Triumvirat – Old Loves Die Hard (1976)

frontcover1Damals gehörten sie wohl auch zu den ganz Großen im deutschen Krautrock-Zirkus; sich dieser Band heute wieder einmal anzunähern ist schwierig; mir scheint es war eine irgendie innerlich terrissene, widersprüchliche Band, die zudem auch ein wenig dekadent, egozentrisch und maniriert war.

„Triumvirat ist eine Progressive-Rock-Band aus Deutschland, die 1969 von Jürgen Fritz, Hans Bathelt und Dick W. Frangenberg gegründet wurde.

Sie spielte Progressive Rock, angelehnt an den Stil von Emerson, Lake and Palmer und Focus. Von Anfang an dominierte Komponist und Keyboarder Jürgen Fritz die Band. Im Jahre 1976 konstatierte er beispielsweise „Triumvirat ist nicht länger eine Band, sondern allein meine Sache, das Vehikel für meine Musik“, trennte sich vom Rest der Gruppe und setzte fortan nur noch auf Gastmusiker. Die Antwort kam postwendend von Hans Bathelt, der sich vor Gericht die Rechte am Namen der Gruppe sicherte. Fritz musste deshalb die Band für sein nächstes Album in „New Triumvirat“ umtaufen.“ (Quelle: wikipedia)

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„Triumvirat klingen wie ELP – mehr oder weniger – sie waren aber immer deutlich glatter, unkomplizierter und kitschiger unterwegs als die britischen Kollegen. Interessanterweise kam die Musik der Band um Hans-Jürgen Fritz in Amerika um einiges besser an als in Europa. „Spartacus“ schaffte es dort sogar in die Top-30 der Billboard-LP-Charts. Eine Zeit lang spielte die Gruppe daher mit dem Gedanken in die USA überzusiedeln. Ihr viertes Album spielten Triumvirat – nach einem kleinen Besetzungswechsel (Barry Palmer und Dick Frangenberg kamen in die Band) – aber trotzdem wieder in Deutschland ein. Angeblich hat die Produktion rund 120000 DM verschlungen.

An Produktion und Klang kann man auf „Old Loves Die Hard“ auch nichts aussetzen. Glasklar und druckvoll kommt die Musik aus den Boxen – erst recht bei der remasterten CD-Version. In musikalischer Hinsicht ist das Ganze aber weniger befriedigend. Die beiden Jochen haben es weiter oben schon angedeutet: Triumvirat klingen hier nicht mehr durchweg wie ELP. Vielmehr hat Fritz einen guten Schuss US-Mainstream untergerührt, der das Album für mich, zusammen mit der schon vorhandenen, Triumvirat-typischen Glätte, ziemlich ungenießbar macht. Am schlimmsten ist wohl gleich das erste Stück „I Belive“, eine schmalzige Nummer die trotz des umfangreichen Tasteneinsatzes eher an den späteren, pop-orientierten Stil von Chicago erinnert, als an klassischen Prog. Wenn gegen Ende der Kinderchor einsetzt, muss der Rezensent dann dringend die Skip-Taste betätigen. Der Rest des Albums ist (bis auf das ähnlich gebaute Titelstück) deutlich besser. Zumindest die beiden umfangreicheren Instrumentalstücke („A Day In A Life“ und „Panic On Fifth Avenue“) und die Instrumentalabschnitte im ersten Teil von „The History Of Mystery“ beeindrucken durch Fritz‘ ausgiebige Eskapaden an diversen Tasteninstrumenten, doch haben diese (wie das ganze Album) eher Showcharakter, bauen keine Atmosphäre auf, wirken kalt und kalkuliert (was man natürlich auch Emerson vorwerfen kann) und klauen wieder viel beim britischen Vorbild. Dazwischen eingestreut sind weitere melodische Songs, in denen Palmer durchaus ausdrucksstark singt, die aber aus progrockiger Sicht nicht viel hergeben.

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Die Single zur LP

„Old Loves Die Hard“ ist eine erstklassig produzierte Scheibe mit melodischem und ausuferndem Klassikrock auf Tastenbasis, der wohl Proghörern sehr zusagen sollte, die das volle symphonische Brett schätzen und gegen mainstreamorintierten Kitsch nichts einzuwenden haben. Komerzielles Potential hat das Album. In Portugal erreichte die Scheibe gar Platz 1 der LP-Charts und wurde vergoldet. Mir rollt diese Musik allerdings eher die Zehennägel hoch!“ (Achim Breiling)

Tja, dem schließe ich mich an … zeitlos ist dieses Album nicht, aber eine gute Demonstration wenn Musiker mit bildungsbürgerlichem Hintergrund Pathos verbreiten, um so zu demonstrieren, dass sie ja eigentlich ernstzunehmende Musiker sind …  Knapp vorbei ist auch daneben !

Die aufwendige Produktion zeigt jedoch, welchen Stellenwert diese Gruppe damals dann doch hatte.

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Das „legendäre“ US Cover für Capitol Records

Besetzung:
Hans Bathelt (drums, percussion)
Werner Frangenberg (bass)
Jürgen Fritz (keyboards)
Barry Palmer (vocals)
+
Jane Palmer (background vocals)
Charly Schlimbach (saxophone)
+
Cologne Kinder Choir

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Titel:
01. I Believe (Fritz/Bathelt) 7.50
02. A Day In A Life (Fritz)  8:13
02.1. Uranus‘ Dawn
02.2. Pisces At Noon
02.3. Panorama Dusk
03. The History Of Mystery – Part One (Fritz/Bathelt/Palmer) 7.50
04. The History Of Mystery – Part Two (Fritz/Bathelt/Palmer) 3.59
05. A Cold Old Worried Lady (Fritz/Palmer) 5.50
06. Panic On 5th Avenue (Fritz) 10.30
07. Old Loves Die Hard (Fritz) 4.26
+
08. Take A Break Today (single) (Fritz) – 3:44

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