Grachmusikoff – Dame oder Schwein (1987)

FrontCover1Gelegentlich bilde ich mir ja ein, ich hätte ein wenig Ahnung hinsichtlich deutscher Rockmusik … Irren ist männlich oder: weit gefehlt.

Da stupst mich ein aufmerksamer Leser dieses blogs auf eine Band, deren Namen ich wirklich noch nie gehört habe: Grachmusikoff:

Grachmusikoff ist eine oberschwäbische Rockband, die im Sommer 1978 während einer Demonstration gegen die Jugendhausschließung in Bad Schussenried entstanden ist. Erstes Lied war D’ Marie hockt dussa und pläret (wörtlich hochdeutsch Maria sitzt draußen und weint – eigentlich Mariechen saß weinend im Garten).[1] Gründungsmitglieder waren die Brüder Georg und Alex Köberlein sowie Hansi Fink. Die Band nannte sich anfangs Igor, Boris und Nikita Grachmusikoff und machte „den oberschwäbischen Dialekt“ mit „ihren witzig-wilden Shows“ und einer musikalischen Mischung aus „Hardrock mit Fun-Pop und Ska“ sowie Volksmusikeinflüssen „rockmusikfähig“.

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Grachmusikoff, ca. 1980

1979 gründete Alex Köberlein die Band Schwoißfuaß, die anfangs lediglich das Repertoire von Grachmusikoff übernahm, dies aber auf rockige Art interpretierte. Innerhalb von zwei Jahren wurde Schwoißfuaß in Baden-Württemberg recht erfolgreich, wodurch das Projekt Grachmusikoff bis 1984 in den Hintergrund trat.

Schwoißfuaß löste sich 1986 auf, im selben Jahr erschien die Grachmusikoff-LP Dame oder Schwein, die im Unterschied zu früheren Werken wesentlich hochdeutsche Texte hatte. Es gelang in Folge auch, ein Publikum außerhalb Baden-Württembergs zu erreichen, allerdings nicht in dem Maße, wie sich das die Band mit einem „Major-Vertrag“ im Rücken erhofft hatte.

1990 erschien die CD Im Musikantenstadl, die sich von allen bisherigen Platten der Band am besten verkaufte. Seither ist etwa alle zwei Jahre eine neue Platte der Band erschienen. In den letzten Jahren greift Grachmusikoff auch auf Titel von Schwoißfuaß zurück.

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Grachmusikoff, 1984

Am 11. April 2013 wurde dem Grachmusikoff Trio (Gründungsmitglieder Fink und die Köberlein-Brüder) der Ehrenpreis des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg verliehen. „Mit ihm sollen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich um die Kleinkunst im Lande verdient gemacht haben. Mit den Brüdern Alexander und Georg Köberlein sowie Hansi Fink werden die drei Urväter geehrt, die im Sommer 1978 die Gruppe gegründet haben. Das Grachmusikoff Trio sei zum ‚fleischgewordenen Monument schwäbischer Volkskultur‘ geworden, lobte die Jury in ihrer Begründung. Seit 35 Jahren spiegelten ihre Lieder das Lebensgefühl nicht nur ihrer schwäbischen Zeitgenossen wider. Spielfreude und eine beeindruckende Instrumentenvielfalt könnten nur gepaart mit Professionalität über einen so langen Zeitraum der Kritik standhalten.“ (Quelle: wikipedia)

Nun, da machte ich mich auf den Weg, diese bedauerliche Lücke zu schließen … und das hatz sich gelohnt, denn Grachmusikoff ist wirklich ein Genuss … regionaler Rock vom Feinsten …

Und hier das Album „Dame oder Schwein“:

Musikalisch höchst versiert, glänzen sie nicht nur durch insrumentale Vielfalt, sondern auch durch die Vielfalt ihren zuweilen witzig-sarkastischen Texte (ja, die kann man verstehen).
Anspieltipp: „Keiner isch gefeit“ mit einer satter Rocker mit einem atemberaubenden Harmonika-Solo … da bleibt einem die Spucke weg …

Also … Wissenslücke geschlossen … und nachdem es mir die Burschen dieser Band einfach angetan haben … gibt´s hier demnächst weiteres Material.

Und: der Wolle Kriwanek steht hier ja auch noch rum … Schwabenrock ahoi !

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Grachmusikoff, 1990 (vermutlich grüßen sie hier die Nachbarn im Lande der Bajuwaren)

Besetzung:
Riedel Diegel (keyboards, hamonica)
Hansi Fink (guitar, trombone)
Alex Köberlein (vocals)
Georg Köberlein (keyboards, vocals, trombone)
Heiner Reiff (keyboards)
Rico Stehle (drums)
Dieter Zimmermann (bass, guitar)

BackCover

Titel:
01. Für immer und mich (Diegel/Köberlein) 3.49
02. No Story, no Bier (Köberlein) 3.35
03. Keiner isch gefeit (Fink-Dobner/Köberlein) 4.12
04. Nimm soviel du willst (Zimmermann) 3.31
05. Dame oder Schwein (Köberlein) 3.12
06. Fischkopf (Diegel/Köberlein) 4.14
07. Hallo Harry (Fink-Dobner/Zimmermann/Köberlein) 2.57
08. Trullala (G.Köberlein) 4.18
09. Korfu Dance (A.Köberlein) 3.33
10. Bohnentag (G.Köberlein) 2.57

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