Gitte – Bleib noch bis zum Sonntag ! (1980)

FrontCover1Die Gitte hat ja ne wirklich bemerkenswerte Karriere hingelegt. Angefangen hat sie halt als Schlagersängerin und wer kennt nicht „Ich will ne Cowboy als Mann“ (ein bemerkenswertes Frühwerk weiblicher Emanzipation !).

Aber die Gitte hatte viel mehr drauf. Und davon kann man sich z.B. bei dieser LP überzeugen. Nach diversen (Un)Taten als Schlagersängerin (u.a. mit Rex Gildo) schlug sie dann Ende der 70er Jahre einen neuen Weg ein.

„Ein Imagewechsel hin zur ernsthaften Pop-Interpretin Anfang der 1980er Jahre brachte ihr nun auch die Aufmerksamkeit der Kritik. Freu dich bloß nicht zu früh (die deutsche Version des Andrew-Lloyd-Webber-Hits „Take that look off your face“) wurde 1980 ein großer Erfolg (Platz 10). Das Musikstück war Teil des von Lloyd Webber geschriebenen und im Original von Marti Webb aufgenommenen Ein-Akt-Musicals für eine Person Tell me on a Sunday. Gitte Hænning nahm eine deutsche Version des Musicals unter dem Titel Bleib noch bis zum Sonntag auf. Für dieses Konzeptalbum erhielt sie 1980 den Deutschen Schallplattenpreis.“ (evertim)

Die deutsche Texte zu diesem Andrew-Lloyd-Webber verfasste Michael Kunze und – man glaubt es kaum – er hatte dabei ein mehr als glückliches Händchen (und fast jeder Text, ob zärtlich, nachdenklich oder zornig lädt zum Nachdenken ein) … und so ist dieses Album rundherum gelungen, denn auch die Musik, eingespielt von Cracks wie … man lese einfach mal nach …  ist einfach nur angemessen und gut …

Und deshalb ist ein für mich kein Wunder, dass dieses Album den „Deutschen Schallplattenpreis 1981“ erhalten hat.

Interessant auch, dass diese LP auch in der damalige DDR auf dem Amiga-Label erschien … ob das ein Ritterschlag war … ich weiß es nicht … aber immerhin … auch aus der „sozialistischen“ Warte war dieses Album für die DDR-Bürger zumutbar.

Schlicht und ergreifend: ein reifes Album !

AmigaAusgabe

Front+Back Cover der Amiga-Ausgabe

Besetzung:
Lance Burton (saxophone, flute)
Curt Cress (drums, percussion)
Stephan Diez (guitar)
Howard Katz (trumpet)
Dave King (bass)
James Polivka (trumpet)
George Roetzer (trumpet)
Kristian Schultze (keyboards)
Giuseppe Solera (flute, saxophone, harmonica)
Michael Thatcher (keyboards)
Paul Vincent (guitar)

BackCover

Titel:
01. Freu Dich bloß nicht zu früh 3.31
02. Würdest du mich mal ausreden Lassen 2.16
03. Ich sterb nicht dran (I) 1.41
04. Ein Brief nach Hause 1.15
05. Sheldon Bloom 3.28
06. Have A Nice Day 2.58
07. Ich hab geglaubt, du bist verliebt 2.30
08. Ich sterb nicht dran (II) 2-18
09. Ein zweiter Brief nach Hause 1.18
10. Komm bald mit demselben Blick zurück 3.16
11. Erzähl mal von dir 2.16
12. Freu dich bloß nicht zu früh (Reprise) 0.57
13. Bleib noch bis zum Sonntag 3.36
14.  Ich sterb nicht dran (III) 2.17
15. Ich bin wie du, du bist wie ich 2.44
16. Was dir niemand vorher gab 3.14
17. Würdest du mich bitte ausreden lassen 2.46

Musik: Andrew Lloyd Webber
Originaltexte: Don Black
Deutsche Texte: Michael Kunze

Label1

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MC1A

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Orchester des staatlichen jüdischen Theaters Bukarest – Bin ich mir a Fidler (Jüdische Volkslieder) (1980)

FrontCover1Ich gestehe, ich bin mit jüdischer Musik nicht sonderlich gut vertraut; umso mehr freute ich mich, als ich diese Schallplatte vor einiger Zeit entdeckte.

Tja, was sind nun „jiddische Volkslieder“ ?

Jiddische Volkslieder zeigen sich als einzigartige Ausprägung einer Kultur, die über Jahrhunderte ein nicht unbedeutender Teil des europäischen Lebens war und die vor mehr als sechzig Jahren ein gewaltsames Ende fand. Dennoch erlebt jüdische Musik, insbesondere Klesmermusik in ihren verschiedensten Ausformungen, in Europa seit ca. dreißig Jahren einen neuen Aufschwung. Die Emotionalität dieser Musik ist „modern“ geworden, die Fragen nach Ursprung und Bedeutung der Lieder bleiben häufig ungestellt, die historischen, sozialen und kulturellen Hintergründe werden oft nicht berücksichtigt.

Das jiddische Volkslied ist immer im Kontext der ihn umgebenden Gesellschaft, der aschkenasischen, d.h. deutsch-jüdischen Kultur der Juden (Ost-)Europas zu sehen (Aschkenas ist das hebräische Wort für Deutschland). Seine Melodien sind vielfältig beeinflusst: Manche Lieder gehen zurück auf mittelalterliche deutsche Weisen. Slawische wie rumänische Musik und der orientalisch gefärbte Synagogalgesang hatten großen Einfluss und prägten das typische Kolorit des jiddischen Volksliedes. Der Begriff selbst ist im deutschen Sprachraum erst ab ca. 1880 existent: Mit damaligem Beginn der Volksliedforschung in Osteuropa – nahezu zeitgleich mit dem vermehrten Aufkommen jiddisch schreibender Schriftsteller, bot sich den jüdischen Einwohnern die Möglichkeit sich mittels Musik und Sprache als Volk selbst zu definieren, sich eine Identität abseits der Religion zu schaffen. (cantastorie)

Und das aufführende Ensemble kann auf eine ziemlich lange Geschichte zurückblicken: Die Anfänge dieses Theaters gehen bis in den Jahr 1876 zurück. Und das dort tätig Orchester nahm eben genau jene KP auf, die ursprpünglich 1980 veröffentlicht wurde.

JüdischesTheaterBukarest

Jüdisches Theater, Bukarest

Dannach wurde es noch zweimal auch auf CD veröffentlicht … irgendwie ein tröstliches Gefühl, dass solche rare und musikalisch wirklich interessante Sachen doch noch ne gewisse Überlebenschance haben … denn, auch wenn die Musik gelegentlich ein wenig überkandidelt klingt … interessant ist sie allemal !

LPBackCover1

Besetzung:
Orchester des staatlichen jüdischen Theaters Bukarest  unter der Leitung von Chajim Schwartzmann

AlternativeFrontCover

Alternative Frontcover

Titel:
01. Ruchele Schapira: A Nigndl 2.50
02. Nuscha Grupp-Stoian: Gei ich mir spazirn 1.49
03. Leonie Waldmann-Eliad: Leig ich mir mein Kepale 3.07
04. Dorian Livianu: Iamce Ram Ciam 1.36
05. Nuscha Grupp-Stoian: Di Mame is gegangn 2.29
06. Bebe Bercovici: Inter a klein Beimale 2.22
07 . Ruchele Schapira: Di Warnicikes 2.25
08. Carol Marcovici: Ein Mul Ti Ich Si Banaien 2.44
09. Bebe Bercovici + Trici Abramovici: Lomir Singen Ciri Bim, Ciri Bom 2.45
10.  Bebe Bercovici + Trici Abramovici: Wus Dergeisti Mir Di Iurn 3.23
11.  Leonie Waldmann-Eliad: Oi Awram 1.17
12.  Carol Marcovici: Di Mame Kocht Warenikes 1.44
13.  Nuscha Grupp-Stoian: Leig Ich Mir Mein Kepale 3.55
14.  Dorian Livianu: Mit a Nudl un a Nudl 2.17
15.  Trici Abramovici: Asoj Wie-s Is Bitter 2.40
16.  Carol Marcovici: Bin ich mir a Schneiderl  1.25
17.  Leonie Waldmann-Eliad: Meheteineste meine 2.29
18.  Bebe Bercovici + Trici Abramovici: Wus-Je Wilsti? 2.1

Alle Lieder: Traditionals

LabelA1
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Capella Antiqua – Musik zur Zeit der frühen Wittelsbacher (1980)

FrontCover1Und jetzt steigen wir mal wieder ganz tief in den Keller der Musikgeschichte … Licht aus … Fackeln an !

„Unser klingndes Dokument zu den Wittelsbachern in Bayern umfaßt zwei getrennte Zeiträume: von Otto I. (1180) bis zu Kaiser Ludwig IV., dem Bayern (1340) und die Zeit der „reichen Herzöge“ von Bayern-Landshut, also etwas das 15. Jahrhundert.“

Und weiter heißt es dann im mehr als informativen Hüllentext:

Hüllentext1

Man kann sich denken, dass wenn jemand so tief den Keller hinabsteigt, eine große Leidenschaft vorhanden sein muss. Und diese jemand heisst in diesem Zusammenhang Konrad Ruhland:

Konrad Xaver Ruhland (* 19. Februar 1932 in Landau an der Isar; † 14. März 2010 in Deggendorf) war ein deutscher Musikhistoriker, Musikpädagoge, Dirigent und Musikherausgeber.

Ruhland2Seine ersten Kontakte mit der Musik hatte Ruhland als Chorsänger im Dom von Passau. Er studierte Musikwissenschaft bei Thrasybulos Georgiades und Theodor Göllner. Weitere Kurse in Geschichte, Theologie und Kirchengeschichte bildeten den Hintergrund für seine musikwissenschaftlichen Forschungen.

Unter seiner Leitung fanden sich 1956 in München neun begeisterte Studenten, welche die „Capella Antiqua“ bildeten, eine der ersten Gruppen, die sich mit der Renaissancemusik und der Musik des Frühbarock im Studium auseinandersetzten. Mit der Zeit wuchs das Ensemble auf 19 Musiker an und machte zahlreiche Schallplattenaufnahmen.

Zwischen 1968 und 1991 wirkte Ruhland am musischen und neusprachlichen St.-Gotthard-Gymnasium seines Wohnortes Niederalteich. Dort gestaltete er zusammen mit seiner Frau Elisabeth (Musiklehrerin von 1968 bis 1995) die Qualität der musikalischen Ausbildung und damit zusammenhängend den Ruf der Schule entscheidend mit.

Aus seiner langjährigen Musizierpraxis im Bereich der Historischen Aufführungspraxis heraus gründete er 1976 die Niederaltaicher Scholaren, einen Konzertchor, mit dem er sich dem Gregorianischen Gesang und bis dahin wenig bekannten Werken und Komponisten widmete.

Ruhland1

Als Wissenschaftler sowie als Herausgeber hat sich Ruhland einen Namen gemacht und mehrere hundert Werke von vorwiegend süddeutschen Komponisten herausgegeben. Daneben gab er in Sommerkursen sein Wissen weiter, so an der University of Philadelphia.

Für sein Wirken wurde Ruhland 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. (Quelle: Wikipedia)

Und natürlich hören wir ihn mit seinem Ensemble „Capella Antiqua“, zusätzlich waren dann die „Niederaltaicher Scholaren“ am Werke.

CapellaAntiqua

„Capella Antiqua“

Und wie so oft bei Aufnahmen dieser Art, lässt mich die Innigkeit des Gesangs aber auch der Musik inne halten … wenngleich mich freilich der religiöse Inhalt weiterhin nicht interessiert.

Und ein wenig Ehrfurcht überkommt mich, wenn ich mir vorstellen, dass wir hier Musik hören, die Menschen zwischen den Jahren 1180 und 1340 komponiert haben. Fein, dass es Musikforscher wie diesen Konrad Ruhland gab und noch gibt, die sich hier als wirkliche Forscher betätigen.

Der Konrad Ruhland hat übrigens eine wahre Flut von Aufnahmen dieser Art eingspielt. Von daher gut möglich, dass wir ihm hier wieder mal begegnen.

BackCover1

Besetzung:
Capella Antiqua
Niederaltaicher Scholaren

Musikalische Leitung: Konrad Ruhland

Booklet1

Titel:
01. Castis Psallamus Mentibus (Traditional) 2.36
02. Jubar Miri Luminis (Traditional) 2.38
03. Kyrie Magne Deus Potentiae (Traditional) 4.05
04. Nostri Festi Gaudium  (Traditional) 1.24
05. Ecce Iam Celebria (Traditional) 1.56
06. Te Lucis Ante Terminum (Traditional) 1.32
07. Nove Lucis Hodie (Traditional) 1.33
08. Procedentem Sponsum (Traditional) 2.07
09. Christus Vicit Resurgendo (Traditional) 2.02
10. Veni Sancte Spiritus – Veni Pater Divine (Traditional) 2.10
11. Gaude Nostra Contio (Traditional) 3.14
12. Daß Lepisch Gut Zu Lachen Ist (Traditional) 1.49
13. L’homme Armé (Deprez) 1.23
14. Der Polnische Dantz (Finck) 1.18
15. Der Pfoben Swancz 1.09
16. La Battaglia (Traditional) 0.44
17. Mit Ganczem Willen Wünsch Ich Dir (Paumann) 0.59
18. Weiblich Figur (Paumann) 0.55
19. Ich Beger Nit Mer (Paumann) 1.03
20. Jesu Corona Virginum (Nikolaus) 2.11
21. Der Füterer (Füterer) 1.07
22. Ave Mater O Maria (von Wolkenstein) 3.45

LabelA1

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Karussell – Das einzige Leben (1980)

FrontCover1Also, diese DDR-Band habe ich erst neulich für mich entdeckt und diese Entdeckung hat sich nun wirklich gelohnt:

Karussell ist eine deutsche Rockband aus Leipzig. Sie zählt neben Karat, City, Puhdys, Silly und Electra zu den bedeutendsten und populärsten Gruppen der DDR. Am bekanntesten ist die Band mit ihren Titeln Wer die Rose ehrt, Ehrlich will ich bleiben, Autostop und vor allem mit Als ich fortging geworden – der auch heute noch von einigen Radiostationen gespielt wird und zu den populärsten Hits aus der DDR-Zeit gezählt wird.

Die Band entstand im April 1976 durch eine Umbildung der Leipziger Amateurgruppe Fusion mit ehemaligen Mitgliedern der kurz zuvor verbotenen Leipziger Band Renft – maßgeblich initiiert durch den Keyboarder Wolf-Rüdiger Raschke. Neben ihm gehörten bei der Gründung zur Band: Peter Cäsar Gläser (Gesang und Gitarre), Jochen Hohl (Schlagzeug), Reinhard Oschek Huth (Gitarre), Lutz Kirsten (Gesang und Gitarre), Claus Winter (E-Bass) und Bernd Schumacher (Saxophon und Querflöte).

Musikalisch trat Karussell für viele das Erbe von Renft an. Dafür standen nicht nur die früheren Renft-Mitglieder Jochen Hohl und Peter Gläser, sondern auch die im Renft-Stil gehaltenen Lieder Whisky, Lebe und Welt im Sand, die zunächst in den Rundfunkstudios produziert wurden, sowie die Neuinterpretation des Renft-Klassikers Wer die Rose ehrt für die zweite Langspielplatte der Band. Auch Texter und Liedermacher Kurt Demmler begleitete Renft und Karussell – er schrieb die meisten der von Karussell interpretierten Texte.

Karussell01

Dank eines Fördervertrages mit dem Zentralrat der FDJ und der Konzert- und Gastspieldirektion Berlin (KGD) wandelte sich die Gruppe 1978 zur Berufsformation um, was ihr einen neuen Aufschwung bescherte und einen Auftritt beim „Rhythmus ’78“-Festival. Im gleichen Jahr erschien auch ihre erste Amiga-Single, Der Gitarrist.

Bereits damals zeigte sich, dass der Bandname Karussell in Bezug auf ihre Mitglieder auch Programm war. Im Laufe ihrer Geschichte drehte sich das Mitgliederkarussell häufig und immer schneller, und viele Musiker verließen nicht nur die Band, sondern auch die DDR. Den ersten Umbau gab es bereits 1978, als Bernd Dünnebeil (Gitarre) Lutz Kirsten ersetzte. Auch hatte Karussell seit dem Weggang von Bernd Schumacher keinen Saxophonisten und Flötisten mehr. Verschiedene Gäste sowie Bernd Dünnebeil übernahmen für Studio-Aufnahmen oder Konzerte fortan dieses Instrument. In dieser Besetzung spielten sie 1979 ihre erste LP, Entweder oder, ein. Bald darauf, 1980, folgte ihre zweite LP Das einzige Leben.

Single01

Die Single zur LP

Bei den Aufnahmen zu ihrer dritten LP, Schlaraffenberg (1982), war Bernd Dünnebeil nicht mehr dabei. Für ihn kam Tom Leonhardt, der ehemalige Gitarrist der Bands ZOE und Schwarzer Pfeffer. 1983 verließ Peter Cäsar Gläser – bis dahin die prägende Stimme – die Band, um sich ganz seinem Soloprojekt mit eigener Gruppe zu widmen. Lutz Salzwedel, ehemals Sänger der Gruppe Passion, wurde als neuer Frontmann in die Gruppe aufgenommen. Der Rest der Gruppe Passion fungierte übrigens einige Zeit später als Begleitformation von Peter Gläser. Allerdings verließen Leonhardt und Salzwedel Karussell kurze Zeit später. Während sich die Band in der damaligen Bundesrepublik Deutschland auf einer Tournee mit ihrem neuen Album Was kann ich tun (1984) befand, setzten sie sich ab.

Karussell03Mit diesem Weggang Richtung Westen und vor allem mit dem erneuten Wegfall ihres Frontmannes stand die Band 1985 kurz vor ihrer Auflösung. Nur dank des Bemühens von Wolf-Rüdiger Raschke, der auch schon zuvor die Band immer wieder zusammengehalten hatte, und der Integration des jungen Sängers und Komponisten Dirk Michaelis als neuem Frontmann schaffte sie ein Comeback. Mit Jürgen Hofmeister kam auch ein neuer Gitarrist in die Gruppe.

1987 meldete Karussell sich mit ihrer LP Café Anonym und dem Hit Als ich fortging (Text: Gisela Steineckert) zurück. Mit Michael Sellin hatte die Gruppe auch einen neuen Texter. Allerdings verließ in der Folgezeit Claus Winter die Band. Er wurde durch Jan Kirsten (Bassgitarre) ersetzt. 1990 erschien ihre vorerst letzte LP, Solche wie du. Wie viele andere Gruppen der DDR löste sie sich in der unmittelbaren Nachwendezeit 1991 auf. Wolf-Rüdiger Raschke wurde Hotelmanager. Der langjährige Schlagzeuger Jochen Hohl beendete seine Musikerlaufbahn und lebt heute in Lübeck. Jan Kirsten wurde Bassist bei der Gruppe Takayo. Dirk Michaelis startete eine Sololaufbahn.

1994 versuchten Wolf-Rüdiger Raschke und Jan Kirsten mit dem neuen Sänger Larry B., dem Prinzen-Schlagzeuger Ali Zieme und der Integration von Takayo einen Neubeginn und brachten unter dem Namen Karussell die CD Sonnenfeuer heraus. Allerdings akzeptierten die Fans den erneuten Umbau – anders als alle anderen zuvor – nicht, so dass der Erfolg ausblieb.

Im Januar 2006 verstarb der langjährige Bassist Claus Winter, was von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Reinhard Huth sang von 1987 bis 2007 bei der Leipziger Band Beat-Club. Peter Cäsar Gläser starb 2008 an Krebs.

Karussell04

2007 formierte sich Karussell nach mehr als zehnjähriger Spielpause auf Initiative von Reinhard Huth neu. Ihr Comeback startete die Band mit einem ersten Konzert im September 2007 in der Besetzung Wolf-Rüdiger Raschke (Keyboard, Gesang, Bandleader), Joey – später „Joe“ – Raschke (Gesang, Keyboard, Bluesharp), Reinhard Huth (Gesang, Gitarre), Jan Kirsten (E-Bass, Gesang), Frank Endrik Moll (Schlagzeug) und Hans Graf (Gitarre). Die neue Konzerttournee unter dem Titel „Wiedersehen im Traum“ begann Anfang 2008 und dauerte bis 2009. Das Schlagzeug spielt seit 2008 Benno Jähnert, der früher Mitglied der Bands Logo und Zebra war.

Am 17. Juni 2011 erschien nach fast 17-jähriger Pause das Album loslassen.

Unabhängig von der hohen Fluktuation ihrer Mitglieder feierte Karussell in fast allen ihren Besetzungen große Erfolge und konnte sich auf eine treue Fangemeinde stützen. Kennzeichen dieses musikalischen Schaffens war ihr „erdiger“ Rhythm & Blues und die klare, unmissverständliche Interpretation der von Kurt Demmler und später Michael Sellin stammenden, oft kritischen Texte. Mit ihren „Welthits, die keine werden durften, weil sich ihr Land von der Welt abgeriegelt hat“ (Olaf Leitner), zeichneten sie den sozialistischen Alltag genauso deutlich nach (Autostop, Ehrlich will ich bleiben), wie sie sich mit existenziellen Fragen der Zeit auseinandersetzten (Das einzige Leben). Auch wenn von Kritikern die mit humanistischem Pathos gefüllten Balladen Was kann ich tun für dich (Komposition: Tom Leonhardt) und Sterne der Nacht (Komposition: Jochen Hohl) und viele andere ihrer Lieder als Meilensteine der DDR-Rockgeschichte angesehen werden, wurde Als ich fortging (Komposition: Dirk Michaelis) ihr größter Erfolg. (Quelle: Wikipedia)

 

Karussell02.jpg

Karussell, 2016

 

Und hier nun ihr fulminantes zweites Album und da ist einer ganz begeistert:

Auch „Das einzige Leben“ von Karussell müßte im Grunde in einem Atemzug mit den besten Alben von Puhdys, Karat, City & Co. genannt werden, denn es steht ihnen in nichts nach. Mehr noch: Es ist auf ihre Art eine einzigartige Platte voller wunderbarer Ideen, großartiger Momente und manifestierten Sternstunden der Rockmusik aus der DDR.

Dabei hatten die Musiker um Wolf-Rüdiger Raschke bei ihrem zweiten Album gar nicht so viel anders gemacht als beim Vorgänger „Entweder-oder“, der Grundstock oder die Basis blieb gleich. Man musizierte weiter linientreu in den Fußstapfen der Klaus-Renft-Combo, trieb es aber diesmal noch besser auf die Spitze. Es ist eine wahre Freude, zu hören, wie verschiedenste Stilarten miteinander verwoben und homogen ausbalanciert wurden, ohne dabei jedoch den Identifikationsfaktor außer acht zu lassen. Letzterer liegt zu einem großen Teil an Cäsar Peter Gläsers Handschrift, die den Songs den notwendigen Wiedererkennungswert verleiht (seine Gitarre ist einfach nicht zu überhören), aber auch an den schon gewohnten Stimmen Cäsars und Reinhard Huths, die – gleichberechtigt in der Anzahl – die einmal mehr hochinteressanten und beschäftigungslohnenden Demmler-Texte zu Gehör brachten.

Karussell05.jpg

Demmler, wie Gläser und Jochen Hohl mit Renft-Vergangenheit, übertraf sich selber in Form und Verklausulierung der Themen, legte klug den Zeigefinger auf Dinge, die jeder nachvollziehen und denen jeder auch zustimmen konnte – egal von welcher Seite aus. Und im Prinzip ist das auch das „Geheimnis“ von Karussell (in der Erstbesetzung wohlgemerkt) im Allgemeinen und „Das einzige Leben“ im Besonderen: Jeder, der sich für Musik aus der DDR interessiert, wird hier etwas für sich finden. Und wenn es auch erst der letzte Titel der Platte, die Neueinspielung von „Wer die Rose ehrt“, sei … Kurz gesagt: Wer unsere Seiten regelmäßig aufsucht und dieses Album nicht kennt, sollte sich bewußt sein, einen der wichtigsten Teile des Ostrocks bisher übersehen zu haben und das Versäumnis schnellstens nachholen zu müssen! Alle anderen: Vielleicht geht es euch wie uns und ihr seid lange nicht mehr dazugekommen, „Das einzige Leben“ mal wieder in den Player zu schieben. Nutzt die Gelegenheit einfach und tut es jetzt – man ist sofort auf’s Neue von den majestätischen Strukturen überwältigt. Ganz sicher! Amen … (kf)

Und ja … ich teile diese Begeisterung … eine großartige Entdeckung … musikalisch abwechslungsreich mit feinen Ergänzungen (z.B die Mundharmonika bei „Halte durch“ und die Texte … vermutlich stets an der Grenze zur Zensur, die das Aufbegehren gegen beengte Lebensverhältnisse wird mehr als einmal subversiv thematisiert.

Na, jedenfalls haben Karussell ein neuen Fan gewonnen.

Karussell06.jpg

Besetzung:
Bernd Dünnebeil (guitar, steel-guitar)
Peter Gläser (vocals, guitar)
Jochen Hohl (drums)
Reinhard Huth (vocals, guitar)
Wolf Rüdiger Raschke (keyboards)
Claus Winter (bass)
+
Bernd Kleinow (harmonica bei 06.)
Thomas Kurzhals (Synthesizer bei 08.)

BackCover1
Titel:
01. Jungs (Hohl/Demmler) 4.35
02. Wiedersehen im Traum  3.20
03. Ein Leben lang (Hohl/Demmler) 5.59
04. Doch wenn die Hähne krähn (Winter/Demmler) 3.33
05. Lieb ein Mädchen (Winter/Demmler) 3.45
06. Halte durch (Huth/Demmler) 3.51
07. Nämlich bin ich glücklich (Gläser/Demmler) 4.
08. Das einzige Leben (Dünnebeil/Demmler) 4.34
09. Und der Wind endet nicht (Gläser/Huth/Demmler) 4.19
10. Wer die Rose ehrt (Gläser/Demmler) 3.02

LabelB1
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Der Text von „Jungs“ könnte glatt von mir handeln … damals:

Sie sind erwachsen nicht und sind nicht mehr klein
und haben Träume, die sind nicht mehr ganz rein.
Und übern Bett hängt Che Guevara neben einer nackten Frau.

Gehn noch zur Schule oder schon`n Betrieb.
Und tun, als hätt` sie überhaupt niemand lieb.
Und finden ihrer Leute leben viel zu eintönig und grau.

Es ist die Zeit in der man schreit:
Lasst uns, wir sind nicht wie ihr.
Die Welt ist groß, die Welt ist weit.
Und wir werden sein nicht so mühsam und klein,
wie Mama und Papa und alle hier.

Sie diskutieren über Gott und die Welt,
laufen in Blue Jeans rum und pfeifen auf Geld.
Und was sie haben geht für Platten drauf und Eintritt zu den Bands.

Denn bei den Bands, da komm`n die Typen zusammen
und die Musik ist wie ein geheimes Programm.
Dazu den Schlüsseln haben manchmal nur die ganz besonderen Fans.

Es ist die Zeit in der man schreit:
Lasst uns, wir sind nicht wie ihr.
Die Welt ist groß, die Welt ist weit.
Und wir werden sein nicht so mühsam und klein,
wie Mama und Papa und alle hier.

Es ist die Zeit in der man schreit:
Lasst uns, wir sind nicht wie ihr.
Die Welt ist groß, die Welt ist weit.
Und wir werden sein nicht so mühsam und klein,
wie Mama und Papa und alle hier.
Sie sind ohne Frage auch dazu in der Lage,
laut Mama, laut Papa und allen hier

Chris Barber – The Grundig Concert ´90 Digital (1980)

FrontCover1Ja hoppla, was ist denn das ? Ein Chris Barber in diesem blog ?

Nun, der Grund ist ganz einfach. Hier haben wir es mit einer deutschen Grundig-Privatpressung zu tun …

Und so können wir auf der Rückseite der Hülle dann auch folgendes lesen:

Chris Barber spielte diese Platte anläßlich der HiFi Düsseldorf 1980 auf dem Ausstellungsstand der Grundig AG ein. Das Tonstudio Bauer, Ludwigsburg, stellte die Digitaltechnik zur Verfügung und Deutschlands Direktschnittlabel Jeton übernahm die Produktion.

Nun denn, hier hören wir den ganz und gar traditionellen Chris Barber.

Der Song „Royal Garden Blues“ stammt z.B. aus dem Jahr 1919 … und so geht´s dann auch weiter … bis hin zu den Songs „Down By The Riverside“ und „Ice Cream“ … beide Songs wurde von Chris Barber erstmalig für eine Single im Jahr 1955 eingespielt …

Erstaunlich bleibt dabei, mit welcher Spielfreude sie einfach nur mal gute Laune verbreiten.

ChrisBarberBand1980

Chris Barber Band, 1980

Dass Chris Barber mehr kann … wissen die Experten, ich verweise mal auf die LP „Drat That Fratle Rat“ (1972 und und und … Wer mehr über Chris Barber wissen oder auch hören will, kann es ja mal hier versuchen.

Tja … und Grundig gibt es mittlerweile nicht mehr … den Chris Barber allerdings schon … der reist noch immer durch die Gegend … im zarten Alter von 87 Jahren !)

Ach ja, diese Aufnahmen wurden dann später auf der Jeton CD „Concert ’80(mit weiteren Titel dieses „Grundig“ Konzertes“erneut veröffentlicht.

ChrisBarber2017

Besetzung:
Chris Barber (trombone, vocals)
John Crocker (reeds)
Norman Emberson (drums)
Pat Halcox (trumpet)
Roger Hill (guitar)
Johnny McCallum (banjo, guitar)
Vic Pitt (bass)

BackCover1
Titel:
01. Royal Garden Blues (C.Williams/S.Williams) 7.36
02. Wabash Blues (Meinken) 5.49
03. Ha-Ha-This-A-Way (Ledbelly) 1.57
04. Sweet Sue (Young) 3.57
05. Ain’t Misbehavin (Waller/Brooks) 7.25
06. We Shall Walk Through The Streets Of The City (Traditional) 3.45
07. Down By The Riverside (Traditional) 3.32
08. Ice Cream (Johnson) 6.17

LabelB1
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Spliff – The Spliff Radio Show (1980)

FrontCover1Hm … mit denen kam ich irgendwie und eigentlich nie klar … aber dennoch … dieses Album ist ne Wucht :

Spliff war eine deutsche Band, die von 1980 bis 1985 existierte. Ihr musikalisches Repertoire verband Rock, Funk und elektronische Musik. Insbesondere die Keyboardsounds von Reinhold Heil und später das elektronische Schlagzeug der Marke Simmons SDS V prägten den Klang ihrer Musik.

Herwig Mitteregger, Bernhard Potschka und Manfred Praeker lernten sich in der Politrockband Lokomotive Kreuzberg kennen. Zusammen mit Reinhold Heil, damals aktiv in der Jazz-Formation Bakmak, und Nina Hagen wurden sie als Nina Hagen Band bekannt und veröffentlichten zwei Alben.

Nach der Trennung von Nina Hagen konzipierten die vier Musiker auf Anregung des Managers Günther Rakete zusammen mit dem Sänger Alf Klimek („Klimax“), dem deutsch-amerikanischen DJ Rik De Lisle und den Sängerinnen Lisa Bialac und Lyma Russel die Rockoper Spliff Radio Show. Sie wurde am 2. Mai 1980 im Berliner Kant-Kino live uraufgeführt; sie ist eine „bittere Satire auf das Musikgeschäft um den fiktiven Rock-Star Rocko J. Fonzo“ und hat dessen Aufstieg und Fall zum Thema. Das englischsprachige Album wurde unter anderem in Paris, Zürich, Amsterdam, Stockholm und London aufgeführt und erschien 1980 (bei CBS). Obwohl das Cover den Ausdruck Spliff nicht explizit als Bandnamen ausweist, sondern lediglich als Teil des Albumnamens, erscheint in den Liner Notes „Spliff are“ mit den auch hier genannten vier Bandmitgliedern; Alf Klimek erscheint unter „starring“, während Lyma Russel, Lisa Bialac und Rik De Lisle unter „featuring“ genannt werden. Hintergrund ist, dass die Spliff-Mitglieder ihre in der Zusammenarbeit mit Nina Hagen gemachten letztendlich schlechten Erfahrungen nicht wiederholen wollten und daher von „Frontschweinen“ Abstand suchten. (Quelle: wikipedia)

Spliff

Und dann folgte die „Spliff Radio Show“, quasi als Resultat ihrer im gleichen Jahr aufgeführten „Rock-Oper“.

Diese erste Platte „The Spliff Radio Show“ ist also die Kurzversion einer Revue, die Spliff am zweiten Mai 1980 in Berlin aufführen. Thematisch geht es um das Musikgeschäft allgemein und den fiktiven Musiker Rocko J. Fonzo im Besonderen. Auf dieser Scheibe bekommt jeder sein Fett ab. Produzenten, A&R-Menschen und kohlegeile Typen, die Musik nur als Produkt verstehen, quasi eine Vorhersage der kommenden Verhältnisse. Mit der Spliff Radio Show gelingt ihnen ein Achtungserfolg. (Quelle: laut.de)

Und herausgekommen ist eine richtig knackig-satirische Rockshow über die Tiefen und Untiefen des Rockbusiness … und sowas kriegen nur Burschen hin, die nicht nur ihr Handwerk gelernt haben, sondern die sich auch in der Rockmusik- und Geschichte auskennen.

Und fulminanter Höhepunkt dieser Show ist dann natürlich das siebenminütige „Rock Is A Drug“ …

Oh yeah …

Lyma Russel

Lyma Russel

Besetzung:
Reinhold Heil (keyboards, vocals)
Alf Klimax (vocals)
Herwig Mitteregger (drums, vocals)
Bernhard Potschka (guitar, vocals)
Manfred Praeker (bass, vocals)
+
Lisa Bialac (vocals bei 08.)
Rik deLisle (Dee Jay)
Lyma Russel (bei 02., 12.)

BackCover1

Titel:
01. Spliff-Jingle (Potschka/Heil) 0.24
02. Sweet As Radio (Klimek/Praeker/Potschka/Mitteregger) 3.58
03. Gravy (Heil/Potschka/Mitteregger/Praeker/Heil) 4.21
04. Disco-Kaine (Klimek/Praeker/Potschka(Mitteregger/Heil) 4.52
05. Stoned Airlines (Jingle) (deLisle/Praeker) 0.24
06. Baby I’m Bored (Mitteregger/Potschka/Praeker) 2.53
07. Gooroo (Klimek/Potschka/Mitteregger/Praeker/Heil) 5.07
08. Jive (Mitteregger/Potschka) 3.01
09. Spliff-Jingle (Potschka/Heil) 0.18
10. Cheap Chicks (Klimek/Heil/Potschka) 4.13
11. Wysocki College (Jingle) (deLisle/Heil) 0.51
12. Deep In The City (Sutcliffe/Ballard/Potschka/Mitteregger/Praeker/Heil) 4.21
13. Producers (Klimek/Heil) + Keep Your Feet On The Ground (Jingle) (Mitteregger/Potschka) 4.54
14. Jet Set Star (Mitteregger/Potschka/Praeker/Heil) 4.18
15. Rock Is A Drug (Klimek/Potschka/Mitteregger/Praeker/Heil) 7,45

LabelB1

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Rik De Lisle

Rik deLisle, 1980

Stefan Waggershausen – Hallo Engel (1980)

FrontCover1Auch so ein Liedermacher, der uns seit den 70er Jahren mit seinen z.T. durchaus nachdenkenswerten Texten unterhalten will:

Stefan Waggershausen (* 20. Februar 1949 in Friedrichshafen) ist ein deutscher

1971 zog Stefan Waggershausen nach Berlin. Während seines Studiums komponierte er seine ersten Songs und arbeitete als Regieassistent. Er machte seine ersten TV-Musiken, nach drei Jahren erschien das Plattendebüt „Traumtanzzeit“ (1974). Ab 1976 arbeitete Waggershausen beim Sender Freies Berlin und RIAS als Radiomoderator. Nebenbei entstanden bis dato unveröffentlichte Kompositionen und Produktionen mit verschiedenen Musikern.

1980 nahm Waggershausen mit dem Titel Verzeih’n Sie, Madame an der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. Nach der Abstimmung belegte er einen vierten Platz. 1981 erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis der deutschen Phonoakademie als „Künstler des Jahres“. „Hallo Engel“ wurde mit der Goldenen Europa ausgezeichnet. Im Oktober 1981 erschien „Fang mich auf“, ein Album über Verlierer und Unabhängige, melancholisch und ironisch. Im Winter folgte der erste große Liveauftritt bei „Rock Pop in Concert“ (ZDF), neben Chris de Burgh, Randy Newman und Sally Oldfield. (Quelle: wikipedia)

Soweit zu den Anfängen des Stefan Waggershausen … es folgten viele, viele Jahre des Erfolges und er ist bis heute aktiv.

Hier sein „zweites“ Debütalbum … sein wirkliches Debütalbum „Traumtanzzeit“ aus dem Jahre 1974 verlor sich in Raum und Zeit …

Waggershausen01

Aber bei „Hallo Engel“ war das anders !

„Mit diesem Album kam der „sanfte Rebbel“ ganz groß raus. Vor allem das Lied „Hallo Engel“ wurde damals im Radio rauf- und runtergespielt. Es ist auch heute noch, 30 Jahre danach toll anzuhören. Ein echter, toller Oldie! „Rosalinda“, „Verzeih’n Sie, Madame“ oder auch „Nachtcafé“ sind ebenso klasse Lieder, werden aber m.M. nach vom „Asphaltreiter“ klar getoppt. Man spürt beim Hören dieses Liedes beinahe das Leder der Motorradkombis knirschen und förmlich den Sound der Motorräder röhren. Einsame Spitze ist dieses Lied; allein dieser Textteil hat was: „Deckt die Karten nicht auf, so früh vor dem Ziel, nur eiskaltes Herz ist der Joker im Spiel“ und das in Bezug auf Motorradfahren.

Waggershausen03

Das sind mal vernünftige Texte, statt ein nichtsagendes „Wir war’n geboren um zu leben, für den einen Augenblick, bei dem jeder von uns spürte, wie wertvoll Leben ist“ – klingt für mich eher wie ein Gespräch zwischen zwei Eintagsfliegen.
Neben Achim Reichel ist Stefan Waggershausen für mich einer der besten deutschsprachigen Text- und Liedermacher. Die Texte sind in der Regel sinnvoll, geistreich und oft hintergründig. Bei beiden werden nicht einfach nur sinnlos Worte an Worte gehängt, sondern meist mit interessantem Inhalt gefüllt und eine (oft wirklich gute) Geschichte erzählt. Respekt!“ (R., Robert)

Waggershausen02

Die damalige Stefan Waggershausen Band

Und auf zwei Sahnehäubchen am Ende der LP muss ich noch dringend hinweisen: „Der Clown ist tot“

Der Clown ist gestorben, der Clown ist nun stumm
Er dachte nie an morgen und das brachte ihn um
Alle haben ihn bewundert, doch keiner zahlte ihm was
Jetzt ist er verhungert, er wurde nicht mehr satt
Der Clown ist jetzt tot, du kannst ihn nicht mehr seh`n
Vielleicht, wenn es sich lohnt, lass ich ihn aufersteh`n
Der Clown ist begraben, ganz tief in mir drin
Vielleicht werd` ich ihn fragen, ob er noch mal aufersteh`n will
Der Clown wurde reifer, es ging ihm nicht mehr so gut
Er sah zu viele Neider, sah zuviel Eifersucht und Wut
Der Clown wurde stiller, hat nicht mehr so viel gelacht
Seine Fans wurden Killer, sie haben ihn selbst umgebracht

Der Clown ist gestorben, der Clown tut mir leid
Er hatte zu viele Sorgen, war nur `ne Frage der Zeit
Der Clown bringt mich zum Weinen, er war so schön verrückt
Ich denk` an seine Glanzzeiten und ich fühle, er kommt zurück

Und dann noch „Nachtcafe“:

Der Saxofonmann spielt müde sein Lied
Frühmorgens um viertel nach vier.
Nachtcafé, auch dein Tequila hilft nicht,
Vergessen fällt mir heut‘ schwer.
Vielleicht geht es dir ähnlich wie mir,
Ich denk‘ daran, wie Linda hier saß.
An deiner Wand steht noch ihr Name in Lippenstift,
Wir hatten damals viel Spaß.

Nachtcafé, Nachtcafé,

Und heut‘ in der Tiefe der Nacht
Scheint es mir, Nachtcafé,
Als ob sie hier ist und leise lacht.
Nachtcafé, Nachtcafé,
Fühlst du es genauso wie ich?

Nachtcafé, ich hör‘ sie noch sagen,
Ich wär‘ zwar nicht ihr Typ,
Doch einen Versuch wär‘ ich wohl trotzdem Wert,
Wir lachten, und ich ging mit ihr mit.
Sie wusste nicht, was ich an ihr so lieb‘
Und ich nicht, was sie an mir mag.
Vielleicht nur das Bild eines anderen,
Das sie immer in mir sah.

Nachtcafé, Nachtcafé,
Sie lebt ihr Leben ohne Netz,
Und ich hoffe, Nachtcafé,
Dass das Leben sie niemals verletzt.
Nachtcafé, Nachtcafé,
Und sie findet, was sie sucht.

Man stellt keine Fragen, wenn es Zeit wird zu geh’n,
Irgendwann ist jeder allein,
Und nur, wer ein starkes Herz besitzt,
Wird am Ende Sieger sein.
Kristofferson sang zum Finale sein Lied von Bobby McKeane,
Und als ich sie so am Straßenrand sah
Hab‘ ich gewünscht, ich wär‘ ein bisschen wie sie.

Nachtcafé, Nachtcafé,
Sie lebt ihr Leben ohne Netz,
Und ich hoffe, Nachtcafé,
Dass das Leben sie niemals verletzt.
Nachtcafé, Nachtcafé,
Und sie findet, was sie sucht.

Das sind so Text, eingebettet in eine entsprechend einfühlsame Musik … da sag ich nur: Bravo und Respekt !

Inlet01.A

Besetzung:
Udo Arndt (guitar)
Curt Cress (drums, percussion)
Günther Gebauer (bass)
Harald Grosskopf (drums, percussion)
Manfred Hübler (keyboards)
Billy Lang (guitar)
Steve Miller (slide guitar)
Manfred Opitz (keyboards)
Rolf Römer (saxophone)
Ernst Schultz (mandoline)
Kristian Schultze (keyboards)
Eddie Taylor (saxophone)
Stefan Waggershausen (vocals, guitar)
Micki Westphal (bass)
+
background vocals:
Mike Cinnamon – Tom Cunningham

BackCover1
Titel:
01. Hallo Engel (Waggershausen) 5.03
02. Rosalinda (Waggershausen) 4.01
03. Vive la France (Waggershausen/Arndt) 3.59
04. Oh Johanna (Lob/Waggershausen) 3.56
05. Fünf Uhr früh (Waggershausen/Arndt) 3.46
06. Bitte erlöse mich nicht (Schultz/Waggershausen) + Wenn Liebe Freiheit raubt (Elsässer/Waggershausen) 3.57
07. Asphaltreiter (Elsässer/Waggershausen/Arndt) 4.09
08. Verzeih’n sie, Madame (Waggershausen) 3.19
09. Der Clown ist tot (Waggershausen) 3.12
10. Nachtcafe (Waggershausen/Arndt) 5.08

LabelB1
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Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

Hallo Engel … 
Mußt du wirklich schon geh’n?
So was wie dich
Kriegt man hier selten zu seh’n.
Ruf doch einfach
Da oben mal an
Und frag den lieben Gott
Ob du bis morgen früh bei mir bleiben kannst.

Seh’n alle Engel so aus wie du?
Ich dachte immer
Tequila ist für Engel tabu.
Sag mal
Bringt euch Elvis den Rock’n’Roll bei?
Ist der alte Herr da oben wirklich noch schwindelfrei?

Hallo Engel

Bitte trink nicht so viel

Sonst steht am Ende
Noch dein Job auf’m Spiel.
Ich will doch nur wissen
Was da oben so läuft

Denn noch’n paar Jahre –
Dann bin auch ich für’n Himmel soweit.

Kann Bogey da oben auch Casablanca seh’n

Oder spielt er am Abend Poker mit John Wayne?
Ist bei euch Reggae in der göttlichen Jukebox mit drin

Oder spielt ihr Saxophon für Norma Jean?

Hallo Engel

Ist es bei euch besser als hier

Oder nervt ihr euch
Vielleicht noch schlimmer als wir?
Ist es wahr Engel –
Lebt man im Himmel wirklich frei

Oder kontrolliert euch
Ein himmlisches FBI?

Fährt Janis Joplin da oben’n Mercedes Benz?
Haben Brian und Jimmy endlich ’ne gemeinsame Band?
Wo trifft sich John F.K. mit Marilyn?
Ach ja
Und was läuft eigentlich in Sachen Jimmy Dean?

Hallo Engel

Es ist wohl besser zu geh’n.
Servus Engel

Und laß dich wieder mal seh’n.
Wenn es geht bitte nicht am Donnerstag

Dann da bin ich im Studio

Aber wenn du trotzdem kommen magst – o.k.

Hallo Engel

Grüß mir Jimmy Morrison.
Und sag ihm
Engel

Wir vegessen ihn nicht –
Wir Vergessen dich nicht.