Sportfreunde Stiller – Die gute Seite (2002)

FrontCover1Manchmal bin ich ein Spätzünder … so wie hier … erst ganz langsam entdecke ich die „Sportfreunde Stiller“ … und das ist eine wirklich spannende Entdeckung:

Die gute Seite ist das zweite Studioalbum der deutschen Indie-Rockband Sportfreunde Stiller.

Es wurde erneut in Spanien aufgenommen und von Uwe Hoffmann produziert. Mit der Vorabsingle „Ein Kompliment“ konnten die Sportfreunde Stiller einen ersten Charterfolg verbuchen. (Quelle: wikipedia)
In den letzten zwei Jahren hat sich musikalisch nicht so viel geändert. Da stehen die Sportfreunde auch zu. „Ja, es sind immer noch wir! … Es stimmt, dass der Stil jetzt nicht anders ist. Das wollten wir auch so.“ Na dann ist ja gut.

Wichtig ist den drei Freunden ja vor allem eines: dass das Album Spaß macht und live ein Knaller wird. Und diese Kriterien erfüllt „Die Gute Seite“ voll und ganz. Hauptthema ist mal wieder Freundschaft. Im Gegensatz zum letzten Album hat sich kein Song, der von Sport handelt, auf das Album geschlichen (der Songtitel „Sportbeat“ täuscht, erinnert textlich und musikalisch eher ein bisschen an die Fetten Brote). Zu hundert Prozent wollte man das alte Album eben auch nicht abkupfern. Sogar Gesellschaftskritik ist aus einigen Texten herauszuhören. „Die Traumbilder der Werbung pflastern Stadt und Land … und ich frage mich gelegentlich bin das ich oder bin ich schon so wie die im Fernsehen …“ singen sie auf „Independent“. Auch auf dem Titelstück „Auf der Guten Seite“, auf „International“ oder „Der Fortschritt“ beschweren sich die Sportfreunde auf ihre ganz eigene, niedlich-liebenswerte Art über kleinere und größere Missstände.

Singles

Single Auskoppelungen

Sommerlaune kommt auf, die Festivalstimmung hebt sich. Das ist Sonnenmusik erster Güte, auch wenn zwischendurch mal schnulzig-pompös Streicher eingesetzt werden wie bei „Tage Wie Dieser“. Ein Song der mal nicht 110% gute Laune versprüht. Aber optimistisch bleibt er. Und dann wieder Songs wie „10:1“, in denen nach Einschätzung der Sportfreunde „totaler Müll drin vorkommt“. Dort singen sie: „Wir haben so viel Energie, dass wir den Kern spalten“. Also auf Jungs, ich warte auf die Livedarbietung der Songs. (Vicky Butscher auf laut.de, 2002)

Sportfreunde Stiller

Nun ja, zum knuddeln finde ich die Band nun wirklich nicht. Ihr Power-Pop-Rock dröhnt ganz gewaltig aus den Boxen, ein satter, fetter Sound macht sich da breit (man höre sich mal „Tage wie dieser“ an) und was mir dann ganz besonders gut gefällt, ist … dass ihre Texte z.T. ganz schön pfiffig sind (ihre Liebe/Triebe Texte entsprechen zwar nicht mehr ganz meinem Alter … aber vergessen habe ich diese Zeiten ja noch nicht) und ja, und politisch sind sie auch. Die Sportfreunde Stiller sind bis heute sehr aktiv gegen all die Neonazis, die unser Land bevölkern.

Und dann hatten die jungen Burschen natürlich auch ihren Spaß an einem „hidden track“ … nach „Hurra, wir fliegen“ folgt erstmal ne Pause von ca. 60 Sekunden und dann … man lasse sich überraschen.

Ach ja … schon damals gab es diese CD auch als LP … ein interessanter Trend, der sich damals anbahnte.

Labels

Die Labels der LP – Version

Besetzung:
Peter S.  „Balboa“ Brugger (guitar, vocals)
Rüdiger Linhof (bass)
Florian Weber (drums)

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Titel:

01. Wie lange sollen wir noch warten 3.31
02. Komm schon 2.41
03. Ein Kompliment 3.17
04. Sportbeat 2.44
05. Auf der guten Seite 3.44
06. Independent 2.57
07. International 3.26
08. 7 Tage 7 Nächte 2.53
09. Tage wie dieser 3.50
10. Der Fortschritt 2.42
11. 10:1 3.09
12.1. Hurra, wir fliegen 3.19
12.2. Untitled 2.18

Musik und Texte: Peter S. Brugger – Rüdiger Linhof – Florian Weber

CD1

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Rainhard Fendrich – Ein Saitensprung (2002)

FrontCover1Wahrlich eine Gala-Show. wahrlich eine Gala-Show der Extraklasse:

Auf Ein Saitensprung wartet Rainhard Fendrich mit einer handfesten Überraschung auf. Seine Anhänger kennen ihn als Liedermacher und Hitsänger von Song-Satiren („Oben ohne“, „Es lebe der Sport“, „Macho Macho“), liebten ihn als TV-Moderator von Herzblatt, applaudierten ihm als Musical-Komponisten (Wake Up) und haben ihn gerne als Fernseh- und Filmschauspieler gesehen. Als Interpret alter Schlager und Jazzstandards ist er hingegen bisher nicht in Erscheinung getreten. Genau in dieser Rolle präsentiert sich Fendrich — sozusagen die österreichische Antwort auf Robbie Williams — jetzt in einem Live-Mitschnitt aus dem Wiener Musentempel Ronacher. Und auch in dem Fach macht er eine erstaunlich gute Figur. Ein Mann mit vielen Gesichtern!

Am 10. und 11. Juni 2002 zeichnete der Künstler mithilfe der vielköpfigen One Night Stand Band diese Gala-Show für das Fernsehen auf. Im feinen Zwirn, d. h. mit Smoking und Fliege gab er im „Jurassic Park der Fernsehunterhaltung“ (O-Ton Fendrich) überzeugend den Entertainer der alten Schule. Er swingte mit Fingerschnipp-Rhythmus und echtem Jazzfeeling durch Klassiker wie Cole Porters „Let’s Do It“, Kurt Weills „Mackie Messer“ und Bert Kämpferts Welt-Hit „Dankeschön“. Er bot Spaß bringende Neufassungen von deutschen Schlagern aus grauer Vorzeit („Ganz in Weiß“, „Kalkutta liegt am Ganges“, „Souvenirs“, „Das machen nur die Beine von Dolores“). Und er trug ein paar Ohrwürmer vor, für die er eigens neue, lustige Textzeilen verfasst hatte („Schöner Gigolo“, „Zuckerpuppe“ etc.).

RainhardFendrich
Als Gäste konnte der Wiener prominente Kollegen begrüßen: Mit Bill Ramsey stimmte er den Oldie „The Lady Is A Tramp“ an, PRO7-Talkmasterin Arabella Kiesbauer gab sich in „Lady Sunshine“ als gar nicht mal schlechte Sängerin die Ehre, und Udo Jürgens schaute für eine Duettversion seines Stückes „Ich glaube“ vorbei. Ein rundum gelungener Seitensprung. (Harald Kepler)

Ein bunter Strauß alter und bekannter Melodien, manchmal kommt so ein Gala-Konzert wirklich zur rechten Zeit !

Fendrich

Besetzung:
Monika Ballwein (background vocals)
David Bell (bass)
Josef Buchartz (trumpet)
Rainhard Fendrich (vocals)
Karl „Bumi“ Fian (trumpet)
Maria Frodl (cello)
Martin Fuss (saxophone, clarinet, flute)
Nina Heidenreich (violin)
Stella Jones (background vocals)
Stephan Maass (percussion)
Mario Gherorgiu (violin)
Kota Morikawa (viola)
Robert Musenbichler (guitar)
Hannes Oberwalder (keyboards)
Thomas Rabitsch (keyboards)
Christian Radovan (trombone)
Peter Wrba (drums)
+
Udo Jürgens (vocals bei 09.)
Bill Ramsey (vocals bei 02.)

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Titel:
01. In der Stille der Nacht (Porter/Mleinek) 5.16
02. The Lady Is A Tramp (Rodgers/Hart) 2.57
03. Das machen nur die Beine von Dolores (Jary/Balz) 3.37
04. Zuckerpuppe (Gietz/Bradtke) 2.46
05. Kalkutta liegt am Ganges (Gaze/Bradtke) 1.55
06. Souvenirs (Cy) 2.10
07. Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett (Gietz/Bradtke) 3.16
08. Dankeschön (Kämpfert/Schabach/Fendrich) 3.06
09. Ich glaube (Jürgens/Brandin) 3.54
10. Sei mal verliebt (Porter/Mleinek) 2.32
11. Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hammerschmidt/Knef) 3.21
12. Sommerwind (Mayer/Bradtke) 3.05
13. Schöner Gigolo (Casucci/Brmmer) 3.42
14. Der g’schrupfte Ferdl (Bronner) 4.36

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Burnt Friedman & Jaki Liebezeit – Secret Rhythms, Vol. 1 (2002)

Mir war gar nicht bewusst, dass er schon so alt war … liegt vielleicht daran, weil er stets jung geblieben ist.frontcover1

„Am Sonntagmorgen ist Jaki Liebezeit im Alter von 78 Jahren in Köln an den Folgen einer plötzlichen Lungenentzündung gestorben.

„Bald nachdem ich aus der tiefsten Provinz nach Köln gezogen war führte mich ein guter Geist an den Kai des damals noch entschieden ungentrifizierten Rheinauhafens. Junge Menschen feierten in dem rumpeligen ehemaligen Getreidespeicher eine Party. Im Keller aber schlug Jaki Liebezeit auf seine Trommel, wie in Trance, im immer gleichen, um keine hundertstel Sekunde sich verschiebenden Rhythmus. Ein bleicher, langhaarige Gitarrist improvisierte dazu, aber das war nicht so wichtig. Hier, unter dem Wasserspiegel des Rheins schlug das animalische, mechanische, schamanische Herz von Köln. Das war beinahe ein Initiationsritus, ich war endlich angekommen in der fremden Stadt.
Am Sonntagmorgen ist Jaki Liebezeit im Alter von 78 Jahren in Köln an den Folgen einer plötzlichen Lungenentzündung gestorben. Das vermeldete die offizielle Facebook-Seite von Spoon Records, dem eigenen Plattenlabel von Can, der einzigen Kölner Band, die es zu Weltruhm gebracht hat. Nicht zuletzt dank des Schlagzeugspiels von Liebezeit, das im Ausland als das hervorstechendste, weil unerhört neue, Merkmal des Krautrock-Sounds wahrgenommen wurde. Gibt man die Worte „Jaki Liebezeit“ in Google ein, schlägt die Suchmaschine zwei Ergänzungen vor: „Köln“ und „best drummer“.
Ein weithin anerkannter Schlagwerker war der 1938 in Dresden geborene Liebezeit auch schon vor seiner Zeit bei Can. Nach der Schulzeit flüchtete er aus grauer Städte Mauern ins sonnige Barcelona,  spielte dort unter anderem in der Band des blinden spanischen Jazz-Pianisten Tete Montoliu und begleitete den traurigen Trompeter Chet Baker. Mitte der 60er Jahre kehrte Liebezeit nach Deutschland zurück, um in Köln im Quintett des Trompeters Manfred Schoof zu trommeln. Das hatte wesentlichen Anteil daran, eine europäische Variante des amerikanischen Free Jazz zu etablieren. Hört man sich Liebezeits rumorendes, eruptives Spiel auf dessen 1966er Album „Voices“ an, käme man nicht im Traum darauf, dass dies derselbe Drummer ist, der zwei Jahre später Can mitgründen würde.
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Die Kölner Band vereinte die Stockhausen-Schüler Irmin Schmidt und Holger Czukay mit dem jungen Rock-Gitarristen Michael Karoli und kurz darauf auch mit dem schwarzen Bildhauer Malcom Mooney. Zusammengehalten aber wurde diese eigenartige Mixtur von Jaki Liebezeit, der sich dafür noch einmal völlig neu erfand. Dizzy Gillespie hatte einmal auf die Frage, was am Ende der rasanten Entwicklung des Jazz stünde, geantwortet: Ein Mann, der auf eine Trommel schlägt. Für Can wurde Jaki Liebezeit zu diesem Mann. „Er spielt wie eine Maschine, nur besser“, lobte sein Bandkollege Holger Czukay. Liebezeit hatte sein Spiel mit äußerster Disziplin aufs Wesentliche reduziert, spielte „motorisch“, wie eine gut geölte Maschine, ein menschlicher Drumcomputer, noch bevor dessen mechanischer Gegenpart erfunden worden war. Und drang auf diese repetitive Weise zu neuen Rhythmen vor, im gleichen Maße hypnotisch wie funky. Zu Liebezeits Spiel auf Can-Alben wie „Monster Movie“, „Ege Bamyasi“ oder „Tago Mago“ konnte man sich ins egolose Nirwana verlieren oder den Hintern bewegen. „Can“ war New Yorker Slang fürs Hinterteil, stand nach Liebezeits Definition aber gleichzeitig akronymisch für „Communism, Anarchism, Nihilism“.
Der Ruf der Band wurde weithin gehört. Zuerst entdeckten britische Neutöner wie Brian Eno (mit dem Liebezeit dann auch spielte) und David Bowie die Band, kurz darauf Punkrocker wie die Buzzcocks oder Johnny Rotten von den Sex Pistols, anschließend Indie-Bands wie The Fall, Pavement, Radiohead oder Franz Ferdinand – und schließlich HipHop-Größen wie Kanye West. Man kann Liebezeits Einfluss auf den Alben der Stone Roses und der Talking Heads nachspüren, man kann ihn auf Veröffentlichungen der Eurythmics und Depeche Modes auch selbst spielen hören. Und hierzulande konnte man ihn jahrelang in schöner Regelmäßigkeit mit seinen Post-Can-Formationen Phantomband, Club off Chaos und Drums off Chaos erleben, oder an der Seite des Elektroniker Burnt Friedmann. Er trommelte immer weiter, mit der ihm eigenen Bescheidenheit, ein Weltstar in Kölner Kellern.
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Mit Can, 1972

„Alle Wege des Trommelns führen zu Jaki Liebezeit“, twitterte Cedric Bixler-Zavala, Frontmann von At the Drive-In und The Mars Volta jetzt in Reaktion auf die Todesnachricht.
Im April hätte Liebezeit eigentlich ein großes Konzert zum 50-Jährigen von Can in London geben sollen, zusammen mit Irmin Schmidt, Malcom Mooney, Mitgliedern von Sonic Youth und dem London Symphony Orchestra. Vielleicht wird das jetzt zum Gedenkgottesdienst. Was soll man sonst tun, jetzt wo der manisch voranschreitende Herzschlag der modernen Popmusik ausgesetzt hat? (Christian Bos)
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Burnt Friedman + Jaki Liebezeit

Als kleine Erinnerung an diese Ausnahmemusiker eines seiner vielen Soloalben, die er gemeinsam mit dem deutschen Avantgardmusiker Burnt Friedman eingespielt hat und es ist, um es gleich vorweg zunehmen, ein großartiges Album:
Der erste Eindruck ist der eines „unerbittlichen“ Grooves – entspannt und präzise. Die Geschichte, wie Jaki Liebezeit im Zweikampf gegen ein Metronom gewann, erscheint alt wie die Welt – was inzwischen Staub angesetzt hat, ist aber nur das besiegte Metronom, nicht Liebezeits Schlagzeugspiel. In der Zusammenarbeit mit Burnt Friedman wird nun ein neues Kapitel geheimnisvoller Rhythmen aufgeschlagen.
Jaki Liebezeit/Burnt Friedman – „Secret Rhythms“
Die Instrumentierung auf „Secret Rhythms“ ist sparsam, läßt an jeder Stelle Raum – und definiert diesen in sich gegeneinander verschiebenden, verdichtenden und ausdünnenden Strukturen aus Percussion, Keyboards (Friedman) und Vibraphon (Morten Grønvad). Repetitive Pianopassagen oder gelegentlich bedrohliche, an Brian Eno erinnernde Gitarrensounds werden innerhalb und außerhalb des rhythmischen Rasters frei plaziert – meist ergibt sich ein idyllisches Soundbild, das trotz seiner scheinbaren Friedlichkeit ungeheuer spannungsgeladen ist.
Wer sich gerne an Bands wie die Phantomband erinnert, wird ein angenehmes Déja Vu haben. Abgesehen davon gibt es aber noch andere Anreize hier reinzuhören: Besitzer guter Stereoanlagen werden ihre Freude an dem brillianten Klang der Aufnahme haben.
Diese Platte ist wie ein Roadmovie, das durch geheimnisvolle, unentdeckte Gegenden führt. Doch manche Landschaften lassen sich nicht mit Worten beschreiben – man muß sie erlebt haben . (Frank Bongers)
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Besetzung:
Burnt Friedman (Keyboards, Synthesizer, melodica, Percussion)
Jaki Liebezeit (drums, Percussion)
+
August Engkilde (bass bei 01., 03. + 07.)
Morten Grønvad (Vibraphone bei 01. – 04., 07.)
Joseph Suchy (guitar)

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Titel:

01. Rhein Rauf 6.25
02. Rechter Winkl  4.23
03. Royal Roost  5.46
04. Shades Of Soddin Orion 4.18
05. Rastafahndung  3.40
06. Gulli Verreisen 4.59
07  Wirklich  3.14
08. Obscured By 5 3.48
09. Obscured By 5 (Nonplace Rmx + Extended) (18.17)
09.1. Remix 4:50
09.2.Extended 13.26
Musik: Burnt Friedman + Jaki Liebezeit
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