Helmut Qualtinger u.a. – Wiener Bezirksgericht (1969)

FrontCover1Er war ganz sicher ein Ausnahmetalent der österreichischen Kulturszene, der Helmut Qualtinger:

Helmut Gustav Friedrich Qualtinger (* 8. Oktober 1928 in Wien; † 29. September 1986 ebenda; oft als Helmuth Qualtinger geführt) war ein österreichischer Schauspieler, Schriftsteller, Kabarettist und Rezitator.

Qualtinger wuchs im Milieu des gehobenen Mittelstandes und Bildungsbürgertums in Wien auf. Sein Vater Friedrich war Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Chemie am Alsergrunder Realgymnasium IX Glasergasse, heute Erich Fried Realgymnasium, und ein glühender Nationalsozialist, seine Mutter Ida (geb. Ladstätter) Hausfrau. Qualtinger, der seit seiner Jugend ein begeisterter Leser war, gründete als Gymnasiumsschüler gemeinsam mit Walter Kohut und dem Sohn des Burgschauspielers Philipp Zeska die „Mozart-Bühne“, ein Jugendtheater. Deren erste Aufführung (Nur keck! von Johann Nestroy) wurde vom Schriftsteller Heimito von Doderer besucht, der den Regisseur und Hauptdarsteller Qualtinger ermutigte, diesen Weg weiterzugehen. Zunächst studierte er Medizin und Publizistik, brach das Studium jedoch ab und begann eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien; frühe Theaterversuche in Wien und Graz endeten zunächst mit Misserfolgen.

Qualtinger02Qualtinger betätigte sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Journalist, war Gasthörer am Max-Reinhardt-Seminar und spielte auf einer Studentenbühne. Erste Auftritte als Kabarettist folgten ab 1947 im Studio der Hochschulen in Wien, in der Kabarett-Revue Die Grimasse. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er aber schon im Mai 1945 als selbsternannter Kulturkommissar. Er wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht für drei Monate inhaftiert, weil er mit einem Sowjetstern auf der Brust und einem selbstausgefertigten Ermächtigungsschreiben eine Villa für die Gründung eines linksgerichteten Theaters beschlagnahmt und Schauspieler geworben hatte. Qualtinger behauptete, ein Freund des Bürgermeisters, Leopold Hofrichter, habe ihn dazu ermächtigt, was dieser bestritt.
1949 hatte sein erstes Theaterstück Jugend vor den Schranken in Graz Premiere und erregte bei seiner Uraufführung als Halbstarkendrama, das sich der Verelendung der österreichischen Nachkriegsjugend widmet, einen Skandal. Ein großer Teil der Zuschauer protestierte mit lauten Rufen besonders bei den Szenen, die die Verfallssymptome dieser Kategorie von straffällig gewordenen Jugendlichen zum Ausdruck brachten. Im ersten Drittel der Aufführung nahmen die Kundgebungen solche Formen an, dass zum Schutz der Darsteller ein größeres Polizeiaufgebot angefordert werden musste. Der Gipfel der Demonstrationen wurde erreicht, als in einer Szene der Darsteller der Rolle des Staatsanwaltes als Sühne die Todesstrafe forderte und daraufhin das Publikum schrie: „Ja, für den Verfasser!“ Das Stück wurde schon am nächsten Morgen vom Spielplan genommen. In den Jahren bis 1960 arbeitete er vor allem an verschiedenen Kabarett-Stücken mit dem namenlosen Ensemble (Gerhard Bronner, Carl Merz, Louise Martini, Peter Wehle, Georg Kreisler, Michael Kehlmann). Seine „Travnicek-Dialoge“ mit Gerhard Bronner (Autoren: Merz und Qualtinger) sind in die Kabarett-Geschichte eingegangen.

Qualtinger war bekannt für seinen Schabernack. 1951 erlangte er internationale Popularität, als er es schaffte, eine Zeitungsente zu lancieren, in der der Wien-Besuch des berühmten Eskimodichters Kobuk mit seinem Werk Das brennende Iglu angekündigt wurde. Zahlreiche Reporter versammelten sich am 3. Juli 1951 am Wiener Westbahnhof. Dem Zug entstieg statt des erwarteten Gastes Helmut Qualtinger mit Pelzmantel und -mütze. Von einem Radioreporter nach seinem ersten Eindruck von Wien befragt, antwortete er: „Haaß is’“ (heiß ist’s).

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1961 trat Qualtinger in dem Ein-Personen-Stück Der Herr Karl (Regie: Erich Neuberg) als Feinkostmagazineur auf und schaffte damit seinen Durchbruch im deutschen Sprachraum. Der Herr Karl arbeitet im Keller eines Lebensmittelladens und erzählt einem imaginären Kollegen (im Film der Kamera) von seinem Leben vor, während und nach dem Krieg. Oberflächlich betrachtet erscheint der Herr Karl als netter Kerl mit liebem Blick („I kann scheen schaun“). Doch nach und nach erfährt der Zuschauer von dem Wendehals und Opportunisten Herrn Karl, der eigentlich ein gefährlicher, weil unberechenbarer, Mitläufer ist. Hier ist seine Intonation bezeichnend: Von einer Bewunderung der Nazis auf Wienerisch wechselt er schlagartig in eine Art verordneten Ekel in der Hochsprache. Wahrscheinlich haben mehrere authentische Gestalten als Vorbilder für den Herrn Karl gedient, unter anderem ein Magazineur, mit dem Qualtingers Kollege Nikolaus Haenel in einer Wiener Feinkosthandlung gearbeitet hatte. Zusammen mit Carl Merz schuf Qualtinger mit dem Herrn Karl eine Schreckensfigur, die ihm in Österreich viele Feinde und sogar Morddrohungen einbrachte; so offen hatte vor ihm noch niemand den Durchschnittsbürger als Mittäter entlarvt und dargestellt.

Helmut Qualtinger galt eher als schonungsloser Kritiker des gemeinen Mannes denn als Kritiker der Mächtigen. Dennoch wurde ihm nachgesagt, dass er mit dem Lied Der Papa wird’s schon richten (Text und Musik: Gerhard Bronner) den Rücktritt des damaligen Nationalratspräsidenten Felix Hurdes bewirkte; dessen Sohn war in einen Autounfall mit Todesfolge verwickelt, was vertuscht werden sollte. Seine Meinungen und Kommentare schrieb er in einer bürgerlichen Zeitung, dem Kurier; beispielsweise von 1955 bis 1961 gemeinsam mit Carl Merz die wöchentliche Glosse Blattl vor’m Mund.

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Ab den 1970er Jahren verstärkte Qualtinger seine schriftstellerische Tätigkeit und ging vermehrt auf Lesetourneen. Seine Lesungen eigener und fremder Texte (so auch Adolf Hitlers Mein Kampf) waren so erfolgreich, dass sie auch auf zahlreichen Sprechplatten erschienen. Neben und vor allem nach seinen Kabarettzeiten spielte er unzählige Theater-, Film- und Fernsehrollen, zuletzt 1986 den Mönch Remigio da Varagine in Der Name der Rose nach Umberto Ecos Roman an der Seite von Sean Connery.

Während der Aufnahmen zu dem Film Der Name der Rose erkrankte er schwer, in den letzten Filmszenen musste häufig unterbrochen werden, da er starke Schmerzen hatte. Es wurde sein letzter Film. Im Alter von 57 Jahren starb Qualtinger am 29. September 1986 in seiner Geburtsstadt Wien an Leberzirrhose, einer Folge seines Alkoholismus. Er ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 73) beerdigt.

Helmut Qualtinger war zweimal verheiratet – zunächst ab 1952 mit der Kinder- und Jugendbuchautorin Leomare Seidler und ab 1982 mit der Schauspielerin Vera Borek. Er hatte aus erster Ehe einen Sohn, den Maler, Schriftsteller, Musiker und Kabarettisten Christian Heimito Qualtinger (* 1958). In den Jahren von 1960 bis 1976 lebte Helmut Qualtinger in einem Wiener Gemeindebau in Wien Döbling (Paradisgasse – Daringergasse – Traklgasse, zwischen Sieveringerstraße und Grinzinger Allee). Dieser Gemeindebau trägt seit 1998, durch die Gemeinde Wien veranlasst, ehrenhalber den Namen Helmut-Qualtinger-Hof. Zuletzt war er Mieter einer weitläufigen Wohnung in dem in der Wiener Innenstadt gelegenen Heiligenkreuzerhof, der dem Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich gehört. Im Jahr 2002 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) die Helmut-Qualtinger-Gasse nach ihm benannt.

Auf der Bühne trat Qualtinger vor allem am Wiener Volkstheater unter der Regie und in der Direktion von Gustav Manker auf. In Johann Nestroys Eine Wohnung zu vermieten (1962) und als Titus Feuerfuchs in Der Talisman (1969), als Untersuchungsrichter Porfiri Petrowitsch in Dostojewskis Schuld und Sühne (1969) und als Zauberkönig in Geschichten aus dem Wiener Wald (1968), aber auch in Shakespeare/Dürrenmatts König Johann (1970) und unter der Regie von Bernd Fischerauer in Wolfgang Bauers Uraufführung von Sylvester oder das Massaker im Hotel Sacher (1971) und als Dorfrichter Adam in Kleists Der zerbrochne Krug (1972), den er zuvor 1971 am Hamburger Thalia Theater gespielt hatte. Am Theater in der Josefstadt spielte Qualtinger in Schillers Der Parasit (1950, Regie: Gustav Manker), den Fiscur in Molnars Liliom (1960) und den Schuster Knieriem in Nestroys Lumpazivagabundus (1964).

Speziell Nestroys Titus Feuerfuchs in Der Talisman war in Qualtingers Darstellung ein Bruch mit der Wiener Darstellungstradition und verließ völlig die gewohnte Schiene dieser Rolle, „seine physische Massigkeit und behäbige Gefährlichkeit war weit entfernt von der ‚alerten, figarohaften Quecksilbrigkeit‘ des charmanten Hallodris“. Er wuchtete stattdessen einen gefährlichen Anarchisten auf die Bühne. Neben ihm spielte Brigitte Swoboda die Salome Pockerl. (Quelle: wikipedia)

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Hier eine kleine Kostprobe seines Könnens. Die Serie „Wiener Gerichtsgericht“ (vergleichbar mit dem „Königlich bayerischen Amtsgericht“) war zumindest so erfolgreich, dass insgesamt 4 LP´s mit Szenen aus der österreichischen Gerichtsbarkeit erschienen.

Die G´schichterl basieren auf den Erfahrungen des Gerichtsreporters Günther Fritsch, der seit

Günther Fritsch

Bekannt wurde er durch seine seit 1961 täglich in der Wiener Kronenzeitung erscheinende satirische Kolumne aus dem Gerichtsmilieu, die er zum Teil angeblich erfunden hatte. Die Serie wurde so erfolgreich, dass sie Bücher (Heiteres Bezirksgericht) und fünf Langspielplatten (Wiener Bezirksgericht) u. a. mit Helmut Qualtinger nach sich zog.

Die erste Folge dieser Reihe nahm man im April 1965 mit Erni Mangold, Helmut Qualtinger, Kurt Sowinetz, Otto Kobalek und Heinz Reincke auf. Bei der zweiten Folge von 1966 wirkten Lotte Lang, Fritz Muliar, Helmut Qualtinger und Otto Kobalek mit. Der 3. Teil erschien im Sommer 1971 mit Qualtinger, die vierte Episode vom Herbst 1971 bestritten Brigitte Swoboda, Ernst Meister, Helmut Qualtinger und Kurt Sowinetz.

Hier nun eine Single für den deutschen Markt, bei der er als Grantlhuber, Griesgram, Stänkerer und Querulant in Erscheinung tritt, begleitet von Kolleginnen und Kollegen wie Fritz Muliar, Kurt Sowinetz, Lotte Lang und Heinz Reincke … glaubt man den wikipedia Angaben, stammen diese aus dem Jahr 1965, als eben die erste Folge auf LP publiziert wurde.

Besetzung (Sprecher):
Helmut Qualtinger – Fritz Muliar – Kurt Dowinetz – Lotte Lang – Otto Kobalek – Heinz Reincke – Erni Mangold

 

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Titel:
01. Zwei Urwiener (Helmut Qualitner – Fritz Muliar)
02. Ja, ja (Helmut Qualtinger – Kurt Sowinetz)
03. Giftfreie Farben (Helmut Qualtiner – Kurt Sowinetz – Lotte Lang)
04. 5:0 (Kurt Sowinetz)
05. Der Tandler und der Mime (Helmut Qualtinger – Kurt Sowinetz)
06. Kinogeflüster (Helmut Qualtinger – Kurt Sowinetz – Otto Kobalek)
07. Die „Frau Gemahlin“ (Helmut Qualtinger – Otto Kobalek – Heinz Reincke – Erni Mangold)

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Verschiedene Interpreten – Polhitparade – Musik aus Studio Bonn (1972)

FrontCover1Ganz sicher ein Klassiker aus der Kategorie Polit-Humor:

Und darum geht´s:

Bekannt von Film, Funk, Fernsehen sind sie längst, unsere Starpolitiker – wie es sich für echte Show-Stars gehört. Ihre Tourneen haben, besonders zu Wahlzeiten, volle Häuser und ihre Einschaltquoten können sich sehen lassen. Alle vier Jahre wieder rüsteten sich die linksrheinischen Schwarz-, Rot- und Goldkehlchen zum letzten Gefecht. Da fliegen die Fetzen, da wackelt die Wand, da kracht’s im Gebälk, da bleibt kein Auge trocken. Kein Mikro ist vor ihnen sicher, kein Stimmband wird geschont, wenn es darum geht, Brusttöne der Überzeugung zum Klingen zu bringen. Wer Ohren hat, zu hören, der ahnte bereits bei den A-capellas im Bonner Bundeshaus, wie gut sich mit Volkes Stimme singen lässt. Ein Traum wurde Wirklichkeit: zu wortgewaltiger Rhetorik von ciceronischen Schliff gesellten sich Herr Rhythmus und Frau Melodie und schickten uns die Männer unserer Wahl direkt nach Haus in die gute Stube.“ (Werbetext.

Verantwortlich für diese mehr als amüsanten Aufnahmen war Volker Kühn:

Volker Kühn (eigentlich Volker Reinhard Kühn; * 4. November 1933 in Osnabrück) ist ein deutscher Autor, Fernseh- und Theaterregisseur sowie Filmproduzent mit dem Schwerpunkt Satire und Kabarett. Darüber hinaus ist er auch literarischer Nachlassverwalter für das Werk von Wolfgang Neuss und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Er gilt in Deutschland als der herausragende Kenner der Geschichte des Kabaretts.

VolkerKühnNach einem vierjährigen Aufenthalt in den USA begann Volker Kühn als Redakteur beim Hessischen Rundfunk, für den er ab 1963 über zehn Jahre lang die satirische Monatsbilanz Bis zur letzten Frequenz schrieb und produzierte. Ab 1970 veröffentlichte er als freier Autor und Regisseur zahlreiche Hörspiele und Features auch für diverse andere Rundfunksender. Neben seinen Arbeiten für den Rundfunk war er zudem Mitautor und Regisseur von Programmen des von Volker Ludwig begründeten Berliner Reichskabaretts und schrieb bald auch Kabarett-Texte für Lore Lorentz, Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Jürgen von Manger.

1973 hob er zusammen mit Dieter Hildebrandt für das ZDF die Notizen aus der Provinz aus der Taufe. Es folgten zahlreiche Fernsehsendungen, darunter TV-Dokumentationen über 100 Jahre deutsches Kabarett, die Unterhaltung im Dritten Reich und das Kabarett im KZ sowie Film-Satiren und das Neuss-Porträt Ich lache Tränen, heule Heiterkeit.

Kühn schrieb und inszenierte Theater-Revuen und war Songtexter für Musicals und Spielfilme. U. a. seine Bühnenfassung von Marlene, die er für das Berliner Renaissance-Theater entwickelte, wurde zu Gastspielen in die Schweiz, nach Österreich und Japan eingeladen und brachte es vom 28. Juni 1998 bis zum Januar 2006 auf 533 Aufführungen.

Er produzierte Polit-Satire auf Schallplatten bzw. CDs und veröffentlichte als Autor wie als Herausgeber zahlreiche Bücher zum Thema Kabarett und Satire im 20. Jahrhundert.

Inzwischen ist er mehrfach als Interviewpartner und Zeitzeuge in TV- und Leinwand-Dokumentationen aufgetreten, darunter in mehreren Kinofilmen wie z.B. War’n Sie schon mal in mich verliebt?, und seit 2007 trat er in einigen Produktionen der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ auch als Schauspieler auf.

Im Jahr 2008 machte die historisch versierte „graue Eminenz des Kabaretts“ Schlagzeilen, als Johannes Heesters einen Prozess gegen ihn verlor und Kühn nun weiterhin behaupten darf, Heesters sei 1941 in einem KZ aufgetreten.

Mehrfach mit hohen Preisen ausgezeichnet, wurde ihm 2013, kurz vor seinem 80. Geburtstag, ein Stern der Satire auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in Mainz verliehen und er Ende Oktober 2014 zum Ehrenmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft erhoben.

VolkerKühn2Kühn lebt seit Anfang der 1990er in Berlin und ist verheiratet mit der Schauspielerin Katherina Lange. (Quelle: wikipedia)

Also: Man nehme diverse Politiker-Reden und garniere sie mit pfiffigen, oftmals jazzig angehauchten Klängen und fertig ist diese ganz spezielle Hitparade.
Die Phrasendreschereien werden immer dann am besten entlarvt, wenn der weibliche Gospelchor, bestimmte Formulierungen schrill singend wiederholen … mehr als einmal konnte ich mich dabei köstlich amüsieren.
Und vieles ist auch ganz schön abstrus: so z.B. der Redebeitrag von Karl Schiller (der arg kryptische Sätze von sich gibt). Und wenn mein ehemaliger Landesvater Franz Josef Strauß die Vorzüge des bayerischen Landes preist, dann erklingt natürlich entsprechen Klängen aus der Volksmusik …
Helmut Schmidt brilliert mit „Die NPD ist weg“ und sogar vor Willy Brandt´s epochaler Antrittsrede als Bundeskanzler („wir wollen mehr Demokratie wagen“) bleibt nicht unverschont.
Helmut Schmidt liefert ne Art programmatische Rede zum Thema „worauf es ankommt im Leben“ und erklärt zur knackigen Marschmusik „Die NPD ist wieder weg“ und Rainer Barzel ist ein weiterer Höhepunkt: Er erklärt warum er nun als Widerstandskämpfer tätig werden muss.
Und Herbert Wehner und seine Geifereien sind eh legendär (wie habe ich ihn geliebt, als er die damaligen Oppostionsparteien CDU/CSU angebellt hat … )
Die Musik wurde übrigens von hochkarätigen Jazzmusiker eingespielt; der bekannteste ist wohl – man lese und staune – der Volker Kriegel an der Gitarre.
Wer allerdings die damalige Zeit nur vom Hören Sagen kennt, wird natürlich kaum den Witz dieser Aufnahmen nachvollziehen können, aber hier tummeln sich ja auch so einige rüstige Senioren, die sich da schon herzhaft erfreuen können und werden.

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Besetzung:
Kurt Bong (drums)
Dieter von Götze (bass)
Conny Jackel (trumpet)
Volker Kriegel (guitar)
Eberhard Leibling (bass, tuba)
Horst Lubitz (saxophone, trumpet)
Hans Schepior (accordion)
Roland Schneider (keyboards, violin, percussion)
+
The Lobbies (backgropund vocals)

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Titel:
01. Karl Schiller: High 5.33
02. Franz Josef Strauss: Deutschland braucht Bayern 5.01
03. Gerhard Schröder:  We Do Not Want To Fight 4.40
04. Helmut Schmidt: Die NPD ist wieder weg 1.54
05. Walter Scheel: Made In Germany 5.26
06. Willy Brandt: Wir wollen mehr Demokratie wagen 4.47
07. Helmut Schmidt: Etwas lernen – etwas leisten 4.03
08. Rainer Barzel: Nach allem was ich sehe 9.06
09. Herbert Wehner: Der Song mit den kurzen Beinen 5.41

Musik: Roland Schneider
Musik: Roland Schneider + Henrion

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Loriot – Nimm´s leicht (1963 /1973)

NimmsLeicht_01AEin weiteres Schmankerl aus dem prallen Lebenswerk des Loriot:

„Schon beim flüchtigen Durchblättern dieses Bildbandes wird der Betrachter auf Darstellungen stoßen, die ihm seltsam vertraut sind … #Das erste Blatt, ein Knoten im linken Bundesbahngleis zwischen Celle und Lüneburg, beleuchtet einen ärgerlichen Zwischenfall, der, obwohl ungewöhnlich anmutend, fast täglich zur Verstimmung westdeutscher Streckenwärter führt.

Auch alle folgenden Beispiele sind aus dem Leben gegriffen und aus einem Personenkreis, dr für westdeutsche Verhältnisse als repräsentativ angesehen werden kann“ (Klappentext)

Nicht immer wird Loirot´s Humor verstanden bzw. geschätzt, wie folgender Leserbrief auf lovelybooks.de zeigt:

„Den Humor verstehe ich nicht immer, aber das ist auch nicht verwunderlich, da ich viele sarkastische Witze nicht so verstehe. Nicht immer geht es darum, dem Leser ein Lächeln zu entziehen, sondern darum, vertraut, bekannte Situationen vom Alltag jeder Person noch ein mal in Erinnerung zu rufen, um etwas darüber zu grübeln. Der Effekt: „Ach, das kenne ich! “

Ich seh das natürlich ganz anders. Und dieses Büchlein lenkt den Blick auf auf eine „andere Seite“ von Loriot:

AlternativesFrontCoverLoriot hat sich nicht nur als legendärer Unterhalter einen Namen gemacht. Vor allem zu Beginn seiner Karriere war er als Werbegrafiker aktiv. ie meisten Werbeaufträge nahm Loriot in den Jahren nach 1955 an. So arbeitete er unter anderem für die Tabakmarke Stanwell, für Paderborner Bier, für Agfa und für Scharlachberg.

Und der damalige Scharlachberg-Slogang lautet eben „Nimm´s leicht“ … von daher ist dieses Buch quasi ne Zeitverwertung seine damaligen Karikaturen für Schalarchberg.

Das Buch erschien erstmalig 1963, meine Ausgabe ist dann die 6. Ausgabe (76.-91. Tausend) aus dem Jahre 1973.

Bevor´s zur Präsentation geht noch 2 Gedanken aus der „Welt“, denen ich mit sehr gerne anschließe:

„Von-Bülow-Loriot versöhnte die Deutschen mit sich selbst. Nicht nur, dass er sie ausnahmslos alle auf irgendeine Art erreichte und zum Lachen brachte – er trat auch den Beweis an, dass das Deutsche per se irgendwie verschroben-sympathisch, ja sogar auf feinsinnige Art sturzkomisch sein kann. Eine Erfahrung, die nach zwei Weltkriegen und einer menschenverachtenden Diktatur für viele dann doch eher überraschend war. “

„Kaum auszudenken, was mit einer Gesellschaft geschehen soll, die sich irgendwann nicht mehr an Vicco von Bülow und sein erhabenes Werk erinnert . Wir müssen es in aller Deutlichkeit und in Anlehnung an ein großes Lob des Mopses an dieser Stelle sagen: Ein Leben ohne Loriot ist möglich, aber sinnlos.“

Hier ein paar Beispiele zum erinnern und dann geht´s – wie gewohnt – zur Präsentation:

 

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Das Büchlein ohne Schutzhülle

Das Büchlein ohne Schutzhülle

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Scharlachberg-Werbung

Scharlachberg-Werbung

Titanic – Das endgültige Satiremagazin – November 1979

TitelIch sag´s mal ganz einfach: Ohne Satire würde ich eingehen wie ein Gänseblümchen ohne Wasser … Von daher gibt es für mich Gallionsfiguren wie Dieter Hildebrandt oder Gerhard Polt, aber eben auch Satirezeitschriften wie die (ehemalige) „pardon“ oder eben auch „Titanic – „Das endgültige Satiremagazin“:

Titanic ist eine deutsche Satirezeitschrift mit redaktionellem Sitz in Frankfurt am Main.

Die Titanic wurde 1979 von ehemaligen Mitarbeitern der Satirezeitschrift pardon gegründet. Ursprünglich sollte das Magazin Die Sonne heißen, da der Name satirische und wortspielerische Rubrikentitel wie „Sonne Scheiße“ ermöglichte.[1] Die Gründerväter Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler und Chlodwig Poth waren und sind neben F. W. Bernstein, Eckhard Henscheid und Bernd Eilert die Vertreter der Neuen Frankfurter Schule. Nach einer Änderung des Gesellschaftervertrags im Sommer 2006 wird das Heft heute von Achim Greser, Achim Frenz, Bernd Fritz, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Hans Zippert herausgegeben. Weiterer Mitgesellschafter ist der Geschäftsführer Patric Feest.

Zur ersten Redaktion gehörten Lionel van der Meulen (Chefredakteur) und Elsemarie Maletzke, Nikolaus Jungwirth und Paul Taussig. 1983 wurde Bernd Eilert kommissarischer Chefredakteur, und die Satiriker Richard Kähler, Achim Szymanski und Jörg Metes sowie der Grafiker Hans-Werner Saalfeld bildeten die neue Redaktion. Später stieß noch Hans Kantereit dazu, mit dem zusammen Kähler und Saalfeld in Hamburg die Zeitschrift „Mark & Bein“ herausgegeben hatten. Kähler und Kantereit gingen schließlich wieder nach Hamburg und gründeten dort die Satirezeitschrift Kowalski, Szymanski ging in die Werbung, Bernd Fritz wurde Chefredakteur.

Ihr erster Verleger war bis 1988 Gerhard Sondermann. Heute erscheint Titanic monatlich im Titanic-Verlag in Berlin. Weitere Chefredakteure nach Fritz waren Hans Zippert (bis 1995), Oliver Maria Schmitt (bis 2000), Martin Sonneborn (bis 2005), Thomas Gsella (bis 2008) und Leo Fischer (bis 2013). Seit Oktober 2013 ist Tim Wolff Chefredakteur. Zur Redaktion gehören außerdem Torsten Gaitzsch, Elias Hauck, Thomas Hintner, Moritz Hürtgen, Mark-Stefan Tietze, Leonard Riegel, Martina Werner und Michael Ziegelwagner.

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Weitere ständige Mitarbeiter waren beziehungsweise sind unter anderen: Stefan Gärtner, Oliver Nagel, Uwe Becker, Simon Borowiak, Eugen Egner, Bernd Fritz, Anna Glockenhell, Max Goldt, Achim Greser, Katharina Greve, Gerhard Henschel, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Stephan Katz, Heribert Lenz, Christiane Lokar, Christian Meurer, Walter Moers, Fanny Müller, Nicolas Mahler, Ari Plikat, Bernd Pfarr, Hilke Raddatz, Michael Rudolf, Stephan Rürup, Christian Y. Schmidt, Oliver Maria Schmitt und Michael Sowa.

Titanic – das endgültige Satiremagazin ist mit einer Druckauflage von 99.760 Exemplaren nach Eulenspiegel die zweitgrößte Satirezeitschrift Deutschlands.

„Titanic war eine Zeitschriftengründung nicht von Presseleuten, nicht von Journalisten, sondern von Künstlern, von Zeichnern, von Cartoonisten, von Dichtern, von Literaten. Daher ist immer auch in der dunkelsten Satire noch etwas Künstlerisches, noch etwas über den Tag hinaus Lebendes“, erklärte 2009 der einstige Chefredakteur Oliver Maria Schmitt in der Kultursendung Titel, Thesen, Temperamente eine Grundauffassung des Heftes. (Quelle: wikipedia)

Hier nun die Erstausgabe dieses Magazins (52 Seiten), das mich schon so oft erheitert hat: Ein reizvoller und amüsanter Rückbild in unsere Bonner Republik, als Helmut Schmidt noch Kanzler war, die FDP so allmählich den Absprung aus der sozial-liberalen Koalition vorbereitete und unser alle Birne bereits in den Startlöchern stand:

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Beispiel04

Leider verdammt aktuell ...

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Verschiedene Interpreten – 20 Jahre Wahrheiten über Deutschland (2014)

FrontCover1Früher, in einem Land vor unserer Zeit, gab´s Silvester regelmässig die Kabarett-Sendung „Schimpf vor zwölf“ dem jeweils aktuellen Kabarettprogramm der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, in dem auf das jeweilige Jahr zurückgeblickt wurde. Mitwirkende waren Dieter Hildebrandt, Ursula Noack, Hans-Jürgen Diedrich, Jürgen Scheller und Klaus Havenstein. In der letzten Sendung 1971 waren Diedrich und Havenstein nicht mehr dabei, für sie wirkten jetzt Horst Jüssen und Achim Strietzel mit.

Nun, ein solches Format ist natürlich heutzutage so gar nicht mehr denkbar.

Aber, als kleine Erinnerung an diese Zeit hier ein kabarettistischer Rückblick auf die Jahre 1994 – 2014 … der zuweilen so richtig bitter böse ist und zuweilen sowas von erschreckend aktuell („Nationale Identität“, „Der Türke im Heimatverein“, „Schweizer Nummernkonto“, „Rechte Gefahr & Heldenopfer“

Znd wir dürfen uns bedanken und amüsieren bei Kabarettisten wie (in der Reihe ihres Auftritts):

Jürgen Becker – Lisa Fitz – Richard Rogler – Ingo Insterburg – Improvisationstheater Springmaus – Horst Schroth– Dieter Nuhr – Urban Priol – Bullemänner – Helmut Schleich – Andreas Rebers – Wolfgang Nitschke – Hennes Bender – Luise Kinseher – Serdar Somuncu – Wilfried Schmickler – Dagmar Schönleber – Hagen Rether – Wolfgang Nitschke – Claus von Wagner – Horst Evers – Christoph Sieber – Mathias Tretter – Wilfried Schmickler – Jochen Busse & Henning Venske – Martin Sonneborn – Sebastian 23 – Matthias Reuter – Max Uthoff – Carolin Kebekus – Sebastian Pufpaff – Gayle Tufts – Abdelkarim – Wiglaf Droste – Jess Jochimsen

Viele der Namen sind nicht mehr so geläufig, aber etliche der Namen sind bis heute unterwegs, um als das Salz in der Suppe unseren privaten wie politischen Alltag giftig zu kommentieren.

Von daher dient dieser Sampler zu einem amüsanten Auftakt in das Jahr 2015 ! Und: es gibt so etliche Perlen des exquisiten Spotts !

Und was der Helmut Schleich mit seinem „Der Körperhasser“ abliefert, ist ein Feuerwerk der Extraklasse !

Und dann noch die Lisa Fitz mit ihrer „Nationale Identität“, Martin Sonneborn sitzt inzwischen im Europäischem Parlament … und bei „Hier spricht ihr Kapitän“ …. bekommt man eine trockene Kehle ,,, angesichts der Realität, als ein Pilot seine Maschine gegen eine Felswand steuerte …

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Titel:

CD 1:
01. Jürgen Becker: Fred Fussbroich 3.05
02. Lisa Fitz: Nationale Identität 2.41
03. Richard Rogler: Tom 4.35
04. Ingo Insterburg: Ich hab mein Herz verliehn 4.35
05. Improvisationstheater Springmaus: Hier spricht ihr Kapitän 3.27
06. Horst Schroth: Raucher sind die besseren Menschen 3.38
07. Dieter Nuhr: Antiautoritäre Erziehung und Rentner 2.51
08. Urban Priol: Früher war Fußball auch irgendwie anders 2.32
09. Dieter Nuhr: Fresse halten 0.46
10. Richard Rogler: Derrick 1.43
11. Bullemänner: Der Türke im Heimatverein 1.43
12. Horst Schroth: Der Mann und sein Spieltrieb 1.29
13. Helmut Schleich: Das Jahr 2000 1.38
14. Andreas Rebers: Tauchstation 3.18
15. Wolfgang Nitschke: Von Austern in kleingehackten Hoden über Aphrodite 6.22
16. Urban Priol: Deutschland goes Dienstleistung 4.31
17. Helmut Schleich: Der Körperhasser 4.32
18. Hennes Bender: Botschafter des Potts 2.01
19. Luise Kinseher: Schweizer Nummernkonto 2.40
20. Serdar Somuncu: Rechte Gefahr & Heldenopfer 10.56
21. Wilfried Schmickler: Am kölschen Tresen soll die Welt genesen! & Freundlicher Faschist 6.17

CD 2:
22. Dagmar Schönleber: Bombä? (Gülay + Chantal) 6.17
23. Dieter Nuhr: Der freie Mensch im Fernsehen 2.15
24. Hagen Rether: Humana Ikea 3.05
25. Wolfgang Nitschke: Weltjugendtag 2.08
26. Claus von Wagner: Wenn ein Bayer Gottes Stellvertreter wird 1.46
27. Horst Evers: Pforzheim 2.22
28. Christoph Sieber: Grillt Knut 4.40
29. Mathias Tretter: Einbürgerung 2.17
30. Wilfried Schmickler: Wir sind wir 1.34
31. Helmut Schleich: Alte Helden 3.33
32. Jochen Busse & Henning Venske: Sprachregelung 4.10
33. Martin Sonneborn: Die Kampa 5.05
34. Horst Evers: Wohnungseinrichtung 1.36
35. Sebastian 23: Ich lüge immer 2.10
36. Matthias Reuter: Matschfarben 1.26
37. Max Uthoff: Europa 1.57
38. Carolin Kebekus: Programmverbrechen 2.56
39. Dieter Nuhr: Der Mensch glaubt alles 2.21
40. Philip Simon: Gleisch Soße in Oranje 1.17
41. Sebastian Pufpaff: Die Wahrheit über Ikeas Bälle 3.10
42. Hagen Rether: Orwell 1.07
43. Claus von Wagner: Finanzkrise 2.53
44. Gayle Tufts: Hysterie 3,32
45. Dieter Nuhr: Alles ist möglich 1.12
46. Abdelkarim: Die NPD und ihr Hass im Ärmel & Gastarbeiter 2.01
47. Urban Priol: 65 Jahre Grundgesetz 4.34
48. Wiglaf Droste: Spinnen im Netz 1.18
49. Jess Jochimsen: Ich möchte lieber nicht 3.07
50. Hagen Rether: Regenbogen 2.18

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Illustration

Hape Kerkeling – Hurz ! ! ! (1992)

FrontCover1Der Hape Kerkeling hat im Laufe seiner Karriere ganz schön viel unterschiedliche Facetten zum blühen gebracht. Und natürlich war die des gnadenlosen Komikers eine ganz besonders ausgeprägte Facetten.

Ein Prachtbeispiel seines Humors ist dieser Werk. Und so kam es dazu:

1989 gestaltete Kerkeling zusammen mit dem Pianisten Achim Hagemann und Angelo Colagrossi als Co-Autor mit seiner medienkritischen Sendung Total Normal ein Comedy-Format, für das er mit der Goldenen Kamera, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Zwei Aktionen sind auch Jahre nach dem Ende der Sendung in Erinnerung geblieben: Verkleidet als Königin Beatrix gelang es Kerkeling am 25. April 1991, vor laufender Kamera in einem Wagen vor Eintreffen der echten Königin im Schloss Bellevue vorzufahren.

Außerdem trug Kerkeling in der Maske eines polnischen Opernsängers zur Klavierbegleitung von Achim Hagemann ein „expressives Stück“ vor, eine Parodie auf Neue Musik, die in dem lauten und unvermittelten Ausruf „Hurz!“ mündete. Das nicht eingeweihte Publikum nahm die Darbietung ernst und ließ sich anschließend zu einer intellektuellen Diskussion über die Aussage des Stücks verleiten. Dabei wagte nur eine Teilnehmerin offen auszusprechen, dass sie mit seiner Darbietung überhaupt nichts anfangen konnte. Kerkeling antwortete daraufhin bewusst hochnäsig, dass ihr wohl „der intellektuelle Zugang“ fehle. Hurz! erschien 1992 als Single.

Hier diese Single die drei Hurz Versionen enthält und die ihren Reiz eigentlich nur dann hat, wenn man eben diesen Auftritt im Fernsehen gesehen hat. Ich habe ihn deshalb einfachmal dazugepackt, damit das Hurz Thema auch komplett ist.

Und natürlich reizt es mich mal wieder, bei diesem Hape Kerkeling auf Spurensuche zu gehen … das könnte ein sehr spannendes Thema sein. Und da hat der Hape Kerkeling ja mittlerweile auch jede Menge von sich schon preis gegeben.

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Besetzung:
Achim Hagemann (piano)
Hape Kerkeling (vocals)
+
Kerstin Yvonne Lohausen (vocals)
Karin Wanjelik (vocals)

Hape+Achim

Hape Kerkeling + Achim Hagemann bei Hurz im TV

Titel:
01. Hurz !!! 3.22
02. Hurz !!! (Engl. Version) 3.22
03. Hurz !!! (Habicht Mix feat. MC Lurch) 5.29

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Kurt Halbritter – Die freiheitliche rechtliche Grundordnung (1988)

TitelUnd jetzt ist es mir wieder mal eine ganz besondere Freude, diesen großartigen Kurt Halbritter vorstellen zu dürfen:

Kurt Halbritter (* 22. September 1924 in Frankfurt am Main; † 21. Mai 1978) war ein deutscher satirischer Zeichner und Karikaturist.

Der Barfüßer, nach einer Zeichnung von Halbritter gefertigte Skulptur in Frankfurt am Main
Grab von Kurt und Elise Halbritter auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Nachdem Halbritter eine Ausbildung als Chemigraf abgeschlossen hatte, besuchte er von 1948 bis 1952 die Werkkunstschule in Offenbach am Main, heute Hochschule für Gestaltung. Seit 1954 arbeitete er als Illustrator und Autor.

Bekanntheit erlangte er durch Karikaturen im Satiremagazin pardon (Halbritters Halbwelt) und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Halbritter erfand die Frankfurter Dialekt sprechenden („babbelnden“) Werbefiguren Schorsch und Schaa (hochdeutsch Georg und Jean) für die Binding-Brauerei.

Halbritter starb auf einer Schiffsreise nach Irland an einem Herzinfarkt.

Auszeichnungen, Ehrungen:
1968 bekam Halbritter für drei Pardon-Beiträge einen Preis der Zille-Stiftung.

1970 wurde ihm der Joseph-E.-Drexel-Preis zugesprochen.

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2014: Umfangreiche Ausstellung im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt am Main, Haus der Neuen Frankfurter Schule, die Halbritter mitprägte.

2016: Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, wo Halbritter lange Zeit lebte, wurde eine Grünanlage nach ihm benannt, die Kurt-Halbritter-Anlage. Dort steht seitdem die Bronzeskulptur Der Barfüßer, angefertigt vom Bildhauer Siegfried Böttcher nach einer Zeichnung Halbritters aus dem Jahr 1975. Die Skulptur ist Teil der Reihe Komische Kunst im Frankfurter Grüngürtel. (Quelle: wikipedia)

Und nun Kurt Halbritter über sich selbst:

Ich wuchs in einer Zeit auf, von der man behauptet (damals wenigstens), sie sei eine „große“. Mein Beruf war eigentlich das erste, was ich frei wählen durfte, und ich wählte prompt falsch.
Karikaturist wurde ich erst viel später. Es war sozusagen der Anfang meines zweiten Lebens. Krieg, Kriegsgefangenschaft, dann die Heimkehr und die Frage: Was nun? Wieder zurück in den alten Beruf, oder endlich tun, wonach mein Herz verlangte – zeichnen, malen, illustrieren?

Das mit der Malerei war eine Seifenblase. Sie zerplatzte ganz still und lautlos. Dagegen öffnete sich mir ein Gebiet, das an keiner Akademie oder Werkkunstschule gelehrt wird. Das Stiefkind der großen Kunst, die Karikatur, hatte ihr Opfer – mich.

Es kam nicht einmal überraschend. Soweit ich mich zurückerinnern kann, hatte ich zu Bleistift und Papier ein inniges Verhältnis. Das erste meines Lebens überhaupt. Wenn meine „Erstlingswerke“, die Bildnisse von damals, alle einen Hauch des Lächerlichen aufwiesen, so war es nie Absicht. Die „Zeichenstunde“ war das Schönste an der Schule und versöhnte mit mancher Stunde, die mit „nützlicheren“ Fächern belegt war. Ich begreife heute noch nicht jene Menschen, die in ihrer Schulzeit die schönste und sorgenloseste Zeit ihres Lebens erblicken. Meine Sorgen jedenfalls waren im Verhältnis zu heute kaum geringer.

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Die anderen wurden Dr. med., Bankbeamter, Verkäufer, Regierungsrat, Autohändler, ich wurde Karikaturist: ein Mensch, der Männchen malt, – ulkige, versteht sich. Sie haben ihre Kollegen und ich die meinen, und jeder übertreibt auf seine Weise, wobei noch dahingestellt bleibt, wer die Übertreibung besser beherrscht. Das Übertreiben ist ganz anderen Leuten vorbehalten als ausgerechnet einem Karikaturisten, der nur zeichnet, was er sieht, hört, erlebt und denkt. Die Welt ist voller Übertreibungen, die kein Zeichner, und sei er noch so sehr Karikaturist, erreichen könnte. Die gute Karikatur kommt mit der Hälfte der Übertreibungen aus, deren sich ein schlechter Politiker bedient.

Karikatur ist Ausdruck eines „humoristischen“ Verhaltens für die, die nicht mehr darin sehen oder hineinlegen wollen. Sie ist Kritik, Kommentar und Angriff für jene, die in der Karikatur mehr sehen als Unterhaltung und Auflockerung einer Zeitungsseite. Die Karikatur beginnt, wo das Wort seinen Wert verliert, und endet, wo sie durch das Wort ersetzt werden kann. Einen Kompromiß gibt es allenfalls, wo sich Wort und Zeichnung die Waage halten.

Eine Karikatur ist noch lange nicht schlecht, weil man nicht über sie lachen kann, aber sie ist auch nicht deshalb gut, weil man über sie lacht.

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Eine Karikatur zu verstehen, ist nicht immer leicht. Einen Karikaturisten zu verstehen, fast unmöglich. Nun sollte ein Karikaturist zwar seine Arbeit ernst nehmen, nicht aber sich. Das erspart ihm manchen Ärger und verhilft ihm zu einer besseren Einstellung gegenüber seiner Umwelt, die ihm letzten Endes zu seinem Beruf verholfen hat. Er wird außerdem mehr Verständnis für seine Mitmenschen aufbringen müssen, als diese für ihn.

Und das Caricatura Museum, Frankfurt würdigt ihn natürlich auch:

Er gilt als Vorbild der Zeichner der Neuen Frankfurter Schule. Zu Lebzeiten war er weithin bekannt als Karikaturist und Werbegrafiker. Doch nach seinem frühen Tod ist Kurt Halbritter in Vergessenheit geraten.

Das Zeugnis der Werkkunstschule Offenbach (der heutigen Hochschule für Gestaltung) lobte im Juli 1952 einen disziplinierten und fleißigen Studenten, gewährte ihm in seinem Studienfach Grafik allerdings nur ein „Befriedigend“. Das mag möglicherweise mit der etwas lax aufgefassten Anwesenheitspflicht zu tun gehabt haben. Kurt Halbritter hat die Werkkunstschule ohne Abschluss verlassen, aber trotzdem seinen Weg gemacht. Als Illustrator und Karikaturist gehörte er bald zu den bekanntesten Zeichnern in Deutschland.

Die einen kannten ihn als Verfasser der „Schmunzelbücher“, andere als Karikaturisten der einst immens erfolgreichen Satirezeitschrift „Pardon“, zu deren Gründungsredaktion er gehörte. Und selbst wer zu keiner dieser Publikationen griff, dürfte in den 1960er Jahren Halbritters Strich gekannt haben – zumindest im Rhein-Main-Gebiet. Der 1924 im Frankfurter Stadtteil Rödelheim geborene Zeichner illustrierte nämlich die Werbekampagne „Dir und mir – Binding-Bier“, in der unter anderem die „Frankfodderisch“ parlierenden Figuren „Schorsch und Schaa“ auf Bierdeckeln und Postkarten ihren Schabernack trieben.

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Von prägendem Einfluss war Halbritter aber weniger auf Bierfreunde als vielmehr auf eine junge Gilde angehender Satiriker und Karikaturisten, mit denen er in der „Pardon“-Redaktion zusammenarbeitete. Der einst für „Pardon“ und später für den „Stern“ tätige Reporter Gerhard Kromschröder erinnerte sich gestern in Frankfurt an seinen Kollegen: „Kurt Halbritter war für uns Junge der arrivierte Buchautor, der sich aber eine Haltung bewahrt hatte. Er war ja noch im Krieg als Marinesoldat und dann in Gefangenschaft. Er ist als Pazifist zurückgekehrt und hat sich fortan stets für eine entmilitarisierte Gesellschaft eingesetzt.“ Diese Haltung und ein teils skurriler Humor imponierten auch Zeichnern wie F.W. Bernstein, Chlodwig Poth, F.K. Waechter, Robert Gernhardt und Hans Traxler, mit denen er bei „Pardon“ wirkte und die später als „Neue Frankfurter Schule“ berühmt werden sollten. Hans Traxler bezeichnet ihn als Vorbild jener Schar, die das Satiremagazin „Titanic“ gründen sollte. Halbritter war dabei nicht an Bord. Er war überraschend am 21. Mai 1978 während einer Irlandreise gestorben. Er wurde 54 Jahre alt.

Mit der Zeit geriet der Zeichner in Vergessenheit, allerdings nicht ganz. Halbritters Nachlass ging an das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte, das in den vergangenen Jahren Arbeiten zukaufte und nun über rund 5000 Exponate verfügt. Eine Auswahl davon war bereits 1999 in der noch von Robert Gernhardt kuratierten Schau „Mann unter Strom“ im Karmeliterkloster zu sehen.

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Selbstportrait, 1977

Sie führt Halbritters Vielseitigkeit mit solch unterschiedlichen Figuren wie dem gutmütigen Häftling Johannes, der frechen „Minderjährigen“ oder auch den Zwergen aus „Heimat deine Zwerge“ vor. Als wichtigstes Vermächtnis ist aber sein 1968 erschienenes Buch „Adolf Hitlers Mein Kampf“ zu werten, das auf frappierende Weise die Mitläufer des Nazi-Regimes karikiert. Es zeigt die kleinbürgerliche Idylle, die Halbritter in seiner Jugend erlebte und in der doch der spätere Wahnsinn der NS-Zeit eine wichtige Quelle hatte. Gerhard Kromschröder nennt das lange vergriffene Buch ein „Epochenwerk“, das nun rechtzeitig zur Ausstellung neu aufgelegt worden ist, ebenso übrigens wie „Halbritters Tier- und Pflanzenwelt“, das den Künstler abseits seines politischen Wirkens zeigt. Auch diese grotesk-humorige Seite Kurt Halbritters lohnt das Wiederentdecken. (Christian Riethmüller)

Und um genau dieses Wiederentdeckens geht es mir in diesem Beitrag. Es war ja schon erstaunlich, dass der Goldmann Verlag dieses Buch (ca. 110 nicht numerierte Seiten), das ursprünglich 1985 im Carl Hanser Verlag, München/Wien erschien, nochmals auf den Martk brachte und das 10 Jahre nach seinem Tod.

Und so etliche dieser Karikaturen aus den 70er Jahren sind – erschreckend genug – auch heute noch aktuell … das macht mich wieder mal sehr nachdenklich … gesellschaftliche Veränderungen dauern halt ihre Zeit, verdammt nochmal !

Und mehr als einmal bleibt einem wiedermal das Lachen im Hals stecken, so treffend und so pointiert trifft er den Nagel auf den Kopf.

Und auch sein Pinselstrich ist – aus meiner Sicht – von besonderer Güte.

Dieser Beitrag zu erstellen war schon ein wenig aufwendig … aber das war mir der Kurt Halbritter allemal wert… denn er spricht mir so aus dem Herzen und er sollte nun wahrlich nicht vergessen werden.

Und hier nun eine kleine Auswahl aus dem Buch:

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Aus dem Vorwort von Klaus Staeck

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Hier stehen ja Sachen drin, wo wir vom Verfassungsschutz nicht mal eine Ahnung haben

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Ich habe nichts gegen Ausländer, nur ih mag sie nicht

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Himmel, Arsch und Zwirn, diese Atheisten ! Wenn sie es schaffen, daß in den Schulen nicht mehr gebetet wird, müssen wir es womöglich wieder zu Hause tun.

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Den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit müssen wir zurückweisen, schließlich haben wir die Stelle des dritten Beirats mit einer Frau besetzt.

 

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Pscht – mach die Tür zu, wir wollen über Umweltschutz reden

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Bei allem Verständnis für moderne Lernmethoden halte ich ein gewisses Maß an Strenge und Autorität für erforderlich. Bei allem Verständnis für …

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Eine moderne Frau in einer modernen Küche an einem supermoderen Herd, was willst du noch mehr

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Ich verbiet dir, das Wort „Sexualaufklärung“ im Munde zu führen ! Merke: Dein Vater hat dich nicht aus Lust gezeugt

Beispiel13

Sie werfen mir Frauenfeindlichkeit vor – Glauben sie, ich hätte geheiratet, wenn das so wäre ?

Beispiel14

Mit dem Antrag  sind Sie bei mir völlig falsch, da müssen Sie in die Hauptstelle Rosenplatz, die sagen Ihnen dann, wohin Sie sich wenden können.

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… und hilf auch dem Atheistenbengel zum rechten Glauben, Amen!

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Jeder Scheiß wird heutzutage gedruckt, nur meine rnicht

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Na Alterchen, dich brauchen sie wohl nicht mehr

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Von denen wollen bestimmt einige in den öffentlichen Dienst, die werden sich wundern

Beispiel19

Erst wirb man und verkauft uns den ganz Scheiß, jetzt sollen wir Energie sparen

Beispiel20

Ohrfeige wegen eines freundlichen Klaps auf den Po – wo leben wir denn !

Beispiel21

Wäre das ein Hund, könnten wir den Tierschutz anrufen, doch hier sagt man: Kümmern Sie sich um Ihre Angelegenheiten.

Beispiel22

Ein schreckliches Kind ! Jedesmal wenn du ihn fragst, was er sich wünscht, sag er : „Weiß ich nicht !“

Beispiel23

Jeden Morgen tut er so, als ginge er zur Arbeit, dabei ist er seit sehs Monaten schon seine Stelle los.

Beispiel24

Wenn da Kommunisten unterschrieben haben, unterschreibe ich nicht.

Beispiel25

Wenn es unseren Politikern gelingt, die Krisenherde dort zu halten, wo sie sind, geht es uns gar nicht so schlecht.

Beispiel26

Unsere Entwicklungshilfe nehmen sie, aber der Service hier ist zum Kotzen.

Beispiel27

Natürlich muß diese Gesellschaft verändert werden, aber nicht jetzt und auf unsere Kosten.

Beispiel28

Muß ich ihm die Hand geben ?

Beispiel29

Wenn ich was zu sagen hätte, gäbe es keine dreckigen Gammler mehr, keine schmutzigen Italiener und keine stinkenden Türken. Dann wär´ aich die Luft wieder sauber.

Beispiel30

Bis vor kurzem glaubte ich noch, unsere Jugend sei restlos verdorben.

Beispiel31

Als Vertreter dieser Partei wehre ich mich gegen den Begriff Sozial-Liberal. Wir sind liberal.

Beispiel33

Es weht ein neuer Geist des Machbaren über die Ruinen begonnener Atomkraftwerke.

Beispiel34

Wenigstens über die Feiertage könnten sie ja das Schießen einstellen.

Beispiel35

Hätte man denen als Kind öfter mal den Arsch versohlt, gäb´s heute keine Terroristen.

Beispiel36

Die Gründung dieser Bürgerinitiative richtet sich in keiner Weise gegen die Behinderten-Anstalt, sondern den Ort hier, den wir für völlig ungeeignet halten.

Beispiel37

Diese Antikernkraftmolukken sollte an vergasen, die gefährden nur unsere Arbeitsplätze.

Beispiel38

Die größte Angst, habe ich vor der Angst.

Beispiel39

Habe ich euch zu viel versprochen ? Dort ist Sonne.

Beispiel40

 

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Beispiel41

Beispiel43

Das Grab von Kurt und Elise Halbritter auf dem Frankfurter Hauptfriedhof