Lerryn – „… erkämpft das Menschenrecht“ (1977)

frontcover1Der Dieter Dehm alias Lerryn gehört wohl zu den schillersten Persönlichkeiten der westdeutschen Musikszene ab den 70er Jahren. Manch einer würde wohl eher schreiben „gehört zu den zwiespältigsten Persönlichkeiten der westdeutschen Musikszene ab den 70er Jahren“.

Diether Dehm (* 3. April 1950 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Musikproduzent, Liedermacher und Politiker (SPD/PDS/Die Linke). Von 1999 bis 2003 war er einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der PDS, von 2004 bis 2010 war er Landesvorsitzender seiner Partei in Niedersachsen. Seit 2010 ist er Schatzmeister der Europäischen Linken. Dem deutschen Bundestag gehörte er 1994 und seit 2005 an. In den 1970er Jahren wurde Dehm vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Inoffizieller Mitarbeiter geführt. Dehm erklärte dazu, dass das MfS ihn abgeschöpft habe. Der von ihm geschriebene Song 1000 und 1 Nacht war 1984 mehrere Wochen in den Charts.

Dehm besuchte die Frankfurter Helmholtzschule, studierte Sonder- und Heilpädagogik und absolvierte 1972 die Diplomprüfung; 1975 wurde er zum Dr. phil promoviert.

Er ist Geschäftsführer des Musikverlags „Edition Musikant GmbH“, im Gesellschafterausschuss von Hitradio FFH, Autor, Unternehmer und MdB. Ab 2004 war Dehm Lehrbeauftragter an der Hochschule Fulda, wo er Kulturmanagement und Kreativschreiben unterrichtete. Dehm ist Mitglied im Deutschen Textdichter-Verband. Im Europaverband der Selbständigen Deutschland ist Dehm ehrenamtliches Mitglied des Parlamentarischen Beirates.

In den späten 1960er Jahren begann Dehm, eigene Protestlieder zu schreiben und vorzutragen. Er war Preisträger bei den Internationalen Essener Songtagen für sein Lied Karriere. LPs mit Songs von ihm sind: … erkämpft das Menschenrecht (1977/78 für das SPD-Mitgliedermagazin produziert),[2] Der Sänger mit den besseren Liedern; Goya malt Karl den IV. (1982 mit Albert Mangelsdorff, Manfred Schoof, Heiner Goebbels u. a.); Abweichend (mit bots 1984); Arbeiterlieder (mit Heiner Goebbels u. a.); Das weiche Wasser (1988 mit Willy Brandt, Heinz Rudolf Kunze, Götz George, Senta Berger u. a.).

lerryn_1976Eine Zeitlang nutzte Dehm den Künstlernamen „Lerryn“, zu dessen Entstehung es unterschiedliche Narrative gibt. Er selbst sagte, er habe diesen Namen nach dem schottischen Ort Lerryn ausgewählt, indem er mit geschlossenen Augen auf eine Landkarte tippte. Laut taz und Spiegel hingegen ist „Lerryn“ ein Portmanteauwort aus zwei Spitznamen Dehms, nämlich Larry und Lenin.

Dehm begründete 1971 in Frankfurt die städtische Reihe Lieder im Park, die danach von mehreren bundesdeutschen Städten kopiert wurde. Dabei arbeitete er eng mit dem Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann zusammen, der einige von Dehms Kulturprojekten in seinen Büchern zur Nachahmung empfahl. 1974 gehörte er zu den Mitgliedern des Koordinationsausschusses der AG Song – Arbeitsgemeinschaft der Liedermacherinnen und Liedermacher, die zeitweise 1400 Liedermacher umfasste.

Dehm übersetzte einige Lieder der niederländischen Folkrock-Band Bots ins Deutsche, darunter die bekannt gewordenen Liedtitel Was woll’n wir trinken 7 Tage lang, Das weiche Wasser bricht den Stein sowie Aufsteh’n. Ab 1980 betätigte er sich als Autor und Co-Autor diverser Musik-, Rock- und Kabarett-Künstler wie Klaus Lage, Dieter Hildebrandt und Albert Mangelsdorff.

Im Jahre 1983 gründete er sein eigenes Schallplattenlabel Musikant unter dem Dach der EMI Elektrola. 1985 war er an der Gründung des Vereins Künstler in Aktion beteiligt, er wurde gemeinsam mit Klaus Lage, Udo Lindenberg, Heinz-Rudolf Kunze und Dietmar Schönherr Vorstandssprecher.

Er ist Autor diverser Unterhaltungs- und Satire-Sendungen im Fernsehen (z. B. Hurra Deutschland oder Öko-SAT mit Stephan Wald, Ingolf Lück, Hans Werner Olm). Ab 1989 war er Manager und Medienberater von Katarina Witt, Klaus Lage, bots, Stoppok und Andreas Wecker. Ab 1990 arbeitete Dehm an dem 1996 gesendeten Fernsehfilm Die Eisprinzessin, Text und Musik Diether Dehm, in der Titelrolle Katarina Witt. Dehms Musical Stars wurde 1996 in Nordhausen uraufgeführt.

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1991 mit der Eiskunstläuferin Kati Witt, die Dehm damals managte

Dehm hat (meistens als Liedtexter) über 600 Lieder auf Tonträgern veröffentlicht, unter anderem mit und für Joe Cocker, Curtis Stigers, La Bouche, Christopher Cross, Ute Lemper, die Drum-Performance Stomp und in Deutschland mit und für Klaus Lage, Anne Haigis, bots, Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg, Emma, Stoppok, Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, Hans Werner Henze, Tony Carey, Zupfgeigenhansel, Gisela May, Sebastian Krumbiegel, Geier Sturzflug. Sein meistverkauftes Lied ist 1000 und 1 Nacht, das Klaus Lage 1984 aufnahm.

Im Jahr 2000 entstand der Milchmädchenreport, der im Berliner Ensemble und im Staatstheater Kassel aufgeführt wurde. Seit Jahren arbeitet Dehm mit Künstlern wie Peter Sodann, Konstantin Wecker, Rolf Hochhuth oder der Thüringer Band Emma zusammen.

Im Jahre 2006 erschien Dehms Album Adelante con Rosa, Brecht y Che, auf dem er unter anderem Texte von Pete Seeger, Rosa Luxemburg, Che Guevara und Bertolt Brecht verarbeitete. Auf der 2012 erschienenen CD Grosse Liebe.Reloaded des Bandprojektes „Diadem“ interpretiert er eigene Lieder sowie Titel der Beatles.

Mit 15 Jahren trat Diether Dehm der Jugendorganisation Die Falken und der SPD (Bezirk Hessen-Süd) bei, wo er sich zunächst in die Jugendorganisation Jusos einbrachte.

Zur Bundestagswahl 1990 kandidierte er auf der Landesliste der Hessen-SPD. 1993 wurde er in den Magistrat der Stadt Frankfurt gewählt, dem er bis 1997 angehörte. Am 18. August 1994 rückte er für die Abgeordnete Barbara Weiler in den Bundestag nach.

Von 1995 bis 1997 war er Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD. 1997 wurde Dehm zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD-Unternehmer gewählt. Er unterstützte Kultur- und Zeitschriftenprojekte, unter anderem die Zeitschrift spw.

Über die parlamentarische Vorbereitung des Jugoslawien-Kriegs geriet er zunehmend in Konflikt mit der SPD-Spitze und trat schließlich 1998 zusammen mit 24 weiteren Frankfurter Sozialdemokraten aus der Partei aus. (Quelle: wikipedia)

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Seitdem ist er Mitglied der PDS/Die Linke und hat immer wieder mal dafür gesorgt, dass er in die Schlagzeilen kam. Ob seine tatsächliche oder angebliche Verquickung mit der Stasi, ober sein Disput mit dem Bundespräsidenten Gauck:

„Vor der Bundespräsidentenwahl bezeichnete Dehm den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck als „Brunnenvergifter“ und „Hexenjäger“, dessen Reden „rufmörderisches Gequäke“ seien.[24][25][26]

Am Rande der 14. Bundesversammlung am 30. Juni 2010, für die Christian Wulff (CDU) und Joachim Gauck als aussichtsreichste Kandidaten nominiert worden waren, wurde er von einem Journalisten des ZDF gefragt, ob er jetzt doch Gauck wählen müsse. Dehms gesendete Antwort lautete:

„… Was würden Sie denn machen, Sie hätten die Wahl zwischen Stalin und Hitler? Was würden Sie denn machen, wenn Sie die Wahl zwischen Pest und Cholera haben? Das sind hypothetische Fragen. Warum soll ich mich zwischen etwas entscheiden, was beides Krieg und sehr viel Leid für Hartz-IV-Empfänger und sehr viel Leid übrigens auch für Gewerkschafter in diesem Land bedeutet?“

Am nächsten Tag entschuldigte sich Dehm bei den beiden Präsidentschaftskandidaten, falls sie sich „in die Nähe von Hitler und Stalin gerückt fühlen sollten“.[28] Auch von führenden Politikern seiner eigenen Partei gab es Kritik an dem Vergleich.[29] Renate Künast (Grüne) forderte eine „echte Entschuldigung“ von Dehm für seinen Stalin-Hitler-Vergleich.(Quelle: wikipedia)

Und dann wurde noch im Februar 2016 bekannt, „dass Dehm seit einigen Jahren den ehemaligen RAF-Terroristen und 1985 wegen mehrfachen Mordes verurteilten Christian Klar als freien Mitarbeiter für die technische Pflege der Website des Bundestagsabgeordneten beschäftigt. Der Sachverhalt wurde bekannt, als Dehm für Klar einen Hausausweis des Bundestages beantragte und dies abgelehnt wurde.Abgeordnete von CDU/CSU kritisierten das Beschäftigungsverhältnis scharf.“ (Quelle: wikipedia)

textheft01aAls diese Aufnahmen im Jahr 1977 entstanden, was Lerryn noch fest in der SPD verankert. Und so kam es wohl, dass die SPD Mitgliederzeitschrift „Sozialdemokrat Magazin“ (eigentlich müsste ich noch ein paar Exemplare davon in meinem Keller haben *ggg*), ihm den Auftrag gab, „Lieder von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ zu produzieren.

Im Klartext: Klassiker des sozialistischen Liedergutes wurden neu eingespielt. Da erklingen dann das berühmte Bürgerlied von 1848 sowie Die Internationale“ oder auch Brecht´s „Solidaritätslied“.

Ein wenig stolz verkündet der Hüllentext, dass mit Ausnahme von Lerryn und Wolfgang Maus alle Mitwirkende Amateure seien.

Wäre man bös, könnte man nun schreiben … das hört man auch … aber ich empfinde diese eben nicht professionellen Darbietungen ein wenig rührend und durchaus passend. Die früheren Genossen hatten schließlich auch keine Gesangsausbildung.

Der Lerryn allerdings war allerdings ebenfalls auch limitiert … so ein ganz großer Musiker war er wohl nie. Am deutlichsten wird dies bei „Joe Hill“ (vielleicht wollte man damit die „Woodstock Generation“ ansprechen) … Seine Interpretation ist irgendwie holprig, aber da hat man natürlich immer wieder die beeindruckende Fassung von Joan Baez im Ohr.

Dem Album spendierte man dann auch noch ein Textheft mit Übersetzungen der fremdsprachigen Titel. Und dann gibt es noch ein liebevoll gestaltetes Cover mit ergänzenden Informationen zu den einzelnen Lieder … so mag ich das !

Von daher: ne runde Sache …  und ja … mag das eine oder andere Lied heute ein wenig antiquiert wirken … vergessen sollten wir nie … dass es all die früheren Generationen von Gewerschaftern und Sozialdemokraten waren, die vieles von dem erkämpft haben, was für unsere Generation heute selbstverständlich ist. Und leicht wurde es ihnen dabei wahrlich nicht gemacht.

Von daher. großer Respekt meinerseits vor diesem musikalischem Rückblick !

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Besetzung:
Lerryn (vocals)
+
Bernhard Dill – Eckart Schneider – Hermann Overstolz – Juan Miranda – Karlheinz Peterle, – Tito – Wolfgang Maus – Wolfgang Rehmert
+
Song-Gruppe Fa Pa Bosch

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Titel:
01. Bürgerlied von 1848 (Traditional) 2.45
02. Bundeslied des ADAV (Herwegh/Heinz) 2.24
03. Sozialistenmarsch (Kegel/Gramm) 1.41
04. Dem Morgenrot entgegen (Eildermann/Traditional) 2.28
05. Brüder, zur Sonne, zur Freiheit (Radin/Scherchen) 1.12
06. Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘ (Claudius/Englert) 1.51
07. Solidaritätslied (Brecht/Eisler) 1.57
08. Die Internationale (Luckhardt/Pottier/Degeyter) 3.05
09. Dänischer Sozialistenmarsch (Overby/Rasmussen) 2.07
10. Joe Hill (Hayes/Robinson) 2.17
11. Die Arbeiter von Wien (Brügel/Traditional) 2.20
12. Grândola, vila morena (Alfonso) 2.08
13. Venceremos (Iturra/Ortega) 2.20

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