Lorin Maazel & Die Wiener Philharmoniker – Neujahrskonzert aus Wien (1980)

FrontCover1.jpgWenn nicht heute, wann dann …

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist das bekannteste Neujahrskonzert der Welt und ist vor allem den Werken der Strauss-Dynastie (Johann Strauss Vater, Johann Strauss Sohn, Eduard Strauß und Josef Strauss) gewidmet. Es wird alljährlich via Fernsehen in 92 Länder übertragen und von mehr als 50 Millionen Zusehern live mitverfolgt.

Das Konzert fand zum ersten Mal am 31. Dezember 1939 statt. Zeitungsankündigungen zufolge war es ein von den Wiener Philharmonikern dem von Adolf Hitler am 10. Oktober 1939 eröffneten Kriegswinterhilfswerk (Kriegs-WHW) zur Gänze gewidmetes „Außerordentliches Konzert“, zu dem am 30. Dezember eine öffentliche Generalprobe veranstaltet wurde. Das Konzert fand (und findet bis heute) im Großen Musikvereinssaal in Wien, der etwa 2000 Personen fasst, statt; das erste Konzert stand unter der Leitung von Clemens Krauss.

Seit dem zweiten Konzert am 1. Jänner 1941 findet es am Neujahrstag statt. 1941 spielten die Wiener Philharmoniker laut Zeitungsankündigung in ihrer zweiten Akademie, die nun schon zur Tradition geworden ist, zum ersten Mal zugunsten der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“.

Die Abhaltung dieser Konzerte in der nationalsozialistischen Ära hängt unter anderem mit der NS-Vereinnahmung des nicht ausschließlich von „arischen“ Vorfahren abstammenden Walzerkönigs Johann Strauss zusammen.

Das Silvesterkonzert der Wiener Philharmoniker am 31.12.1953 mit Dirigent Clemens Krauss

Das Sylvesterkonzert der Wiener Philharmoniker am 31.12.1953 mit Dirigent Clemens Krauss

Seit 31. Dezember 1952 wird das Programm des Neujahrskonzerts am Silvesterabend als Silvesterkonzert voraufgeführt. Am 30. Dezember 1962 wurde erstmals eine zweite Voraufführung angesetzt; diese war bis 1997 jeweils eine geschlossene Veranstaltung für Angehörige des österreichischen Bundesheeres, seit 1998 wird ein Teil der Karten verkauft.

Der Blumenschmuck für das Neujahrskonzert war von 1980 bis 2013 traditionell ein Geschenk der italienischen Stadt Sanremo. 2014 wurden die Blumen erstmals von den Wiener Philharmonikern zur Verfügung gestellt. Der Konzertsaal wird von den Floristen jedes Jahr mit rund 30.000 Blumen dekoriert, 2015 erstmals in Kooperation mit den Wiener Stadtgärten.

2008 wurde erstmals live im Goldenen Saal getanzt, ebenso wieder 2011, wo 15-jährige Eleven (Mädchen und Burschen) der Ballettschule der Wiener Staatsoper auftraten. 2014 haben Kathrin Menzinger und Vadim Garbuzov nach ihrer eigenen Choreographie live im Saal zum Walzer An der schönen blauen Donau getanzt.

Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläum des Konzertes wurde die Edition Neujahrskonzert: Die gesamten Werke veröffentlicht, eine aus 23 Compact Discs bestehende Sammlung aller 319 Werke welche seit 1941 bei der Veranstaltung gespielt wurden auf.

WienerMusikhaus

Während den Rahmen des Musikprogramms immer Werke der Strauss-Dynastie (Johann Vater & Sohn, Josef und Eduard) bilden, werden auch regelmäßig Werke anderer Komponisten, wie Joseph Lanner oder Josef Hellmesberger junior, ins Programm genommen. Zusätzlich finden sich auch Werke musikalischer Jahresregenten im Programm des Neujahrskonzertes.

Der Ablauf folgt einem traditionellen Ritual. Nach den beiden Hauptteilen folgen Zugaben. Die zweite Zugabe (traditionell der Konzertwalzer An der schönen blauen Donau, Johann Strauss Sohn, op. 314, 1867) unterbricht das Publikum während der Einleitungstakte mit Beifall. Nun wünscht das Orchester dem (weltweiten) Publikum vereint Prosit Neujahr. (An dieser Stelle konnten am 1. Jänner 2007 Bulgarien und Rumänien als Teil der Europäischen Gemeinschaft von Zubin Mehta begrüßt werden.)

Als abschließende dritte Zugabe wird traditionell der Radetzky-Marsch (Johann Strauss Vater, op. 228, 1848, arr. Leopold Weninger) gespielt. 2005 wurde der Radetzky-Marsch in Gedenken an die Opfer des Erdbebens vom 26. Dezember 2004 in Asien nicht gespielt. Beim Radetzky-Marsch klatscht das Publikum traditionell im Takt nach Dirigat mit. 2014 verzichtete Daniel Barenboim darauf, den vom Orchester gespielten Marsch zu dirigieren, und schüttelte stattdessen jedem Musiker die Hand.

Seit 1959 wird das Konzert vom ORF, der staatlichen österreichischen Rundfunkanstalt, nicht nur im Radio, sondern auch live im Fernsehen übertragen. Seit 1969 wird die Fernsehsendung in Farbe ausgestrahlt. Dank Eurovision wird heute in über neunzig Länder übertragen.(Quelle: wikipedia)

Die Anfänge dieses Traditionskonzertes waren also alles andere als rühmlich, dienten sie doch wohl vorrangig der Nazi-Propaganda.

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Lorin Maazel

Und hier mal eine Aufnahme aus dem Jahr 1980 mit dem damaligen Stardirigenten Lorin Maazel:

Lorin Varencove Maazel (* 6. März 1930 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich; † 13. Juli 2014 in Castleton, Rappahannock County, Virginia) war ein US-amerikanischer Dirigent, Violinist und Komponist.

Neben den üblichen Klassikern dieses Konzertes für die oberen Zehntausend überraschte er mit „Oprheus in der Unterwelt“ (von Jacques Offenbach) … und hier hören wir dann natürlich auch den legendären „Can-Can“, der mich bis heute aus dem Sitz reißt.

Ansonsten eben alles wie gehabt … beim „Radetzky-Marsch“ darf dann mitgeklatscht werden … sicher auch heute, wenn ein gewisser Andris Nelsons erstmalig am Pult steht.

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Besetzung:
Die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Lorin Maazel

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Titel:

Johann Strauss (1825 – 1899):
01. Ouvertüre Op. 362 – aus: Die Fledermaus 8.26
02. Neue Pizzikato-Polka Op. 449 – aus: Fürstin Ninetta 3.21
03. Perpetuum Mobile Op. 257 – Musikalischer Scherz 2.53
04. Wiener Blut Op. 378 8.35
05. Banditen-Galopp Op. 378 – Polka Schnell 2.29
06. Csárdás Für Orchester – aus: Die Fledermaus 1.59

Josef Strauss (1827 – 1870) + Jacques Offenbach (1819 – 1880):
07. Eingesendet“ Op. 240 – Polka schnell + Ouvertüre – Aus: Orpheus in der Unterwelt 9.53

Johann Strauss (1825 – 1899):
08. Kaiser Franz Joseph I. – Rettungs-Jubel-Marsch Op. 126 3.30
09. Fata Morgana Op. 330 – Polka Mazur 3.48

Carl Michael Ziehrer (1843 – 1922):
10. Loslassen! Op. 386 – Polka Schnell 2.10

Johann Strauss (1825 – 1899):
11. An Der Schönen Blauen Donau Op. 314 9.39

Johann Strauss (Vater; 1804 – 1849):
12. Radetzky-Marsch 3.16

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AlternativesFC+BC

Alternatives Front+Back Cover

Mariss Jansons, Wiener Philharmoniker – Neujahrskonzert (2016)

FrontCover1.jpgJahr für Jahr gibt es am 1. Januar das Neijahrskonzert der Wiener Philharmoniker und und die namhaftesten Dirigenten der Welt gaben sich in den letzten Jahrzehnten die Klinke in die Hand, um bei diesem Spektakel zu dirigieren. Und heute, am 01.01.2018 wird Christian Thielemann, Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle stehen.

Über die Geschichte dieses Traditionskonzertes finden man hier weitere Informationen.

Und am 01.01.2016 war es eben der Mariss Jansons, der am Pult stand:

Mariss Jansons (* 14. Januar 1943 in Riga) ist ein lettischer, international tätiger Dirigent.

Das Neujahrskonzert 2016 wurde von der Presse als eines der besten aller Zeiten gefeiert. Dirigent Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker hatten sich akribisch vorbereitet und aus über 500 Kompositionen die besten für einen glanzvollen und mitreißenden Jahresauftakt ausgesucht. Das Programm war äußerst abwechslungsreich, von der Polka francaise „Violetta“ über Eduard Strauß Polka „Außer Rand und Band“, der Ballszene von Josef Hellmesberger senior, zahlreichen der schönsten Strauß-Walzer bis hin zum berühmten „Radeztky-Marsch“ und „An der schönen blauen Donau“. Zahlreiche Werke waren noch nie bei einem der Neujahrskonzerte zu hören gewesen. Dirigent Jansons blies zum „Vergnügungszug“ von Johann Strauß Sohn das Signalhorn im Stil eines Bahnwärter und dirigierte die „Extra-Post“ von Eduard Strauß mit einem alten Taktstock, der einst Johann Strauß gehörte und der seit einiger Zeit in seinem Besitz ist. Auch die Wiener Sängerknaben waren bei der „Sängerlust“ Polka von Johann Strauß und Josef Strauß‘ Polka „Auf Ferienreisen“ mit von der Partie und trugen zu diesem herausragenden, in über 90 Länder weltweit im TV übertragenen Konzert bei.
„Jansons fusionierte Spaß und Tiefsinn … er zeigte mit den glänzenden Philharmonikern, was es heißt, Balance zu halten – zwischen dem Wunsch, jede Beiläufigkeit auszuschalten, jede Note mit Prägnanz zu erwecken und dennoch nichts zu überfrachten, zu beschweren, es stattdessen einfach fließen und abheben zu lassen … Hier verschmolzen Tiefe, Leichtigkeit, Strukturbewusstsein und Legatokunst zu einem so glutvollen wie grazilen Kosmos der Poesie“ ((Der Standard).

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„Eine Sternstunde – Ja, es gab schon viele fabelhafte Neujahrskonzerte in der 75-jährigen Geschichte dieses musikalischen Klassikers. Aber dieses war fabelhafter. Vielleicht sogar am fabelhaftesten. Was sich am Neujahrstag … im Wiener Musikverein ereignete, war eine Sternstunde. Auch das nicht im abgegriffenen, allzu oft verwendeten Sinn, sondern als Synonym für überirdisch Schönes. Bei Mariss Jansons, dem wichtigsten Dirigenten unserer Zeit, freuen sich die Dialektiker: Er bietet die Synthese aus straffen Zügeln und lockerer Leine, aus tiefgründiger Forschung und Glanz, aus Kopf und Bauch … All das in genauer Kenntnis der Materie, nach ewig langer Beschäftigung mit den einzelnen Werken. Das Ergebnis ist verblüffend schön und zugleich höchst intellektuell. Und die Damen und Herren Musiker scheinen ihm bei jeder Geste, bei jeder Bewegung leidenschaftlich zu folgen.“ (Der Kurier)

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„Mariss Jansons‘ (drittes) Neujahrs-Gastspiel am Pult der Wiener Philharmoniker war von erlesener Qualität. Da modelliert […] jemand in feinsten Abstufungen. Jansons‘ Meriten lagen zu dieser Jahreswende im Lyrischen. So zupackend er die blendend aufgelegten (teils deutlich verjüngten) Philharmoniker durch Waldteufels „España“ oder „Sturmschritt“-Polka führt, so betörend die feingliedrige Zartheit, mit der dieser Lette selbst Altvertrautes wie den „Kaiserwalzer“ zu adeln weiß.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

„Diese CD ist auch bei uns wieder einer der ersten musikalischen Höhepunkte des Jahres. […] Am Pult stand schon zum dritten Mal seit 2006 der lettische Star-Dirigent Mariss Jansons, der das Konzert wieder mit Akribie vorbereitete und die Stücke sorgfältig auswählte. Mit Erfolg. Auch diesmal ist die Mischung wieder perfekt.“ ((rbb Kulturradio)

Na, wenn das so ist … hinein ins Vergnügen … Die Strauss Dynastie … scheint unsterblich zu sein …

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Na ja, Gassenhauer wie „An der schönen blauen Donau“ und der „Radetzky-Marsch“ sind halt auch unverwüstlich.

Erwähenswert ist dann auch noch das Begleitheft (deutsch/englisch) … mit sage und schreibe 28 Seiten !

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Das Konzert, gesponsert bei der Firma Rolex … 

Besetzung:
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Mariss Jansons
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Die Wiener Sängerknaben

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Titel:
01. UNO-Marsch (Stolz) 3.29
02. Schatz-Walzer Op. 418 (J.Strauss II) 8.06
03. Violetta Op. 404 (J.Strauss II) 4.29
04. Vergnügungszug Op. 281 (J.Strauss II) 3.02
05. Weaner Mad’ln Op. 388 (Ziehrer) 10.28
06.  Mit Extrapost Op. 259 (E.Strauss) 2.20
07. Eine Nacht in Venedig: Ouvertüre (J. Strauss II) 8.09
08. Außer Rand und Band Op. 168 (E.Strauss) 2.09
09. Sphärenklänge Op. 235 (Josef Strauss) 10.04
10. Sangeslust Op. 328 (J.Strauss II) 3.47
11. Auf Ferienreisen Op. 133 (Josef Strauss) 2.44
12. Fürstin Ninetta: Entr’acte Akt III (J. Strauss II) 3.40
13. España Op. 236 (Waldteufel) 5.50
14. Ballszene (Hellmesberger I) 5.06
15. Seufzer-Galopp Op. 9 (J.Strauss I) 2.12
16. Die Libelle Op. 204 (Josef Strauss) 5.29
17. Kaiser-Walzer Op. 437 (J.Strauss II) 11.33
18. Auf der Jagd Op. 375 (J.Strauss II) 2.31
19. Im Sturmschritt Op. 348 (J.Strauss II) 2.31
20. Neujahrsgruß (J.Strauss II) 0.44
21. An der schönen blauen Donau (J.Strauss II) 10.31
22. Radetzky-Marsch Op. 228 (J.Strauss I) 3.48

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Musikverein Scheffau – Neujahrskonzert (2012)

FrontCover1Na, da dachte sich der Musikverein Scheffau wohl … was die Wiener können, das können wir schon lange … und organisierten 2012 ihr ganz eigenes Neujahrskonzert, das dann allerdings „erst“ am 6. Januar 2012 über die Bühne ging:

Mit einer musikalischen Reise durch das benachbarte Österreich präsentiert sich der Musikverein Scheffau 1860 e. V. am 7. Januar 2012 bei seinem „Neujahrskonzert 2012“ in der ausverkauften Scheffauer Festhalle. Die spielfreudigen Musiker laufen unter der Leitung des neuen Dirigenten Michael Bihler zu Höchstform auf, wenn traditionelle und moderne Stücke, wie „Elvira Madigan“ von Wolfgang Amadeus Mozart und Falkos „Amadeus“, ihren musikalischen Höhepunkt in Anton Karas´ Komposition „Der Dritte Mann“ aus dem gleichnamigen Filmklassiker finden. Doch damit nicht genug: Michael Bernhard begeistert mit seiner gefühlvollen Gesangsinterpretation des Reinhard Fendrich Hits „Weu´sd a Herz hast wie a Bergwerk“ das dankbare Publikum. (Werbetext)

Und was hat es nun mit der Dorfgemeinschaft Schaffau zu tun ?

Scheffau liegt im schönen westallgäuer Rotachtal direkt an der Grenze zu Österreich. Unsere ca. 500 Einwohner zählende Gemeinde liegt auf 600 Metern Seehöhe und bietet einen einzigartigen Blick auf die Österreichischen und Schweizer Alpen.

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Markant grüßt von Westen her der Hirschberg, von dessen Gipfel aus man einen herrlichen Blick auf den Bodensee und das gesamte Alpenvorland genießen kann.

Scheffau

Scheffau hat seit über 300 Jahren eine eigene Pfarrei. Politisch gehört Scheffau seit der letzten Gebietsreform 1972 zum Markt Scheidegg.
Dennoch hat der Ort in besonderem Maße seine Eigenheiten und Eigenständigkeiten weitgehend erhalten. (Quelle: http://www.scheffau-allgäu.de/)

Aufgenommen wurde dann das ganze von West TV, einem Lokalsender aus dieser Gegend (Allgäu), der seine Produktionen auf youtube feilbietet.

Und es entstand eine bunte, hübsche Mischung … zumindest für denjenigen, der sich mit solchen Neujahrsklängen anfreunden kann.

Und da mein Faible für Amateuermusiker weiterhin ungerochen ist, verteile ich wieder mal ganz, ganz, viele Sympathiepunkte !

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Der Musikverein Scheffau 1860 e.V.

Besetzung:
Musikverein Scheffau unter der Leitung von Michael Bihler

Programmheft01

Aus dem Programmheft

Titel:
01. Hoch Habsburg (Kral) 2.58
02. Banditenstreiche (v.Suppe) 7.35
03. Elvira Madigan (Mozart) 4.19
04. Ungarischer Tanz No. 5 (Brahms) 2.44
05. Unterm Montfortbanner (Hendl) 2.51
06. Wiener Bürger (Ziehrer) 5.48
07. The Best of Flaco (Falco) 4.49
08. Auf der Jagd /Strauss II) 2.29
09. Der dritte Mann (Karas) 3.21
10. Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk (Fendrich) 4.40
11. Südböhmische Polka (Kubes) 3.19
+
12. Neujahrskonzert Musikverein Scheffau (ungeschnitten – mit ganz viel Applaus) 47.59

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Programmheft02

Vorder- und Rückseite des Programmheftes

Wiener Philharmoniker – Neujahrskonzert (1941)

alternativesfrontcover1Jahr für Jahr gibt es am 1. Januar das Neijahrskonzert der Wiener Philharmoniker und und die namhaftesten Dirigenten der Welt gaben sich in den letzten Jahrzehnten die Klinke in die Hand, um bei diesem Spektakel zu dirigieren. Und heute, am 01.01.2017 wird ein gewisser Gustavo Dudamel (Der 1981 in Venezuela geborene Maestro ist damit der jüngste Dirigent in der über 75-jährigen Geschichte des Neujahrskonzerts.)

Und mit diesem Konzert ging es los … damals 1941 …

Dieses Konzert fand zum ersten Mal nicht am Neujahrsmorgen, sondern am 31. Dezember 1939 statt. Zeitungsankündigungen zufolge war es ein von den Wiener Philharmonikern dem von Adolf Hitler am 10. Oktober 1939 eröffneten Kriegswinterhilfswerk (Kriegs-WHW) zur Gänze gewidmetes „Außerordentliches Konzert“, zu dem am 30. Dezember eine öffentliche Generalprobe veranstaltet wurde. Auf Initiative der Philharmoniker belegte der Historiker Fritz Trümpi, dass das Konzert Bestandteil von Joseph Goebbels’ Propaganda­maschinerie war.
Die Liebe des Dirigenten Clemens Krauss zur Walzermusik, insbesondere der der Familie Strauß – „und wohl auch sein Drang zu großen Auftritten“ – verbanden sich nach dem „Anschluss“ Österreichs mit Goebbels’ Absicht, Wien als Stadt „des Optimismus, der Musik und der Geselligkeit“ zu inszenieren. Trümpi belegt in seinem Buch Politisierte Orchester, dass in der Zeit des Nationalsozialismus die Zahl der Aufführung von Werken der Strauß-Familie durch die Wiener Philharmoniker sprunghaft zunahm. Das Orchester war nach der Annexion Österreichs Goebbels unterstellt. Die NS-Machthaber versuchten zu Kriegs­zeiten mittels so genannter „leichter Musik“, die Moral an der Front und in der Heimat aufrechtzuerhalten. Trümpi zitiert aus einem Vertrag zwischen den Wiener Philharmonikern und der Reichsrundfunkgesellschaft:

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Clemens Krauss

„[…] das Orchester verpflichtet sich, Schwarzplatten-Aufnahmen für den Großdeutschen Rundfunk mit Wiener Musik, in erster Linie natürlich mit Werken Johann Strauß‘ mit einem, die Wiener Note besonders beherrschenden Dirigenten, zu machen“

Das Neujahrskonzert fand (und findet bis heute) im Großen Musikvereinssaal in Wien, der etwa 2.000 Personen fasst, statt. (Quelle: wikipedia)

Der Ursprung dieses Konzerts fällt in den düstersten Abschnitt der Geschichte Österreichs und des Orchesters. Inmitten von Barbarei, Diktatur und Krieg, in einer Phase ständigen Bangens um das Leben einzelner Mitglieder oder deren Angehöriger setzten die Philharmoniker am 31. Dezember 1939 einen ambivalenten Akzent: Der Reinertrag eines der Strauß-Dynastie gewidmeten außerordentlichen Konzerts unter der Leitung von Clemens Krauss wurde zur Gänze der nationalsozialistischen Spendenaktion Kriegswinterhilfswerk gewidmet.(Quelle: wienerphilharmoniker.at)

Der Radiomitschnitt dieses Konzertes ist erhalten geblieben … und es kann einen schon gruseln, hört man sich die beschwipsten Melodien der Strauss Dynastie an …  angesichts der damaligen Zeiten …

Ergänzend habe ich weitere Informationen zur braunen Vergangenheit der Wiener Syphoniker beigelegt.

Aufzeichnung „Reichssender Wien“, Dienstag 31. Dezember 1940
Übertragung „Grossdeutscher Rundfunk“, Mittwoch, 1. Januar 1941

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Alternatives Frontcover (USA)

Besetzung:
Wiener Symphoniker unter der Leitung von Clemens Krauss

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Es lässt mich frösteln: Die Wiener Symphoniker unter dem Hakenkreuz

Titel:
01. Frauenwürde op. 277 (Walzer) (Josef Strauss sen.) 9:31
02. Moulinet op. 57 (Polka Française) (Josef Strauss sen.) 3.51
03. Eingesendet op. 240 (Polka, schnell (Josef Strauss sen.) 3.00
04. Wiener Blut op.354, Walzer (Josef Strauss jun.) 9.23
05. Demolirer-Polka op. 269, Polka Française (Josef Strauss jun.) 4.28
06. Eljen A Magyár op. 332 (Polka schnell (Josef Strauss jun.) 3.00
07. Ouvertüre zur Operette „Der Zigeunerbaron“ (Josef Strauss jun.) 7.33
08. Russischer Marsch (Josef Strauss jun.) 4.15
09. I-Tüpferl-Polka op. 377 (Josef Strauss jun.) 3.37
10. Rosen aus dem Süden Op. 388 (Walzer) (Josef Strauss jun.) 9.31
11. Pizzicato-Polka (Anton Strauss/Josef Strauss jun.) 3.01
12. Perpetuum Mobile op. 257 (Musikalischer Scherz) 2.36

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Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

Ob es damals schon als Zugabe den Radetzky Marsch gab, weiss ich nicht … deshalb hier noch als Draufgabe eine köstliche Fassung aus dem Jahr 2013 — hier agiert der Dirigent Franz Welser-Möst wie ein Dompteur … und  bringt dem erlauchtem Publikum bei, wie und wann und wie laut es zu klatschen hat …wie bei den dressierten Affen