Georg Kreisler – Unheilbar gesund (1964 – 1989)

FrontCover1Der Kreisler Georg war schon ein ganz besonders skuriller Vogel, aber das ist vielleicht angesichts seiner Biographie auch kein Wunder:

Georg Franz Kreisler (* 18. Juli 1922 in Wien; † 22. November 2011 in Salzburg) war ein Komponist, Sänger und Dichter, der aus einer österreichischen jüdischen Familie stammte und als Emigrant 1943 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten angenommen hatte. Dagegen, vorrangig als Kabarettist bezeichnet zu werden, hat sich Kreisler, der diesen Beruf in jungen Jahren zur Bestreitung seines Lebensunterhalts ausgeübt hatte, immer wieder gewehrt. Ebenso verwahrte er sich dagegen, als Österreicher bezeichnet zu werden: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher… Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger, obwohl mir der Clinton noch nie zum Geburtstag gratuliert hat.“

Die Anfänge seiner Karriere lagen in den USA. Seit Mitte der 1950er Jahre wurde er im deutschen Sprachraum durch Lieder wie „Tauben vergiften“, „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ und „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“ populär. Mit seinem schwarzen, tiefsinnigen und poetischen Humor und Sprachwitz hat Kreisler das musikalische deutschsprachige Kabarett seiner Zeit als Interpret und Verfasser eigener Werke stark geprägt.

Georg Kreisler wurde als Sohn des jüdischen Rechtsanwaltes Siegfried Kreisler (1884–1970) und dessen Frau Hilda (1895–1942) im Wiener Sanatorium Hera geboren. Er war das einzige Kind seiner Eltern, aber es gab viel Verwandtschaft: sein Vater hatte acht Geschwister, seine Mutter vier. Er besuchte das Gymnasium Kandlgasse in Wien-Neubau und begann als Siebenjähriger Klavierspielen, später auch Geige und Musiktheorie, zu lernen.

Ausweis
1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs, waren auch österreichische Juden den Repressalien gemäß der Rassengesetze des Nationalsozialismus ausgesetzt. Es gelang seinem Vater, noch rechtzeitig Ausreisepapiere zu erlangen und unter Verlust fast des gesamten Vermögens mit der Familie über Genua und Marseille in die USA zu emigrieren. Auf der Überfahrt fand Georg Kreisler einen Schachpartner in dem auf der Überfahrt als Schiffbrüchigen aufgenommenen Bugsy Siegel.

In Hollywood unterstützte ihn sein Vetter, der erfolgreiche Drehbuchautor Walter Reisch, finanziell und vermittelte Kontakte zum Filmgeschäft. Kreisler wurde mit einer Vielzahl deutsch-jüdischer Exilanten bekannt, die ebenfalls im Filmgeschäft unterzukommen suchten, allerdings kein Englisch sprachen. Mit 19 heiratete er die Tochter des Kabarettisten und Komponisten Friedrich Hollaender, Philine, trennte sich jedoch bald wieder von ihr. Arnold Schoenberg versuchte ihn an der University of California, Los Angeles unterzubringen, wo er wegen mangelnder Zeugnisse abgelehnt wurde.

Kreisler wurde 1943 US-amerikanischer Staatsbürger und gleich darauf für den Zweiten Weltkrieg zur US-Armee eingezogen. Nach der Grundausbildung wurde er nach England verlegt und war in Yeovil und Devizes stationiert, wo er in Veranstaltungen, die er teilweise zusammen mit Marcel Prawy vorbereitete, Soldaten der D-Day-Truppen unterhielt. Als Soldat war er unmittelbar nach Kriegsende dolmetschend in Deutschland tätig, verhörte Julius Streicher und begegnete Hermann Göring sowie Ernst Kaltenbrunner.

GeorgKreisler01
In die USA zurückgekehrt, war er in Hollywood beim Film beschäftigt und arbeitete dort unter anderem mit Charlie Chaplin zusammen. Chaplin pfiff ihm die Filmmusik für Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris vor, die Kreisler auf Notenpapier schrieb und dann zu Hanns Eisler brachte, der die Orchestrierung besorgte. Auch war es Kreislers Klavierspiel, das aufgenommen wurde, wenn man Chaplin am Klavier sah. Da sein Erfolg insgesamt nur mäßig war, zog er im Oktober 1946 nach New York um.

Während seiner dort verbrachten Zeit trat er als Unterhalter in Nachtclubs auf und ging als Interpret eigener, in englischer Sprache verfasster Lieder auf Tournee durch die USA. Drei dort 1947 aufgenommene Schallplatten sind nicht erschienen, weil die Verantwortlichen der Produktionsfirma die teils morbiden oder makabren Lieder für „unamerikanisch“ hielten. Für Titel wie Please Shoot Your Husband oder My psychoanalyst is an idiot war die Zeit noch nicht reif. Der mangelnde Erfolg einer vielfach geäußerten Kulturkritik zog sich von da an durch Kreislers gesamte künstlerische Laufbahn. Er selbst sah das als typische Ignoranz der Zeitgenossen gegenüber dem Satiriker. Erst im Jahr 2005 kamen die verloren geglaubten Aufnahmen von 1947 als Beilage zu seiner Biografie in Form einer CD heraus. 1950 bekam er ein Angebot, in der New Yorker Monkey Bar zu singen, und trat dort allabendlich auf.

GeorgKreisler03Im Jahr 1955 hoffte er auf mehr Erfolg in Europa, ging zurück nach Wien und traf dort unter anderem mit Hans Weigel, Gerhard Bronner, Peter Wehle und Helmut Qualtinger zusammen. In der Marietta-Bar in der Wiener Innenstadt trat er erstmals mit deutschsprachigen Chansons auf und wurde zeitweise Mitglied des „Namenlosen Ensembles“ um Bronner, Wehle und Qualtinger. Er musste allerdings die Erfahrung machen, dass das Publikum von Liedern wie Tauben vergiften keineswegs nur begeistert war. Eine Zeitlang durften seine Lieder im Österreichischen Rundfunk nicht gesendet werden.

1958 zog er nach München, wo er, frisch verheiratet, mit seiner dritten Ehefrau Topsy Küppers Chansonabende gab. 1972 spielte er mit dem Gedanken, nach Israel auszuwandern, fuhr hin und kam nach wenigen Monaten wieder zurück. 1975 trennten sich Kreisler und Topsy Küppers. 1976 ging er nach Berlin. Ab 1977 trat er mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Barbara Peters auf, hauptsächlich bei den Wühlmäusen und den Stachelschweinen. 1988 zog er von Berlin nach Hof bei Salzburg, lebte von 1992 bis 2007 in Basel und von Mai 2007 an wieder in Salzburg. Kreisler hatte einen Sohn von Philine Hollaender und von Topsy Küppers einen weiteren Sohn und eine Tochter, Sandra, die als Chansonsängerin und Sprecherin tätig ist. Er war weitläufig verwandt mit dem Violinvirtuosen und Komponisten Fritz Kreisler.

Seit 2001 trat Georg Kreisler nicht mehr mit seinen Liedern auf. Stattdessen schrieb er Romane, Kurzgeschichten und Essays, komponierte und engagierte sich für eine eigenständige Schweiz und gegen einen EU- bzw. EWR-Beitritt (siehe dazu auch sein Lied Der Euro). In einem offenen Brief an die Repräsentanten des Staates Österreich verbat er sich vor seinem 75. Geburtstag Gratulationen, „weil sich die Republik Österreich in den über vierzig Jahren, seit ich nach Europa zurückgekehrt bin, noch nie um mich geschert hat.“

Seine Tochter Sandra Kreisler wies darauf hin, es sei „in den letzten 60 Jahren noch nicht einmal jemand auf die Idee gekommen, dem Emigranten Kreisler ehrenhalber seine österreichische Staatsbürgerschaft zurückzugeben“. Kreisler selbst sah sich nicht mehr als Österreicher und warf dem Staat vor, die Staatsbürgerschaft nur jenen wieder verliehen zu haben, die sich nach dem Anschluss arrangiert hätten: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher, denn im Jahre 1945, nach Kriegsende, wurden die Österreicher, die 1938 Deutsche geworden waren, automatisch wieder Österreicher, aber diesmal nur diejenigen, die die Nazizeit mitgemacht hatten. Wer unter Lebensgefahr ins Ausland geflüchtet wurde, also auch ich, bekam seine österreichische Staatsbürgerschaft nicht mehr zurück.“

Im Jahr 2007 übernahm die Berliner Akademie der Künste Kreislers Vorlass. 2009 erschien seine Autobiographie Letzte Lieder.

Im November 2011 starb Georg Kreisler im Alter von 89 Jahren in Salzburg, nach Angaben seiner Ehefrau Barbara an den Folgen „einer schweren Infektion“. Er wurde am 1. Dezember 2011 auf dem Friedhof Salzburg Aigen beigesetzt; eine Trauerrede hielt Eva Menasse.

GeorgKreisler04Kreisler war ein virtuoser Meister der Sprache, Mimik und Gestik. Er schlüpfte in dutzende verschiedene Sprachmasken, als verführerischer Frauenmörder (Bidla Buh, Machs dir bequem, Lotte) oder als gewalttätiger Unternehmer mit rechter Gesinnung (Kapitalistenlied), er konnte „jüdeln“ in jiddisch gefärbtem Deutsch (Lieder eines jüdischen Gesellen), böhmakeln wie ein tschechischer Wiener Hausmeister (Telefonbuch-Polka, Der Bluntschli) und im sentimentalen Wienerisch das schmalzige Wienerlied makaber parodieren (Am Totenbett, Der guade alte Franz). Er hat sich als Nestbeschmutzer mit schwyzerdütschem Tonfall in der Schweiz unbeliebt gemacht (Der Ausländer) und imitierte parodierend pathetische Schnulzensänger (Mütterlein) und Seemannslieder (Der Paule).

Stilistisch stand Kreisler in der Tradition des singenden Klavierhumoristen, der sich zu eigenkomponierten Liedern selbst begleitet; diese Kunstform wurde bereits Mitte der 1920er Jahre im deutschsprachigen Raum durch Künstler wie Willy Rosen, Austin Egen oder Hermann Leopoldi etabliert.

Seine Lieder, manchmal surrealistisch und der absurden Lyrik zuzurechnen (Zwei alte Tanten tanzen Tango, Frühlingsmärchen, Bessarabien), sind von hintergründigem, oftmals schwarzem Humor geprägt und üben oft, mit den Jahren immer stärker, beißende Kritik an Gesellschaft und Politik.

Viele seiner Lieder sind Klassiker geworden wie Taubenvergiften im Park, Als der Zirkus in Flammen stand, Zwei alte Tanten tanzen Tango, Der Musikkritiker, Der General, Kapitalistenlied, Meine Freiheit, Deine Freiheit, Wir sind alle Terroristen sowie das „Ein-Frau-Musical“ Heute Abend – Lola Blau.

Georg Kreisler war bekennender Anarchist, was auch in einigen seiner Lieder zum Ausdruck kommt, beispielsweise in Kapitalistenlied, Meine Freiheit, Deine Freiheit, Sie sind so mies, Ihr wißt gar nichts, Wir sind alle Terroristen oder Wenn alle das täten. (Quelle: wikipedia)

Und ja, man muss diese so ganz spezielle Variante das bitterbösen, schwarzen Humors schon mögen … und ich mag sie !

Hier präsentiere ich ein Album, das ursprünglich 1964 erschien und dann bei der Wiederveröffentlichung dann noch um einige „bonus-tracks“ aus dem Jahre 1971 ergänzt wurden … Wir hören also überwiegend den frühen Kreisler …

Nicht verschwiegen werden soll nicht, dass er in seinem Leben auch ziemlich viel Scherereien hatte (Plagiatsvorwürfe, Streitereien mit diversen ehemaligen Weggefährten usw.) … Vermutlich war er keine so einfache Persönlichkeit, aber das ist vielleicht angesichts seiner Biographie auch kein Wunder …

LPFront+BackCover

LP Front+BackCover der Originalausgabe (1964)

Besetzung:
Georg Kreisler (vocals, piano)

BookletA

Titel:
01. Max auf der Rax 4.54
02. Das Mädchen mit den drei blauen Augen 2.42
03. Wenn du mich liebst 4.31
04. Wien Ohne Wiener 4.45
05. Die Wanderniere 3.22
06. Unheilbar gesund 7.05
07. Lied für Kärtner Männerchor 5.48
08. Ich hab ka Lust 3.25
09. Mütterlein 5.39
10. Opernboogie 6.17
11. Alpenglühn 5.13
+
12. Die Hexe 2.27
17. Mein Sekretär 2.43
18. Telephonbuchpolka 4.19
19. Der Liebesbrief 2.52

Musik und Texte: Georg Kreisler

CD1

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Georg Kreisler + Helen Vita – Du bist neurotisch + La malade à la mode (1960)

FrontCover1Wieder mal so eine kleine Werbeplatte, die man damals wohl an Mediziner verteilte, den die Firma „Pro Medico“ warb ein wenig verschämt „gegen quälenden Husten: Tussipect und Embrocin“. Aha !

Und man bediente sich zweier Künstler mit mit Witz und Hunor das Thema Gesundheit auf die Schippe nahmen:

Charmant und zugleich bitterböse der Georg Kreisler (wir kennen ihnen nicht anders).

Liebreizend und spitzbübisch dann die unverwüstliche Skandalnudel Helen Vita …

Beide waren damals für ein aufgeklärtes Publikum ganz sicher ein Renner, denn in dem musikalischem Allerlei jener Jahre stachen sie eben durch ihre Individualität deutlich heraus.

Man lasse sich nicht von den anfänglichen Knistergeräuschen bei Kreisler irritieren … Das kleine Vergnügen an dieser kleinen Schallplatte wird dadurch nicht wirklich getrübt.

BackCover1
Besetzung:

Georg Kreisler (piano vocals be 01.)
+
Paul Burkhard (piano bei 02.)
Helen Viata (vocals bei 02.)

Titel:
01. Du bist neurotisch (Kreisler) 3.30
02. La malade à la mode (Burkhard/Witt) 3.41

Labels

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Mehr vom Georg Kreisler:

MehrKreisler

Georg Kreisler – Everblacks zwei (1974)

FrontCover1Da gibt es so ne ganz spezielle Steigerungsform und die lautet:

Böse – bitterböse – Gerog Kreisler:

Ich habe ja ein Herz für schräge Typen … und von daher ist der Georg Kreisler genau richtig …

Georg Franz Kreisler (geboren am 18. Juli 1922 in Wien; gestorben am 22. November 2011 in Salzburg) war ein Komponist, Sänger und Dichter. Weltanschaulich sah er sich als Anarchist. Er stammte aus einer österreichischen Familie. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich 1938 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten emigriert und nahm 1943 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1955 kehrte er nach Europa zurück.

Dagegen, vorrangig als Kabarettist bezeichnet zu werden, hat sich Kreisler, der diesen Beruf in jungen Jahren zur Bestreitung seines Lebensunterhalts ausgeübt hatte, immer wieder gewehrt. Ebenso verwahrte er sich dagegen, als Österreicher bezeichnet zu werden: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher… Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger, obwohl mir der Clinton noch nie zum Geburtstag gratuliert hat.“

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Die Anfänge seiner Karriere lagen in den USA. Seit Mitte der 1950er Jahre wurde er im deutschen Sprachraum durch Lieder wie Tauben vergiften, Der Tod, das muss ein Wiener sein und Wie schön wäre Wien ohne Wiener populär. Mit seinem schwarzen, tiefsinnigen Humor und Sprachwitz hat Kreisler das musikalische deutschsprachige Kabarett seiner Zeit als Interpret und Verfasser eigener Werke stark geprägt (Quelle: wikipedia)

Hier in diesem blog ein weiteres Beispiel für seinen genial-schwarzen Humor (den man freilich auch mögen muss) oder auch, wie er es formulierte „makabre Grotestke“.

Und ja, der Georg Kreisler muss ne Art Hassliebefür sein Heimatland und möglichweise auch für die Stadt Wien gehabt haben („Wien ohne Wiener“, „Der Tod, das muß ein Wiener sein“

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Ansonsten nimmt er alles auf Korn, was ihm wohl jemals vor die Flinte kam … und kann da auf seinen ganz speziellen Wortwitz bauen.

Und ja, der Konstantin Wecker war wohl auch von dieser ganz speziellem Vortragsspiel geprägt.

Und ja … dieses Doppelalbum (ein kleiner Hinweis, wie populär er damals wohl war) bietet nicht nur all die Facetten des Georg Kreislers, sondern auch viel Substanz zum hinhören und zum nachdenklich werden.

Und ja … politisch war er auch („Wo sind die Zeiten dahin“)

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Besetzung:
Georg Kreisler (vocals, piano)

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Titel:
01. Telefonbuchpolka 5.07
02. Alpenglühen 5.22
03. Lied für Kärntner Männerchor 4.57
04. Wien ohne Wiener 4.48
05. Der Tod, das muß ein Wiener sein 4.45
06. Der Bluntschli 4.12
07. Der schöne Heinrich 5.43
08. Bessarabien 3.40
09. Sport ist gesund 2.21
10. Wo sind die Zeiten dahin 4.15
11. Ich hab ka Lust 3.26
12. Dreh das Fernsehen ab 4.47
13. Der Paule 4.14
14. Der Ausländer 4.15
15. Max 6.59
16. Onkel Joschi 6.07
17. Der Witz 4.18
18. Mein Weib will mich verlassen 2.06
19. Treten Sie näher, Franz Josef 5.14
20. Zu leise für mich 4.09

Texte und Musik: Georg Kreisler

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Verschiedene Interpreten – Glasl vor´m Aug´(Vienna Midnight Cabaret) (1957)

FrontCover1Und jetzt ein wahres Schmankerl aus den der Wiener Kabarett-Szene der 50er Jahre … ein Schmankerl, das sich gewaschen hat … ob der Hinterfotzigkeit der Texte.

Rafael Wagner über diese Jahres des Kabaretts in Wien:

„Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt der musikalische Anteil eine noch nie da gewesene Qualität
an.
Zeitgleich mit den neuen Aufnahme-und Verbreitungsmöglichkeiten der Medien –Schallplatten und Fernsehsendungen –erreicht das Kabarett ungeahnte Erfolge und eine Verbreitung, wie es sie noch nie in diesem Genre gegeben hat (Hilscher 2003, S. 928-929).

In den 1950er Jahren, die auch als die Goldene Zeit des Kabaretts bezeichnet wird, sind diese Erfolge zum großen Teil einer Gruppe zuzuschreiben, welche bis heute das  Namenlose Ensemble genannt wird. Neben anderen, sich abwechselnden Teilnehmern sind berühmte 3 Kabarettisten wie Helmut Qualtinger und Carl Merz ein fixer Bestandteil diese Gruppierung.

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Bronner spielt Klavier, Peter Wehle steht daneben

Mit ihren Liedinterpretationen, Sketches und Conférencen gestalten sie Erfolgsprogramme wie Glasl vor’m Aug (1957), Spiegel vor’m Gesicht(1958) oder  Dachl über’m Kopf (1959) erheblich mit. Zuständig für die Musik sind jedoch zum größten Teil Gerhard Bronner, Peter Wehle und Georg Kreisler, die eine Vielzahl an Kabarettliedern schreiben, welche sich teils sogar weit über den Kabarettbühnenrand hinaus verbreiten und sich – auf Schallplatte gepresst – bis über hunderttausend Mal verkaufen (Bronner
1995, S.21).

Auch wenn für das Kabarett –  oder nach dessen Theorie – unter anderem eine gewisse Aktualität obligatorisch ist und ihm deswegen der Hang zur Kurzlebigkeit zugeschrieben wird, gelten die oben genannten auch heute noch als DIE österreichischen Musikkabarettisten schlechthin. Mit ihren Tätigkeiten als Liederschreiber, Barbesitzer oder Radiosendungsgestalter haben sie sogar einen maßgeblichen Einfluss auf die österreichische Popularmusik – Szene.

HelmutQualtingerSingle1957

Helmut Qualtinger Single „Weil mir so fad is“ (1957)

„Das Gift Georg Kreislers […] und die intelligente jüdische Weiterführung der Tradition durch Bronner und Wehle boten Ventile. Und es entstand, was als Austropop später kurze Zeit europäische Bedeutung erhalten sollte“ (Flotzinger/Gruber 1995, S.255)

Bronner und Wehle pflegen eine lange und produktive Freundschaft über viele
Jahre, in denen sie als Duo tausende (sic!) von Liedern komponieren, Welttourneen
bestreiten und im Fernsehen und im Radio tätig sind. Auch wenn der dritte der oben
erwähnten grundsätzlich in den selben Tätigkeitsbereichen zur selben Zeit vergleichbar eifrig und erfolgreich ist, unterscheiden sich jedoch Wertvorstellung und Anspruch zu sehr, was die Zusammenarbeit dieser drei Künstler nur eine von kurzer Dauer werden lässt. Kurz NACHDEM diese begann und kurz BEVOR sie wieder endete, wird jedoch zusammen eine zweiteilige Schallplattenreihe aufgenommen, in der alle drei Musikkabarettisten einen Teil ihrer damaligen, eigens komponierten Kabarettlieder zusammenfassen:

Vienna Midnight Cabaret(1957) und Vienna Midnight Cabaret II (1958).
So unterschiedlich oder parallel ihre Lebenswege bis zu und nach diesen Aufnahmen
auch gewesen sein mögen: Hier wurde ein (=sechs) Stück Zeit – und  Musikkabarettgeschichte festgehalten, in denen drei der bedeutendsten Kabarettisten und Kabarettliederschreiber der späten 1950 Jahre ihr Werk in Form von insgesamt 50 Liedern präsentieren.  (aus der Diplomarbeit „Musik und Humor – Bronner + Kreissler – Wehle“, 2013)

Kreissler&Co

Georg Kreisler, Carl Merz, Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger

Dringendste Hörempfehlug meinerseits: Bitterböse Texte z.B. über die heilige Kuh „Auto“ über die Nacktposen von manchen Frauen auf den Herrenmagazines …

Und es fällt auf, dass die mitwirkende weibliche Künstlerin, Louise Martini sowas von keck zu Werke gehen … ein Genuss !

Und auch musikalisch hat man sich jede Menge einfallen lassen …

Wie gesagt: wahres Schmankerl aus den der Wiener Kabarett-Szene der 50er Jahre !

Louise Martini

Louise Martini

Besetzung:

Gerhard Bronner – Georg Kreisler – Martini – Carl Merz – Helmut Qualtinger – Peter Wehle
+
Orchester des intimen Theaters, Wien unter der Leitung von Kurt Werner
+
Kurt Werner (piano bei 05. – 07.)

BackCover1
Titel:
01. …Weil mir so fad is (Freizeit die ich meine) (Bronner) 5.35
02. Das becoverte Girl (Kreisler/Bronner) 11.21
03. Der Kreisverkehr (Perpetuum Automobile) (Bronner/Wehle) 6.08
04. Der dialektische Materialismus-Rock (Bronner) 3.14
05. Der Jedermann-Kollapso (Bronner) 2.54
06. Die alte Engelmacherin (Bronner) 5.01
07. Einen Juke will er sich machen (Die Musikbox) (Wehle) 5.47

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Georg Kreisler – Tauben vergiften + 3 (1963)

frontcover1Ich habe ja ein Herz für schräge Typen … und von daher ist der Georg Kreisler genau richtig …

Georg Franz Kreisler (geboren am 18. Juli 1922 in Wien; gestorben am 22. November 2011 in Salzburg) war ein Komponist, Sänger und Dichter. Weltanschaulich sah er sich als Anarchist. Er stammte aus einer österreichischen Familie. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich 1938 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten emigriert und nahm 1943 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1955 kehrte er nach Europa zurück.

Dagegen, vorrangig als Kabarettist bezeichnet zu werden, hat sich Kreisler, der diesen Beruf in jungen Jahren zur Bestreitung seines Lebensunterhalts ausgeübt hatte, immer wieder gewehrt. Ebenso verwahrte er sich dagegen, als Österreicher bezeichnet zu werden: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher… Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger, obwohl mir der Clinton noch nie zum Geburtstag gratuliert hat.“

Die Anfänge seiner Karriere lagen in den USA. Seit Mitte der 1950er Jahre wurde er im deutschen Sprachraum durch Lieder wie Tauben vergiften, Der Tod, das muss ein Wiener sein und Wie schön wäre Wien ohne Wiener populär. Mit seinem schwarzen, tiefsinnigen Humor und Sprachwitz hat Kreisler das musikalische deutschsprachige Kabarett seiner Zeit als Interpret und Verfasser eigener Werke stark geprägt (Quelle: wikipedia)

Zum Einstieg in die skurulle Welt des Georg Kreislers eine Single mit 4 Titeln aus dem Jahr 1964. Und mit dabei das legendäre „Tauben vergiften“, aber auch die anderen drei Songs haben entsprechendes Gift im Gepäck.

Muss man mögen und ich mag eben schräge Typen wie den Georg Kreisler … Und von daher wird auch im Jahr 2017 dieser noble Herr hier das eine oder andere Mal wieder auftauchen.

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Besetzung:
Georg Kreisler (vocals, piano)

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Titel:
01. Tauben vergiften 2.27
02. Zwei alte Tanten tanzen Tango 4.59
03. Biddla Buh 3.03
04. Das Triangel 3.59

Musik und Texte: Georg Kreisler

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Schatz, das Wetter ist wunderschön
Da leid ich’s net länger zu Haus
Heute muss man ins Grüne gehn
In den bunten Frühling hinaus!
Jeder Bursch und sein Mäderl
Mit einem Fresspaketerl
Sitzen heute im grünen Klee –
Schatz, ich hab‘ eine Idee:

Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Wir sitzen zusamm‘ in der Laube
Und ein jeder vergiftet a Taube
Der Frühling, der dringt bis ins innerste Mark
Beim Tauben vergiften im Park

Schatz, geh, bring das Arsen gschwind her
Das tut sich am besten bewährn
Streu’s auf a Grahambrot kreuz über quer
Nimm’s Scherzel, das fressen’s so gern
Erst verjag’mer die Spatzen
Denn die tun’am alles verpatzen
So a Spatz ist zu gschwind, der frisst’s Gift auf im Nu
Und das arme Tauberl schaut zu

Ja, der Frühling, der Frühling, der Frühling ist hier
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Kann’s geben im Leben ein größres Plaisir
Als das Tauben vergiften im Park?
Der Hansl geht gern mit der Mali
Denn die Mali, die zahlt’s Zyankali
Die Herzen sind schwach und die Liebe ist stark
Beim Tauben vergiften im Park…
Nimm für uns was zu naschen –
In der anderen Taschen!
Gehn wir Tauben vergiften im Park!