Hugo von Hofmannsthal – Der Tor und der Tod (1920)

DerTorUndDerTod01ADie Insel-Bücherei ist ein Paradebeispiel, wie man des Sammlers Wahn, alles besitzen zu müssen, anfeuern kann, dass es eine wahre Freude ist. Aber der Reihe nach:

Die Insel-Bücherei ist eine seit 1912 bestehende Buchreihe aus dem Leipziger, dann auch Wiesbaden/Frankfurter und jetzt Berliner Insel Verlag. In der Reihe wurden zunächst kleinere Werke aus Lyrik, Prosa und Essayistik klassischer Autoren und zeitgenössischer Verlagsautoren ediert. Später traten Kunst- und Naturdarstellungen, Texte der Märchen- und Sagenwelt sowie Lizenzausgaben von Autoren anderer Verlage hinzu. Typografie und Ausstattung der Pappbände sollten bei einem moderaten Verkaufspreis stets hohen buchästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Die durch ihre farbigen Musterpapiere sowie ihr Titel- und Rückenschild weitgehend einheitlich gestaltete Reihe überstand aufgrund ihres durchdachten verlegerischen Konzepts alle wirtschaftlichen und politischen Fährnisse insbesondere im Ergebnis der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts sowie der Inflation, der nationalsozialistischen Diktatur und der deutschen Teilung, so dass bis Herbst 2014 Bände bis zur Nummer 1401 erscheinen konnten. (Quelle: wikipedia)

Hat man man angefangen, sich mit dieser so ganz speziellen Bücherei zu beschäftigen, so kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Das ist aber auch nicht verwunderlich, bedenkt man, dass wir es hier mit einer Buch-Reihe zu tun haben, die es seit über 100 Jahren gibt und eben insgesamt über 1.400 Bände gibt.

Und so hat sich diese Serie wahrhaft zu einem Kultobjeklt von Sammlern bibilophiler Kostbarkeiten entwickelt und das Internet ist voll von „Fanseiten“ und diversen Abhandlungen zu Insel-Bücherei.

Diverse Ausgaben der Insel-Bücherei

Und es wird wohl wenig Leser dieses blogs verwundern, wenn diese Serie auch hier eine kleine Heimat finden mag und wird. Ich fang mal an mit dem Band Nr. 28: Die erste Auflage erschien 1913 und ich kann zumindest hier die 7. Auflage aus dem Jahre 1920 präsentieren.

Hugo von Hofmannsthal, 1893

Hugo von Hofmannsthal, 1893

Der Tor und der Tod ist ein kurzes Drama in Versen („lyrisches Drama“) von Hugo von Hofmannsthal, verfasst 1893. Die erste Veröffentlichung erfolgte 1894, die erste Buchausgabe 1900. Die Uraufführung am 13. November 1898 erfolgte unter der Leitung von Ludwig Ganghofer. Insgesamt gab es bis 2000 43 Auflagen (mit knapp 400.000 Exemplaren) (!)

Das Stück spielt laut Angaben des Autors in den 1820er Jahren und handelt von der Begegnung des Edelmanns Claudio mit dem Tod. Der Tod kommt zu Claudio, um ihn aus dem Leben abzuführen, und konfrontiert ihn mit wichtigen Menschen aus seinem Leben – seiner Mutter, seiner ehemaligen Geliebten und einem Jugendfreund. In den Begegnungen wird ihm klar, dass er zu diesen Menschen keine tieferen Bindungen entwickelt hat. Er lebte gegenüber anderen Menschen in einer ästhetisch-distanzierten Haltung, ohne sich auf sie einzulassen und sie an sich heranzulassen. Der Moment des Sterbenmüssens macht ihm dieses Defizit bewusst und paradoxerweise ist erst die Todesstunde voller emotionaler Lebendigkeit. „Da tot mein Leben war, sei Du mein Leben, Tod“. Claudio sinkt am Schluss tot nieder; die letzten Verse des Todes lauten:

Wie wundervoll sind diese Wesen,
Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
Was nie geschrieben wurde, lesen,
Verworrenes beherrschend binden
Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.

Beigefügt habe ich dann noch ein Figurenlexikon zu Der Tor und der Tod von Katharina Meiser aus dem Portal Literaturlexikon online, und zwecks der leichteren Lesbarkeit die Gutenberg-Ausgabe dieses Textes.

Und so viel ist sicher: Dies wird nicht der letzte Beitrag zu dieser mehr als verwunderlichen Buch-Serie sein.

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DerTorUndDerTod17A
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Alternatives Titelbild

Alternatives Titelbild

Heinz G. Konsalik – Der Arzt von Stalingrad (1958)

Titel.jpgOkay … das hat mich jetzt gereizt …

Heinz G. Konsalik, eigentlich Heinz Günther (* 28. Mai 1921 in Köln; † 2. Oktober 1999 in Salzburg), war einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftsteller. Einige Werke veröffentlichte er unter verschiedenen Pseudonymen, etwa Jens Bekker, Stefan Doerner, Boris Nikolai oder Henry Pahlen. Konsalik war der Geburtsname seiner Mutter.

In einer Umfrage über den bekanntesten deutschen Schriftsteller der 1990er Jahre gelangte Konsalik, von 70 % der Befragten gewählt, nach Günter Grass und Johannes Mario Simmel auf Platz 3.

Der Berliner Literaturwissenschaftler Matthias Harder wies in Konsaliks Schaffen und Gedankenwelt zahlreiche nationalsozialistische Tendenzen nach. So habe er gegen das „semitisch-marxistische Theater“ der Weimarer Republik protestiert, das „Weltbild des germanischen Blutes“ vom bösen „jüdischen Willen“ bedroht gesehen und 1940 ein pathetisches Theaterstück über die Hitlerjugend verfasst.[29] Der in Köln ansässige Autor Wolfgang Bittner warf Konsalik „faschistoide Tendenzen“ vor.[20] Kritiker wie Lew Kopelew hielten Konsalik für ein Symbol des Revanchismus in Westdeutschland, der Germanist Karl Otto Conrady hielt ihn für einen „neofaschistischen Propagandisten des Kalten Krieges“.

Konsalik äußerte sich wiederholt negativ über die deutsche Presselandschaft: „Einen Brückenkopf in Russland zu halten, ist einfacher, als der Infamie eines deutschen Magazins zu widerstehen.“

Die Fachgruppe Buchhandel der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) verlieh Konsalik auf der Frankfurter Buchmesse 1981 den „Kriegspreis“, da er in seinen Romanen Frauenbataillon und Sie waren zehn den Krieg verherrlicht habe.

Die Figur des schriftstellernden ehemaligen SS-Offiziers Heinz in dem Erfolgsroman Populärmusik aus Vittula des schwedischen Autors Mikael Niemi (2000, deutsch 2002) greift in vielen Details auf Konsalik als reales Vorbild zurück. (Quelle: wikipedia)

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Und eines seiner erfolgreichsten Bücher:

Der Arzt von Stalingrad ist einer der erfolgreichsten Romane des deutschen Bestsellerautors Heinz G. Konsalik. Das 1956 veröffentlichte Werk handelt von einem deutschen Lagerarzt in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager nach dem Zweiten Weltkrieg und erreichte eine Weltauflage von über vier Millionen Exemplaren.

Ende der 1940er Jahre ist Dr. Fritz Böhler Gefangener und Lazarettleiter eines sowjetischen Kriegsgefangenenlagers für deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs in der Nähe der Stadt Stalingrad (heute: Wolgograd). Er ist das Musterbeispiel eines pflichtbewussten, kompetenten, entscheidungsstarken und das ärztliche Ethos vertretenden Mediziners. Mit einfachsten Mitteln sorgen er und seine Kollegen Dr. von Sellnow und Dr. Schultheiß für die gesundheitliche Versorgung Tausender deutscher Kriegsgefangener. In medizinisch aussichtslosen Situationen greift Böhler oft zu gewagten, improvisierten Operationen, die ihm inner- und außerhalb des Lagers einen hohen Ruf verschaffen.

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Die Originalausgabe, 1958

Die zu Anfang auf Unterwerfung beruhendende Beziehung zwischen den russischen Ärzten (Lagerarzt Dr. Kresin und Kapitänsärztin Dr. Kasalinsskaja) bzw. dem Lagerkommandanten Worotilow und den deutschen Ärzten weicht langsam einem Vertrauensverhältnis. Dies wird bei Vorfällen im Lager oder beim Besuch politischer Kommissare aus Moskau immer wieder auf die Probe gestellt. Böhler wird häufiger heimlich zur Behandlung russischer Patienten in die Stadt Stalingrad und in andere Kriegsgefangenenlager verbracht.

Als 1950 ein Teil der Kriegsgefangenen in die Heimat entlassen wird, erreicht der ebenfalls dafür vorgesehene Böhler, der seine Verpflichtung gegenüber den Kameraden höher einstuft als die Sehnsucht nach seiner in Köln auf seine Rückkehr wartenden Familie, dass er bis zur Entlassung der letzten Kriegsgefangenen 1953 im Lager verbleibt.
Thematik
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Das Werk ist bei allem, zur Erscheinungszeit noch sehr aktuellen historisch-politischen Hintergrund zuallererst ein Unterhaltungsroman, der auf den Bedarf und Geschmack des breiten (deutschsprachigen) Publikums ausgerichtet ist.

Hinsichtlich des vermittelten Geschichts- und Menschenbilds ist der Roman ambivalent. Einerseits werden – nach einer konfrontativen Eingangsphase – die russischen Figuren

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Filmplakat

des Romans, sofern sie keine Repräsentanten der kommunistischen Führung darstellen, ebenso wie die deutschen als im Wesentlichen verantwortungsvolle, mitfühlende und mit menschlichen Fehlern behaftete Personen dargestellt. Die Letztverantwortung für die prekäre Lage der deutschen Plennis (Kriegsgefangenen) wird den Nationalsozialisten und ihrem Angriffskrieg gegen Russland zugeschrieben, wobei der Nationalsozialismus an den wenigen Stellen, an denen er thematisiert wird, unmissverständlich abgelehnt wird. Auch die deutschen Verbrechen im Krieg werden gelegentlich genannt, so wenn zum Verhalten des die Deutschen hassenden Lagerleutnants Markow erwähnt wird, seine ganze Familie sei im Krieg umgekommen, seine Mutter und sein Bruder seien als ausgehungerte Zivilisten von der SS erschlagen worden. Auch wird wiederholt die Frage gestellt, ob es russischen Soldaten in deutschen Gefangenenlagern nicht noch deutlich schlimmer ergangen sei als den Deutschen vor Ort. Zudem zeigt sich auch Böhler als nicht völlig unfehlbar, als er glaubt, Sellnow sei von den Russen vergiftet worden, obwohl die Vergiftung von einem nicht als solchem erkannten, aufgefundenen Wolfsköder herrührt.

Andererseits wird auf verschiedenen Ebenen eine kulturelle Überlegenheit der Deutschen gegenüber den Russen transportiert. Die Deutschen sind zumeist ehrlich und kameradschaftlich, ohnehin haben Nationalbewusstsein und Soldatenehre einen hohen Stellenwert. Die problematischen Figuren finden sich eher auf russischer Seite, etwa die attraktive und emotionale, zwischen Grausamkeit und Nymphomanie schwankende Ärztin Kasalinsskaja oder der ruhmsüchtige und gewissenlose Universitätsarzt Pawlowitsch.

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Diverse Buchausgaben

Auf deutscher Seite steht hier nur der Fall des ehemaligen Nazis Grosse, der von der sowjetischen Geheimpolizei zur Spionagetätigkeit unter den Deutschen gepresst und, nach seinem Auffliegen, von seinen Kameraden in der Latrine zu ertränken versucht wird. Obwohl Böhler ihn rettet, ist das Urteil über ihn einhellig, auch durch die moralische Instanz Böhler: ein „elendes Schwein“, das seinen Tod in der Latrine wegen des Verrats an den Kameraden verdient gehabt hätte. Weiterhin erscheinen die deutschen Ärzte zumeist als fähiger als ihre russischen Kollegen, und die Deutschen generell als technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich fortschrittlicher. So schrecken die Russen vor einem harten Durchgreifen zurück, wenn die Deutschen aus verletzter (National-)Ehre passiven Widerstand leisten und wohnen einer deutschen Theateraufführung und einem deutschen Weihnachtsfest bei. An anderer Stelle führt ein deutscher Soldat dem faszinierten russischen Lagerkoch den mit einem Paket aus der Heimat zugesandten, kalt anrührbaren „Eiermanns Schnellpudding“ vor, mit der Bemerkung, in Deutschland sei dieses Produkt anders als in Russland für jeden Arbeiter leicht erschwinglich. Ambivalent ist auch die Erwähnung von Menschenversuchen durch deutsche SS-Ärzte: Eine Nebenfigur des Romans, der dieser beschuldigt wird, kann unwidersprochen deren wissenschaftliche Intention behaupten.

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Filmbild 1: Mit dem jungen Mario Adorf

Deutlich ins Rassistische geht die Darstellung, wenn asiatische Vertreter des sowjetischen Staatsvolks in der Handlung auftauchen. Sie werden zumeist als grausam, tierhaft, gewissenlos, primitiv oder fanatisch dargestellt, zum Beispiel der „mongolische“ Politkommissar Kuwakino oder der „tatarische“ Greis Pawlowitsch, wobei äußere Aspekte wie die „Schlitzaugen“ herausgestellt werden. Auch wirken die deutschen Gefangenen auf die „leidenschaftlichen“ weiblichen russischen Romanfiguren besonders attraktiv, so Sellnow auf Kasalinsskaja und Schultheiß auf die Geliebte des Lagerkommandanten, während die Küchengehilfin Bascha es mit jedem treibt. Von den deutschen Krankenschwestern werden dagegen – ebenso wie von den daheim wartenden Ehefrauen – keinerlei sexuelle Anfechtungen berichtet.

»Buch und Film sind nach Einschätzung des Heidelberger Geschichtsprofessors Wolfgang Eckart voller Klischees, die dem deutschen Zeitgeist der 50er Jahre entsprechen. Konsaliks Botschaft lautet demnach: Die Deutschen sind den Russen als Ärzte und Menschen überlegen. Das Bild des deutschen Mediziners soll ins rechte Licht gerückt werden. Denn der Nürnberger Ärzteprozess hat 1946 gezeigt, dass SS- und Wehrmachtsärzte an den Verbrechen der Nazis beteiligt waren. Als Reaktion darauf zeichnet „Der Arzt von Stalingrad“ ein „karitatives, heldisches, aufopferndes“ Bild des deutschen Arztes.« (WDR, 19. Juni 2008) (Quelle: wikipedia)

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Filmbild 2: Natürlich ist auch ein Hauch Erotik in den Film gepackt worden

Von daher steht dieses Buch exemplarisch für jene junge Bundesrepublik, die sich nicht wirklich von den Idealen des Nationalsozialismus trennen wollte/konnte.

Hier kann man nun durch das Buch blättern, neben einer pdf-Datei, gibt´s dann auch erstmalig das Buch in dem Format epub … ich vermute mal, damit kann man irgendwelche E-Reader bedienen … ich bin diesbezüglich ein absoluter Novize …

Und dann noch den Original-Trailer für die Filmfassung aus dem Jahr 1958.

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usw. usw. usw. ….

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Verschiedene Autoren – Der unbegabte Goethe (1998)

TitelAlso … jetzt wird aber gewaltig an einem Denkmal gekratzt …

Und darum geht´s:

»Solch einen Quark mußt du mir künftig nicht mehr schreiben; das können die anderen auch«, befand Goethes Freund Merk nach einer unerfreulichen Lektüre. Über Geschmack soll man zwar nicht streiten, hier aber wird es trotzdem getan: Zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe die etwas andere Festschrift: Gesammelte Verrisse eines Dichterfürsten, den inzwischen jeder lobt – mit farbigen Bildern von Hans Traxler zum Schmunzeln. (Verlagankündigung)

Der unbegabte Goethe erschien zum ersten Mal in einer Auswahl von Leo Schidrowitz (Basel 1932). Unsere Sammlung stutzt sich auf diesen Band, auf die Kommentare zur Münchner Ausgabe von Goethes Werken (Hanser 1985 ff.) sowie die im Text angegebenen Quellen. (Klappentext)

In diesem 48 Seiten starken Büchlein sind witzige, wenn auch unwirsche Zeugnisse einiger Zeitgenossen Goethes gesammelt, darunter Friedrich der Große, August von Kotzebue, Friedrich Klopstock, August Wilhelm Iffland, August Wilhelm Schlegel, Christian Dietrich Grabbe, Christoph Martin Wieland, Johann Heinrich Jacobi, Ludwig Börne, Heinrich Heine, etc. Die Idee für diese Anthologie stammt von keinem Geringeren als: Johann Wolfgang von Goethe: In Folge eines seiner Zeit erschienenen Buches „Goethe

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Die Leo Schidrowitz Ausgabe (1932)

in den wohlwollenden Zeugnissen der Mitlebenden“ riet Goethe mit guter Ironie, ein Gegenstück zu besorgen: „Goethe in den misswollenden Zeugnissen seiner Mitlebenden“.
Die Gegner sind sich einig: „Goethe kann kein Deutsch!“ Verwechselte er doch ‚Worte‘ und ‚Wörter‘ oder ‚mir‘ und ‚mich‘ oder benutzte unsagbare Wörter wie ‚augenfällig‘, ‚Eindringling‘, ‚Enttäuschen‘, ‚Provinzler‘ (besonders ärgerlich für solche Leute!), und schlimmst: ‚Samstagabend‘ statt ‚Sonnabend‘! All dies verrät den Sprachverhunzer par excellence!

Ein köstliches Büchlein, bei dem ich mir allerdings vergeblich wünschte, diese teilweise erstaunlichen Gegenstimmen in nicht aktualisierter Orthographie zu lesen. Nach alter, damaliger Rechtschreibung käme so Manches gewiss als noch bemerkenswerter vor. (Basileus Bibliophilos)

Die Illustrationen zu diesem Büchlein stammen übrigens von dem großartigen Hans Traxler:

Hans Traxler (* 21. Mai 1929 in Herrlich, Tschechoslowakei) studierte Malerei und Lithografie in Frankfurt und war Mitbegründer der Satirezeitschriften Pardon und Titanic. Er publizierte und illustrierte zahlreiche Bücher, darunter „Der große Gorbi“ (1990) und „Wie Adam zählen lernte“ (1993) sowie Werke von Eugen Roth. 1999 war er der Herausgeber und Illustrator des Buches „Roda Roda. Rote Weste und Monokel“. Im Hanser Kinderbuch sind Komm, Emil, wir gehn heim! (2005), Franz – Der Junge, der ein Murmeltier sein wollte (2009), Willi – Der Kater, der immer größer wurde (2014) sowie Sofie mit dem großen Horn (2015) erschienen. 2017 folgte das Bilderbuch Eddy – Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte.

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Nun, ich bin wahrlich kein Goethe Kenner (werde es vermutlich auch nicht mehr werden), aber ich kann mir lebhaft vorstellen, dass dieses Büchlein für jeden Goethe-Liebhaber eine amüsante Ergänzung sein kann.

Und auch der nicht minder großartige Robert Gernhardt (Stichwort: Frankfurter Schule) hat noch seinen Senf zu diesem Büchlein gegeben:

„Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen …“, hat Schiller ahnungsvoll gedichtet, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann liefert ihn der diesjährige 250. Geburtstag seines Kollegen und Briefpartners Goethe. 1932 bereits hatte Leo Schidrowitz unter dem Titel „Der unbegabte Goethe“ auf über 200 Seiten Stimmen mäkelnder Zeitgenossen des Dichters gesammelt, beispielsweise die Karl August Böttigers, der sich 1809 in der Bibliothek der redenden und bildenden Künste den Faust vorgeknöpft hatte:

„Einige Verse hätte der Dichter doch wohl verbessern sollen, zum Beispiel:

Wo faß ich dich, unendliche Natur?

Euch Brüste, wo? Ihr Quellen allen Lebens,

An denen Himmel und Erde hängt,

Dahin die welke Brust sich drängt,

Ihr quellt, ihr tränkt, und ich schmacht so

vergebens?“

Wie ekelhaft, dass Faust die Natur bei ihren Brüsten fassen will! Diese Brüste verwandeln sich in Quellen und an diesen hängt Himmel und Erde, Fausts welke Brust drängt sich an diese Brüste der Natur, als Quellen allen Lebens, sie quellen, sie tränken, aber dem armen Faust kommen sie nicht zugute. Da ein Dichter, wie Goethe, solche Verse in die Ausgabe seiner Werke von letzter Hand aufnimmt, darf man sich wohl wundern, wenn die Franzosen den Deutschen den Ungeschmack zum Vorwurf machen?“

Nachlesen kann man den Veriss in einer leider arg gekürzten, nur noch 48 Seiten starken, dafür von Hans TraxIer schön bebilderten Neuausgabe von „Der unbegabte Goethe“, die der Hanser Verlag herausgebracht hat. Im Original ist Böttigers Schelte etwa dreimal so lang; auch die Attacken Heines, Menzels und Börnes wurden stark gekürzt oder ganz getilgt – schade. (Quelle: literaturkritik.de)

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Johann Wolfgang von Goethe in his own words

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Verschiedene Interpreten – Mein Zaubergarten – Entspannt malen und kreativ sein mit schönen Geschichten zum Zuhören (2003)

FrontCover1.jpgAlso das ist ja nun wirklich ein Hörbuch, das einen überraschen kann, denn hier geht es niht nur um das Hören:

Ausmalen ist das neue Yoga: Gönnen Sie sich eine Auszeit, indem Sie der Auswahl von Geschichten rund um das Thema „Garten und Natur“ lauschen und dabei die passenden Malvorlagen kreativ gestalten. Entspannen, den Alltag und die Zeit vergessen, zur Ruhe kommen, durchatmen – schon weicht der Alltagsstress bunten Blüten und frischem Grün. (Produktinformation)

Das Hörbuch „Mein Zaubergarten“ vom Hörverlag beinhaltet zwei CD’s mit einer Gesamtlaufzeit von 2,5 Stunden.

Bereits das Cover des Hörbuchs ist zauberhaft gestaltet und ein echter Blickfang. Mit einem Gummibändchen werden die innenliegenden Fächer mit Hör-CD’s und Malmotiven dekorativ zusammengehalten. Sehr schön gestaltet!

Heitere, besinnliche und märchenhafte Geschichten über Gärten und Blumen aus alter Zeit laden zum Träumen ein.

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Zwei der insgesamt 10 Malvorlagen

Das Hörbuch hat mich tatsächlich verzaubert und aus meinem stressigen Alltag gerissen. Die Ausmalmotive, die momentan absolut im Trend liegen, laden zusätzlich zum Entspannen ein. Sie sind aus einer dickeren Pappe gefertigt, in einem handlichen Format, welches sich auch zum einrahmen oder verschenken eignet. Die Motive sind sehr fröhlich, beschwingt und zum Hörbuchthema passend blumig. Die Kurzgeschichten versüßen die Wartezeit auf den Frühling und Sommer. Sie werden von angenehmen Erzählstimmen widergegeben mit denen es leicht fällt in andere Welten abzutauchen. Die klassischen Geschichten handeln alle von Gärten und Blumen. Sie entführen in eine alte Zeit und lassen den Hörer in die bunte Welt des Gärtnerns und die strahlenden Farben der Blumen hinab tauchen. Das Hörbuch zaubert Sonnenschein in den Alltag!

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Fazit: Wunderschöne, klassische Kurzgeschichten aus alter Zeit über Blumen und Gärten, die Sonnenschein in den Alltag zaubern. Beschwingte, fröhliche Motive in einem handlichen Format laden zusätzlich zum Ausmalen und entspannen ein. Die Erzählstimmen sind sehr angenehm und lassen den Hörer in die bunte Welt der Blumen und Gärten eintauchen. Eine absolute Empfehlung ! (Captain Jack)

Mein Zaubergarten ist eine Ansammlung von Kurzgeschichten vieler bekannter klassischer Autoren wie Hermann Hesse, Theodor Fontane, Giovanni Bocacco, Alphonse Daudet, Hans Christian Andersen…., die sich alle über das Thema Garten, Blumen, Jahreszeiten und Gartenarbeit in vielen verschiedenen Geschichten auslassen und ihre Gedanken dazu äußern.

Doris Lessing

Doris Lessing

Jede Geschichte wird von einem anderen Sprecher vorgelesen. Dies gibt viel Abwechslung und jeder Geschichte seinen eigenen Charakter. Meist sind die Kurzgeschichten recht kurz und doch sehr ansprechend. Mir haben sie sehr gefallen. Sie waren sehr unterschiedlich , haben mich sehr animiert, motiviert und inspiriert Gartenarbeit zu machen, in den Garten gehen zu wollen und Pflanzen, Gemüse und Blumen zu säen, zu pflanzen und zu pflegen.

Dazu gibt es 10 A5 einseitige Karten, die beim Zuhören angemalt werden können. Es sind hauptsächlich Blumenmotive. Im ungemaltem Zustand haben sie mir nicht sonderlich gefallen. Drei Karten habe ich mit Filzstiften ausgemalt. Die Farbe färbt ein wenig auf der Rückseite durch, aber da die Bilder sowieso einseitig sind, finde ich es nicht sehr schlimm. Angemalt, gefielen mir die Bilder dann doch ganz gut. Wobei ich aber schon Gemüse, Obst oder auch Krabbeltierchen oder warum nicht, auch Gartengeräte sehr begrüßt hätte, da viele Kurzgeschichten diese Themen besaßen.
Dies bemängele ich leider immer wieder, dass bei Gartenthemen in Ausmalbücher fast ausschließlich nur Blumen abgezeichnet sind. Dabei ist ein Garten so viel mehr als nur Blumen.

Ansonsten fand ich die Kombination Hörbuch mit Ausmalbilder sehr schön und auch sehr passend. Es macht Spaß den vielen verschiedenen Stimmen zuzuhören und gleichzeitig mit Farben spielen zu können. (Federzauber)

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Über die Sprecher/Sprecherinnen noch folgende Informationen:

Katharina Thalbach ist eine Ausnahmeerscheinung: Sie stand schon als vierjährige auf der Bühne und feierte frühe Erfolge u. a. am Berliner Ensemble. Sie spielte große Rollen in Filmen wie „Die Blechtrommel“, „Sonnenallee“ oder Doris Dörries „Paradies“ und prägte die Bühne in Theaterstücken wie „Käthchen von Heilbronn“ (Schauspielern des Jahres 1980) und „Hamlet“ (Ophelia). Zudem trat sie auch als Regisseurin hervor, u.a. mit „Don Juan“, „Der Hauptmann von Köpenick“ oder Opern wie „Salome“ und „Jenufa“. Ihre einzigartige Stimme sowie ihr Sinn für Regie machen sie zu einer Hörbuchsprecherin ganz eigener Klasse.

Katharina Thalbach

Juliane Köhler erhielt ihre Schauspielausbildung am H.B. Studio in New York. Ihre Karriere begann am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover. Ab 1993 spielte sie mit Unterbrechungen am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch die Rolle im Kinofilm „Aimée und Jaguar“, für den sie den Silbernen Bären erhielt. In dem 2003 mit dem Oscar ausgezeichneten Film „Nirgendwo in Afrika“ der Regisseurin Caroline Link spielte sie die Hauptrolle.

Stefan Wilkening

Stefan Wilkening

Der Schauspieler und Sprecher Stefan Wilkening ist neben seinen Theaterengagements (u.a. Münchner Kammerspiele, Schauspiel Frankfurt) in zahlreichen Dokumentationen, Hörfunk- und Hörbuchproduktionen zu hören, sowie in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen (u.a. „Tatort“, „Der Alte“, „Um Himmels Willen“) zu sehen.
Für den Hörverlag las er z. B. „Glaube der Lüge“ von Elizabeth George, die „Merlin-Saga“ von T.A. Barron und „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie. Darüber hinaus wirkte Stefan Wilkening u. a. bei den Hörspielproduktionen „Ulysses“ und „Moby-Dick“ mit. Mit seinen erfolgreichen Solo-Live-Hörspielen ist er gern gesehener Gast auf allen deutschen Bühnen.

Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie „Verdammt verliebt“. Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in „Raum“ (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der „Twilight“-Reihe. Daneben war sie immer wieder in „How I Met Your Mother“ zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller „Schattengrund“ von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr „virtuoses Sprach-Spiel“ noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.

Eva Gosciejewicz studierte Schauspielkunst am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Es folgten Engagements u.a. an den Kammerspielen München, dem Bayerischen Staatsschauspiel und dem Theater Bremen. Neben ihrer Arbeit am Theater ist sie in zahlreichen Hörfunk- und Hörbuchproduktionen zu hören sowie in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen (u. a. „Tatort“, „Polizeiruf 110“) zu sehen. Für den Hörverlag las sie z. B. „Malka Mai“ von Mirjam Pressler (Hörbuch des Jahres 2002) und „Die weiße Massai“ von Corinne Hofmann.

Eva Gosciejewicz

Eva Gosciejewicz

Nico Holonics, geboren 1983 in Leipzig, absolvierte sein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Von 2007 bis 2010 war er am Münchner Volkstheater, ab 2010 an den Münchner Kammerspielen engagiert. Seit 2012 ist er Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt. Für seine darstellerischen Leistungen wurde er mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2010 ausgezeichnet.

Sabine Kastius, geboren in Hamburg, ist seit 1988 als Sprecherin für Funk, Fernsehen und Dokumentarfilme sowie als Theater- und Filmschauspielerin u.a. für den Bayerischen Rundfunk, SWR, ZDF und ARTE tätig. Zudem hält sie Prosa- und Lyrik-Lesungen, für die sie seit 2005 auch mit verschiedenen Musikern wie Charly Böck und Roman Bunka zusammenarbeitet. Für den Hörverlag las sie u. a. „Starting at Zero“ und „Blütenherz & Zaubergarten“.
Die Schauspielerin

Dr. Franziska Augstein, geboren 1964 in Hamburg als Tochter des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein und der Übersetzerin Maria Carlsson, ist eine deutsche Publizistin. Sie studierte Geschichtswissenschaft, Politologie und Philosophie und war zwischen 1987 bis 1989 für das Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ tätig. Bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ war sie ab 1997 Redakteurin in der Feuilleton-Redaktion und von 2000 bis 2001 Feuilleton-Korrespondentin in Berlin. Im Anschluss daran begann sie, für die „Süddeutsche Zeitung“ zu schreiben und betreute seit 2010 die Rubrik „Das Politische Buch“. Seit 2016 erscheint alle vierzehn Tage ihre Kolumne „Augsteins Welt“. Für den Hörverlag ist sie u. a. in „Blütenherz & Zaubergarten“ zu hören.

Franziska Augstein

Franziska Augstein

Cecilia Wortmann, geboren 1971 in Düsseldorf, hatte ihren ersten Auftritt vor der Kamera mit sechs Jahren in der „Sesamstraße“. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Musik an der Universität Essen, zog dem Studium jedoch die Arbeit an ihrer Schauspielkarriere vor und nahm Schauspielunterricht. Bekannt wurde sie durch ihre Rollen in den RTL-Serien „Unter uns“ und „Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen“. Seit 2002 ist sie mit dem Regisseur Sönke Wortmann verheiratet.

Wie oben bereits erwähnt: Ganz und gar kein übliches Hörbuch … Ein Hör- und Malbuch in einer Zeit, in der man solche Anregungen wohl benötigt …

Und vermutlich ist das eher ein Hörbuch für Frauen … mit all der Poesie und all den Märchen …

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Titel:

CD 1:
01. Ansage 0.10.

Hermann Hesse: Im Garten (gelesen von Stefan Wilkening):
02. Im Garten (Teil 1) 3.38
03. Im Garten (Teil 2) 3.26
04. Im Garten (Teil 3) 4.45

Karel Capek: Wie man einen Garten anlegt (gelesen von Juliane Köhler):
05. Wie man einen Garten anlegt (Teil 1) 2.36
06. Wie man einen Garten anlegt (Teil 2) 2.39

Hugo von Hofmannsthal: Lob des Gartens (gelesen von Cecilia Wortmann):
07. Lob des Gartens (Teil 1) 2.46
08. Lob des Gartens (Teil 2) 3.00

Elisabeth von Arnim: Aus dem Tagebuch (Elisabeth und ihr Garten) (gelesen von Juliane Köhler):
09. Elisabeth und ihr Garten (Teil 1) 2.39
10. Elisabeth und ihr Garten (Teil 2) 3.56
11. Elisabeth und ihr Garten (Teil 3) 2.35
12. Elisabeth und ihr Garten (Teil 4) 3.03
13. Elisabeth und ihr Garten (Teil 5) 3.32
14. Elisabeth und ihr Garten (Teil 6) 3.31

Manfred Kyber: Maimärchen (gelesen von Katharina Thalbach):
15. Maimärchen (Teil 1) 3.45
16. Maimärchen (Teil 2) 3.54

Erwin Strittmatter: Lob auf den Juni (gelesen von Sabine Kastius)
16. Lob auf den Juni 3.03

Theodor Fontane: Ein Sommer in London (gelesen von Nico Holonics)
17. Ein Sommer in London (Teil 1) 2.48
18. Ein Sommer in London (Teil 2) 3.08
19. Ein Sommer in London (Teil 3) 

Theodor Fontane: Der Eibenbaum im Parkgarten (gelesen von Stefan Wilkening);
20. Der Eibenbaum im Parkgarten (Teil 1) 3.15
21. Der Eibenbaum im Parkgarten (Teil 2) 3.59

Johannes Roth: Was macht der Gärtner im Winter (gelesen von Cecilia Wortmann):
22. Was macht der Gärtner im Winter (Teil 1) 3.42
23. Was macht der Gärtner im Winter (Teil 2) 3.38

CD 2:

Plinius der Jüngere: Römische Gärten (gelesen von Juliane Köhler):
01. Römische Gärten 2.40

Doris Lessing: Der Granatapfel (gelesen von Eva Gosciejewicz):
02. Der Granatapfel (Teil 1) 3.16
03. Der Granatapfel (Teil 2) 3.13
04. Der Granatapfel (Teil 3) 3.28
05. Der Granatapfel (Teil 4) 3.25
06. Der Granatapfel (Teil 5) 2.44
07. Der Granatapfel (Teil 6) 3.25

Alphonse Daudet: Die Apfelsinen (gelesen von Stefan Wilkening);
08. Die Apfelsinen (Teil 1) 3.35
09. Die Apfelsinen (Teil 2) 3.43

Giovanni Boccaccio: Das Dekameron (Ausschnitt) (gelesen von Franziska Augstein):
10. Das Dekameron (aus der Einleitung vom 3. Tag) 4.24

Jacob und Wilhelm Grimm: Von dem Sommer- und Wintergarten (gelesen von Sabine Kastius).
11. Von dem Sommer- und Wintergarten (Teil 1) 2.59
12. Von dem Sommer- und Wintergarten (Teil 2) 3.48

Hans Christian Andersen: Wer war die Glücklichste? (gelesen von Laura Maire):
13. Wer war die Glücklichste? (Teil 1) 3.16
14. Wer war die Glücklichste? (Teil 2) 3.20
15. Wer war die Glücklichste? (Teil 3) 3.35

Jacob und Wilhelm Grimm: Schneeweißchen und Rosenrot Eva Gosciejewicz):
11. Schneeweißchen und Rosenrot (Teil 1) 3.34
12. Schneeweißchen und Rosenrot (Teil 2) 2.50
13. Schneeweißchen und Rosenrot (Teil 3) 3.46
14. Schneeweißchen und Rosenrot (Teil 4) 3.12
15. Schneeweißchen und Rosenrot (Teil 5) 3.52

CD2A

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BookletFront+BackCover1

Wagenbach Verlag – Überzeugungstäter im Wandel der Zeit (2014)

TitelHin und wieder bin ich ja aus beruflichen Gründen in Berlin und habe es bisher nicht geschafft, bei dem Wagenbach Verlag vorbeizuschauen. Eigentlich sehr schade, dennn dieser „kleine“ und famose Verlage feiert heuer sein 50jähriges Bestehen:

Der Verlag Klaus Wagenbach wurde 1964 von Klaus Wagenbach gegründet, beschäftigt heute 12 Mitarbeiter und veröffentlicht jährlich ca. 60 Bücher. Sitz ist Berlin. Der Umsatz des zu den mittleren Verlagen zu zählenden Unternehmens beträgt etwa 2 Millionen Euro. Ein literarischer Schwerpunkt des Verlags Klaus Wagenbach ist Italien.

Der Gründer des Verlages erlöste das Startkapital zur Verlagsgründung in Höhe von 100.000 DM aus dem Verkauf einer Wiese, die ihm sein Vater geschenkt hatte, sowie einiger beweglicher Güter seines Haushalts und den Einnahmen aus seinem zweiten Buch „Franz Kafka in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“. Das Startkapital deckte jedoch lediglich die reinen Herstellungskosten der ersten elf Bücher und des kleinen Verlagsalmanachs – Miete und Gehälter, Vertriebs- und Vertreterkosten waren hierbei noch nicht eingeplant. Zu Beginn wurden die allgemeinen Grundsätze der eigenen Verlagsarbeit zusammen mit Autoren wie Günter Grass, Ingeborg Bachmann, Hans Werner Richter und Johannes Bobrowski festgelegt:

Die Arbeit des Verlags dient nicht dem Profit, sondern folgt den inhaltlichen Absichten. Allen Autoren wird Honoraregalität auf höchstem Niveau und Absicherung vor Missbrauch ihrer Rechte gewährt, sowie ein Maximum an Selbstverwirklichung, Mitsprache und Information zugesichert.

Die Bücher dürfen nicht überteuert sein.
Die Leser sollen nicht nur durch Texte über die Bücher, sondern auch durch Auszüge aus den Büchern informiert werden, mit einem kostenlosen jährlichen Almanach.

1965 bis 1970

Der Klaus Wagenbach-Verlag bemühte sich von Anfang an um auffällige Formate und Gestaltung der Bücher. Die 1965 erschienen Erstwerke waren in strengem Schwarz gehalten und erschienen im Quartformat, was ihnen auch ihren Reihentitel „Quarthefte“ einbrachte. Beginnend mit Erinnerungen von Kurt Wolff wurden in dieser Reihe Texte von damals unbekannten Autoren wie Christoph Meckel und Johannes Bobrowski und von sehr bekannten wie Ingeborg Bachmann, Günter Grass und Hans Werner Richter veröffentlicht, die sich mit je einem Buch am Projekt dieses Verlags beteiligten. Durch das Serienformat wurden damals unbekannte Autoren von Buchhändlern mitbestellt, um die Serie vollständig zu halten. Klaus Wagenbach wollte von Beginn an eine Spaltung der Literatur in West- und Ostdeutschland nicht hinnehmen und veröffentlichte so den im Westen boykottierten Stephan Hermlin und den im Osten boykottierten Wolf Biermann. Biermanns Balladen, denen Wagenbach den Titel „Die Drahtharfe“ gab, sorgten dafür, dass der Verlag alle zugesagten Lizenzen aus der DDR verlor und dafür, dass Klaus Wagenbach ein Einreise-, später sogar Durchreiseverbot bis 1973 durch die DDR erhielt, so dass er Berlin nur mit dem Flugzeug verlassen konnte. Ferner waren hiermit alle „Pläne eines Ost-West-Verlages“ gescheitert.

Ebenfalls 1965 erschien mit „Atlas, zusammengestellt von deutschen Autoren“ die erste Anthologie, einem Genre, das der Verlag stets pflegte.

Wagenbachs erste Wirkungsstätte in der Jenaer Straße in West-Berlin. F. C. Delius (Zweiter von links) neben Klaus Wagenbach. Ganz rechts: Katja Wagenbach

Wagenbachs erste Wirkungsstätte in der Jenaer Straße in West-Berlin. F. C. Delius (Zweiter von links) neben Klaus Wagenbach. Ganz rechts: Katja Wagenbach

1966 lernte Klaus Wagenbach Erich Fried kennen, dessen Gedichtband „Und Vietnam und“ er im selben Jahr veröffentlichte. Der große Erfolg kam für Erich Fried erst 1979 mit der Veröffentlichung seines 17. Buches, den „Liebesgedichten“, die bis heute eines der erfolgreichsten Bücher des Verlages sind und über 250.000-mal verkauft wurden. Klaus Wagenbach und Erich Fried blieben bis zu Frieds Tod 1988 Freunde.

Im Herbst 1967 erschien die erste „Quartplatte“ (8 Autoren lesen aus ihren Quartheften), die 1968 aufgrund breiteren Interesses in Serie ging. Im gleichen Jahr wurden u. a. die Sprechgedichte von Ernst Jandl als „Quartplatte“ veröffentlicht, den Wagenbach bei einer Autorenlesung kennengelernt hatte.

Ebenfalls im Jahr 1968 erschienen das „Lesebuch. Deutsche Literatur der sechziger Jahre“ (eine laut Verlag nonkonformistische Alternative zum gewöhnlichen Deutschschulbuch und bis heute eines der erfolgreichsten Bücher des Verlages) und der erste „Tintenfisch“ (ein Jahrbuch für Literatur).

Auch die Gründung der Reihe „Rotbücher“ fand im Jahr 1968 statt. Die „Rotbücher“ waren eine ausschließlich der Neuen Linken und der außerparlamentarischen Opposition (APO) gewidmete Buchreihe, die eine politisch-theoretische Ergänzung der belletristischen Literatur darstellte.

1969 begann der Verlag mit der von verschiedenen anderen Verlagen abgelehnten Gesamtausgabe der Shakespeare-Übersetzungen von Erich Fried. Ab Sommer 1970 wurde die Vierteljahrsschrift „Kursbuch“ durch den Verlag Klaus Wagenbach verlegt und von Hans Magnus Enzensberger weiterhin herausgegeben, da der Suhrkamp Verlag es aus politischen Gründen abgelehnt hatte, die Zeitschrift fortzuführen. Zur Sicherung der Unabhängigkeit wurde eigens eine „Kursbuch GmbH“ gegründet.

Ende 1969 initiierte Klaus Wagenbach das Experiment einer kollektiven und solidarischen Verlagsarbeit. Dies beinhaltete, dass der Verlag als einer der ersten in der Bundesrepublik ein Statut bekam, das die Rechte und Pflichten aller Mitarbeiter – auch der Besitzer – klar und deutlich regelte. In seinen wesentlichen Punkten sah es eine weitgehende Mitbestimmung der Verlagsangehörigen bei allen ökonomischen Prozessen, gleiches Gehalt für alle Mitarbeiter und regelmäßige Besprechungen aller wichtigen Angelegenheiten vor. Bei dieser Verlagsverfassung wurde das Lektorat von der Kollektivierung ausdrücklich ausgeschlossen und erhielt eine autonome Verfassung. Manuskripte wurden dreifach lektoriert (also von allen 3 Lektoren) und nur bei Einstimmigkeit veröffentlicht. 1971 verwandelte Klaus Wagenbach seinen Verlag in eine GmbH mit 2 Gesellschaftern, wodurch er dem Kollektiv die Hälfte seiner Verlagsanteile schenkte.

1970 bis 1984
Im Jahr 1972 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über die autonome Lektoratsverfassung. Klaus Wagenbach hielt Entscheidungen über Manuskripte für nicht kollektivierbar und hatte zudem der Kollektivierung seines Verlags nur unter der Voraussetzung der Lektoratsautonomie zugestimmt. Am 13. Mai 1973 fand eine Generalversammlung unter Anwesenheit der Autoren statt, bei der nach fast 10-stündiger Diskussion einige Autoren die Spaltung des Verlages vorschlugen und sich alle bis auf drei für einen neuen Verlag Klaus Wagenbach entschieden. Klaus Wagenbach schied mit seiner Frau Katharina Wagenbach-Wolff und Wolfgang Dreßen unter großen finanziellen Verlusten aus dem Verlagskollektiv sowie der „Kursbuch-GmbH“ aus und verlor zudem den Serientitel „Rotbücher“ und den Namen des Verlagsalmanachs „Das schwarze Brett“. So entstanden auf der einen Seite der Rotbuch Verlag, auf der anderen blieb der Verlag Klaus Wagenbach.

Wagenbach031971 verlor Klaus Wagenbach einen Prozess wegen „Bambule“, dem Text eines Fernsehspiels von Ulrike Meinhof. Im selben Jahr veröffentlichte das Kollektiv in der Reihe „Rotbuch“ ein Manifest der RAF mit dem Titel „Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“, das zusammen mit dem „Roten Kalender für Schüler und Lehrlinge, 1972“ die Berliner Staatsanwaltschaft dazu veranlasste, Hausdurchsuchungen im Verlag vorzunehmen und beide Publikationen sowohl im Verlag, als auch in den Buchhandlungen zu beschlagnahmen, da diese Schriften Aufforderungen zur Gewalt und kriminellen Vereinigung sowie Anstiftung zur Sachbeschädigung enthielten. Es folgten Klagen unter anderem auch wegen des „Roten Kalenders 1973“, in welchem Klaus Wagenbach die Erschießung zweier Studenten durch die Polizei als „Ermordung“ titulierte, was ihm eine Klage wegen Beleidigung einbrachte. Er wurde in erster Instanz freigesprochen, verlor aber, nachdem der Polizeipräsident Revision einlegte, und wurde zu einer Strafe von 1.800 DM und 20.000 DM Gerichtskosten verurteilt. Klaus Wagenbach verlor jeden seiner vier Prozesse zwischen 1974 und 75. Er wurde zu Geldstrafen und einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten auf Bewährung verurteilt.

1975 veränderte Wagenbach das Verlagskonzept: die neue Buchreihe „Wagenbachs Taschenbücherei“ (WAT) enthielt gegen den allgemeinen Trend literarische und politische Texte der jeweiligen Zeit. Diese Reihe erhielt das Motto: „Lasst uns Denken und Laune anstiften statt vorschreiben. Und den Kopf schütteln, das heißt lockern.“. Der Verlag begann seinen Schwerpunkt dahingehend zu verändern, dass er in zunehmendem Maße italienische Literatur veröffentlichte.

1979 erhielt Klaus Wagenbach seine erste öffentliche Anerkennung: Der „Verband der deutschen Kritiker“ verlieh ihm den „Kritikerpreis 1979 für Literatur“ für die Anthologie „Vaterland, Muttersprache – Deutsche Schriftsteller und ihr Staat“.

Bedingt durch schwindendes Interesse der Leser an politischer Literatur, gab der Verlag 1979 die Buchreihe „Politik“ auf, band allerdings deren wichtigste Bücher um und integrierte sie so in die Taschenbücherei und in das 1981 entstehende „Allgemeine Programm“. Dieses „Allgemeine Programm“ besteht bis heute und vereinigt umfangreiche wissenschaftliche Texte und großformatige Bücher, die den Absichten des Verlages entsprechen: also Kunst- und Sozialgeschichtliches, Philosophie und politisch-analytische Bücher mit linkem, emanzipatorischem Charakter, die andere Verlage abgelehnt hatten.

1984 wurde zum 20-jährigen Verlagsbestehen der „Fintentisch“ herausgegeben, ein umfangreicher Almanach zur Verlagsgeschichte mit ausgewählten Gedichten und Texten aus Publikationen vergangener Jahre.

In den 1970er Jahren verlegte Wagenbach weitere Tonaufnahmen der Gedichte Ernst Jandls, die in Druckform ihre Wirkung kaum entfalten.

1985 bis 2002
1987 gründete der Verlag die Reihe „SALTO“, deren Bücher nach klassischer handwerklicher Tradition hergestellt und in leuchtend rotes Leinen gebunden werden und somit Texte der zeitgenössischen Literatur in einer klassischen, traditionellen Form präsentieren. (z.B. Autoren wie Erich Fried, Carlo Emilo Gadda, Djuna Barnes, Virginia Woolf) Die Reihe „SALTO“ wurde ein voller Erfolg, auch im Bereich des Geschenkbuches. 1988 begründet Klaus Wagenbach die Reihe „Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek“, die hauptsächlich wissenschaftliche Essays enthält. 1989 erschien zum 25-jährigen Verlagsjubiläum der Almanach „Das schwarze Brett“, der auf dem „Fintentisch“ basierte.

Klaus Wagenbach mit Horst Köhler im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2006, im Hintergrund die bekannten roten Bücher der SALTO-Reihe

Klaus Wagenbach mit Horst Köhler im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2006, im Hintergrund die bekannten roten Bücher der SALTO-Reihe

1990 erhielt Klaus Wagenbach vom römischen Kulturgüterministerium den mit 33.000 DM (ca. 17.000 EUR) dotierten Preis „Il Premio Nazionale per la Traduzione“ für die Verbreitung italienischer Literatur im deutschen Sprachraum. 1993 begann das umfangreichste Projekt des Verlages: Die Veröffentlichung der Gesamtwerke von Erich Fried mit zum Teil bisher unveröffentlichten Texten des Lyrikers. 1997 fand eine Umgestaltung der Taschenbücher statt, 1998 wurde die CD/MC Reihe „Wagenbachs LeseOhr“ begründet.

2002 übergab Klaus Wagenbach die Leitung seines Verlags an seine Ehefrau Susanne Schüssler. Wagenbach ist jedoch im Verlag weiterhin als Lektor und Berater tätig und mit seiner Tochter Nina Wagenbach, die den Vertrieb leitet, Teil der Geschäftsführung.

2002 bis 2014
2004 erschienen die ersten Bände der berühmten Vite, mit denen Giorgio Vasari Mitte des 16. Jahrhunderts die europäische Kunstgeschichte begründete. Die Edition Giorgio Vasari mit 45 Bänden wird bearbeitet vom Kunsthistorischen Institut in Florenz.

Das Literaturprogramm internationalisiert sich mit Entdeckungen aus dem italienischen, spanisch-, französisch- und englischsprachigen Ausland, immer häufiger auch aus Übersee und Afrika. Die Reihe Salto feierte 2007 ihren 20. Geburtstag: Mit 1,4 Millionen verkauften Exemplaren, 150 erschienenen und davon 105 noch lieferbaren Titeln sind die Bände im roten Leinen längst zum Markenzeichen des Verlags geworden.

Nach 25 Jahren wurde die Reihe Politik bei Wagenbach 2008 zu neuem Leben erweckt: Die meinungsstarken Bücher für eine Kultur der Einmischung und des demokratischen Streits werden herausgegeben von der Politikwissenschaftlerin Patrizia Nanz.

Im selben Jahr veröffentlichte der Verlag mit Die souveräne Leserin von Alan Bennett erstmals einen Bestseller, 230.000 Exemplare wurden allein in den ersten sechs Monaten verkauft. 2010 kam das Opus Magnum Vittorio Magnago Lampugnanis Die Stadt im 20. Jahrhundert mit 960 Seiten und 640 Abbildungen (davon die meisten farbig) heraus.

Die Autoren des Verlags wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem Daniel Alarcón mit dem Internationalen Literaturpreis, Horst Bredekamp mit dem Max-Planck-Forschungs- sowie dem Aby-M.-Warburg-Preis, Milena Michiko Flasar mit dem Literaturpreis Alpha, Sergio Pitol mit dem Cervantes, Tiziano Scarpa mit dem Premio Strega, Klaus Wagenbach mit dem Österreichischen Toleranzpreis und Victor Zaslavsky mit dem Hannah-Arendt-Preis.

Im Jahr 2014 feiert der Verlag seinen 50. Geburtstag, mit vielen neuen Autoren und Büchern. Ein Quartheft mit dem Titel „Buchstäblich Wagenbach“ bringt eine Leistungsschau des Verlags mit vielen seiner Autoren. Von Mai bis Juli 2014 fand eine Ausstellung über den Verlag in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin statt. (Quelle: wikipedia)

Der Verlag hat eine kleine pdf – Broschüre über seine Verlagsgeschichte veröffentlicht; die nehme ich mal zum Anlass, über diesen Querdenker-Verlag zu informieren. Ich habe dem Wagenbach-Präsentationspäckchen dann noch folgende Ergänzungen beigelegt:

  • Verlagsportrait Wagenbach – Wir waren von Anfang an auch konservativ (Die Welt, 2014)
  • Wagenbach – Liberaler als die Polizei erlaubt (brand eins Portrait, 2010)

 

Und wie immer, hier ein paar Beispiele aus der Verlagsbroschüre (21  Seiten):

 

Beispiel01
Beispiel02
Beispiel03
Beispiel04
Beispiel05
Beispiel06
Beispiel07
Beispiel08
Beispiel09
Beispiel10
Beispiel11
Beispiel12
Beispiel13

Und hier geht´s zur Präsentation:

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George Bernhard Shaw + Stella Patrick Campbell – Geliebter Lügner (Jerome Kilty) (Hörbuch) (1963)

FrontCover1Irgendwie eine ganz schön schräge Angelegenheit:

George Bernard Shaw und die Schauspielerin Stella Patrick Campbell schrieben über vierzig Jahre Briefe aneinander. Sie formten ihre Gefühle mit Worten, begeisterten und verfluchten einander und vergaßen niemals, dass diese Briefe eines Tages an die Öffentlichkeit gelangen würden.

Zugegebnermaßen – ganz taufrisch ist das Stück „Geliebter Lügner“ von Jerome Kilty, der 1922 geboren wurde, nicht mehr. Seit mehr als fünf Jahrzehnten wird es die Bühnenwelt hinauf- und heruntergespielt, verliert jedoch nie an seiner Wortgewalt, seinem Witz und seiner Tragik. Dass liegt nicht nur daran, dass Kilty es versteht die Briefe von dem großen irischen Dramtiker George Bernard Shaw  und der Ende des 19.Jahrhundert als große Schauspielerin gefeierten Stella Patrick Campbell  klug auszuwählen und ihnen erklärende oder bonmonthaltige Dialoge beizufügen, sondern auch daran, dass Shaw und Campbells Briefe Meisterwerke sind. Ist Shaw oft der von seinem eigenen Ruhm besessene und zutiefst eitle Grantler mit Witz, schreibt Campbell oft das Innerste ihrer Künstlerseele an ihren Brieffreund.

Shaw steigt zu Weltruhm auf, erhält im Jahr 1925 den Literaturnobelpreis und 1939, ein Jahr vor Stella Patrick Campbells Tod in Frankreich, einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, während Campbell, einst gefeierte Schauspielerin und Broadway-Star unter ihrem Alter leidet und immer weniger von ihrem einstigen Ruhm leben kann. Oft wird sie krank und stirbt mehr oder weniger mittellos.

Portraits

Das Liebespaar

Shaws und Campbells Briefe machen diese Entwicklung nur unterschwellig deutlich. So klar und gewitzt, so harsch und bestechend die Schriftstücke formuliert sind, ist es für den Zuschauer ein Akt der geistigen Mitarbeit nachzuvollziehen in welchen Lebenssituationen sich die beiden Schöpfer dieser Briefe zum jeweiligen Zeitpunkt befanden. Kilty löst das in seinem Stück mit Jahreszahlen, die immer wieder beiläufig vorgetragen werden.

War Stella Patrick Campell für den älteren George Bernard Shaw am Anfang ein Vorbild und eine Muse (sie inspirierte ihn zu seinem weltweit bekannten Stück „Pygmalion“ und war in einem post-viktorianisch verklemmten Großbritannien sein Objekt der Begierde), so wird Shaw über die Jahre immer mehr zu Campbells Vorbild. Sein Erfolg und seine Lebensfreude, seine Gedanken und sein Talent zum Schreiben begeistern sie. „Geliebter Lügner“ und „Clown“ nennt sie ihn in ihren Briefen, schwärmt und giftet ihn an, verflucht ihn, um ihn gleichzeitig wieder sehnsüchtig herbeizurufen.
In Kiltys Stück wird der Zuschauer Teil einer komplizierten und herzzereißenden Liebesgeschichte. Es sind Briefe wie sie nur die Leidenschaft und Getriebenheit zweier Künstlerseelen schreiben können. So sehr nehmen einen die Gedanken der beiden mit. (Tobias Lentzler )

Portraits2

Und es gibt etliche, weitere Quellen, die sich ebenfalls euphorisch über diesen Briefwechsel äußern …

Zusammengestellt haben diese Brief übrigens ein Jerome Kilty

Jerome Kilty (* 24. Juni 1922 in Baltimore, Maryland; † 6. September 2012 in Norwalk,

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Jerome Kilty

Connecticut) war ein amerikanischer Schauspieler und Autor, der besonders durch seine Dramatisierungen von Briefwechseln bekannt wurde. Sein bekanntestes Werk war Dear Liar, die Adaptierung der 40-jährigen Korrespondenz zwischen George Bernard Shaw und Mrs. Patrick Campbell, einer Londoner Schauspielerin.

So ganz kann ich mich dieser Euphorie allerdings nicht anschließen … Interessant ist jedoch, mit welchen Worten und Satzstellungen man in jenen Jahrzehnten hantierte, wenn man zur Gattung der selbstverliebten und egozentrischen Künstlern gehörte. Er war ein rechter Griesgram, sie ne eingebildete Ziege … würd´ ich mal sagen.

Wir hören ein „wunderbar“ höfliches Hin und Her, mit Andeutungen, Träumen, Problemen, glühenden Liebesschwüren, Verdächtigungen, Gerüchten, Bosheiten und Spitzfindigkeiten.

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Die Buchausgabe

Hier die erste deutsche Hörspielfassung (später gab´s dann auch noch eine Version mit Iris Berben und Mario Adorf).

Aber zuerst gab´s die Fernsehausstrahlung:  Die ARD hatte am 10. Oktober 1963 eine Aufführung dieser Vorlage von Kilty ausgestrahlt; Protagonisten waren hierbei O. E. Hasse und Elisabeth Bergner, zwei Hochkaräter des Schauspiels der damaligen Zeit:

Otto Eduard Hasse war ein deutscher Schauspieler und Regisseur, der auf der Theaterbühne u. a. als „Mephisto“ und „Des Teufels General“ brillierte, im Kino als „Canaris“ (1954) und „Arzt von Stalingrad“ (1958) beeindruckte und als Synchronsprecher u. a. die langjährige deutsche Stimme von Humphrey Bogart war. Er wurde am 11. Juli 1903 in Obersitzko in Polen geboren und verstarb am 12. September 1978 mit 75 Jahren in Berlin. (geboren.am)

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Otto Eduard Hasse

Und dann noch die Elisabeth Bergner:

Sie war die gefeierte deutsche Bühnenschauspielerin der ersten Jahrhunderthälfte, doch ihr überdauernder Ruhm gründet sich auf die Erfolge eines einzigen Jahrzehnts. Im Jahr 1923 stand sie in Berlin hintereinander in mehreren großen Shakespeare- und Strindberg-Rollen auf der Bühne. Danach war „ganz Berlin in sie verliebt“ (Fritz Kortner). 1924 war sie schon so berühmt, daß George Bernard Shaw von London aus den Berliner Theaterkönig Max Reinhardt, der die Bergner nicht mochte, zwang, keine andere die „Heilige Johanna“ spielen zu lassen. Es wurde nach Shakespeares Rosalinde, ihr größter Triumph. Elisabeth Bergner, im galizischen Drohobytsch geboren, in Wien aufgewachsen, war ein Schönheitsidol der zwanziger Jahre knabenhaft schmal großäugig, Bubikopf, naiv und kokett mit verführerisch singender Stimme halb Elfe, halb Engel, kaum Frau. Ihr treuester Anbeter, ein junger Wiener namens Paul Czinner, der zuvor nie einen Film gedreht hatte, machte sie 1924 zum Kinostar: Er wurde ihr Vertrauter, ihr Impresario, der Regisseur der wichtigsten Bergner Filme bis Kriegsausbruch, und 1933 wurde er auch ihr Ehemann. Vom Berliner Theaterbetrieb hatte sie sich da schon abgewendet und filmte in England. Auf das Arisierungsangebot, das die Nazis ihr nach London übermittelten, um sie zurückzulocken, reagierte sie nicht.

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Elisabeth Bergner

Im London der Vorkriegsjahre ist Elisabeth Bergner bejubelt worden wie keine Ausländerin seit Sarah Bernhardt; Stücke wurden eigens für sie geschrieben, sie spielte Shaw zuliebe noch einmal die „Heilige Johanna“. Hollywood lockte, die Bergner ging nach Amerika, doch die neue Garbo wurde sie nicht. Czinner hat sie dafür zum Broadway-Star gemacht, und dort versuchte sie 1946, als Gastgeberin und Hauptdarstellerin, Brecht in Amerika zum Erfolg zu verhelfen. Das Fiasko seiner Bearbeitung der „Herzogin von Malfi“ bedeutete auch für Elisabeth Bergner den Abschied von Amerika. Ihr Wohnsitz blieb London, sie kam immer nur als kostbarer Gast, und bei ihren späten Triumphen – in O’Neill-Rollen in dem Shaw-Duett „Geliebter Lügner“ mit O.E. Hasse und dem Film „Der Pfingstausflug“ mit Martin Held (Photo) – wurde eine Legende gefeiert und geliebt. (Quelle: Der Spiegel, Mai 1986)

Interessant, dass zumindest Elisabeth Bergner auf persönliche Begegnungen mit George Bernhard Shaw zurückblicken konnte.

Und dann gibt es noch zu vermelden, dass diese Aufnahmen, Jahre später (und zwar 1966 und 1970) auf in der DDR auf dem Litera Label erschienen sind.

EternaAusgabe

Eterna Ausgabe

Besetzung:
Elisabeth Bergner (Sprecherin)
E.O. Hasse (Sprecher)

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Titel:
01. Geliebter Lügner (Teil 1) 29.11
02. Geliebter Lügner (Teil 2) 30.31

Textzusammenstellung: Jerome Kilty
Deutsche Übersetzung: Hermann Stresau

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Dudenredaktion (Herausgeber) – Passende Worte für jede Gelegenheit (2011)

TitelIch finde solche Bücher immer wieder mal ganz hilfreich, zumal es zu meinem beruflichen Obliegenheiten zählt, Ansprachen aller Art zu halten:

„Ob Familienereignis oder Jubiläum im Kollegen- und Bekanntenkreis – zu herausragenden Momenten möchte man die richtigen Worte finden und mit ebenso persönlichen wie angemessenen Formulierungen reagieren. Dieser Band hilft, diesem hohen Anspruch gerecht zu werden: er ist eine Fundgrube der passenden Formulierungen, Zitate und Gedichte für die unterschiedlichsten Anlässe.“ (Verlagsankündigung)

Und natürlich traut man es der Dudenredaktion zu, hier ein Füllhorn von eben „passenden“ Texte zusammengetragen zu haben, auch wenn einen (bzw. mir), nicht alle Texte gleich zusagen … Aber alles andere wäre ja auch verwundlich.

Und da passt das Stich Aphorismen:

„Ein Aphorismus ist ein einzelner Gedanke, ein Urteil oder eine Lebensweisheit, welcher aus nur einem Satz oder wenigen Sätzen selbständig bestehen kann. Oft formuliert er eine besondere Einsicht rhetorisch kunstreich als allgemeinen Sinnspruch (Sentenz, Maxime, Aperçu, Bonmot). Dagegen gelten geflügelte Worte und pointierte Zitate literaturwissenschaftlich nicht als Aphorismen.“ (Quelle; wikipedia)

Erwähnen möchte ich noch die wirklich reizenden Illustration von Nicole Schneider, die sich so direkt in mein Herz gemalt hat.

Hier jetzt erstmal das Inhaltsverzeichnis (Das Buch hat 290 Seiten)

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Und nun – wie üblich bei Druckerzeugnissen in diesem blog, ein paar Vorschaubilder:

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Die Rückseite des Buches