Anna Seghers – Das siebte Kreuz (Hörspiel) (1955 / 1968)

FrontCover1Zurück aus Rhein Hessen … und es war ein sehr intensiver Urlaub, ein Urlaub von dem wir z.B. durch das Wetter verwöhnt wurden, aber auch ein Urlaub, der mich tief eintauchen ließ in die deutsche Geschichte – von der Nibelungen-Sage bis hin, ja bis hin zum KZ Osthofen – und in diesem sehr speziellem KZ (es existierte „nur“ bis 1934) stieß ich auf Anna Seghers:

Anna Seghers (* 19. November 1900 in Mainz; † 1. Juni 1983 in Ost-Berlin; gebürtig Netty Reiling, verheiratet als Netty Radványi) war eine deutsche Schriftstellerin.

Anna Seghers war das einzige Kind des Mainzer Kunst- und Antiquitätenhändlers Isidor Reiling und seiner Frau Hedwig (geb. Fuld). Ihr Großvater mütterlicherseits war der Frankfurter Rechtsanwalt Salomon Fuld. Der Vater war Mitglied und anteiliger Bauträger der 1879 eingeweihten neuorthodoxen Synagoge in der Flachsmarktstraße. Sie besuchte ab 1907 eine Privatschule, dann ab 1910 die Höhere Mädchenschule in Mainz, das heutige Frauenlob-Gymnasium. Im Ersten Weltkrieg leistete sie Kriegshilfsdienste. 1920 absolvierte sie das Abitur. Anschließend studierte sie in Köln und Heidelberg Geschichte, Kunstgeschichte und Sinologie. 1924 promovierte sie an der Universität Heidelberg mit einer Dissertation über Jude und Judentum im Werk Rembrandts.

1925 heiratete sie den aus einer jüdischen Familie stammenden ungarischen Soziologen László Radványi, der sich von da an Johann Lorenz Schmidt nannte. Mit ihm hatte sie zwei Kinder. Das Ehepaar zog nach Berlin, wo es von 1925 bis 1933 im Bezirk Wilmersdorf wohnte. 1926 wurde der Sohn Peter geboren, der heute Pierre Radványi heißt. In der Weihnachtsbeilage 1924 der Frankfurter Zeitung hatte die junge Autorin ihre erste Erzählung Die Toten auf der Insel Djal mit Antje Seghers signiert. Die Erzählung Grubetsch erschien 1927 unter dem Künstlernamen Seghers (ohne Vornamen), worauf Kritiker einen Mann als Autor vermuteten. Das Pseudonym entlieh sie dem von ihr geschätzten niederländischen Radierer und Maler Hercules Seghers (der Name wurde auch Segers geschrieben).

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1928 wurde Tochter Ruth geboren. In diesem Jahr erschien auch Seghers’ erstes Buch Aufstand der Fischer von St. Barbara unter dem Pseudonym Anna Seghers. Für ihr Erstlingswerk erhielt sie auf Vorschlag von Hans Henny Jahnn noch im selben Jahr den Kleist-Preis. Ebenfalls 1928 trat sie der KPD bei und im folgenden Jahr war sie Gründungsmitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. 1930 reiste sie erstmals in die Sowjetunion. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Anna Seghers kurzzeitig von der Gestapo verhaftet; ihre Bücher wurden in Deutschland verboten und verbrannt. Wenig später konnte sie in die Schweiz fliehen, von wo aus sie sich nach Paris begab.

Im Exil arbeitete sie an Zeitschriften deutscher Emigranten mit, unter anderem als Mitglied der Redaktion der Neuen Deutschen Blätter. 1935 war sie eine der Gründerinnen des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller in Paris. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch deutscher Truppen in Paris wurde Seghers’ Mann in Südfrankreich im Lager Le Vernet interniert. Anna Seghers gelang mit ihren Kindern die Flucht aus dem besetzten Paris in den von Philippe Pétain regierten Teil Südfrankreichs. Dort bemühte sie sich in Marseille um die Freilassung ihres Mannes sowie um Möglichkeiten zur Ausreise. Erfolg hatten ihre Bemühungen schließlich beim von Gilberto Bosques geleiteten mexikanischen Generalkonsulat, wo Flüchtlingen großzügig Einreisegenehmigungen ausgestellt wurden. Diese Zeit bildete den Hintergrund des Romans Transit (erschienen 1944).

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Gedenktafel am Haus Anna-Seghers-Straße 81, in Berlin-Adlershof

Im März 1941 gelang es Anna Seghers, mit ihrer Familie von Marseille aus über Martinique, New York, Veracruz nach Mexiko-Stadt auszuwandern. Ihr Mann fand dort Anstellung, erst an der Arbeiter-Universität, später auch an der Nationaluniversität. Anna Seghers gründete den antifaschistischen Heinrich-Heine-Klub, dessen Präsidentin sie wurde. Gemeinsam mit Ludwig Renn rief sie die Bewegung Freies Deutschland ins Leben und gab deren gleichnamige Zeitschrift heraus. 1942 erschien ihr Roman Das siebte Kreuz – in einer englischen Ausgabe in den USA und auf Deutsch in Mexiko. Im Juni 1943 erlitt Anna Seghers bei einem Verkehrsunfall schwere Verletzungen, die einen langen Krankenhausaufenthalt notwendig machten. 1944 verfilmte Fred Zinnemann Das siebte Kreuz – der Erfolg von Buch und Film machten Anna Seghers weltberühmt; nach ihrem Tod machte Hans Werner Henze diesen Roman 1996 in einer Nachdichtung von Hans-Ulrich Treichel zur Grundlage seiner 9. Sinfonie.

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Anna Seghers mit Georg Lukacs auf der „Welt Friedenskonferenz“, Paris, 1949

1947 verließ Seghers Mexiko und kehrte nach Berlin zurück, wo sie anfangs als Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in West-Berlin lebte. Auf dem Ersten Deutschen Schriftstellerkongress im Oktober 1947 hielt sie eine viel beachtete Rede über das Exil und den Freiheitsbegriff. In diesem Jahr wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. 1950 zog sie nach Ost-Berlin und wurde zum Mitglied des Weltfriedensrates und zum Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste berufen. Im Jahr 1951 erhielt sie den Nationalpreis der DDR und unternahm eine Reise in die Volksrepublik China. 1952 wurde sie Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR und blieb es bis 1978. 1955 zogen Anna Seghers und ihr Mann in die Volkswohlstraße 81 (seit 1984 Anna-Seghers-Straße) in Berlin-Adlershof, wo sie bis zu ihrem Tod wohnten. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts befindet sich in der Wohnung die Anna-Seghers-Gedenkstätte, ein Museum zu Leben und Werk der Autorin.

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Grab von Anna Seghers auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Als 1957 Walter Janka, dem Leiter des Aufbau-Verlages, der ihre Bücher verlegte, wegen angeblicher „konterrevolutionärer Verschwörung“ der Prozess gemacht wurde, nahm Anna Seghers dazu nicht öffentlich Stellung. Beim Ausschluss von Heiner Müller aus dem Schriftstellerverband im Jahre 1961 stimmte sie dagegen. 1975 wurden ihr der Kulturpreis des Weltfriedensrates sowie die Ehrenbürgerschaft von (Ost-)Berlin verliehen. 1978 trat sie als Präsidentin des Schriftstellerverbandes zurück und wurde dessen Ehrenpräsidentin. Im selben Jahr starb ihr Mann. Im Jahre 1979 schwieg Anna Seghers zu den Ausschlüssen von neun kritischen Autoren aus dem Schriftstellerverband. 1981 wurde ihr die Ehrenbürgerwürde ihrer Geburtsstadt Mainz verliehen. Sie starb am 1. Juni 1983 und wurde, nach einem Staatsakt in der Akademie der Künste der DDR, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

Die frühen Werke Anna Seghers’ können der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden. In der Exilliteratur spielte sie nicht nur als Organisatorin eine wichtige Rolle, sondern schrieb mit Transit und Das siebte Kreuz auch zwei der literarisch bedeutendsten Romane dieser Zeit. Ihre späteren, in der DDR erschienenen Romane sind dem Sozialistischen Realismus verpflichtet. Sie zeigen eine schematische Figurenführung und irritieren durch ihre Parteitreue, die nicht zuletzt auf die zahlreichen offiziellen Funktionen (u. a. als Präsidentin des Schriftstellerverbandes) zurückgeführt werden kann. Im Gegensatz zu den Romanen der fünfziger und sechziger Jahre behalten die späten Erzählungen ihre literarische Gültigkeit. Bis ins hohe Alter bewies Seghers darin eine erzählerische Frische, die nicht zuletzt daher rührte, dass sie immer wieder Stoffe aus der Renaissance, aus Ostasien, der Karibik oder Mexiko aufgriff, die sie sowohl einfühlsam und kenntnisreich wie auch mit großer Erfindungs- und Gestaltungsgabe – jenseits aller Klischees – literarisch großartig zu erzählen verstand. (wikipedia)

Berlin, Anna Seghers, Ehrenbürgerschaft Mainz

Anna Seghers wurde 1983 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Mainz verliehen. Aus diesem Anlaß waren in ihrer Berliner Wohnung (v.l.n.r.) Dr. Storch (FDP), A. Seghers, Oberbürgermeister Jocke Fuchs, Wegell (FDP), Klaus Bölling, Bürgermeister Dr. Keim sowie Dr. Harder, Präsident der Gutenberg-Universität Mainz und andere Persönlichkeiten anwesend.

Und hier eine Hörspielfassung ihres wohl größten Werks: „Das siebte Kreuz “ (ursprünglich ein Hörspiel des DDR-Radio aus dem Jahr 1955, 1968 dann als Doppel-LP auf dem Label Litera erschienen):

Das siebte Kreuz ist ein Roman von Anna Seghers über die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager während der Zeit des Nationalsozialismus.

1938 begann Anna Seghers die Arbeit an ihrem Roman im Exil in Südfrankreich. Da sie keine Recherchen an den Örtlichkeiten des Romans durchführen konnte, griff sie auf eine Region als Schauplatz zurück, die sie als gebürtige Mainzerin kannte. Das von ihr zugrundegelegte Konzentrationslager Osthofen befand sich auf einem damals stillgelegten Fabrikgelände nahe Worms.

Bereits 1939 erschien das erste Kapitel in der Moskauer Zeitschrift „Internationale Literatur“.[1] 1942 wurde der komplette Roman in den USA in englischer Sprache und im mexikanischen Exilverlag „El Libro Libre“ („Das Freie Buch“) in deutscher Sprache veröffentlicht. Ebenfalls 1942 wurde in den USA eine Comic-Fassung verlegt.[2] Durch den Abdruck in zahlreichen Zeitungen Amerikas dürfte die complete pictorial version damals bis zu 20 Millionen Leser erreicht haben. 1944 erschien eine überarbeitete und gekürzte Ausgabe für die auf den europäischen Kriegsschauplatz entsandten US-Soldaten. Später wurde von Anna Seghers das weitere Leben einiger Romanfiguren in Erzählungen fortgeführt („Das Ende“, „Die Saboteure“, „Vierzig Jahre der Margarete Wolf“).

Erstausgabe

Die Erstausgabe (1942)

1937 bricht Georg Heisler mit sechs Mitgefangenen aus dem Konzentrationslager Westhofen bei Worms aus. Der KZ-Kommandant Fahrenberg befiehlt, die Entflohenen innerhalb von sieben Tagen zurückzubringen. Er lässt die Kronen von sieben Bäumen kappen und an den Stämmen in Schulterhöhe je einen Querbalken anbringen, so dass sieben Kreuze entstehen, eines für jeden Flüchtigen. Sechs der Entflohenen werden entweder gefasst oder kommen auf der Flucht um, doch das siebte Kreuz bleibt frei. Georg Heisler gelingt schließlich die Flucht in Richtung der Niederlande.

Jeder der sieben Flüchtigen mit ihren unterschiedlichen Berufen und Biografien steht für eine soziale Schicht. Auch die Vertreter des Nationalsozialismus, allen voran der Lagerkommandant SA-Scharführer Fahrenberg, verkörpern politische Haltungen in Nazi-Deutschland. Zusammen mit den Randfiguren des Romans entsteht ein Querschnitt durch die Gesellschaft dieser Zeit.

Der Roman schildert in sieben Kapiteln die siebentägige Flucht Heislers, die nur gelingen konnte, weil Heisler bei all seinem Mut kein Individualist ist wie die anderen Flüchtigen, sondern als Kommunist Rückhalt bei seinen Genossen im Untergrund findet. Aber auch gutwillige Deutsche, politisch nicht organisiert, helfen ihm auf seiner Flucht.

Comic

US-Comic (1942)

Georg und sechs andere KZ-Insassen fliehen früh morgens bei einem Arbeitseinsatz außerhalb ihres Lagers, nachdem sie einen Wärter niedergeschlagen haben. Mit Hundestaffeln und Scheinwerfern sucht man nach ihnen. Als sie sich außerhalb des Lagers befinden, klettern die Wärter Mannsfeld, Ibst und Meißner über einen Abhang, um die Flüchtlinge einzufangen. Albert Beutler wird gefangen, den anderen gelingt zunächst die Flucht. Der Kommandant Fahrenberg lässt das Gebiet weiträumig absperren, sieben Platanen kappen und an jeden Stamm ein Querbrett nageln. Nach dem Ausbruch der Häftlinge schwört Fahrenberg, dass er die Häftlinge in sieben Tagen wieder beisammenhat.

Georg Heisler kriecht durch die Kanalisation und gelangt auf ein Feld. Er geht ins nächste Dorf, wo er in einem Schuppen etwas zum Anziehen stiehlt. Um heil aus diesem Dorf herauszukommen, nimmt er ein Maschinenteil mit einem Artikelschein daran an sich, um sich damit auszuweisen. In Buchenau angekommen, rastet er. Alle Tore schließen sich, und er versteckt sich hinter einem Holzstapel. Georg gelingt schließlich die Flucht aus dem Dorf, indem er über die Mauer klettert. Er will nach Frankfurt zu seiner Liebsten Leni. Bei der Mitfahrt auf einem Brauereifahrzeug wird er auf einer Landstraße zwischen Oppenheim und Mainz abgesetzt.

Filmbild

Aus dem gleichnamigen US-Film (1944)

Vom nächsten Dorf aus gelangt Georg per Straßenbahn nach Mainz. Dort begibt er sich in den Dom, um in einer Nische zu schlafen. Er zieht seinen Sträflingsanzug aus und gibt sich als Kirchgänger aus. Da seine Hand durch Scherben verletzt ist, geht er am nächsten Morgen zur Behandlung in eine jüdische Arztpraxis.

Georg geht rheinabwärts und tauscht mit einem Schiffer die Kleidung. Mit einem Angler namens „Hechtschwänzchen“ wandert er weiter. Als ihn ein Polizist anspricht, flieht er. Er läuft in ein Industriegebiet, und da er nicht verfolgt wird, kauft er sich an einer Bude ein Bier und überredet eine Bierfahrerin, ihn mitzunehmen. Diese setzt ihn hinter Mainz-Mombach ab und Georg schläft in einem Schuppen. Am nächsten Morgen überquert er den Rhein mit der Fähre und gelangt per Anhalter nach Höchst und von dort aus nach Frankfurt-Niederrad. Voller Hoffnung klopft er bei Leni an, aber die ist inzwischen mit einem Nationalsozialisten liiert und gibt vor, Georg nicht zu erkennen. Georg „stürmt“ die Wohnung und lässt etwas zum Essen mitgehen.

Diverse Buchausgaben

Diverse Buchausgaben

Nachdem er den Schienen gefolgt ist, steht er vor dem Haus, welches ihm der tote Belloni (dem bei der Flucht über die Dächer in die Füße geschossen wurde und der vom Dach fiel) beschrieben hatte. Frau Marelli gibt ihm Kleidung und 8 Mark, die ihr Belloni zu viel gegeben hatte. Er folgt einem Mädchen auf ihr Zimmer und legt sich dort nieder. Später wacht er durch Geräusche auf und flieht aus dem Fenster.

Am Eschenheimer Turm in Frankfurt trifft er Füllgrabe. Dieser will sich stellen und Georg mitnehmen. Nun will Georg nach Botzenbach. Da er weiß, dass alle aus seiner Familie bewacht werden, will er jemanden vorschicken, und er denkt dabei an Paul Röder.

Röder wohnt in Frankfurt-Bockenheim in der Brunnengasse 12. Paul ist da, er nimmt ihn mit in die Wohnung, Georg erzählt aber nicht gleich, dass er aus Westhofen ausgebrochen ist. Paul will ihm helfen, deswegen geht er zu Herrn Schenk in die Moselgasse. Schenk ist in Westhofen, und seine Frau wohnt seit drei Monaten nicht mehr dort. Danach geht Paul zu Herrn Sauer, doch der will Georg nicht kennen, da er Paul für einen Spitzel der Gestapo hält. Deswegen bringt Röder Georg zu seiner Tante Katharina Grabber, die ein Fuhrunternehmen besitzt und Georg einstellt und versteckt.

Paul organisiert mit Hilfe des alten Arbeitskollegen und Kommunisten Fiedler für Georg eine Unterkunft bei einem gewissen Doktor Kreß in der Riederwaldsiedlung. Am nächsten Morgen kommt Fiedlers Ehefrau mit einem Umschlag, in dem sich ein Zettel mit dem Ort, ein gefälschter Pass und etwas Geld befinden. Georg soll am nächsten Tag um 5:30 Uhr an der Anlegestelle an der Kasteler Brücke in Mainz am Schiff „Wilhelmine“ sein. Georg wird von Kreß in Kostheim abgesetzt und geht zur Kasteler Brücke. Dort zeigt er dem Wachposten seinen Pass und gelangt auf den Kahn.

Alle anderen Entflohenen werden entweder gefasst oder sind tot. Fahrenberg lässt die lebenden Flüchtlinge an die Platanen binden. Fahrenberg und Zillich werden als Kommandanten ausgetauscht. Unter der neuen Leitung von Sommerfeld und Uhlenhaut werden alle sieben Platanen gefällt. Ob Fahrenberg anschließend in einem Hotel Selbstmord begeht, bleibt offen; es wird jedoch sehr glaubhaft angedeutet.

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Georg Heisler:
Der Kommunist Georg Heisler ist die zentrale Figur des Romans; als Einziger der sieben Flüchtlinge überlebt er, indem er in die Niederlande flüchtet. Seine Jugend ist geprägt von unbeständigen Freundschaften.

Ernst Wallau
Der ehemalige Betriebsrat und Abgeordnete Wallau ist ebenfalls einer der sieben Flüchtlinge und ist für Heisler Vorbild und geistige Hilfe. Nachdem er gefasst wird, redet er nicht und wird schließlich von Zillich erschlagen.

Füllgrabe
Füllgrabe ist ein wohlhabender Kaufmann, der an Kommunisten spendete, bevor er in das Konzentrationslager kam. Über ihn wird gesagt, dass er die Flucht schaffen könne. Er kannte Heisler bereits von früher und trifft sich mit ihm in Frankfurt, wo Füllgrabe ihn überreden will, sich mit ihm bei der Gestapo zu stellen, was Heisler jedoch ablehnt. Füllgrabe geht schließlich zur Gestapo und stellt sich.

Anna Seghers Darstellung von Westhofen basiert auf Berichten von Gefangenen aus dem KZ Sachsenhausen. Der Name „Westhofen“ spielt auf das KZ in Osthofen an, einem Nachbarort des Orts Westhofen im rheinland-pfälzischen Landkreis Alzey-Worms. Das KZ Osthofen war 1934 allerdings bereits aufgelöst worden. Möglicherweise diente die reale Flucht von Max Tschornicki aus dem KZ Osthofen als Vorlage.

Seghers wollte mit ihrem Roman zeigen, dass Häftlinge aus einem Konzentrationslager ausbrechen konnten, und zwar mit Hilfe Gleichgesinnter, dass der Faschismus in Hitler-Deutschland bekämpft wurde, und dass die Nationalsozialisten nicht allmächtig waren.

In der DDR wurde der Roman Das siebte Kreuz als Pflichtlektüre auch im Deutschunterricht der Oberschulen besprochen, zumal Anna Seghers 1952–1978 Präsidentin des Deutschen Schriftstellerverbands in der DDR war. Das siebte Kreuz wurde als einziges Werk einer Frau in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen, zudem ist es Teil der ZEIT-Schülerbibliothek. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete es 1988 als Meisterwerk der deutschen Literatur und als den bedeutendsten deutschen Roman über das Leben während des „Dritten Reiches“ und nahm es in seinen 2002 erschienenen Kanon der deutschen Literatur auf. (wikipedia)

Und wir hören so ein Hörspiel, das ob der Intensität einem die Kehle zuschnürten könnte …

Und wenn´s nach mir ging, müsste dieses Werk weiterhin Pflichtlektüre in deutschen Schulen sein …

Als Beigabe gibt´s dann noch die 8seitige Broschüre „Anna Seghers – Mainzer Weltliteratur“ (2003), die ich im KZ Osthofen entdeckt habe … eine kurze Übersicht über Leben und Werk der Anna Seghers.

BackCover

Besetzung:
Aribert Grimmer (Hermann)
Harry Hindemith (Georg)
Ernst Kahler (Pelzer)
Willy A. Kleinau (Paul)
Franz Kutschera (Füllgrabe)
Paul Lewitt (Dr. Löwenstein)
Werner Pledath (Overkamp)
Horst Preusker (Fischer)
Horst Schönemann (Bunsen)
Paul Streckfuß Aldinger
Renate Thormelen (Gerda Kreß)
Gerry Wolff (Peter Kreß)

Bearbeitung und Regie: Hedda Zinner

Beispiel01

Titel:
01. Das siebte Kreuz 1.17.21

Text: Anna Seghers

LabelC1

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Beispiel02

Und dann noch dieses … weil ich ja mittlerweile 65 Jahre alt geworden bin:

Glück

Hugo von Hofmannsthal – Der Tor und der Tod (1920)

TitelUnd hier mal ein kleines, aber feines Büchlein aus der Insel Bücherei (über diese verlegerische Großtat möchte ich demnächst mal berichten).

Verfasst wurde es von Hugo von Hofmannsthal:

Hugo von Hofmannsthal, genauer Hugo Laurenz August Hofmann Edler von Hofmannsthal, wurde am 1. Februar 1874 als Sohn des Juristen und Bankbeamten Dr. Hugo von Hofmannsthal (1841-1915) und seiner Frau Anna, geb. Fohleutner (1849-1904) in Wien geboren. Seine Familie hat jüdische, italienische, schwäbische und österreichische Wurzeln. Als behütetes und einziges Kind seiner Eltern erhielt Hofmannsthal eine äußerst sorgfältige Bildungsförderung, besonders durch den Vater. Der Umgang mit Büchern und der Besuch des Theaters waren die Hauptbeschäftigung dieses einsamen Kindes, das seine Lebenserfahrung aus den Lektüreerlebnissen zog und sich „frühgereift und zart und traurig“ die Welt lesend und träumend antizipierte. Die überragende Kenntnis der europäischen Literatur war die Grundlage von Hofmannsthals Schaffen. Zugleich forderte das auch belastende Erbe der Tradition sein Schreiben zu immer neuen Metamorphosen und modernen Transformationen heraus.

Schon als Gymnasiast, 16 jährig, trat Hofmannsthal unter dem Pseudonym Loris mit seinen ersten Gedichten und lyrischen Dramen an die Öffentlichkeit. In den literarischen Zirkeln Wiens wurde er als Wunderkind gefeiert und fand als viel Jüngerer gleichberechtigte Aufnahme in den Kreis der Schriftstellergruppe des „Jungen Wien“ (Hermann Bahr, Arthur Schnitzler, Richard Beer-Hofmann, Felix Salten u.a.). Seine Texte lassen die Signatur der Moderne nicht nur erkennen, sondern konstituieren maßgebend das Konzept der Moderne, zu dem seine zahlreichen Essays und Rezensionen die Stichwörter gaben. Hofmannsthals Gedichte wurden als Zeugnisse eines modernen ‚L’art pour l’art’ in Georges „Blätter für die Kunst“ veröffentlicht. Seine kleinen Dramen, die

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1893

sich außerhalb der gängigen Bühnenkonzepte bewegten und darum als theateruntauglich galten, sind federleichte Gebilde, die in hochartistischer Sprache die Kritik des Ästhetizismus behandeln. Auch die frühen Erzählungen widmen sich in dichter, geschliffener Prosa der Kritik der ästhetischen Lebensform und lassen sie in unheimliche Konstellationen münden. – Den Ruhm dieses als „ästhetisch“ bezeichneten Frühwerks hat Hofmannsthal zunehmend als Belastung empfunden.

 

Nach dem Abitur wollte der nun schon bekannte Autor dennoch neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit einen bürgerlichen Beruf ergreifen. An der Wiener Universität studierte er zunächst Jura, nach seinem Militärdienstjahr wechselte er 1895 zur Romanistik, deren Studium er mit einer Promotion abschloß. Seine bereits halbherzig geschriebene Habilitation über Victor Hugo zog Hofmannsthal 1901 wieder zurück, denn zu diesem Zeitpunkt war längst klar, daß sein einziges Geschäft die Dichtkunst war.

Hofmannsthal heiratete 1901 eine junge Frau aus seinem eigenen sozialen Lebenskreis, Gertrud (Gerty) Schlesinger (1880-1959), Bankierstochter aus jüdischer assimilierter Familie, mit der er bis zu seinem Tod im sogenannten Fuchsschlößl in Rodaun bei Wien lebte. Dort kamen auch die drei Kinder Christiane (1902-1987), Franz (1903-1929) und Raimund (1906-1974) auf die Welt. Diesem ruhigen und kontinuierlichen Gleichmaß des „äußeren Lebens“ – Hermann Broch spricht in seiner Studie über Hofmannsthal von dessen „Ich-Verschweigung“ – steht eine enorme, oft unruhige und fragmentarische schriftstellerische und kulturpolitische Aktivität gegenüber. Das gilt für die eigenen Werke, die sich in allen Gattungen und über die Grenzen des Sprachkunstwerkes hinaus bewegen, die mit der gesamten europäischen Tradition ein „unendliches Gespräch“ führen und die mit ihrem fragmentarischen Charakter und der Proliferation der Skizzen eine moderne Ästhetik begründen; das gilt auch im Hinblick auf kulturfördernde Engagements wie Herausgebertätigkeiten, Zeitschriftenprojekte und Gründungen von Kulturinstitutionen. Dem reichen Tätigkeitsradius entsprach der große Freundeskreis um Hofmannsthal, von dem ein immenses Briefwerk zeugt.

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1910

1902 erschien der wohl folgenreichste Text Hofmannsthals, „ Ein Brief“ (bekannt als ‚Brief des Lord Chandos’), der mit seiner radikalen Sprachskepsis zu Recht als Gründungsmanifest der Moderne gelesen wird. In der Folge entstanden weitere „Erfundene Gespräche und Briefe“, in denen die Grenze von Essayistik und Fiktionalität verwischt und die Kunst zu einer beständigen Selbstreflexion getrieben wird. Zugleich gelang Hofmannsthal der ersehnte Durchbruch zur „großen Bühne“ mit seinen durch Nietzsche und Freud inspirierten Neubearbeitungen antiker Tragödien (vor allem „Elektra“ 1903). Die Zeit nach der Jahrhundertwende ist in Hofmannsthals Schaffen gekennzeichnet durch die Bemühung um die nichtsprachlichen Künste: Ballette, Pantomimen, später Filmdrehbücher und vor allem die Oper. Hierher gehört die bis zu seinem Tod dauernde Verbindung mit Richard Strauss (1864-1949), für den er zahlreiche Opernlibretti schrieb („Der Rosenkavalier“, „Ariadne auf Naxos“, „Die Frau ohne Schatten“, „Die ägyptische Helena“, „Arabella“), und die mit Max Reinhardt (1873-1943), mit dem er in den zwanziger Jahren die Salzburger Festspiele begründete. Max Reinhardt hat auch viele von Hofmannsthals Theaterstücken inszeniert, so nach dem Weltkrieg die Komödien „Der Schwierige“ und „Der Unbestechliche“. Hofmannsthals Romanprojekte, besonders der bedeutende Romanentwurf „Andreas“, blieben alle unvollendet und sind erst posthum erschienen.

Hofmannsthal starb am 15. Juli 1929, am Tag der Beerdigung seines Sohnes Franz, der zwei Tage zuvor Selbstmord begangen hatte. Er war 55 Jahre alt. Der Schriftstellerkollege und Freund Arthur Schnitzler notierte in sein Tagebuch: „Der grösste Dichter dieser Zeit ist mit ihm dahin.“ (Elsbeth Dangel-Pelloquin)

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Hier eines aus meiner Sicht bemerkenswerten Texte:

Der Tor und der Tod ist ein kurzes Drama in Versen („lyrisches Drama“) von Hugo von Hofmannsthal, verfasst 1893. Die erste Veröffentlichung erfolgte 1894 im „Modernen Musen-Almanach“ unter dem Verfasserpseudonym „Loris“, die erste Buchausgabe 1900. Die Uraufführung am 13. November 1898 erfolgte unter der Leitung von Ludwig Ganghofer.

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Das Ex-Libris eines Heinz Decker mit einer Szene aus Der-Tor und der Tod, 1949

Das Stück spielt laut Angaben des Autors in den 1820er Jahren und handelt von der Begegnung des Edelmanns Claudio mit dem Tod. Der Tod kommt zu Claudio, um ihn aus dem Leben abzuführen, und konfrontiert ihn mit bereits verstorbenen wichtigen Menschen aus seinem Leben – seiner Mutter, seiner ehemaligen Geliebten und einem Jugendfreund. In den Begegnungen wird ihm klar, dass er zu diesen Menschen keine tieferen Bindungen entwickelt hat. Er lebte nach Art eines Dandys gegenüber anderen Menschen in einer ästhetisch-distanzierten Haltung, ohne sich auf sie einzulassen und sie an sich heranzulassen. Der Moment des Sterbenmüssens macht ihm dieses Defizit bewusst und paradoxerweise ist erst die Todesstunde voller emotionaler Lebendigkeit. „Da tot mein Leben war, sei Du mein Leben, Tod“. Claudio sinkt am Schluss tot nieder; die letzten Verse des Todes lauten:

Wie wundervoll sind diese Wesen,
Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
Was nie geschrieben wurde, lesen,
Verworrenes beherrschend binden
Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.

Hugo von Hofmannsthal vereinigt in seinem Stück Elemente des Impressionismus mit solchen des Symbolismus. Das symbolistische Drama mit seiner imaginativen Sprache eignet sich eher dafür, Bilder und Klänge in der Vorstellung des Lesers wachzurufen als ein konkretes Bühnengeschehen zu konstituieren. Symbolistische Dramen sind handlungsarm.

Angelo_Jank_Hugo_von_Hofmannsthal_Der_Thor_und_der_Tod_1899

Illustration von Angelo Jank in der Zeitschrift: Die Jugend, Heft 6, 1899

Anders als das Theater des Naturalismus, das ebenfalls am Ende des 19. Jahrhunderts eine Blütezeit erlebte, ist das symbolistische Theater kein Illusionstheater. In diesem wird der Zuschauer gezielt in die Illusion versetzt, er beobachte (quasi wie durch ein Schlüsselloch) einen „realen“, „jetzt“ stattfindenden Vorgang, und die Beobachteten seien sich nicht der Tatsache bewusst, dass ihnen von „Voyeuren“ zugeschaut werde. Eine solche Illusion kann bei Der Tor und der Tod nicht entstehen, und zwar deshalb, weil es den Tod als „reale Person“ nicht gibt und weil Tote nicht „wirklich“ sprechen können. Die Annahme, Claudio könne mit einer der drei vom Tod vorgeführten Gestalten einen Dialog führen, ist absurd, da sie nicht derselben Fiktionsebene wie der „jetzt sterbende“ Claudio entstammen. Sie sind bereits tot, sprechen aber trotzdem und treten in der Gestalt auf, die sie in der Erinnerung Claudios haben.

Der Tor und der Tod enthält zugleich Elemente einer Überwindung des Symbolismus, den Gero von Wilpert mit den folgenden Worten charakterisiert:

Die Sprache des S[ymbolismus] strebt nach äußerster Musikalität; sie will „der Musik wieder abgewinnen, was die (früheren realistischen) Dichter an sie verloren hatten“ und vertieft durch die Besinnung auf die eigentlichen sprachlichen Mittel der Dichtung wie Reim, Rhythmus, Melodie, selbst im Wortschatz (bes[onders] Synästhesien) und Satzbau die sprachkünstlerische Durchgestaltung bis zu e[inem] magisch-mystischen Ästhetizismus, der sich an e[inen] erlesenen Kreis wendet und später dekadent überspitzt wird, doch in den roman[ischen] Ländern zu e[iner] Erneuerung hoher Verskunst führt.

Das lyrische Drama Hofmannsthals propagiert nicht nach Art des Symbolismus Claudios Ästhetizismus, sondern es kritisiert ihn.

Fritz Silberbauer

Fritz Silberbauer, Illustration für Der Tor und der Tod by Hugo von Hofmannsthal, 1924

In seinem überwiegend 1947 und 1948 verfassten Essay Hofmannsthal und seine Zeit behauptet Hermann Broch, das gesamte Werk Hofmannsthals sei „mit seiner narzisstischen Zentralgestalt, die erstmals in Der Tor und der Tod auftritt, eine einzige Anklage, eine wissende Anklage gegen die ästhetisierende Bürgerlichkeit, in der er aufgewachsen und erzogen worden war, und der er bei allem Wissen um sie doch kaum mehr zu entgehen vermochte.“ Denn im Wien der Endphase der Habsburgermonarchie, Hofmannsthals Heimatstadt, sollte, so Broch, „ein Minimum an ethischen Werten […] durch ein Maximum an ästhetischen, die keine mehr waren, überdeckt werden, und sie konnten keine mehr sein, weil der nicht auf ethischer Basis gewachsene ästhetische Wert sein Gegenteil ist, nämlich Kitsch. Und als Metropole des Kitsches wurde Wien auch die des Wert-Vakuums der Epoche.“

Auch Natalia Karczewka stellt fest, dass für die junge Generation der nicht auf eine Erwerbsarbeit angewiesenen Erben im Wien um die Jahrhundertwende „die Schönheit zu einem Schutzwall gegen die Wahrheit und die Kunst zu einem Ersatz der Sittlichkeit“ geworden sei und dass Hugo von Hofmannsthal genau das mit seinem Werk Der Tor und der Tod habe kritisieren wollen. (wikipedia)

Genug der literaturwissenschaftlichen Ausführungen … für mich immer wieder ein Vergnügen,solch alte Büchlein in der Hand zu halten.

Mein Exemplar erschien wohl im Jahr 1920 (61.-70. Tausend)

Beispiel01

Das „ex libris“ (1) eines Helmut Rössle

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Beispiel11

(1) Ein Exlibris (von lat. ex „aus“ und libris „den Büchern“; wörtlich „aus den Büchern [von …]“) ist ein in Bücher eingeklebter Zettel oder ein Stempel, der zur Kennzeichnung des Eigentümers dient. Weitere Bezeichnungen sind Bucheignerzeichen, Bücherzeichen oder Buchmarke. (wikipedia)

Erich Kästner – Kurz und bündig (1994)

KurzUndBündig_01AIm letzten Beitrag war ja auch kurz von der Bücherverbrennungen der Nazis im Jahr 1933 die Rede. Und Erich Kästner war einer dieser Autoren, die man damit zu „unerwünschten Autoren“ erklärte.

Grund genug, mal ein kleines Kästner Büchlein zu präsentieren:

Dieses Buch, oder vielmehr Büchlein ist ein kleines Juwel. Für Erich-Kästner-Begeisterte ebenso wie für solche, die einfach nur Freude an wunderbar pointierten, geistreichen und vor Witz sprühenden Epigrammen haben. Eine Sammlung, die zum Schmunzeln und Nachdenken zugleich anregt, rasch zwischendurch gelesen ist und doch lange im Gedächtnis bleibt.
Wie aber beschreibt man ein Buch, das einen so prägnanten Titel trägt? Passenderweise nicht mit vielen Worten, sondern eben “kurz und bündig”. Daher möchte ich hier, um eine Vorstellung vom Stil des Autors zu vermitteln, einfach zwei  Kästner-Epigramme zitieren, die zu meinen (unzähligen) persönlichen Favoriten gehören. (leseratte.wordpress.com)

Erich Kästner erweist sich in seinen 100 Epigrammen aus zwei Jahrzehnten als ein Meister dieser kurzen und wohl schärfsten Form der Gedankenlyrik.

»Die vorliegende Sammlung entstammt nicht nur dem verzeihlichen Wunsche, Epigramme aus zwei Jahrzehnten einmal zu bündeln. Es steckt eine zweite, eine bemerkenswertere und grundsätzliche Absicht dahinter. Das Buch will die Leser, wenn nicht gar die Schriftsteller an eine Kunstform erinnern, die verschollen ist … Ist die künstlerische Lust, sich in äußerster Zucht, Prägnanz und Kürze auszudrücken, wirklich erloschen? … Laßt uns den Verlust endlich erkennen, beklagen und wettmachen! Das Epigramm ist tot? Es lebe das Epigramm!« (Erich Kästner, 1950) (Werbetext)

Epigramm: „kurzes, meist in Distichen abgefasstes Sinn- oder Spottgedicht“ (Duden).

Erich Kästner: blühender Blödsinn, tief philosophisch, hochgrad politisisch … so war er … für mich einer der ganz großen deutschen Autoren des letzten Jahrhunderts (und ja, seinem fliegendem Klassenzimmer werde ich mich mal auch zuwenden.)

Hier ein paar Beispiele, bevor es dann wiedermal zur Präsentation geht:

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Das Büchlein erschien ursprünglich 1950, meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1994.

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Zitat

Heinrich Böll – Gruppenbild mit Dame (Hörbuch) (1971)

FrontCover1Hier hören wir vermutlich eine Werbe-Single des Verlages Kiepenheur & Witsch anlässlich der Veröffentlichung des Heinrich Böll Romans „Gruppenbild mit Dame“ im Jahr 1971:

Gruppenbild mit Dame ist ein Roman von Heinrich Böll aus dem Jahr 1971. Das Erscheinen dieses Romans gab den Ausschlag, dass Böll 1972 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde.

Der als Verfasser. bezeichnete Erzähler rekonstruiert anhand von Gesprächen mit Zeitzeugen und hinterlassenen Zeugnissen das Leben der Leni Pfeiffer.

Die Hauptfigur des Romans, Leni Pfeiffer, geborene Gruyten, ist eine intelligente und gutherzige, aber ungebildete Frau. Ihre Familie zählt zu Beginn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zu den Gewinnern dieser Zeit. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Familie von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, und Leni ist schließlich fast auf sich selbst gestellt. Gegen Ende des Krieges arbeitet sie in einer Kranz- und Blumenbinderei und lernt dort den sowjetischen Kriegsgefangenen Boris Lvović Koltowski kennen. Die beiden beginnen, obwohl dies verboten und außerordentlich gefährlich ist, eine Liebesbeziehung, und Leni bekommt kurz vor Ende des Krieges ein Kind von Boris. Dieser gerät durch unglückliche Umstände, als deutscher Kriegsgefangener missverstanden, in ein alliiertes

Originalausgabe 1971

Originalausgabe 1971

Kriegsgefangenenlager und stirbt in einem französischen Bergwerk. – Die Schlusspartien des Romans spielen in der Nachkriegszeit und erzählen unter anderem von der Beziehung Lenis mit dem türkischen Gastarbeiter Mehmet. Diese Beziehung reflektiert die zentrale Romanepisode: Lenis Liebe zu dem russischen Kriegsgefangenen Boris, die ihr die Verunglimpfung „blonde Sowjet-Hure“ eingetragen hat. Leni zeigt sich unberührt von gesellschaftlichen Tendenzen, bestimmte Personengruppen auszugrenzen und „abfällig“ zu behandeln. „Abfall“ und „Abfälligkeit“ sind nach Aussage des Autors Schlüsselwörter des Romans.

Der Roman ist eine Art poetische Dokumentation; man spricht auch von pseudodokumentarischer Konstruktion. Die meisten Dokumente sind fiktiv, aber es sind auch zahlreiche authentische Dokumente verarbeitet, u.a. aus den Akten der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse (u.a. in Kapitel 8). Die Kriegsprosa Alois Pfeiffers (in Kapitel 4) stammt aus folgendem Werk: Kampferlebnisse aus dem Kriege an der Westfront 1940. Nach Schilderungen von Frontkämpfern hrsg. vom Generalstab des Heeres, Berlin 1941. – Böll selbst sagte im Juni 1971 zu seinem Roman: „Die Idee zu diesem Buch hat mich schon sehr lange beschäftigt, wahrscheinlich schon bei den meisten Romanen und Erzählungen, die ich bisher geschrieben habe. Ich habe versucht, das Schicksal einer deutschen Frau von etwa Ende Vierzig zu beschreiben oder zu schreiben, die die ganze Last dieser Geschichte zwischen 1922 und 1970 mit und auf sich genommen hat.“ Eine wichtige Rolle spielen der Luftkrieg sowie die Eroberung der Stadt – in der die Zentralfigur Leni Pfeiffer lebt – durch die Amerikaner am Ende des Zweiten Weltkriegs (aus vielen Details ist unschwer zu erkennen: Die zentralen Kapitel spielen in Bölls Heimatstadt Köln). Im September 1969 erklärte Böll in einem Rundfunkinterview: „Der eigentliche Aspekt des Krieges war für mich die Bombardierung der Städte. Das war vollkommener Irrsinn. Die Frauen und Kinder in den Städten hatten es ja viel, viel schlimmer als sogar ein Soldat an der Front.“

Die Figur der Nonne Rahel, genannt Haruspika, ist deutlich an Edith Stein angelehnt.

„Das Buch ist eine Folge von interviewartigen Erkundungen mit happening-ähnlichem Schluß. […] Der Roman wirkt wie ein langer, Wagen für Wagen vorbeirollender Güterzug, jeder Wagen ist beladen mit ironischen, fiktiven, dokumentarischen Erinnerungspartikeln und Visionen.“ (Joachim Kaiser in Süddeutsche Zeitung, 31. Juli/1. August 1971)

„Ein Formprinzip ist in diesem Buch überhaupt nicht erkennbar. Offensichtlich läßt sich Böll von seinen Einfällen treiben. Und er läßt sich gehen: Ungeniert und sorglos, ganz ohne Skrupel reiht er viele einzelne Stücke aneinander. […] Auch der Sprache des Romans merkt man an, wie gering diesmal Bölls Selbstkontrolle war. […] Noch nie hat ein deutscher Klassiker so schlampig geschrieben wie diesmal Heinrich Böll.“ (Marcel Reich-Ranicki in Die Zeit, 6. August 1971) (Quelle: wikipedia)

Diverse Buchausgaben

Diverse Buchausgaben

Und hier hören wir nun Heinrich Böll mit dem lakonisch vorgetragenen Text „über das Beharren des Verfassers auf seine alte Jacke“.

Leder ist die Single (der Zahn der Zeit) akustisch nicht ganz astrein, aber dennoch habe ich mich einfach gefreut, die Stimme von Heinrich Böll zu hören, denn auch der Böll war eine wesentlicher Wegbegleiter meinerseits.

HeinrichBöllBesetzung:
Heinrich Böll (Sprecher)

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Titel:

01. Gruppenbild mit Dame (Teil 1) 6.00
02. Gruppenbild mit Dame (Teil 2) 6.10

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Elke Heidenreich – Nero Corleone – Eine Katzengeschichte (1995)

NeroCorleone01AIrgendwie . ich weiß auch nicht warum – läuft mir immer wieder die Elke Heidenreich über den Weg:

„Troppi gatti! Troppi gatti!“ — „Zu viele Katzen!“, rief der Bauer, wenn er wieder einmal einen Katzenwurf übersehen hatte, denn sobald die Kätzchen hinter der Mutter herstolperten, brachte er es nicht mehr übers Herz, sie zu ertränken. Auch einen schwarzen Kater mit einer weißen Pfote und dessen drei Geschwister, die an einem Freitag, den 17., und noch dazu im Unglücksmonat November, mittags um 12 Uhr zur Welt gekommen waren, entdeckte er erst Anfang Dezember. „‚Porco dio!‘, schrie der Bauer, ‚quattro! E un nero!‘ Den Fluch übersetze ich lieber nicht, aber der Rest heißt: ‚Vier! Und ein schwarzes!’“

Der kleine Kater hatte vor keinem anderen Tier unnötigen Respekt, noch nicht einmal vor dem Hofhund, und so kam es, dass ihn Hund, Esel und Hühner nach ein paar Wochen „Nero Corleone“ nannten: schwarzes Löwenherz.

In der Nähe des Bauernhofes, auf dem Nero Corleone aufwuchs, stand ein Ferienhaus, in dem ein deutsches Ehepaar viermal im Jahr Urlaub machte. Bücher von Dieter Wunderlich Sobald das erste Mal die Fensterläden geöffnet wurden — es war an Silvester –, sprang der abenteuerlustige schwarze Kater mit der weißen Pfote ins Zimmer. „Zuerst klärte er mögliche Gefahren ab: Gab es Hühner mit scharfen Schnäbeln? Einen Hund? Jemanden, der einen Pantoffel nach ihm werfen würde?“ Nein, da knisterte nur das Feuer im Kamin. Isolde und Robert packten nebenan ihre Koffer aus. Vorsichtig überquerte Nero Corleone den Teppich, sprang dann auf das grüne Sofa mit den dicken rosa Kissen, rollte sich auf dem weichen Polster zusammen, schnurrte und schlief ein.

Isolde war verwundert, als sie den Kater auf dem Sofa entdeckte. Gleich ging sie in die Küche und gab ihm etwas Milch. „Robert, komm mal gucken, was für einen niedlichen Besuch wir haben!“, rief sie ins angrenzende Zimmer.

Beispiel01Am Neujahrstag blieben die Fensterläden lange geschlossen. Doch als sie aufgeklappt wurden, war Nero Corleone zur Stelle. Er brachte auch seine Schwester Rosa mit, die ein wenig schielte und um die er sich kümmerte, weil sie sehr ängstlich und ein wenig ungeschickt war. Sie wurden mit Isoldes Frühstücksei gefüttert und eroberten rasch das Herz der deutschen Blondine.

Nach drei Wochen ging der Aufenthalt der beiden Feriengäste dem Ende zu. Isolde konnte sich von den beiden Katzen nicht trennen und überredete ihren Mann, sie mit nach Köln zu nehmen. Der Bauer, den sie um Erlaubnis fragten, stimmte rasch zu. „Troppi gatti!“, meinte er.

Die zehnstündige Fahrt im Auto war furchtbar, nicht nur für die Katzen, sondern auch für die Menschen, die hin und wieder das Radio einschalteten, um das Gejaule zu übertönen. Aber in Köln verlor Nero Corleone keine Zeit: Bereits in der ersten Nacht, als alle schliefen, entwischte er durch einen Fensterspalt und begann sich unter den Tieren in der Umgebung Respekt zu verschaffen. Er freundete sich mit dem Kater des Komponisten Kagel an und verliebte sich in die silbergraue Karthäuserin von Fräulein von Kleist, die fast alle Katzenschönheitspreise gewonnen hatte. Für die gute Pflege nahm es Nero Corleone auch in Kauf, dass ihn Isolde „Putzelchen“ oder „Prinzchen“ rief.

„Und so gingen die Jahre ins Land. Roberts Haare wurden dünner und seine Brillen dicker, Isolde lernte es endlich doch noch, Pfannkuchen zu backen, die nicht in der Pfanne kleben blieben, und Nero und Rosa waren so glücklich, wie Katzen nur sein können.“ Doch schließlich ging Rosas Katzenleben zu Ende. Robert hob im Garten unter der Magnolie ein Grab für sie aus. Da brachte Isolde es nicht fertig, wie üblich für ein paar Tage nach Italien zu fahren und Nero Corleone in der Obhut von Frau Wiegand zurückzulassen: Sie nahm den 15 Jahre alten Kater mit.

Beispiel02Die Fahrt war nicht so schlimm, denn Nero Corleone verbrachte sie mit Schlafen. Seine alte Heimat kam ihm kleiner vor als er sie in Erinnerung hatte. Von einer Haselnusshecke aus beobachtete er das Treiben auf dem Bauernhof, aber er schlief bald ein und wachte erst mit einem gehörigen Schrecken auf, als ihn eine junge Katze anstupste, in die er sich auf der Stelle verliebte. Von Grigiolina erfuhr er, dass die Tiere auf dem Bauernhof von einem mutigen schwarzen Kater mit weißer Pfote redeten, der vor vielen Jahren nach Deutschland gegangen war. „‚Grigiolina‘, sagte er ernst und mit seinem tiefsten Katergrollen und legte der Grauen seine weiße Pfote fest auf den kleinen Kopf: ‚Spring hinüber und sag es allen: Don Nero Corleone ist zurückgekehrt.’“

Vier Tage vor der geplanten Rückreise nach Deutschland kroch er zu der schlafenden Isolde ins Bett, schmiegte sich an ihr Bein und schnurrte. Dann steckte er seine Nase „noch einmal tief in ihren blauen Samtpantoffel“ und lief zum Bauernhof. Dort versteckte er sich im Heu. Vier Tage und vier Nächte hörte er Isolde nach ihm rufen. Aber er rührte sich nicht. Schließlich wurde das Auto beladen. Als es abfuhr, kletterte er aufs Dach und sah den beiden Deutschen lange nach.

Beispiel03In der Fabel „Nero Corleone“ geht es um Geburt, Leben, Liebe, Heimat, Altern und Sterben. Aber das merkt man beim Lesen kaum, weil Elke Heidenreich die Katzengeschichte so packend erzählt, dass man sie erst einmal in einem Zug verschlingt. Ein anrührendes Märchen auch für Erwachsene, geschrieben in einer außergewöhnlich musikalischen Sprache, mit viel Ironie und Feingefühl.

Quint Buchholz lieferte dazu die passenden Illustrationen.(Dieter Wunderlich)

Dem kann ich mich nur anschließen, wenngleich mir der Satz „Quint Buchholz lieferte dazu die passenden Illustrationen“ viel zu lapidar ist … Quint Buchholz lieferte wieder mal großartige Illustrationen ab, er ist für mich mittlerweile zu einem der bedeutsamsten Graphiker der Neuzeit geworden … und sein Werk ist einfach nur beeindruckend.

Und ich fragte mich die ganze Zeit, warum verdammt noch mal, sondert eine sensible Autorin wie Elke Heidenreich geistigen Sondermüll wie diesen ab:

Spiegel2004

Aber dafür kann ja dieses Buch nichts dafür:

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Michael Krüger – LesBar – Kleines Handbuch für Genießer (2003)

LesBar01AIch mag sie ja, solche kleine Handreichungen von Verlagen (28 Seiten). Diese ist vermutlich ein Werbegeschenk des Carl Hanser Berlag, München-Wien (vielleicht anlässlich der Frankfurter Buchmesse oder so).

In „LesBar“ geht es einerseits um die Frage von dem Verhältnis zwischen von Alkohil und Literatur. Und diese Analyse stammt aus der Feder von Michael Krüger.

Michael Krüger (* 9. Dezember 1943 in Wittgendorf) ist ein deutscher Schriftsteller, Dichter, Verleger und Übersetzer. Er ist seit Juli 2013 Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Michael Krüger ist in Berlin-Nikolassee in einer protestantischen Familie aufgewachsen. In seiner Jugend sang er im Kirchenchor und war Mitglied der Christlichen Jungenschaft. Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Herbig-Verlag. Nebenher war er Gasthörer in Philosophie an der Freien Universität Berlin. Von 1962 bis 1965 arbeitete er als Buchhändler in London.

Ab 1968 war Krüger als Verlagslektor beim Carl Hanser Verlag tätig. Er wurde 1986 literarischer Leiter des Verlages und 1995 Geschäftsführer. Zum 31. Dezember 2013 schied er aus und sein Nachfolger Jo Lendle trat die Geschäftsführung an. 1973 gründete er in München gemeinsam mit Martin Gregor-Dellin, Jürgen Kolbe, Fritz Arnold, Paul Wühr, Inge Poppe, Christoph Buggert, Günter Herburger, Tankred Dorst und Peter Laemmle die erste genossenschaftlich organisierte Autorenbuchhandlung.

MichaelKrügerSeine eigene literarische Arbeit beschränkte sich zunächst auf Vor- und Nachworte zu Anthologien und Sammelbänden, die er herausgab. Erst 1976 erschien sein Erstling, der Gedichtband Reginapoly. Seine erste Erzählung mit dem Titel Was tun? erschien 1984. 1991 erschien – ein Jahr nach seiner Novelle Das Ende des Romans – sein erster von bisher drei Romanen, Der Mann im Turm.

Im Juli 2013 wurde er von den Mitgliedern der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zu deren Präsident gewählt. Er löste Dieter Borchmeyer ab und bekleidete das Amt von Juli 2013 bis Juni 2019[4]. 2015 war er Kurator des Kölner Literaturfestivals Poetica.

Michael Krüger lebt in München. (Quelle: wikipedia)

Sein Essay über „Alkohol und Literatur“ launing, amüsant, geistreich … mit einem Wert: wirklich lesenswert !

Damit aber noch nicht genug, es folgen dann diverse Coktail-Rezepte, die dann sich dann z.B. „Eco Sunrise“, „American Boyerl“ oder aber auch „Holy Heidenreich“ nennen. Da findet sich dann für jeden Cokctail-Liebhaber was passendes.

Cheers !

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Wolfgang Gast (Hrsg.) – Parodie – Deutsche Literatur- und Gebrauchsparodien mit ihren Vorlagen (Arbeitstexte für den Unterricht) (1975 – 1979)

Parodie01ATja, der Reclam Verlag … Qual für viele Schüler… aber dennoch sehr spannend … wenn man den nötigen Abstand hat:

Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG ist ein mittelständischer deutscher Verlag. Den besonders als Herausgeber der Reclams Universal-Bibliothek bekannten Verlag hatte Anton Philipp Reclam 1828 in Leipzig gegründet. Der westdeutsche Zweig des Verlages entstand im September 1947 in Stuttgart und hat seit 1980 seinen Sitz im nahen Ditzingen. Das Stammhaus wurde unter dem Namen Reclam Leipzig bis zum 31. März 2006 in Leipzig fortgeführt. Der Verlag befindet sich seit seiner Gründung in Familienbesitz, im Jahr 2007 beschäftigte er 133 Mitarbeiter.

Das Programm von Reclam gliedert sich in drei große Hauptbereiche: die Universal-Bibliothek, auf die der Großteil von Auflage und Umsatz des Verlages zurückgeht, das Hardcover-Programm mit Nachschlagewerken zu Kunst und Kultur, Sachbüchern und Geschenkbüchern sowie das Taschenbuchprogramm. Zusätzlich wurde das Programm 2013 noch um die Reihe Reclam XL erweitert.

Wichtigster Programmteil für den Verlag oder in den Worten des ehemaligen Geschäftsführers Frank R. Max das Herzstück des Verlages, das, was die Marke Reclam im Kern ausmacht, ist die Universal-Bibliothek. In den so genannten Reclam-Heften erscheinen seit Mitte des 19. Jahrhunderts Klassikerausgaben, die durch ihren geringen Preis und ihre einheitliche Gestaltung auffallen. Sie ist die älteste deutschsprachige Taschenbuchreihe, und ihr liegt das Bestreben zu Grunde, einen einmal gedruckten Titel nach Möglichkeit lieferbar zu halten. Die genaue Zahl der je erschienenen Titel ist unbekannt, sie liegt jedoch im fünfstelligen Bereich. Die Nachkriegsauflage der Universal-Bibliothek lag bis 2003 bei 35 Millionen Exemplaren. Seit der ersten Serie des Jahres 2012 wird die Universal-Bibliothek mit neu gestalteten Covern ausgeliefert, die Friedrich Forssman und Cornelia Feyll für die Universal-Bibliothek entwickelt haben. Die neue Gestaltung löst das seit 1988 von Hans Peter und Brigitte Willberg konzipierte Erscheinungsbild der UB ab. Die (gelbe) Universal-Bibliothek hat jährlich zirka hundert Neuerscheinungen.

Innerhalb der Universal-Bibliothek sind die Hefte durch einen Farbcode abgesetzt:

Gelb: Einsprachige Ausgaben in deutscher Sprache, meist mit Anmerkungen und Vorwort oder Nachwort. In dieser Reihe finden sich auch Übersichtswerke beispielsweise zur deutschen Literatur, zur Geschichte oder zur Philosophie.
Rot: Fremdsprachige Ausgaben mit Vokabelhilfe. In Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Latein oder Russisch.
Orange: Zweisprachige Ausgaben, Deutsch-Fremdsprache.
Blau: Lektüreschlüssel (für Schüler) und Arbeitstexte, beispielsweise Kurzgeschichten für einen bestimmten Jahrgang.
Grün: Erläuterungen, Interpretationen, Quellentexte.
Magenta: Sachbuch zu den Themenbereichen Politik, Geschichte, Gesellschaft, Naturwissenschaft, Kunst, Musik und Religion.(Quelle: wikipedia)

Hier ein Beispiel aus der „blauen“ Reihe und ich gestehe, das Thema Parodie finde ich schon sehr spannend, denn die Parodie ist eine jener Überlebensstrategien, die zumindest ich brauche, um den Irrsinn dieser Welt besser verdauen zu können.

Parodie03AVorwort1Vorwort2Vorwort3
Tja, und dann folgende diverse durchaus amüsante Beispiele und wir lesen Texte von so unterschiedlichen Autoren wie Günter Grass, Bertolt Brecht, Theodor Fontane, Erich Kästner, und selbst ein Peter Orloff und Mr. Jerry Cotton fehlen da nicht.

Also: hinein in dieses Pennälervergnügen !

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Gunter Wallraff – Industrie-Reportagen – Als Arbeiter in deutschen Großbetrieben (1970)

TitelFür mich war er neben Bernt Engelmann einer der wichtigsten politischen Schriftsteller, die mich Anfang der 70er Jahre geprägt haben:

Anfang zwanzig war Günter Wallraff, als er 3 Jahre lang, von 1963-1965, in Fabriken arbeitete und dabei zum ersten Mal seine Methode anwandte: Er machte sich zum »Opfer«, »um über dir Situation der Opfer in dieser Gesellschaft schreiben zu können«. Er war Arbeiter am Fließband einer Autofabrik, auf den Gerüsten einer Werft, im Akkord einer Rohrschneidemaschine und in der Sinteranlage eines Stahlwerks.Was er erfuht, beschrieb er in den Industriereportagen. Als sie 1966, zuerst unter dem Titel Wir brauchen dich, erschienen, erregten sie im In-und Ausland Aufsehen. So genau und schonungslos waren die inhumanen Bedingungen der Fabrikarbeit vorher noch nicht beschrieben worden. Die politische Polizei warf Wallraff »Verdacht auf Landesverrat« vor, die Industrie nannte den »neuen sprachlichen Realismus« Wallraffs eine »scharfe Waffe«. Das sind diese Reportagen wie alle späteren Bücher Wallraffs geblieben: eine scharfe Waffe gegen die Entüwrdigung der Menschen in unserer Gesellschaft. (Pressetext)

Dieses Buch, das unter dem Titel „Industriereportagen – Als Arbeiter in deutschen Grossbetrieben“ 1970 veröffentlicht wurde, war eigentlich ein altes Buch.

Wie bereits erwähnt, erschiend das Buch bereits  im Jahre 1966 unter dem Titel „Wir brauchen dich“ im Rütten + Loening Verlag, München. Ein Jahr später kam es dann erneut im Aufbau Verlag, Berlin heraus.

Aber die Zeit war da wohl noch nicht reif. Ganz anders dann 1970 … Die 68er Generration hatte Deutschland wachgerüttelt und auch sensibel gemacht, wie es denn den Leuten „da unten“ so geht … Die um sich greifende Kapitalismus-Kritik hat ein übriges dazu beigetragen.

Rütten + Loening 1966_01Und das Buch hatte es in sich:

Bei diesem Buch handelt es sich um eines der Erstlingswerke von Wallraff. Obwohl es aus den 1960ern stammt, bekommt man beim Lesen immer noch ein unwohles Gefühl in der Magengegend! Trotz aller Neuerungen an Schichtmodellen und Montagehilfen in allen beschriebenen Bereichen bleibt der Mensch doch oft nur Erfüllungsgehilfe von maschinellen Tätigkeiten – damals, wie auch heute – wie ich finde (konnte ich mir nicht verkneifen – Entschuldigung). Der Autor beschreibt seine Tätigkeiten als einfacher Arbeiter in unterschiedlichen Firmen. Vom Automobilbauer, bis zum Röhrenwerker. Dies ist an sich nichts besonderes, wenn Wallraff nur Beobachter wäre! Wallraff schreibt nicht aus der Distanz, sondern macht sich wirklich zum Arbeiter. Er fühlt und lebt wie die Kollegen, die Ihn täglich umgeben und wird selbst zum einfachen „Malocher“, macht allerdings aus seiner politischen Gesinnung keinen Hehl, was in meinen Augen eine Voreingenommenheit zur Sache darstellt.
Fazit: Lesenswert nicht nur für junge Menschen, die sich unter 19XX nichts vorstellen können, sondern auch für alle, die in dieser Zeit in der Industrie gearbeitet haben. Ein Buch zum Nachdenken und Vergleichen zwischen damals und heute. (sascha Keitmann)

Für mich als eher verwöhntes (zumindest äußerlich) Bürgersöhnchen waren diese Industriereportagen Schlüsselreportagen für ein anderes, neues Verständnis von der Welt, in der ich lebte.

Dieses neue Verständnis war dann prägend für mich als Mensch, aber auch für meine berufliche Biographie.

Aber da war ich ganz sicher nicht der einzige, der hier eine neue Orientierung gefunden hat (bis zum Jahre 1980 erreichte das Buch eine Auflage von üb er 400.000 Exemplare).

Von daher: es lohnt sich auch heute einen Blick in dieses Buch zu werfen … auch nach dem wichtigen Motto „Wie wir wurden, was wir sind“.

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Weitere Ausgaben:

Weitere Ausgaben

Herbert Hefft – Lorbas und Marjellchen – Heiteres aus Ostpreußen (1962)

FrontCover1Die Geschichte Ostpreußens ist auch die Geschichte des Untergangs einer deutschen Provinz

Ostpreußen war über Jahrhunderte ein Teil Deutschlands und ist deswegen bis heute eng mit der deutschen Kultur verbunden. Die Vertreibung und Enteignung von Millionen Ostpreußen im Zweiten Weltkrieg haben nicht nur das Land entvölkert, sondern auch die deutsche Lebensart dort fast völlig ausgelöscht. Die Region wurde geteilt, bekam neue Grenzen, neue Bewohner und neue Städtenamen. Der nördliche Teil wurde sowjetisch, der südliche polnisch. Beide Regionen entwickelten sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr unterschiedlich.

Die preußische Provinz Ostpreußen war von 1871 bis 1945 der östlichste Landesteil Deutschlands. Hier herrschten adelige Gutsbesitzer wie die Fürsten zu Dohna, die Grafen Finckenstein oder die Grafen Dönhoff, die große Ländereien besaßen, Getreide und Kartoffeln anbauten und oft auch Pferdezucht betrieben. Um 1900 hatte Ostpreußen etwa zwei Millionen Einwohner, rund drei Viertel der Bevölkerung lebten von der Landwirtschaft.

Bereits um 1900 wurden in Ostpreußen moderne Agrar-Techniken entwickelt und angewandt. So gab es ein ausgeklügeltes Drainagesystem mit Pumpen und Kanälen, um der weit verbreiteten Moorlandschaft das Wasser zu entziehen und diese als Agrarfläche nutzbar zu machen. Den daraus resultierenden reichen Ernten verdankte Ostpreußen seinen Namen als „Kornkammer Deutschlands“.

Karte

Doch immer wieder geriet Ostpreußen während Kriegen zwischen die Fronten. Im Ersten Weltkrieg etwa wurde die Provinz Aufmarschgebiet für den deutschen Feldzug gegen Polen und zeitweilig von russischen Truppen besetzt.
Auf der Karte sind die ehemaligen Gebiete Ostpreußens in den Grenzen vor 1945 zu sehen.

Als der Erste Weltkrieg vorüber war, wurde Deutschland die alleinige Schuld am Krieg gegeben. Die Siegermächte beschlossen im Versailler Friedensvertrag von 1918, große Teile Westpreußens, Danzig, die ostpreußische Stadt Soldau und das Memelgebiet vom Deutschen Reich abzutrennen und dem polnischen Staat zu übertragen.

Ostpreußen wurde durch den „polnischen Korridor“, einen 30 bis 90 Kilometer breiten Landstreifen, der Polen den Zugang zur Ostsee ermöglichte, vom Deutschen Reich getrennt und somit eine Exklave.

Ostpreußen03

Aus dem Jahr 1895

Ostpreußen geriet durch den Korridor auch in eine wirtschaftliche Isolation, die sich in der Weltagrarkrise 1928 zu einer Notlage entwickelte. Durch den Preisverfall von Roggen und Kartoffeln sowie wegen höherer Steuern drohte vielen Gutshöfen der Bankrott. Das hätte Hunger und Elend für die Mehrheit der Bevölkerung bedeutet.

Deshalb beschloss die Regierung der Weimarer Republik die Osthilfe. Sie beinhaltete Steuersenkungen, Kredithilfen und Frachtkostenerstattung für Großbetriebe. Ostpreußen hing fortan am Tropf des Reichshaushaltes.

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum deutschen Reichskanzler im Jahr 1933 übernahmen die Nationalsozialisten auch in Ostpreußen die Macht. Während des Zweiten Weltkrieges war die Provinz lange die Befehlszentrale für den Ostfeldzug Hitlers. Vom „Führerhauptquartier Wolfsschanze“ im heutigen Polen dirigierte der deutsche Diktator bis Ende 1944 seine Truppen.

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Krieg …

Der Roten Armee gelang es 1944 schließlich, bis an die deutsche Ostgrenze vorzudringen. Doch die Evakuierung der ostpreußischen Gebiete wurde von den Behörden zu spät eingeleitet, da die nationalsozialistische Führung immer noch einen deutschen Sieg propagierte.

Ein halbes Jahr später wurde Ostpreußen von der Roten Armee überrollt, die Bevölkerung musste überstürzt fliehen. Von 2,6 Millionen Einwohnern flohen mehr als 1,4 Millionen Menschen im Januar 1945 und versuchten unter grausamen Bedingungen Ostpreußen zu verlassen.

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… und Vertreibung

Es war ein harter Winter mit Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius, und immer wieder gerieten die Flüchtlinge zwischen die Fronten. Die Feuergefechte, Fliegerangriffe, Minen und nicht zuletzt die Kälte kosteten rund 311.000 Menschen das Leben.

Nach Kriegsende wurde der Untergang Ostpreußens offiziell besiegelt, die Provinz von den Siegermächten aufgeteilt. Das nördliche Gebiet ging an die Sowjetunion, der südliche Teil wurde polnisch. (Eva Mommsen)

Und unter der Motto „Frohe und besinnliche Erinnerungen an die alte Heimat“ erschien im Gräfe und Unzer Verlag u.a. auch diese 10″ LP.

Herausgegeben hatte sie ein Dr. Hertbert Hefft (über den fand ich keinerlei Informationen, außer dass er mehrere Alben dieser Art zusammenstellte).

Heiteres aus Ostpreußen bedeutet hier Texte von Heimat- und Mundart Dichtern zusammenzustellen, darunter auch Texte von Robert Johannes:

Robert Johannes wurde 1846 in Insterburg unter seinem bürgerlichen Robert Lutkal geboren. Nach Beendigung des Gymnasiums und einer Uhrmacherlehre ging er mit 23 Jahren zum Theater. Er spielte in Tilsit und Memel und wirkte zehn Jahre als Charakterkomiker am Königsberger Stadttheater. Später trat er in Hamburg, Lübeck und Berlin auf.

Postkarte Insterburg

Ale Postkarte von Insterburg

Als 45jähriger begann er mit der Rezitation eigener und fremder Texte. In seinem „Deklamatorium“, das in neun Bänden erschien und immer wieder nachgedruckt wurde, bezeichnete er sich selbst als „Erster ostpreußischer Dialektrezitator“. Der Erfolg gab ihm recht. Er beherrschte das Platt seiner Heimat, vor allem aber das sogenannte „Missingsch“, eine Mischform zwischen dem ursprünglichen Platt und dem Hochdeutschen.
Robert Johannes starb 1924 in Königsberg. (ostpreussen-humor.de)

Einerseits könnte man die Texte als schlicht bezeichnen, aber damit würde man ihnen nicht wirklich gerecht. Sie haben oft eine erfrischende Bauernschläue und natürlich auch jede Menge Sentimentalität. Die Äußerungen von Immanuel Kant zum Wesen der Frau im allgemeinen und besonderen sind allerdings ehr dümmlicher Natur.

Na,und dann habe ich dieses schöne Zitat gefunden:

Ich bin sicher, daß der ostpreußische Humor auch Nichtostpreußen erfreuen wird. Bei Ostpreußen werden die vertrauten Klänge Bilder einer längst vergangenen, aber unvergessenen Welt und wehmutsvolle Erinnerungen wachrufen. Doch gehört es ja zur Wesensart echter Ostpreußen, „mit einer Träne im Auge lächelnd dem Leben beizupflichten“.(Heinrich Ehlert)

Dieses Album wird eröffnet und geschlossen mit der alten Volksweise „Zogen einst fünf wilde Schwäne“:

Zogen einst fünf wilde Schwäne ist ein Volks- und Antikriegslied aus Westpreußen, Ostpreußen und dem Memelland.

Überregional bekannt wurde das Lied durch den ostpreußischen Volkskundler Karl Plenzat, der die Weise 1918 in seine Sammlung Der Liederschrein aufnahm. Aufgrund der Angaben von Plenzat wurde das Lied bis 2005 als litauisches Volkslied eingeordnet. Die Veröffentlichung älterer Niederschriften durch eine Volksliedforscherin des Deutschen Volksliedarchivs im Jahr 2005 deutet darauf hin, dass das Lied eher aus den deutschen Siedlungsgebieten um die Danziger Bucht stammt.

Schwäne

Der eingängige und mit seinen eindringlichen Wiederholungen nahezu lakonische Text thematisiert die einschneidenden Folgen des Krieges. Nach der Veröffentlichung im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs traf das Lied auf die Ernüchterung und Stimmungslage in der Zwischenkriegszeit und wurde sehr schnell von der deutschen Jugendbewegung aufgegriffen und ab Mitte der 1920er Jahre in Gesamtdeutschland verbreitet. Ab 1935 eliminierten die Nationalsozialisten das Lied nahezu vollständig aus dem gedruckten Liedrepertoire. Nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit traf das Lied erneut den Nerv der Zeit. Ende der 1970er Jahre griff die Friedensbewegung das Lied verstärkt auf und es wurde von verschiedenen Liedermachern vorgetragen, beispielsweise von Hannes Wader und vom Folk-Duo Zupfgeigenhansel. In der Erinnerungskultur der Heimatvertriebenen aus West- und Ostpreußen spielt das Lied eine wichtige Rolle. In verschiedenen Buchtiteln wurde es als Liedincipit verwendet. (Quelle: wikipedia)

Tharau

Quelle: Bildarchiv Ostpreußen
Das Lied lernte ich durch meine 1. Frau kennen, deren Mutter stammte aus Ostpreußen.

Und ich kann mich noch gut an ihre feuchten Augen erinnern, wenn wir das Lied gemeinsam gesungen haben … Heute kann ich diesen Schmerz, die eigene Heimat verloren zu haben, viel besser nachempfinden.

Von daher habe ich diese LP auch mit viel Respekt gehört.

BackCover1

Besetzung:
Herbt Hefft (Sprechen)
+
Es spielen Irmgard und Karl Wimmer

Ostpreußen04

Titel:

01. Lorbas und Marjellchen – Heiteres aus Ostpreußen (Teil 1): (15.16)
01.1. Zogen einst fünf wilde Schwäne
01.2. Der Bauer Schneidereit
01.3. Öck bön emol önne Stadt gewäse
01.4. Mein Jettchen
01.5. Fräuleinche
01.6. Eine dralle Ostpreußenmarjell
01.7. Ostpreußische Kinderchens
01.8. Ein Kind

02. Lorbas und Marjellchen – Heiteres aus Ostpreußen (Teil 2): (14.01)
02.1. Schöne ostpreußische Sprichwörter
02.2. In der langen Winterszeit
02.3. Ging ein Weiblein Nüsse schütteln
02.4. Immanuel Kant
02. 5. Amalie
02.6. Polka
02.7. Unsere ostpreußische Mundart
02.8. Zogen einst fünf wilde Schwäne

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Braunsberg

Braunsberg/Ostpreußen

Heinz Ludwig Arnold – Meine Gespräche mit Schriftstellern (2) – Heinrich Böll (1971)

FrontCover1Nun Teil 2 der zeit- und literaturgeschichtlich hochinteressanten Edition „Meine Gespräch mit Schriftstellern“ von Herrn Ludwig Arnold:

Heinz Ludwig Arnold (* 29. März 1940 in Essen; † 1. November 2011 in Göttingen) war ein deutscher Publizist und ein bedeutender Vermittler der Gegenwartsliteratur.

Heinz Ludwig Arnold ging in Bochum und Karlsruhe zur Schule, wo er 1960 sein Abitur ablegte. In Göttingen studierte er zunächst zwei Semester Jura, dann zehn Semester Literaturwissenschaft, Romanistik und Philosophie. In den Semesterferien verdingte er sich von 1961 bis 1964 als Privatsekretär bei Ernst Jünger. Seine Dissertation blieb unvollendet.

Noch während seines Studiums gründete er 1963 die Zeitschrift für Literatur text + kritik, deren erste Ausgabe dem Schriftsteller Günter Grass gewidmet war. Seit 1978 war er außerdem Herausgeber des in der edition text + kritik erscheinenden Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (KLG) und von 1983 bis 2008 des Kritischen Lexikons zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur (KLfG).

Heinz Ludwig Arnold01AHeinz Ludwig Arnold war seit 1995 Honorarprofessor an der Georg-August-Universität Göttingen. Neben zahlreichen Editionen und Buchveröffentlichungen gab er beim dtv von 1995 bis 2000 die elfbändige Anthologie Die deutsche Literatur seit 1945 heraus.

Ab 2004 erarbeitete er als Herausgeber die dritte, völlig neu bearbeitete Auflage von Kindlers Literatur Lexikon, die im September 2009 bei Metzler erschien.

Arnold führte im Verlauf seines Lebens zahlreiche ausführliche Gespräche mit Schriftstellern, die in verschiedenen Buchpublikationen erschienen, darunter Heinrich Böll, Max Frisch, Günter Grass, Wolfgang Koeppen, Max von der Grün, Günter Wallraff, Peter Handke, Franz Xaver Kroetz, Gerhard Zwerenz, Walter Jens, Peter Rühmkorf und Friedrich Dürrenmatt. Die Originalaufnahmen der Gespräche von 1970 bis 1999 mit einer Länge von insgesamt 62 Stunden wurden im Jahr 2011 veröffentlicht. (Quelle: wikipedia)

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Hier nun ein Interview mit Heinrich Böll und anders als das Interview mit Günter Grass entstand dieses Interview in einem Rundfunk-Studio, von daher ist die Klangqualität erheblich besser (und damit hörfreundlicher):

ErläuterungBöll

Der Deutschlandfunk schreibt über dieser Edition folgendes:

„Sehr gut und unnachahmlich in seiner Hingabe an Literatur war Heinz Ludwig Arnolds Wirken für eine komplette Schriftstellergeneration. Dass einer seinen Geist ganz in den Dienst anderer, nicht eben uneitler Geister stellt, ist heute kaum mehr vorstellbar – aber umso hörbarer.

„Arnold: Nun gibt es ja Autoren, die werden von der Kritik geradezu gelähmt, wenn sie verrissen werden.

Böll: Ja, ja …

Arnold: Aber Sie würden sich dazu nicht … ?

Böll: Doch, das trifft einen hart!

Arnold: Das trifft –

Böll: Ja, ja! Es gibt schon bittere Sachen, die so weit gehen, dass ich mich also eine Woche lang ins Bett lege und denke: „Jetzt gibst du’s auf!“ So ist das nicht.

Arnold: Wann ist Ihnen das passiert?

Böll: Ach, das ist schon öfter passiert. (lacht) Es gibt so ganze Verrisswellen. Nicht? Es gibt ja offenbar so …

Arnold: Beim „Clown“ vielleicht?

Böll: Nein, beim „Clown“ nicht, das weiß ich jetzt gar nicht mehr, wann.“

Wolf Biermann + Heinrich Böll (1977)

Wolf Biermann + Heinrich Böll (1976)

Es ist das erste Interview, das Heinz Ludwig Arnold 1971 fürs Radio führt, und schon merkt man dem Fragesteller im Gespräch mit dem doch sehr berühmten Heinrich Böll seine später perfektionierte, insistierende Art an. Wie alle Radioanfänger begeht Arnold einen entscheidenden Fehler, für den wir ihm heute höchst dankbar sein dürfen: Er überzieht gnadenlos. Über zwei Stunden dauert das Gespräch, ein in Rohform unsendbarer Koloss. Dass sich die verrauschten Magnetbänder erhalten haben, ist das eine Glück …“

Der Schriftsteller Alexander Solschenizyn und Heinrich Böll im Jahr 1974

Der Schriftsteller Alexander Solschenizyn und Heinrich Böll im Jahr 1974

Böll gibt hier nicht nur Auskunft über jene Prägungen, die ihn zum Schriftsteller gemacht haben, er reflektiert auch Medienpräsenz, die Kritiker im besonderen und allgemeinen und vieles mehr … ein beeindruckendes Dokument !

Nobelpreisverleihung1972

Nobelpreisverleihung an Heinrich Böll am 10. Dezember 1972

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