Willi Rösner – Heilige Nacht – Eine Weihnachtslegende von Ludwig Thoma (1956)

FrontCover1Ludwig Thoma – Die „Heilige Nacht“ am Tegernsee

„Jetzt, Leuteln, jetzt loost’s amal zua!
Mei Gsangl is wohl a weng alt,
Es is aba dennascht schö gnua.
I moan, daß ’s enk allesamm gfallt.“

So beginnt eine der bekanntesten bayerischen Weihnachtsgeschichten: Die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma aus dem Jahr 1917. Der Schriftsteller, der zu dieser Zeit bereits neun Jahre „Auf der Tuften“ in Tegernsee lebt, beschreibt die Geschichte von Maria und Joseph auf eine ganz eigene, eben eine bayerische Art:

„Es war selm in Nazareth hint
A Mo, der si Joseph hat gnennt;
So brav, wia ma net oft oan findt
Und wia ma’s net glei a so kennt.

[…]

Z‘ Palästina waar’s a weng hoaß.
Da kunnt oana ’s Bier net ganz g’rat’n,
So moant ma. Dös hätt no koa G’fahr,
Denn drei und vier Maß san koa Schad’n,
Weil’s selbigs Mal billiga war.“

Längst gelten die Gesänge der „Heiligen Nacht“ als Volksweisen und gehören zum weihnachtlichen Repertoire vieler Volksmusik-Ensembles:

„Im Wald is so staad,
Alle Weg san vawaht,
Alle Weg san vaschniebn,
Is koa Steigl net bliebn.“

Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ geht dabei mit der Realität großzügig um. Die Geschichte von Maria und Joseph spielt in einem verschneiten Land mit Bergen und Almhütten, welches eher den Tegernseer Bergen ähnelt, als dem „echten“ Heiligen Land:

„Beim Tagwer’n, es war no ganz fruah,
Schaugt da Joseph außi in Schnee.
»Maria, jetzt genga ma zua,
Z’erscht trink‘ ma no insern Kaffee.“

Doch genau wie in der „echten“ Weihnachtsgeschichte sind es nicht die abweisenden Bewohner Bethlehems, die den Heiland zuerst erblicken. In der bayerischen Erzählung ist es ein einfacher Hüterbub, der die Reisenden Maria und Joseph in einen Stall führt und ihnen so ein Nachtquartier bietet:

„Guat Nacht jetzt und schlaft’s ma recht guat
Und laßt’s enk nix kümmern mitnand.
I woaß an mir selba, wia’s tuat,
Und ’s Armsei‘, dös is ma bekannt.

[…]

Oes Hüata, kemmt’s allesamm her!
Es schlagt enk de heiligste Stund,
Ja, Gott in da Höh sei de Ehr!
Und Frieden den Menschen herunt!“

(Quelle: tegernsee-schliersee.de)

So ganz kann man sich das gar nicht vorstellen … da tobt der I. Weltkrieg und dann schreibt der Ludwig Thoma diese bayerische Weihnachtsgeschichte … aber es war halt so.

Hier eine Lesung mit Willi Rösner:

Willy Rösner (* 19. Mai 1893 in Rosenheim; † 2. Oktober 1966 in München) war ein deutscher Schauspieler.

WilliRösnerRösner besuchte nach der Realschule mit Abitur von 1912 bis 1914 die Münchner Schauspielschule Otto König und trat erstmals 1913 als Stauffacher in Wilhelm Tell am Münchner Volkstheater in Erscheinung. Dort erhielt er alsbald ein Engagement, doch der Einsatz im Ersten Weltkrieg unterbrach zunächst seine Theaterlaufbahn.

1919 bis 1921 spielte er in Augsburg, 1921/22 in Altona, 1922/23 in Krefeld, 1923/23 in Aussig und von 1924 bis 1933 am Deutschen Landestheater in Prag. Danach arbeitete er 1933/34 wieder am Volkstheater in München und 1941 bis 1944 gehörte er zum Ensemble des Deutschen Volkstheaters in Wien unter Walter Bruno Iltz, von 1946 bis 1950 agierte er für das Bayerische Staatsschauspiel in München. Seit 1926 wirkte er auch für den Rundfunk.

Im Kino wurde Willy Rösners Domäne der in Bayern spielende Heimatfilm, wo er immer wieder kaltherzige, berechnende Landmänner verkörperte, die durch ihren Egoismus dem Glück anderer im Wege stehen. Im Historienfilm Ludwig II. – Glanz und Elend eines Königs um den von O. W. Fischer dargestellten Märchenkönig bildete er als Ministerratsvorsitzender Johann von Lutz dessen Gegenspieler. Er ist auf dem Friedhof in Rosenheim bestattet. (Quelle: wikipedia)

Der Text wird im gepeflegten boarischen Dialekt (alles andere hätte ja auch bei einer bayerischen Weihnachtsgeschichte keinen Sinn gemacht) vorgetragen … unterbrochen von Ziterh- und Hackbrettklängen sowie lieblichem Chorgesang.

Ludwig Thoma

Ludwig Thoma

Irgendwie eine ganz gemütliche LP, die – das sei verraten – aus dem Bestand meiner mittlerweile 90jährigen Tante stammt.

Front+BackCover1975

Front + ackCover einer Wiederveröffentlichung aus dem Jahre 1975

Besetzung:
Willi Rösner (Sprecher)
+
Rudi Knabl (zither)
Hans Seidl (hackbrett)
+
Gesang:
Die Waakirchner Sänger – Die Fischbachauer Dirndl

BackCover1

Titel:
01. Heilige Nacht – Eine Weihnachtslegende (Teil 1) 26.12
02. Heilige Nacht – Eine Weihnachtslegende (Teil 2) 25.05

LabelB1

* (demnächst)
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Und hier geht´s zur Textausgabe (click on the pic):

Originalausgabe

Verschiedene Interpreten – Stimmen Bayerns – Die Liebe (2011)

FrontCover1Und jetzt wieder mal ein ganz besonderes Schmankerl, zumindest für meine Ohren:

Das Bayerische zwischen gestern und heute, Widerstand und Witz, Sex und Siechtum

Es ist ein wenig aus dem Blick geraten. Vor lauter Laptop und Lederhosen, wirtschaftlichem Erfolg und deutschen Fußballmeisterschaften im Dutzend konnte man glatt vergessen, dass der Bayer ja eigentlich ein ganz netter Kerl ist, dass er nicht schon immer krankhaft hohe Mieten am Starnberger See bezahlt hat, sondern auch ein Widerständiger, Ungehobelter in ihm wohnt, ein Haderlump, ein Anarchist bisweilen gar. Diese Traditionen nimmt, bevor sie völlig verschüttet werden, Stimmen Bayerns auf. Den Machern des Trikont-Labels, die ihre spannenden Kompilationen sonst gerne in die Hände externer Experten legen, ist die Reihe so wichtig, dass sie höchstselbst kuratiert haben. Mit Die Liebe und Der Tod liegen nun die ersten beiden Folgen vor, weitere zu Themen wie Rausch, Freiheit, Verbrechen, Hass und Treue sollen folgen. Nicht fehlen dürfen natürlich: Bayerische Institutionen wie Franz Xaver Kroetz, Helmut Fischer, Herbert Achternbusch, Gerhard Polt, Therese Giehse, Willy Michl, Karl Obermayr und Gustl Bayrhammer, der Ludwig Thoma liest.

Cleo Kretschmer

Cleo Kretschmer (mit Wolfgang Fierek)

Manche singen, aber die meisten sprechen: Das ist folgerichtig, hat Trikont, doch einst als Verlag begonnen. Das ist aber auch großartig, weil man nun hört, wie musikalisch das Bayerische ist, wie die Sprache selbst, sogar ohne Dialekt, allein durch Duktus und Klang zur Musik wird. Diese Eigenschaft des Bayerischen sorgt dafür, dass noch die derbsten Texte, voller grobem Sex, voller nackter Haut, voller Krankheiten und Siechtum, nicht nur vor Humor und Lebenslust sprühen, sondern das Krachlederne eine ganz eigene Poesie entwickelt. Aber Stimmen Bayerns ist nicht nur Retrospektive einer glorreichen Vergangenheit, sondern vor allem der Versuch, diese Traditionslinien in die Gegenwart zu verlegen. Einem Text von Ödön von Horvath folgt nun eben einer von Franz Dobler, in dem ausdiskutiert wird, ob The Clash Verräter sind. Ja, es sind vor allem Trikont-Künstler wie LaBrassBanda, Hans Söllner und Coconami, die die Brücke in die Jetztzeit schlagen, aber das ist nur folgerichtig, schließlich kümmert sich ja kaum jemand sonst neben Trikont um diese Schnittmenge aus Volkskunst und Popkultur. Für diese Arbeit setzen sich Trikont mit Stimmen Bayerns ein vollkommen verdientes Denkmal. Mia san mia und mia machen’s dann halt selbst. (Musik Express 09/2011)

Gustl Bayrhammer

Gustl Bayrhammer

Die „Stimmen Bayerns – Die Liebe“ sind eine einzigartige Enzyklopädie der bayerischen Seele. Gedichte, Kurzgeschichten, Essays, Musik, Songs und Sketche, Radiofeatures, Soundcollagen, Film-Tonspuren und O-Töne werden von namhaften Bayern (u. a. Helmut Fischer, F. X. Kroetz, Gustl Bayrhammer) vorgetragen. Öffentliche Stimmen aus Theater, Radio, Fernsehen oder Tonträger markieren den heimatlichen, regionalen Kreis der eigenen Herkunft. Generationen sind mit diesen Stimmen groß geworden – sie beinhalten Klischees und Abgrund, Verschrobenheit und Sentimentalität. Sie verkörpern gleichsam eine bayerische Übereinkunft, sorgen für das Gefühl des Einheimischseins. Die „Stimmen Bayerns“ können deshalb auch ohne Dialekt sprechen und trotzdem mit dem Lebensgefühl einer Gegend verbunden sein. (Quelle: www.br.de)

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Und manchmal frag ich mich, ob es in anderen Regionen ähnlich intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Region gibt. Ich vermute, dass genau dies der Fall ist … und so werde ich weiter stöbern (irgendwann mal werde ich wohl mal wieder in unterwegs sein) um hier auch die bunte Vielfalt aus deutschen Landen präsentieren zu können.

Prädikat: besonders wertvoll !

BookletBackCover1

 

Titel:
01. Helmut Fischer: Spatzl, schau wie I schau 3.46
02. Josef Bierbichler liest Wolf Wondratschek : König Ludwig Lied 1.21
03. Udo Wachtveitl liest Robert Hültner: Liebesszene 4.13
04. Bally Prell: Der Föhnwind 2.05
05. Martina Gedeck liest Ödön von Horváth : Anna Pollinger wird praktisch 2.48
06. Franz Dobler: Denn ich sah, dass alle Hunde schliefen 3.41
07. Franz Xaver Kroetz: Dichters Liebesnacht 1.16
08. Willy Michl: Willys Liebeslied 3.34
09. Iris Mayer liest Franz Xaver Judenmann: Liebe Lies 1.38
10. Georg Ringsgwandl: Oma 4.02
11. Albert Ostermaier: Lost & Found 0.39
12. LaBrass Banda: Rotes Hoserl 3.42
13. Veronika Fitz und Walter Sedlmayr lesen Karl Valentin : Streit mit schönen Worten 4.00
14. Gustl Bayrhammer liest Ludwig Thoma : Der Rosl vom Spöckmeier zu ihrer Vermählung 1.43
15. Williams Wetsox: Hey kloana Vogl 04.21
16. Cleo Kretschmer: Danilo 1.42
17. Isarspatzen: Marina 2.41
18. Bernhard Butz liest Georg Queri: Der Hirnpecker 3.03
19. Ruth Geiersberger: Die Liebe 5.55
20. Ali Mitgutsch: Endlich, der erste Kuss 5.32
21. Marcus H. Rosenmüller: Schalalala ist die Liebe nicht schön? 3.17
22. Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater: Kasperl und die wahre Liebe 2.06

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HelmutFischer

Denkmal für Helmut Fischer in der Rolle des Monaco Franze in München, Münchner Freiheit

Ludwig Thoma – Heilige Nacht (1964)

titelDer bayerische Heimatdichter Ludwig Thoma hat mit seiner Weihnachtsgeschichte „Heilige Nacht“ ganz sicher einen Klassiker bayerischer Weihnachts- und Heimatgeschichten geschrieben.

„Die Weihnachtsgeschichte Thomas, in der er auf ganz eigene Weise Jesu Geburt nach dem Lukas-Evangelium nacherzählt, ist nicht pure Folklore, sondern eine ergreifende Dichtung und ein echtes Stück Zeitgeschichte.

Ludwig Thoma schrieb die Weihnachtsgeschichte mitten im Ersten Weltkrieg. Thoma war 1915 Sanitäter an der Ostfront (Galizien, Russland) gewesen, dann aber an Ruhr erkrankt. Daheim in seinem Haus am Tuften in Tegernsee erholte er sich.

Über die Entstehung der „Heiligen Nacht“ im Dezember 1915 berichtet der Volksschauspieler Bertl Schultes: „Es war Advent. Thoma war mit seinem Jäger in seinen Tegernseer Bergen. Eisig kalt war es und ein scharfer Wind schnitt einem schier das Gesicht entzwei (…) Mit einemmal wurde es windstill, die Kälte ließ nach, nur große Schneeflocken legten sich lautlos auf die Erde. Langsam, Schritt für Schritt, ging es bergab. Auf einmal hörte der Jäger, wie Thoma vor sich hinsagte: Im Wald is so staad, alle Weg san vawaht (…).“ Das war die Geburtsstunde der „Heiligen Nacht“, schreibt Thomas Biograph Richard Lemp.

Ein Blitzeinfall auf der Pirsch also. Dennoch dauerte es bis März 1916, ehe Thoma seine „Heilige Nacht“ fertig hatte. Erschienen ist sie sogar noch später – 1917. Da war Thoma, verbittert durch die drohende Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg, schon drauf und dran, ein Nationalist zu werden. Er schloss sich der „Deutschen Vaterlandspartei“ an. Später, ab 1920 bis kurz vor seinem Tod durch Magenkrebs am 26. August 1921, kamen bitterböse antisemitische Artikel dazu.

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Ludwig Thoma

In der „Heiligen Nacht“ ist von dieser späten Wandlung des ursprünglichen linksliberalen Monarchiekritikers noch nichts zu erahnen. Es ist eine wunderbare lyrische Weihnachtsgeschichte, an der zweierlei auffällt: ein ganz eigener bairischer Dialekt und ein gesittet Maß an Sozialkritik.

Eigentümlich ist Thomas Bairisch. Er selbst hat das wohl als Lenggrieser Dialekt bezeichnet – das ist seltsam, weil Thoma mit Lenggries nichts verbindet und er ja seit 1908 am Tegernsee heimisch war. Auch Gerhard Holz, der die „Heilige Nacht“ oft vorgetragen hat, ist der Lenggrieser Dialekt nicht als eigener Sprachtypus bekannt. Was aber auffällt, sind Tiroler Einflüsse. Thoma schreibt „Enk“ und meint „Euch“ (statt dem üblichem bairischen eich). Er schreibt „Klumsn“ und meint damit den Spalt zwischen zwei Holzbrettern – und selbst Gerhard Holz bekennt: „Ich habe das Wort vorher nicht gekannt“. „Ins“ für „unsere“ (Sache) ist ein weiterer Ausdruck Thomas. „Angscht“ für Angst klingt fast schon Schwäbisch. „Und zahnt recht“ für dableckn ist einfach köstlich. Der Text der „Heiligen Nacht“ ist auch für Kenner anspruchsvoll – „das muss man üben“, sagt Holz.

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Bemerkenswert auch: Biblische Szenen sind in einen bäuerlich-dörflichen Alltag übertragen. „Stark tritt die Armut des biblischen Paares Josef und Maria hervor“, schreibt die Autorin Gertrud Maria Rösch. Die Betonung der Armut wie der Nächstenliebe war schon vorher Thema seiner jährlichen Weihnachtsgedichte gewesen, die Thoma für den „Simplicissimus“ schrieb. „’S werd gwen sei, wia’s heunt aa no ist“, fügt Thoma lakonisch an – und überträgt damit den Gegensatz arm-reich in die Gegenwart. Als sich die Geburt Jesu durch den Stern ankündigt, bleiben die Reichen in Bethlehem ohne Regung in den Betten liegen. Zum Schluss schreibt der Autor: „Und fragt’s enk, ob dös nix bedeut’, / Dass’s Christkind bloß Arme g’sehg’n hamm.“

Schon 1906 im Stadelheimer Gefängnis hatte Thoma geschrieben, wie er seinen Jesus interpretiert – als jemanden, der „sich entschlossen auf die Seite der Armen schlägt und den Reichtum ausnahmslos verdammt“. Und das ist wohl auch heute aktuell und nachdenkenswert.(Quelle: Münchner Merkur, 14. Dezember 2015)

Und hier eine kleine Werkanalyse:

„Jetzt, Leuteln, jetzt loost’s amal zua!
Mei Gsangl is wohl a weng alt,
Es is aba dennascht schö gnua.
I moan, daß ’s enk allesamm gfallt.“

So beginnt eine der bekanntesten bayerischen Weihnachtsgeschichten: Die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma aus dem Jahr 1917. Der Schriftsteller, der zu dieser Zeit bereits neun Jahre „Auf der Tuften“ in Tegernsee lebt, beschreibt die Geschichte von Maria und Joseph auf eine ganz eigene, eben eine bayerische Art:

„Es war selm in Nazareth hint
A Mo, der si Joseph hat gnennt;
So brav, wia ma net oft oan findt
Und wia ma’s net glei a so kennt.

[…]

Z‘ Palästina waar’s a weng hoaß.
Da kunnt oana ’s Bier net ganz g’rat’n,
So moant ma. Dös hätt no koa G’fahr,
Denn drei und vier Maß san koa Schad’n,
Weil’s selbigs Mal billiga war.“

erstausgabe1917

Erstausgabe, 1917

Längst gelten die Gesänge der „Heiligen Nacht“ als Volksweisen und gehören zum weihnachtlichen Repertoire vieler Volksmusik-Ensembles:

„Im Wald is so staad,
Alle Weg san vawaht,
Alle Weg san vaschniebn,
Is koa Steigl net bliebn.“

Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ geht dabei mit der Realität großzügig um. Die Geschichte von Maria und Joseph spielt in einem verschneiten Land mit Bergen und Almhütten, welches eher den Tegernseer Bergen ähnelt, als dem „echten“ Heiligen Land:

„Beim Tagwer’n, es war no ganz fruah,
Schaugt da Joseph außi in Schnee.
»Maria, jetzt genga ma zua,
Z’erscht trink‘ ma no insern Kaffee.“

Doch genau wie in der „echten“ Weihnachtsgeschichte sind es nicht die abweisenden Bewohner Bethlehems, die den Heiland zuerst erblicken. In der bayerischen Erzählung ist es ein einfacher Hüterbub, der die Reisenden Maria und Joseph in einen Stall führt und ihnen so ein Nachtquartier bietet:

„Guat Nacht jetzt und schlaft’s ma recht guat
Und laßt’s enk nix kümmern mitnand.
I woaß an mir selba, wia’s tuat,
Und ’s Armsei‘, dös is ma bekannt.

[…]

Oes Hüata, kemmt’s allesamm her!
Es schlagt enk de heiligste Stund,
Ja, Gott in da Höh sei de Ehr!
Und Frieden den Menschen herunt!“

Und so schließt Thoma zwar mit den Erkenntnissen der Weihnachtsgeschichte und doch mit seinen ganz eigenen Ansichten, in seinen eigenen Worten:

„Sie nehman Bfüad Good voranand
Und gengan na hoam durch de Nacht.
In Bethlehem hot ma nix g’spannt,
Vo dena is neamad aufg’wacht.
Und geht’s ös in d‘ Mett’n, ös Leut,
Na roat’s enk de G’schicht a weng z’samm!
Und fragt’s enk, ob dös nix bedeut‘,
Daß ’s Christkind bloß Arme g’sehg’n hamm.“

Hier eine der unzähligen Buchausgaben … erstmalig 194 veröffentlicht … mein Exemplar stammt aus dem Jahr 1964 (Auflage: 84 – 90 Tausend); und ja … ich habe einen Faible für Gebrauchsgraphik … in diesem Buch finden sich viele beeindruckende Beispiele aus der Feder von Wilhelm Schulz.

Und weil es nicht so ganz einfach ist, den bayerischen Dialekt zu verstehen, gibt es demnächst noch eine Lesung dieser „Weihnachtslegende“ … vorgetragen von einem, der es wirklich kann: Gustl Bayrhammer.

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beispiel09

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Ein werbender Klappentext: Fehlanzeige !