Brüder Grimm – König Drosselbart (Hörspiel) (ca. 1969)

FrontCover1Selten genug, dass hier auch mal von Märchen gesprochen wird, nun ist es aber mal wieder soweit:

König Drosselbart ist ein Märchen (ATU 900). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 52 (KHM 52). Bis zur 2. Auflage schrieb sich der Titel König Droßelbart.

Eine Königstochter verhöhnt alle geladenen Freier, besonders einen König mit schiefem Kinn, seither genannt Drosselbart. Zornig gibt ihr Vater sie einem bettelnden Spielmann, der sie heimführt. Unterwegs bewundert sie schöne Besitzungen und erfährt voller Reue, dass alles König Drosselbart gehört. Sie muss in des Spielmanns Häuschen arbeiten, der betont ihre Unfähigkeit. Flechten und Spinnen misslingt ihr, so muss sie Geschirr auf dem Markt anbieten. Die Leute kaufen gern, doch das zweite Mal zerbricht ihr ein betrunkener Husar zu Pferde die Ware. Ihr Mann schimpft und schickt sie als Küchenmagd ins Königsschloss, wo sie aushilft und Essensreste heimbringt. Zur Hochzeit des Königspaares will sie zusehen, doch König Drosselbart zerrt sie auf die Tanzfläche, dass ihr die Reste aus den Taschen fallen, holt sie auf der Treppe ein und gibt sich zu erkennen. Er hatte sich als Spielmann verkleidet, ihren Hochmut zu strafen, und war auch der Husar gewesen. Sie feiern Hochzeit.
Stil

Das Märchen erhält schwankhafte Züge durch die spitzen Reden der Königstochter („das Weinfaß!“ etc.) und ihre Ahnungslosigkeit. Unterwegs sagt sie:

„ach, wem gehört der schöne Wald?“ [1. Aufl.: „ach, wem gehört doch…“]
„Der gehört dem König Drosselbart;
hättst du’n genommen, so wär er dein.“
„Ich arme Jungfer zart,
ach, hätt ich genommen den König Drosselbart!“ [1. Aufl.: „ach hätt‘ ich doch genommen…“]

„wem gehört die schöne grüne Wiese?“ [1. Aufl.: „wem gehört wohl…“]
„Sie gehört dem König Drosselbart;
hättst du’n genommen, so wär sie dein.“
„Ich arme Jungfer zart,
ach, hätt ich genommen den König Drosselbart!“ [1. Aufl.: „ach hätt‘ ich doch genommen…“]

„wem gehört diese schöne große Stadt?“ [bis 5. Aufl.: „wem gehört wohl…“]
„Sie gehört dem König Drosselbart;
hättst du’n genommen, so wär sie dein.“
„Ich arme Jungfer zart,
ach, hätt ich genommen den König Drosselbart!“ [1. Aufl.: „ach hätt‘ ich doch genommen…“]

„ach, Gott, was ist das Haus so klein! [bis 5. Aufl.: „ach Gott, was für ein Häuselein“]
wem mag das elende winzige Häuschen sein?“

Briefmarkenserie, DDR (1967)

Die Demütigungen steigern sich vom Anblick der Güter und des Häuschens zu den niederen Arbeiten und Angst vor Spott durch „Leute aus meines Vaters Reich“ auf dem Markt. Wilhelm Grimm rundete den Schluss durch erneute Beschämung mit zerbrechenden Töpfen vor dem Hofstaat und abschließende Reue: „…sie war so beschämt, daß sie sich lieber tausend Klafter unter die Erde gewünscht hätte“ (vgl. KHM 47); „Ich wollte, du und ich, wir wären auch dabei gewesen“ (vgl. KHM 134).
Herkunft

Jacob Grimms handschriftliche Urfassung von 1810 (nach Familie Hassenpflug) ist im Erstdruck von 1812 (nach Dortchen Wild) durch den Hochzeitsbesuch am Schluss, die Zwischenepisode mit Flechten und Spinnen, außerdem mehr wörtliche Reden und Reime ausgeschmückt. Die Fülle redensartlicher Schmähungen der Freier, die ab der Zweitauflage 1819 zu Anfang steht, stammt offenbar aus einer Fassung aus dem Paderbörnischen (wohl nach Ludowine von Haxthausen), deren Beginn die Anmerkung wiedergibt: Sie sieht durchs Fenster, wie der Spielmann mit goldenem Rädchen und Häspelchen musiziert. Als kein Goldschmied ihres Vaters dergleichen machen kann, verspricht sie für das Geheimnis die Heirat. In einer vierten Erzählung (vielleicht nach Friederike Mannel) muss Bröselbart raten, von welchem Tier ein Fell stammt, rät absichtlich falsch und kommt als Bettler wieder (vgl. Prinzessin mit der Laus). Grimms nennen noch Pröhle Kindermärchen Nr. 2, Pentameron IV,10 Der bestrafte Hochmut, norwegisch bei Asbjörnsen Thl. 2 Halon Borkenbart und ein Lied von Mithard (Beneke Beiträge S. 291).

Hans-Jörg Uther nennt als Vorläufer die mittelhochdeutsche Märe Diu halbe bir und die isländische Clárus saga aus dem 13. bzw. 14. Jahrhundert, sowie in Basiles Pentameron IV,10 Der bestrafte Hochmut,[3] vgl. ferner I,5 Der Floh, III,1 Cannetella. Dass der Vater die Demütigung erzwingt, ist erstmals durch Grimms Fassung belegt,[4] vgl. KHM 1 Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich, KHM 111 Der gelernte Jäger. Vgl. KHM 71 Sechse kommen durch die ganze Welt, KHM 134 Die sechs Diener, KHM 191 Das Meerhäschen; Luigi Alamannis Die Gräfin von Toulouse;[5] William Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung. Rache und Verführung durch den abgewiesenen Werber ist eine beliebte Grundkonstellation mittelalterlicher Schwank- und Märenliteratur. Die zänkische Weiberrede hat literarische Tradition und ähnelt hier stark Von den meiden in Hugos von Trimbergs Der Renner (zu „der Zinshahn!“ vgl. KHM 179). Walter Scherf vergleicht andere Fassungen. Offenbar im Hinblick auf die kindgerechte kleine Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen wählte Wilhelm Grimm grade diesen einfachen Text, der nun so bekannt ist.

Eines Abends soll Fürst Leopold von Anhalt-Dessau die Dessauer Spittelstraße hinaufgeritten sein. Als er dabei an den Topfwarenhändlerinnen vorbeiritt, fragte er, wie denn das Geschäft gewesen sei. Die Topfhändlerinnen klagten und lamentierten. Daraufhin ritt der Fürst mitten in die Topfwaren hinein, so dass bald nur noch Scherben zu sehen waren. Die Marktfrauen schrien und heulten, doch je mehr sie das taten, umso ungestümer verhielt sich ihr Landesherr. Am Ende war kein einziges Stück mehr ganz. Als der Fürst alles zerritten hatte, forderte er die Marktweiber auf, gleich mit aufs Schloss zu kommen und er bezahlte ihnen den angerichteten Schaden Heller bei Pfennig, so dass die Weiber doch noch einen guten Markt gemacht hatten. Es ist überliefert, dass die Brüder Grimm von dieser Begebenheit gehört haben.

Aus der Textgeschichte schließt Ines Köhler-Zülch, dass die Erzähler vor Leichtsinn und Hochmut warnen, den Wert von Arbeit und Demut hervorheben oder soziale Ungleichheit thematisieren wollten, oder es handelt sich um Männerphantasien vom Brechen der Frau. Der Erzähler kann mehr ihre Erziehung oder die männliche Rache in den Vordergrund stellen.

Beispiel01

Laut Hedwig von Beit beruht die Ablehnung der Freier auf unbewusster Vateridentifikation (Animus), was zu Isolation führt, die andererseits durch die Animusgestalt des fremden Bettlers durchbrochen wird. Sein Bart verweist in anderen Fassungen auf Teufel oder Odin, seine Musik verführt oder aber führt zum Selbst. Die Entrückung konfrontiert zugleich mit realer Härte des Lebens. Statt männlicher Selbstherrlichkeit wird nun ihre Weiblichkeit ebenfalls zunächst übertrieben exponiert. Das führt zu erneuten Affektausbrüchen, bis die auseinandergerissenen Gegensätze, naturhafte und geistige Anteile auf höherer Ebene integriert werden (Hochzeit). Die weibliche Psyche durchlebt also schattengleiche Lebensform und erkennt ihr höheres Selbst. Eine Deutung von der männlichen Psyche aus müsste dagegen eine leidensreiche Suche der Seele nach dem Selbst annehmen.  Der Homöopath Martin Bomhardt vergleicht das Märchen mit dem Arzneimittelbild von Platin. Wilhelm Salber sieht Spannungen zwischen Erhaltung und erst für unmöglich gehaltener Wandlung, was sich strafend aneinander rächt. Der Psychotherapeut Jobst Finke sieht auch eine Deutungsmöglichkeit als sadomasochistische Paarbeziehung (nach Willi), die relativ stabil sein kann, sobald einer resigniert, wobei der andere sich immer wieder von dessen Unterwerfung überzeugen muss.

Vgl. in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch am ehesten Vom Zornbraten. In Janoschs Parodie brennt sie mit Drosselbarts Sohn durch, bis die Freiheit anstrengt, sie erkennen sich und sind zusammen reich. Eine Version des Märchens erscheint in David Drakes Fantasyroman Servant of the Dragon (1999) und in Bill Willingham Comic Fables (ab 2002). Ein Manga zu König Drosselbart erschien 2012 von Mikiko Ponczeck. (Quelle: wikipedia)

Beispiel02Es hat sich ja schon seit längerem eingebürgert, Märchen auch psychoanalytischen Interpretationen zu unterziehen und das ist ja auch soweit ganz in Ordnung (wenn man denn sowas mag).

Bei diesem Märchen bleibt mir allerdings die Spuke weg, und die durchaus saditischem Aspekte von Märchen kommen hier sowas von eindeutig zum tragen … Oder anders ausgedrückt: viel frauenfeindlicher geht´s nicht mehr. Da hatte halt eine junge Frau noch keine Lust zu heiraten, dafür wird sie dann ganz ordentlich abgewatascht … nach dem Motto: Mädels … merkt euch das.

Und die Moral von der Geschicht: Mädchen widersprecht eurem Vater nicht !

Hübsch anzusehen sie die viele Illustrationen im Begleitheft, aber wenn einer – ich glaube in ebay war´s – behauptet, diese Schallplatte stamme aus dem Jahr 1960, dann glaube ich das einfach mal nicht, denn gerade die Illustrationen entsprechen wohl nicht dieser Dekade. Andere Quellen sprechen von 1964, aber auch da habe ich meine Zweifel. Im Begleitheft findet sich eine persönliche Widmung, die vom 1. April 1970 stammt … ich datiere diese Single also einfach mal auf das Jahr 1969 oder so.

Die Gebrüder Grimm

Besetzung:
Heinz Baumann (König Drosselbart)
Herbert Schimkat (König)
Harald Vogelsang (Erzähler)
Ursula van der Wielen (Prinzessin)

Regie: Heinz Schimmelpfennig
Bearbeitung: Heinrich Schmidt

Booklet02ATitel:
01. König Drosselbart (Teil 1) 6.33
02. König Drosselbart (Teil 2) 6.49

LabelB1

 

 

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Elmar Gunsch & Die Nürnberger Symphoniker – Peter und der Wolf + Die Geschichte vom faulen Bären (1981)

FrontCover1Das musikalische Märchen „Peter und der Wolf“ dürfte den meisten bekannt sein; aber zur Erinnerung hier die Inhaltsangabe:

Peter und der Wolf op. 67  ist ein Musikmärchen für Kinder von Sergei Prokofjew aus dem Jahre 1936. Ein Hörspielsprecher erzählt das Märchen des Komponisten und ein Sinfonieorchester verklanglicht es mit der Programmmusik des Komponisten. Das Werk hat das Ziel, Kinder mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen. Heute ist es Prokofjews bekanntestes Werk und weltweit eines der am meisten gespielten Werke klassischer Musik.

Peter, ein kleiner Junge, lebt mit seinem Großvater im ländlichen Russland. Ein langer Winter ist vorbei. Am ersten Frühlingsmorgen öffnet Peter vergnügt das Gartentor und geht hinaus auf die große Wiese vor dem Haus. Dort begrüßt ihn sein kleiner, freudig aufgeregt zwitschernder Freund, der Vogel. Beide setzen sich auf einen Baum und der Vogel zeigt ihm dort den Grund für seine Freude, sein Nest, in dem sechs frisch gelegte Vogeleier liegen. Während Peter und der Vogel sich auf dem Baum vergnügen, ist noch eine Freundin von Peter mit heftigem Frühlingsfieber aufgewacht: eine leicht verwirrte Ente. Die Ente weiß, dass sie im Garten bleiben soll, aber der Winter war auch ihr sehr lang geworden, und sie will so gerne wieder einmal richtig schwimmen. „Na ja, der kühle, blaue Teich ist doch nur ein paar Watschelschritte entfernt“, denkt sich die Ente und watschelt heran. Sie stürzt sich ins Wasser. Als der Vogel die Ente sieht, fliegt er zu ihr und meint hämisch: „Was bist du für ein Vogel, wenn du nicht fliegen kannst?!“ Da erwidert die Ente: „Und was bist du für ein Vogel, wenn du nicht schwimmen kannst?!“ So gibt ein Wort das andere, bis ein anderes Wesen auf leisen Pfoten durch das Schilf geschlichen kommt: Peters Kater. Er hört den Vogel. „Der Vogel ist damit beschäftigt, sich mit der Ente zu beschäftigen“, denkt der Kater, „wenn ich mich näher heranschleiche, dann kann ich ihn vielleicht erwischen.“ Der Kater stürzt sich auf den Vogel, aber der ist blitzschnell in der Luft. „Na ja, da ist ja auch noch die Ente“, denkt sich der Kater. Aber damit hat er auch nicht mehr Glück. Da kommt Peters Großvater über die Wiese gestampft und schimpft wie ein altes, rostiges Fagott, weil Peter alleine auf der Wiese ist und vergessen hat, das Gartentor zu schließen. Es sei sehr gefährlich auf der Wiese. Der Wald beginnt gleich hinter der Wiese und darin versteckt leben alle möglichen, wilden Tiere. Was wäre, wenn mit einem Male ein böser Wolf aus dem Wald käme und würde Peter fressen? „Du wärst dann in seinem Bauch!“, warnt er seinen Enkel. Mit Nachdruck warnt der Großvater Peter nochmals, dass die Sache mit dem Wolf nicht zum Lachen, sondern eine sehr ernste Sache sei. Aber ein Junge wie Peter hat keine Angst vor Wölfen. Der Großvater nimmt den Jungen, schließt das Gartentor und kommt mit Peter wieder ins Haus.

Sergei Prokofjew01

Sergei Prokofjew

Ganz plötzlich wird es auf der Wiese sehr still. Und dann, kaum hörbar, raschelt es im Laub am Ende der Wiese unter ein paar Bäumen, die am Rande des tiefen dunklen Waldes stehen. Der Wolf wittert die Ente. Er hört die Ente. Als erster sieht der Kater den Wolf. Dann sieht auch der Vogel den Wolf und versucht die Ente zu warnen. Aber es ist zu spät! Der Wolf packt die Ente und schluckt sie herunter.

Nun beginnt Peters großes Abenteuer.

Der Kater sitzt auf einem Ast, der Vogel auf einem anderen. Inzwischen läuft der Wolf um den Baum herum und beäugt den Kater und den Vogel mit gierigem Blick. Die Ente ist offenbar nur die Vorspeise gewesen. Peter ist wachsam und tapfer: „Ich muss etwas unternehmen“, denkt er sich und will den Wolf überlisten: Er holt ein Seil und klettert über die Gartenmauer und rennt schnell über die Wiese. Er muss den Wolf ablenken. Dann klettert er zu seinem Kater und dem Vogel in den Baum hinauf. „Nun sei doch nicht so ein Angsthase“, mahnt Peter seinen Kater. Er trägt dem Vogel auf, dem Wolf um den Kopf herumzufliegen, um ihn abzulenken. Sein Freund, der Vogel, macht dies, und das ärgert den Wolf sehr, denn er kann den Vogel nicht fangen. Nun schickt Peter seinen Kater mit einer Seilschlinge hinab, mit der sie den Wolf am Schwanz fangen. Peter fängt den Wolf, indem er sich am anderen Ende des Seils vom Baum lässt und den Wolf in der Seilschlinge an den Baum hängt. Der Wolf ist in die Falle getappt! Das ärgert ihn noch viel mehr.

Peter und der Wolf01

Da kommen die Jäger aus dem Wald und schießen auf den Wolf. Doch das will Peter nicht! Er hat eine viel bessere Idee: Der Wolf wird in den Zoo gebracht. Alle gehen hintereinander her: Peter, sein Großvater, sein Kater, die Jäger und eingesperrt der böse Wolf. Am Schluss hört man noch die Ente im Bauch des Wolfs quaken, „denn der Wolf hatte sie in der Eile lebendig hinuntergeschluckt.“

Sergei Prokofjew schrieb das Libretto für einen Hörspielsprecher, der das Märchen von Peter und der Wolf erzählend vorträgt.

Verschiedene Deutungen der Komposition reichen von einer „naiven Geschichte“ über das erfolgreiche Aufbegehren (Peter) gegen das Establishment (Großvater, Eltern, Partei?) bis zur Parabel über die junge Sowjetunion und das gierige kapitalistische Europa und Hitler-Deutschland. (uelle; wikipedia)

Weitaus weniger bekannt ist die B-Seite dieser LP.

Die Geschichte vom faulen Bären entführt den Hörer in eine paradiesische Tierwelt, in der der Löwe als König herrscht; in einer fernen Zeit, noch ganz nahe an der Schöpfung, als nämlich die Tiere noch keine Schwänze hatten, um lästige Fliegen zu verscheuchen.

Diesem Notstand hilft der gütige Monarch ab; er lässt eine große Auswahl kommen, so dass sich jeder seiner vierbeinigen Untertanen einen Schweif aussuchen darf. Natürlich kommt der blaue Fuchs als erster und kriegt den schönsten, dann Pferd, Eichhörnchen, Hund, Katze und schließlich der Hase. Nur der Bär, der lieber im Wald Honig schleckt, geht leer aus. Er wird aber von seiner kleinen Freundin Lisa mit einem großen Honigtopf entschädigt.

Noten

Mark Lothar öffnet den animalischen Zaubergarten sachte, bis der Löwe die Szene betritt. Er lässt die Vögel schwirren, die die Botschaft zu verkünden haben und porträtiert den tapsigen Bären mit der Solo-Tuba. Die Musik erzählt, wie Meister Petz den Bienen den Honig stehlen will, ihren surrenden Rache-Überfall, die Parade der Tiere, die Begegnung des Bären mit dem Mädchen im Wald, den Tanz der hohnlachenden Tiere über den Trottel im Zottelfell. Ein Tier-Märchen von poetischem Liebreiz!

Der Komponist Mark Lothar hat eine ziemlich üble, unrühmliche Biographie:

Mark Lothar (eigentlich Lothar Hundertmark; * 23. Mai 1902 in Berlin; † 6. April 1985 in München) war ein deutscher Komponist.

Er studierte in Berlin bei Franz Schreker, bei Walther Carl Meiszner (Klavier, 1921–1926) und in München bei Ermanno Wolf-Ferrari. Frühzeitig wurde Mark Lothar als Liedbegleiter berühmter Sänger und Sängerinnen bekannt, darunter Erna Berger und Hermann Prey sowie Corry Nera, die 1934 Lothars Frau wurde. 1933 wurde Lothar, der Mark LotharMitglied im völkisch gesinnten, antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur war, von Max Reinhardt als Musiksachverständiger an das Deutsche Theater berufen. 1934 erfolgte seine Berufung durch Gustaf Gründgens an das Preußische Staatstheater in Berlin, wo er bis 1944 als musikalischer Leiter tätig war. Während der NS-Zeit erhielt er verschiedene Kompositionsaufträge der Goebbels unterstellten Reichsstelle für Musikbearbeitungen. Im August 1944 wurde Lothar von Adolf Hitler in die Gottbegnadeten-Liste mit den in seinen Augen wichtigsten Komponisten aufgenommen, was ihn von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront bewahrte.

Ab 1945 arbeitete Mark Lothar am Bayerischen Staatstheater und ab 1955 als freischaffender Komponist in München.

Mit „Tyll“ errang er 1928 seinen ersten großen Opernerfolg. Diese humorvolle Spiel-Oper mit lyrischen und heiteren Partien begeisterte auch 1984 bei ihrer Wiederaufführung am Theater Oberhausen Publikum und Kritiker. „Tyll“ schlossen sich u. a. Opern wie „Münchhausen“ (1933), „Schneider Wibbel“ (1938), „Rappelkopf“ (UA: München 1958)[3] und „Momo und die Zeitdiebe“ (1978) an. Aus den 1930er Jahren stammt sein Bühnenwerk „Hans Sonnenstössers Höllenfahrt“.

Einen Namen erwarb sich Lothar auch als Komponist von Bühnenmusiken, Filmmusiken (zum Beispiel zu „Friedemann Bach“, „Zärtliches Geheimnis“ sowie zu „Faust“ von Gustaf Gründgens) und Liedern nach Texten von Hermann Löns, Joachim Ringelnatz, Christian Morgenstern und anderen. Großen Anklang findet sein Liederzyklus „Musik des Einsamen“ op. 69 nach Gedichten von Hermann Hesse, den auch Dietrich Fischer-Dieskau interpretierte. (EMI SME 91660)

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Solln in München. (Quelle: wikipedia)

Anders verhält es sich da bei dem Sprecher dieser Aufnahmen, Elmar Gunsch:

Elmar Gunsch (* 14. Januar 1931 im Vinschgau; † 3. Januar 2013 in Frankfurt am Main) war ein österreichischer Moderator, Autor und Schauspieler. Wegen seiner markanten, sonoren und weichen Bassstimme erhielt er den Beinamen The Voice (Die Stimme).

Elmar Gunsch wuchs im österreichischen Vorarlberg auf. Seine Eltern stammten aus Südtirol, der Vater war als Vertreter für Miederwaren viel unterwegs. Deshalb lebte Elmar Gunsch einige Zeit bei den Großeltern in Nürnberg, wo er am Hans-Sachs-Gymnasium sein Abitur machte. Er betätigte sich zunächst fünf Jahre lang als Schauspieler an Bühnen in Wien und Klagenfurt, bevor er 1957 Hörfunkmoderator wurde.

ElmarGunsch01

1961 ging er als Rundfunkjournalist zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt am Main. 1963 berichtete er vom Besuch des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in der Frankfurter Paulskirche. Ferner machte er Reportagen für die Sendungen Zeitfunk und Unterwegs in Hessen. Mitte der 1970er Jahre ging er zum Bayerischen Rundfunk, für den er bis in die 1990er Jahre arbeitete. Hier moderierte er zunächst die Sendung Funkpost und ab 1983 die Sendung Das geht ins Ohr, wo er Schlager und Evergreens vorstellte. Von 1980 bis 1983 arbeitete er auch für das deutsche Programm von Radio Luxemburg (RTL) sowie während der 1990er Jahre für den Hörfunksender SWF4 Rheinland-Pfalz.

Neben seiner Tätigkeit beim Radio war er Moderator von Fernsehsendungen in den Sendern ARD, Sat.1 und ORF 2 sowie Autor und Sprecher von Hörkassetten und Langspielplatten. Beim ZDF präsentierte er von 1978 bis 1986 donnerstags das Wochenendwetter nach dem heute-journal, die Sendungen Wiedersehen macht Freude (1978–1984) und Lustige Musikanten (von 1980 bis 1985, gemeinsam mit Carolin Reiber) sowie diverse Specials und wirkte in Sketchen der Kinderreihe Babbelgamm mit. Ende der 1980er Jahre wechselte Gunsch zu Sat.1, wo er eine eigene Show moderierte. In der Harald Schmidt Show trat er ab Januar 1998 mit Rezitationen von deutschen Übersetzungen bekannter Popsongs auf.

In den Jahren 2000 bis 2010 tourte er mit seiner Eigenproduktion „Eine Reise ins Reich der Phantasie“ zusammen mit der klassischen Gitarristin Barbara Hennerfeind durch Deutschland. Am Institut für Stimm- und Sprecherziehung in Bensheim war er als Dozent tätig. Im Fernsehen war Gunsch zuletzt am 18. Oktober 2008 im ARD-Fernsehspielfilm Das Musikhotel am Wolfgangsee zu sehen.

Kurz vor seinem 82. Geburtstag starb Elmar Gunsch an den Folgen eines Treppensturzes. Er wurde anonym in einem Friedwald im Taunus bestattet. (Quelle; wikipedia)

Es gibt ja unzählige Aufnahmen „Peter und der Wolf“ … hier ist halt eine weitere … und meine FRau Mama war damals ganz hin und weg von diesem Elmar Gunsch und seinem sonorem Bass …

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Besetzung:
Elmar Gunsch (Sprecher)
+
Die Nürnberger Symphoniker unter der Leitung von Klauspeter Seibel

Klauspeter Seibel

Klauspeter Seibel

Titel:

Peter und der Wolf:
01. Vorstellung der Personen und deren Instrumente 1.29
02. Peter 0.58
03. Der Vogel und die Ente 3.39
04. Die Katze schleicht heran 1.47
05. Der Großvater 2.24
06. Der Wolf erscheint 2.50
07. Der Wolf, die Katze und der Vogel 2.33
08. Peter fängt den Wolf 3.20
09. Die Jäger kommen aus dem Wald 2.16
10. Der Triumphzug 4.50

Musik und Text: Sergei Prokofjew

Die Geschichte vom faulen Bären:
11. Als die Tiere noch keine Schwänze hatten 3.06
8. Der tapsige, faule Bär 3.38
9. Die Tiere dürfen sich einen Schweif aussuchen 3.40
10. Die Begegnung des Bären mit dem Mädchen im Wald 4.29
11. Wie der Bär zu seinem Schwanz kam 4.10
12. Lisa und der versprochene Honigtopf 3.35

Musik: Mark Lothar; Text: Rolf Badenhausen

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ElmarGunsch02

Wunderland der schönsten Märchen – Der Rattenfänger von Hameln (1968)

Der Rattenfänger01AIn den Jahren des Wirtschaftswunder waren natürlich auch die Kleinen ein begehrtes Objekt der Unterhaltungsindustrie. Und nicht nur das Eropa-Label versuchte sich in die Herzen der Kinder und heranwachsenden Jugendlichen zu spielen.

Auch der Bastei-Lübbe Verlag versuchte mit der Serie „Wunderland der schönsten Märchen“ sich sein Scherflein zu verdienen.

Hier die Nr. 10 der Serie (die 14tägig erschien und DM 6,– kostete), die durchaus pfiffig konzipiert war: Einerseits gabs ein hochformatiges Bilderbuch mit dem Text dieses Märchen (das ich als bekannt voraussetze) und andererseits gab´s dann noch ne Single (mit 33 Umdrehungen) zum Nachhören.

Das Bilderbuch erschien ursprünglich 1966 in Italien, das Hörspiel wurde dann natürlich in Deutschland eingespielt.

Heute mag die Inszenierung natürlich ein wenig schlicht klingen, aber ich vermute mal, damals konnte sie schon etliche Kinderherzen erfreuen.

Beigefügt habe ich dieser Präsentation noch eine deutsche, illustrierte Ausgabe aus dem  Jahre 1889 … und bei wikipedia finden sich dann noch etliche weitere Hinweise für all jene, die sich vertieft mit diesem Märchen (eigentlich ja ne Sage) beschäftigen wollen. Ursprünglich ging diese Sage ja auf die Gebrüder Grimm zurück, wie es kam, dass sich auch der englischer Dramatiker und Dichter Robert Browning (* 7. Mai 1812 im Londoner Stadtteil Camberwell; † 12. Dezember 1889 in Venedig) mit dieser Materie beschäftigte, ist mir grad unbekannt. Auf jedenfall veröffentlichte er das Gedicht „The Pied Piper of Hamelin“, das sich mit dem gleichen Stoff beschäftigte).

Hier ein paar Vorschaubilder, bevor man sich dann dieses überformatige (deshalb keine scans, sondern fotografische Ablichtungen des Buches) zu Gemüte führen kann:

Der Rattenfänger05A

Der Rattenfänger07A

Der Rattenfänger13A

Besetzung:
Peter René Körner (Erzähler)
+
weitere, nicht genannte Mitwirkende

Bearbeitung: Ursula Feldhege

Vorder+RückseiteSingle.jpg

Vorder + Rückseite der Single

Titel:
01. Der Rattenfänger von Hameln (Teil 1) 8.24
02. Der Rattenfänger von Hameln (Teil 2) 7.35

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Gauki (das Maskottchen aus dem Wunderland der schönsten Märchen

Karlheinz Böhm – Antonio Vivaldi – Die vier Jahreszeiten für Kinder erzählt (1983)

FrontCover1.jpgHm, wie fange ich jetzt am besten an …

Also, scheinbar gab es 1972 in Frankreich eine Schallplatten-Serie, in der man versuchte, klassische Musik „kindgerecht“ aufzubereiten.

Diese Idee griff man dann auch – wesentlich später – in Deutschland auf.

Als Sprecher dieser MC konnte man den Karlheinz Böhm gewinnen und hier zum Einstieg in diese Edition (weitere Teile werden folgen), der Versuch, „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi an das Kind zu bringen.

Dazu bediente man sich eines „Märchens“ aus der Feder von Lucien Adès:

Lucien Adès (* 20. Januar 1920 in Constantine, Algerien; † 17. Juli 1992 in Paris), war ein französischer Autor und Produzent. Nach dem zweiten Weltkrieg eröffnete er in Paris eine Buchhandlung. In den folgenden Jahren entwickelte er das Konzept Bilderbücher mit Schallplatten zu kombinieren.

Als seine Schallplattenbücher gut von seinen Kunden angenommen wurden, verkaufte er seine Buchhandlung und stellte die Idee im Pariser Büro der Walt Disney Productions vor. Es kam zu einer Zusammenarbeit und in den nächsten 30 Jahren produzierte Éditions Lucien Adès zahlreiche Schallplattenbücher.

Lucien Adès

Lucien Adès

Das Konzept wurde in den USA adaptiert und dort ebenfalls sehr erfolgreich.

Für die französischen Ausgaben wurden bekannte Schauspieler engagiert, so übernahm z.B. beim Titel 20.000 lieues sous les mers (20.000 Meilen unter dem Meer) Jean Gabin die Rolle des Erzählers.

1997 wurde Lucien Adès postum die Auszeichnung Disney Legends verliehen, mit der Personen geehrt werden, die einen außerordentlichen Beitrag zu den Disney-Filmen geleistet haben. (Qulle: vintagebooks.de)

Französische Originalausgabe (1972)

Die französische Originalausgabe (1972)

Und der erzählt die Geschichte der Prinzessin Erde, die sich schrecklich langweilte …  da beschloss ihr Vater, der Sonnenkönig, ihr vier Prinzen zuzuführen, die letztlich um ihre Hand anhalten  sollten.

Die Prinzessin – gar nicht dumm – will alle vier für jeweils einen Tag testen … und so mühten sich Prinz Pfirsichblüte, Prinz Kirsche, Prinz Ahorn und Prinz Tanne um die Prinzessin und präsentierten ihre jeweiligen Qualitäten …

Für wen oder was sich dann diese Prinzessin entschieden hat, sei hier nicht verraten … a bisserl Spannung darf schon sein.

Die Rolle der beiden Geschlechter löste bei mir mehrfach ein Runzeln der Stirn aus … aber dafür gibt´s ja – quasi als Ausgleich – diese wunderbare Musik von AntonioVivaldi.

Und diese abschließenden Gedanken haben mich dann doch sehr angesprochen:

Kindheit und Jugend gehören dem Frühling
Der Sommer ist die Zeit der Kraft und Stärke
Der Herbst ist die Weisheit des reifen Alters bevor 
Der Winter über die letzten Jahre des Lebens den Mantel der Ruhe und Besinnlichkeit legen

 

Hüllentext.jpg

Besetzung:
Karlheinz Böhm (Sprecher)
Michael Harck (Prinz Pfirsichblüte)
Henry König (Prinz Ahorn)
Gottfried Kramer (Prinz Tanne)
Heidi Schaffrath (Prinzessin Erde)
Rüdiger Schulzki (Prinz Kirsche)
+
Paul Kuentz Chamber Orchestra
+
Monique Frasca-Colombier (violin)

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Titel:
01. Die vier Jahreszeiten für Kinder erzählt (Teil 1) 17.45
02. Die vier Jahreszeiten für Kinder erzählt (Teil 2) 17.41

Musik: Antonio Vivaldi
Text: Lucien Adès

MC2A

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Theodor Storm – Der kleine Häwelmann (Hörspiel) (60er Jahre)

FrontCover1.JPGEin klassisches Märchen aus deutschen Landen, ausnahmsweise mal nicht von den Gebrüdern Grimm, sondern von Theodor Storm:

Der kleine Häwelmann ist ein Märchen von Theodor Storm, das er im Jahr 1849 für seinen Sohn Hans schrieb. Häwelmann ist niederdeutsch und bezeichnet ein kleines Kind, das übertriebene Aufmerksamkeit für sich fordert.

Zu Beginn des Märchens findet sich ein kleines Gedicht als Motto. Es bezeichnet den kleinen „Häwelmann“ als den Sonnenschein der Familie und steht damit ein wenig im Kontrast zur nachfolgenden Geschichte, in der sich der Kleine als aufsässiger, ungeduldiger Bursche zeigt, der nicht schlafen will.

Der kleine Häwelmann kann nicht einschlafen. Seine Mutter im großen Bett daneben rollt ihn noch in seinem Rollenbettchen ein wenig im Halbschlaf hin und her, aber dann schläft sie fest ein. Der kleine Häwelmann ist aber immer noch munter. Der Mond schaut durch das Fenster und sieht, wie er sich aus seinem Nachthemd ein Segel gebaut hat und mit seinem Rollenbett im Zimmer umherrollt.

Als er drei Mal die Reise gemacht hatte, guckte der Mond ihm plötzlich ins Gesicht. „Junge“, sagte er, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die Stadt fahren; alle Menschen sollen mich fahren sehen.“

„Das kann ich nicht“, sagte der gute Mond; aber er ließ einen langen Strahl durch das Schlüsselloch fallen; und darauf fuhr der kleine Häwelmann zum Hause hinaus.

TheodorStorm

Theodor Storm

In der Stadt schlafen aber alle und das ist ihm zu langweilig. Darum will er in den Wald zu den Tieren. Im Wald schlafen aber die Tiere auch, außer Hinze, einem kleinen Kater, der von Ast zu Ast springt und „illuminiert“, d.h. mit seinen funkelnden Augen die Sterne imitiert. Doch Häwelmann ist es auch hier langweilig, und er ruft wieder „mehr, mehr!“

Der kleine Häwelmann fährt schließlich bis zum Ende der Welt und mitten in die Sterne am Himmel hinein, so dass etliche vom Himmel fallen; dem Mond rollt er frech über die Nase. Das ärgert den Mond so sehr, dass er sein Licht auslöscht und nun auch die Sterne schlafen gehen. Häwelmann fährt weiter umher, bis schließlich die Sonne aufgeht und ihn ins Meer wirft.

OriginalIllustration

Originalillustrationen von Else Wenz-Vietor

Jetzt darf das Kind, dem das Märchen erzählt wurde, fragen:

Und dann?

Ja und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn ich und du nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten, so hätte er doch leicht ertrinken können!

„Der kleine Häwelmann“ wurde 1926 als Bilderbuch mit Bildern der Kinderbuchillustratorin Else Wenz-Viëtor im Stalling-Verlag Oldenburg neu publiziert und damit eigentlich erst einem größeren Publikum bekannt. Die Illustrationsarbeit Wenz-Viëtors gilt als eine ihrer besten. In dieser Ausgabe wurde das Buch zum Bilderbuchklassiker und erlebt bis in die jüngere Zeit immer wieder neue Auflagen.

Die kleine Geschichte Storms ist eine auch tatsächlich für Kinder konzipierte Märchenerzählung im damals überall anzutreffenden Stil des Kunstmärchens. Eine besonders hübsche Idee ist es, dass sich der Erzähler und der Zuhörer am Ende selbst als Personen der Handlung einbringen, indem sie den abgestürzten Häwelmann aus dem Meer retten. (Quelle: wikipedia)

Buchausgaben

Diverse Buchausgaben

Auf dieser LP endet die Geschichte allerdings anders … da sind die Wolken hilfreich … Aber auch so macht dieses Hörbuch aus den 60er Jahren amüsant … wunderbar kindlich-naiv …

Und zumindest 2 Erzähler sind mir noch bekannt: Da ist die ganz junge Susanne Uhlen (* 17.1.1955; die Tochter von Schauspieler und Synchronsprecher Wolfgang Kieling und der Schauspielerin Gisela Uhlen)

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Susanne Uhlen als Werbemodell, 1964

Und dann noch der Erik Schumann, ein deutscher Schauspieler, der mir als erstes in einer Karl May Verfilmung 1965 (Old Surehand, Teil 1) aufgefallen ist und der eine beeindruckende schauspielerische Vita aufweisen kann.

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Erik Schumann in „Old Surehand“ (1965)

Aber zurück zu diesem Hörspiel:

Die Marlies Schoenau als Glashexe ist herrlich diabolisch … und das ganz Hörspiel wurde einfach sehr sympathisch inszeniert.

Kurzum, selbst einem alten Knacker wie mir kann so ein Hörbuch noch Spaß machen.

Und wie oft habeich meinen Töchternin den 80er Jahren dieses Märchen vorgelesen und wie oft riefen sie dann „mehr…mehr … “

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Besetzung:
Wolfgang Dörich (Haushofmeister)
Lore Eberhard (Mutter)
Hans Ernst Jäger (Mond)
Harry Kalenberg (2. Popanz und Brausewind)
Alexander Malachowski (Hahn)
Herbert Mensching (1. Popanz und Nieselpeter)
Margot Philipp (Sonnenscheinchen)
Alfred Pottien (Erzähler)
Horst Sachtleben (Tollpatsch)
Marlies Schoenau (Glashexe)
Erik Schumann (Sternschnuppe)
Susanne Uhlen (Häwelmann)

Text: Theodor Storm
Bearbeitung: Anke Beckert

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Titel:
01. Der kleine Häwelmann (Teil 1) 14.20
02. Der kleine Häwelmann (Teil 2) 15.14

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Wolfgang Adenberg + Alexander Bermange – Die sieben Raben (Gebrüder Grimm) (2007)

frontcover1Also, da gibt es das Städtchen Hanau:

Hanau („die lebensfrohe Stadt am Main und Konzig – das Tor zum Spessart und Vogelsberg“ – Eigenwerbung) hat nicht nur ca. 92.oo Einwohner … nein Hanau ist mehr:

Hanau ist die Geburtsstadt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm und Ausgangspunkt der Deutschen Märchenstraße.

Und so kommt es, dass Hanau seit 33 Jahren (also seit 1985) als besondere Attraktion die „Brüder Grimm Festspiele “ präsentiert.

Hier eine Aufnahme aus dem Festspieljahr 2007, das ich eigentlich allen (ob groß oder klein) gerne ans Herz legen möchte.

Und darum geht´s in diesem Brüder Grimm Märchen:

Einem Vater wird nach sieben Jungen endlich ein Mädchen geboren. Der Vater schickt seine Söhne zur Quelle, um mit einem Krug Taufwasser für das Töchterchen zu holen. Die sieben Brüder streiten, und ihnen fällt der Krug in den Brunnen.
Sie getrauen sich nicht nach Hause zurück und der Vater macht sich Sorgen, als sie lange nicht zurückkehren.
Er denkt, sie spielen nur und haben das Wasser vergessen. In seinem Ärger sagt er: „Ich wollte, dass die Jungen alle zu Raben würden.“ Der gedankenlose Wunsch wird umgehend erfüllt – der Vater sieht sieben Raben durch die Lüfte flattern.
Das Töchterchen wächst auf, ohne zu wissen, dass es Brüder gehabt hat, denn die Eltern verschweigen ihr deren Schicksal. Endlich erfährt es durch andere Leute, was geschehen ist – und dass diese ihr die Schuld an dem Vorgefallenen geben. Obwohl die Eltern ihr erklären, es könne nichts für das Verhängnis, fühlt es sich weiter schuldig und macht sich allein auf den Weg, die Brüder zu suchen, wobei sie nur einen Ring ihrer Eltern, ein Stühlchen und Verpflegung mit auf die Reise nimmt.
Das Mädchen durchwandert die ganze Welt, kann ihre Brüder aber nicht finden. Endlich, die Welt ist zu Ende. Sie kommt zur Sonne, die ist viel zu heiß für Menschenkinder, dann zum Mond, der ihr aber viel zu kalt und böse ist. Die Sterne jedoch sind ihr freundlich gesinnt, und der Morgenstern gibt ihr ein Hinkelbeinchen (einen Hühnerknochen), mit dem es den Glasberg aufschließen könne – dort seien die Brüder zu finden.
Am Glasberg angekommen, möchte das Mädchen das Beinchen auspacken, doch es hat den Schlüssel verloren. In ihrer Not schneidet es sich einen Finger ab, steckt ihn in das Schloss, und das Tor öffnet sich.
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Die sieben Raben. Gezeichnet von Franz Stassen Berlin. (Einem alten Volksmärchen nacherzählt von Wilhelm Kotzde; 1912)

Drinnen trifft es auf einen Zwerg, der sagt ihr, die sieben Raben seien nicht zu Haus, aber er deckt ihr den Tisch mit sieben Tellern und Bechern. Das Mädchen nimmt von jedem etwas, in den letzten aber lässt sie ihren Ring fallen. Als die Raben zurückkehren, wollen sie essen, bemerken aber, dass jemand ihnen zuvorgekommen ist. Sie sprechen: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Das ist eines Menschen Mund gewesen.“ Der siebente Rabe findet auf dem Grund seines Bechers den Ring, erkennt ihn und denkt: Wäre doch nur unsere Schwester hier, so wären wir erlöst.
Sie hört den Wunsch hinter der Tür und tritt hervor, und die Brüder sind erlöst und kehren zusammen nach Hause zurück.
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Interpretation:
Mit seiner schwarzen Farbe verkörpert der Rabe die Trauer. Er steht bis heute sprichwörtlich für den Winter (im Gegensatz zur Schwalbe, Sommer). Laut der Enzyklopädie des Märchens erscheint der Rabe im Märchen oft im Kontext der Motive Seelenreise und Höllenfahrt. Er trägt die Seelen der Verdammnis fort. Andererseits gehört der Rabe zu verschiedenen Licht- oder Sonnengottheiten (Odin, Lugh, Apollon). Raben kreisen beispielsweise um den Berg des Barbarossa. Nach Friedel Lenz sind die Raben Sinnbild für die göttlichen Eingebungen des Geistes.
Sowohl das Glas als auch der Zwerg oder die Alte können ebenfalls als Symbole einer gefühlsarmen, distanzierten Weisheit verstanden werden ). Die Zahl Sieben kommt in vielen Märchen in Zusammenhang mit der Zeit vor. Mit den Sternen sind hier offenbar die sieben Planeten gemeint: Das Kind bekommt den Schlüssel vom Morgenstern, also der Venus. Der Planet Venus heißt auch Abendstern, er erscheint bei Dämmerung (s. Interpretation Die zwölf Brüder). Venus ist in der römischen Mythologie die Göttin der Liebe. Indem der Ring in den Becher gelegt wird, wird der Geist (männlich) mit der Seele (weiblich) vereint
Nach Hedwig von Beit bedeutet der Verlust des Taufgeschirrs das Scheitern einer verfrühten geistigen Erneuerung an unreifen Kräften, mit Verlust des Selbst im Unbewussten oder animalischen. Der Ausspruch der sieben Raben „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Wer hat aus meinem Becherchen getrunken? Das ist eines Menschen Mund gewesen“ klingt wie die sieben Zwerge bei Schneewittchen. Es existiert auch eine Variante von Schneewittchen, bei der die sieben Zwerge im Glasberg wohnen. Im Beziehungsnetz der Märchen stiftet die Verwandlung der Brüder in Tiere eine Verbindung des Rabenmärchens zu dem Grimm-Märchen Brüderchen und Schwesterchen, wo Brüderchen von der Stiefmutter in ein Reh verwunschen ist. Allerdings ist die Erlösung des einen Brüderchens durch Schwesterchen im Unterschied zum Rabenmärchen hier Nebenschauplatz. (Quelle: Wikipedia)
Und nun zur Musik dieses Musicals:
„Alexander Bermanges variantenreiche Musicalkomposition „Die sieben Raben“ vereint zahlreiche Musikstile zu einem harmonischen Ganzen: vom ansteckenden ‚ungarischen Tanz‘ im Stück „Fest in Budapest“ über „Rock-Opera“-Songs wie „Alles dreht sich um mich“ (die Arie der Sonne) bis hin zum Big-Band-inspirierten „Wir Raben, wir haben es gut“ und zu Jerry-Herman-Anklängen (z. B. „Hello Dolly“, 1964) in „Tanz einen himmlischen Tanz“ (die stimmungsvolle Sing- u. Tanznummer der Sterne). Verwoben mit diesen eingängigen Melodien und Songs sind aber gleichermaßen dissonante Klänge und Motive, durch die hochdramatische Szenen (der böse Fluch, der Alptraum des Mädchens) atmosphärisch gestaltet werden können.“ (Werbetext)
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Alte Grußkarte mit dem Motiv des Märchens „Die sieben Raben“

„Der Musik kam in diesem Musical eine ganz besondere Bedeutung zu. Alexander S. Bermange arbeitet mit Pop- und Swing-Elementen, mischt eine Prise Folkloristisches und einen kräftigen Schuss Broadway mit hinein und gewinnt so genau die richtige Mischung.“ (Hanauer Anzeiger, 18. 6. 2007)

„Eine rundum gelungene Inszenierung (…) Die Musik hat einmal mehr Alexander S. Bermange für das Märchenfestspielmusical komponiert. Gelungen sind ihm fast durchgehend eingängige Melodien, mal flott, mal eher besinnlich.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 6. 2007)

„Opulente, farbenfrohe Bilder mit Tanz und Musik führten die Gäste durch eine dichte Inszenierung. Alexander S. Bermange, der für die Musik verantwortlich zeichnete, zeigte dabei ebenso viel Fingerspitzen- und Feingefühl wie Wolfgang Adenberg, der die Texte für Geschichte und Lieder verfasst hatte.“ (Hanau Post, 18. 6. 2007)

Und das ist der Komponist, Alexander Bermange
Der britische Komponist und Autor hat eine klassische Ausbildung zum Pianisten absolviert und begann sehr früh, eigene Stücke zu erarbeiten. 1999 beendete er sein Studium an der Oxford University. Seither ist er vor allem für Produktionen am Londoner West End und Broadway tätig.
Die deutsche Musicalfachwelt lernte ihn bei einem Kongress in Hamburg kennen, wo seine Beiträge, u.a. Ausschnitte aus seinem Musical „Nessie“ und „Walking On The Sun“, zu den eindrucksvollsten Nummern gehörten.
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Alexander Bermange

Zu weiteren Werken zählen „Aladdin“ und „Close Encounters“ sowie Musical-Kompositionen für die Hanauer Festspiele. 2003 zeigte er in einem Showcase am West End Schattenlos, das 2007 mit zwei Frank Wildhorn Awards beim Musicalfestival in Graz ausgezeichnet wurde, dem Publikumspreis und dem zweiten Jurypreis.
In Großbritannien ist er außerdem für seine Comedy-Songs bekannt, die in einem BBC-Programm gesendet werden. Alexander S. Bermange wurde er von der britischen Presse bereits als neuer Andrew Lloyd Webber gefeiert.

Und das ist der Texter, Wolfgang Adenberg:
Wolfgang Adenberg (* 8. März 1967 in Köln) ist ein deutscher Musicalautor, Textdichter und Übersetzer. Von ihm stammen u. a. die Musicals Moulin Rouge Story, Fletsch und Emil und die Detektive, alle mit Musik von Marc Schubring. Besondere Bekanntheit erlangte der gelernte Jurist durch seine Übersetzungen weltbekannter Musicals wie Titanic, 42nd Street, We Will Rock You oder The Scarlet Pimpernel. Seit 2002 übersetzt er die regelmäßig aktualisierten Texte von Starlight Express. Adenberg ist Absolvent des ersten Jahrgangs (1996) der Celler Schule. Auf seinem CD-Label „Anything Goes Records“ produziert und veröffentlicht er Aufnahmen rarer Musicals oder verwandter Genres, u. a. die erste deutschsprachige Aufnahme der Dezemberlieder von Maury Yeston, interpretiert von Pia Douwes.
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Wolfgang Adenberg

Es mag ja sein, dass dies ein Musical aus der Provinz ist (es lebe die Provinz !) … aber selten haben ich ein derartig sympathisches Musical gehört …
Von daher gibt es von mir mal wieder 1000 Sympathiepunkte, denn auch das Ensemble ist einfach nur prachtvoll !
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Das Ensemble

Besetzung:
Barbara Bach (Rosikas Mutter/Sonne)
Julia Breckheimer (Rosika)
Hartmut Schröder (Rosikas Vater/Mond)
Rosikas Brüder/Sterne:
Jürgen Amonath (Stefan)
Thomas Müller-Brandes (Gabor)
Rüdiger Schade (Arpad)
Christiane Schneidt (Janko)
Verena Wüstkamp (Joschi)
Mirjam Wolf (Wenzel)
Sven Zinkan (Lukas)
Hella Boysen (Wahrsagerin, Hebamme)
Corinna Maria Lechler (2. Frau)
Jan Schuba (Pellegrin)
Anita Vidovic (1. Frau)
Die Band:
Alexander S. Bermange (piano)
Stefan Kreuscher (bass)
Dieter Plaue (drums)
Jürgen Schwab (guitar, Keyboards)
Mark Schwarzmayr (Keyboards)
+
Eiko Fues (violin bei 02.)
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Titel:
01  Scheren, Scheren 2.27
02. Ein Fest in Budapest 2.06
03. Es gibt so viel mehr auf der Welt 3.57
04. Von uns weißt du’s nicht 2.01
05. Webet, webet, webet 0.47
06. Ein Schwesterchen 3.12
07. Wunschlos glücklich 3.50
08. Wunschlos unglücklich 1.14
09. Wie tief bin ich gesunken 4.33
10. Gib uns Kra-Kra-Kra-Kra-Kraft 3.09
11. Kein Zauber hält mich auf 3.40
12. Wir Raben, wir haben es gut 3.45
13. Alles dreht sich um mich 3.27
14. Ich rieche, rieche Menschenfleisch 3.19
15. Tanz einen himmlischen Tanz 4.34
16. Ich bin immer bei euch 3.11
17. Schere, Schere – Reprise 0.54
18. Der Schatz bleibt mein 2.09
19. Finale: Es gibt so viel mehr auf der Welt 4.07
Musik: Alexander Bermange
Text: Wolfgang Adenberg
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Auch heuer öffnet das Amphitheater Schloss Philippsruhe, Hanau seine Pforten für die 33. Brüder Grimm Festspiele