfried Köhler)

wikipedia fasst das künstlerische Werk von Sihanouk wie folgt zusammen:

Sihanouk betätigte sich als Choreograph des königlichen Balletts und als Filmregisseur, bemühte sich um die Wiedergeburt der klassischen kambodschanischen Kunst und verfasste Theaterstücke. Zudem schrieb er Leitartikel für die eigene Regierungspresse und bezeichnete sich selbst ironisch als Korrespondent der satirischen Pariser Zeitung Le Canard enchaîné.

1967 – mitten im Vietnamkrieg – empfing der Prinz Sihanouk Jacqueline Kennedy in Angkor Wat als Botschafterin der USA.

In der DDR erschien 1968 beim VEB Deutsche Schallplatten Berlin die LP Palmen am Meer – Tanzmusik aus Kambodscha (Amiga 8 50 132). Diese Schallplatte enthält ausnahmslos Kompositionen, die aus der Feder Sihanouks stammen sollen und vom Rundfunk-Tanzorchester Leipzig unter der Leitung von Walter Eichenberg eingespielt wurden.

Norodom Sihanouk02

Und dargeboten werden diese Kompositionen von dem Rundfunk-Tanzorchester Leipzig:

Kurt Henkels wurde 1910 in Solingen geboren. Schon mit 7 Jahren erhielt er Violinunterricht, studierte später dieses Fach in Solingen, Wuppertal und Köln. Mit 32 Jahren war er Berufsmusiker und spielte auch Saxophon und Klarinette. Nach Kriegsende siedelte er nach Leipzig über und stellte mit einigen jungen Musikern eine Kapelle zusammen, die bald durch ihren großen Erfolg stadtbekannt wurde. 1947 erhielt er von der Leitung des dortigen Senders den Auftrag, eine Bigband zusammenzustellen. Das „Leipziger Tanzorchester Kurt Henkels“ begann seine Arbeit beim Rundfunk der SBZ. Über das „Tanzorchester des Senders Leipzig“ (ab 01. September 1947) und „Tanzorchester Leipzig des Staatlichen Rundfunkkomitees“ (ab 1951) wurde schließlich Ende 1953 das „Rundfunk-Tanzorchester Leipzig“.

Rundfunk-Tanzorchester Leipzig01

Schon 1951 belegte Kurt Henkels mit seinen Musikern in Paris bei einem Wettbewerb den dritten Platz, hinter den Orchestern von Duke Ellington und Count Basie. In der DDR wurde über diesen Erfolg kaum berichtet, diese Musik war den politisch Verantwortlichen zu „amerikanisch“. Nach einem ersten Auftritt mit großartigem Erfolg im Berliner „Friedrichstadt-Palast“ 1948 wurde das Orchester zu Aufnahmen bei AMIGA eingeladen. Die in Berlin eingespielten Schellacks fanden reißenden Absatz. So ziemlich alle namhaften deutschen Interpreten dieser Jahre stellten sich in der Folgezeit mit dem Leipziger Orchester im Rücken vor das Mikrofon. Kurt Henkels war zu einem der bedeutendsten Bandleader der 50er Jahre geworden und sein Orchester prägte besonders den Swing-Sound im deutschsprachigen Raum. Durch die vielen Plattenaufnahmen und zahlreichen Tourneen erntete die Band viel Anerkennung und Ruhm, auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Anfang 1959 wurde das Repertoire des Orchesters durch staatliche Regelungen stark eingeschränkt und bald darauf alle weiteren Auslandsgastspiele untersagt. Dies waren die letzten Repressalien in einer jahrelangen Kette, in deren Folge Kurt Henkels schließlich im Sommer des gleichen Jahres mit seiner Familie nach München und dann nach Hamburg übersiedelte. Eine Zeit lang bestritt er seinen Lebensunterhalt als Vertreter für Bausparkassen und Staubsauger. Bei „Ariola“ durfte er schließlich mit einem Studio-Orchester eine Tanzmusik- und Swing-LP aufnehmen. Ab 1961 leitete er das Studioorchesters des NDR und ab 1963 ein eigenes Orchester beim ZDF. 1966 zog sich Kurt Henkels aus der Öffentlichkeit zurück, 1986 starb er in Hamburg.

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Neben Kurt Henkels als Orchesterleiter gehörten 1946 zu den Musikern der „ersten Stunde“ beim Sender Leipzig: Walter Eichenberg (Trompete), Heinz Oltersdorf (Trompete), Paul Heyne (Trompete), Helmut Henne (Posaune), Heinz Wolf (Posaune), Hans Kopperschläger (Posaune), Rolf Kühn (Klarinette, Altsaxophon), Horst Oltersdorf (Klarinette), Henri Passage (Tenorsaxophon), Martin Morgenstern (Tenorsaxophon), Rudi Müller (Baritonsaxophon), Erhard Kurbin (Posaune), Günter Oppenheimer (Piano), Johannes Filip (Fips) Fleischer (Schlagzeug), Max Pege (kurze Zeit später Willy Schade) (Bass), Walter Hase (kurze Zeit später Wolfgang Balzereit) (Gitarre), Helmut Gardens (Arrangement). 1946 wurde auch Irma Baltuttis als „Refrainsängerin“ für das Orchester engagiert, 1948 gesellte sich Fred Frohberg dazu.

Nach der Übersiedlung von Kurt Henkels in die BRD half kurzzeitig Gerhard Kneifel als Orchesterleiter aus, bevor Walter Eichenberg Ende 1959 das Rundfunk-Tanzorchester Leipzig bis zu seiner „Abwicklung“ 1989 leitete. In dieser Zeit spielte das Ensemble ca. 5000 Aufnahmen beim Rundfunk, beim Fernsehen und bei AMIGA ein, viele davon von Eichenberg selbst komponiert. (ddr-tanzmusik.de)

Walter Eichenberg

Walter Eichenberg

Ich hab´ da schon auch meine Zweifel hinsichtlich der Urheberschaft all dieser – zugegeben – geschmeidigen Melodien. Und wenn diese Melodien auch für europäische Ohren zurecht gebügelt wurden … nehmen sie dennoch eine ganz besondere Stellung innerhalb all dieser Alben mit beschwingter Unterhaltungsmusik ein. Von daher verleih ich mit dem Album das Prädikat „innovativ“.

BackCover1

Besetzung:
Rundfunk-Tanzorchester Leipzig unter der Leitung von Walter Eichenberg

Single

Von diesen Aufnahmen wurde sogar eine Single veröffentlicht

Titel:
01. Le soir en je t’ai rencontré (Am Abend, als ich dich getroffen habe) 2.29
02. Nuit froide (Kalte Nacht) 3.35
03. Phnom-Penh 2.14
04. Si je pouvais t’aimer (Wenn ich dich lieben dürfte) 2.29
05. Séduction (Zauber) 2.11
06. Fleur de Vientiane (Blume von Vientiane) 2.04
07. Passion (Das Leiden) 3.23
08. Nouvel an (Neues Jahr) 2.29
09. Love Star 2.07
10. Regret (Leid) 2.38
11. Ironie 2.23
12. Monica 2.32
13. Complainte (Klage) 3.11
14. Evanescene (Das Schwinden) 2.44
15. Amour sans espoir (Liebe ohne Hoffnung) 2.49
16. Beauté de Kèp (Schönheit von Kèp) 2.12

Musik: Prinz Norodom Sihanouk

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Alternatives Frontcover

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Walter Eichenberg2

 

Mario Lanza – Ave Maria (1968)

FrontCover1Einst hat er wohl auch in Deutschland die Menschen (vermutlich insbesondere die Frauen) verzaubert:

Mario Lanza (* 31. Januar 1921 in Philadelphia, Pennsylvania; † 7. Oktober 1959 in Rom, Italien; eigentlich Alfred Arnold Cocozza) war ein italo-US-amerikanischer Tenor und Schauspieler.

Lanza galt dank seiner Hollywood-Filme in den 1950er-Jahren als der bekannteste Opernsänger der Welt.

Cocozza wuchs in einer italoamerikanischen Familie auf. Seine Mutter Maria, nach deren Geburtsnamen er später seinen Künstlernamen wählte, war eine Opernliebhaberin. Er wuchs mit den Schallplattenaufnahmen Enrico Carusos auf, in dessen Todesjahr er geboren worden war und der ihm zum großen Vorbild wurde. In der Schule ohne Ehrgeiz, trainierte der junge Cocozza seine Stimme in regelmäßigen Unterrichtsstunden. Einige Monate vor seinem Abschluss musste er die Schule verlassen. Nach einigen Jahren als Aushilfe im Gemüseladen seines Großvaters wurde seine stimmliche Begabung entdeckt, und er bekam ein Stipendium am Musikcenter von Tanglewood. Dort gab er 1942 sein Debüt als Fenton in Die lustigen Weiber von Windsor.

MarioLanza01Durch den folgenden Militärdienst, in dem er vornehmlich als Sänger eingesetzt wurde, kam es nicht zu einer Opernkarriere. Zunächst trainierte er 15 Monate lang Belcanto-Gesang bei Giglis Lehrmeister Enrico Rosati. Dann trat er mit einem Programm an die Öffentlichkeit. Eine Zeitlang tourte Lanza mit dem kanadischen Bassbariton George London und der Sopranistin und späteren Gesangspädagogin Frances Yeend (* 1918) durch Clubs, wobei das „Belcanto Trio“ in erster Linie populäre Unterhaltungsmusik und Stücke aus Musicals zur Darbietung brachte. Im Gegensatz zu seinen beiden Partnern, die bald darauf langjährige und erfolgreiche Sängerkarrieren antraten, gelang Lanza der Sprung auf die Bühne nicht. Lediglich 1948 trat er zweimal in New Orleans als Pinkerton in der Oper Madame Butterfly auf. Es blieben seine einzigen Auftritte auf einer regulären Opernbühne. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits einen Vertrag mit Hollywood.

Das Publikum zeigte sich von Lanzas stimmlichen Qualitäten und seiner äußeren Erscheinung begeistert. Auch die Kritik lobte sein Talent, die Schönheit seiner lyrischen Tenorstimme und nicht zuletzt seine perfekte Diktion, monierte jedoch seine noch nicht ausreichende stimmliche Schulung.

Der Chef von Metro-Goldwyn-Mayer, Louis B. Mayer, nahm Lanza unter seine Fittiche und produzierte mit ihm Filme und Schallplatten. Die ersten Streifen mit Lanza, vor allem die fiktionale Filmbiografie Der große Caruso von 1951 waren große Erfolge. Ebenso wie später bei Elvis Presley – dessen zweimalige Filmpartnerin in den 1950er Jahren, Dolores Hart, übrigens eine Nichte von Lanza war – waren es eher Filme mit trivialer Handlung, in denen mehr die Gesangseinlagen des Hauptdarstellers die Hauptattraktion ausmachten. So schaffte er es als klassischer Tenor auf die Titelseite von Time und wurde noch vor Presley zu einem vergleichbaren Popidol. Lanza war der erste Opernsänger, dem es gelang, mit Goldenen Schallplatten sowohl für seine klassischen wie für seine Alben mit populärer Musik ausgezeichnet zu werden.

MarioLanza03Mit dem Erfolg sah sich der Sänger zunehmend Angriffen der Fachkritik ausgesetzt und hatte darüber hinaus mit Problemen der Selbstdisziplin zu kämpfen. Extreme Stimmungsschwankungen machten ihn unter Kollegen gefürchtet, vor großen Auftritten musste sich Lanza zudem immer wieder rigiden Abmagerungskuren unterziehen. Er wurde Alkoholiker und konsumierte verstärkt Tabletten. Dazu blieb der Erfolg allmählich aus, und seine Karriere in den USA geriet ins Stocken.

Lanza wich nach Italien aus und landete dort Ende der 1950er-Jahre noch einmal einige Filmerfolge. 1959 verstarb der erst 38-Jährige in einer römischen Klinik. Als offizielle Todesursache wurde ein Herzinfarkt angegeben.

Lanza war seit 1945 mit Betty Hicks, der Schwester eines Armeekameraden, verheiratet und hinterließ vier Kinder, Colleen, Elisa, Damon und Marc. Lanzas Ehefrau Betty starb 1960 unter dem Einfluss von Tabletten und Alkohol. Lanzas Tochter Colleen, die als einziges seiner Kinder auch eine Karriere als Sängerin eingeschlagen hatte, verstarb 1997 nach einem Autounfall. Sein jüngster Sohn Marc erlag 1991 im Alter von 37 Jahren einem Herzinfarkt. Sohn Damon Anthony starb am 16. August 2008 ebenfalls an den Folgen eines Herzinfarktes im Alter von 55 Jahren.

Lanza wurde auf dem Friedhof „Holy Cross Cemetery“ in Culver City, Kalifornien begraben. (Quelle: wikipedia)

Und was hat es nun mit dem „Ave Maria“ auf sich:

Ave Maria (Gegrüßet seist du, Maria) ist der lateinische Beginn und gleichzeitig die Bezeichnung eines Grundgebetes der katholischen Kirche zur Anrufung Marias, der Mutter Jesu Christi. Ave ist dabei ein in das Lateinische eingedrungenes semitisches Lehnwort und stammt ursprünglich wohl aus Karthago (phönizisch-punisch hawe bedeutet lebe).

Auf dieser Single finden sich 2 Versionen von §Ave Maria“, die erste stammt von Bach:

Eine der berühmtesten Vertonungen stammt von Charles Gounod, der das erste Präludium (C-Dur) aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach übernahm und darüber seine Ave Maria-Melodie legte (unter Einschub von mehreren zusätzlichen Takten), weshalb das Werk als „Ave Maria von Bach/Gounod“ in die Musikgeschichte einging.

Und dann hat sich auch noch Franz Schubert des Liedes angenommen:

Das 1825 von Franz Schubert komponierte Lied Ellens dritter Gesang (D 839, op. 52 Nr. 6) aus seinem Liederzyklus Das Fräulein vom See beginnt mit den Worten „Ave Maria“. Später entstanden, nicht von Schubert selbst, viele Bearbeitungen, in denen der ursprüngliche Liedtext durch das lateinische Ave-Maria-Gebet ersetzt wurde. Das Lied wird daher häufig auch als „Schuberts Ave Maria“ bezeichnet.

Nun … auch wenn diese Musik nicht unbedingt meine Musik ist … der stimmliche Schmelz des Mario Lanzas ist schon beeindruckend … man höre und staune oder geniesse … ja nach Neigung.

MarioLanza02Besetzung:
Mario Lanza (vocals)
+
RCA Victor Orchester unter der Leitung von Constantine Callinicos

BackCover1Titel:
01. Ave Maria (Bach/Gounod) 2.38
02. Ave Maria (Schubert) 2.45

LabelA1

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Verschiedene Interpreten – Die Grossen 16 – 1967/1968 (1968)

FrontCover1Und wieder mal eine Zeitreise, die durchaus vergnüglich wird bzw. werden kann (je nachdem) …

Wo fange ich jetzt am besten an …

Zum Beispiel damit: wenn mir die „grossen 16 der Jahre 1967/1968“ angekündigt werden, dann staune ich jetzt erstmal über die Auswahl.

Oder anders: Wo haben wir ne LP wo Rald Bendix, The Lords, Heino, Howard Carpendale und Pink Floyd zu hören sind ?

Aber der Reihe nach:

Das Album geht mit einem Graham Bonnet Hit los und der heißt „Siebenmeilenstiefel“ und man achte auf die durchgeknallt-psychedlich angehauchte Gitarre …. und der erste Lachanfall ist sicher.

Gilbert Becaud und Cliff Richard singen auf deutsch, wobei man feststellen kann, dass Gilbert Becaud auch in deutsch eine bravoröse Figur macht … die Lords hingegen singen auf deutsch (die Musik ist dabei gar nicht so schlecht)

Und Gitte klärt die Frauen auf: Jede hat einmal im Leben einen Jonny … den sie gern hat, den sie lieb hat … denn sie leider nie wieder sieht … Aha

Und aus dem Nebel taucht dann irgendwann mal ein gewisser Anhony Quinn auf und teilt uns mit: „Love You, You Love Me“ (wobei seine gesanglichen Talente arg limitiert sind, da war Lee „I Was Born A Under A Wandrin Star“ Marvin geradezu virtuos: man könnte diesen Gesang durchaus auch als Gegrunze durchlassen … so könnte ich es auch noch *ggg*)

AnthonyQuinn

Der unbestrittene Star dieses Albums: Anthony Quinn !

Bei „Monja“ von einem Roland W. (bürgerlich Roland Wächtler * 3. April 1941 in Stuttgart; † 11. September 2009 in Schürdt) habe ich gestaunt …  das Lied war tief in meinem Bewußtsein vergraben, ich habe es wohl seit vielen Dekaden nicht mehr gehört … doch ich kannte es … und ja … es berührt mich heute noch.

Ein Howard Carpendale und auch ein Erik Sylvester turnen auch noch herum …

Na ja … und dann kommen die Newcomer „The Pink Floyd“ (noch mit Syd Barrett !) und sie weisen darauf hin, dass die populäre Musik gerade dabei ist, einen Quantensprung zu machen …

Und dann endet das  Album mit dem harmlos-drolligen „By By Yokohama“.

Ich weiss ja nicht, was sich das Management von Columbia/EMI in Köln damals gedacht haben (oder auch welches Kraut sie damals gerade geraucht haben) … aber dieser Sampler ist wahrlich abenteuerlich.

BackCover1
Titel:

01. Graham Bonney: Siebenmeilenstiefel (Bonney/Blum) 2.20
02. Ralf Bendix: Unser kleiner Sonnenschein (Burke-Gerlach/Röckelein) 2.34
03. Gitte: Jede hat einmal im Leben einen Johnny (Peeters/Kimbel) 2.22
04. Gilbert Becaud: Überall blühen Rosen (Becaud/Zimber) 2.53
05. The Lords: Gipsy Boy (Srbljenovic) 1.55
06. Roland W.: Monja (Jäger/Finando) 3.03
07. Gissy Andre: Man lebt nur zweimal (Barry/Schumacher) 2.43
08. Heino: Wir wollen zu Land ausfahren (Burkersroda/Kutzieb)  2.02
09. Cliff Richard: Es ist nicht gut allein zu sein (Niessen/Ström) 3.17
10. Adamo: Dans ma hotte (Adamo) 2.04
11. Howard Carpendale: …und dann tanz ich mit dir allein (Mills/Blecher) 2.24
12. Anthony Quinn: I Love You You Love Me (Spina) 2.31
13. Al Bano: Nel sole (Massara/Pallavicini) 3.47
14. Erik Silvester: Deine Tränen tun mir weh (Astoth/Meiser/Silvester) 2.20
15. Pink Floyd: See Emmily Play (Barrett) 2.50
16. The Peanuts: By By Yokohama (Blum) 2.09

LabelB1

  • (demnächst)
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PinkFFloyd

Die Newcomer: „The Pink Floyd“

Adamo – International (1968)

FrontCover1Auch über Adamo wurde hier schon mal berichtet und zwar hier)

Adamo war ja bei uns schon in den 60er Jahren kein unbekannter mehr und als dieser Sampler 1968 erschien, gab es schon mindestens 4 Alben für den deutschen Markt.

Und vermutlich dache man sich damals … die Deutschen können auch mal den Adama „international“ hören und vor allem kaufen.

Und so hören wir nun Adamo auf französisch, englisch, deutsch und italnisch an …und er war in den 60er Jahren wohl ein sprachlicher Hans-Dampf-in-allen-Gassen …  und qwnn man sich dieses Album anhört, weiss man auch, wie souverän dieser Adamo war.

Und in der Tat: dieser Sampler zeigt erneut einen Adamo, der sogar nicht in das spätere Schlager-Image passen wollte … Man höre sich beispielsweise die Dramatik in „On se bat toujours quelque part“ an:

Also: Ein Sampler, den ich empfehlen möchte  … Adamo (den ich damals nicht verstanden haben) gilt es zu entdecken, es lohnt sich !

AdamoPersonnel:
Adamo (vocals)
+
a bunch of unknown studio musicians

BackCover1Tracklist:
01. Notre Roman (Adamo) 3.18
02. On se bat toujours quelque part (Adamo) 3.35
03. Dans Ma Hotte (Adamo) 2.03
04. Another Love Affair (Adamo/Kennet) 2.37
05. Elle Était Belle Pourtant (Adamo) 3.37
06. Du kamst zurück (Tu Me Reviens) (Adamo/Werner) 2.55
07. Cezx Que J’aime (Adamo) 2.10
08. Viens ma brune (Adamo) 3.08
09. She Was An Angel (Adamo) 2.12
10. Quand Les Roses (Adamo) 2.31
11. Gridare Il Tuo Nome (Adamo/Angelo) 2,17
12. Porque Yo Quiero (Adamo/Coroega) 2,38
13. Petit camarade (Adamo) 2.43
14. The Tramp With A Beard (Le barbu sans barbe) (Adamo/Newell) 2.59

LabelB1

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Mehr Adamo:
Mehr

Friedrich Gulda – Spielt Beethoven, Debussy, Gulda, Mozart, Schubert, Strauss (2004)

FrontCover1Im Jahr 2004 veröffentliche die „Süddeutsche Zeitung“ im Rahmen ihres Verlagesprogramms die 10teilige Edition „Klassik“. Editiert wurde sie von dem Kritiker Papst Joachim Kaiser:

Joachim Kaiser (* 18. Dezember 1928 in Milken, Kreis Lötzen, Ostpreußen; † 11. Mai 2017 in München) war einer der einflussreichsten deutschsprachigen Musik-, Literatur- und Theaterkritiker seiner Zeit. Seit 1959 arbeitete er als leitender Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung; von 1977 bis 1996 war er Professor für Musikgeschichte an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Stuttgart.

Joachim Kaiser wurde 1928 als Sohn eines Landarztes geboren. Im Alter von acht Jahren begann er mit dem Klavierspiel. Das gemeinsame Musizieren mit seiner Familie zählte er später zu den glücklichsten Momenten in seinem Leben. Literatur und Musik begannen ihn früh zu interessieren. Nach der Flucht aus Ostpreußen zu Kriegsende besuchte er das Wilhelm-Gymnasium in Hamburg. Anschließend studierte er Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Soziologie in Göttingen, Frankfurt am Main und Tübingen. Zu seinen Kommilitonen gehörten die Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus und Rudolf Stephan.

Im Juni 1951 begann er seine journalistische Laufbahn als Theater-, Literatur- und Musikkritiker. Den Weg dazu ebnete ihm die Besprechung einer Veröffentlichung von Theodor W. Adorno: Musik und Katastrophe. Über die „Philosophie der Neuen Musik“. Adorno empfahl Kaiser Alfred Andersch vom Hessischen Rundfunk, was wiederum die Frankfurter Hefte aufmerksam machte. Mathias Döpfner bezeichnete ihn als einen „der bekanntesten und erfolgreichsten Adorno-Schüler überhaupt“. Auf Einladung von Hans Werner Richter durfte Kaiser ab 1953 an Veranstaltungen der Gruppe 47 teilnehmen. 1958 wurde er in Germanistik an der Universität Tübingen über das Thema Franz Grillparzers dramatischer Stil promoviert. Auf Initiative des damaligen SZ-Journalisten Erich Kuby konnte Kaiser ab 1959 in der Kulturredaktion der Süddeutschen Zeitung arbeiten. Er war Mitglied in der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland.

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Joachim Kaiser

Kaiser zählte neben Marcel Reich-Ranicki zu den einflussreichsten Kritikern Deutschlands. Sein Buch Große Pianisten in unserer Zeit wird gelegentlich als „Klavier-Michelin“ bezeichnet. Neben wegweisenden Pianisten wie Artur Rubinstein, Vladimir Horowitz, Glenn Gould, Swjatoslaw Richter oder Friedrich Gulda stellte er junge Interpreten vor und erläutert Entwicklungen in der Klavierkunst.[2] Kaiser fühlte sich in besonderer Weise dem Werk Richard Wagners verbunden und unterstützte und begleitete den Neubeginn der Bayreuther Festspiele im Jahre 1951 unter der Regie der Wagnerenkel Wieland und Wolfgang Wagner.

Joachim Kaiser war seit Dezember 1958 mit der Übersetzerin und Romanautorin Susanne Kaiser († 2007) verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte: die Regisseurin Henriette Kaiser (* 30. Dezember 1961) und den Sportredakteur Philipp (* 29. August 1963). Sein Domizil befand sich in München am Rande des Englischen Gartens.

2009 übergab er sein umfangreiches Privatarchiv dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar als Vorlass. Neben Briefen von Theodor W. Adorno und Alfred Andersch enthält es Korrespondenz mit Ingeborg Bachmann, Ernst Bloch und Heinrich Böll. Von Mai 2009 an beantwortete Kaiser in seiner Video-Kolumne Kaisers Klassik-Kunde auf der Website des SZ-Magazins wöchentlich Fragen der Leser. Infolge einer Erkrankung musste er dies im Januar 2011 aufgeben. Die Reihe wurde seitdem nicht mehr fortgesetzt. (Quelle: wikipedia)

SZ Edition Klassik

Die Gesamt-Edition „Klassik“

Und im Rahmen dieser Edition gab es dann auch als Folge „Friedrich Gulda spielt Beethoven, Debussy, Gulda, Mozart, Schubert, Strauss“.

FriedrichGulda 1949

Friedrich Gulda, 1949

Friedrich Gulda (* 16. Mai 1930 in Wien; † 27. Jänner 2000 in Weißenbach am Attersee) war ein österreichischer Pianist und Komponist.

Für mich ist Friedrich Gula einer der begnadesten Wanderer zwischen diversen musikalichen Welten … manche meinte, mit der Klassik hätte ihn eine Art Hassliebe verbunden. Und als Jazzmusiker hatte er auch weltweit seinen guten Ruf !

Hier hören wir ihn überwiegend als Interpreten von klassischen Klavierkonzerten … und am Ende von CD brilliert an der mit zwei eigenen Kompositionen … da lacht wieder mal das Herz.

Und dann – ganz am Schluss können wir ehrfürchtig der Laudatio von Joachim Kaiser auf Friedrich Gulda lauschen … und ja, der „Klavier-Kaiser“ hat da shon was zu erzählen, so ist das nicht.

Booklet01A

Besetzung:
Friedrich Gulda (piano)
+
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado (CD 1: 01.-06.)
London Symphonie Orchester unter der Leitung von Anthony Collins (
CD 1: 07.)
+
Manfred Josel (drums bei CD 2: 06. + 07.)
Robert Politzer (bass bei CD 2: 06. + 07.)

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Titel:

CD 1: 

Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Klavies und Orhester Nr.  20 d-moll KV 466 (1975):
01. Allegro – Cadenza (Beethoven) 15.26
02. Romance 9.57
03. Rondo: Allegro Assai 7.43

Ludwig van Beethoven: Kalviersonate Nr. 16 G-dur Op. 31/1 (1968):
04. Allegro Vivace 5.58
05. Adagio Grazioso 7.56
06. Allegretto – Adagio – Presto 5.57

Richard Strauss (1954):
07. Burlesque D-moll O.Op. AV 85 / 17.54

CD 2 (Ausschnitt des Jubiläumskonzerts vom Dezember 1966):

Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 32 C-moll Op.111:
01. Maestoso – Allegro Con Brio Ed Appasionato 9:07
02. Arietta: Adagio Molto Semplice E Cantabile 16:30

Franz Schubert:
03. Impromptu Nr. 4 As-dur D 899 5:46

04. Gulda conferiert 1:17

Claude Debussy:
05. La terrasse des dudiences du clair de lune 4:27

Friedrch Gulda:
06. Shuffle 4:28
07. Neuer Wiener Walzer

08. Erläuterungen von Joachim Kaiser (Mit Musikbeispielen) 16.57

CD2A

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Hüllentext1

Wer im Jahr 2004 bei einem Musiker wie Friedrich Gulda noch immer zwischen E und U Musik unterscheidet … hat eigentlich nicht mehr alle Tassen im Schrank

 

Wolf Biermann – 4 neue Lieder (1968)

FrontCover1Nun – wie angekündigt – jene Wagenbach EP die 1968 parallel zu dem Buch „Mit Marx- und Engelszungen“ erschien.

Es müssen recht abenteuerliche Wege gewesen sein, auf denen Wolf Biermann seine Kontakte in die BRD pflegte und auf denen auch diese Aufnahmen dann beim Wagenbach Verlag landete, hatte er doch seit 1965 ein Auftrittsverbot in der DDR.

Das stelle man sich mal vor:

Wolf Biermann ist der Sohn von Emma und Dagobert Biermann. Sein Vater, ein jüdischer Hamburger Werftarbeiter, der im kommunistischen Widerstand organisiert war, wurde 1943 im KZ Auschwitz ermordet. Er hatte Schiffe der Kriegsmarine sabotiert. Die Luftangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 (Operation Gomorrha) überlebte Wolf Biermann dadurch, dass sich seine Mutter Emma mit ihm durch einen Sprung in den Nordkanal vor den Flammen des brennenden Stadtviertels Hammerbrook rettete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Wolf Biermann den Jungen Pionieren bei und vertrat 1950 die Bundesrepublik Deutschland beim 1. Deutschlandtreffen der Jugend in der DDR. Er besuchte die Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg-Winterhude und war dort Klassenkamerad von Klaus-Michael Kühne.

WolfBiermann1961

Wolf Biermann, Studio IV des Deutschen Fernsehfunks, Berlin-Adlershof am 04.11.1961

1960 lernte Biermann Hanns Eisler kennen, der ihn nach eigener Aussage maßgeblich prägte. Biermann begann, Gedichte und Lieder zu schreiben. 1961 gründete er in Ost-Berlin das Berliner Arbeiter-Theater (b.a.t.). Seine Inszenierung des Stückes Berliner Brautgang, das vom Mauerbau handelt, wurde verboten, und noch vor der Premiere 1963 musste das Theater geschlossen werden. Über Biermann wurde ein befristetes Auftrittsverbot verhängt, das ein halbes Jahr währte. Außerdem weigerte sich die SED 1963 ohne Angabe von Gründen, ihn nach seiner Zeit als SED-Kandidat als Mitglied aufzunehmen.[6] Aus den nach der Wende gefundenen Stasi-Akten Biermanns geht hervor, dass die in der SED Zuständigen die Vorstellung hatten, Biermann müsse regelmäßiger Konsument aufputschender Drogen gewesen sein, und vor diesem Hintergrund eine Parteiaufnahme ablehnten.1953 übersiedelte er als Sechzehnjähriger kurz vor dem 17. Juni in die DDR, lebte in einem Schulinternat in Gadebusch bei Schwerin und begann nach dem Abitur 1955 ein Studium der Politischen Ökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin, das er 1957 abbrach, um bis 1959 als Regieassistent am Berliner Ensemble tätig zu sein. Danach studierte er bis 1963 Philosophie bei Wolfgang Heise und Mathematik an der Humboldt-Universität, bekam aber trotz erfolgreich verteidigter Abschlussarbeit im Fach Philosophie kein Diplom ausgehändigt. Die Urkunde erhielt er erst nachträglich am 7. November 2008, als ihm die Humboldt-Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verlieh.

WolfBiermann1962

Wolf Biermann trat 1962 auf dem Lyrikabend mit politischen Liedern auf. Der Gastgeber des Abends Stephan Hermlin musste danach vor der Parteiführung Stellung beziehen und verlor seinen Posten als Sekretär der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege in der Akademie der Künste.

Seinen ersten Gastspielauftritt in der Bundesrepublik hatte Biermann 1964. Im April 1965 trat er mit seinen Liedern in einem Kabarett-Programm von Wolfgang Neuss in Frankfurt am Main auf, dessen Aufnahme als LP unter dem Titel Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West) erschien. Im selben Jahr veröffentlichte Biermann den Lyrikband Die Drahtharfe im Westberliner Verlag Klaus Wagenbach, im Dezember verhängte das 11. Plenum des ZK der SED ein totales Auftritts- und Publikationsverbot in der DDR gegen ihn. Das Ministerium für Staatssicherheit entwickelte daraufhin einen 20-Punkte-Plan zur „Zersetzung“ seiner Person.

Nachdem Biermann in dem Bemühen, eine Veröffentlichung seiner Lieder auf den DDR-Plattenlabels Amiga nicht auf immer unmöglich zu machen, über Jahre hinweg auf Schallplatten-Veröffentlichungen in der Bundesrepublik verzichtet hatte,[9] erschien 1968 seine erste eigene Langspielplatte Chausseestraße 131. Durch die mit dem Auftritts- und Publikationsverbot einhergehende Unmöglichkeit, ein professionelles Tonstudio zu nutzen, entstanden die Aufnahmen zu Chausseestraße 131 in Biermanns Wohnung mit Hilfe eines aus dem Westen geschmuggelten Grundig-Tonbandgeräts sowie eines Sennheiser-Mikrofons, das durch seine Kugelcharakteristik auch noch die Geräusche der vorbeifahrenden Straßenbahn einfing.[10] Für dieses Album erhielt er 1969 den Fontane-Preis, einen 1948 gestifteten Kulturpreis des Landes Berlin. Bei dessen Verleihung kam es zu einem Eklat, als Biermann den Preis – ebenso wie Peter Schneider, der den Förderungspreis erhalten hatte – öffentlich an die Außerparlamentarische Opposition weitergab. Außerdem überwies er 10.000 DM des Preisgeldes an den Anwalt Horst Mahler, der Rechtsbeistand für in der BRD politisch Verfolgte leistete. (Quelle: wikipedia)

AusbürgerungMan höre Wolf Biermann mit seiner brüchigen und zugleich aufbegehrenden Stimme, man lausche seinen Texten, voller Wut, manchmal aber auch voller Verzweiflung …

WolfBiermann1965

Wolf Biermann und Eva Maria Hagen auf dem Robert-Koch-Platz, Berlin-Mitte. 1965

Besetzung:
Wolf Biermann (vocals, guitar)

BackCoverTitel:
01. Drei Kugeln auf Rudi Dutschke 3.57
02. Ermutigung 2.43
03. Es senkt das deutsche Dunkel …  2.40
04. Noch 5.00

Musik und Texte: Wolf Biermann

LabelB1

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BiermannMerkel

Ja, ja …

Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.

Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
– sitzt du erst hinter Gittern –
doch nicht vor deinem Leid.

Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.

Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.

Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid

Heintje – Weihnachten mit Heintje (1968)

FrontCover1Tja, der geneigten Leserschaft bleibt wirklich auch nichts erspart.

Quasi zum Abschluß meiner weihnachtlichen Orgien in diesem Dezember präsentiere ich nun einen weiteren, kaum zu überbietenden Höhepunkt:

Heintje, der fleischgewordene Gegenentwurf zur Beatjugend der damaligen Zeit zauberte sich mal wieder in die Herzen der deutschen Mütter …

Der Roman schreibt in seinem blog „easylistening.blogspot.de“:

Oma-Weihnacht total: Heintje, alias Hein Simons aus Holland, war auch in Deutschland ein gefeierter Kinderstar, der die Herzen der Großmütter wehmütig werden ließ. Omas Weihnachtsfest wäre ohne Heintje zu der damaligen Zeit kaum denkbar gewesen. Und heute? Heute gibt es schließlich auch noch Omas. Die wird es auch in Zukunft geben. Damit ist diese Scheibe ein echter zeitloser Klassiker des deutschen Schlagers!

Ganz sicher war der Heintje und der Hype, der um ihn gemacht wurde, ein Musterbeispiel für erfolgreiche Vermarktung, an der übrigens auch der allseits beliebte Ronny als Produzent einen erheblichen Anteil hatte.

In einem Spiegel-Interview im Sommer 2015 erinnert sich Heintje Simons an diese Zeiten (liegt der Präsentation bei).

Musikalisch zelebrierte man halt die üblichen Weihnachtsklänge und war mag, kann sich an der glockenklare Stimme des Knabens erfreuen. Mein Exemplar ist übrigens eine Club-Ausgabe vom Deutschen Schallplattenclub … mit eigenem neuem Frontcover.

Heintje

Besetzung:
Heintje (vocals)
+
ein unbekanntes Studiorchester

BackCover1

Titel:
01. O du fröhliche (Falk/Sizilianische Weise) 3.04
02. Süßer die Glocken nie klingen (Kritzinger/Volksweise aus Thüringen) 3.08
03. Es ist ein‘ Ros‘ entsprungen (Praetorius) 2.49
04. Leise rieselt der Schnee (Ebel/Volksweise) 2.34
05. Kommet, ihr Hirten (Volksweise) 2.27
06. O Tannenbaum (Anschütz/Volksweise) 2.21
07. Stille Nacht (Gruber/Mohr) 3.22
08. Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen (Kletke/Volksweise) 2.30
09. Kling, Glöckchen kling (Volksweise) 2.04
10. Morgen, Kinder, wird’s was geben (Volksweise) 1.52
11. Ihr Kinderlein kommet (v. Schmid/Schulz) 2.48
12. Vom Himmel hoch (Luther) 2.59
+
13. Morgen kommt der Weihnachtsmann (v.Fallersleben/Traditional) 1.28

LabelA1

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OriginalFrontCover

Ariola Originalhülle

Uschi Glas – Covergirl + Al Capone (1968)

FrontCover1Tja, die Uschi Glas … eigentlich hat es ja wirklich gut mit ihr angefangen:

Uschi Glas (* 2. März 1944 in Landau an der Isar, eigentlich Helga Ursula Glas) ist eine deutsche Schauspielerin.

Glas wuchs in Landau an der Isar als jüngste von vier Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater Christian arbeitete bei dem Autohersteller Glas, ohne mit dem Firmeninhaber verwandt zu sein. Die Realschule in Landau beendete sie 1960 mit der mittleren Reife. Nach einer Anstellung als Buchhalterin in Dingolfing ließ sich Glas 1964 in München nieder, wo sie als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und später in einem Fuhrunternehmen arbeitete. Zugleich suchte sie den Kontakt zur Filmszene.

Bei einem Empfang zur Premiere des Films Das Liebeskarussell machte sie gegenüber dem Produzenten Horst Wendlandt ein paar kritische Bemerkungen. Dieser zeigte Interesse an ihr und gab ihr 1965 in Der unheimliche Mönch ihre erste kleine Filmrolle. Da sie überzeugte, erhielt sie Schauspielunterricht bei Annemarie Hanschke und durfte schon bald Hauptrollen übernehmen, wie in dem Karl-May-Film Winnetou und das Halbblut Apanatschi. Hier wurde sie allerdings von Marion Hartmann synchronisiert.

UschiGlas2Allgemein bekannt wurde Glas 1968 in ihrer Rolle als Barbara im Spielfilm Zur Sache, Schätzchen, wo sie einen – unvollendeten – Striptease auf einem Polizeirevier hinlegt und in der Filmreihe Die Lümmel von der ersten Bank, die ebenfalls 1968 startete, in der sie die Schwester des Paukerschrecks Pepe Nietnagel spielte. Glas war zunächst Teil der 68er-Generation. Doch bereits Anfang der 1970er-Jahre zeigte sie einen Sinneswandel, als sie sich politisch Franz Josef Strauß und der CSU zuwandte. Noch heute macht sie aus ihrer konservativen Gesinnung kein Geheimnis. (Quelle: wikipedia)

Tja … da kann einem schon die Spucke wegbleiben: erst in einem köstlichen Anarcho-Komödie eine der Hauptrollenübernehmen um dann ein wenig später mit Franz Josef Strauß zu liebäugeln. Das konnte ja nicht gut gehen.

Diese adrette Single hat durchaus seinen Charme … einach mal reinhören … Covergirl ist eine augenzwinkender Parodie auf die damalige Modell-Szenerie und „Al Capone“ ist eine jener köstlichen „Krimi-Songs“ wie sie u.a. auch von Bll Ramsey u.a. anderenin den 60er Jahren populär gemacht wurden.

UschiGlas

Zur Sache Schätzchen: Das „Schätzchen“ Barbara (Uschi Glas) auf dem Polizeirevier

Besetzung:
Uschi Glas (vocals)
+
unbekanntes Studiorchester

BackCoverTitel:
01. Covergirl (Gietz/Relin) 2.24
02. Al Capone (Gietz/Relin) 2.57

LabelB
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Verschiedene Interpreten – Schlager – Hits mit Witz – Vol. 1 (2016)

FrontCover1Jetzt mache ich es mir mal ganz einfach … ich starte mit der Edition „Schlager – Hits mit Witz“:

Jawohl – es gab nicht nur Schlager bei den sich „Herz auf Schmerz“ und „Liebe auf Triebe“ reimte. In dieser 10 CD Box haben wir 200 der witzigsten Schlager zusammengetragen. „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ . „Mein kleiner grüner Kaktus“ – „An der Nordseeküste“ oder auch „Polonäse Blankenese“ – alle diese Titel sind dem gewogenen Hörer deutscher Schlagermusik bestens im Ohr. Alle in dieser Box versammelten Titel sind entweder zum Mitgrölen oder mindestens zum Schmunzeln geeignet. Diese humoristische Schlagerreise führt den Hörer durch zehn Jahrzehnte musikalischer Humorhöhepunkte. 

Von den Comedian Harmonists, Max Kuttner und Willi Rose bis hin zu Klaus & Klaus, Gottlieb Wendehals oder auch Torfrock ist hier fast alles vertreten was Rang und Namen hat oder hatte. (Hüllentext)

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Was macht der Maier am Himalaja? Die humorvolle Antwort auf diese und viele andere Fragen des Lebens findet man in dieser Box mit 200 ganz speziellen Schlagern. Denn hier geht es einmal nicht um Herz und Schmerz, sondern um Lieder mit doppeldeutigen, hintergründigen und witzigen Texten vom Jahr 1920 bis heute.

Schlager waren immer ein Spiegel der jeweiligen Zeit und so spannt sich der musikalische Bogen vom kabarettistischen Trizonesien-Song von 1949 über Peter Igelhoffs Nachtgespenst bis zur unbeschwerten Polonäse Blankenese. Künstler wie Peter Alexander, Evelyn Künnecke, Bill Ramsey, Trude Herr und viele andere sorgen auf einer Reise durch die Jahrzehnte für gute Laune.

SinglePack2

Außerdem bieten die zehn CDs etliche Raritäten zum Schmunzeln wie Curd Jürgens Hühner-Boogie oder einen Twist, in dem Frankreichs Rockstar Johnny Hallyday in schwer verständlichem Deutsch einen Elefanten besingt. (jpc.de)

Mir gefallen natürlich insbesondere (oder fast ausschließlich) all die alten ulkigen Singles aus den 60er Jahren. Wobei die Sammlung nicht so ganz stringent ist, denn was der Dorte Hit „Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“ in dieser Sammlung zu suchen hat, erschließt sic nicht auf den ersten Blick (außer man hält alle Schlager der 60er Jahre für unfreiwillig komisch … )

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Sei´s drum … net nette Sammlung, die nehm ich vielleicht mal zum nächsten Seniorentanz-Cafe mit … vielleicht kann ich dann mit einer rüstigen Senioren ne kesse Sohle auf dem Tanzparkett hinlegen …

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Titel:
01. Klaus & Klaus: An der Nordseeküste (1985) (deReede/Ortel/v.Hill/Büchner) 3.39
02. Bill Ramsey: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett (1962) (Gietz/Bradtke) 3.02
03. Gus Backus: Da sprach der alte Häuptling der Indianer (1960) (Scharfenberger/ Wehle) 2.50
04. Muskelkater: Mich kennt keine Sau (1990) (Bruhn) 3.20
05. Tennessee: Tote Hose im Wilden Westen (1997) (Walendowski/David-Ohlmeier/ Heinrichs/Meifert) 3.08
06. Billy Mo: Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut (1962) (Niessen/Rüger) 2.26
07. Paul Kuhn: Es gibt kein Bier auf Hawaii (1963) (Rolle/Röckelein) 2.54
08. Die Regento Stars: Leila (1959) (Dauber/v.Breda) 2.35
09. Torfrock: Volle Granate Renate (1979) (Büchner/Voß/Rieckmann) 4.02
10. Dorthe: Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben (1968) (Bruhn/Buschor/Förster) 2.39
11. Trude Herr: Ich will keine Schokolade (1960) (Morrow/Blecher) 2.26
12. Vico Torriani: Cafe Oriental (1960) (Alstone/Tabet) 2.18
13. Billy Sanders: Gartenzwerg-Marsch (1962) (Bruhn/Bradtke) 2.56
14. Die Jokies: Unser Stammlokal (1983) (Floppkopp/David-Ohlmeier/Heinrichs/ Waleridowski) 3.14
15. Ralf Bendix: Babysitter Boogie (1961) (Parker/Relin) 2.07
16. Hazy Osterwald Sextett: Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt (1966) (Feltz/Peeters) 3.30
17. Rex Gildo: Speedy Gonzales (1962) (Kaye/Hill/Lee/Charles/Gerard/Gordan) 2.37
18. Chris Howland: Die Mutter ist immer dabei (1960) (Jagert/Schwabach) 2.30
19. Bill Ramsey: Maskenball bei Scotland Yard (1962) (Gietz/Bradtke) 2.35
20. Gottlieb Wendehals: Polonäse Blankenese (Neuaufnahme) (1981) (Böhm-Thorn/Jud) 4.02

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Die Rückseite der 10 CD Box

Die 68er und die Folgen (16): Günter Grass – Zu Studentenbewegung und Prager Frühling (Süddeutscher Rundfunk 1968)

FrontCover1Natürlich habe ich dieses Thema nicht vergessen, wie könnte ich das auch. Aber nach einer gewissen Pause wird es nun höchste Zeit, dieses Thema wieder einmal aufzugreifen. Wir hören eine Sendung des Süddeutschen Rundfunks vom 9. April 1968.

Günter Grass äußert sich dabei zur Lage der Nation, genauer: zur Studentenbewegung.

Der Vortrag wurde im Süddeutschen Rundfunk zwei Tage vor dem Attentat auf Rudi Dutschke ausgestrahlt. Günter Grass geht dabei auch auf die Ereignisse in der Tschechoslowakei ein.

Bemerkenswert: Bevor Grass spricht, verteidigt der Intendant des Süddeutschen Rundfunks, Hans Bausch, höchstpersönlich die Sendung. Und ebenso erlaubt er sich am Ende ein kommentierendes Nachwort.

Hans Bausch

Hans Bausch

Günter Grass äußert hier sehr viel Verständnis für die 68er Bewegung, outet sich dabei aber auch als klarer Reformer und nicht als Revoluzzer.

In seiner Replik bemängelt der Intendant des des Süddeutschen Rundfunks, Hans Bausch u. a. dass Grass die Politiker Lübke wie Kissinger als Ex-Nazi bezeichnet.

Der Vortrag wurde im Süddeutschen Rundfunk zwei Tage vor dem Attentat auf Rudi Dutschke ausgestrahlt.

Prädikat: hörenswert !

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Besetzung:
Hans Bausch (Sprecher)
Günter Grass (Sprecher)

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Titel:
01. Zu Studentenbewegung und Prager Frühling 24.58

Prager Frühling

August 1968: Das Ende des Prager Frühlings

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Mehr 68er Kram:

68er3