Verschiedene Interpreten – Polhitparade – Musik aus Studio Bonn (1972)

FrontCover1Ganz sicher ein Klassiker aus der Kategorie Polit-Humor:

Und darum geht´s:

Bekannt von Film, Funk, Fernsehen sind sie längst, unsere Starpolitiker – wie es sich für echte Show-Stars gehört. Ihre Tourneen haben, besonders zu Wahlzeiten, volle Häuser und ihre Einschaltquoten können sich sehen lassen. Alle vier Jahre wieder rüsteten sich die linksrheinischen Schwarz-, Rot- und Goldkehlchen zum letzten Gefecht. Da fliegen die Fetzen, da wackelt die Wand, da kracht’s im Gebälk, da bleibt kein Auge trocken. Kein Mikro ist vor ihnen sicher, kein Stimmband wird geschont, wenn es darum geht, Brusttöne der Überzeugung zum Klingen zu bringen. Wer Ohren hat, zu hören, der ahnte bereits bei den A-capellas im Bonner Bundeshaus, wie gut sich mit Volkes Stimme singen lässt. Ein Traum wurde Wirklichkeit: zu wortgewaltiger Rhetorik von ciceronischen Schliff gesellten sich Herr Rhythmus und Frau Melodie und schickten uns die Männer unserer Wahl direkt nach Haus in die gute Stube.“ (Werbetext.

Verantwortlich für diese mehr als amüsanten Aufnahmen war Volker Kühn:

Volker Kühn (eigentlich Volker Reinhard Kühn; * 4. November 1933 in Osnabrück) ist ein deutscher Autor, Fernseh- und Theaterregisseur sowie Filmproduzent mit dem Schwerpunkt Satire und Kabarett. Darüber hinaus ist er auch literarischer Nachlassverwalter für das Werk von Wolfgang Neuss und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Er gilt in Deutschland als der herausragende Kenner der Geschichte des Kabaretts.

VolkerKühnNach einem vierjährigen Aufenthalt in den USA begann Volker Kühn als Redakteur beim Hessischen Rundfunk, für den er ab 1963 über zehn Jahre lang die satirische Monatsbilanz Bis zur letzten Frequenz schrieb und produzierte. Ab 1970 veröffentlichte er als freier Autor und Regisseur zahlreiche Hörspiele und Features auch für diverse andere Rundfunksender. Neben seinen Arbeiten für den Rundfunk war er zudem Mitautor und Regisseur von Programmen des von Volker Ludwig begründeten Berliner Reichskabaretts und schrieb bald auch Kabarett-Texte für Lore Lorentz, Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Jürgen von Manger.

1973 hob er zusammen mit Dieter Hildebrandt für das ZDF die Notizen aus der Provinz aus der Taufe. Es folgten zahlreiche Fernsehsendungen, darunter TV-Dokumentationen über 100 Jahre deutsches Kabarett, die Unterhaltung im Dritten Reich und das Kabarett im KZ sowie Film-Satiren und das Neuss-Porträt Ich lache Tränen, heule Heiterkeit.

Kühn schrieb und inszenierte Theater-Revuen und war Songtexter für Musicals und Spielfilme. U. a. seine Bühnenfassung von Marlene, die er für das Berliner Renaissance-Theater entwickelte, wurde zu Gastspielen in die Schweiz, nach Österreich und Japan eingeladen und brachte es vom 28. Juni 1998 bis zum Januar 2006 auf 533 Aufführungen.

Er produzierte Polit-Satire auf Schallplatten bzw. CDs und veröffentlichte als Autor wie als Herausgeber zahlreiche Bücher zum Thema Kabarett und Satire im 20. Jahrhundert.

Inzwischen ist er mehrfach als Interviewpartner und Zeitzeuge in TV- und Leinwand-Dokumentationen aufgetreten, darunter in mehreren Kinofilmen wie z.B. War’n Sie schon mal in mich verliebt?, und seit 2007 trat er in einigen Produktionen der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ auch als Schauspieler auf.

Im Jahr 2008 machte die historisch versierte „graue Eminenz des Kabaretts“ Schlagzeilen, als Johannes Heesters einen Prozess gegen ihn verlor und Kühn nun weiterhin behaupten darf, Heesters sei 1941 in einem KZ aufgetreten.

Mehrfach mit hohen Preisen ausgezeichnet, wurde ihm 2013, kurz vor seinem 80. Geburtstag, ein Stern der Satire auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in Mainz verliehen und er Ende Oktober 2014 zum Ehrenmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft erhoben.

VolkerKühn2Kühn lebt seit Anfang der 1990er in Berlin und ist verheiratet mit der Schauspielerin Katherina Lange. (Quelle: wikipedia)

Also: Man nehme diverse Politiker-Reden und garniere sie mit pfiffigen, oftmals jazzig angehauchten Klängen und fertig ist diese ganz spezielle Hitparade.
Die Phrasendreschereien werden immer dann am besten entlarvt, wenn der weibliche Gospelchor, bestimmte Formulierungen schrill singend wiederholen … mehr als einmal konnte ich mich dabei köstlich amüsieren.
Und vieles ist auch ganz schön abstrus: so z.B. der Redebeitrag von Karl Schiller (der arg kryptische Sätze von sich gibt). Und wenn mein ehemaliger Landesvater Franz Josef Strauß die Vorzüge des bayerischen Landes preist, dann erklingt natürlich entsprechen Klängen aus der Volksmusik …
Helmut Schmidt brilliert mit „Die NPD ist weg“ und sogar vor Willy Brandt´s epochaler Antrittsrede als Bundeskanzler („wir wollen mehr Demokratie wagen“) bleibt nicht unverschont.
Helmut Schmidt liefert ne Art programmatische Rede zum Thema „worauf es ankommt im Leben“ und erklärt zur knackigen Marschmusik „Die NPD ist wieder weg“ und Rainer Barzel ist ein weiterer Höhepunkt: Er erklärt warum er nun als Widerstandskämpfer tätig werden muss.
Und Herbert Wehner und seine Geifereien sind eh legendär (wie habe ich ihn geliebt, als er die damaligen Oppostionsparteien CDU/CSU angebellt hat … )
Die Musik wurde übrigens von hochkarätigen Jazzmusiker eingespielt; der bekannteste ist wohl – man lese und staune – der Volker Kriegel an der Gitarre.
Wer allerdings die damalige Zeit nur vom Hören Sagen kennt, wird natürlich kaum den Witz dieser Aufnahmen nachvollziehen können, aber hier tummeln sich ja auch so einige rüstige Senioren, die sich da schon herzhaft erfreuen können und werden.

Inlet01A

Besetzung:
Kurt Bong (drums)
Dieter von Götze (bass)
Conny Jackel (trumpet)
Volker Kriegel (guitar)
Eberhard Leibling (bass, tuba)
Horst Lubitz (saxophone, trumpet)
Hans Schepior (accordion)
Roland Schneider (keyboards, violin, percussion)
+
The Lobbies (backgropund vocals)

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Titel:
01. Karl Schiller: High 5.33
02. Franz Josef Strauss: Deutschland braucht Bayern 5.01
03. Gerhard Schröder:  We Do Not Want To Fight 4.40
04. Helmut Schmidt: Die NPD ist wieder weg 1.54
05. Walter Scheel: Made In Germany 5.26
06. Willy Brandt: Wir wollen mehr Demokratie wagen 4.47
07. Helmut Schmidt: Etwas lernen – etwas leisten 4.03
08. Rainer Barzel: Nach allem was ich sehe 9.06
09. Herbert Wehner: Der Song mit den kurzen Beinen 5.41

Musik: Roland Schneider
Musik: Roland Schneider + Henrion

LabelB1

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Loriot – Nimm´s leicht (1963 /1973)

NimmsLeicht_01AEin weiteres Schmankerl aus dem prallen Lebenswerk des Loriot:

„Schon beim flüchtigen Durchblättern dieses Bildbandes wird der Betrachter auf Darstellungen stoßen, die ihm seltsam vertraut sind … #Das erste Blatt, ein Knoten im linken Bundesbahngleis zwischen Celle und Lüneburg, beleuchtet einen ärgerlichen Zwischenfall, der, obwohl ungewöhnlich anmutend, fast täglich zur Verstimmung westdeutscher Streckenwärter führt.

Auch alle folgenden Beispiele sind aus dem Leben gegriffen und aus einem Personenkreis, dr für westdeutsche Verhältnisse als repräsentativ angesehen werden kann“ (Klappentext)

Nicht immer wird Loirot´s Humor verstanden bzw. geschätzt, wie folgender Leserbrief auf lovelybooks.de zeigt:

„Den Humor verstehe ich nicht immer, aber das ist auch nicht verwunderlich, da ich viele sarkastische Witze nicht so verstehe. Nicht immer geht es darum, dem Leser ein Lächeln zu entziehen, sondern darum, vertraut, bekannte Situationen vom Alltag jeder Person noch ein mal in Erinnerung zu rufen, um etwas darüber zu grübeln. Der Effekt: „Ach, das kenne ich! “

Ich seh das natürlich ganz anders. Und dieses Büchlein lenkt den Blick auf auf eine „andere Seite“ von Loriot:

AlternativesFrontCoverLoriot hat sich nicht nur als legendärer Unterhalter einen Namen gemacht. Vor allem zu Beginn seiner Karriere war er als Werbegrafiker aktiv. ie meisten Werbeaufträge nahm Loriot in den Jahren nach 1955 an. So arbeitete er unter anderem für die Tabakmarke Stanwell, für Paderborner Bier, für Agfa und für Scharlachberg.

Und der damalige Scharlachberg-Slogang lautet eben „Nimm´s leicht“ … von daher ist dieses Buch quasi ne Zeitverwertung seine damaligen Karikaturen für Schalarchberg.

Das Buch erschien erstmalig 1963, meine Ausgabe ist dann die 6. Ausgabe (76.-91. Tausend) aus dem Jahre 1973.

Bevor´s zur Präsentation geht noch 2 Gedanken aus der „Welt“, denen ich mit sehr gerne anschließe:

„Von-Bülow-Loriot versöhnte die Deutschen mit sich selbst. Nicht nur, dass er sie ausnahmslos alle auf irgendeine Art erreichte und zum Lachen brachte – er trat auch den Beweis an, dass das Deutsche per se irgendwie verschroben-sympathisch, ja sogar auf feinsinnige Art sturzkomisch sein kann. Eine Erfahrung, die nach zwei Weltkriegen und einer menschenverachtenden Diktatur für viele dann doch eher überraschend war. “

„Kaum auszudenken, was mit einer Gesellschaft geschehen soll, die sich irgendwann nicht mehr an Vicco von Bülow und sein erhabenes Werk erinnert . Wir müssen es in aller Deutlichkeit und in Anlehnung an ein großes Lob des Mopses an dieser Stelle sagen: Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“

Hier ein paar Beispiele zum erinnern und dann geht´s – wie gewohnt – zur Präsentation:

 

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Das Büchlein ohne Schutzhülle

Das Büchlein ohne Schutzhülle

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Scharlachberg-Werbung

Scharlachberg-Werbung

Titanic – Das endgültige Satiremagazin – November 1979

TitelIch sag´s mal ganz einfach: Ohne Satire würde ich eingehen wie ein Gänseblümchen ohne Wasser … Von daher gibt es für mich Gallionsfiguren wie Dieter Hildebrandt oder Gerhard Polt, aber eben auch Satirezeitschriften wie die (ehemalige) „pardon“ oder eben auch „Titanic – „Das endgültige Satiremagazin“:

Titanic ist eine deutsche Satirezeitschrift mit redaktionellem Sitz in Frankfurt am Main.

Die Titanic wurde 1979 von ehemaligen Mitarbeitern der Satirezeitschrift pardon gegründet. Ursprünglich sollte das Magazin Die Sonne heißen, da der Name satirische und wortspielerische Rubrikentitel wie „Sonne Scheiße“ ermöglichte.[1] Die Gründerväter Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler und Chlodwig Poth waren und sind neben F. W. Bernstein, Eckhard Henscheid und Bernd Eilert die Vertreter der Neuen Frankfurter Schule. Nach einer Änderung des Gesellschaftervertrags im Sommer 2006 wird das Heft heute von Achim Greser, Achim Frenz, Bernd Fritz, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Hans Zippert herausgegeben. Weiterer Mitgesellschafter ist der Geschäftsführer Patric Feest.

Zur ersten Redaktion gehörten Lionel van der Meulen (Chefredakteur) und Elsemarie Maletzke, Nikolaus Jungwirth und Paul Taussig. 1983 wurde Bernd Eilert kommissarischer Chefredakteur, und die Satiriker Richard Kähler, Achim Szymanski und Jörg Metes sowie der Grafiker Hans-Werner Saalfeld bildeten die neue Redaktion. Später stieß noch Hans Kantereit dazu, mit dem zusammen Kähler und Saalfeld in Hamburg die Zeitschrift „Mark & Bein“ herausgegeben hatten. Kähler und Kantereit gingen schließlich wieder nach Hamburg und gründeten dort die Satirezeitschrift Kowalski, Szymanski ging in die Werbung, Bernd Fritz wurde Chefredakteur.

Ihr erster Verleger war bis 1988 Gerhard Sondermann. Heute erscheint Titanic monatlich im Titanic-Verlag in Berlin. Weitere Chefredakteure nach Fritz waren Hans Zippert (bis 1995), Oliver Maria Schmitt (bis 2000), Martin Sonneborn (bis 2005), Thomas Gsella (bis 2008) und Leo Fischer (bis 2013). Seit Oktober 2013 ist Tim Wolff Chefredakteur. Zur Redaktion gehören außerdem Torsten Gaitzsch, Elias Hauck, Thomas Hintner, Moritz Hürtgen, Mark-Stefan Tietze, Leonard Riegel, Martina Werner und Michael Ziegelwagner.

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Weitere ständige Mitarbeiter waren beziehungsweise sind unter anderen: Stefan Gärtner, Oliver Nagel, Uwe Becker, Simon Borowiak, Eugen Egner, Bernd Fritz, Anna Glockenhell, Max Goldt, Achim Greser, Katharina Greve, Gerhard Henschel, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Stephan Katz, Heribert Lenz, Christiane Lokar, Christian Meurer, Walter Moers, Fanny Müller, Nicolas Mahler, Ari Plikat, Bernd Pfarr, Hilke Raddatz, Michael Rudolf, Stephan Rürup, Christian Y. Schmidt, Oliver Maria Schmitt und Michael Sowa.

Titanic – das endgültige Satiremagazin ist mit einer Druckauflage von 99.760 Exemplaren nach Eulenspiegel die zweitgrößte Satirezeitschrift Deutschlands.

„Titanic war eine Zeitschriftengründung nicht von Presseleuten, nicht von Journalisten, sondern von Künstlern, von Zeichnern, von Cartoonisten, von Dichtern, von Literaten. Daher ist immer auch in der dunkelsten Satire noch etwas Künstlerisches, noch etwas über den Tag hinaus Lebendes“, erklärte 2009 der einstige Chefredakteur Oliver Maria Schmitt in der Kultursendung Titel, Thesen, Temperamente eine Grundauffassung des Heftes. (Quelle: wikipedia)

Hier nun die Erstausgabe dieses Magazins (52 Seiten), das mich schon so oft erheitert hat: Ein reizvoller und amüsanter Rückbild in unsere Bonner Republik, als Helmut Schmidt noch Kanzler war, die FDP so allmählich den Absprung aus der sozial-liberalen Koalition vorbereitete und unser alle Birne bereits in den Startlöchern stand:

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Leider verdammt aktuell ...

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Verschiedene Interpreten – 20 Jahre Wahrheiten über Deutschland (2014)

FrontCover1Früher, in einem Land vor unserer Zeit, gab´s Silvester regelmässig die Kabarett-Sendung „Schimpf vor zwölf“ dem jeweils aktuellen Kabarettprogramm der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, in dem auf das jeweilige Jahr zurückgeblickt wurde. Mitwirkende waren Dieter Hildebrandt, Ursula Noack, Hans-Jürgen Diedrich, Jürgen Scheller und Klaus Havenstein. In der letzten Sendung 1971 waren Diedrich und Havenstein nicht mehr dabei, für sie wirkten jetzt Horst Jüssen und Achim Strietzel mit.

Nun, ein solches Format ist natürlich heutzutage so gar nicht mehr denkbar.

Aber, als kleine Erinnerung an diese Zeit hier ein kabarettistischer Rückblick auf die Jahre 1994 – 2014 … der zuweilen so richtig bitter böse ist und zuweilen sowas von erschreckend aktuell („Nationale Identität“, „Der Türke im Heimatverein“, „Schweizer Nummernkonto“, „Rechte Gefahr & Heldenopfer“

Znd wir dürfen uns bedanken und amüsieren bei Kabarettisten wie (in der Reihe ihres Auftritts):

Jürgen Becker – Lisa Fitz – Richard Rogler – Ingo Insterburg – Improvisationstheater Springmaus – Horst Schroth– Dieter Nuhr – Urban Priol – Bullemänner – Helmut Schleich – Andreas Rebers – Wolfgang Nitschke – Hennes Bender – Luise Kinseher – Serdar Somuncu – Wilfried Schmickler – Dagmar Schönleber – Hagen Rether – Wolfgang Nitschke – Claus von Wagner – Horst Evers – Christoph Sieber – Mathias Tretter – Wilfried Schmickler – Jochen Busse & Henning Venske – Martin Sonneborn – Sebastian 23 – Matthias Reuter – Max Uthoff – Carolin Kebekus – Sebastian Pufpaff – Gayle Tufts – Abdelkarim – Wiglaf Droste – Jess Jochimsen

Viele der Namen sind nicht mehr so geläufig, aber etliche der Namen sind bis heute unterwegs, um als das Salz in der Suppe unseren privaten wie politischen Alltag giftig zu kommentieren.

Von daher dient dieser Sampler zu einem amüsanten Auftakt in das Jahr 2015 ! Und: es gibt so etliche Perlen des exquisiten Spotts !

Und was der Helmut Schleich mit seinem „Der Körperhasser“ abliefert, ist ein Feuerwerk der Extraklasse !

Und dann noch die Lisa Fitz mit ihrer „Nationale Identität“, Martin Sonneborn sitzt inzwischen im Europäischem Parlament … und bei „Hier spricht ihr Kapitän“ …. bekommt man eine trockene Kehle ,,, angesichts der Realität, als ein Pilot seine Maschine gegen eine Felswand steuerte …

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Titel:

CD 1:
01. Jürgen Becker: Fred Fussbroich 3.05
02. Lisa Fitz: Nationale Identität 2.41
03. Richard Rogler: Tom 4.35
04. Ingo Insterburg: Ich hab mein Herz verliehn 4.35
05. Improvisationstheater Springmaus: Hier spricht ihr Kapitän 3.27
06. Horst Schroth: Raucher sind die besseren Menschen 3.38
07. Dieter Nuhr: Antiautoritäre Erziehung und Rentner 2.51
08. Urban Priol: Früher war Fußball auch irgendwie anders 2.32
09. Dieter Nuhr: Fresse halten 0.46
10. Richard Rogler: Derrick 1.43
11. Bullemänner: Der Türke im Heimatverein 1.43
12. Horst Schroth: Der Mann und sein Spieltrieb 1.29
13. Helmut Schleich: Das Jahr 2000 1.38
14. Andreas Rebers: Tauchstation 3.18
15. Wolfgang Nitschke: Von Austern in kleingehackten Hoden über Aphrodite 6.22
16. Urban Priol: Deutschland goes Dienstleistung 4.31
17. Helmut Schleich: Der Körperhasser 4.32
18. Hennes Bender: Botschafter des Potts 2.01
19. Luise Kinseher: Schweizer Nummernkonto 2.40
20. Serdar Somuncu: Rechte Gefahr & Heldenopfer 10.56
21. Wilfried Schmickler: Am kölschen Tresen soll die Welt genesen! & Freundlicher Faschist 6.17

CD 2:
22. Dagmar Schönleber: Bombä? (Gülay + Chantal) 6.17
23. Dieter Nuhr: Der freie Mensch im Fernsehen 2.15
24. Hagen Rether: Humana Ikea 3.05
25. Wolfgang Nitschke: Weltjugendtag 2.08
26. Claus von Wagner: Wenn ein Bayer Gottes Stellvertreter wird 1.46
27. Horst Evers: Pforzheim 2.22
28. Christoph Sieber: Grillt Knut 4.40
29. Mathias Tretter: Einbürgerung 2.17
30. Wilfried Schmickler: Wir sind wir 1.34
31. Helmut Schleich: Alte Helden 3.33
32. Jochen Busse & Henning Venske: Sprachregelung 4.10
33. Martin Sonneborn: Die Kampa 5.05
34. Horst Evers: Wohnungseinrichtung 1.36
35. Sebastian 23: Ich lüge immer 2.10
36. Matthias Reuter: Matschfarben 1.26
37. Max Uthoff: Europa 1.57
38. Carolin Kebekus: Programmverbrechen 2.56
39. Dieter Nuhr: Der Mensch glaubt alles 2.21
40. Philip Simon: Gleisch Soße in Oranje 1.17
41. Sebastian Pufpaff: Die Wahrheit über Ikeas Bälle 3.10
42. Hagen Rether: Orwell 1.07
43. Claus von Wagner: Finanzkrise 2.53
44. Gayle Tufts: Hysterie 3,32
45. Dieter Nuhr: Alles ist möglich 1.12
46. Abdelkarim: Die NPD und ihr Hass im Ärmel & Gastarbeiter 2.01
47. Urban Priol: 65 Jahre Grundgesetz 4.34
48. Wiglaf Droste: Spinnen im Netz 1.18
49. Jess Jochimsen: Ich möchte lieber nicht 3.07
50. Hagen Rether: Regenbogen 2.18

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Illustration

Hape Kerkeling – Hurz ! ! ! (1992)

FrontCover1Der Hape Kerkeling hat im Laufe seiner Karriere ganz schön viel unterschiedliche Facetten zum blühen gebracht. Und natürlich war die des gnadenlosen Komikers eine ganz besonders ausgeprägte Facetten.

Ein Prachtbeispiel seines Humors ist dieser Werk. Und so kam es dazu:

1989 gestaltete Kerkeling zusammen mit dem Pianisten Achim Hagemann und Angelo Colagrossi als Co-Autor mit seiner medienkritischen Sendung Total Normal ein Comedy-Format, für das er mit der Goldenen Kamera, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Zwei Aktionen sind auch Jahre nach dem Ende der Sendung in Erinnerung geblieben: Verkleidet als Königin Beatrix gelang es Kerkeling am 25. April 1991, vor laufender Kamera in einem Wagen vor Eintreffen der echten Königin im Schloss Bellevue vorzufahren.

Außerdem trug Kerkeling in der Maske eines polnischen Opernsängers zur Klavierbegleitung von Achim Hagemann ein „expressives Stück“ vor, eine Parodie auf Neue Musik, die in dem lauten und unvermittelten Ausruf „Hurz!“ mündete. Das nicht eingeweihte Publikum nahm die Darbietung ernst und ließ sich anschließend zu einer intellektuellen Diskussion über die Aussage des Stücks verleiten. Dabei wagte nur eine Teilnehmerin offen auszusprechen, dass sie mit seiner Darbietung überhaupt nichts anfangen konnte. Kerkeling antwortete daraufhin bewusst hochnäsig, dass ihr wohl „der intellektuelle Zugang“ fehle. Hurz! erschien 1992 als Single.

Hier diese Single die drei Hurz Versionen enthält und die ihren Reiz eigentlich nur dann hat, wenn man eben diesen Auftritt im Fernsehen gesehen hat. Ich habe ihn deshalb einfachmal dazugepackt, damit das Hurz Thema auch komplett ist.

Und natürlich reizt es mich mal wieder, bei diesem Hape Kerkeling auf Spurensuche zu gehen … das könnte ein sehr spannendes Thema sein. Und da hat der Hape Kerkeling ja mittlerweile auch jede Menge von sich schon preis gegeben.

BackCover1

Besetzung:
Achim Hagemann (piano)
Hape Kerkeling (vocals)
+
Kerstin Yvonne Lohausen (vocals)
Karin Wanjelik (vocals)

Hape+Achim

Hape Kerkeling + Achim Hagemann bei Hurz im TV

Titel:
01. Hurz !!! 3.22
02. Hurz !!! (Engl. Version) 3.22
03. Hurz !!! (Habicht Mix feat. MC Lurch) 5.29

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Kurt Halbritter – Die freiheitliche rechtliche Grundordnung (1988)

TitelUnd jetzt ist es mir wieder mal eine ganz besondere Freude, diesen großartigen Kurt Halbritter vorstellen zu dürfen:

Kurt Halbritter (* 22. September 1924 in Frankfurt am Main; † 21. Mai 1978) war ein deutscher satirischer Zeichner und Karikaturist.

Der Barfüßer, nach einer Zeichnung von Halbritter gefertigte Skulptur in Frankfurt am Main
Grab von Kurt und Elise Halbritter auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Nachdem Halbritter eine Ausbildung als Chemigraf abgeschlossen hatte, besuchte er von 1948 bis 1952 die Werkkunstschule in Offenbach am Main, heute Hochschule für Gestaltung. Seit 1954 arbeitete er als Illustrator und Autor.

Bekanntheit erlangte er durch Karikaturen im Satiremagazin pardon (Halbritters Halbwelt) und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Halbritter erfand die Frankfurter Dialekt sprechenden („babbelnden“) Werbefiguren Schorsch und Schaa (hochdeutsch Georg und Jean) für die Binding-Brauerei.

Halbritter starb auf einer Schiffsreise nach Irland an einem Herzinfarkt.

Auszeichnungen, Ehrungen:
1968 bekam Halbritter für drei Pardon-Beiträge einen Preis der Zille-Stiftung.

1970 wurde ihm der Joseph-E.-Drexel-Preis zugesprochen.

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2014: Umfangreiche Ausstellung im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt am Main, Haus der Neuen Frankfurter Schule, die Halbritter mitprägte.

2016: Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, wo Halbritter lange Zeit lebte, wurde eine Grünanlage nach ihm benannt, die Kurt-Halbritter-Anlage. Dort steht seitdem die Bronzeskulptur Der Barfüßer, angefertigt vom Bildhauer Siegfried Böttcher nach einer Zeichnung Halbritters aus dem Jahr 1975. Die Skulptur ist Teil der Reihe Komische Kunst im Frankfurter Grüngürtel. (Quelle: wikipedia)

Und nun Kurt Halbritter über sich selbst:

Ich wuchs in einer Zeit auf, von der man behauptet (damals wenigstens), sie sei eine „große“. Mein Beruf war eigentlich das erste, was ich frei wählen durfte, und ich wählte prompt falsch.
Karikaturist wurde ich erst viel später. Es war sozusagen der Anfang meines zweiten Lebens. Krieg, Kriegsgefangenschaft, dann die Heimkehr und die Frage: Was nun? Wieder zurück in den alten Beruf, oder endlich tun, wonach mein Herz verlangte – zeichnen, malen, illustrieren?

Das mit der Malerei war eine Seifenblase. Sie zerplatzte ganz still und lautlos. Dagegen öffnete sich mir ein Gebiet, das an keiner Akademie oder Werkkunstschule gelehrt wird. Das Stiefkind der großen Kunst, die Karikatur, hatte ihr Opfer – mich.

Es kam nicht einmal überraschend. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich zu Bleistift und Papier ein inniges Verhältnis. Das erste meines Lebens überhaupt. Wenn meine „Erstlingswerke“, die Bildnisse von damals, alle einen Hauch des Lächerlichen aufwiesen, so war es nie Absicht. Die „Zeichenstunde“ war das Schönste an der Schule und versöhnte mit mancher Stunde, die mit „nützlicheren“ Fächern belegt war. Ich begreife heute noch nicht jene Menschen, die in ihrer Schulzeit die schönste und sorgenloseste Zeit ihres Lebens erblicken. Meine Sorgen jedenfalls waren im Verhältnis zu heute kaum geringer.

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Die anderen wurden Dr. med., Bankbeamter, Verkäufer, Regierungsrat, Autohändler, ich wurde Karikaturist: ein Mensch, der Männchen malt, – ulkige, versteht sich. Sie haben ihre Kollegen und ich die meinen, und jeder übertreibt auf seine Weise, wobei noch dahingestellt bleibt, wer die Übertreibung besser beherrscht. Das Übertreiben ist ganz anderen Leuten vorbehalten als ausgerechnet einem Karikaturisten, der nur zeichnet, was er sieht, hört, erlebt und denkt. Die Welt ist voller Übertreibungen, die kein Zeichner, und sei er noch so sehr Karikaturist, erreichen könnte. Die gute Karikatur kommt mit der Hälfte der Übertreibungen aus, deren sich ein schlechter Politiker bedient.

Karikatur ist Ausdruck eines „humoristischen“ Verhaltens für die, die nicht mehr darin sehen oder hineinlegen wollen. Sie ist Kritik, Kommentar und Angriff für jene, die in der Karikatur mehr sehen als Unterhaltung und Auflockerung einer Zeitungsseite. Die Karikatur beginnt, wo das Wort seinen Wert verliert, und endet, wo sie durch das Wort ersetzt werden kann. Einen Kompromiß gibt es allenfalls, wo sich Wort und Zeichnung die Waage halten.

Eine Karikatur ist noch lange nicht schlecht, weil man nicht über sie lachen kann, aber sie ist auch nicht deshalb gut, weil man über sie lacht.

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Eine Karikatur zu verstehen, ist nicht immer leicht. Einen Karikaturisten zu verstehen, fast unmöglich. Nun sollte ein Karikaturist zwar seine Arbeit ernst nehmen, nicht aber sich. Das erspart ihm manchen Ärger und verhilft ihm zu einer besseren Einstellung gegenüber seiner Umwelt, die ihm letzten Endes zu seinem Beruf verholfen hat. Er wird außerdem mehr Verständnis für seine Mitmenschen aufbringen müssen, als diese für ihn.

Und das Caricatura Museum, Frankfurt würdigt ihn natürlich auch:

Er gilt als Vorbild der Zeichner der Neuen Frankfurter Schule. Zu Lebzeiten war er weithin bekannt als Karikaturist und Werbegrafiker. Doch nach seinem frühen Tod ist Kurt Halbritter in Vergessenheit geraten.

Das Zeugnis der Werkkunstschule Offenbach (der heutigen Hochschule für Gestaltung) lobte im Juli 1952 einen disziplinierten und fleißigen Studenten, gewährte ihm in seinem Studienfach Grafik allerdings nur ein „Befriedigend“. Das mag möglicherweise mit der etwas lax aufgefassten Anwesenheitspflicht zu tun gehabt haben. Kurt Halbritter hat die Werkkunstschule ohne Abschluss verlassen, aber trotzdem seinen Weg gemacht. Als Illustrator und Karikaturist gehörte er bald zu den bekanntesten Zeichnern in Deutschland.

Die einen kannten ihn als Verfasser der „Schmunzelbücher“, andere als Karikaturisten der einst immens erfolgreichen Satirezeitschrift „Pardon“, zu deren Gründungsredaktion er gehörte. Und selbst wer zu keiner dieser Publikationen griff, dürfte in den 1960er Jahren Halbritters Strich gekannt haben – zumindest im Rhein-Main-Gebiet. Der 1924 im Frankfurter Stadtteil Rödelheim geborene Zeichner illustrierte nämlich die Werbekampagne „Dir und mir – Binding-Bier“, in der unter anderem die „Frankfodderisch“ parlierenden Figuren „Schorsch und Schaa“ auf Bierdeckeln und Postkarten ihren Schabernack trieben.

Beispiel46

Von prägendem Einfluss war Halbritter aber weniger auf Bierfreunde als vielmehr auf eine junge Gilde angehender Satiriker und Karikaturisten, mit denen er in der „Pardon“-Redaktion zusammenarbeitete. Der einst für „Pardon“ und später für den „Stern“ tätige Reporter Gerhard Kromschröder erinnerte sich gestern in Frankfurt an seinen Kollegen: „Kurt Halbritter war für uns Junge der arrivierte Buchautor, der sich aber eine Haltung bewahrt hatte. Er war ja noch im Krieg als Marinesoldat und dann in Gefangenschaft. Er ist als Pazifist zurückgekehrt und hat sich fortan stets für eine entmilitarisierte Gesellschaft eingesetzt.“ Diese Haltung und ein teils skurriler Humor imponierten auch Zeichnern wie F.W. Bernstein, Chlodwig Poth, F.K. Waechter, Robert Gernhardt und Hans Traxler, mit denen er bei „Pardon“ wirkte und die später als „Neue Frankfurter Schule“ berühmt werden sollten. Hans Traxler bezeichnet ihn als Vorbild jener Schar, die das Satiremagazin „Titanic“ gründen sollte. Halbritter war dabei nicht an Bord. Er war überraschend am 21. Mai 1978 während einer Irlandreise gestorben. Er wurde 54 Jahre alt.

Mit der Zeit geriet der Zeichner in Vergessenheit, allerdings nicht ganz. Halbritters Nachlass ging an das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte, das in den vergangenen Jahren Arbeiten zukaufte und nun über rund 5000 Exponate verfügt. Eine Auswahl davon war bereits 1999 in der noch von Robert Gernhardt kuratierten Schau „Mann unter Strom“ im Karmeliterkloster zu sehen.

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Selbstportrait, 1977

Sie führt Halbritters Vielseitigkeit mit solch unterschiedlichen Figuren wie dem gutmütigen Häftling Johannes, der frechen „Minderjährigen“ oder auch den Zwergen aus „Heimat deine Zwerge“ vor. Als wichtigstes Vermächtnis ist aber sein 1968 erschienenes Buch „Adolf Hitlers Mein Kampf“ zu werten, das auf frappierende Weise die Mitläufer des Nazi-Regimes karikiert. Es zeigt die kleinbürgerliche Idylle, die Halbritter in seiner Jugend erlebte und in der doch der spätere Wahnsinn der NS-Zeit eine wichtige Quelle hatte. Gerhard Kromschröder nennt das lange vergriffene Buch ein „Epochenwerk“, das nun rechtzeitig zur Ausstellung neu aufgelegt worden ist, ebenso übrigens wie „Halbritters Tier- und Pflanzenwelt“, das den Künstler abseits seines politischen Wirkens zeigt. Auch diese grotesk-humorige Seite Kurt Halbritters lohnt das Wiederentdecken. (Christian Riethmüller)

Und um genau dieses Wiederentdeckens geht es mir in diesem Beitrag. Es war ja schon erstaunlich, dass der Goldmann Verlag dieses Buch (ca. 110 nicht numerierte Seiten), das ursprünglich 1985 im Carl Hanser Verlag, München/Wien erschien, nochmals auf den Martk brachte und das 10 Jahre nach seinem Tod.

Und so etliche dieser Karikaturen aus den 70er Jahren sind – erschreckend genug – auch heute noch aktuell … das macht mich wieder mal sehr nachdenklich … gesellschaftliche Veränderungen dauern halt ihre Zeit, verdammt nochmal !

Und mehr als einmal bleibt einem wiedermal das Lachen im Hals stecken, so treffend und so pointiert trifft er den Nagel auf den Kopf.

Und auch sein Pinselstrich ist – aus meiner Sicht – von besonderer Güte.

Dieser Beitrag zu erstellen war schon ein wenig aufwendig … aber das war mir der Kurt Halbritter allemal wert… denn er spricht mir so aus dem Herzen und er sollte nun wahrlich nicht vergessen werden.

Und hier nun eine kleine Auswahl aus dem Buch:

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Aus dem Vorwort von Klaus Staeck

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Hier stehen ja Sachen drin, wo wir vom Verfassungsschutz nicht mal eine Ahnung haben

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Ich habe nichts gegen Ausländer, nur ih mag sie nicht

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Himmel, Arsch und Zwirn, diese Atheisten ! Wenn sie es schaffen, daß in den Schulen nicht mehr gebetet wird, müssen wir es womöglich wieder zu Hause tun.

Beispiel08

Den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit müssen wir zurückweisen, schließlich haben wir die Stelle des dritten Beirats mit einer Frau besetzt.

 

Beispiel09

Pscht – mach die Tür zu, wir wollen über Umweltschutz reden

Beispiel10

Bei allem Verständnis für moderne Lernmethoden halte ich ein gewisses Maß an Strenge und Autorität für erforderlich. Bei allem Verständnis für …

Beispiel11

Eine moderne Frau in einer modernen Küche an einem supermoderen Herd, was willst du noch mehr

Beispiel12

Ich verbiet dir, das Wort „Sexualaufklärung“ im Munde zu führen ! Merke: Dein Vater hat dich nicht aus Lust gezeugt

Beispiel13

Sie werfen mir Frauenfeindlichkeit vor – Glauben sie, ich hätte geheiratet, wenn das so wäre ?

Beispiel14

Mit dem Antrag  sind Sie bei mir völlig falsch, da müssen Sie in die Hauptstelle Rosenplatz, die sagen Ihnen dann, wohin Sie sich wenden können.

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… und hilf auch dem Atheistenbengel zum rechten Glauben, Amen!

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Jeder Scheiß wird heutzutage gedruckt, nur meine rnicht

Beispiel17

Na Alterchen, dich brauchen sie wohl nicht mehr

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Von denen wollen bestimmt einige in den öffentlichen Dienst, die werden sich wundern

Beispiel19

Erst wirb man und verkauft uns den ganz Scheiß, jetzt sollen wir Energie sparen

Beispiel20

Ohrfeige wegen eines freundlichen Klaps auf den Po – wo leben wir denn !

Beispiel21

Wäre das ein Hund, könnten wir den Tierschutz anrufen, doch hier sagt man: Kümmern Sie sich um Ihre Angelegenheiten.

Beispiel22

Ein schreckliches Kind ! Jedesmal wenn du ihn fragst, was er sich wünscht, sag er : „Weiß ich nicht !“

Beispiel23

Jeden Morgen tut er so, als ginge er zur Arbeit, dabei ist er seit sehs Monaten schon seine Stelle los.

Beispiel24

Wenn da Kommunisten unterschrieben haben, unterschreibe ich nicht.

Beispiel25

Wenn es unseren Politikern gelingt, die Krisenherde dort zu halten, wo sie sind, geht es uns gar nicht so schlecht.

Beispiel26

Unsere Entwicklungshilfe nehmen sie, aber der Service hier ist zum Kotzen.

Beispiel27

Natürlich muß diese Gesellschaft verändert werden, aber nicht jetzt und auf unsere Kosten.

Beispiel28

Muß ich ihm die Hand geben ?

Beispiel29

Wenn ich was zu sagen hätte, gäbe es keine dreckigen Gammler mehr, keine schmutzigen Italiener und keine stinkenden Türken. Dann wär´ aich die Luft wieder sauber.

Beispiel30

Bis vor kurzem glaubte ich noch, unsere Jugend sei restlos verdorben.

Beispiel31

Als Vertreter dieser Partei wehre ich mich gegen den Begriff Sozial-Liberal. Wir sind liberal.

Beispiel33

Es weht ein neuer Geist des Machbaren über die Ruinen begonnener Atomkraftwerke.

Beispiel34

Wenigstens über die Feiertage könnten sie ja das Schießen einstellen.

Beispiel35

Hätte man denen als Kind öfter mal den Arsch versohlt, gäb´s heute keine Terroristen.

Beispiel36

Die Gründung dieser Bürgerinitiative richtet sich in keiner Weise gegen die Behinderten-Anstalt, sondern den Ort hier, den wir für völlig ungeeignet halten.

Beispiel37

Diese Antikernkraftmolukken sollte an vergasen, die gefährden nur unsere Arbeitsplätze.

Beispiel38

Die größte Angst, habe ich vor der Angst.

Beispiel39

Habe ich euch zu viel versprochen ? Dort ist Sonne.

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Beispiel41

Beispiel43

Das Grab von Kurt und Elise Halbritter auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Wiglaf Droste – Im Sparadies der Friseure (Eine kleine Sprachkritik) (2010)

FrontCover1Ach ja … mit seinem Ableben hätte er sich durchaus nochein wenig Zeit lassen können …

Wiglaf Droste (* 27. Juni 1961 in Herford; † 15. Mai 2019 in Pottenstein) war ein deutscher Autor und Sänger, der vor allem als Satiriker bekannt wurde.

Wiglaf Droste ging nach dem Besuch des Gymnasiums 1983 von Westfalen nach Berlin. Ein Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften brach er nach fünf Wochen ab und arbeitete bis 1985 in diversen Aushilfsjobs. Anschließend schrieb er Beiträge für das Spandauer Volksblatt, das Berliner Stadtmagazin tip und die taz. 1987 arbeitete er für kurze Zeit in einer Düsseldorfer Werbeagentur. Wieder zurück in Berlin war er bis Mitte 1988 als Redakteur der taz-Medienseite tätig, ab den 1990ern bis 2006 dann als freier Mitarbeiter für deren Satire-Seite die Wahrheit.

1989 trat Droste mit Kommunikaze erstmals als Buchautor in Erscheinung. Zudem verfasste er Beiträge für den WDR, unter anderem im Kritischen Tagebuch und für das Digitale Logbuch im Deutschlandfunk. Von 1989 bis 1991 war er Redakteur des Satiremagazins Titanic, er gründete 1989 die Höhnende Wochenschau sowie 1991, zusammen mit Michael Stein, das „Benno-Ohnesorg-Theater“.

Ab 1989 unternahm er Lesereisen und wurde dabei mehrfach von der Thüringer Punk-Rock-Band „Geile Götter“ begleitet. Ab 2000 (CD für immer) trat er als Sänger mit der Chanson-Jazz-Band Spardosen-Terzett auf.

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Wiglaf Droste, Anfang der 90er Jahre

Im Kontext der Debatte um den Missbrauch mit dem Missbrauch positionierte sich Droste 1993 mit einem Text in der Titanic derart, dass es in der Folgezeit zu Angriffen und Störaktionen seiner Lesereisen kam.

Ab 1994 schrieb er Beiträge für die Tageszeitung junge Welt, ab Januar 2011 hatte er dort eine tägliche Kolumne. Von 2000 bis 2009 schrieb er auch für den Berliner Tagesspiegel.

Von 1999 bis 2013 gab Droste mit seinem Freund Vincent Klink die kulinarische Vierteljahreszeitschrift Häuptling Eigener Herd heraus. Mit Klink und dem Zeichner Nikolaus Heidelbach verfasste er 2006 ein humoristisches Buch zum Thema Wurst. Es folgten gemeinsame Werke zu den Themen Weihnachten (2007) und Wein (2008). Darüber hinaus übernahm er bei Heidelbachs Ausstellungen zu diesem Thema Wurst, Wein, Weihnachten Bild – ein buntes Gemüse die Rolle als Vorleser, so zum Beispiel im Caricatura Museum in Frankfurt.

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Droste gab nur selten Interviews. 2002 wünschte er sich, dass über ihn „nichts in der Zeitung steht“ und er „irgendwann nicht mehr als öffentliche Figur auftaucht“. Im Frühjahr 2009 erhielt Droste das fünfmonatige Stipendium Stadtschreiber zu Rheinsberg und übernahm dessen Wohnung und Amt ebendort.

Ab 2006 lebte er vorwiegend in Leipzig, bevor er ins ländliche Oberfranken umzog.[14] Droste, der zeitweilig alkoholabhängig war, starb am 15. Mai 2019 im Alter von 57 Jahren an den Folgen einer Leberzirrhose in Pottenstein (Franken).

Droste verstand sich als satirischer Polemiker, was häufig zu Konflikten führte. So wurde ihm als taz-Redakteur die Verantwortlichkeit für die Medienseite entzogen, nachdem in der Ausgabe zum Frauentag am 8. März 1988 ein groß aufgemachter Beitrag (Der Fotofix-Fick) auf der Seite erschienen war, der mit einer in eine Vagina gestopften Banane illustriert war. Droste beendete bald darauf seine Tätigkeit als fester Mitarbeiter der taz, war ihr jedoch später wieder als freier Mitarbeiter verbunden. So schrieb er ab Anfang der 1990er eine freitägliche Kolumne auf deren Satire-Seite »die Wahrheit«.

Wiglaf Droste

Ende 2006 trennte sich Droste von der taz wegen eines Artikels über die Gesellschaft für deutsche Sprache, der von Redakteur Michael Ringel abgelehnt wurde. Ringel sah darin taz-Interna angedeutet und empfahl ihm nachträglich einen Psychiater. Seit dem Ausscheiden als freier Mitarbeiter veröffentlichte Droste regelmäßig in der jungen Welt.

In seinem gemeinsam mit Gerhard Henschel verfassten satirischen Krimi Der Barbier von Bebra (1996) ließ er sich über die ehemaligen DDR-Bürgerrechtler und den Umgang mit religiösen Gefühlen aus. Die Satire wurde in der taz als Fortsetzungsroman vorabgedruckt, der als Buch in der Edition Nautilus erschien. Darin fallen unter anderem auch Wolfgang Thierse, Rainer Eppelmann und Jürgen Fuchs einem Serienmörder zum Opfer. Es kam zu einem Eklat, als die Grünen-Politiker Konrad Weiß und Vera Lengsfeld Droste „literarische Anleitungen zum Mord an Andersdenkenden“ unterstellten und in der Wochenzeitung Welt am Sonntag zum Boykott der Zeitung aufriefen. Die taz unterstützte Droste und fand Sympathie unter anderem bei Peter Laudenbach von der Berliner Zeitung. Im Kontext der Auseinandersetzung wurde auch ein Text Lengsfelds mit der Überschrift „Täterhumor“ in der taz dokumentiert. In der Wochenzeitung Die Zeit erschien dazu unter der Überschrift „Humorgewalt“ ein Artikel von Oliver Tolmein.

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Drostes Lesungen wurden Mitte der 1990er aufgrund von Sexismusvorwürfen von Feministinnen und Autonomen gestört. Er hatte sich in verschiedenen Beiträgen, z. B. der Kurzgeschichte Der Schokoladenonkel bei der Arbeit, über Aktivistinnen von Projekten zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern lustig gemacht (siehe Montessori-Prozess).

Seine Kritiker gestanden ihm selbst einen „formvollendeten“ Wortwitz zu, der ihm zur satirischen Zuspitzung und Polarisierung seiner Themen diente. Der SZ-Essayist Willi Winkler ging so weit, Wiglaf Droste wegen seines „Garantiert-ins-Schwarze“-Treffens als „den Tucholsky unserer Tage“ auszumachen. (Quelle: wikipedia)

Bücher

Die Bücher zum Hörbuch

Und hier als erste kleine Erinnerung an diesen genialen Sprachkünstler … das feiner nicht sein könnte:

Sprachkritik ist en vogue in Deutschland. Allen Ortes wird von schlechtlaunigen Philologen ein volksempfängerkompatibles ‚anglo-amerikanisches Sprach-Bombardement‘ diagnostiziert. Dabei spricht doch kaum jemand den Namen des Deutschlehrermaskottchens Sick korrekt englisch aus. Und dass man auch in kernseifenem Deutsch rasserein idiotisch sprechen kann, beweisen die Angehörigen der Sprachschutzstaffeln selbst am besten, sobald sie den Mund auftun und in ihren Medien das Glatteis der freien Rede betreten.
Schon lange widmet sich Wiglaf Droste dem Zusammenhang zwischen sprachlicher und inhaltlicher Zerwirrnis. Im vorliegenden Handbuch untersucht er, fern jeder Rechthaberei, Vokabular wie ‚tausend Prozent, bedingungslos … Public Viewing … Helden … Mein Schuh, meine Welt … mental. zum Bleistift… Krieg in Bild …Deo-Image … Führerschein … Hypo & Chonder … feige & hinterhältig … Maffays Muttis Urne in der Finca … schnellstmöglichst … mega … Haarchitektur … Vertrauen … Wertigkeit‘ u.v.a.m.
Droste wäre allerdings nicht Droste, wenn er selbst bei diesem Thema nicht große Sprachliebe walten ließe und sich vor Wörtern wie ‚Mótschekiepchen‘, ‚Päckchen‘ oder ‚Mösenstövchen‘ verneigte – persönlich, etymologisch und immer der schönen Sprache dienlich. Was Droste, solo oder im Verein mit Vincent Klink und Nikolaus Heidelbach produziert, nannte die Welt im November 2008 ‚hochprozentig, abgründig, sehr böse und sehr lustig.‘ (Pressetext)

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Droste findet genau das richtige Maß zwischen Humor und Niveau. Den Menschen, die den Untergang der kultivierten deutschen Sprache verhindern möchten, spricht er aus der Seele. Er analysiert Sprachphänomene, die sich längst eingeschlichen haben, ohne dass vorher jemand sein Gehirn eingeschaltet hat …
Hierzu gehören Herdprämien genau so wie abstruse Namen von Friseursalons und Navigationssysteme mit Grammatikschwächen … (Wasserfrau)

Sprachgefühl notwendig. Wer es nicht hat, also Konservative und ähnliche, nach 1967 Geborenene, bitte unbedingt die Finger davon lassen.
Dieses Buch wird ansonsten für euch immer eines mit 7 Siegeln bleiben. Wiglaf Droste hat ein Anliegen und will euch nicht unterhalten. Wer das weiß, wird zufrieden lächeln, wer es nicht weiß, wird seine längst vergangene Schul“bildung“ und seinen „gesunden“ Menschenverstand umsonst bemühen, um etwas zu finden, was er längst glaubte, zu besitzen um es dann doch im passenden Moment nie parat gehabt zu haben. (Myrna4Loy)

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Aber Achtung: Diese beiden CD sind sowas von geballt … ich empfehle daher diese Aufnahmen nur häppchenweise zu genießen, nicht dass man überrant ird von dieser Wucht der Worte …

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Besetzung:
Wiglaf Droste
+
Steffen Brück (Sprecher bei 13.)
+
Danny Dziuk (vocals bei 15. + 16.)

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Titel:

CD 1:
01. Im Sparladies der Friseure 5.42
02. Duden, Duden, was willst duden? 9.48
03. Zum Bleistift Abfallsaft aus Schläfrig-Holzbein 4.20
04. Mit Mayo rutscht die Info besser 3:38
05. Nackt unter Sachsen 11.49
06. Vor Marienkäfern wird gewarnt! 4.55
07. Versprecher und Versprechen 5.26
08. Salat ist sinnlos, knackt aber 4.56
09. Die neue Redefreiheit 3.29
10. Krieg und Frieden 4.18
11. Schnellstmöglich mega 4.45
12. Auf dem Strich zähl‘ ich 5.27
13. Bauchgefühl (Brück)
14. Einfach nur so 4.20

CD 2:
01. Warum ich kein Hypochonder geworden bin 5.27
02. Bhumipol und Gummitwist 3.56
03. Der deutsche Nothammer 5.16
04. Die Elster, Skinhead der Lüfte 4.10
05. Ein Mann soll ein Haus bauen 3.41
06. Bielefeld, Antlitz und Schlussstein der Welt 0.35
07. Faire Rien statt Ferien 4.04
08. Füdliblutt 4.02
09. Von Schampelmännern und Bovisten 9.58
10. Auch im Schillerjahr mehr Licht 5.30
11. Wenn der Akzent im Piment zu sehr brennt 4.22
12. Kochen wie die Profis 4.42
13. Krise in der Loderhose 3.59
14. Weltspartag 5.14
15. Wachstumsbeschleunigungsgesetz (Dziuk) 3.36
16. Friseur (Dziuk) 3.12

Alle Texte (außer anders vermerkt): Wiglaf Droste

CD2A

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Trays