Christiane Rösinger – Liebe wird oft überbewertet (2012)

FrontCover1Dass ist so ein Hörbuch, bei dem ich ständig einerseits  … andererseits murmeln musste:

Christiane Rösinger war Gründerin, Sängerin und Texterin der Berliner Bands Lassie Singers und Britta. In den 90er Jahren war sie eine der Betreiberinnen der legendären Flittchenbar am Berliner Ostbahnhof. Neben ihrer Arbeit als Musikerin schreibt sie Kolumnen und andere Beiträge für verschiedene Zeitungen und Magazine, darunter taz, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Jahr 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, „Das schöne Leben“. Seit 2008 schreibt und spricht sie die wöchentliche Kolumne „Aus dem Leben der Lo-fi-Boheme für den österreichischen Radiosender fm4. (Selbstdarstellung)

Oder:

Christiane Rösinger wuchs in Hügelsheim bei Rastatt auf und zog 1985 nach West-Berlin, wo sie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studierte und als Hilfskraft am Peter-Szondi-Institut arbeitete. Dort bewegte sie sich Mitte der 1980er Jahre im Umfeld des Fischbüros. 1988 gründete sie zusammen mit Almut Klotz und Funny van Dannen die Band Lassie Singers, die sich 1998 auflöste. 1998 gründete sie ebenfalls mit Almut Klotz das Label Flittchen Records. Seit 1998 ist Christiane Rösinger der Kopf der Band Britta, die sie zusammen mit Britta Neander und Julie Miess gründete. Daneben schreibt sie für verschiedene Zeitungen (u. a. taz, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, „Berliner Seiten“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) vor allem über Themen, die mit Popmusik und Popkultur in Verbindung stehen.

LassieSingers

Die Lassie Singers

Im März 2008 erschien ihr erstes Buch, „Das schöne Leben“, in dem sie in kurzen autobiografischen Texten vom Leben auf dem Dorf und vom Leben in der Stadt erzählt. Seit August 2008 schreibt sie eine wöchentliche Kolumne für den österreichischen Radiosender fm4. Im Oktober 2010 veröffentlichte Rösinger ihr erstes Soloalbum „Songs Of L. And Hate“, auf dem Andreas Spechtl von Ja, Panik für die Arrangements verantwortlich zeichnet. Diesem folgte 2017 „Lieder ohne Leiden“, auf dem sie abermals mit Spechtl zusammenarbeitet (Instrumentierung und Gesang). Ihre Tochter singt dabei im Background. Thematisch dreht sich das Album um das Altern, was der Song „Joy Of Ageing“ bündelt. Dort reihen sich zudem collagenartig Zitate von Bertolt Brecht, The Smiths oder der Münchener Band Schwermut Forest.

In den 1990er Jahren betrieb Rösinger die wöchentliche Veranstaltungsreihe Flittchenbar in der Maria am Ostbahnhof. Seit Dezember 2010 veranstaltet sie diese musikalische Themen-Gala monatlich im Kreuzberger Südblock. 2016 war sie bei dem Fussical „Der Spielmacher“ im HAU Berlin beteiligt. Für das Stück „Feminista Baby“ – Premiere 2017 im Deutschen Theater – schrieb sie die Musik und spielte auch mit. Im Herbst 2019 hatte ihr erstes Musical Stadt unter Einfluss Premiere im Hebbel am Ufer. Für das wohnungspolitische Musical schrieb sie den Text und die Songs, führte Regie und spielte selbst mit. (wikipedia)

Britta

Britta

Die Aversion gegen die traute Zweisamkeit hat bei Christiane Rösinger eine lange Tradition. Klar, dass da „Die Pärchenlüge“, ein Titel der Lassie Singers aus dem Jahr 1991, auf dem Hörbuch nicht fehlen darf:

„Pärchen stinken, Pärchen lügen, Pärchen winken und fahren nach Rügen, Cocktails trinken, Kartoffelchips essen, Händchen halten und die Freunde vergessen. Pärchen verpisst Euch, keiner vermisst Euch.“

Christiane Rösinger ist eine Berliner Institution, sie steht für die Ausgeh- und Subkulturboheme der 80er- und 90er-Jahre, als Kreuzberg und Mitte noch keine easyJet und Schicki-Micki-Viertel waren, sondern kreative Spielplätze. Jeder konnte machen, was er wollte, auch singen, ohne singen zu können. Die Lassie Singers, die sich Ende der 90er-Jahre auflösten, werden heute noch von vielen verehrt, vor allem wegen ihrer sarkastisch-ironisch-melancholischen Texte:

Booklet02A„Überflüssige Liebeslieder, falsch und schlecht und laut, tun so als wäre das Leben auf der Sehnsuchtsebene aufgebaut. Und das stimmt nicht. Das ist ganz falsch. Denn Liebe wird oft überbewertet …“

Es ist dann fast ein wenig zu selbstreferenziell, wenn Christiane Rösinger im Jahr 2012 ihr zweites Buch „Liebe wird oft überbewertet“ nennt. Und entlarvend: Eigentlich ist mit diesem Titel und der „Pärchenlüge“ schon alles gesagt zum Thema Liebe in westlichen Industriegesellschaften. Die 200 Seiten Text hätte es da gar nicht mehr gebraucht. Als Paarforscherin und Kritikerin zieht sie darin gegen die vorherrschende Beziehungsnorm zu Felde:

„Eines steht aber ohne Zweifel fest: Das Pärchentum bringt immer die schlechtesten Eigenschaften des Einzelnen nach oben und produziert deshalb am laufenden Band unglückliche Paare, die wie geprügelte Hunde nebeneinander durchs Leben schleichen. Trauerumflorte Gestalten, die man nur in wenigen Augenblicken, wenn der Partner nicht da ist, kurz und heimlich aufatmen sieht. – Ihr lacht, aber es ist sehr traurig.“

Ihr Buch ist unterhaltsam – aber streckenweise gleicht es auch einer akademischen Fleißaufgabe, wenn sie den Mythos der Paarbeziehung dekonstruiert, vom Anbeginn der Menschheit bis heute:

Booklet02B„Wir müssen weiter im Schweinsgalopp durch die Wissenschaften, wir müssen noch ein bisschen die Naturwissenschaften abhandeln und dann wird’s auch ein bisschen menschlicher.“

Das Hörbuch, ein Mitschnitt einer Lesung von der lit.COLOGNE im März diesen Jahres, ist der Textfassung überlegen, weil deutlich kurzweiliger. Zum einen wegen der Songs, die Christiane Rösinger einstreut. Und wegen der Art, wie sie Auszüge aus dem Buch liest und kommentiert:

„Ja, es tut mir leid, ich merke, hier ist so eine Betroffenheit, es ist schon hart, wenn einem alle Illusionen genommen werden. Aber einer muss es machen, es tut mir leid, das bin halt ich. Als Paarkritikerin kriegt man nicht viel Beifall.

ChristianeRösinger01Auch die nächste Geschichte ist nicht gerade lustig, aber es ist halt so. Ihr könnt Euch ja am Wochenende noch mal so eine romantische Komödie ankucken. Die nächste Geschichte heißt Pärchen in Hotels.“

Und die ist natürlich wieder zutiefst deprimierend. Mit ihrer Kernthese hat Christiane Rösinger ja nicht unrecht: Wer alleine lebt, wird bemitleidet, von denen, die zu zweit leben, auch wenn deren Liebe schon lange Vergangenheit ist.

„Vielleicht sind einige unter Euch, die sagen: Was will die eigentlich, Singles sind doch total akzeptiert! In unserer Gesellschaft kann doch jeder leben, wie er will. Wenn es jetzt so wäre, warum gibt es dann so wahnsinnig viele Beziehungsratgeber, die uns allen zeigen wollen, wie man den Weg zum Paar findet? Es ist eine Pärchen zentrierte Weltsicht. Und Singles sind natürlich überhaupt keine akzeptierte Erscheinung. Und ich habe mich in das Herz der Finsternis begeben und habe ungefähr 100 Beziehungsratgeber gelesen. Und durchgearbeitet.“

Eine enorme Leistung, um die man sie nicht beneidet, aus der sie dann aber doch wieder Hoffnung schöpfen kann. Denn letztlich ist alles Mühen umsonst, das ist ein wenig überraschendes Fazit dieser schönen, bunten und manchmal auch wahrhaftigen Leseshow: Dauerhafte Zweisamkeit ist eine Illusion. Liebe und unerfüllte Sehnsucht sind nur dazu da, überwunden und verarbeitet zu werden – im besten Fall zu Stücken, wie denen von Christiane Rösinger.

ChristianeRösinger02„Bist Du einmal einsam und allein, gewöhn Dich dran, es wird bald immer so sein. Und bist Du mal verzagt und findest keine ruh, dann kommt bestimmt ein Unglück noch mit dazu.

Und triffst Du einen Menschen, der Dich versteht, der Dir gefällt, dann wart’s nur ab, wie lang er wirklich zu Dir hält.

Es ist alles so sinnlos, das hält ja gar kein Mensch mehr aus, da muss man sich doch einfach hinlegen, oder man steht erst gar nicht auf.

Sinnlos, sinnlos, so sinnlos. Sinnlos, ohne Sinn. “

Applaus

„Vielen Dank!“ (Georg Gruber)

Tja: einerseits ein geistreiches Unterfangen, das viel Quellenstudium vorausgesetzt haben muss, ein Unterfangen, bei dem so manch wahres enthält …

andererseits irgendwie zu verbissen, bemüht, zuweilen ein wenig verbiestert und spröde vorgetragen, aber vielleicht ist das auch ne Frage der Mentalität … vielleicht rührt meine Skepsis auch daher, dass für mich die Liebe eben kein überflüssiger Quatsch istdass ich vielleicht auch einen dieser „hoffnunglosen Romantiker“ bin …

Empfehlen mag ich das Hörbuch dennoch, einerseits weil es dennoch irgendwie anregend ist, andererseits weil die musikalischen Zwischenspiele schon sehr interessant und zuweilen auch noch pfiffig sind … einerseits  … andererseits …

WahreLiebe

So muss wohl wahre Liebe aussehen.

Besetzung:
Claudia Fierke (guitar, vocals)
Stefan Pabst (drums, percusion, melodica)
Christiane Rösinger (vocals)
Andreas Spechtl (piano)

Booklet01ATitel:
01. Begrüßung (Rösinger)  0.59
02. Paarideologie – Das Paar als Lebensform (Rösinger) 3.27
03. Die Pärchenlüge (Rösinger/Hermann/Fitzner/Weiß/Klotz) 2.30
04. Knut und die RZB (Rösinger) 3.21
05. Psychologische Liebestheorien (Rösinger) 5.14
06. Ich muss immer an Dich denken (Rösinger/Spechtl) 2.13
07. Liebe als Chemie (Rösinger) 3.55
08. Mein zukünftiger Ex-Freund (Rösinger/Klotz/Hermann/Fitzner) 4.16
09. Petra der Trauerschwan oder Ich glaub, ich hab ein Faible für Idioten (Rösinger) 7.36
10. Ich glaub ich hab ein Faible für Idioten (Rösinger) 3.38
11. Der Mythos von der Liebe – wer ist schuld (Rösinger) 6.18
12. I’m Sticking With You (Reed) 2.15
13. Die Liebe macht Menschen zu Idioten (Rösinger) 6.35
14. L**** (Rösinger/Miess/Wagner/Neander) 2.48
15. Dekonstruktion berühmter Liebespaare (Rösinger) 7.13
16. Pärchen in Hotels (Rösinger) 4.51
17. Fragen (Rösinger/Miess/Wagner/Neander) 3.54
18. Ein Singlebuch kommt selten allein (Rösinger) 9.43
19. Die Liebe wird oft überbewertet (Rösinger) 3.33
20. Sinnlos (Rösinger/Spechtl) 3.43

CD1

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Bruno Jonas – Bis hierher und weiter (2008)

FrontCover1So muss Satire sein: bitterböse und treffend …

„Wenn einer weiß, dass er nichts wissen kann, und trotzdem so tut, als könnte er was wissen, dann ist er wahrscheinlich ein Depp – oder ein Berater.“ Bruno Jonas

Bruno Jonas schlüpft in die Rolle des Unternehmensberaters Hubert Unwirsch, der nie um einen Rat verlegen ist und über vielfältige Kontakte verfügt. Während der Wartezeit auf dem Flughafen kommt er zu verblüffenden Erkenntnissen über Korruption, Untreue, Politik, Theologie und Betriebswirtschaftslehre und ihm wird klar, dass es nicht so weiter gehen wird, wie er sich das vorgestellt hat.

„Jonas bleibt Jonas: immer gleich hellwach, gedankenflink und präsent.“ SZ (02.05.2007)

Oder:
„Wenn einer weiß, dass er nichts wissen kann, und trotzdem so tut, als könnte er was wissen, dann ist er wahrscheinlich ein Depp – oder ein Berater.“ Bruno Jonas

Bis hierher – aber an weiter ist für Hubert Unwirsch momentan nicht zu denken. Denn der Unternehmensberater, sitzt nicht nur am Flughafen fest, gegen ihn wird auch wegen Untreue und Korruption ermittelt. Die Wartezeit nutzt er zur Reflexion über die ethischen Grundsätze deutscher Wirtschaftsbosse und hemmungsloses Profitstreben als zeitgemäße Überlebensstrategie.
Mit abgründigem Humor und rhetorischer Spitzfindigkeit offenbart Bruno Jonas die verblüffenden Erkenntnisse und die ganz persönliche Weltsicht eines überzeugten Kapitalisten.

„Ein Juwel.“ — Münchner Merkur

„Bruno Jonas ist mit diesem Parforceritt ein satirisches Kabinettstück gelungen.“ — Passauer Neue Presse

Auch wenn dieses Programm schon etliche Jahre auf dem Buckel hat … es ist erschreckend alktuell und mehr als einmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken … aber so ist das halt bei Satire und Kabarett, die so richtig voll den Nerv trifft !

BrunoJonas

Besetzung:
Bruno Jonas (Sprecher)

Booklet1Titel:

CD 1:
01. Frau Schellnhuber 3.45
02. Globalisierung 2.13
03. Brauseköpfe 6.32
04. Key-Konzept 4.54
05. Standortfragen 3.37
06. China 3.24
07. Solidarität 1.50
08. Absacker 4.17
09. Munich Consulting Company 4.24
10. Publishing 2.41
11. Theologing 7.50
12. Networking 5.00
13. Der Event 9.05
14. Neid 2.29
15. Kuhlke 2.52
16. Kölbl, Wesendonk u.a.4.05
17. Trudilein 3.01

CD 2:
01. Trudilein und Harald 2.00
02. Verpfiffen 5.15
03. Der Strohmaier 4.16
04. Strategie und Täuschung 6.19
05. Die Kölbl 5.48
06. Consulting und Philosophie 7.46
07. Sicherheit und Terror 4.43
08. Untergangsmelodien 3.54
09. Glaube und Hoffnung 3.00
10. In der Irre 2.41
11.  … Unser tägliches Bild heute 5.52
12. Trudilein fährt mit 2.15

Text: Bruno Jonas

CD1A

  • (demnächst)
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Fliegende Blätter (Zeitschrift) – Heft Nr. 4 (1865)

TitelDa ist mir neulich eine feine Sammlung der alten Zeitschrift „Fliegende Blätter“ ins Haus geflattert (ein herzliches Dankeschön an den Spender, der anonym bleiben möchte):

Fliegende Blätter war der Name einer humoristischen, reich illustrierten deutschen Wochenschrift. Die Fliegenden Blätter erschienen von 1845 bis 1928 beim Verlag Braun & Schneider, München. Sie wurden 1929 mit der Zeitschrift Meggendorfer-Blätter vereinigt und erschienen bis 1944 unter dem Titel Fliegende Blätter und Meggendorfer-Blätter beim Verlag J. F. Schreiber, München und Eßlingen a. N. Die künstlerische und drucktechnische Güte der Zeitschrift war berühmt.

Zudem war Fliegende Blätter die Bezeichnung von Aphorismen des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi, die 1817 im Taschenbuch Minerva publiziert wurden.

Kaspar Braun zeigte sich vor allem für die Illustrationen verantwortlich, während sich Friedrich Schneider vor allem um die Texte kümmerte. Neben Karikaturen wurden Gedichte und Erzählungen in den Fliegenden Blättern veröffentlicht, etwa Die Gedichte des schwäbischen Schulmeisters Gottlieb Biedermaier und seines Freundes Horatius Treuherz (seit 1855) von Adolf Kußmaul.

Die einzelnen Ausgaben bestanden aus je acht, lange Zeit undatierten, Seiten und erschienen in einem wöchentlichen Turnus.

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Weitere Ausgaben

Einer Meldung in der Leipziger Zeitung zufolge hatten die Fliegenden Blätter im März 1847 eine Auflage von 15.000 Exemplaren.

Allgemeine Wertschätzung erfuhren die Fliegenden Blätter für ihre zielsichere, satirische Charakterisierung des deutschen Bürgertums. Beliebte Serienfiguren aus der Zeitschrift waren seit 1845 die beiden Typen Biedermann und Bummelmaier (aus ihren Namen entstand der Begriff Biedermeier). Daneben gab es beispielsweise die Abenteuer des fiktiven Barons Eisele und seines Hofmeisters Dr. Beisele zu lesen.

Die Illustrationen in den Fliegenden Blättern stammten von namhaften Künstlern wie Heinrich von Arx, Ferdinand Barth, Wilhelm Busch, Gustav Adolf Closs, Eugen Croissant, Karl Elleder, Josef Nikolaus Geis, Eugen Horstig, Hans Kaufmann, Kaspar Kögler, Franz Kreuzer, Adolf Oberländer, Franz Graf von Pocci, Carl Reinhardt, Emil Reinicke, René Reinicke, Franziska Schlopsnies, Carl Spitzweg, Hermann Stockmann, Gustav Traub, Hermann Vogel und vielen anderen. (Quelle: wikipedia)

Die „Fliegenden Blätter waren also eine der ganz frühen satirischen Zeitschriften in Deutschland … und nachdem für mich Satire lebensnotwendig ist, freue ich mich sehr, mit diesem Heft (Nr. 4, 1865) die Präsentationsreihe zu eröffnen.

Dieses Heft enthält einen „Bericht“ über das närrische Treiben von tanzwütigen Frauen und Männern (noch heute ein amüsanter Spaß !) sowie diverse Spottgedichte, vornehmlich auf die Obrigkeit .. .Jawohl, so gehört sich das auch !

Und auch all die Illustrationen sind mit „spitzer Feder“ gezeichnet … und  für dieses völlig veraltete Malstil kann – zumindest – ich mich auch heute noch erwärmen (Ich mag ja auch all die alten Sherlock Holmes Illustrationen).

Von daher ein kleines Heft (8 Seiten) für den Liebhaber deutscher Satirekunst.

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Ziemlich avantgardistisch für das Jahr 1986, würde ich mal sagen

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Demnächst in diesem Theater:

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Der komplette Jahresband aus dem Jahr 1845

Ulrich Sonnenschein – Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze (2009)

FrontCover1Da ist einer aber tief in die Schallarchiv unserer Republik  gestiegen …

Einer ist in diesem Fall der Ulrich Sonnenschein:

Ulrich Sonnenschein, geboren 1961, Promotion über Arno Schmidt. Redakteur, Autor und Moderator bei hr2-Kultur. Im Suhrkamp Verlag erschien zuletzt Globalisierung im Alltag (2002), Das Abenteuer Liebe (2004), Liebe – zwischen Sehnsucht und Simulation (2005), alle zusammen mit Peter Kemper.

Und ihm sitzt wohl auch immer – trotz aller Ernsthaftigkeit seiner anderen Werke – der Schalk im Nacken. denn nur dann kann man sich einem solchen Unterfanen zuwenden.

Erinnern Sie sich noch an die Rechenkünste von Helmut Kohl? Oder an die Verbalsaltos von Franz Josef Strauß? Politiker sind miteinander nicht zimperlich und tummeln sich ständig vor Mikrophonen. Seien wir dankbar, denn so gibt es auch allerhand Pannen und Peinlichkeiten aus ihrem Mund. Da spricht Angela Merkel mit ihrem hessischen Kollegen Roland Kotz oder fragt sich, wie es nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes weitergehen soll und Betroffene werden zu Besoffenen.

Die witzigsten Aussagen deutscher Politgrößen, mit O-Tönen von Helmut Kohl, Franz Josef Strauß, Angela Merkel, Guido Westerwelle, Joschka Fischer u. v. a.

Eine gute Stunde lang und etwas mehr wird hier eine Reihe von Politiker/-innen-Aussagen aneinandergereiht. Oftmals wirken sie tatsächlich aus dem Zusamemnhang heraus gegriffen; viele Male aber ist man nicht nur erstaunt, sondern vielmehr erbost und erschrocken, welche Aussagen wie hier in Fernseh-, Rundfunk- und Parlamentsauftritten ans Volk gebracht wurden. Man hält es vor allem nicht für möglich, zumal das gesprochene Wort das Medium schlechthin ist in der Politik, um seine Interessen vor- und oftmals durchzubringen.

UlrichSonnenschein

Ulrich Sonnenschein

Der Spruch „Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze!“, welcher der CD den Titel gab, ist da wirklich erschreckend harmlos gegenüber den anderen Ausrutschern, Ausfällen und Auswüchsen. Wer nun glaubt, die CD würde den Politikverdruss erhöhen, der liegt falsch; denn die CD spornt an, genauer hinzuhören und bei sich selbst immer wieder mal genauer auf die Sprachweise und Wortwahl zu achten. Es sind aber wahrlich keine „Sternstunden aus den Reden unserer Politker“ – wie es im Untertitel heißt – sondern eher Nebelwanderungen durch die sprachlichen Niederungen. Das Cover der CD zeigt die erste Bundeskanzlerin Dr. Merkel in nicht gerade freundlicher Pose und zufälligerweise ihren neuen Vizekanzler Dr. Westerwelle in „Mit dem Finger auf andere zeigen“-Pose. Hier hätte man sich mehr parteipolitische Ausgewogenheit gewünscht.
Dagegen sind die Kommentierungen des Journalisten Ulrich Sonnenschein vortrefflich, schafft er es doch, in wohlfeil ausgesuchten Kapiteln Struktur in so manchen „Kauderwelsch“ hineinzubringen. Ein ideales Geschenk für alle politisch Interessierten, Verantwortlichen und fast schon Verdrossenen: macht die CD doch klar, dass Politiker/-innen doch nur und auch Menschen sind und man so manches Mal auch nachsichtig sein darf. Gerade für die ab Herbst 2009 neue Koalitions- und Oppositionsstruktur bietet die CD gesunde Elemente, hinzuhören, was Versprecher und was Versprechen sind… (Detlef Rüsch)

Und ich liebe alle diese süffisanten Kommentare des Ulrich Sonnenschein … die sich angesichts des sprachlichen Blödsinns, der hier zeitweise verzapft wird – geradezu aufdrängen.

Booklet1

Besetzung:
Ulrich Sonnenschein (Sprecher)

BackCover1

Titel:
01. Vorrede 1.19
02. Kreativer Optimismus 9.41
03. Schutz der Freiheit 7.58
04. Vom demokratischen Nutzen des Kapitals 6.47
05. Die Welt als politische Handfestigkeit 7.20
06. Die solide Basis der Zahl 7.31
07. Fröhliche Familienbande 7.12
08. Gute Aussichten 6.36
09. Parlamentarische Weckrufe 11.14
10. Not macht erfinderisch 8.15
11. Die Suche nach der Wahrheit 6,12
12 Perfekt ausländisch 7.35

Verbindende Sätze: Ulrich Sonnenschein

CD1

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Dieter Hildebrandt + Bernd Schroeder – Ich mußte immer lachen (2011)

FrontCover1Dem Dieter Hildebrandt wird hier immer ein Ehrenplatz bleiben. Und Gott sei Dank gibt es genug Tondokumente, die diesen großen Geist des deutschen Kabaretts in all seinen Facetten dokumentieren.

Hier ein Tondokument der ganz besonderen Art.

Ein Zeuge des Jahrhunderts erzählt sein Leben – ohne Nostalgie, ohne Pathos, nachdenklich und mit trockenem Witz Dieter Hildebrandt mit Bernd Schroeder – eine Autobiographie im Gespräch.

Es gibt einen Mann, der seit über 50 Jahren politisches Kabarett in Deutschland geprägt hat wie kein anderer und dies bis heute tut: Dieter Hildebrandt. Vor 50 Jahren hat er mit anderen die Münchner Lach- und Schießgesellschaft gegründet. Später kamen die Notizen aus der Provinz im ZDF, dann Scheibenwischer in der ARD.

Er hat Kultrollen in Filmen gespielt (Kehraus, Kir Royal), viele erfolgreiche Bücher geschrieben, und er wurde mit Ehrungen überhäuft. Im nächsten Jahr wird er 80 Jahre alt.So ist es ein großes Glück, dass sich Dieter Hildebrandt entschlossen hat, im Gespräch mit Bernd Schroeder einmal den ganzen

BerndSchröder

Bernd Schröder

Bogen seines langen Lebens zu erzählen und sich dabei nicht zuletzt seiner Kindheit und Jugend zu erinnern.Ein deutsches Leben rollt so vor dem Leser ab, erzählt voller Witz und Leidenschaft: die bäuerliche Herkunft der Familie, die hitlertreuen Eltern, die Jahre in der HJ, als Soldat im Krieg und in der Gefangenschaft, die Studentenjahre in München. Der Fußball. Die Anfänge auf der Bühne.

Das ganze immer eingebettet in die Zeitgeschichte: Konrad Adenauer, die Wiederbewaffnung, die Spiegel-Affäre … Ein Zeuge des Jahrhunderts spricht hier, ohne Nostalgie und ohne Pathos, sondern mit Wahrhaftigkeit und trockenem Witz. (Pressetext).

Ich kann dieses Hörbuch nur als Dikument eines ganz besonderen deutschen Lebens empfehlen … denn es zeigt nicht nur den den genialen Kabarettisten, sondern auch einen ganz, ganz, großen Humanisten !

Und als Höhepunkt dann jene köstlich-großartige, legendäre ungehaltene Abschiedsrede von Herbert Wehner aus dem deutschen Bundestag.

DieterHildebrandtSprecher:
Dieter Hildebrandt
Bernd Schroeder

DieterHildebrandt2Titel:

CD 1:
01. Vorwort 4.35
02. Bauernsohn 7.55
03. Wieder in Bunzlau 7.23
04. Ich mußte immer lachen 6.55
05. Flak der Waffen-SS 4.35
06. 8. Mai 1945 5.38
07. Habt ihr meine Eltern gesehen? 8.46
08. Nach München 5.41

CD 2:
01. Irene 7.06
02. Fußball und ein Witz 6.57
03. WM ’54 3.31
04. Sammy Drechsel 4.37
05. Lach- & Schießgesellschaft 5.14
06. Das Schiffchen 4.57
07. Notizen aus der Provinz 4.07
08. Denkpause 5.29
09. Scheibenwischer 4.59
10. Neue Wege 3.21
11. Die Mutter 5.41
12. Zugabe: Herbert Wehner 9.19

CD1A

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Zitat

Pardon (Zeitschrift) – September 1980

PardonSeptember1980_01ABei meinem ersten „pardon“ scan war der Willy Brandt auf dem Cover, nun, ein weiteres „pardon“ Heft hier in diesem blog und nun ziert Bundeskanzler Helmut Schmidt das Cover.

Eine Frau Merkel war noch gänzlich unbekannt (die arbeitete damals noch amZentralinstitut für physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof) und „wir“ redeten noch von der „Bonner Republik“.

Und – kleiner Rückblick – bei uns tobte zudem der Bundestagswahlkampf: Die Alternativen waren Franz Josef Strauß und Helmut Schmidt:

Die Bundestagswahl 1980 fand am 5. Oktober 1980 statt. Bei der Wahl zum 9. Deutschen Bundestag wurde die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) bestätigt.

Am 24. Mai 1979 gab der damalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß bekannt, als Kanzlerkandidat beider Unionsparteien zur Verfügung zu stehen. Die Aufforderung zur Kandidatur sei auch von CDU-Politikern gekommen.

Wie sich die Zeiten geändert haben: CDU/CSU. SPD + FDP können von solchen Ergebnissen nur noch träumen und die Grünen können sich amüsieren:

Wie sich die Zeiten geändert haben: SPD + FDP können von solchen Ergebnissen nur noch träumen und die Grünen können sich amüsieren ...

Danach folgte ein ausgesprochen emotionsgeladener Wahlkampf, der sich sehr schnell auf die Auseinandersetzung zwischen dem amtierenden Kanzler Helmut Schmidt und seinem Herausforderer konzentrierte.an ihn herangetragen worden, erklärte Strauß. Am 28. Mai 1979 sprach sich der CDU-Bundesvorstand für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht aus. Der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl hatte zuvor auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Die CSU reagierte daraufhin verstimmt und kritisierte die Form der Benennung durch die CDU. Nach wochenlangen öffentlichen Auseinandersetzungen wählte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 2. Juli 1979 in geheimer Abstimmung Franz Josef Strauß zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten. Er erhielt 135 der 237 anwesenden Abgeordneten (57 %); 102 Abgeordnete stimmten für Ernst Albrecht (43 %).

Für die sozialliberale Koalition wirkte sich das stark polarisierende Bild des Unionskandidaten positiv aus, wobei hiervon insbesondere die FDP mit 10,6 % der Zweitstimmen profitierte, während die SPD eher stagnierte. Auf die Frage, ob er die Sozialliberale Koalition auf weitere vier Jahre fortzusetzen gedenke, sagte FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher, der der SPD zwei Jahre später die Koalition aufkündigte, in der Wahlnacht in der Bonner Runde: „Ja, man macht’s ja nicht für drei Monate.“

Im Wahlkampf thematisiert wurden unter anderem die gewalttätigen Proteste bei einem Feierlichen Gelöbnis der Bundeswehr am 6. Mai 1980 in Bremen, welche erhebliche innerparteiliche Konflikte um die Sicherheitspolitik innerhalb der SPD offenlegten. Im sehr hart geführten Wahlkampf selbst kam es ebenfalls in Bremen zu Ausschreitungen bei einer Kundgebung von Franz Josef Strauß. Wenige Tage vor der Wahl wurde zudem ein Anschlag auf das Oktoberfest in München verübt.

Die im selben Jahr gegründeten Grünen kandidierten erstmals auf Bundesebene und erhielten dabei nur mäßige 1,5%. Dies mag daran gelegen haben, dass angesichts der im Lager der Neuen Linken entstandenen Stoppt-Strauß-Kampagne einige Grünen-Anhänger die SPD gewählt hatten, um eine Kanzlerschaft von Franz Josef Strauß unbedingt zu verhindern. (Quelle: wikipedia)

Dementsprechend war dieses Heft natürlich stark vom Bundestagswahlkampf geprägt. Und so ganz zahnlos war „pardon“ noch nicht … und so finden sich etlich herzllich-bissige Beiträge bzw. Karikaturen zu diesem Thema.

Desweiteren eine Kolumne mit dem von mir damals sehr gesch#tzten Freimut Duve, der Rötger „Brösel“ Feldmann begann seine Karriere ja bei Pardon und der Altmeister. Dann gibt es noch einige Satiren auf die Zeitschrift „Stern“, sowie diverse weitere Beiträge aus der Rubrik blühender Blödsinn. Also: zu entdecken gibt es da vieles …

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Beispiel07
Beispiel08
Beispiel09
Beispiel11

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Man glaubt es kaum ...

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Und: Justament in diesem Monat bin ich dann noch in den heiligen Stand der Ehe eingetreten !

Beispiel13

Mehr von „pardon“:

Mehr Pardon

Urban Priol – Wie im Film (2010)

FrontCover1Politisches Kabarett hat es ja angesichts der Heerscharen von „Comedians“ nicht mehr ganz so leicht … Einer der sich wacker darum bemüht, mit spitzer Zunge unser Zeitgeschehen zukommentieren ist der Urban Priol:

Urban Priol (* 14. Mai 1961 in Aschaffenburg) ist ein Kabarettist aus Obernburg am Main.

Urban Priol wurde am 14. Mai 1961 in Aschaffenburg geboren und legte 1980 das Abitur am Kronberg-Gymnasium Aschaffenburg ab. An der Universität Würzburg begann er ein Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch, Russisch und Geschichte, brach es aber kurz vor dem Examen ab. 1988 war er Mitbegründer (künstlerischer Leiter) der Kleinkunstbühne Kochsmühle in Obernburg, seit 1998 ist er Inhaber des Kabaretts im Hofgarten. Priol ist seit Mai 2009 Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac.

Erste Bühnenauftritte absolvierte Priol bereits 1982. In seiner ersten eigenen Fernsehsendung Alles muss raus (3sat, 2003–2007) bot er jeweils drei Gästen aus dem Kleinkunstbereich eine Bühne. In der Sendung wurden politische und gesellschaftliche Geschehnisse der vorigen Wochen kabarettistisch aufgearbeitet.

Am 3. August 2006 wurde ein 45-minütiger Ausschnitt aus Priols Programm Täglich frisch im Rahmen der Sendereihe Sommersolo im ZDF ausgestrahlt. Die Reihe lief sieben Wochen und zeigte jeden Donnerstag ein Soloprogramm eines Comedians oder Kabarettisten. Neben Priols Programm wurden Rüdiger Hoffmann, Bodo Bach, Bülent Ceylan, Dr. Eckart von Hirschhausen, Ole Lehmann und Ingo Oschmann vom ZDF präsentiert.

Am 3. Dezember 2006 war Priol einer der Gäste von Menschen 2006. In dem von Johannes B. Kerner moderierten Jahresrückblick präsentierte Priol einen kabarettistischen Jahresrückblick. Am 20. Januar 2007 war er in der ZDF-Sendung Wetten, dass..? zu Gast.

UrbanPriol01Knapp sieben Jahre lang präsentierte Priol die politische Kabarettsendung Neues aus der Anstalt im ZDF – von Januar 2007 bis Juni 2010 zunächst gemeinsam mit Georg Schramm, nach dessen Ausstieg mit Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig. Die Kulisse der Sendung stellte das Foyer einer psychiatrischen Klinik dar. Priol spielte im Rahmen der Sendung die Rolle des Leiters der Klinik. Am 26. Juni 2013 gaben Priol und Barwasser ihren Ausstieg aus der Sendung bekannt, die letzte Folge in alter Besetzung lief am 1. Oktober 2013. Seit 4. Februar 2014 läuft unter dem Titel Die Anstalt eine Nachfolgesendung mit Max Uthoff und Claus von Wagner.

Von September bis Dezember 2014 trat Priol gemeinsam mit Emmanuel Peterfalvi („Alfons“) in der kurzlebigen ZDF-Sendung Ein Fall fürs All auf.

Seit 2002 präsentiert Priol jährlich im Dezember als Tourneeprogramm den satirischen Jahresrückblick TILT!. Im Fernsehen wird die Sendung ebenfalls gezeigt, die etwa dreistündige Bühnenfassung wird dabei auf eine Länge von ein bis zwei Stunden gekürzt. Bis 2010 wurde die Sendung vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt, seit 2011 wird sie vom ZDF übertragen. Die Bühnenfassungen wurden bis 2013 auf DVD veröffentlicht. Für das Jahr 2014 wurde erstmals auf eine DVD-Veröffentlichung verzichtet.

Zusammen mit Georg Schramm trat er am 25. Oktober 2010 auf der 50. Demonstration gegen Stuttgart 21 auf.

UrbanPriol02Der Publizist Hilmar Klute warf Priol im März 2011 im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vor, er mache „Kabarett auf dem kleinsten intellektuellen Nenner“. Seine „von sprachlicher Verlotterung geprägte Vulgärsatire“ richte sich „an ein entfesseltes Spießbürgertum, das alle Politiker an den Galgen wünscht“. Bereits Tage zuvor waren in der Süddeutschen Zeitung zwei Beiträge anderer Autoren erschienen, die einen Auftritt Priols auf einer Münchner Anti-Atomkraft-Demonstration stark kritisiert hatten. Der Publizist Albrecht Müller bezeichnete die Kritik hingegen in einem Beitrag der NachDenkSeiten als eine „erstaunliche Kampagne der Süddeutschen Zeitung gegen Urban Priol“. Ruth Schneeberger räumte zu dieser Angelegenheit im Oktober 2013 in der Süddeutschen Zeitung ein, Priol „[wurde für] diese vermeintliche Verharmlosung der RAF von Kritikern damals hart angegangen“. Ein Jahr später schrieb Gerhard Matzig ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung den Artikel „So ironisch wie Youporn“, in dem er dessen damals neu gestartete Sendung „Ein Fall fürs All“ als „Heimsuchung“ und Priol selbst als „anstößig langweilig“ bezeichnete. Dieser Artikel wurde wiederum von Christian Ihle der taz auf den dritten Platz seiner „fünf schönsten Schmähkritiken 2014“ gewählt.

Anstelle von Wasser trinkt Priol während der meisten seiner Auftritte helles, alkoholfreies Weizenbier. Priols Halbglatze, seine bunten Hemden und seine nach hinten und oben abstehenden Haare gelten ebenso als Markenzeichen wie sein Aschaffenburger Dialekt. Ebenso beherrscht er die Imitation von Politikern wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Johannes Rau, Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber oder Angela Merkel.

Priol ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur. (Quelle: wikipedia)

Hier sein Programm aus dem Jahr 2010:

„Rasantes Kabarett mit Sturmhaube

Man kennt das Gefühl: Du wachst auf und denkst dir – ich bin im falschen Film. Aber nicht einmal das Murmeltier grüßt dich. Deutschland: ein Land ohne Agenda, eine Regierung ohne Kompass. Ein Regierungsprogramm mit dem Motto: „Scheitern als Chance“. Mittendrin im tagesaktuellen Dickicht: Urban Priol. Er verknüpft Zusammenhänge, durchleuchtet das Dunkle, bringt Sprechblasen zum PLatzen. Bis man verwundert den Kopf schüttelt: Wie im Film.“ (Produkankündigung)

Politisches Kabarett lebt ja von der Aktualität … und ein wenig kommt man schon ins Staunen, wie aktuell diese bald 10 Jahre alten Aufnahmen sind … Von daher kann man sie sich auch heute noch anhören und mehr als einmal grimmig schmunzeln.

Inlet01ABesetzung:
Urban Priol

Front+BackCover1Titel:

CD 1:
01. Erbdumme Gespensterdebatten 3.46
02. Multi kickt Kulti 4.40
03. Merkels Knoserva-Tief 4:07
04. Ergebnisoffen alternativlos 8:39
05. Drehpause im Jobcenter 0.41
06. Krisengelächter 6:13
07. Scheinheiligkeit on the rocks 5.04
08. Schwarz-Gelbes Schnarchkabinett 6.01
00. Mutti muss weg 8.06
10. Casting ohne Grenzen 3.53
11. Egotrip ins Ich 5.00
12. Hellas von Sinnen 4.44
13. Unbeflecktes Verhängnis 7.31

CD 2:
14. Andere sind auch blöd 4:21
15. Avanti Island! 4:41
16. Glücksnasen 9.55
17. Obama ölt Karl-Theodor 5.47
18. Endlagerfeuer 6.12
19. Ben Hartz 2.32
20. Lady Gaga steuert 5.06
21. Bil-Dung und anderer Mist 4.09
22. Auf Sicht im Nebel 6.28
23. Angstsparen a la carte 3.08
24. Wachstumshörige 3.44
25. Nullerjahre 4.32
26. Spätrömisch-dekadente Wirtschaftsverwicklung 2.58
27. Zur Krone der Schöpfung in sechs Tagen 6.03
28. Ärgert sie zurück!

Alle Texte: Urban Priol

CDs

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Robert Gernhardt – Die Falle (1993)

TitelDer Nikolaustag ist zwar schon längst vorbei … aber für diese anarchistische Geschichte ist es nie zu spät … und außerdem: der nächste Dezember kommt bestimmt.

Die Falle ist eine satirische Weihnachtsgeschichte des deutschen Schriftstellers Robert Gernhardt aus dem Jahr 1966.

Der wohlhabende Herr Lemm hat einen Studenten als „Weihnachtsmann“ engagiert, der seinen Kindern am Heiligabend die Geschenke überreichen und ihnen wegen ihrer – aus der Sicht des Vaters – „Unarten“ ins Gewissen reden soll. Die Bescherung verläuft jedoch völlig anders als geplant. So bestärkt der „Weihnachtsmann“ die Kinder darin, ihren Lehrern wo immer möglich zu widersprechen und unaufgefordert ihre Meinung zu sagen. Telefonisch bestellt er noch drei „Kollegen“ dazu und dezimiert gemeinsam mit dieser recht kreativ kostümierten Verstärkung kräftig die Schnittchen und den Whisky, die der Hausherr eigentlich für die später erwarteten Gäste bereitgestellt hatte. Geschickt spielen die vier Burschen – als Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht, Sankt Nikolaus und der Engel Gabriel – die begeisterten Kinder gegen die Eltern aus und verlassen das Haus erst gegen Zahlung eines saftigen Lösegeldes.

Gestalterisch arbeitet die Erzählung mit dem Dialog und der sich daraus dem Leser erschließenden Situationskomik. Der Erzähler verhält sich neutral.

Die Falle erschien 1966 in der Satirezeitschrift pardon und gehört zu den frühen Arbeiten von Robert Gernhardt, in denen er die Themen der 68er-Bewegung, wie zum Beispiel den Antikapitalismus und die Antiautoritäre Erziehung, aufgriff und hier in einer Weihnachtsgeschichte verarbeitete. Die Erzählung gilt inzwischen als Klassiker der „Anti-Weihnachts-Literatur“ und gehört zum Standardrepertoire von Sammelbänden satirischer Weihnachtsgeschichten; erstmals wurde sie 1992 in eine im Berliner Eulenspiegel-Verlag erschienene Anthologie aufgenommen.

1993 erschien Die Falle als eigenständige und zudem vom Autor illustrierte Buchveröffentlichung. Seitdem wurde sie auch zunehmend in der Vorweihnachtszeit als Lesung angeboten, wie zum Beispiel im Dezember 2008 in Hamburg mit der Schauspielerin Nina Petri.

Unter dem Titel „Wer hat Angst vorm Weihnachtsmann“ wurde Gernhardts Erzählung Die Falle 1996 unter der Regie von Annette Ernst nach einem von ihr und Joachim Jung verfassten Drehbuch verfilmt. Der farbige Kurzspielfilm hat eine Laufzeit von 14 Minuten. Zu der Besetzung gehören unter anderem die Schauspieler Dietmar Bär, Rolf Becker und Rufus Beck. Der Kurzfilm wurde 1997 mit zwei Preisen ausgezeichnet. (Quelle: wikipedia)

Robert Gernhardt

Leider habe ich den Kurzfilm auf die Schnelle nicht finden können … vielleicht präsentiere ich ihn dann ja im Dezember 2020.

Ich habe mir im Laufe meines Berufslebens nicht nehmen lassen, diese Geschichte gelegentlich auf den nicht zu vermeidenden Weihnachtsfeiern mit Kollegen vorzulesen …  ich war immer sehr amüsant zu sehen … welche Kollegen/innen sich dabei amüsieren konnten … und welche nicht.

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Helmut Qualtinger u.a. – Wiener Bezirksgericht (1969)

FrontCover1Er war ganz sicher ein Ausnahmetalent der österreichischen Kulturszene, der Helmut Qualtinger:

Helmut Gustav Friedrich Qualtinger (* 8. Oktober 1928 in Wien; † 29. September 1986 ebenda; oft als Helmuth Qualtinger geführt) war ein österreichischer Schauspieler, Schriftsteller, Kabarettist und Rezitator.

Qualtinger wuchs im Milieu des gehobenen Mittelstandes und Bildungsbürgertums in Wien auf. Sein Vater Friedrich war Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Chemie am Alsergrunder Realgymnasium IX Glasergasse, heute Erich Fried Realgymnasium, und ein glühender Nationalsozialist, seine Mutter Ida (geb. Ladstätter) Hausfrau. Qualtinger, der seit seiner Jugend ein begeisterter Leser war, gründete als Gymnasiumsschüler gemeinsam mit Walter Kohut und dem Sohn des Burgschauspielers Philipp Zeska die „Mozart-Bühne“, ein Jugendtheater. Deren erste Aufführung (Nur keck! von Johann Nestroy) wurde vom Schriftsteller Heimito von Doderer besucht, der den Regisseur und Hauptdarsteller Qualtinger ermutigte, diesen Weg weiterzugehen. Zunächst studierte er Medizin und Publizistik, brach das Studium jedoch ab und begann eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien; frühe Theaterversuche in Wien und Graz endeten zunächst mit Misserfolgen.

Qualtinger02Qualtinger betätigte sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Journalist, war Gasthörer am Max-Reinhardt-Seminar und spielte auf einer Studentenbühne. Erste Auftritte als Kabarettist folgten ab 1947 im Studio der Hochschulen in Wien, in der Kabarett-Revue Die Grimasse. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er aber schon im Mai 1945 als selbsternannter Kulturkommissar. Er wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht für drei Monate inhaftiert, weil er mit einem Sowjetstern auf der Brust und einem selbstausgefertigten Ermächtigungsschreiben eine Villa für die Gründung eines linksgerichteten Theaters beschlagnahmt und Schauspieler geworben hatte. Qualtinger behauptete, ein Freund des Bürgermeisters, Leopold Hofrichter, habe ihn dazu ermächtigt, was dieser bestritt.
1949 hatte sein erstes Theaterstück Jugend vor den Schranken in Graz Premiere und erregte bei seiner Uraufführung als Halbstarkendrama, das sich der Verelendung der österreichischen Nachkriegsjugend widmet, einen Skandal. Ein großer Teil der Zuschauer protestierte mit lauten Rufen besonders bei den Szenen, die die Verfallssymptome dieser Kategorie von straffällig gewordenen Jugendlichen zum Ausdruck brachten. Im ersten Drittel der Aufführung nahmen die Kundgebungen solche Formen an, dass zum Schutz der Darsteller ein größeres Polizeiaufgebot angefordert werden musste. Der Gipfel der Demonstrationen wurde erreicht, als in einer Szene der Darsteller der Rolle des Staatsanwaltes als Sühne die Todesstrafe forderte und daraufhin das Publikum schrie: „Ja, für den Verfasser!“ Das Stück wurde schon am nächsten Morgen vom Spielplan genommen. In den Jahren bis 1960 arbeitete er vor allem an verschiedenen Kabarett-Stücken mit dem namenlosen Ensemble (Gerhard Bronner, Carl Merz, Louise Martini, Peter Wehle, Georg Kreisler, Michael Kehlmann). Seine „Travnicek-Dialoge“ mit Gerhard Bronner (Autoren: Merz und Qualtinger) sind in die Kabarett-Geschichte eingegangen.

Qualtinger war bekannt für seinen Schabernack. 1951 erlangte er internationale Popularität, als er es schaffte, eine Zeitungsente zu lancieren, in der der Wien-Besuch des berühmten Eskimodichters Kobuk mit seinem Werk Das brennende Iglu angekündigt wurde. Zahlreiche Reporter versammelten sich am 3. Juli 1951 am Wiener Westbahnhof. Dem Zug entstieg statt des erwarteten Gastes Helmut Qualtinger mit Pelzmantel und -mütze. Von einem Radioreporter nach seinem ersten Eindruck von Wien befragt, antwortete er: „Haaß is’“ (heiß ist’s).

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1961 trat Qualtinger in dem Ein-Personen-Stück Der Herr Karl (Regie: Erich Neuberg) als Feinkostmagazineur auf und schaffte damit seinen Durchbruch im deutschen Sprachraum. Der Herr Karl arbeitet im Keller eines Lebensmittelladens und erzählt einem imaginären Kollegen (im Film der Kamera) von seinem Leben vor, während und nach dem Krieg. Oberflächlich betrachtet erscheint der Herr Karl als netter Kerl mit liebem Blick („I kann scheen schaun“). Doch nach und nach erfährt der Zuschauer von dem Wendehals und Opportunisten Herrn Karl, der eigentlich ein gefährlicher, weil unberechenbarer, Mitläufer ist. Hier ist seine Intonation bezeichnend: Von einer Bewunderung der Nazis auf Wienerisch wechselt er schlagartig in eine Art verordneten Ekel in der Hochsprache. Wahrscheinlich haben mehrere authentische Gestalten als Vorbilder für den Herrn Karl gedient, unter anderem ein Magazineur, mit dem Qualtingers Kollege Nikolaus Haenel in einer Wiener Feinkosthandlung gearbeitet hatte. Zusammen mit Carl Merz schuf Qualtinger mit dem Herrn Karl eine Schreckensfigur, die ihm in Österreich viele Feinde und sogar Morddrohungen einbrachte; so offen hatte vor ihm noch niemand den Durchschnittsbürger als Mittäter entlarvt und dargestellt.

Helmut Qualtinger galt eher als schonungsloser Kritiker des gemeinen Mannes denn als Kritiker der Mächtigen. Dennoch wurde ihm nachgesagt, dass er mit dem Lied Der Papa wird’s schon richten (Text und Musik: Gerhard Bronner) den Rücktritt des damaligen Nationalratspräsidenten Felix Hurdes bewirkte; dessen Sohn war in einen Autounfall mit Todesfolge verwickelt, was vertuscht werden sollte. Seine Meinungen und Kommentare schrieb er in einer bürgerlichen Zeitung, dem Kurier; beispielsweise von 1955 bis 1961 gemeinsam mit Carl Merz die wöchentliche Glosse Blattl vor’m Mund.

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Ab den 1970er Jahren verstärkte Qualtinger seine schriftstellerische Tätigkeit und ging vermehrt auf Lesetourneen. Seine Lesungen eigener und fremder Texte (so auch Adolf Hitlers Mein Kampf) waren so erfolgreich, dass sie auch auf zahlreichen Sprechplatten erschienen. Neben und vor allem nach seinen Kabarettzeiten spielte er unzählige Theater-, Film- und Fernsehrollen, zuletzt 1986 den Mönch Remigio da Varagine in Der Name der Rose nach Umberto Ecos Roman an der Seite von Sean Connery.

Während der Aufnahmen zu dem Film Der Name der Rose erkrankte er schwer, in den letzten Filmszenen musste häufig unterbrochen werden, da er starke Schmerzen hatte. Es wurde sein letzter Film. Im Alter von 57 Jahren starb Qualtinger am 29. September 1986 in seiner Geburtsstadt Wien an Leberzirrhose, einer Folge seines Alkoholismus. Er ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 73) beerdigt.

Helmut Qualtinger war zweimal verheiratet – zunächst ab 1952 mit der Kinder- und Jugendbuchautorin Leomare Seidler und ab 1982 mit der Schauspielerin Vera Borek. Er hatte aus erster Ehe einen Sohn, den Maler, Schriftsteller, Musiker und Kabarettisten Christian Heimito Qualtinger (* 1958). In den Jahren von 1960 bis 1976 lebte Helmut Qualtinger in einem Wiener Gemeindebau in Wien Döbling (Paradisgasse – Daringergasse – Traklgasse, zwischen Sieveringerstraße und Grinzinger Allee). Dieser Gemeindebau trägt seit 1998, durch die Gemeinde Wien veranlasst, ehrenhalber den Namen Helmut-Qualtinger-Hof. Zuletzt war er Mieter einer weitläufigen Wohnung in dem in der Wiener Innenstadt gelegenen Heiligenkreuzerhof, der dem Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich gehört. Im Jahr 2002 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) die Helmut-Qualtinger-Gasse nach ihm benannt.

Auf der Bühne trat Qualtinger vor allem am Wiener Volkstheater unter der Regie und in der Direktion von Gustav Manker auf. In Johann Nestroys Eine Wohnung zu vermieten (1962) und als Titus Feuerfuchs in Der Talisman (1969), als Untersuchungsrichter Porfiri Petrowitsch in Dostojewskis Schuld und Sühne (1969) und als Zauberkönig in Geschichten aus dem Wiener Wald (1968), aber auch in Shakespeare/Dürrenmatts König Johann (1970) und unter der Regie von Bernd Fischerauer in Wolfgang Bauers Uraufführung von Sylvester oder das Massaker im Hotel Sacher (1971) und als Dorfrichter Adam in Kleists Der zerbrochne Krug (1972), den er zuvor 1971 am Hamburger Thalia Theater gespielt hatte. Am Theater in der Josefstadt spielte Qualtinger in Schillers Der Parasit (1950, Regie: Gustav Manker), den Fiscur in Molnars Liliom (1960) und den Schuster Knieriem in Nestroys Lumpazivagabundus (1964).

Speziell Nestroys Titus Feuerfuchs in Der Talisman war in Qualtingers Darstellung ein Bruch mit der Wiener Darstellungstradition und verließ völlig die gewohnte Schiene dieser Rolle, „seine physische Massigkeit und behäbige Gefährlichkeit war weit entfernt von der ‚alerten, figarohaften Quecksilbrigkeit‘ des charmanten Hallodris“. Er wuchtete stattdessen einen gefährlichen Anarchisten auf die Bühne. Neben ihm spielte Brigitte Swoboda die Salome Pockerl. (Quelle: wikipedia)

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Hier eine kleine Kostprobe seines Könnens. Die Serie „Wiener Gerichtsgericht“ (vergleichbar mit dem „Königlich bayerischen Amtsgericht“) war zumindest so erfolgreich, dass insgesamt 4 LP´s mit Szenen aus der österreichischen Gerichtsbarkeit erschienen.

Die G´schichterl basieren auf den Erfahrungen des Gerichtsreporters Günther Fritsch, der seit

Günther Fritsch

Bekannt wurde er durch seine seit 1961 täglich in der Wiener Kronenzeitung erscheinende satirische Kolumne aus dem Gerichtsmilieu, die er zum Teil angeblich erfunden hatte. Die Serie wurde so erfolgreich, dass sie Bücher (Heiteres Bezirksgericht) und fünf Langspielplatten (Wiener Bezirksgericht) u. a. mit Helmut Qualtinger nach sich zog.

Die erste Folge dieser Reihe nahm man im April 1965 mit Erni Mangold, Helmut Qualtinger, Kurt Sowinetz, Otto Kobalek und Heinz Reincke auf. Bei der zweiten Folge von 1966 wirkten Lotte Lang, Fritz Muliar, Helmut Qualtinger und Otto Kobalek mit. Der 3. Teil erschien im Sommer 1971 mit Qualtinger, die vierte Episode vom Herbst 1971 bestritten Brigitte Swoboda, Ernst Meister, Helmut Qualtinger und Kurt Sowinetz.

Hier nun eine Single für den deutschen Markt, bei der er als Grantlhuber, Griesgram, Stänkerer und Querulant in Erscheinung tritt, begleitet von Kolleginnen und Kollegen wie Fritz Muliar, Kurt Sowinetz, Lotte Lang und Heinz Reincke … glaubt man den wikipedia Angaben, stammen diese aus dem Jahr 1965, als eben die erste Folge auf LP publiziert wurde.

Besetzung (Sprecher):
Helmut Qualtinger – Fritz Muliar – Kurt Dowinetz – Lotte Lang – Otto Kobalek – Heinz Reincke – Erni Mangold

 

BackCover1
Titel:
01. Zwei Urwiener (Helmut Qualitner – Fritz Muliar)
02. Ja, ja (Helmut Qualtinger – Kurt Sowinetz)
03. Giftfreie Farben (Helmut Qualtiner – Kurt Sowinetz – Lotte Lang)
04. 5:0 (Kurt Sowinetz)
05. Der Tandler und der Mime (Helmut Qualtinger – Kurt Sowinetz)
06. Kinogeflüster (Helmut Qualtinger – Kurt Sowinetz – Otto Kobalek)
07. Die „Frau Gemahlin“ (Helmut Qualtinger – Otto Kobalek – Heinz Reincke – Erni Mangold)

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Verschiedene Interpreten – Polhitparade – Musik aus Studio Bonn (1972)

FrontCover1Ganz sicher ein Klassiker aus der Kategorie Polit-Humor:

Und darum geht´s:

Bekannt von Film, Funk, Fernsehen sind sie längst, unsere Starpolitiker – wie es sich für echte Show-Stars gehört. Ihre Tourneen haben, besonders zu Wahlzeiten, volle Häuser und ihre Einschaltquoten können sich sehen lassen. Alle vier Jahre wieder rüsteten sich die linksrheinischen Schwarz-, Rot- und Goldkehlchen zum letzten Gefecht. Da fliegen die Fetzen, da wackelt die Wand, da kracht’s im Gebälk, da bleibt kein Auge trocken. Kein Mikro ist vor ihnen sicher, kein Stimmband wird geschont, wenn es darum geht, Brusttöne der Überzeugung zum Klingen zu bringen. Wer Ohren hat, zu hören, der ahnte bereits bei den A-capellas im Bonner Bundeshaus, wie gut sich mit Volkes Stimme singen lässt. Ein Traum wurde Wirklichkeit: zu wortgewaltiger Rhetorik von ciceronischen Schliff gesellten sich Herr Rhythmus und Frau Melodie und schickten uns die Männer unserer Wahl direkt nach Haus in die gute Stube.“ (Werbetext.

Verantwortlich für diese mehr als amüsanten Aufnahmen war Volker Kühn:

Volker Kühn (eigentlich Volker Reinhard Kühn; * 4. November 1933 in Osnabrück) ist ein deutscher Autor, Fernseh- und Theaterregisseur sowie Filmproduzent mit dem Schwerpunkt Satire und Kabarett. Darüber hinaus ist er auch literarischer Nachlassverwalter für das Werk von Wolfgang Neuss und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Er gilt in Deutschland als der herausragende Kenner der Geschichte des Kabaretts.

VolkerKühnNach einem vierjährigen Aufenthalt in den USA begann Volker Kühn als Redakteur beim Hessischen Rundfunk, für den er ab 1963 über zehn Jahre lang die satirische Monatsbilanz Bis zur letzten Frequenz schrieb und produzierte. Ab 1970 veröffentlichte er als freier Autor und Regisseur zahlreiche Hörspiele und Features auch für diverse andere Rundfunksender. Neben seinen Arbeiten für den Rundfunk war er zudem Mitautor und Regisseur von Programmen des von Volker Ludwig begründeten Berliner Reichskabaretts und schrieb bald auch Kabarett-Texte für Lore Lorentz, Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Jürgen von Manger.

1973 hob er zusammen mit Dieter Hildebrandt für das ZDF die Notizen aus der Provinz aus der Taufe. Es folgten zahlreiche Fernsehsendungen, darunter TV-Dokumentationen über 100 Jahre deutsches Kabarett, die Unterhaltung im Dritten Reich und das Kabarett im KZ sowie Film-Satiren und das Neuss-Porträt Ich lache Tränen, heule Heiterkeit.

Kühn schrieb und inszenierte Theater-Revuen und war Songtexter für Musicals und Spielfilme. U. a. seine Bühnenfassung von Marlene, die er für das Berliner Renaissance-Theater entwickelte, wurde zu Gastspielen in die Schweiz, nach Österreich und Japan eingeladen und brachte es vom 28. Juni 1998 bis zum Januar 2006 auf 533 Aufführungen.

Er produzierte Polit-Satire auf Schallplatten bzw. CDs und veröffentlichte als Autor wie als Herausgeber zahlreiche Bücher zum Thema Kabarett und Satire im 20. Jahrhundert.

Inzwischen ist er mehrfach als Interviewpartner und Zeitzeuge in TV- und Leinwand-Dokumentationen aufgetreten, darunter in mehreren Kinofilmen wie z.B. War’n Sie schon mal in mich verliebt?, und seit 2007 trat er in einigen Produktionen der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ auch als Schauspieler auf.

Im Jahr 2008 machte die historisch versierte „graue Eminenz des Kabaretts“ Schlagzeilen, als Johannes Heesters einen Prozess gegen ihn verlor und Kühn nun weiterhin behaupten darf, Heesters sei 1941 in einem KZ aufgetreten.

Mehrfach mit hohen Preisen ausgezeichnet, wurde ihm 2013, kurz vor seinem 80. Geburtstag, ein Stern der Satire auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in Mainz verliehen und er Ende Oktober 2014 zum Ehrenmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft erhoben.

VolkerKühn2Kühn lebt seit Anfang der 1990er in Berlin und ist verheiratet mit der Schauspielerin Katherina Lange. (Quelle: wikipedia)

Also: Man nehme diverse Politiker-Reden und garniere sie mit pfiffigen, oftmals jazzig angehauchten Klängen und fertig ist diese ganz spezielle Hitparade.
Die Phrasendreschereien werden immer dann am besten entlarvt, wenn der weibliche Gospelchor, bestimmte Formulierungen schrill singend wiederholen … mehr als einmal konnte ich mich dabei köstlich amüsieren.
Und vieles ist auch ganz schön abstrus: so z.B. der Redebeitrag von Karl Schiller (der arg kryptische Sätze von sich gibt). Und wenn mein ehemaliger Landesvater Franz Josef Strauß die Vorzüge des bayerischen Landes preist, dann erklingt natürlich entsprechen Klängen aus der Volksmusik …
Helmut Schmidt brilliert mit „Die NPD ist weg“ und sogar vor Willy Brandt´s epochaler Antrittsrede als Bundeskanzler („wir wollen mehr Demokratie wagen“) bleibt nicht unverschont.
Helmut Schmidt liefert ne Art programmatische Rede zum Thema „worauf es ankommt im Leben“ und erklärt zur knackigen Marschmusik „Die NPD ist wieder weg“ und Rainer Barzel ist ein weiterer Höhepunkt: Er erklärt warum er nun als Widerstandskämpfer tätig werden muss.
Und Herbert Wehner und seine Geifereien sind eh legendär (wie habe ich ihn geliebt, als er die damaligen Oppostionsparteien CDU/CSU angebellt hat … )
Die Musik wurde übrigens von hochkarätigen Jazzmusiker eingespielt; der bekannteste ist wohl – man lese und staune – der Volker Kriegel an der Gitarre.
Wer allerdings die damalige Zeit nur vom Hören Sagen kennt, wird natürlich kaum den Witz dieser Aufnahmen nachvollziehen können, aber hier tummeln sich ja auch so einige rüstige Senioren, die sich da schon herzhaft erfreuen können und werden.

Inlet01A

Besetzung:
Kurt Bong (drums)
Dieter von Götze (bass)
Conny Jackel (trumpet)
Volker Kriegel (guitar)
Eberhard Leibling (bass, tuba)
Horst Lubitz (saxophone, trumpet)
Hans Schepior (accordion)
Roland Schneider (keyboards, violin, percussion)
+
The Lobbies (backgropund vocals)

BackCover1

Titel:
01. Karl Schiller: High 5.33
02. Franz Josef Strauss: Deutschland braucht Bayern 5.01
03. Gerhard Schröder:  We Do Not Want To Fight 4.40
04. Helmut Schmidt: Die NPD ist wieder weg 1.54
05. Walter Scheel: Made In Germany 5.26
06. Willy Brandt: Wir wollen mehr Demokratie wagen 4.47
07. Helmut Schmidt: Etwas lernen – etwas leisten 4.03
08. Rainer Barzel: Nach allem was ich sehe 9.06
09. Herbert Wehner: Der Song mit den kurzen Beinen 5.41

Musik: Roland Schneider
Musik: Roland Schneider + Henrion

LabelB1

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