Susanne Tremper – 5 Uhr morgens – Ein Mädchentraum (1968)

OriginalFrontCover1Jetzt mal ne Single aus dem Jahr 1968 die so ganz, ganz anders ist, und von daher was ganz besonderes ist:

Susanne Tremper (* Januar 1953 in Berlin) ist eine deutsche Synchronsprecherin, Schauspielerin und Sängerin.

Susanne Tremper kam schon früh zur Arbeit als Synchronsprecherin. So übernahm sie Ende 1966 in der zweiten Synchronisation des 1937 produzierten Films Schneewittchen und die sieben Zwerge die gesanglichen Parts des Schneewittchens. Daraufhin wurde ihre Stimme weiterhin in Disney-Filmen eingesetzt. Dazu zählen Robin Hood, Das Dschungelbuch, Cap und Capper (1981) und die 1970er-Jahre-Synchronisation von Bambi. Ansonsten sprach sie Corie Sims in Die tollkühnen Abenteuer des Marco Polo jun., Glynnis O’Connor in Jeremy und Geneviève Bujold in Königin für tausend Tage.

Tremper absolvierte eine Ausbildung an der Max-Reinhardt-Schule in ihrer Heimatstadt und erhielt danach zahlreiche Engagements an verschiedenen Theatern. Sie stand auf den Bühnen des Theaters in Basel, des Bayerischen Staatsschauspiels München, des Wiener Burgtheaters, des Schillertheaters in Berlin, des Schauspielhauses in Frankfurt und des Theater Bonn. Von 2006 bis 2011 gehörte sie zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. 2003 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Hochschule für darstellende Kunst.

Ihr Fernsehdebüt gab sie 1969 in der ZDF-Vorabendsendung Die Drehscheibe, wo sie das Lied Fünf Uhr morgens sang. Sie spielte in den Serien …und im Keller gärt es (1998) und Die Schönegrubers. In Filmen sah man sie unter anderem in Miss Sara Sampson. Ihre derzeit letzte Filmrolle hatte sie 2002 als Ute in Die Nibelungen. Allerdings waren ihre TV-Auftritte meistens nur kleine Nebenrollen.

Seit ihrer Arbeit in „Schneewittchen“ gibt sie auch Auftritte mit ihrer hohen, klaren Stimme. 1965 und 1966 trat sie auf dem Festival Chanson Folklore International auf der Burg Waldeck auf. Sie nahm 1968 den Song Fünf Uhr morgens auf Schallplatte auf, wo sie den Text jedoch nur spricht und Musik im Hintergrund spielt. 1991 war sie neben Mario Adorf und Ute Lemper auf der CD Weill: Die Dreigroschenoper zu hören.

Von 1974 bis 1980 war Susanne Tremper mit dem Musiker Hannes Wader verheiratet. (Quelle: wikipedia)

SusanneTemper2012

Susanne Tremper, 2012

Hier also diese Single mit der A-Seite „5 Uhr morgens“: Zu einer bedächtige vorgetragenen Musik taucht eben dieser Sprachgesang auf, der eindringlich die seelische Verzweiflung einer jungen Frau schildert, die aufgrund ihres Liebeskummers ernsthaft daran denkt, ihr Leben zu beenden … aber dann doch davor zurückschreckt. Und dann der aufmunternde Zuspruch der Mutter, er lässt das Leben wieder in einem anderem Licht erscheinen.

Man kann das jetzt natürlich als rührseliges Tam-Tam abtun, aber ganz so einfach ist das nicht. Ich hab mir so ein paar Kommentare auf der youtube Seite (wo man das Lied auch hören kann) durchgelesen und mir wurde dabei wieder mal klar, wie tief und wie prägend auch Lieder dieser Art sein können. Hier ein paar Zitate:

„Ich habe das Lied Jahre nach dem es erschienen ist erst gehört.ich habe von meinem Onkel ein Tonbandgerät geschenkt bekommen und da war das Lied am ende von einer Rolle drauf.Leider nicht komplett was mich sehr ärgerte.Ich will hiermit nur dem Menschen danken der dieses Lied reingesetzt hat denn dieses Lied hat mir schon sehr oft geholfen als es mir schlecht ging.Nochmals vielen Dank für dieses Wunderbare Lied. Dankeschön“

„1984 hatte ich mal an den Plattenverlag geschrieben, ob es die Platte noch gibt und bekam eine Absage. Seitdem habe ich diese Postkarte aufbewahrt als Erinnerung, um es doch immer mal wieder zu versuchen. Und jetzt habe ich das Lied wieder gefunden. Es ist verbunden mit sooooooo viel Herzschmerz und auch einer wunderschönen verliebten Zeit…… Danke fürs Einstellen!!!!“

„Es gibt echt wenige Lieder die einen so berühren.Mir kommen jedesmal die tränen die ich fast nie zurückhalten kann.ich Liebe solche Lieder die einen so nachdenken lassen.“

„Ein wirklich einmaliges Lied. Wie kommt man nur auf so einen melancholischen Text? Aber auch für mich war es ein Halt als ich meine erste Liebe verlor.“

„Ich habe dies Singleplatte jetzt heute ersteigern können.Glücklicherweise für 4,20 €. ich kann ihnen sagen, diese Platte werde ich mein ganzes Lebenlang in mein Herz einschließen.“

Diese Single war dann so erfolgreich, dass Hansa die gleich nochmals rausbrachte, mit neuem Cover und neuer Bestellnummer …

Die B-Seite „Ein Mädchentraum“ ist genau das, was der Titel verspricht, wenngleich von ein Traum der etwas naiven Art.

Diesen wirklichen Leckerbissen der deutschen Schlagergeschichte haben wir – na wem wohl ? – mal wieder dem großzügigen Mr. Jancy zu verdanken !

Vorder+Rückseite der Nachpressung

Vorder + Rückseite der Nachpressung

Besetzung:
Susanne Tremper (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

OriginalBackCover1

Titel:
01. 5 Uhr morgens (Zimmermann/Weigel) 4.29
02. Ein Mädchentraum (Zimmermann/Weigel) 1.58

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BackCover(Nachpressung)1

 

Willy Berking – Mit Willy Berking zur Meisterschaft (1968)

FrontCover1Diese Scheibe hat irgendwas rührendes … Wir schreiben das Jahr 1968 … die Jugend hat längst die progressive Rockmusik entdeckt, die Studentenunruhen eskalieren nicht nur bei uns … und ein Hans Last hat sich längst die Krone der Unterhaltungsmusik aufgesetzt und dann kommt ein Altmeister daher und veröffentlicht dieses vordergründig biedere Album „Mit Willy Berking zur Meisterschaft“.

Willy Berking (* 22. Juni 1910 in Düsseldorf; † 21. Mai 1979) war ein deutscher Orchesterleiter, Posaunist und Komponist.

Willy Berking studierte Musik (Klavier, Komposition) in Düsseldorf und anschließend in Berlin, wo er im Alter von 18 Jahren seine erste Big Band gründete. Er hatte sich dem Jazz und besonders dem Swing verschrieben, was jedoch von den Nationalsozialisten abgelehnt wurde. Als Posaunist tourte er mit verschiedenen Tanz- und Unterhaltungsorchestern dieser Zeit, unter anderem bei der „Goldenen Sieben“ und dem Telefunken-Swing-Orchester unter Heinz Wehner (mit dem er 1934 nach Berlin ging). Ab 1934 studierte er Posaune; 1938 leitete er ein Studioorchester für die Imperial-Schallplatte („Berking-Spitzenserie“). Auch nahm er mit Adalbert Lutter, Michael Jary und Hans Rehmstedt auf[2] und war in der Propaganda-Bigband „Charlie and His Orchestra“ aktiv.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er 1946 die Leitung des neugegründeten Tanzorchesters des Hessischen Rundfunks, aus der das Große Tanz- und Unterhaltungsorchester des Hessischen Rundfunks hervorging. Mit diesem Orchester feierte Willy Berking in den 1950er Jahren seine größten Erfolge. Er schrieb Schlager und Instrumental-Titel wie Mixed Pickles oder Trumpet Jump sowie die fünfteilige Suite Brasiliana. Seine Kompositionen wurden von den namhaften Interpreten dieser Zeit gesungen. Für eine Million verkaufter Platten erhielt er 1957 eine Goldene Schallplatte. Zu einer nationalen Berühmtheit wurde Willy Berking durch die Fernseh-Show „EWG“ mit Hans-Joachim Kulenkampff. (Dort wirkte er auch an der köstlichen Beatles-Parodie „She Loves You“ mit; zu sehen hier)

BerkingTanzorchester2
Nach einem Herzinfarkt musste Willy Berking die Leitung des Orchesters 1972 aufgeben, sein Nachfolger wurde aus den Reihen des Orchesters Heinz Schönberger. Berking starb 1979 an einer Krebserkrankung. (Quelle: wikipedia)

Immerhin, diese LP erschien auf den renommierten CBS Label … Und was soll ich sagen: herausgekommen ist eine blitzsaubere, durch und durch großartig altmodische Schallplatte. Nicht im modernen James Last Sound sondern eben im Sound jener Orchester der 20er und 30er Jahre, die bis heute an ihrer Magie nichts verloren haben (so geht´s jedenfalls mir), geschmeidig, schmissig, romantisch, stürmisch … und man kann diese Musik natürlich auch geniessen, wenn man das Tanzbein nicht schwingt … vorsichtshalber habe ich mir allerdings dieses Album angehört, als meine werte Frau Gemahlin aushäusig war, nicht dass sie am Ende noch auf dumme Gedanken kommt ….

BerkingTanzorchester

Willy Berking und sein Tanzorchester

Besetzung:
Willy Berking und sein Tanzorchester

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Titel:
01. Quickfox Medley (3.56):
01.1. Your Are The Cream In My Coffee (DeSylva/Brown/Henderson)
01.2. Somebody Loves Me (Gershwin)
01.3. Bye-Bye-Blues (Hamm/Bennett/Lown/Gray)
02. Slowfox Medley (4.4o):
02.1. Someone To Watch Over Me (Gershwin)
02.2. Memories Of You (Blake/Razaf)
02.3. Love Is A Many Slpendored Thing (Fain)
03. Ecstasy (Tango) (Belmonte) 2.18
04. Tango Maritima (Berking) 1.49
05. English Waltz Medley (4.29):
05.1. Let Me Beloves (Livingstone/Evans)
05.2. Too-Ra-Loo-_Ra-Loo-Ra (Shannon)
05.3. Love In My Reason (Novello)
06. Stars In Your Eyes (Rumba) (Ruiz) 3.17
07. Daniela (Rumba) (Berking) 2.22
08. Cumana (Samba) (Barcley/Allen) 2.10
09. Costa Rica (Samba) (Berking) 1.56
10. Chinchilla Cha-Cha) (Berking) 2.09
11. Fräulein Pardon (Meisel) 2.10
12. El Matador (Paso doble) (Hilger) 2.04
13. Gold und Silber (Walzer) (Léhar) 2.18

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Die German Beatles: Hans Joachim Kulenkampff (vorne) im Quartett mit seinen Kollegen Bully Buhlan (links), Gerhard Wendland und Willi Berking (rechts).

Jack Lester Special Band – Constanze präsentiert – Stereo perfekt (1968)

FrontCover1Normalerweise bin ich ja, was all die Billigproduktionen der60er Jahre anbetrifft, ein geduldiger Mensch. Okay manchmal beklage ich mich über fehlende Informationen (so ist das natürlich auch bei diesem Album).

Aber was sich die Macher diese Album hier erlaubt haben, habe ich noch so nie mitbekommen.

Ich dachte ja erst, ich hör nicht recht, als ich bei „La Cucaracha“ plätzlich „Von den blauen Bergen kommen wir“ und dachte mir noch nichts, als dann aber gleich danach bei „She´ll Be Comin´ Round The Mountain“ das rühselige „Heidschi Bumbeidschi“ entgegenschallte, wurde ich langsam ärgerlich. Und so geht´s dann auch weiter.

Zumindest die beiden letzten Titel sind dann korrekt wiedergegeben. Da wo ich die Titel kannte habe ich in Klammer die richtigen Song-Titel eingefügt … ohne Gewähr !

Man fragt sich da schon, mit welcher Sorgfalt man damals dieses Album zusammengestellt hat … aber vielleicht hatte das ja was der Frauenzeitschrift „Constanze“ zu tun … die stand nämlich Pate für diese LP.

RoteKarte

Und dafür gibt´s die rote Karte !

Und natürlich lies es sich der „Constanze Küchenchef“ nicht nehmen, dieser Platte (die als Attraktion einer Party dazu führen wird, dass sich kein „Gast vorzeitig verabschieden“ wird …) spezielle Partyrezepte wie „Marinierte Heringe“, „Gefüllte Bockwürste“ (könnt´ ich glatt mal ausprobieren), „Käsebrot“ (klingt auch nicht schlecht), „Wurstsalat“ oder „Gefüllte Brötchen“ zu verraten.

Und natürlich ist diesesAlbum auch noch aus einm weiteren Grunde was ganz besonders. Der denn der Titel „Stereo Perfect“ kommt ja nicht von ungefähr:

„Diese Langspielplatte präsentiert Tanzmusik in technischer Vollendung: 24 Musiker, 22 Mikrofone, Acht-Spur-Magnetband, sechs akustisch getrennte Aufnahmekabinen, Vier-Kanal-Stereo-Hallplatten“ … und von daher hört man immer wieder kleinere akustische Gags …

Na dann … hinein ins Vergnügen !

Ach ja, dieser Jack Lester muss ein Trompeter gewesen sein und er hat noch diverse weitere Aufnahmen für Europa Schallplatten eingespielt …

BackCover1

Besetzung:
The Jack Lester Special Band

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Titel:
01. Mexican Hat Dance 2.26
02. La Cucaracha (Von den blauen Bergen kommen wir) 2.13
03. She´ll Be Comin´ Round The Mountain (Heidschi Bumbeidschi) 2.17
04. El Rancho Grande 1.49
05. Heidschi Bumbeidschi (La Bamba) 1.57
06. Espana (Lied der Taiga) 2.23
07. La Bamba (vermutlich La Golondrina) 2.09
08. Little Brown Jug 2.38
09. John Brown´s Body (ganz sicher nicht … aber was dann ?; vielleicht Cielito Lindo ) 2.40
10. Cielito Lindo (Guantanamera) 2.17
11. Guantanamera (hatten wir ja schon eben … vielleicht La Bostella + Lily The Pink) 2.55
12. O Susanna + My Darling Clementine (Volltreffer !) 2.29
13. Bergvagabunden – Hohe Tannen (Noch ein Volltreffer) 2.50

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Verschiedene Interpreten – Gala-Show der Stars (1970)

FrontCover1.JPGUnd wieder einmal eine dieser sog. Benefiz-LP´s der 70er Jahre …

Wir schreiben das Jahr 1970 und bei dieser LP geht es darum, die „Deutsche Sporthilfe“ zu unterstützen. Klar, es ging um die Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 1972 in München … da wurde dieses Ereignis gepusht wie sonst noch was.

Und deshalb schreibt auch der schleimige und „ehrenwerte“ Herr Josef Neckermann ein paar Zeilen. Zur Erinnerung:

Am 15. September 1935 wurden die Nürnberger Rassengesetze erlassen. Jüdische Kaufleute wurden dadurch sowohl persönlich als auch unternehmerisch unter Druck gesetzt und deren Unternehmen auf legale Weise zu Spottpreisen „arisiert“. Neckermann profitierte mehrfach von diesen Zwangsverkäufen:

Josef Neckermann ließ sich von seiner Mutter seinen Erbanteil an der Kohlenhandlung in Höhe von 200.000 Reichsmark (RM) auszahlen. Am 25. Oktober 1935 übernahm er vom jüdischen Unternehmer Siegmund Ruschkewitz (1871–1940)[2] für 100.000 RM (wovon durch Neckermann nur 46.000 RM auf ein Sperrmark-Konto überwiesen wurden)[3] dessen 1898 gegründetes und wenig später in der Würzburger Schönbornstraße[4] befindliches Textilkaufhaus sowie das Niedrigpreisgeschäft Merkur mit insgesamt 130 Angestellten und 60 Außendienstmitarbeitern unter Übernahme der Schulden und Hypotheken. Die Warenhausbranche steckte in diesen Jahren in der Krise und der Kaufpreis lag deutlich unter dem Wert des Unternehmens.

Neckermann war 1933 der Reiterstaffel der SA beigetreten und wurde 1937 mit der Mitgliedsnummer 4.516.510 in die NSDAP aufgenommen. Im Jahr darauf entstand durch Arisierung des Unternehmens von Karl Amson Joel, (dem Großvater des US-amerikanischen Singer-Songwriters Billy Joel und des Dirigenten Alexander Joel) – er hatte sich in Nürnberg und in Berlin ein florierendes Textilherstellungs- und -versandunternehmen aufgebaut – die Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann.

Neckermann drückte den Kaufpreis und richtete beim Bankhaus Hardy & Co. in Berlin ein Treuhandkonto auf – wie sich im späteren Wiedergutmachungsprozess herausstellte – seinen eigenen Namen ein. Neckermann begründete dies damit, dass er das Geld vor dem Zugriff der NSDAP schützen wollte. Der mittlerweile in die Schweiz geflüchtete Joel klagte auf Auszahlung des Geldes, die Klage wurde aber mit der Begründung abgewiesen, er sei „Devisenausländer“.

Neckermann besaß damit das viertgrößte deutsche Textil-Versandhaus (nach Quelle, Witt Weiden und Schöpflin). Mit den Unternehmen Joels übernahm Neckermann auch den Mietvertrag von dessen Villa in der Tannenbergallee im Berliner Westend, die er mit seiner Frau Annemarie Neckermann bezog. (Quelle: wikipedia)

Das nur so am Rande … aber unerwähnt lassen wollte ich diese Fakten nicht.

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Nun gut … wir hören hier ausschließlich „Stars“ aus dem Hause Decca/Telefunken:

Die meisten davon kann man in die Kategorie „abgehalfterte Schlagersternchen“ einordnen … das gilt natürlich nicht für die Knef die hier gleich zweimal vertreten ist. Und auch die Valente war alles andere als ein kurzfristiger Erfolg.

Aber dann treten u.a. auf: Die Peggy March (die fand ich damals Klasse), Manuela (deren Frühwerke Mitte der 60er Jahre hatten wirklich Pfiff) und die France Gall (nun ja … die fand ich als 15jähriger auch nicht schlecht *ggg*).

Der Ronny ist auch vertreten und eine Tanja Berg zelebriert die deutsche Version des Gassenhauers „Na Na Hey Hey Goodbye“ …

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11 der 12 Songs erschienen übrigens auch als Single, nur die „Schiwago Melodie“ in der Fassung von Martin Böttcher gab´s damals nur auf einer LP (zumindest mein jetziger Kenntnisstand) … da damals lauschenden Damen war das sicherlich gleichgültig, denn zum Schmelzen brachte sie diese Melodie auch so.

Gleiches gilt wohl für den ersten Peter Maffay Hit „Du“ … der hier ja neulich schon mal sehr kritisch bewertet wurde. Nicht ganz zu Unrecht … aber ich gestehe freimütig … damals hörte ich mir den Songs heimlich, ganz heimlich an (bevor ich dann wieder „Paranoid“ von Black Sabbath auflegte …) er wecke in mir als eben 15jährigen Knaben furchtbare Sehnsüchte nach der ewigen, allumfassenden Liebe … nun ja … das Leben hat mich natürlich eines anderen gelehrt … aber ich gestehe nicht minder freimütig: selbst heute noch lösen diese Zeilen (und die entsprechende Musik) in mir … sentimental-kitschige Emotionen rühren sich und der sentimentale Hund in mir, beginnt mit dem Schwanz zu wedeln (das soll jetzt allerdings kein obszöne Metapher sein …).

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Schwamm drüber.

Solche Benefiz LP´s haben ja auch immer wieder aus heutiger Sicht ein paar Raritäten zu bieten,so auch hier:

Da ist zum einen ein „Michelangelo“: Der heißt eigentlich Rainer Limpert:

Michelangelo, bürgerlich Rainer Limpert, (* 10. Mai 1946 in Binenwalde, Gühlen-Glienicke) ist ein deutscher Schlagersänger.

Rainer Limpert besuchte das Gymnasium bis zur Obersekunda und absolvierte dann die MichelangeloAusbildung zum Buchhändler. In Frankfurt am Main nahm er Gesangsunterricht und wirkte in der Pop-Band seines Bruders mit.

1969 veröffentlichte er seine erste Single Sie trägt blau, blau, blau und trat mit seinen Begleitmusikern als Michelangelo and his Group damit am 18. Oktober 1969 in Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade auf. Die Singles Sie trägt blau, blau, blau und Wie ein Feuerwerk schafften es in die „Top 20“ der Zeitschrift Musikmarkt. 1971 konnte er seinen Titel Du bist meine Liebe zwei Wochen lang in den niederländischen „Top 40“ platzieren und erreichte dort Platz 22. Am 13. September 1971 trat er im ZDF-Magazin Die Drehscheibe als Sänger auf. Außerhalb der Niederlande erzielte er keine Charterfolge. Ein Tag mit Maria wurde ebenfalls von Michael Holm 1972 veröffentlicht.

Als 1971 Gunter „Yogi“ Lauke auf Anfrage von Albert-Carl Weiland (SR) Sänger für das Gesangsensemble Family Tree suchte, holte er Limpert mit ins Boot. Limpert sang bis zur Auflösung 1975 bei der Formation. (Quelle: wikipedia).

Er bracht es wohl auf insgesamt 8 Singles und hier macht er seine Sache gar nicht mal so schlecht.

Und dann haben wir noch eine gewisse Kirsti (Sparboe) … und stammte aus Norwegen:

Kirsti Sparboe (* 7. Dezember 1946 in Tromsø) ist eine norwegische Schlagersängerin und Schauspielerin.

Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete sie als Sekretärin. Sie trat in einer Tanzkapelle auf, nahm Gesangsunterricht und erhielt mit 17 Jahren ihren ersten Schallplattenvertrag. Bereits mit ihrer ersten Single Ballerina war sie 1964 in Norwegen und Schweden erfolgreich. 1965 nahm sie mit Karusell erstmals für Norwegen am Eurovision Song Contest teil, blieb aber ohne Erfolg wie auch bei ihren Teilnahmen 1967 und 1969.

KirstiEnde der 1960er Jahre kam sie unter dem Namen „Kirsti“ mit ihren von Telefunken produzierten Schlagern auch in die deutsche Hitparade. Ihren größten Erfolg hatte sie in der Bundesrepublik mit dem Titel Ein Student aus Uppsala, womit sie 1969 14 Wochen lang in den deutschen Charts vertreten war. 1970 beteiligte sie sich mit Pierre, der Clochard an der deutschen Vorentscheidung für den Grand Prix, konnte sich jedoch nicht qualifizieren. Mit den Singles Die treuen Husaren, Herzklopfen, Ich hab’ in Essen mein Herz vergessen, Pierre, der Clochard, Mr. Christopher Brown und Napoleon und Josephine konnte sie sich noch in einigen Rundfunk-Hitparaden platzieren. Sie wirkte auch in einigen Filmproduktionen mit. (Quelle: wikipedia)

Die konnte sich übrigens wesentlich länger halten … Bis in die 80er Jahre veröffentlichte LP`s und Singles.

Aber jetzt hinein ins Vergnügen, frei nach dem Motto:

Was so alles geschieht,
in der Carnaby Street,
und ein Carnaby Boy
spielt auf seiner guitar
für die Leute ein Lied
in der Carnaby Street.

Was so alles geschieht,
ja die Girls und die Boys
kommen raus aus dem Haus,
denn sie hören den Beat
in der Carnaby Street.

Allen geht der Beat in die Beine,
und die Melodie geht ins Ohr,
ja und alle denken das eine.
Das gibt es nur in der Carnaby Street.

Was so alles geschieht
in der Carnaby Street,
ja die Girls und die Boys
pfeifen alle das Lied
auf der Carnaby Street.

Was so alles geschieht
in der Carnaby Street,
ja die Girls und die Boys
zahlen gerne den Preis
und sie kaufen den Hit
auf der Carnaby Street.

la la la la …

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Titel:
01. Peggy March: In der Carnaby Street (Mayer/Bradtke) 3.05
02. Michelangelo: Wie ein Feuerwerk (Siegel/Sondock) 2.38
03. Caterina Valente: Tausend rosarote Pfeile (Little Arrows) (Hammond/ Hazelwood/Henning) 2.45
04. Peter Maffay: Du (Orloff/Kunze) 3.28
05. Hildegard Knef: Eins und eins, das macht zwei (Niessen) 2.53
06. Tanja Berg: Na Na Hey Hey Goodbye (de Carlo/Frashmur/Leka/Holm) 3.20
07. Hildegard Knef: Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hammerschmid/Knef) 3.12
08. France Gall: A Banda (de Hollanda/Weyrich/Conta) 2.53
09. Manuela: Wenn du liebst (Heider/Relin) 3.59
10. Martin Böttcher: Schiwago-Melodie (Jarre) 2.12
11. Kirsti: Ein Student aus Uppsala (Mayer/Buschor) 2.17
12. Ronny: Nun leb wohl (Roloff/Hee) 2.55

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Die deutschen Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City:

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Vico Torriani – Wenn wir uns wiederseh´n + Eine Rose (1968)

FrontCover1Ich glaub´, dass der Vico Torriani in den Jahren 1967 – 1970 auf den Höhepunkt seiner Karriere stand. Dazu beigetragen hat natürlich ganz sicher sein Engagement bei der TV-Sendung „Der goldene Schuß“ im ZDF.

Zumindest wurde die Debüt-Sendung im Jahre 1967 mit großer Spannung erwartet und dann auch bewertet:

„Sicher werden Sie in einer Leserbriefflut ersticken, denn welche Sendung wurde schon mit so viel Spannung erwartet! Ich hatte mit Herrn Torriani Lampenfieber. Er wirkte wie ein aufgeregter Schuljunge, der sich bei einem Schulfest produzieren soll. Jedoch gerade das machte ihn und damit die ganze Sendung so sympathisch. Ein Höhepunkt war wohl unbestritten das meisterlich vorgetragene Arabella-Duett von Lisa Della Casa und George London.“ (Heide V. aus Mannheim)

oder:
„Endlich wieder ein Showmaster, der auch Musik für junge Leute in das Programm aufnimmt.“ (Günter B. aus Vilkerath)

(Diese Leserbriefe entstammen aus der TV-Zeitschrift „Hör zu“ und wurden von mir von der website „zuschauerpost.de“ gemopst.)

Ob nun auch diese Single „Musik für junge Leute“ enthält, mag jeder für sich entscheiden. Ich vermute allerdings, dass der gute alte Vico mit dieser Single eher die verträumte reifere Jugend der damaligen Zeit im Auge hatte …

Wie auch immer: diese Single ist eine kleine Reminiszenz an jene Zeit, als TV-Showmaster (si hieß das wohl damals) auch als singende Troubadoure ihre Glück versuchten.

TVAnkündigungDerGoldeneSchuß

„Hör zu“, Nr. 38/1967

Besetzung:
Vico Torrini (vocals)
+
Orchester Johannes Fehring

BackCover1
Titel:
01. Wenn wir uns wiederseh´n (Stolz/Weyrich) 2.36
02. Eine Rose (Rossi/Levant/Schröter) 2.48

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Kai Warner – Go In (1968)

FrontCover1.JPGBei dieser Familie lag die Musik wahrlich im Blut:

Kai Warner (* 27. Oktober 1926 in Bremen; † 9. Juli 1982 in Hamburg), bürgerlicher Name Werner Last, war ein deutscher Orchesterleiter, Produzent, Arrangeur und Komponist.

Warner nahm Klavierunterricht bei Ernst Weelen, theoretischen Unterricht erhielt er durch den Reger- und Humperdinck-Schüler Richard Bulling.

Nach Kriegsende trat Werner Last als Posaunist zusammen mit seinen Brüdern Hans Last (Bassist, später bekannt als James Last) und Robert Last (Schlagzeuger) in Bremer Varietes und amerikanischen Clubs von Bremerhaven und Umgebung auf. Ferner erhielt er Privatunterricht im Akkordeon- und Klavierspiel. Dabei wurden sie von dem Komponisten und Manager Friedrich Meyer entdeckt und für das neu zu gründende Tanzorchester des Senders Bremen engagiert. Bekannt wurden die Brüder Last auch als Mitglieder des Last-Becker Ensembles, das bis 1953 bestand. Als Arrangeur feierte Werner Last seine ersten Erfolge. Nach Auflösung des Bremer Tanzorchesters spielte er noch einige Zeit in einer 12-Mann-Band, später versuchte er sein Glück in den USA. Zuvor heiratete er die 18-jährige Hjördis Harlow, eine Amerikanerin norwegischer Herkunft. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Steven und Werner hervor. Werner Last junior arbeitet ebenfalls als Bandleader; sein „Last Ballroom Orchester“ feiert Erfolge.

Kai Warner.jpgIn den USA musste Werner Last seinen Lebensunterhalt einige Monate mit Gelegenheitsarbeiten verdienen, ehe er in eine New Yorker Musikergewerkschaft (Local 802) aufgenommen wurde. Dadurch erhielt er die Spielerlaubnis als Musiker. Als Posaunist gehörte er verschiedenen renommierten Big Bands an. Nebenbei studierte er beim Schillinger-Professor Rudolf Schramm an der City University of New York Musiktheorie.

1958 kehrte Werner Last nach Deutschland zurück und arrangierte zahlreiche Filmmusiken. 1966 erhielt er einen Polydor-Vertrag als Produzent, er entdeckte und produzierte Renate Kern (LP-Produktionen Lieber mal weinen im Glück, Meine Welt ist schön, daneben zahlreiche Single-Veröffentlichungen mit Kompositionen von Kai Warner, z. B. Freu Dich doch schon auf den nächsten Sommer, 1990, Supermann, An irgendeinem Tag, Come on Let’s Dance, Lass doch den Sonnenschein). Als Kai Warner gründete er sein eigenes Orchester, in dem viele Musiker von James Last mitspielten (u. a. Rick Kiefer, Manfred Moch, Ole Holmquist sowie Warners Bruder Robert Last, der schon bei der Erstbesetzung von James Last am Schlagzeug saß). 1975 wechselte Kai Warner von Polydor zum Philips-Label, u. a. um sich von der Konkurrenz seines Bruders, der ebenfalls bei der Polydor veröffentlichte, abzuwenden.

Kai Warner2

Bereits die erste Philips-Produktion (On the Road to Philadelphia) unter dem gemeinsamen Dach der Deutschen Grammophon Gesellschaft hob durch den dominanten amerikanisch geprägten Disco-Sound von früheren Polydor-Veröffentlichungen ab, welche eher im Schlagerstil gewesen waren.

Nach seiner ersten eigenen LP, Pops for Minis, wurde er vor allem mit der Go in-Serie, die ab 1975 bei Philips unter dem Namen Go in Party fortgesetzt wurde, verbunden. Ab Ende der 1970er Jahre bis zu seinem frühen Tod nahm Warner auch LPs mit reiner Standardtanzmusik auf (Kai Warner bittet zum Tanz). Eine seiner letzten Aufnahmen war eine Hommage an die Swing-Ära (Swingtime Forever).

Er spielte auch etliche Aufnahmen mit seinen Kai Warner Singers ein, die aus einem gemischten Chor von sechs Frauen und sechs Männern bestanden und oft nur von einer Rhythmusgruppe begleitet wurden. Ende der 1960er Jahre arbeitete Warner auch für zwei seltene LP-Produktionen mit dem Mundharmonika-Virtuosen Tommy Reilly zusammen (Melody Fair, Latin Harmonica). (Quelle: wikipedia)

Damals noch bei Polydor (fast so, als könnten sie ihren Hals mit James Last nicht voll genug kriegen) … hier sein Debüt der „Go in“ Serie …

Nun … ziemlich seichtes Zeug … und den Unterschied zu seinem „großem“ Bruder hört man schon … und was die mit dem Begriff „go in“ gemacht haben, spottet jeder Beschreibung:

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Wer auch immer diese Zeilen formuliert hat, ihm gebühren zuerst 10 Stockhiebe, dann geht´s weiter mit teeren, federnd und vierteilen  … denn viel trivialer geht´s nicht mehr …

Besetzung:
Kai Warner Orchestra & Choir

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Titel:

01. Potpourri 01 (3.43):
01.1. Harlekin (Blum) 1.23
01.2. Der Mond vom Fudschijama (Gordoni/Loose) 1.05
01.3. Mama (Bixio/Cherubini) 1:11

02. Potpourri 02 (3.10):
02.1. Flower-Power-Kleid (Bruhn/Buschor) 0.53
02.2. Arrivederci Hans (Myer/Buschor) 1.09
02.3. Lieber mal weinen im Glück (Hennning/Chrislin) 1.30

03. Potpourri 03 (3.29):
03.1. Du bist da (Arland/Lilibert/Twardy) 1.24
03.2. Bleib bei mir (Lilibert/Twardy) 0.39
03.3. La Gondrina (Traditional) 1.23

04. Potpourri 04 (3.47):
04.1. Sommernacht (W.Last/Loose) 1.00
04.2. Wenn du mal einsam bist (Reed/Mason/Lilibert) 1.25
04.3. Gold aus der Strasse (J.Last/Loose) 1.13

05. Potpourri 05 (3.07):
05.1. What A Wonderful World (Weiss/Douglas) 1.41
05.2. Traurigsein lohnt sich nicht (W.Last/Loose) 1.23

06. Potpourri 06 (3.09):
06.1. Lieber Maler, male mir (Blum/Raschek) 1.15
06.2. 99,9 Prozent (Bruhn/Loose) 1.05
06.3. Wärst du doch in Düsseldorf geblieben (Bruhn/Buschor) 0.49

07. Potpourri 07 (3.56):
07.1. Don Diri Don (Ondracek/Schneider) 0.55
07.2. La-La-La (Arcusa/Calva) 1.24
07.3. Quando M’Innamoro (Livaghi/Paca/Panzari) 1.30

08. Potpourri 08 (3.05):
08.1.. Delilah (Reed/Mason) 1.09
08.2. Congratulation (Martin/Coulter) 0.50
08.3. A Banda (de Hollanda) 1.05

09. Potpourri 09 (3.28):
09.1. If I Only Had Time (Fugain/Delanoe/Fishman) 1.20
09.2. Meine Welt ist schön (W.Last/Loose) 1.59
09.3. Cuando Sali De Cuba (Aguile) 1,31

10. Potpourri 10 (3.29):
10.1. Love Is Blue (Popp/Blackburn) 1.30
10.2. Young Girl (Fuller) 1.55

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Verschiedene Interpreten – Schwabing Affairs (2004)

FrontCover1.jpgDieser Beitrag soll und wird vermutlich auch für Heiterkeit sorgen … lenkt er doch den Blickauf das Schwabing der 60er Jahre … Schwabing war damals ein ganz schön angesagter Stadtteil von München:

Schwabing ist ein Stadtteil im Norden Münchens, der als Bohème-Viertel der Prinzregentenzeit zu literarischer Berühmtheit gelangt ist und auch heute zu den Szenevierteln der bayerischen Landeshauptstadt zählt. Seit der Neugliederung des Stadtgebiets im Jahr 1992 umfasst Schwabing den Stadtbezirk 4 (Schwabing-West) und Teile des Bezirks 12 (Schwabing-Freimann). Schwabing ist mit etwa 100.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil Münchens.

Auch die Revolutionäre der 1919 niedergeschlagenen bayerischen Räterepublik, etwa Erich Mühsam und Edgar Jaffé sowie der später als Romanautor B. Traven in Mexiko bekannt gewordene Ret Marut wohnten in Schwabing. Traven/Marut lebte in der Clemensstraße und gab dort die anarchistische Zeitschrift Der Ziegelbrenner heraus[6]. Manche sagen, es seien all die Künstler gewesen, die die ganze Revolution im Café Stefanie ausgeheckt hätten. Wladimir Iljitsch Uljanow, der sich erstmals in Schwabing literarisch Lenin nannte, tauchte als bürgerlicher Herr Meier hier mit seiner Frau Nadeschda Krupskaja für einige Zeit unter. Mit ihr und einigen Getreuen gründete er die Zeitschrift Iskra. In Schwabing lebte auch der spätere DDR-Kulturminister Johannes R. Becher. Ebenso versuchte sich Adolf Hitler hier als Kunstmaler, allerdings erfolglos. Er nahm als Trauergast am Begräbnis des ermordeten Ministerpräsidenten Kurt Eisner teil und putschte 1923, zunächst erfolglos, als Revolutionär (Marsch auf die Feldherrnhalle). Später errichtete er unweit Schwabings in der Nähe des Königsplatzes die Parteizentrale der NSDAP, heute ein umfassendes Dokumentationszentrum.

Altes Schwabing

Die Schwabinger Bohème-Szene fand jedoch schon mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein abruptes Ende. Ein berühmter Ort blieb der Stadtteil trotzdem – mit zahlreichen Ereignissen: beispielsweise gab 1929 in der Tonhalle an der Türkenstraße der 13-jährige Yehudi Menuhin in kurzen Hosen sein allererstes Konzert und spielte die bis dahin nie gehörte C-Dur-Solosonate für Violine von Johann Sebastian Bach. In den 1920er Jahren war Schwabing Schauplatz politischer Auseinandersetzungen zwischen kommunistischen und nationalsozialistischen Gruppierungen. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden etliche Schwabinger jüdischen Glaubens oder aufgrund ihrer politischen, sexuellen oder religiösen Identitäten verfolgt, inhaftiert, enteignet, in das Exil gezwungen, deportiert und ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1951, erschien der Gedichtband In der Traumstadt von Peter Paul Althaus, der München-Schwabing in einer neuen poetischen Aura sah. Der inzwischen renommierte Schwabinger Kunstpreis wurde begründet. Die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ im Herzen Altschwabings, mit ihrem bekanntesten Mitglied Dieter Hildebrandt, gehörte zu den zwei/drei berühmtesten Kabaretts der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Und das literarische Erstlingswerk des Schriftstellers und Kabarettisten Gerhard Polt, das Hörspiel Als wenn man ein Dachs wär in seinem Bau (1977), ist im Quartier Latin um die Universität entstanden.

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Die Lach- und Schieß-Gesellschaft in der Ursulastr. 9 (München/Schwabing)

Die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Nostalgiewelle, die das alte Schwabing zu verklären und zugleich kommerziell auszubeuten versuchte, machte Schwabing vor allem zum Mode-Viertel für die Schickeria, was die Miet- und Gastronomiepreise in horrende Höhen trieb. In den 1960er Jahren lebte und arbeitete die Münchner Künstlergruppe SPUR hier, und unter der studentischen Jugend kam es zu den so genannten „Schwabinger Krawallen“ auf der Leopoldstraße, der Hauptachse Schwabings. Sie waren ein erster Auftakt zur europaweiten Jugendrevolte der 1960er Jahre, die sich gegen die herrschenden Politstrukturen und wirtschaftswunderliches Geldgeprotze richtete: Ereignisse, die treu dem alten Geist notwendig in Schwabing stattfinden mussten. In zahlreichen Filmen wie Zur Sache, Schätzchen, Engelchen oder Die Jungfrau von Bamberg und Der Bettenstudent oder: Was mach’ ich mit den Mädchen? wurde in dieser Hinsicht das Schwabing-Image gepflegt.

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Fidele Parties im Blow-Up Club, 1968

Zum Schwabinger Geist passte auch die Eröffnung des ersten Frauenbuchladens Westdeutschlands, Lillemors Frauenbuchladen, im Jahr 1975 in der Arcisstraße (eigentlich Maxvorstadt), heute Barer Straße, sowie die Gründung der ersten Autorenbuchhandlung Westdeutschlands im Jahr 1973 in der Wilhelmstraße. (Quelle: wikipedia)

Schwabing war also schon lange vor den 60er Jahren so eine Art Künstler- und Intellektuellen Viertel …

Der Münchner Stadtteil Schwabing steht seit geraumer Zeit bei der gut verdienenden Schickeria der bayerischen Landeshauptstadt hoch im Kurs. Hier ist alles trendy und in oder zumindest exklusiv, was sich dann am Preis ablesen lässt. Doch der Münchner Stadtteil hat auch schon andere Tage gesehen. Damals in den 60er Jahren entwickelte sich Schwabing zu einem Biotop für Beatniks und andere Randgestalten der Gesellschaft.

Die brachten frischen Wind in die althergebrachten Vorstellungen über Sex, Drogen und Musik und provozierten die Spießbürger nach allen Regeln der Kunst. Die Schwabinger Krawalle waren 1962 ein erstes Vorspiel auf alles Kommende. 1968, Studentenrevolte, sexuelle Freizügigkeit, Vietnamkrieg. Das waren die Schlagwörter, die man mit Schwabing in Verbindung brachte. Für das aufkeimende Genre des erotischen Films wurde Schwabing eine fruchtbare Umgebung.

DavidGilmour Blow Up 1968

David Gilmour (Pink Floyd) im Blow-Up, 1968

Der neue Soundtrack aus dem Hause Diggler nimmt sich jenen filmischen „Schwabing Affairs“, die so illustre und zugleich poetische Titel wie „Bengelchen liebt kreuz und quer“ oder „Engelchen macht weiter Hoppe, Hoppe Reiter“ tragen, an. Einen Vorgeschack auf „Schwabing Affairs“ servierten die Herren von Diggler Records bereits vor drei Jahren mit den „St. Pauli Affairs“, einem musikalischen Streifzug über den Kizz.

Neben leicht groovenden Rhythmen südamerikanischer Herkunft wie „Let’s Beat It“ von Johnny Harris oder Martin Böttchers „Bengelchen Bossa Nova“ stehen Beat-Stücke ganz hoch im Kurs bei den Schwabinger Hippstern. Vor allem die Songs von Improved Sounds Ltd. und David Llywelyn verraten deutlich die anglo-amerikanischen Vorbilder. Altstar Peter Thomas entführt uns mit seinem Orchester und Titeln wie „Melodie für eine Teekanne“ in bizarre Lounge-Welten.

Abgerundet wird der schlüpfrige Ausflug unter die Bettdecken der Schwabinger Schlafzimmer durch das gewohnt laszive Artwork aus dem Hause Diggler. Die 60er und 70er Jahre der „Schwabing Affairs“ werden, passend zum musikalischen Inhalt, in stylischer Soft-Porno-Manier in Szene gesetzt.  (Daniel Straub)

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Bei diesem Album fällt natürlich auf, dass die Gruppe Improved Sound Ltd. damals ziemlich erfolgreich als Filmmusik-Künstler tätig waren. Deren Biographie ist gut dokumentiert.

Aber dann gab´s auch noch den eher unbekannten David Llywelyn:

Dafydd Llywelyn (* 10. Januar 1939 in Südwales; † 25. März 2013 in München[1]) war ein walisischer Komponist, Pianist, Dirigent und Pädagoge.

Seinen ersten Klavierunterricht erhielt der in Südwales geborene Musiker von seinem Vater, später in einem klösterlichen Internat in Mittelengland von Priestern. Zu seinen weiteren Lehrern zählen der britische Pianist Tom Bromley, Johann Trygvasson (Schwiegervater von Vladimir Ashkenazy) und Peter Feuchtwanger (Neffe des Schriftstellers Lion Feuchtwanger). Ein wichtiger musikalischer Einfluss ergab sich für ihn durch die Begegnung und spätere enge Freundschaft mit dem Pianisten Shura Cherkassky, der ihm die Tradition des polyphonen Klavierspiels der alten Meister näher brachte. Später erhielt er wichtige Impulse von Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Kirill Kondraschin. Er studierte in Birmingham und London Musik, Medizin, Kriminologie und Theologie, um anschließend nach Köln zu ziehen. Ab 1971 lebte er in München, ab 1984 bis zu seinem Tod mit seiner Lebensgefährtin Hedy Schmitt.

Als er drei Jahre alt war, starb seine Mutter an Leukämie, daraufhin begann er nach eigenen Aussagen das Komponieren. Die tiefe Religiosität seiner Werke, die er bereits in jüngsten Jahren meditativ beseelt verfasste, sowie die Tragik vieler Stücke fußen

The Joint

The Joint

größtenteils auf dem frühen Verlust der Mutter. Sein erstes großes Musikstück Dies Irae komponierte er im Alter von zwölf Jahren. 1966 war er an der deutschen Uraufführung von Erik Saties Vexations beteiligt. Ende der 1960er Jahre nahm er mit der Band The Lonely Ones (später The Joint) Filmmusik auf und unterrichtete deren Keyboarder Rick Davies, der kurz danach die Band Supertramp mitbegründete.

Llywelyns Werkverzeichnis umfasst sowohl Kompositionen für Soloinstrumente, als auch Filmmusik, Rock und Jazz. Als Pianist und Dirigent konzertierte er in Europa, den USA und Kanada. Als Lehrer förderte er seit seinem Umzug nach München im Jahre 1971 den musikalischen Nachwuchs als Klavierpädagoge. Die Pianistin Roberta Pili gilt als seine direkte musikalisch-pianistische Nachfolgerin, da sie die alte Tradition des polyphonen Spiels im Sinne ihres Lehrers an die junge Pianistengeneration mit Begeisterung weiter vermittelt. 1993/94 übernahm Llywelyn eine Gastprofessur für Komposition, Klavier und musikalische Analyse an der Universität Belgrad.

Dafydd-Llywelyn

Dafydd Llywelyn

Llywelyn ist bekannt für seine zeitlosen, hyperpolyphonen Piano-Kompositionen. Diese werden von führenden Pianisten, u. a. Boris Beresowski, Nathan Carterette, Biret und Severin von Eckardstein, auf der ganzen Welt gespielt. (Quelle: wikipedia)

Musikalisch hören wir eine krude Mischung aus „Popcorn-Kino-Musik“ jener Zeit … „progressiv“ angehaucht (Swinging London is calling…), ohne aber wirklich echten Tiefgang zu erreichen. Hauptsache man klang modern für die damalige Zeit … und man sieht die Beat Clubs Go-Go-Girls dazu tanzen.

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Schwabing, dem Ortsteil Münchens, der in den 60er- und 70er-Jahren aufgrund der kulturellen Vielfalt abseits des sonst eher konservativen Münchens (natürlich — man ist ja in Bayern) bei den Hipstern schwer angesagt war und noch heute vom damaligen Ruhm zehrt. Den dazu passenden Soundtrack Schwabing Affairs liefert dieses Album, welches erneut die Archive nach Soundtracks aus der Halbwelt durchwühlt hat, um den zumindest musikalischen Flair Schwabings wiederzubeleben.

Dabei herausgekommen ist ein wunderbares Zeitdokument, welches unabhängig von seiner eigentlichen Bestimmung (Untermalung für halbseidene Filmchen) funktioniert und dabei zu gefallen weiß. Die Ausfallquote ist objektiv gesehen gering, vorausgesetzt man stört sich nicht an den vielen Vokaleinlagen (die im Easy Listening eher handelsunüblich sind).

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Lediglich der Einsteiger bietet gleich zu Beginn den größten Dämpfer — das dümmliche „Hoppe Hoppe Reiter“ (bitte keine Fragen zum zugehörigen Film) gefällt zwar durch klassischen Sixties-Beat, ruiniert sich aber durch schreckliche Kinderreim-Samples von selbst, was dem postiven Gesamteindruck zum Glück wenig schadet. (Daniel Hofmann)

In den 60er Jahren war Schwabing für mich noch ein böhmisches Dorf, aber so ab 1972 zogen wir regelmässig am Freitag und Samstag zum die Häuser … und Schwabing war da unverzichtbar … hach … der PN-Club, das Haus der 111 Biere, der Atzinger …

Und weil ich immer wieder mal spendabel bin, gibt´s noch zwei weitere Songs aus dieser Epoche … und da darf dann auch mal der Ralf Zacher ran (beide Lieder stammen aus dem Film „Griller“)

Und wer weiß das schon, vielleicht taucht ja irgendwann mal der eine oder andere Film hier auf….

Booklet1+2

Titel:
01. Improved Sound Ltd.: Hoppe, Hoppe Reiter (A.Linstädt/B.Linstädt) 2.04
02. Johnny Harris: Let’s Beat It (Harris) 2.16
03. Peter Thomas Sound Orchestra: Papierblumenmörder (Thomas) 3.56
04. Improved Sound Ltd.: Sao Paolo Most Exclusive (A.Linstädt/B.Linstädt) 1.39
05. Johnny Harris: Go Go Shake (Harris) 1.28
06. David Llywelyn: Land Of 1000 Dances (Kenner/Domino) 3.10
07. Improved Sound Ltd.: Old Captain Cook (A.Linstädt/B.Linstädt) 2.17
08. Martin Böttcher: Bengelchen Bossa Nova (Böttcher) 2.46
09. Johnny Harris: Majorie (Harris) 1.35
10. Ramon Bouché: Jet Generation (Llywelyn) 1.44
11. Improved Sound Ltd.: Leave This Lesbian World (A.Linstädt/B.Linstädt) 3.02
12. The Joint: Dinosaur Dreams (Llywelyn) 3.01
13. The Joint: Rat Race (Llywelyn) 3.44
14. David Llywelyn: Mädchen, Mädchen (Llywelyn) 2.14
15. David Llywelyn: Reach Out (I’ll Be There) (Holland/Holland/Dozier) 3.20
16. Peter Thomas Sound Orchestra: Melodie für eine Teekanne (Thomas) 2.33
17. Franziska Oehme: Kuckucksjahre (Llywelyn) 3.58
+
18. Ralf Zacher – Franziska Oehme – Angelika Bender: Sonnenblume (Llywelyn) 2.07
19. Franziska Oehme: Allein (Moorse/Llewellyn) 2.07

CD1

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Singles