Verschiedene Interpreten – Swing tanzen verboten (Teil 2) (2004)

FrontCover1Nun Teil 2 dieser spannenden Edition von Jazzaufnahmen, die obwohl es sich um „unerwünschte Musik“ handelte im III. Reich erschienen sind.

Gott sei Dank hat die Forschung über dieses Thema sehr intensiv eingesetzt und so finden sich vielfältige Artiekl undBeiträge zu diesem Thema auch in diversen Internagt blogs. Beispielhaft dafür folgender Beitrag:

„Unter dem dem Titel „Artfremde Kunst und Musik unerwünscht – Jazz im Dritten Reich“ hat Horst H. Lange für die Darmstädter Jazzforschung einen kenntnisreichen Aufsatz verfasst, den ich mir nach langer Zeit wieder einmal zu Gemüte geführt habe. Zitate aus dem Artikel (That’s Jazz – Der Sound des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 1988 ) bilde ich kursiv ab.

Vergegenwärtigen wir uns vorweg den Stand des Jazz im Mutterland dieser Musik in jener Zeit, erkennt man, dass er weit davon entfernt war, die Massen zu erreichen und in breite Schichten vorzudringen. Vergessen wir nicht, dass in Amerika tiefgreifender Rassismus und ethnische Trennung vorherrschten und um 1930 der Jazz auch jenseits des Atlantiks rassistischen Vorurteilen ausgesetzt war. Nicht unbedingt von oben angeordnet, aber inmitten der Gesellschaft tief verwurzelt. Schwarze Musiker arbeiteten unter unwürdigen Bedingungen oder wurden gar daran gehindert, ihre Musik auszuüben.

Nun nach Deutschland: Berlin war Ende der 20er-Jahre durchaus ein Zentrum des internationalen Jazz, angeblich nach New York und London möglicherweise das drittgrößte, da habe ich allerdings meine Zweifel. Die Weltwirtschaftskrise und die „damit verbundene sinkende Kaufkraft und Rückgang der Vergnügungsindustrie“ setzten dem Jazz hierzulande bereits mächtig bei. Und auch vor 1933, zum Ende der Weimarer Zeit, gab es bereits offizielle „Ächtungen“ und wohl auch ein Verbot der Ausstrahlung und Aufführung des Jazz in Thüringen. Die Nazis hingegen haben den Jazz zu keiner Zeit gesetzlich verboten. Das einzige Verbot, ohne allzu augenfällige Verbindlichkeit, erließ der „Reichssendeleiter“ im Jahre 1935. Dazu ein Auszug aus dem „Völkischen Beobachter“: „Der Niggerjazz ist von heute ab im deutschen Rundfunk endgültig ausgeschaltet.“ (… es folgt eine Aufführung, welche Gremien und Personen in Zukunft zu entscheiden haben, was gespielt werden darf…) „Alle Sender des deutschen Rundfunks bringen heute zu noch unbestimmter Zeit innerhalb eines Unterhaltungskonzerts eine Jazzparodie, der Art, wie sie in Deutschland zukünftig nicht mehr geduldet werden. Eine gleich darauf folgende, der deutschen Tanzmusik entsprechende Instrumentierung der gleichen Melodie soll die Unterschiede klar machen, die zwischen Niggersang und deutschem Tanzlied bestehen.“

NaziPlakatAngesichts solcher Zitate meine Frage im oben erwähnten Thread: Wie soll in solch einer Atmosphäre Kunst entstehen, sich der kreative Geist entfalten, wenn von kleinbürgerlichem, angstvollem, rassistisch verseuchtem Gedankengut so etwas verordnet wird? Zu meiner Überraschung: Es ging! Nehmen wir die Verbreitung von Schallplatten: Deutsche Plattenfirmen waren vertraglich international gebunden, dass „selbst die Nazis aus devisenrechtlichen Gründen nichts gegen die Einfuhr amerikanischer und englischer (auch Jazz-)Schallplatten unternehmen konnten“ (…)

Und dann nahm der Jazz kurz nach der Machtergreifung auch noch jene Wende zum allseits gefälligen und unglaublich populären Swing, erstmals auch von weißen Musikern in Amerika entscheidend geprägt, dass er „nunmehr als kultivierter Überwinder des alten „wilden“ Jazz der dekadenten 20er Jahre angesehen wurde.“ Um 1936 erlebte die „reinliche“ Swing-Welle gar eine Blütezeit in Deutschland, man nehme beispielsweise Teddy Stauffer, „von den Nazis als schräge Musik bezeichnet, aber zunächst noch halbwegs toleriert, da man ja das internationale Flair Berlins erhalten wollte.“ Und hier revidiere ich meine Meinung gerne: Dass nämlich auch in Deutschland ganz hervorragende Musiker zugange waren, die sowohl instrumentalistisch, als auch vom Ausdruck hervorragende Leistungen gebracht haben.

Swing war – nahezu einmalig in der Jazz-Geschichte – nicht zuletzt auch ehrliche Tanzmusik. Laut Horst H. Lange stieß den Nazis vor allem das „undeutsche Niggergebaren“ beim Ausüben des Tanzes, weniger die Musik selbst derart übel auf, dass es Ermahnungen der Reichsmusikkammer hagelte. Man konnte sich aber anscheinend dennoch einigermaßen durchlavieren, was nicht zuletzt an der Cleverness der Jazz-Ausübenden und der Bräsigkeit der Funktionäre lag, denen man „die Swingmusik oft als neuen deutschen Tanzstil aufschwatzen konnte.“

Kriegsbeginn. Die Lage ändert sich entscheidend. Jazz – von den deutschen Machthabern immer wieder auch mit England in Verbindung gebracht – war jetzt endgültig die Musik des Feindes. „Feindsender“ hören konnte man mit dem Leben bezahlen. Die in Deutschland tätigen Jazzorchester stellten ihre Arbeit ein, nicht zuletzt dadurch, dass ihre Mitglieder zur Wehrmacht einberufen wurden. Außerdem hatte sich im Ursprungsland des Jazz der Wind musikalisch entscheidend gedreht. Die jungen Wilden machten Furore: Charlie Parker, Thelonious Monk, die die Grundfesten der leichten Muse Swing erschütterten und das Tor zum modernen Jazz aufzustoßen begannen.

Der Krieg tobte an vielen Fronten, im Westen rückten Harry James, Glenn Miller & Co im Zuge der allierten Truppenbetreuung vor, Jazz wurde zum Soundtrack der Befreiung. Und auch in Deutschland selbst war es plötzlich wieder möglich, Jazz zu hören. Musiker wie Kurt Widmann, Michael Jary oder Helmut Zacharias hatten hörenswerte Ensembles, durchaus eigenständig musizierend im Vergleich zu ihren amerikanischen Vorbildern. Nicht zuletzt Goebbels veranlasste „nicht so hart gegen die Landserwünsche von schräger Musik vorzugehen, um in ernsten Zeiten eine Lebensfreude zu erhalten.“ Ein absurder Zynismus. Der brachte immerhin sogar wieder deutsche Rundfunk-Swing-Orchester auf den Plan. Selbst im Elend von Theresienstadt, wo auch Krasa noch wirken „durfte“, tolerierte man die „Ghetto Swingers“, deren berühmtestes Mitglied, Gitarrist Coco Schumann, noch bis vor nicht allzu langer Zeit beredtes Zeugnis jener Tage ablegen konnte. Der „totale Krieg“, der Kampf ums nackte Überleben in nahezu jeder deutschen Großstadt, beendete dann das Jazzleben, wohl auch nahezu sämtliches andere kulturelle Leben.

AdalbertLutter

Adalbert Lutter & sein Orchester

Meine Lektüren, die ich hier nur in kurzen Schlagworten zusammenfassen kann, überraschten mich selbst, ob der Komplexität, wie der Jazz im Dritten Reich gegängelt wurde, sich Nischen gesucht hat, dann wieder gefördert wurde und sich immer seinen Weg bahnen konnte. Klar ist aber auch – und da wären wir noch einmal bei Werner Egk: Wirkliche Größe kann sich nur in Freiheit entfalten. Das Ranwanzen an die Herrschenden ging eigentlich immer einher mit der Aufgabe der eigenen künstlerischen Souveränität und Klasse. In der Grauzone, in der Subversivität und mit der Intelligenz, die kulturlosen Machthaber mit größter Intelligenz zu übertölpeln, sind durchaus große Leistungen machbar gewesen. Ich denke da z.B. an Schostakowitsch.“ (Carsten)

Einen weiteren Überblick zum Thema „Jazz in totalitären Diktaturen der 30er Jahre“, verfasst von Martin Lücke lege ich dieser Präsentation bei.

KeinNigger-JazzImRadioArtikel.jpg

Titel:
01. Lothar Brühne & das UFA Tanzorchester:  Ein Zug fährt ab (Brühne) (1943)  2.43
02. Orchester Willi Stech: Wenn froh ein Lied erklingt (Berking) (1942) 2.42
03. Dreigroschenband: Truxa Foxtrott (Leux) (1937) 3.03
04. The Admirals: Puttin’ On The Ritz (Berlin) (1930) 3.16
05. Adalbert Lutter & sein Orchester: Weißt du, wie lieb du bist? (Drabek/Walter) (1939) 3.17
06. Willy Berking & sein Tanzorchester: Tempo Tempo (Berking) (1943) 2.34
07. Stan Brenders & sein Tanzorchester: An mein Herz (Jary) (1942) 2.27
08. Willi Stech & sein Orchester: Hochzeitsnacht im Paradies 1 (Schröder) (1943) 3.23
09. Willi Stech & sein Orchester: Hochzeitsnacht im Paradies 2 (Schröder) (1943) 3.10
10. Willy Berking & seine Solisten: Tonleiter (Berking) (1944) 2.39
11.  Dreigroschenband: Wenn ich einmal traurig bin (Reisfeld/Marbot) (1932) 2.46
12.  Elite Tanzorchester & Corny Ostermann: Allerschönste aller Frauen (Grothe/Dehmel) (1943) 3.09
13.  Adalbert Lutter & sein Tanzorchester: Oh Marie, oh Marie (Di Ceglie/Schwenn/Schaeffers) (1944) 2.46
14.  Kurt Widmann & sein Orchester: Schwarze Augen (Ferrari) )1942)  2.58
15.  Willy Berking & sein Tanzorchester: Immer wieder Rhythmus (Berking) (1942) 2.29
16.  Kurt Widmann & sein Orchester: Ja, das ist meine Melodie (Bochmann/Balz) (1941) 2.43
17.  Adalbert Lutter & sein Orchester: Rhythmus der Freude (Kennedy/Carr) (1937) 3.13
18.  Willy Berking & seine Solisten: Rauf und runter (Berking) (1944) 2.39
19.  Dreigroschenband: Ich liebe dich und kenn dich nicht (Grothe/Dehmel) (1934) 3.04
20. Orchester James Kok: Fensterpromenade (Mohr/Walter) (1933) 2.52
21.  Julian Fuhs & sein Jazzorchester: Stella (Michaeloff) (1927)  3:05
22. Kurt Widmann & sein Orchester: Ja, das ist nun mal mein Rhythmus (Widmann) (1942)  2.42
23.  Adalbert Lutter & sein Orchester: Nächte am La Plata (Estvilla) (1933)  3.17
24. Willy Berking & seine Solisten: Synkope (Berking) (1944) 2.45
25. Dreigroschenband:Es war einmal ein Musikus (Schwarz) (1932)  2.39

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Verschiedene Interpreten – Swing tanzen verboten (Teil 1) (2004)

FrontCover1Das mit dem Jazz im III. Reich ist schon eine recht vertrackte Geschichte, die man schon sehr differenziert betrachten muss, um dem Thema gerecht zu werden.

So beschreibt man es im üppigen Begleitheft diese 4 CD Edition:

„Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, widmeten sie sich sehr schnell der „Säuberung“ der Kulturszene von sogenannten „artfremden“ Einflüssen. Neben der Malerei, dem Film und Theater begannen die braunen Machthaber, auch alle
Bereiche der Musik und Unterhaltung in ihrem Sinne zu steuern.
Im Würgegriff der nationalsozialistischen Machthaber haben sich inige der großen Musiker, die auf diesen CDs vertreten sind, nicht gebeugt und aus Überzeugung die Musik gespielt, die ihnen und einem aufgeklärten Publikum Spaß machte. Viele dieser standhaften Musikschaffenden haben dafür teuer bezahlen müssen: Emigration
– Folter – Flucht – Tod waren die Folge von unliebsamer politischer Gesinnung, von „falscher“ Religion, Hautfarbe oder Homosexualität.“

Keine Frage, Jazzmusik war grundsätzlich „unerwünschte Musik“, doch dies reichsweit durchzusetzen, war alles andere als leicht. In den großen Metropolen gab es durchaus noch Swing-Tanz-Abende, im ländlichen Raum konnten man die Menschen mit Verboten schon leichter schikanieren.

Das bringt mich zu dem bekanntem Schild „Swing tanzen verboten – Reichskulturkammer“:

DasBlechschild.jpg

Ein solches Verbotsschild gab es im III. Reich nicht … die Historie, wie sich dieses Schild dennoch als „authentisches“ Schild seinen Namen machte, kann man in dem hochinteressanten Artikel von Bodo Mrozek nachlesen (liegt als pdf Datei bei; Quelle: pophistory.hypotheses.org).

Ich werde diesem Thema in der nächsten Zeit immer wieder mal ansprechen … denn im Laufe der nächsten Zeit sollen hier alle Titel diese 4 CD´s vorgestellt werden. Weiteres Begleitmaterial wird dann jeweils dazugepackt.

Und ja; mich friert es, insbesondere bei jenen Aufnahmen aus dem II. Weltkrieg, als Europa bereits in Schutt und Asche lag … und dann diese Musik … das gleiche gilt allerdings auch für den köstlichen Heinz Rühmann Film „Die Feuerzangenbowle“, der ja 1944 entstand … es gruselt mich …

Schachmeister.jpg

Efim Schachtmeister mit seinem Jazz Symphonie Orchester

Titel:
01. Ben Berlin & sein Orchester: Fliegerlied (Zamecnik) (1928) 2.43
02. Paul Godwin & das Künstlerensemble: Das Lied vom Angeln (Kollo) (1926) 3.16
03. Haller Revue Orchester: Komm ins Grüne, Karoline (Kollo/Haller) (1927) 4.44
04. Ludwig Rüth & seine Band: Lassen Sie mal sehn (Shay/Tobias) (1928)   3.02
05. Efim Schachmeister & sein Tanzorchester: Ausgerechnet Bananen (Youmans) (1923) 3.20
06. Emanuel Rambour: Ich bring dich um die Ecke, zum Autobus (Igelhoff/Dehmel) (1938)  2:23
07. Dreigroschenband: Der tanzende Tambourin (Pollo/Ponce) (1928) 3.20
08. Ludwig Rüth & seine Band: Der Duft, der eine schöne Frau begleitet (May) (1928) 3.17
09. Julian Fuhs & sein Orchester: Kannst du Charleston, tanzt du Charleston (Myers) (1926) 2.37
10. Adalbert Lutter & sein Orchester: Fifi (Garcia) (1935)  3.18
11. Kurt Widmann & sein Orchester: Schönes Wetter (Funk/Niepel) (1941) 2.28
12. Dreigroschenband: Der Song von Mandelay (Weill/Brecht) (1929) 3.05
13. Ludwig Rüth & sein Orchester: Czardas, Czardas (Plessow/Halton/Schwenn) (1938) 2.03
14. Adalbert Lutter & sein Orchester: Poor Dinah (Morrow) (1937) 3.22
15. Michael Jary & sein Orchester: Karo-Sieben (Munsonius) (1943) 2.49
16. Willy Berking & sein Orchester: Hexentanz (Winkler/Balz) (1940) 2.29
17. Franz Thon & seine Tanzrhythmiker: Golfstrom (Wernicke) (1941) 2.34
18. Dreigroschenband: Im Radio gibt es heute Tanzmusik (Profes/Beckmann) (1937) 2.54
19. Tanzorchester Oskar Joost: Tanz noch einmal (Radtke) (1939) 2.42
20. Michael Jary & sein Orchester: Fenstergucker (Munsonius) (1940) 2.40
21. Willy Berking & sein Tanzorchester: Ein Stern ist vom Himmel gefallen (Kreuder) (1943)  2.28
22. Willi Stech & sein Orchester: Wir machen Musik (Igelhoff/Steimel) (1944) 2.38
23. Orchester Stan Brenders: Ja und nein (Grothe) (1940) 2.55
24. Orchester Fud Candrix: Mit einer kleinen Melodie (Heinz/Weiss/Pfrötschner) (1940) 2.57
25. Willy Berking & seine Solisten: Legato (Berking) (1944) 2.57

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Verschiedene Interpreten – Rund um´s Hofbräuhaus (1955)

FrontCover1So, bevor ich nun den Koffer packe … hier noch ein kleiner musikalischer Gruß aus München:

Eine 10 “ Scheibe, justament aus dem Jahr 1955 .. jenem Jahr, als ich das Licht der Welt erblickte …

„Rund um´s Hofbräuhaus“ … was kann man da erwarten:

Nun ja, jene folkloristische Musik, die Touristen von Hamburg bis Japan die Tränen in die Augen treibt … wobei vermutlich diese Gefühlswallungen in Beziehungen stehen … wieviele Maß man intus hat.

Wir hören den frühen Max Greger, wie hören Jodelmusik und wir hören den legendären Weiß Ferdel mit seinem Klassiker „Ein Wagen der Linie 8“ … ich kann mich heute noch köstlich über dieses urtypische Münchner Lied aus dem Jahr 1948 erfreuen.

Single1948

Besetzung:

Max Greger und seine Münchner Musikanten

Alfons Bauer mit seinem Orchester;
Alfons Bauer (zither)
Michel Berger (vocals)
Loni Heumann (vocals)

Weiß Ferdl

 Jodel-Duo Geschwister Fahrnberger

Rudi Knabl und seine Volksmusikanten

Bauernkapelle Radio Vorarlberg

Rudi Knabl + Anni Fahrnberger:
Anni Fahrnberger (vocals)
Rudi Knabl (zither)

BackCover1

Titel:
01. Max Greger und seine Münchner Musikanten: Bayrisches Bilderbuch 3.37
02.Alfons Bauer mit seinem Orchester: Almenrausch und Edelweiss 3.44
03. Weiß Ferdl: Ein Wagen der Linie 8 (Ritt/Ferdl) 7.05
04. Jodel-Duo Geschwister Fahrnberger; Jodelpost 3.13
05. Rudi Knabl und seine Volksmusikanten: Alt-bayrischer Ländler 2.44
06. Bauernkapelle Radio Vorarlberg; Erzherzog Johann-Jodler 3.04
07. Rudi Knabl + Anni Fahrnberger: Bayrisches Bilderbuch 3.14
+
08.  Weiß Ferdl: Ein Wagen von der Linie 8 (Originalversion 1948) (Ritt/Ferdl) 9.39

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Teddy Staufer/Eddie Brunner: Teddy Staufer´s Original Teddies – Swiss Jazz (Vol. 3) (1977)

FrontCover1Hier ein feines Beispiel für den frühen Jazz im deutschsprachigen Raum der 40er Jahre. Die Rede ist vom Eidgenossen Teddy Staufer, der sich über langweilige Biographie wahrlich nicht beschweren dürfte:

Teddy Stauffer, gebürtig Ernst Heinrich Stauffer, auch Ernest Henry Stauffer (* 2. Mai 1909 in Murten, Schweiz; † 27. August 1991 in Acapulco, Mexiko) war ein Schweizer Jazzmusiker und Bandleader. Mit seinen Arrangements aktueller amerikanischer Kompositionen galt er in den 1930er und frühen 1940er Jahre als eine der Swinggrößen in Deutschland.

Teddy Stauffer wuchs in Murten am Murtensee und in Bern auf, spielte dort ab 1927 Geige und Saxophon in einer Amateurband, die er nach dem Wappentier von Bern, einem Bären, benannte. Ab 1928 begann Stauffer mit seinem Orchester Teddy And His Band in Deutschland aufzutreten.

Ihr erstes Engagement hatten die Teddies als Caféhaus-Kapelle in Gleiwitz. Nach vielen Engagements auf Kreuzfahrtschiffen erreichte seine Popularität in Deutschland um 1935/36 ihren Höhepunkt. 1936 erhielt er von Elfriede Scheibel, der Besitzerin des Berliner „Delphi-Palastes“ ein viermonatiges Engagement vom Juli bis Oktober 1936. Dieses Gastspiel begründete den Ruf des Delphi als Swing-Bühne. Zu seinen Original Teddies gehörten von Anbeginn der Berliner Posaunist Walter Dobschinski und der Stuttgarter Trompeter Kurt Hohenberger, der 1937 zur Goldenen Sieben gehörte, dazu die Schweizer Trompeter Bob E. Huber und Rudi Dumont. An der Klarinette war Franz Thon (ebenfalls Goldene Sieben) zu finden, doch schied er 1937 aus, da seine Gagenforderung mit 1000,- RM (4.000 Euro) höher war als das Gehalt, das sich Stauffer selber zubilligte.

Stauffer03

Hedy Lamarr und Teddy Stauffer

So kam es zur Umstrukturierung im Orchester, ab 1937 wurde es vergrössert, und es gelangten der Klarinettist und Satzführer Franz Kleindin und – vom Orchester Kurt Hohenberger kommend – der Klarinettist Ernst Höllerhagen hinzu.

Ein Gastspiel der Stauffer-Band in England sorgte auch für internationalen Glanz. Aus London brachte Stauffer die Sängerin Betty Toombs mit, von der einige Telefunken-Aufnahmen von 1938 existieren. Sie übte auch die Aussprache mit dem Gitarristen und Sänger Billy Toffel, der die Jahre zuvor ausschliesslich phonetisch englisch sang, ohne ein Wort zu verstehen. Es folgten phasenweise Umbesetzungen u. a. mit dem Trompeter Günter (Duke) Herzog und dem Klarinettisten Benny de Weille. Bis 1939 trat er mit seiner Original Teddies-Band vor allem in Berlin und Hamburg auf. Mit seiner jazzigen Swingmusik bekam Stauffer jedoch zunehmend Ärger mit der Reichsmusikkammer.
Schweiz

Stauffer04Im Winter traten Teddy Stauffer und seine „Teddies“ alljährlich in den Grand Hotels der Skiorte St. Moritz und Arosa auf. Im Jahr 1939 reiste die Band zur Eröffnung der Landesausstellung in die Schweiz, in Vertretung des Orchesters von Jimmie Lunceford, das wegen des drohenden Kriegs absagte. Bei Kriegsausbruch befand sich die Band in der Schweiz, bis auf den Deutschen Ernst Höllerhagen mussten sämtliche deutschen Mitglieder der Teddies die Schweiz verlassen. Ein geplantes Gastspiel ab September 1939 in der Berliner Femina kam so nicht mehr zustande.

In der Schweiz wirkte er 1940/41 an der Vertonung des Filmes s’Margritli und d’ Soldate mit, das Margritli-Lied, interpretiert von den Geschwister Schmid wurde zu einem grossen Erfolg. Viele der Arrangements schrieb Buddy Bertinat. Nach dem Weggang von Teddy Stauffer 1941 waren die Original Teddies unter Leitung von Eddie Brunner; dazu gehörte nun auch Hazy Osterwald, der bereits seit 1941 Arrangements für die Band schrieb. Doch konnte die Band nicht an alte Erfolge anknüpfen.
Acapulco

Nach einem Engagement auf einem Atlantik-Kreuzfahrtschiff blieb Stauffer in den USA, zunächst in New York, dann versuchte er sein Glück als Filmkomponist in Hollywood. Wegen Schwierigkeiten mit seinen Aufenthaltspapieren ging er nach Mexiko, das ab 1944 seine zweite Heimat wurde. In Acapulco gründete er eine Diskothek und war Manager mehrerer bekannter Hotels (u. a. des Hyatt Regency und der Villa Vera). Die Mexikaner verehrten den hochgewachsenen, blonden Schweizer als allseits beliebten Botschafter für Acapulco. „Mr. Acapulco“ trug dazu bei, die Hollywood-Prominenz anzulocken und den Ort, der damals ein Fischerdorf von 8000 Bewohnern war, weltberühmt zu machen. In seine mexikanische Zeit fallen kleine Gastauftritte in TV- und Filmproduktionen.

Teddy Stauffer war fünfmal verheiratet und fünfmal geschieden, u. a. mit den Schauspielerinnen Faith Domergue und Hedy Lamarr. Aus der Ehe mit Patricia Morgan hat Teddy Stauffer eine Tochter: Melinda Morgan Stauffer (* 19. April 1962), die in Kalifornien lebt.

Teddy Stauffer starb im Jahr 1991 in Acapulco. Nach seinem Tod wurde seine Asche in den Pazifik gestreut, wie es sein letzter Wille war. (Quelle: wikipedia)

Stauffer05

Er war wohl ein rechter Hallodri (amerikanisch: Playboy), der Stauffer, wenn ich lese: „fünfmal verheiratet und fünfmal geschieden“… na ja, denRekord von Liz Taylor hat er nicht erreicht.

Und nachdem den Machern dieser dreiteiligen EDiton scheinbar das original Teddy Stauffer Material ausging, packen sie dann noch Aufnahmen der Original Teddies mit einem Eddie Brunner mitdazu – immerhin war der aufs engste mit dem Teddy Stauffer verbandelt:

Eddie Brunner (* 19. Juli 1912 in Zürich; † 18. Juli 1960 ebenda) war ein Schweizer Jazz-Saxophonist (Tenor, Alt), Klarinettist und Bandleader des Swing.

Brunner lernte neben Saxophon auch Klavier und spielte 1929 in Zürich in der Amateur-Band „Varsity Seven“. Nachdem er in mehreren Tanzorchestern, u.a. 1931 in Berlin in dem des Saxophonisten René Dumont und 1933 in der des Geigers Marek Weber, spielte, wurde er 1936/7 Mitglied der „Goldenen Sieben“. 1936 bis 1939 lebte er in Paris, und kehrte erst bei Kriegsausbruch in die Schweiz zurück. 1939 war er bei Louis Bacon und dann im selben Jahr Mitglied der „Original Teddies“ (als Solist mit dem Tenorsaxophon) von Teddy Stauffer in der Schweiz, die er 1941 von diesem übernahm, als Stauffer nach Amerika ging. Dort spielte Henry Mason, kurz auch Hazy Osterwald.

EddieBrunnerSingle

Eine Eddie Brunner Single

1948 wandelte er die Teddies in ein Sextett um und spielte ausserdem in den 1950er Jahren viel als Studiomusiker. Er nahm schon ab 1938 gelegentlich als Leader auf und auch in den 1940ern, während er viel mit den Teddies aufnahm. Er machte u. a. mit Bill Coleman, Willie Lewis, Glyn Paque, dem französischen Jazztrompeter Philippe Brun, Lale Andersen und den Peters Sisters  Aufnahmen. Ab ungefähr Mitte 1948 wurde Eddie vom damaligen Chef des Unterhaltungsorchesters Cedric Dumont als Tonmeister im Radiostudio Basel engagiert. (Quelle: wikipedia)

Beide bieten Jazz der alten Schule, mal fetzig, dass die Schwarte kracht, mal schmachtend, dass ie Damenleise seufzt … aber immer so gespielt, dass man sich vrden großen Vorbldern nicht zu verstecken brauchte.

Stauffer01

Besetzung:
Eddie Brunner (saxophone, clarinat)
Teddy Stauffer (saxophone, clarinat)

The Original Teddies:
Buddy Bertinat (accordeon)
René Bertschi (bass)
P. Guggisberg (dums)
Billy Toffel (guitar)

(So ganz durchsichtig sind mir diese Angaben allerdings nicht)
+
Phyllis Heymanns (vocals bei 02., 11.)
Billy Toffel (vocals bei 03.)

BackCover1

Titel:

Teddy Stauffer And The Original Teddies:
01. St. Louis Blues (Handy) 3.00

Eddie Brunner And His Original Teddies:
02. No Can Do (Simon) 2.32

Teddy Stauffer And The Original Teddies:
03. You Say The Sweetest Things (Warren) 2.33

Eddie Brunner And His Original Teddies:
04. Skyliner (Barnet) 2.47

Teddy Stauffer And The Original Teddies:
05. South Of The Border (Kennedy/Poterat/Carr) 2.59

Original Teddies Quartett:
06. Shine (Mack/Dabney/Brown) 2.36

Teddy Stauffer And The Original Teddies:
07. I’m Nobody’s Baby (Mason/Davis/Santly/Ager) 2.41

Eddie Brunner And His Original Teddies:
08. Coming In On A Wing (Adamson/McHugh) 2.53
09. Caldonia (Moore) 2.18

Teddy Stauffer And The Original Teddies:
10. Booly Ja Ja (Jungle Dance) (Harding/Wilson) 2.23

Eddie Brunner And His Original Teddies:
11. The Trolley Song (Hugh/Blane) 2.53

Teddy Stauffer And The Original Teddies:
12. Fools Rush In (Mercer/Bloom) 3.07

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Verschiedene Interpreten – Hits aus der Flimmerkiste 1 (1978)

FrontCover1Also irgendwie ist mir dieses Amiga-Album sehr sympathisch.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass man hier Film-Schlager der Marke Asbach uralt hören kann, sondern dass die Amiga Verantwortlichen hier wohl aus der Not eine Tugend gemacht haben.

Vermutlich hatte meinen keinen Zugang zu den Original-Tonspuren (ich habe keine Ahnung, wo die damals lagerten) und so schnipselte man einfach die Tonspur aus den vorhandenen Filmstreifen heraus.

Und so kann man dann auf der Rückeite der LP-Hülle folgendes lesen:

Bei den auf dieser LP veröffentlichten Titeln handelt es sich um den Original Lichtton aus den genannten Spielfilmen, vereinzelte abrupte Anfänge bzw. Schlüsse ergeben sich aus der Filmhandlung.

Da haben also die Tontechniker der Amiga Studios ganze Arbeit geleistet.

Maria Cebotari

Maria Cebotari

Und so hören wir nun jede Menge Schmachtfetzen, ein paar Frivolitäten (natürlich nur zwischen den Zeilen) und ein Wiederhören mit den damals angesagten Stars.

Als da wären:
Heinz Rühmann, Hans Albers, Marlene Dietrich, Marika Rükk, Johannes Heesters, Hans Moser uviele mehr.

Aber dann auch eher unbekannter Künstler wie: Lilian Harvey, Jan Kiepura oder Margot Hielscher („Frauen sind keine Engel“, wie wahr, wie wahr … kicher).

Hereinspaziert … es ist angerichtet … Vorhang auf für nostalgische Klängen aus einer schaurigen Zeit. Ein Titel wie „Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein“ ist ntaürlich Zynismus pur … für das Jahr 1936.

Man konzipierte dieses Album als Nehrteiler, denn Folge 2 und 3 sind dann auc noch erschienen … spricht wohl dafür, dass für diese „ollen Kamellen“ in der damaligen DDR durchaus auch ein Markt vorhanden war.

Und das Cover ist wirklich Klasse !

Margot Hielscher

Margot Hielscher

Titel:
01. Heinz Rühmann & Hans Albers; Jawoll, meine Herrn (Sommer/Gusch) 2.11
02. Marlene Dietrich: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt (Hollaender) 1.37
03. Paul Hörbiger: Das muß ein Stück vom Himmel sein (Heymann/Gilbert) 1.37
04. Lilian Harvey: Das gibt’s nur einmal (Heymann/Gilbert) 2.18
05. Hans Albers: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (Roberts) 1.09
06. Jan Kiepura: Mein Herz ruft nach dir, oh Marita (Stolz/Marischka) 3.34
07. Marika Rökk: Für eine Nacht voller Seligkeit (Kreuder/Schwenn) 1.15
08. Hans Moser:  Reblaus-Lied (Förderl/Marischka) 3.18
09. Lizzi Waldmüller: Laßt den Kopf nicht hängen (Lincke/Bolten-Baeckers) 1.17
10. Joseph Schmidt: Ein Lied geht um die Welt (May/Neubach) 1.50
11. Johannes Heesters: Man müßte Klavier spielen können (Schröder/Beckmann) 2.46
12. Margot Hielscher: Frauen sind keine Engel (Mackeben/Beckmann) 1.11
13. Willi Forst: Ich bin heute ja so verliebt (Schmidt-Gentner/Beckmann) 1.35
14. Ursula Herking & Theo Lingen: Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe (Lincke/Bolten-Baeckers) 1.18
15. Grete Weiser: Ja, ja, das männliche Geschlecht (Grothe/Dehmel) 2.17
16. Hans Moser & Paul Hörbiger: Ich trag‘ im Herzen drin (Profes/Petrak) 2.22
17. Peter Igelhoff: Der Onkel Doktor hat gesagt… (Igelhoff/Richter) 1.45
18. Maria Cebotari: Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein (Mackeben/Beckmann) 2.31
19. Marika Rökk: Sing‘ mit mir (Grothe/Dehmel) 3.17

LabelB1
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BackCover1

Joseph Schmidt

Joseph Schmidt (* 4. März 1904 in Dawideny, österreichisches Kronland Bukowina; † 16. November 1942 im Internierungslager Girenbad oberhalb von Hinwil, Kanton Zürich, Schweiz) war ein österreichischer Opernsänger (lyrischer Tenor). Um 1930 gehörte er zu den bekanntesten Sängern in Deutschland. Nachdem er 1933 als Jude aus Deutschland fliehen musste, gelangte er schließlich in die Schweiz, wo er in einem Lager erkrankte und mangels Hilfeleistungen starb.

Verschiedene Interpreten – Programm für Millionen – Original-Dokumentation zum Thema 50 Jahre Deutscher Rundfunk (1973)

FrontCover1Also, wer sich für die Geschichte des deutschen Rundfunks auch nur annähernd interessiert, kommt an dieser Präsentation eigentlich nicht vorbei !

Am 29. Oktober 1923 ging der deutsche Rundfunk seinen Weg in das Land.

Und von daher kam es, dass man dann 1973 – man feierte das 50. Jubiläum – diese aufwendig gestaltete Box auf den Markt brachte.

Und wir hören „wichtige und interessante Höhepunkte aus Rundfunksendungen der Vergangenheit. Zwei Langspielplatten und ein reichbebildertes Beilageheft. Ein radioaktiver Report über ein erregendes Stück Zeitgeschicht 1923 – 1949“.

So kann man es auf der Hülle lesen. Und damit nicht genug … es gibt dann noch als Drauf- bzw. Zugabe eine Bonus-Single mit den Titeln „Liebes altes Dampfradio“ (Bully Buhlan) und „Ti-Pin-Tin“ (Teddy Stauffer mit der Sängerin Rosita Serrano – live in Berlin am 22. November 1938 in Berlin).
Dieses Werk konnte nur entstehen in der Zusammenarbeit mit dem „Deutschen Rundfunkarchiv“… und die Zusammenstellung (was für eine Wahnsinnsarbeit) lag bei Walter Haas (damals Redakteur des NDR).

Was soll ich da noch schreiben … außer, dass diese Box einfach ne Wucht ist … unglaublich, was hier zusammengetragen wurde (ich hätte die Auswahl nicht treffen wollen).

Zu hören gibt es

Ergreifendes, sportliches, politisches, amüsantes, literarisches aus 5 Jahrzehnten, eine schier unglaubliche Fülle … Prädikat: atemberaubend !

 

Hier ein paar Beispiele aus dem ausführlichem Begleitheft (liegt der Präsentation bei, versteht sich ja von selbst)

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Titel:

01. 1.Teil: 1923-1930  (27.29)
02. 2.Teil: 1930-1932  (27.10)
03. 3.Teil: 1933-1934  (27.14)
04. 4.Teil: 1935-1949  (28.03)
+
05. Bully Buhlan: Liebes, altes Dampfradio (Jary/Haas) 5.20
06. Teddy Stauffer + Rosita Serrano: Ti-Pi-Tin (Grever) 3.41

Und so schaut dann die Titelliste von Teil 1 aus:

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Der geneigte Leser wird es nachvollziehen, dass ich hier nicht alle Titel abtippen wollte …

Weitere Informationen befinden sich dann im Begleitheft.

Wer hier nicht zuschlägt, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

 

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Die Extra Single

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Zarah Leander – Yes Sir ! (Ende 50er Jahre)

FrontCover1Ein wahrlich schillender Lebenslauf:

Die schwedische Diva mit der Baritonstimme wurde 1936 von der Ufa engagiert, um Marlene Dietrich, die Nazi-Deutschland den Rücken gekehrt hatte, zu ersetzen und der siechen deutschen Filmindustrie einen zugkräftigen Star zu verschaffen. Zarah enttäuschte nicht – ihre Filme zählten mit wenigen Ausnahmen zu den beliebtesten und profitabelsten im Dritten Reich. Sie selbst bekam eine höhere Gage als jedeR andere Ufa-AngestellteR, sogar mehr als Emil Jannings, Hans Albers oder Gustaf Gründgens. Ihre dunkle Stimme, ihr “Kuhgesicht” (Detlev Sierck) und ihr geheimnisvoller, schräg nach oben gerichteter Blick wurden zu ihrer Signatur; sie ließen auf lodernde Sinnlichkeit, verborgene Leidenschaft, unendliche Sehnsucht, Läuterung durch Verzicht – und was die Augen betrifft, starke Kurzsichtigkeit schließen

ZarahLeander01Zarah spielte fast immer die melodramatische Rolle einer glamoureusen, leicht verruchten Schauspielerin oder Sängerin, die sich in der Liebeswahl irrt und den ganzen Film hindurch dafür büssen muss, bis sie schliesslich einem einfacheren Glück und einem geraden, durchschnittlichen Mann nachgibt. Sie verkörpert dadurch beides – die verführerische Femme fatale und die treue, sich aufopfernde Märtyrerin. Ihrem Publikum bot sie einerseits die Möglichkeit zum Phantasieren durch die exotischen Kostüme und Schauplätze ihrer Filme, zugleich aber die Botschaften von Tugend und Durchhaltemoral.

FrauenbildZarah Stina Hedburg wuchs mit vier Brüdern in einer gutbürgerlichen Familie in Karlstad, Schweden, auf. Sie bekam schon mit vier Jahren Klavierunterricht und versuchte 1926 die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Stockholm. Sie fällt durch, heiratet den jungen Schauspieler Nils Leander und bekommt zwei Kinder. Die Ehe geht bald schief (Leander ist Trinker), und Zarah tritt 1929 ihr erstes Engagement in einer Unterhaltungsrevue an. Die nächsten fünf Jahre wird sie durch ihre Auftritte in Revuen, Lustspielen und Operetten in ganz Skandinavien berühmt. Der wahre Durchbruch kam 1936 in Wien, wo Zarah in einer neuen Operette einen gefeierten Hollywood-Star vom Typ Garbo spielte. Wegen ihrer dunklen, “unweiblichen” Stimme wurde sie zur Sensation, die auch den deutschen Filmbonzen nicht entging. Sie machten ihr ein grosszügiges Angebot, das Zarah akzeptierte. Nun begann die Ufa einen grossangelegten Werbefeldzug, um Zarah Leander systematisch zum neuen Star des deutschen Films aufzubauen.

ZarahLeander03Bis zu ihrer Rückkehr nach Schweden 1943 spielte Zarah in 10 Filmen der Ufa, darunter “Zu neuen Ufern” und “La Habanera”, beide 1937 unter der Regie von Detlef Sierck (der später in Hollywood als Douglas Sirk mit seinen Melodramen Karriere machte); “Heimat” (1938, Regie Carl Frölich); und drei Filmen unter dem Regisseur Rolf Hansen, “Der Weg ins Freie” (1941), “Die grosse Liebe” (1941/42) und “Damals” (1943). Ihre Lieder (am häufigsten vom schwulen Texter Bruno Balz) – z.B. “Kann denn Liebe Sünde sein?” (1938), “Davon geht die Welt nicht unter” (1942), “Ich weiss, es wird einmal ein Wunder gescheh’n” (1942) – wurden die beliebtesten Schlager der Nazi-Zeit.

Obwohl sie lange wegen ihrer guten Beziehungen zu den Nazis von ihren schwedischen Landsleuten geächtet wurde, gelang Zarah Leander ab den 1950er Jahren ein Comeback als Sängerin und (weniger erfolgreich) als Schauspielerin. Ihre grössten Fans waren wieder Deutsche – vor allem verehrt das schwule Publikum sie, hingerissen von ihrer androgynen Stimme, ihrem exzessiven Stil, opulenten Aussehen und ihrer sinnlichen, offen zur Schau gestellten Sehnsucht. (Quelle: http://www.fembio.org)

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Hier einer der unzähligen Zarah Leander LP´s, die als Zusammenstellung auf den Markt kamen.

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Ariola Originalausgabe

Ursprünglich wurde sie auf Ariola Records veröffentlicht (vermutlich Ende der 50er Jahre); mein Exemplar ist eine Ausgabe für den sog. „Europäischen Phonoclub“, der von Bertelsmann ins Leben gerufen wurde.

Schon erstaunlich wie offenherzig und z.T. nicht nur dezent frivol damals gesungen werden konnte („Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“) … das greift das Thema „Sexualität und Nationalsozialismus“ auf … kulturgeschichtlich ein interessantes Thema … aber das würde hier zu weit führen …

Es bleiben all die Lieder … diverse Schmachtfetzen sind auch dabei … es bleibt mein Grübeln über die Rolle der Zarah Leander im III. Reich … ein heiß diskutiertes Thema übrigens …

„Sie war das große Filmidol im Dritten Reich, besonders Joseph Goebbels verehrte sie. Später wurde sie auch zur Schwulenikone. Die vor 100 Jahren geborene Zarah Leander führte ein widersprüchliches und unangepasstes Leben.“ (Quelle: Stern, 2007)

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Besetzung:
Zarah Leander (vocals)
+
FFB Tanzorchester unter der Leitung von Friedrich Schröder, Arna Hülphers, Macky Kaspar, Simon Krapp, Werner Eisbrenner
Orchester Charles Nowa
Die Starlets

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Titel:
01. Yes, Sir ! (Benatzky) 2.17
02. Kann denn Liebe Sünde sein? (Balz/Brühne) 3.01
03. Ein Leben ohne Liebe (Olias/Colpet) 2.32
04. Ich steh´ im Regen (Benatzky) 3.11
05. Nur nicht aus Liebe weinen (Beckmann/Mackeben)
06. Er heißt Waldemar (Balz/Jary) 3.07
07. Davon geht die Welt nicht unter (Balz/Jary) 2.30
08. Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben (Grünwald/Straus) 3.20
09. Ich hab‘ eine tiefe Sehnsucht in mir (Benatzky) 3.52
10. Nachts ging das Telefon (Kollo)
11. Wenn der Herrgott will (Schwabach/Jary) 2.14
12. Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn (Balz/Jary) 3.27

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