Die Dixie-Kavaliere – Amalie geht mit’m Gummikavalier + In meiner Burg am Strande (1962)

FrontCover1.jpgNa, dann lassen wir das Jahr 2018 mal ein wenig albern ausklingen und zwar mit dieser Polydor-Single aus dem Jahr 1962.

Die musikalischen Wurzeln reichen allerdings in die 20er bzw. 30er Jahre zurück.

Amalie geht mit’m Gummikavalier lautet der Kehrreim eines Onestep-Liedes, zu dem der Leipziger Schlager- und Revuekomponist Siegwart Ehrlich (Musik und Text) schrieb und 1927 im Rondo-Verlag Berlin veröffentlichte. Das zweistrophige Lied wird als Sommer- bzw. Badesaison-Schlager klassifiziert. Das Lied fand in der Revue Streng verboten! Verwendung, die James Klein 1927 in der Komischen Oper Berlin zur Aufführung brachte.

Amalie geht mit ’nem Gummikavalier,
mit ’nem Gummikavalier ins Bad.
Amalie geht mit ’nem Gummikavalier,
mit ’nem Gummikavalier ins Bad.
Und sie pustet, und sie bläst ihn auf geschwinde,
an der Nordsee, Ostsee, Wannsee, Swinemünde.
Amalie geht mit ’nem Gummikavalier,
mit ’nem Gummikavalier ins Bad.

Der Titel tönt schlüpfriger als er ist, denn unter einem Gummikavalier verstand man in den 1920er Jahren schlicht eine aufblasbare Schwimmhilfe.

Zur Entstehungszeit wurde „Amalie…“ von namhaften Orchestern der späten Weimarer Republik wie Dajos Béla, Paul Godwin oder Gabriel Formiggini auf Grammophonplatten gespielt;[6] der Vortragskünstler Engelbert Milde sang es mit dem “Odeon” Tanz-Orchester ohne Nennung seines Namens auf dem Etikett. Auch im Ausland war das Stück erfolgreich; so nahm es etwa in Polen der Bandleader Henryk Gold mit seinem Jazzorchester für das Plattenlabel Syrena auf.

Das Lied wurde auch noch nach 1945 geschätzt und von verschiedenen Künstlern ins Repertoire genommen, darunter von den “Dixie-Kavalieren”, den Münchener Konzertschrammeln um Lothar Lägel, von Max Raabe mit seinem Palastorchester und dem finnischen Popkünstler Mauri Antero Numminen und seinem “Rustikalen Neo-Jazzorchester”.

Selbst der Männergesangverein „Berliner Hymnentafel“ setzte „Amalie geht mit ’m Gummikavalier“ zu seinem 30-jährigen Bestehen 2004 aufs Programm. (Quelle: wikipedia).

Der Komponist Siegwart Ehrlich war übrigens Jude und verließ 1933 Deutchland …

Na und dann noch:

In meiner Burg am Strande: Das war ein Gassenhauer im Jahre 1938, der vor allem von dem Orchester Willi Glahe bekannt wurde … den Gesang übernahm damals das Schuricke-Terzett.

Und 1962 waren es eben die Dixie-Kavaliere. Wer sich hinter diesem Namen verbirgt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Auf jeden Fall zelebrieren sie diese Gassenhauer im feinen Dixie-Stil … Die Hot Dogs gab´s ja noch nicht.

Nennen wir sie also mal ein paar fröhliche Gesellen, die hier … Jahrzehnte später nochmals um die Ecke grinsen können.

Und der Günter Fuhlisch (* 1. August 1921 in Cottbus; † 4. September 2013 in Hamburg), ein Großmeister deutscher Unterhaltungsmusik hat sich irgendwie mit reingeschmuggelt … denn er wird bei der 62 Single aus als Komponist genannt … die Originalaufnahmen hingegen … kommen ohne seinen Namen aus.

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Besetzung:
Die Dixie-Kavaliere

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Titel:
01. Amalie geht mit’m Gummikavalier (Ehrlich/Fulisch) 2.31
02. In meiner Burg am Strande (Gabriel/Fulisch/Siegel) 2.24
+
03. Amalie geht mit’m Gummikavalier (Odeon Tanzorchester, 1927) (Ehrlich) 2.45
04. In meiner Burg am Strande (Orchester Will Glahe, 1938) (Gabriel/Siegel) 3.02

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Verschiedene Interpreten – Auf der Strasse der Erinnerung – Die schönsten Evergreens von gestern und heute (Teil 2) (1969)

FrontCover1Und hier nun Teil 2 dieser 10teilige Schallplatten-Serie die von Reader´s Digest im Jahr 1969 als oppulente Box veröffentlicht wurde.

Zum besseren Verständnis hier ein paar Zeilen aus der vollmundigen Werbung für dieses Produkt:

„Auf 10 großen Langspielplatten ein 6 Stundenprogramm mit all Ihren Lieblingsmelodien zum Tanzen und Träumen ! Sie werden diese Evergreens mitsingen, mitsummen, mitpfeifen: morgens, abends, an einem Werktag, am Sonntag, bei einer Party – und immer werden Sie dabei vor sich hinlächeln in Gedanken an schöne Zeiten – damals.“

Sehr überraschend ist, dass bei der Werbung in keiner Zeile erwähnt wird, dass die Innenhüllen der jweiligen LP´s vollgestopft mit Informationen sind: Jedes Lied wird ausführlich dargestellt und seine Historie geschildert – für mein Dafürhalten eine sehr ungewöhnliche Form der Präsentation, gerade im Bereich der leichten Muße. Eine derartige Akribie ist mehr als wohltuend.

Teil 2 dieser Edition trägt den Titel „Das gab´s nur einmal“ und ist eine bunte Mischung von mehr oder weniger bekannten Evergreens, oftmals als Instrumentalversion dageboten. Und wenn diese auch von meist eher unbekannteren Ensembles vorgetragen werden, so ist es dennoch eine Freude, sofern man ein Faible für diese klassischen Schmachtfetzen hat. Und da kann man nur die Empfehlung aussprechen: Selber entdecken, schmunzeln und geniessen.

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Titel:
01. Victor Arnold: Das gibt´s nur einmal (Heymann/Gilbert) 3.12
02. Sonja Michael & Klaus Wunderlich: Schön war die Zeit (Kreuder/Beckmann) 2.37
03. Orchester der Wiener Volksoper: Zwei Herzen im Dreivierteltakt (Stolz) 3.09
04. Vico Torriani: Ich weiß auf den Wieden ein kleines Hotel (Benatzky) 2.35
05. Rudy Risavy Septett: In der Nacht ist der Mensch nicht gern´ allein (Grothe) 2.10
06. Bobby Sykes: Tennessee Waltz (Stewart/King) 2.05
07. Ken Thorne und sein Orchester: Valencia (Padilla) 2.41
08. Ernst Schütz: Heute Nacht oder nie (Spolianski/Schiffer) 2.14
09. Ernst Schütz: Heut´ ist der schönste Tag in meinem Leben (May/Neubach) 2.12
10. Sandor und sein Zigeuner Ensemble: Liebe war es nie (Parrish/Rotter/Markush) 3.38
11. The Cattlemen: Der alte Cowboy (Hill) 3.03
12. Orchester der Wiener Volksoper: Ich schenk mein Herz (Millocker/Rowland/Leigh) 2.21
13.  Ernst Schütz:: Du bist die Welt für mich (Tauber/Marischka) 3.35
14. Rudy Risavy Septett: Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt (Kreuder) 2.17
15. Henri René und sein Orchester: Schwarze Augen (Traditional) 3.29
16. Golgowsky Chor & Will Glahé: Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren (Raymond/Beda/Neubach) 2.09

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Verschiedene Interpreten – Auf der Strasse der Erinnerung – Die schönsten Evergreens von gestern und heute (Teil 1) (1969)

FrontCover1Ein vermutlich ziemlich rares und zugleich sehr ambitioniertes Projekt ist diese 10teilige Schallplatten-Serie die von Reader´s Digest im Jahr 1969 als oppulente Box veröffentlicht wurde.

Hier ein paar Zeilen aus der vollmundigen Werbung für dieses Produkt:

„Auf 10 großen Langspielplatten ein 6 Stundenprogramm mit all Ihren Lieblingsmelodien zum Tanzen und Träumen ! Sie werden diese Evergreens mitsingen, mitsummen, mitpfeifen: morgens, abends, an einem Werktag, am Sonntag, bei einer Party – und immer werden Sie dabei vor sich hinlächeln in Gedanken an schöne Zeiten – damals.“

Sehr überraschend ist, dass bei der Werbung in keiner Zeile erwähnt wird, dass die Innenhüllen der jweiligen LP´s vollgestopft mit Informationen sind: Jedes Lied wird ausführlich dargestellt und seine Historie geschildert – für mein Dafürhalten eine sehr ungewöhnliche Form der Präsentation, gerade im Bereich der leichten Muße. Eine derartige Akribie ist mehr als wohltuend.

Die zehn Alben hatten dann auch noch eine mehr oder weniger schlüssige thematische Gliederung:

Werbeflyer01ALP 01: Die großen Schlager
LP 02: Das gab´s nur einmal
LP 03: Ewig junge Operette
LP 04: Ausgerechnet Bananen
LP 05: Die goldenen 20er
LP 06: Musik für Verliebte
LP 07: Mit Swing fing´s wieder an
LP 08: Musik kennt keine Grenzen
LP 09: Filme, die die Welt eroberten
LP 10: Hitparade

Als Werbeträger hat man dann noch Dietmar Schönherr und Vivi Bach engagiert und die waren damals nicht nur entsprechend bekannt, sondern standen wohl auch für eine gewisse Seriosität.

Na gut, dann fangen wir mal mit dem ersten Album an, das sich „Die großen Schlager“ nennt.

Hier tummelt sich schon eine wirklich bunte Mischung populärer Melodien:

Hau-Ruck Volksmusik ala „Rosemunde“ wechseln sich mit dem Klassiker der Antillen „Banana Boat Song“ ab und auch auch so manche Raritäten sind dabei, wie z.B. die Instrumentalfassung von „Macky Messer“.

Und wieder einmal fällt auf, dass in früheren Jahrzehnten der Schlager und die Jazzmusik durchaus gut miteinander kombinierbar waren … man höre sich mal „Tschau, tschau Bambina“ … und ein Glen Miller ist auch vertreten.

Wer es also auch gerne mal sentimentl, kitschig und gelegentlich feurig mag, hat hier einiges zu entdecken. Die gelegentlichen akustischen Unebenheiten lassen sich dabei leider nicht vermeiden.

Aber das schönste ist: In schöner Unregelmäsigkeit werde ich im Laufe der Zeit alle 10 Langspielplatten dieser „Luxusedition“ präsentieren.

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Titel:
01. Caterina Valente: Komm zurück (Olivieri/Siegel) 2.08
02. Hill Bown und sein Orchester: Charmaine (Rapee/Pollack) 2.50
03. Johnny Gibbs und sein Orchester: Mackie Messer (Instrumentalfassung) (Weill) 2.15
04. Vico Torriani: Ramona (Wayne/Gilbert/Rasch)  2.39
05. Henri René und sein Orchester: La Cumparsita (Rodriguez) 3.39
06. Das Orchester Glenn Miller: In The Mood (Garland/Razaf) 3.37
07. Pablo Beltran Ruiz und sein Orchester: Banana Boat Song (Traditional) 2.57
08. Will Glahé mit seinem Orchester: Rosamunde (Vejvoda/Zeman/Richter) 2.30
09. Alan Braden und sein Orchester: Patricia (Prado) 2.27
10. Ken Thorne und sein Orchester: Tschau, tschau, Bambina (Modugno/Verde) 2.53
11. Lys Assia und die Cornels: O mein Papa (Burkhard) 2.47
12. Will Glahé und sein Orchester: Wochenend und Sonnenschein (Ager/Yellen) 2.24
13. Juan Garcia Medeles und sein Orchester: Siboney (Lecuona/Morse) 3.03
14. Das Orchester Armand Migiana und Chor: C´est si bon (Hornez/Betti) 2.37
15. The Golden Saxophones with The Romantic Strings: Red Roses For A Blue Lady) (Tepper/Bennet) 2.58
16. Horst Fischer: Il Silenzio (Rosso/Celeste/Brezza/Petersern) 3.04

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Gutschein

Gutschein zum Erwerb der 10 LP Box „Auf der Straße zur Erinnerung“
(DM 98,–)

Verschiedene Interpreten – Swing tanzen verboten (Teil 4) (2004)

FrontCover1Jetzt endlich Teil 4 und Schluss der Edition „Swing tanzen verboten“, jener üppig Edition, die sich vorrangig mit den Jazzaufnahmen, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland erschienen, beschäftigte.
Die etwas intensivere Beschäftigung mit diesem Thema war für mich sehr lehrreich und zwar in viellerlei Hinsicht:
Zum einen lässt sich wohl festhalten, dass diese Musik den Nazischergen zwar ein Dorn im Auge war, dass sie diese Musik aber dennoch nicht gänzlich untersagen konnten. Auch auf dieser 4 CD finden sich diverse Stücke, die es sich erlaubt haben, englische Titel zu tragen, wie z.B. „Limehouse Blues“, oder „Weekend“. Und dab es dann noch ne Kentucky Melodie.
Oder: da singt die Schwedin Gretta Wassberg (begleitet von ihrem Lands- und Ehemann Arne Hülphers) ganz schön keck „Ich bin ich bin“ (“ … und tue das was mir gefällt“ … !)
Und hier noch ein weiterer geschichtlicher Überblick zu diesem Thema:
Der Jazz hielt aufgrund des Ersten Weltkrieges und der wirtschaftlichen Blockade der Siegermächte erst 1919 seinen Einzug in Deutschland. Vor allem die große Tanzwut der Nachkriegszeit – Ausdruck einer aufgrund der in der Kriegszeit erlittenen Entbehrungen verbreiteten Vergnügungssucht und förderte den Jazz.

Zwischen 1924 -1928 erreichte der Jazz in Deutschland seinen Höhepunkt. Der bis dahin gespielte Jazz der frühen Jahre wurde aber zunehmend als Irrweg und die neue Spielweise als Zähmung des wilden Jazz und als Abkehr von der „Radaumusik“ bezeichnet. Vorbild war vor allem das Orchester Paul Whitemans mit seinem „symphonischen Jazz“. Der Jazzboom bis 1928 war so groß, dass auch außerhalb des musikalischen Bereichs von einer Jazzmode gesprochen werden konnte.
Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre setzte auch eine weltweite Krise der Jazzmusik ein.
Ein erster wirklich bedeutender Einschnitt für den deutschen Jazz im beginnenden NS-Regime war die Errichtung der Reichsmusikkammer (RMK) als Unterabteilung der Reichskulturkammer (RKK) und den damit einhergehenden Einschränkungen für jüdische und ausländische Musiker, den Hauptträgern des Jazz in Deutschland.
WeekendDie Ausübung des Musikerberufes war an die Mitgliedschaft und eine damit verbundene Mitgliedskarte der RMK gekoppelt. Für den Erhalt dieser Karte mussten alle in Deutschland tätigen Musiker eine Eignungsprüfung über sich ergehen lassen. Diese Prüfungen sind im Nachhinein als willkürlich einzuschätzen, worunter in der Mehrheit ausländische und jüdische Musiker zu leiden hatten. Zusätzlich wurden ausländisch klingende Bandnamen verboten, die bekanntlich bei Jazzbands bevorzugt waren.
Ein populäres Beispiel stellen die „Comedian Harmonists“ dar, die sich in „Meistersextett“ umtaufen mussten. Eines der Hauptziele der RMK war die „Säuberung“ von Juden aus ihren eigenen Reihen.
Aufgrund dessen wurden alle Musiker aufgefordert, bis 1934 ihre ethnische und religiöse Zugehörigkeit anzugeben. Allerdings lief die Auswertung der Fragebögen aus organisatorischen Gründen sehr mühsam von statten, so dass nachweislich bis 1939 jüdische Musiker, darunter auch Jazzmusiker, bei der RMK registriert waren. Zusätzlich konnten die Angaben über die religiöse Zugehörigkeit auch gefälscht werden, was die angestrebte „Entfernung“ von Juden erschwerte.

KeinNiggerJazz

Während des gesamten Bestehens des Nationalsozialismus gab es nur wenige musikimmanente Gründe, die gegen den Jazz vorgebracht wurden. So wurde schließlich 1933 das Saxophon als das Jazzinstrument schlechthin ausgemacht und der Verkauf, sowie das Spiel dieses Instruments per Anordnung verboten. (Was so nun wirklich nicht stimme kann; Riffmaster)

BackCover1Der Jazz, in seiner Spielweise Demokratie und Individualismus ausdrückend, nichtarischen Ursprungs und ein Produkt der amerikanischen Lebensart, galt bei den Nationalsozialisten als unerwünschte, „entartete Musik“. Bis 1935 blieb der Jazz aber weitgehend unbehelligt (Goebbels Devise: Überreden und Überzeugen durch Anti-Jazz-Propaganda statt Verbot). Im deutschen Rundfunk wurde in einem gewissen Umfang sogar Jazz gespielt, weil dieser, in populäre Tanzmusik eingebettet, dem Geschmack der Mehrzahl der Hörer entsprach. Das Verbot von Jazzmusik im Rundfunk von 1935, konnte daher auch nicht durchgesetzt werden. Zudem war die NS-Definition von Jazzmusik derart „schwammig“, so dass eine Zuordnung eher willkürlich war.
Mitte der 30er Jahre bis Ende der 40er Jahre begann ausgehend von Amerika die „Swing-Ära“. Der Swing wurde in einer Bigband nach Arrangements gespielt, was die freie Improvisation einschränkte und afro-amerikanischen Elemente zurückdrängte. Dadurch war der von Musikern wie Benny Goodman, Glenn Miller und Tommy Dorsey vertretene Stil zunächst sogar von nationalsozialistischer Seite kurze Zeit als gute Tanzmusik toleriert worden und galt als „kultivierter Überwinder des alten wilden Jazz“. In vielen deutschen Filmen wurde in Anpassung an den Publikumsgeschmack sogar ebenfalls swing orientierte Musik gespielt, teilweise amerikanische Stücke sogar offensichtlich plagiiert.
Höhepunkt der Swingwelle in Deutschland war 1936 als bei der Olympiade in Berlin Weltoffenheit demonstriert werden sollte und ausländische (und deutsche) Musiker bei Gastauftritten Swing spielten.
1937 änderte die Regierung ihren relaxten Kurs im Bereich der Musikpolitik. Es wurden Kontrollen durchgeführt, die das Spielen der unerwünschten Musik unterbinden sollten. Da die musikalischen Kriterien (flotte Tanzmusik schon Jazz?) unzureichend waren, wurde überwiegend nach rassistischen Kriterien vorgegangen. Nichtarische Musiker, Komponisten, Texter und Sänger wurden aus dem Verkehr gezogen, nicht aber der Jazz an sich. Bis zum Kriegsanfang blieb der Kampf des NS-Regimes gegen die Jazz- und Swingmusik daher erfolglos. Ein beliebter Trick, um der Zensur zu entgehen, war die „Eindeutschung“ englischer Titel.
Aus „Tiger Rag“ wurde „Schwarzer Panther“ oder aus „Joseph! Joseph!“ (ein Lied jüdischen Ursprungs) „Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade“.

Plattfüsse

„Swing macht Plattfüsse“ – vermutlich aus: Illustrierter Beobachter 1938/1939

Mit Beginn des Krieges änderte sich die Situation. Das Hören ausländischer Rundfunksendungen (spielten oft Swing) wurde verboten. Viele Orchester wurden aufgrund der Einberufung ihrer Musiker zur Wehrmacht zur Auflösung gezwungen. Unter diesen Umständen ist es um so verwunderlicher, dass der Swing in der Kriegszeit nicht nur weiter existierte, sondern bereits 1941-1943 einen erneuten Höhepunkt, eine Art „Swing-Revival“, erlebte. Denn nach dem Westfeldzug richteten die Nationalsozialisten ihr Hauptaugenmerk auf die erfolgreichen Kriegsereignisse und vernachlässigten die Kontrollen im kulturellen Sektor. So konnten ausländische Bands aus den besetzten Gebieten, die zur Unterhaltung der Heimatfront dienten, heiße, swingende Töne nach Deutschland bringen, an denen sich auch die deutschen Bands zunehmend orientierten. Viele jazzige Nummern wurden in das Plattenangebot eingeschmuggelt. Vor allem die Jugend war von der Swingmusik begeistert.
Die schon 1940 einsetzende Verfolgung von swing begeisterten Jugendlichen konnten das „Swing-Revival“aber nicht verhindern, denn die Bedürfnisse der Soldaten, die bei ihrem Heimaturlaub Entspannung bei flotter Musik wollten, hatten Vorrang. Lediglich regional und lokal wurden vereinzelt die Bestimmungen verschärft. Im August 1941 gab es sogar fast ein konkretes Jazzverbot, welches hot- und swingorientierte Musik im Original und als Imitation unterbinden sollte – allerdings wie schon vor dem Krieg ohne Erfolg.
Mit der Wende im Kriegsgeschehen, die im Juli 1944 zur nahezu völligen Schließung der Bars, Kinos, der Theater und Varietés führte, wurden auch die Bedingungen für den Jazz immer schwieriger. Dass die Swingmusik dennoch weiter existierte, beweisen lokale Jazzverbote und Anti-Jazz-Propaganda bis zum Ende des Krieges.
„Swing macht Plattfüsse“ – vermutlich aus: Illustrierter Beobachter 1938/1939
Wie gesagt: die vielen Facetten dieses Themas haben mich schon ungemein beschäftigt und eins ist schon mal ganz sicher: Es wird nicht das letzte Mal sein, dass hier in diesem blog über die Musik jener schlimmen Epoche die Rede sein wird. Die nächste Edition dieser Art ist bereits in Vorbereitung.
Und als bonus habe ich dann noch das booklet dieser Edition beigelegt:

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Titel:
01. Arne Hülphers & sein Tanzorchester: Ich bin wie ich bin (1939) (Eisbrenner/Dehmel) 2.56
02. Günter Herzog & sein Tanzorchester: Limehouse Blues (1938) (Braham/Furber) 2.40
03. Orchester Ernst Van T’Hoff: Du – immer wieder du (1941) (Frustraci/Gadlieri/Walter) 3.05
04. Jean Omer & Sein Orchester: Schicksal (1942) (Omer) 3.22
05. Tanzorchester Fud Candrix: Musik für Erika (1942) (Candrix) 2.46
06. Robert Gaden & sein Orchester: Ach, ich liebe alle Frauen (1938) (Grothe/Dehmel) 2.13
07. Georges Boulanger & sein Tanzorchester: Liebesserenade zur Nacht (1937) (Goletti) 2.48
08. Will Glahe & seine Bigband: Wenn es vom Schicksal bestimmt ist (1940) (Ernst) 3.08
09. Emanuel Rambour: Weekend (1938) (Meisel) 3.03
10. Pat Bonen & sein Tanzorchester: Frasquita (1937) (Hubert/Weiss) 2.53
11. Peter Igelhoff & sein Ensemble: Dieses Lied hat keinen Text (1942) (Igelhoff) 2.28
12. Bernhard Etté & sein Tanzorchester: Träumen von der Südsee (1939) (Kirchstein) 2.48
13. Georges Boulanger & sein Tanzorchester: Du, du gehst an mir vorbei (1939) (Hess/Misraki) 2.54
14. Kapelle Siegfried Erhardt: Tango Anjuschka (1942 ) (Jäger/Nebhut) 3.06
15. Kurt Engel: Tanzendes Holz (1939) (Engel) 2.44
16. Kurt Henneberg & sein Orchester: So wie ein Lied vom Winde verweht (1941) (Kreuder/Schwenn) 3.12
17. Joop Carlquist & seine Hawaiians: Wenn wir uns einmal wiederseh’n (1937) (van Desys) 2.47
18. Peter Igelhoff & sein Ensemble: Oui Madame (1940) (Jary) 2.55
19. Kurt Wege & seine Solisten: Ich mache alles mit Musik (1940) (Mackeben/Beckmann) 2.57
20. Bernhard Etté & sein Tanzorchester: Kentucky Melodie (1938) (Richartz) 2.53
21. Hans Carste & sein Orchester: Über die Dächer der großen Stadt (1936) (Schröder/Helm) 2.57
22. Robert Gaden & sein Orchester: Vergib (1937) (Winkler) 2.11
23. Georges Boulanger & sein Tanzorchester: Tango – Du bist doch meine Lieblingsmelodie (1939) (Schmitz) 2.55
24. Barnabas von Geczy & sein Tanzorchester: Piccolo Signor (1940) (Apollonie) 3.06
25. Otto Stenzel & sein Tanzorchester: Ti Pi Tin (1936) (Grever/Richter) 2.46

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Verschiedene Interpreten – Zu schön um wahr zu sein (ca. 1966)

FrontCover1.JPGUnd jetzt wird es wieder mal gnadenlos nostalgisch. Willy Fritsch präsentiert Tonfilmmelodien der zwanziger und dreißiger Jahre … Das Kino-Schlagerprogramm !

Willy Fritsch, geboren als Wilhelm Egon Fritz Fritsch (* 27. Januar 1901 in Kattowitz; † 13. Juli 1973 in Hamburg), war ein deutscher Schauspieler und Sänger. Von 1921 bis 1964 spielte er in fast 130 Kinofilmen und zählte zeitweise zu den beliebtesten Filmstars in Deutschland.

Willy Fritsch war der Sohn des Inhabers der Maschinenfabrik Fritsch & Brattig, Lothar Fritsch. Nach dem Konkurs der Firma zogen seine Eltern mit ihm 1912 nach Berlin, wo der Vater seit 1910 als Betriebsleiter bei Siemens tätig war. Dort begann Willy Fritsch 1915 eine Mechanikerlehre, die er allerdings abbrach. Nach Hilfstätigkeiten am Berliner Landgericht hatte er kleine Einsätze als Komparse im Chor des Großen Schauspielhauses.

Im Jahr 1919 nahm Willy Fritsch privaten Schauspielunterricht an der Max-Reinhardt-Schule und erhielt bald kleinere Rollen am Deutschen Theater. Ab 1920 drehte er regelmäßig Filme und spielte vorzugsweise in Komödien den jugendlichen, eleganten

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Willy Fritsch 1927 auf einer Fotografie von Alexander Binder

Charmeur und Liebhaber an der Seite berühmter Kolleginnen seiner Zeit wie Olga Tschechowa, Ossi Oswalda und Lilian Harvey. Seit 1923 festangestellter Schauspieler der UFA, erlangte er 1925 auch erstmals internationale Beachtung durch seine Hauptrolle in der stummen Operettenverfilmung Ein Walzertraum von Ludwig Berger. Sie brachte ihm ein Angebot der United Artists ein, das er mangels Englischkenntnissen jedoch ausschlug. Durch seine Mitwirkung in den Fritz Lang-Filmen Spione (1928) und Frau im Mond (1929) gelang Fritsch zwischenzeitlich auch der Spagat ins ernsthafte Rollenfach.

Ab 1929 drehte Willy Fritsch Tonfilme, meist mit Lilian Harvey oder Käthe von Nagy. Da es sich häufig um Musikkomödien handelte, nahm er auch Gesangsunterricht. In Melodie des Herzens (1929) sprach er den ersten Satz des deutschen Tonfilms: „Ich spare nämlich auf ein Pferd.“ Jetzt und in den folgenden Jahren wurden viele Melodien aus seinen Filmen zu bekannten und erfolgreichen Schlagern, wie Ein Freund, ein guter Freund oder Liebling, mein Herz lässt dich grüßen (Die Drei von der Tankstelle, 1930), Das gibt’s nur einmal (Der Kongreß tanzt, 1931), Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn (Glückskinder, 1936) oder Ich tanze mit dir in den Himmel hinein (Sieben Ohrfeigen, 1937). Fritsch spielte außerdem die Hauptrolle in Ihre Hoheit befiehlt (1931) sowie Ein blonder Traum (1932), jeweils nach einem Drehbuch von Billy Wilder. 1935 drehte er unter der Regie von Reinhold Schünzel die von ihm stets als persönlicher Lieblingsfilm bezeichnete, satirische Komödie Amphitryon. Seine Gagen erreichten inzwischen Rekordhöhen. 1937 heiratete Willy Fritsch die artistische Tänzerin Dinah Grace (Ilse Schmidt), mit der er die Söhne Michael und Thomas Fritsch (letzterer ebenfalls Schauspieler) bekam.

WillyFritsch02.jpgWilly Fritsch wurde auf Druck seines Ortsverbandes NSDAP-Mitglied, blieb aber in den Filmen – bis auf zwei Ausnahmen (die Propagandafilme Anschlag auf Baku und Junge Adler) – unpolitisch. Als Parteimitglied wurde er zum Ehrenmitglied der Kameradschaft der Deutschen Künstler sowie in den Beirat der Reichsfachschaft Film berufen, aufgrund seines mangelnden Engagements jedoch nicht mehr mit weiteren Aufgaben betraut. Im August 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für die Filmproduktion brauchte, womit Fritsch vom Kriegsdienst freigestellt wurde.

Im Jahr 1939 endete seine Zusammenarbeit mit Lilian Harvey mit dem Film Frau am Steuer, da diese nach Frankreich emigrierte. An der Seite von Marika Rökk spielte er kurz darauf im ersten deutschen Farbspielfilm Frauen sind doch bessere Diplomaten (1940) und wurde allgemein ab 1940 wieder öfter für Kostümfilme besetzt. In dem erfolgreichen, an frühe Tonfilm-Operetten angelehnten und in Wien hergestellten Film Wiener Blut (1942) übernahm Fritsch unter der Regie von Willi Forst neben Theo Lingen und Hans Moser die dritte Hauptrolle. Zusammen mit Hertha Feiler spielte er 1943 außerdem in der Komödie Der kleine Grenzverkehr nach einem Roman von Erich Kästner, der für diesen Film unter Pseudonym auch das Drehbuch verfasste. Die letzten Kriegsmonate verbrachte der Schauspieler in Prag, wo er unter anderem zusammen mit Johannes Heesters für den Film Die Fledermaus vor der Kamera stand und trotz seiner Parteizugehörigkeit wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von der Gestapo überwacht wurde.

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Nach Kriegsende zog Fritsch nach Hamburg und spielte Ende der 1940er Jahre unter anderem in den satirischen Nachkriegsproduktionen Film ohne Titel (1947) an der Seite von Hildegard Knef sowie Herrliche Zeiten (produziert von Heinz Rühmann, Drehbuch Günter Neumann), der 1950 den Silbernen Lorbeer des David O. Selznick-Preises als „bester, der Völkerverständigung dienender Film in deutscher Sprache“ erhielt.[4] Anschließend wandelten sich seine Rollen mehr und mehr vom Geliebten zum Vater, wie seine Rolle als Romy Schneiders Vater in deren Filmdebüt 1953, Wenn der weiße Flieder wieder blüht. Ferner wirkte er in diversen Heimatfilmen mit, u.a. in dem mit dem Bambi als geschäftlich erfolgreichster Film der Spielzeit 1951/1952 prämierten Film Grün ist die Heide. Mit einer Hauptrolle in dem 1958 nach einem Drehbuch von Dieter Hildebrandt produzierten Film Mit Eva fing die Sünde an, der 1962 durch Francis Ford Coppola als dessen Regiedebüt um weitere Szenen ergänzt und unter dem Titel The Bellboy And The Playgirls wiederveröffentlicht wurde, begab sich Fritsch noch einmal ins kabarettistische Fach. An der Seite von Peter Kraus war er außerdem in dem seinerzeit kommerziell sehr erfolgreichen Film Was macht Papa denn in Italien? (1961) zu sehen. Nach dem Tod seiner Frau (1963) zog er sich jedoch bald vollständig von Film und Öffentlichkeit zurück. Seinen letzten Film drehte er an der Seite seines Sohnes Thomas Fritsch im Jahre 1964 (Das hab ich von Papa gelernt). Er hinterlässt ein Werk von fast 130 Filmen. Willy Fritsch starb im Alter von 72 Jahren an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beerdigt. Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin(Quelle: wikipedia)

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Ilse Werner

Und dieser illy Fritsch führt mit launigen Worten durch diese Filmschlager-Revue … und natürlich war jene Genreration, die sich durch das III. Reich zu quälen hatte, die Zielgruppe für diese LP (Es war bereits die 4. LP dieser Reihe).

Überrascht war ich, wie viele der Filmtitel und die dazu passenden Schlager mir „irgendwie“ bekannt erschienen … Stichwort: kollektives Bewusstsein ….

Und natürlich hören wir keine Worte über jene Zeit, die z.B. dazu führte, dass ein Joseph Schmidt als Jude unser Land im Jahre 1933 verlassen musste … um dann nach einer Odyssee  im Jahr 1942 in einem schweizerischem Lager letztlich qualvoll sterben musste.

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Ein weiteres Beispiel dafür, wie man all diese geschichtlichen Ereignisse so locker vom Hocker verdrängen konnte und wollte.

Also: hier jede Menge Filmhits jener Dekaden … in einer gelegentlich wahrlich „knackigen“ Qualität … mit einem gelegentlich bitterem Beigeschmack.

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Titel:

01. Zu schön um wahr zu sein (Teil 1) 29.42
01.01. Willy Fritsch: Bin kein Hauptmann (aus: „Melodie des Herzens“, 1929)
01.02. Lilian Harvey: Das gibt’s nur einmal (aus: „Der Kongreß tanzt“, 1931)
01.03. Jan Kiepura: Ob blond, ob braun (Ich liebe alle Frau’n, 1935)
01.04. Gitta Alpar: Wir sind jung (aus: „Die oder keine“, 1930)
01.05. Anny Ondra & Hans Söhnker: Auf der Rue Madeleine (aus: „Der Unwiderstehliche“)
01.06. Horst Schimmelpfennig: Donkey Serenade (aus: „Tarantella“)
01.07. Victor de Kowa: Guten Morgen, liebe Sonne (aus: Vielleicht war’s nur ein Traum“)
01.08. Marlene Dietrich: Ich bin von Kopf bis Fuß (aus: „Der Blaue Engel“, 1930)
01.09. Pola Negri: Nur eine Stunde (aus: „Mazurka#“, 1935)
01.10. Jenny Jugo: Ich bin lustig (aus: „Pygmalion), 1935)
01.11. Zarah Leander: Nur nicht aus Liebe weinen (aus: „Es war eine rauschende Ballnacht“, 1939)
01.12. Joseph Schmidt: Ein Lied geht um die Welt (aus: „Ein Lied geht um die Welt„, 1933)

02.Zu schön um wahr zu sein (Teil 2) 29.47
02.01. Evelyn Künnecke: Weißt du noch, Liebling
02.02. Willy Fritsch: Warum hat die Adelheid (aus: „Frau am Steuer“, 1939)
02.03. Comedian Harmonists: Kleiner Mann was nun (aus: „Kleiner Mann was nun„, 1933)
02.04. Rudi Schuricke: Stern von Rio (aus: „Stern von Rio“ 1940)
02.05. Wilhelm Strienz: Steig ein in die Gondel (aus: „Casanova heiratet“, 1939)
02.06. Marika Rökk: Lieder, die uns der Zigeuner spielt (aus: „Heißes Blut“, 1936)
02.07. Willi Forst: Ich liebe, du liebst (aus: „Burschenlied aus Heidelberg“)
02.08. Lizzi Waldmüller: Du hast Glück (aus: „Bel Ami“, 1939)
02.09. Richard Tauber: Dein ist mein ganzes Herz (aus: „Land des Lächelns“ 1932)
02.10. Hans Albers: Das ist die Liebe der Matrosen (aus: „Bomben auf Monte Carlo“, 1931) + Flieger, grüß mir die Sonne (aus: „FP 1 antwortet nicht“, 1931)
02.11. Heinz Rühmann & Hertha Feiler: Mir geht’s gut (aus: „Lauter Lügen“, 1938)
02.12. Ilse Werner: Wir machen Musik (aus: „Wir machen Musik„, 1942)
02.13. Will Glahé Orchester; Können sie schon Fernsehen (aus: „Es geht um mein Leben)

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Barnabas von Geczy Orchester – Spatzenkonzert + Der Onkel Doktor hat gesagt (1938)

SingleASeite1AUnd hier mal wieder einen Gassenhauer aus den 30er Jahren … einen Gassenhauer, der bis tief in die Nachkriegsjahre unvergessen geblieben ist … und mich hat erst neulich eine Anfrage nach diesem Lied erreicht … und wir schreiben das Jahr 2018 !

Verantwortlich für diesen Gassenhauer war zum einen das Barnabas von Geczy Orchester:

Barnabás von Géczy (* 4. März 1897 in Budapest; † 2. Juli 1971 in München) war ein Violinist und Orchesterleiter ungarischer Abstammung und einer der bekanntesten Kapellmeister der 1920er und 1930er Jahre in Deutschland.

Géczy lernte die ersten Geigentöne bei einem Zigeuner-Prímás in Budapest. Er studierte Violine an der Budapester Musikakademie und war dort Meisterschüler von Jenő Hubay. 1919 wurde er Konzertmeister der Budapester Oper. Aufgrund der wirtschaftlichen Umstände verließ Géczy Ungarn im Sommer 1922. Auf ein Stellenangebot in der Zeitung ging er, nur mit seiner Geige und dem Vertrauen in sein Können, nach Trondheim in Norwegen. Da der Leiter der Kapelle, in der er zunächst spielte, unzuverlässig war, gründete Géczy bald ein eigenes Trio mit dem Pianisten Erich Kaschubek, der auch in Géczys späteren Orchestern mitspielte. In Trondheim lernte Géczy seine Frau kennen.

Géczy erhielt einen Ruf an die Stockholmer Oper und ein Angebot des Philadelphia Orchesters, ein Angebot des Berliner Weinhaus Traube (Leipziger Straße) war jedoch lukrativer, weshalb er noch 1924 dorthin wechselte.

Barnabas von Geczy Orchester

Das Barnabas von Geczy Orchester

Von 1925 bis 1937 war das Orchester von Barnabás von Géczy Hausorchester des Hotel Esplanade und nahm zahlreiche Schallplatten auf. 1932 gewann Géczy den Wettbewerb um die Blaue Geige der Zeitung 8-Uhr-Abendblatt, Michael Schugalté wurde zweiter. 1933/1934 spielte Géczys Ensemble in Kabarett-Matineen der Volksbühne Berlin. 1938 wurde er zum Professor ernannt. Mit seinem Orchester spielte Barnabás von Géczy auch im Rundfunk, so etwa im August 1942 beim Reichssender Berlin in der Sendung Wenn der Tag zu Ende geht – Ein Melodienreigen für Front und Heimat, mit Sprecher Heinz Goedecke. 1944 trat Géczy gemeinsam mit Willi Stech die Nachfolge von Georg Haentzschel und Franz Grothe als Leiter des Deutschen Tanz- und Unterhaltungsorchesters in Prag an.

Die letzten Aufnahmen in Prag machte das Orchester Ende März Anfang April 1945. Nach dem Krieg übersiedelte Barnabás von Géczy nach München, wo er 1952 ein neues Ensemble zusammenstellte, welches zum Hausorchester des Café Luitpold wurde.

Géczy war ein virtuoser Geiger und avancierte zum „Paganini des 5-Uhr-Tees“. Bei seinen Arrangements und der Besetzung seines Salonorchesters rückte er mehr als andere Orchesterchefs dieser Zeit die Streichinstrumente in den Vordergrund. Er nahm insgesamt ca. 700 Schallplatten für verschiedene Firmen in Berlin auf, hauptsächlich für Homocord, Parlophon, Telefunken und Electrola. Mit seinem Münchner Ensemble erschien er bei Polydor.

Barnabas von Geczy

Géczy übernahm mit seinem Orchester die musikalische Ausführung in den Filmen Die – oder keine (1932), Eine wie du (1933), er wirkte mit im Film Schlagerparade (1953). In dem Streifen Die – oder keine ist er zudem als Darsteller zu sehen. Das erfolgreichste Stück war der Puszta Fox, es wurde ca. 10 Mio. mal verkauft. (Quelle: wikipedia)

Und verantwortlich für diesen Gassenhauer war zum anderen der Peter Igelhoff;

Peter Igelhoff (bürgerlicher Name: Rudolf August Ordnung, von Freunden „Petrus“ genannt; * 22. Juli 1904 in Wien; † 8. April 1978 in Bad Reichenhall) war ein österreichischer Musiker und Komponist.

Von 1924 bis 1932 war er als Beamter der Stadt Wien beschäftigt. Die Beamtenlaufbahn brach Peter Igelhoff 1932 ab und studierte bis 1935 Musik in Wien und London. 1936 begann in Berlin sein Leben als ‚Unterhalter am Klavier‘ bei Auftritten in verschiedenen Bars, unter anderem im Kabarett der Komiker. Von Beginn an arbeitete er freischaffend.

Er schrieb über 1000 Lieder und Schlager, die er oft auch selbst vortrug und auf (Schellack-) Schallplatte aufnahm, darunter Tante Jutta aus Kalkutta, Das Nachtgespenst, In meiner Badewanne bin ich Kapitän und Der Onkel Doktor hat gesagt. Ab 1938 kamen etwa 50 Film- und 100 Fernsehmusiken dazu wie Wir machen Musik mit Ilse Werner (1942). Anfangs war er auch in einigen Filmen als Darsteller zu sehen.

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Peter Igelhoff

Daneben verfasste Igelhoff mehrere Bühnenstücke wie Mademoiselle Mama, Liebe auf den ersten Blick, Mann ohne Herz, Ein toller Fall, Die hellblaue Venus, Eine Nacht mit Rosita und Pariser Parfum.

Die swingenden Chansons und Jazznummern Peter Igelhoffs zeichneten sich durch musikalische Leichtigkeit und pfiffige Texte aus, die beim Publikum der 1930er Jahre sehr gut ankamen, nicht jedoch bei den regierenden Nationalsozialisten. Igelhoffs Musik war zu amerikanisch, weshalb er von der Reichsmusikkammer mit einem Auftrittsverbot belegt wurde und 1942 an die Front einrücken musste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Igelhoff nach Deutschland zurück und feierte in den 1950er Jahren mit seinen Liedern große Erfolge. Er trat mehrfach in deutschen Fernsehshows auf, besonders in Zum Blauen Bock, wo er seine Lieder am Klavier selbst intonierte und zum Teil auch vortrug. 1969 erhielt Peter Igelhoff eine Ehrenprofessur.

Igelhoff wohnte zeitweise in München, Franz-Joseph-Straße 37 (Schwabing) und hatte später ein Haus in Bad Reichenhall. Sein bescheidenes Urnengrab befindet sich seit 1991 auf dem Münchner Nordfriedhof (60-U-15). (Quelle: wikipedia)

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Na ja … und insbesondere das „Spatzenkonzert“ finde ich ganz amüsant … und vermutlich weil ich heute irgendwie albern drauf bin … habe ich dann noch diverse Cover-Versionen zusammengetragen … und präsentiere nun die vollen Dröhnung …wer sich durch all diese Versionen des „Spatzenkonzerts“ durchgehört hat, ist dann komplett meschugge … vielleicht nicht die schlechteste Verfassung, angesichts der Zeiten, in denen wir leben.

BauschkeLabel

Und auch das Orchester Erhard Bauschke hat das „Spatzenkonzert“ aufgenommen.

Besetzung:
Peter Igelhoff (vocals, piano)
+
Barnabas von Geczy Orchester
+
Diverse weitere Interpreten

SingleBSeite1

Titel:
01. Spatzenkonzert (Börschel(Igelhoff) 2.38
02.  Der Onkel Doktor hat gesagt (Igelhoff/Richter) 3.09
+
03. Spatzenkonzert (Instrumental Version – Barnabas von Geczy Orchester) 3.07
04. Spatzenkonzert (Wim Thoelke) 2.12
05. Spatzenkonzert (Kurt Edelhagen) 3.49
06. Spatzenkonzert (Darek Ensemble) 2.08
07. Spatzenkonzert (Hugo Strasser) 2.40
08. Spatzenkonzert (Will Glahé) 3.13
09. Spatzenkonzert (Emanuel Rambour) 3.15
10. Spatzenkonzert (Adalbert Lutter) 3.26
11. Spatzenkonzert (Erhard Bauschke) 2.42

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Verschiedene Interpreten – Die große Star- und Schlagerparade 1964 – 1. Ausgabe (1964)

FrontCover1Viel familiengeschichtliches ging mir durch den Kopf, als ich im Oktober 2013 erfahren habe, dass mein älterer Bruder mit der Diagnose Lungenkres zu leben hatte (2 Monate später ist er dann vertorben) und so habe ich damals eine der ersten LP`s die ich als damals neunjähriger (!) bereits mit roten Ohren gehört habe (heimlich, denn meine Eltern wollten nicht, dass ich zu früh mit diesem „Schlagerdreck“ in Berührung kam), auflegte.

Ich glaube mich zu erinnern, dass dies die 2. LP war, die mein Bruder sein eigen nennen konnte.

Geboten wird ein bunter Strauß von damals populären Melodien … Und bei erneutem Anhören werden diverse Erinnerungen wach …

RobDenis

Vieles gefällt mir auch heute noch im Rahmen meiner Neigung zu „leichter Kost“ (die gelegentlich zum Vorschein kommt) … Manuela ist einfach nur dufte, „If I Had A Hammer“ bleibt ein Klassiker (auch wenn mir der Interpret Rob Denis völlig unbekannt ist … und sollte es sich bei „The Lords“ um DIE „Lords“ handeln ? … Keine Ahnung).

Der unvergessene Billy Mo ist und bleibt drollig, Hannelore Auer wurde spätzer die Frau von Heino, Caterina Valente hatte einfach Stil (*schmacht*) und auch Pat Boone macht eine gute Figur.

Und dann hat man auch noch den Oldtimer Will Glahé mit reingeschmuggelt …holla hi, holla ho !

BackCover1

Titel:
01. Manuela: Mama, ich sag´ dir was (Bruhn/Buschor) 2.10
02. Gerd Böttcher: Lady Lou (Mann/Apple/Ritter) 2.13
03. Billy Mo: Ich sitz in meinem Angelkahn (Niessen/Bradtke) 2.49
04. Caterina Valente: Schiff der schönen Träume (Peeters/Feltz) 2.29
05. Pat Boone: Baby Sonnenschein (Mayer/Hertha) 2.17
06. Michael Holm: Das kannst du mir nicht verbieten (Samwell/Slater/Bradtke) 2.33
07. Hannelore Auer & Teddy Parker: Was man von den Sternen so alles lernen kann (Mayr/Niessen) 2.33
08. Vico Torriani: Ski-Twist (Mayer/Hertha) 2.20
09. Ronny: Oh My Darling Caroline (Jorge/Hausmann) 2.41
10. Pat Boone: Wie eine Lady (Niessen) 2.25
11. Manuela: Horch was kommt von draußen rein (Traditional/Bruhn/Buschor) 2.10
12. Teddy Parker: Hätt´ ich ein weißes Sportcoupé (Mayer/Niessen) 2.21
13. Will Glahé: Drina-Marsch (Binticki) 3.08
14. Rob Denis with The Lords: If A Had A Hammer (Haye/Seeger) 2.38
15. Caterina Valente: Gitarren von Mexiko (Galatis/Feltz)
16. Gerd Böttcher: Tschau – Auf Wiedersehn (Torselli/Müller/Loose) 2.27

LabelA1

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Manuela

Manuela