Katja Ebstein – Berlin… trotz und alledem! (1999)

KatjaEbsteinFrontCover1Katja Ebstein machte eine wirklich erstaunliche Entwicklung im Laufe ihrer Karriere:

Ebstein wuchs in West-Berlin auf. Nach dem Abitur studierte sie Archäologie und Romanistik. In der Jazz- und Liedermacher-Szene sang sie bisweilen in Studenten- und Künstlerkneipen. 1964 engagierte der Sender Freies Berlin Katja Ebstein zusammen mit drei Begleitmusikern, unter anderem Bodo von Greiff, für die ARD-Sendung Marmeladentopf. In der Gruppierung Die Kreuzberger sang sie den spanischen Fandango de Huelva.

Nach ihrer Heirat mit dem Komponisten und Produzenten Christian Bruhn entwickelte sie sich stärker in Richtung Schlager, Songs wie „Warum ist die Welt so schön“ oder „Wunder gibt es immer wieder“ machten sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen.

Trotzdem behielt sie ihre Liebe zu einer anderer Musik bei; so richtig deutlich wurde das bei ihrer 1975 erschienen LP „Katja Ebstein singt Heinrich Heine“.

Dannach orientierte sie sich immer stärker in Richtung Chansons, Kabarett und Schauspiel.

In den 1990er Jahren feierte der deutsche Schlager ein Revival. Neben ihren literarisch-engagierten Auftritten war Katja Ebstein immer wieder in Musiksendungen zu Gast, um ihre älteren Hits zu präsentieren. In der Folge erschienen immer wieder CD-Kompilationen mit ihren Titeln aus den 1970er und 1980er Jahren. Von literarischen Veröffentlichungen abgesehen, gab es nur 1994 einen einzigen Ausflug in die Popmusik. Das Album Ebstein und die zugehörige Single Nur ein Blick (With One Look) beinhalteten weltbekannte Musicalthemen in deutscher Sprache.

Ihr Soloprogramm Berlin … trotz und alledem! ist eine deutsche Lehrstunde am Beispiel Berlins mit Texten von Kurt Tucholsky bis Konstantin Wecker.

Die ehemalige Schlagerinterpretin erwies sich dabei als stimmgewaltige Chansonette. Das Album ist eine Hommage an ihre Lieblingsstadt und ihre Künstler. Die goldnen Zwanziger stehen im Vordergrund.
Scherzhaft-satirische Couplets von Otto Reutter, bissige Chansons von Friedrich Hollaender, Songs von Bertold Brecht, Lieder von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und natürlich Claire Waldorff, dem „Berliner Herz mit Schnauze“ sind zu hören, aber auch Lieder der 30er und 40er Jahre, sowie Texte neueren Datums haben ihren Platz, so lange sie sich eben mit Berlin befassen. Ebenso facettenreich wie das Programm zeigt sich auch die Künstlerin. Mal ist sie das freche Berliner Gör, mal die melancholisch ernsthafte Chansonette.

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Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
Martin Gärtner (piano)
Wolfgang Schmid (guitar, bass, percussion)

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Titel:
01. Einleitung „Wir wollen unseren Kaiser Wilhelm“ / Die blonde Dame singt (Tucholsky) 0.48
02. Berlin dein Tänzer ist der Tod (Mehring/Hollaender) 1.46
03. Berliner Weihnacht 1918 (Klabund) 2.04
04. Das Wunderkind (Hollaender) 3.09
05. Heinrich Zille (Tucholsky/Winkel) 2.12
06. Wenn Vata wieder aus Zuchthaus kommt (Version 1999) (Neumann) 2.21
07. Das grüne Streifchen hinter Mietskasernen (Schnoog) 1.01
08. Raus mit den Männern aus’m Reichstag (Hollaneder) 1.53
09. In fünfzig Jahren ist alles vorbei (Reutter) 2.14
10. Herbst 1932 (Finck) 0.52
11. An allem sind die Juden schuld (Hollaender/Bizet) 2.53
12. Bücherverbrennung (Brecht) 0.52
13. Rosen auf den Weg gestreut (Tucholsky/Eisler) 1.42
14. Das dritte Reich (Tucholsky) 2.24
15. Berlin 1940 (Gilbert) 1.02
16. Lili Marleen (Anonym/Schulze) 2.45
17. Brief aus Russland (Borchert) 1.20
18. Die goldenen zwanziger Jahre (Wiens/Tabbert) 1.50
19. Die andere Möglichkeit (Kästner) 1.28
20. Marschlied 1945 (Kästner/Nick) 2.54
21. Die Trümmerfrauen (Schreiner) 1.58
22. Der Heimkehrer (Kästner) 1.10
23. Kein Kinderlied (Kaléko/Brück) 2.29
24. Die Hakenrune (Wienert) 2.08
25. Zweierlei Deutschland (Wiener/Pfeiffert) 3.45
26. Gebrannte Kinder (Hildebrandt) 1.26
27. Wiedersehen in Berlin (Kaléko) 2.45
28. Die aus’m Osten (Biermann) 3.13
29. Das Stempellied (Weber) 2.12
30. Königskinder (Ensikat/Traditional) 0:24
31. Berlin… trotz und alledem ! (Rabe) 6.46
32. Prost Deutschland (Wecker) 3.52

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Jürgen von Manger – Der Schwiegermutter-Mörder – Neue Folge (1964)

FrontCover1Ee war schlicht und ergreifend für viele Jahre das Ruhrpott Unikum schlechthin.

Jürgen von Manger-Koenig (* 6. März 1923 in Ehrenbreitstein; † 15. März 1994 in Herne; als Bühnenfigur Adolf Tegtmeier) war ein deutscher Schauspieler, literarischer Kabarettist und Komiker.

Jürgen von Manger wurde im späteren Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein als Hans Jürgen Julius Emil Fritz Koenig und als zweiter von drei Söhnen des Staatsanwalts Fritz Koenig und der einem katholischen Koblenzer Adelsgeschlecht angehörigen Ehefrau Antonia von Manger geboren. 1927 konnte seine Mutter dank einer Adoption durch ihren Onkel Martin von Manger wieder ihren ursprünglichen Namen annehmen. Die Kinder führten fortan den Familiennamen von Manger-Koenig. Mit zehn Jahren kam er nach Hagen. Der Vater bekam eine Anstellungen am Landgericht Hagen. Jürgen von Manger machte am Albrecht-Dürer-Gymnasium sein Abitur. Seine Schauspielkarriere begann er nach dem Krieg am Theater Hagen, später ging er auf die Bühnen in Bochum und Gelsenkirchen. Und dort war der ausgebildete Schauspieler und Sänger nicht nur in komischen Rollen zu sehen. 17 Jahre war er im komischen Charakterfach an Bühnen in Bochum (Schauspielhaus Bochum) (ab Sommer 1947) und Gelsenkirchen (ab Herbst 1950) tätig.

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Jürgen von Manger (zweiter von rechts), 1949

Daneben holte er von 1954 bis 1958 das ursprünglich angestrebte Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Köln und Münster nach, allerdings ohne Abschluss, und absolvierte zudem eine Schauspiel- und Gesangsausbildung.

Seine Auftritte mit kabarettistischen Solo-Programmen, hauptsächlich um die Figur des Ruhrgebiets-Kleinbürgers Adolf Tegtmeier, die er ursprünglich für den Hörfunk entwickelt hatte, später aber auch auf zum Teil sehr erfolgreichen Sprechplatten (Stegreifgeschichten, zwei davon erhielten eine Goldene Schallplatte) und in zahlreichen Fernsehprogrammen verkörperte, begann von Manger in den 1960er Jahren zu vertiefen, nachdem seine erste Radiosendung Silvester 1961 beim NDR in ruhrdeutschem Dialekt ein unerwartet großer Erfolg geworden war. Daneben spielte er weiterhin Theater; unter der Regie von Helmut Käutner stand er Ende 1964 für die Deutsche Oper am Rhein als Frosch in der Operette Die Fledermaus auf der Bühne.

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Im Fernsehen hatte von Manger großen Erfolg mit der Reihe Tegtmeiers Reisen, die von 14. Juli 1972 bis zum 3. Juli 1980 vom ZDF ausgestrahlt wurde. Neben seiner klassischen Figur, die die bereisten Länder auf ihre gewohnt einfache Art analysierte, trat noch eine Art Co-Moderator auf, Professor Tegtmeier. Dieser ebenfalls durch von Manger verkörperte Wissenschaftler lieferte die korrekten Hintergrundinformationen der jeweiligen Reiseziele und machte sich dabei über die teilweise recht absurden Argumentationen seines Alter Egos lustig. Die Darstellung des Tegtmeier war von einer eigentümlichen Mimik begleitet, die für diese Kunstperson charakteristisch wurde. In der RTL-Sendung Die ultimative Chartshow: Die besten Comedians (Jürgen von Manger erreichte dort den ersten Platz) wurde als Ursache eine halbseitige Gesichtslähmung genannt, die von Manger in frühen Jahren erlitten haben soll.

Von Manger überzeichnete in seinen Darbietungen die Sprache des Ruhrgebiets-Bürgers bis ins Komische: „Wenn ich Sie mir so anguck, könnt ich mir vorstellen, dat die Fantasie von so mancher Herr ganz schön am Kochen fängt!“ 1966 veröffentlichte er unter dem Titel Bleibense Mensch einige seiner erfolgreichsten Tegtmeier-Geschichten, mit Illustrationen des Karikaturisten Hanns Erich Köhler, auch in Buchform; in einem Nachwort analysiert der Philosoph und Kunsthistoriker Heinrich Lützeler, damals Professor an der Universität Bonn, Sprachwitz und Weltsicht des Tegtmeier. 2013 gab der Germanist Joachim Wittkowski das Buch Der Abschied und andere Stückskes aus dem Nachlass heraus. In ihm werden bislang unveröffentlichte Manger-Texte aus den Beständen des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz publiziert.

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Jürgen von Manger als Werbeträger

Ferner war Jürgen von Manger auch als Sprecher in vier Hörspielproduktionen des WDR zu hören, unter anderem als Gollum in J. R. R. Tolkiens Der kleine Hobbit und mit polnischem Akzent als Kapitän Schikowski in dem Paul-Temple-Hörspiel Paul Temple und der Fall Lawrence. Die Hörspiele sind:

1958: Paul Temple und der Fall Lawrence (Regie: Eduard Hermann), mit René Deltgen, Annemarie Cordes und Kurt Lieck
1961: Das Appartementhaus (Regie: Friedhelm Ortmann)
1968: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt (Regie: Heinz-Dieter Köhler)
1980: Der kleine Hobbit (Regie: Heinz-Dieter Köhler)

Daneben hat Jürgen von Manger Mitte der 1970er-Jahre zwei Schallplatten besungen:

JürgenVonManger05Bottroper Bier (1977), nach der Melodie von Udo Jürgens’ Griechischer Wein; mit dem Refrain: „Bottroper Bier, is so wie der Saft füürt Leben hier im Revier, tuuse manchmal gärn ein heben, und an so ein Tach kriech ich zu Hause meist noch Krach, datt ich nich lach.“ Auf der B-Seite befand sich die Moritat Der Bettler und sein Hund.
Dat bisken Frühschicht (1978); Pate stand bei diesem Lied der Song von Johanna von Koczian (Das bisschen Haushalt). Die B-Seite enthielt den Titel De kleine Kneipe, eine Ruhrpott-Persiflage auf Peter Alexanders Die kleine Kneipe.

Drei dieser Titel erschienen auch auf der 1978 veröffentlichten LP Tegtmeier für Millionen.

Er war seit 1952 verheiratet mit der Fotografin Ruth Stanszus. Jürgen von Manger lebte seit 1965 in seinem Herner „Häusken“ unweit des Herner Stadtgartens.[2] Nach einem Schlaganfall 1985, von dem auch sein Sprachzentrum betroffen war, konnte Jürgen von Manger den Schauspielberuf nicht mehr ausüben. Im März 1988 trat er anlässlich seines 65. Geburtstages nochmals vor die Kamera und bedankte sich bei seinen Fans für ihre Unterstützung. Als sein Gesundheitszustand so kritisch wurde, dass eine ärztliche Versorgung notwendig wurde, kam er schließlich ins Marienhospital in Herne, in dem er 1994 im Alter von 71 Jahren starb. Jürgen von Manger wurde auf dem Friedhof in Hagen-Delstern beigesetzt.

1987 wurde Jürgen von Manger mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und 1990 bekam er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Ihm ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. 1997 wurde in Herne eine Straße nach ihm benannt. (Quelle: wikipedia)

Hier sein zweites Album, das zu der Reihe „Stegreifgeschichten“ zählt.

von Manger mit seiner wunderbar verschrubbelten Sprache, er war ein Sprachgenie, er konnte im amüsanten Plauderton die herrlichsten Boshaftigkeiten erzählen (siehe „Die Delinquentenzelle“), und oftmals hatten seine nur vordergründigen Plattheiten eine stets aufs neue zu entdeckenden Tiefgang.

Von daher ist er – wie Helge Schneider (wobei die beiden natürlich in keinster Weise vergleichbar sind, außer dass beide letztlich absurdes Theater betreiben), ein Original, das nicht zu kopieren war.

Hörempfehlung !

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Besetzung:
Jürgen von Manger (Sprecher)

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Titel:
01. Der Schwiegermutter Mörder 13.52
02. Der Hiwi-Germane 7.20
03. Wilhelm Tell 13.32
04. Die Delinquentenzelle 9.24

Alle Texte: Jürgen von Manger

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Stimme der Frau (Zeitschrift) – Nr. 18 (1953)

TitelHier mal ne Frauenzeitschrift aus den 50 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Und um es gleich mal vorweg zu nehmen: Es ist eine durch und durch traditionelle Frauenzeitschrift und ich war deshalb umso verblüffter, als ich die Biographie der Gründerin dieser Zeitschrift fand:

Nach eigenen Worten „aus einer alten westfälischen Bauernfamilie” stammend, wuchs Dorothea Nolte als eins von sieben Kindern in Warendorf in Westfalen auf. Ihr Vater, ein Gymnasiallehrer, wollte seinen Kindern, auch den Mädchen, eine gute Ausbildung ermöglichen. Dorothea studierte Jura in Münster mit dem für eine Frau damals unerhörten Ziel, in der öffentlichen Verwaltung tätig zu werden. 1922 erkämpfte sie sich beim Innenminister persönlich eine Stelle als erste weibliche Regierungsreferendarin für die Verwaltung in Preußen:

„[Minister] Severing wollte erst gar nicht, aber am Ende habe ich es erreicht, ich hab mich immer auf die Weimarer Verfassung berufen. [Er] meinte dann endlich: ‘man kann es ja mal versuchen.’”

Der Versuch lohnte sich, denn nach ihrem Assessorexamen 1926 wurde sie als Verwaltungsassessorin nach Berlin berufen, um in diversen Abteilungen im Polizeipräsidium zu arbeiten; bald wurde sie zur Regierungsrätin befördert.

1927 heiratet sie ihren Kollegen Albrecht Bähnisch, aber erst nachdem ihr Minister Severing garantiert hat, sie nicht, wie damals üblich, wegen ihrer Heirat aus dem Dienst zu entlassen. Sie will auch weiterhin Thea Nolte heissen, aber da dies juristisch noch nicht möglich ist, zieht sie Vor- und Nachnamen zusammen und nennt sich von da an Theanolte Bähnisch. Als ihr Mann zum Landrat in Merseburg gewählt wird, gibt sie ihre Stelle freiwillig auf; 1931 und 1933 werden ihre Kinder geboren.

Theanolte Bähnisch

Theanolte Bähnisch

Der Sozialdemokrat Albrecht Bähnisch wird 1933 von den Nazis als Landrat ohne Bezüge entlassen, und die Familie geht zurück nach Berlin, wo das Ehepaar eine Kanzlei eröffnet. Sie schlagen sich mit Vertretungen durch, setzen sich auch für rassisch und politisch Verfolgte ein. (1933-34 vertritt Theanolte für Pressephotos das Photo-Geschäft von Lotte Jacobi, die dann als Jüdin 1935 in die USA emigriert.) Theanolte bekommt den Ruf, als unerschrockene Anwältin mit der Gestapo zu verhandeln.

„Mein Leben war mehr als einmal gefährdet und in vielen Verhandlungen ist mir gesagt worden, dass ich das Gebäude nicht mehr verlassen würde. Aber mit Bluff und Mut konnte man bei der Gestapo viel erreichen, da sich diese Leute nicht vorstellen konnten, dass ihnen gegenüber jemand sicher auftrat, der nicht hohe Beziehungen zu ihren obersten Führern hatte.”

Schon 1931 hatte sie in dem selbstgegründeten „Freiheitsverlag” Schriften herausgegeben, die den Nationalsozialismus kritisierten, ab 1939 war sie in der Widerstandsgruppe um Ernst von Harnack. Ihr Mann wurde noch im selben Jahr eingezogen und gilt seit 1943 als in Russland vermisst. Theanolte blieb bis kurz vor Kriegsende in Berlin, die Kinder waren bei Verwandten in Köln.

Im Frühjahr 1946 wird sie vom Regierungspräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf nach Hannover gerufen, um dort das Amt der Vize-Regierungspräsidentin zu übernehmen. Als Kopf im November zum Ministerpräsidenten des von der Militärregierung neu gegründeten Landes Niedersachsen ernannt wird, wird Theanolte vom Bezirksparlament einstimmig zur Regierungspräsidentin Hannovers gewählt. Sie wird somit die erste Frau in Deutschland, die ein solches Amt innehat.

Beispiel18

Bertha Middelhauve, Vorsitzende des Frauenrings zwischen 1958 und 1964 (3. v.l.); rechts neben ihr Theanolte Bähnisch und links Gabriele Strecker und Erna Schlepper;

Während ihrer 13-jährigen Amtszeit befasst sich Theanolte Bähnisch mit den schlimmsten Problemen der zerstörten Stadt in der britischen Besatzungszone: Versorgung und Wohnungsnot der Bevölkerung, der Flüchtlinge und Vertriebenen. Sie widmet sich der Wiederherstellung von Schulen und Ausbildungsstätten, auch der Uni Hannover. Die ganze Infrastruktur (Verkehrswesen usw.) muss wiederaufgebaut werden. Diesen Aufgaben stellt sich die Regierungspräsidentin kompetent und entschieden, doch ohne den praktischen Bezug zum täglichen Leben aus den Augen zu verlieren. Wie sie es nach ihrer Wahl verspricht, ist es ihr Bestreben, „die Verwaltung so gut wie möglich, aber auch so menschlich wie möglich zu führen.”

Als Beispiel ihres „kompetenten” aber „menschlichen” Einsatzes für die Bevölkerung kann man diese kleine Anekdote verstehen: Als in der ersten Nachkriegszeit die Rationen für Deutsche immer kleiner wurden, ergriff die energische Regierungspräsidentin die Initiative und fuhr zu den Militärgouverneuren Clay und Robertson nach Frankfurt. Da erschien sie „mit einem Tablett, auf dem die Tagesration eines Normalverbrauchers lag, stellte es auf den Schreibtisch und sagte: ‘Bitte, meine Herren Generäle, sehen Sie sich das an!’ Dieser drastischen Einleitung folgte eine Unterredung, die eine Stunde und dreißig Minuten dauerte … ”

Die streitbare Regierungspräsidentin wurde von den Generälen, wie von den britischen Besatzungsoffizieren überhaupt respektiert, doch manchmal auch etwas gefürchtet, wie wir es aus einem geheimen Dossier aus den Jahren 1948/49 lesen können: Bähnisch wird dort beschrieben als „eine zweifellos außerordentlich talentierte Frau und einer der schillerndsten Charaktere Hannovers mit einer anziehenden, manchmal aber auch temperamentvoll überschießenden Persönlichkeit.”

Beispiel201959 wird Theanolte Bähnisch vom Ministerpräsidenten Kopf zur bevollmächtigten Staatssekretärin Niedersachsens ernannt, mit der Aufgabe, das Land in Bonn beim Bund zu vertreten. Noch einmal arbeitet sie effektiv und mit diplomatischem Geschick, bis sie 1964 aus dem Amt scheidet.

Bähnisch war Mitglied der SPD und arbeitete eng mit Hinrich Wilhelm Kopf und Kurt Schumacher zusammen, aber ihr politisches Hauptengagement nach dem Krieg galt der Entwicklung einer neuen Frauenpolitik. Wie damals viele, glaubte auch Theanolte Bähnisch, dass es die besondere Aufgabe der Frauen sei, sich an dem physischen, sozialen, kulturellen und politischen Wiederaufbau Deutschlands zu beteiligen; nicht nur die praktischen Erfahrungen und Fähigkeiten von Frauen, sondern auch deren „weibliche” und „mütterliche” Eigenschaften seien gefragt. Alle Frauen sollten sich in überparteilichen, überkonfessionellen Frauenausschüssen zusammentun, um als politische Macht wirksam zu werden. Zu diesem Zweck wurden 1946 der Club deutscher Frauen in Hannover und ein Jahr später der „Frauenring der britischen Zone” gegründet mit Bähnisch als erster Vorsitzenden.

1949 kamen dann Frauen aus der neuen Bundesrepublik und Westberlin in Bad Pyrmont zusammen, um den Deutschen Frauenring (DFR), einen bundesweiten, überparteilichen Zusammenschluss vieler Frauenorganisationen, zu gründen. Wieder wurde Theanolte Bähnisch zur Vorsitzenden gewählt. Der Frauenring knüpfte bewusst an den alten Bund Deutscher Frauenvereine (BDV) an, den Dachverband der bürgerlichen Frauenbewegung im Kaiserreich und in der Weimarer Republik; beide Organisationen wollten überparteilich die Sache der Frauen bei den Gesetzgebern vertreten, beide befassten sich mit der staatsbürgerlichen Aufklärung der Frau.

Um letzteres Projekt voranzutreiben, gründete die unermüdliche Bähnisch 1948 eine Frauenzeitschrift, Die Stimme der Frau, die als Für Sie heute noch existiert. Eine frühe Version des feministischen Mottos „the personal is political” kann aus Bähnischs Worten zur ersten Nummer gelesen werden:

„Wie schwindet das geheime Grauen vor der Politik, wenn man merkt, daß die eigene Wohnungssorge, der Kochtopf und der Berufsweg des Kindes ‘politische’ Angelegenheiten sind!”

 

WeitereAusgaben

Weitere Ausgaben von „Stimme der Frau“

Die anfänglichen Bemühungen des Deutschen Frauenrings (und der Stimme der Frau) um Überparteilichkeit und politische Neutralität wichen allerdings bald dem neuen Klima des Kalten Krieges. Bähnisch war überzeugte und überzeugende Anhängerin der pro-westlichen Politik ihrer SPD-Kollegen Hinrich Wilhelm Kopf und Kurt Schumacher und sah im Kommunismus die Gefahr eines neuen „Rattenfängers” aus dem Osten, vor dem die Frauen durch ihre demokratische Aufklärungsarbeit geschützt werden sollten. Theanolte Bähnisch Die anfangs zusammenwirkenden Frauen aus Ost und West trennten sich bald in separate Organisationen, den Demokratischen Frauenbund Deutschlands in der SBZ/DDR und den Deutschen Frauenring in der BRD.

Bähnisch und der Deutsche Frauenring setzten sich in den Debatten um das neue Bürgerliche Gesetzbuch intensiv für die praktische Umsetzung des Gleichberechtigungsparagraphen ein. Sie trugen auch zur Anknüpfung Deutschlands an internationale Organisationen nach dem Krieg bei: Bähnisch setzte sich dafür ein, dass der DFR 1951 in den International Council of Women und ein Jahr später in die International Alliance of Women aufgenommen wurde. Sie selbst nahm aktiv an vielen internationalen Frauenkongressen teil; für sie war diese Arbeit ein wichtiger Baustein im Weltfriedensprojekt.

Theanolte Bähnisch erhielt das große Verdienstkreuz Niedersachsens und das große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Sie starb am 9. Juli 1973 in Hannover. Im benachbarten Langenhagen findet frau neben der Clara-Schumann-Straße, dem Helene-Weber-Weg und dem Elisabeth-Selbert-Weg auch einen Theanolte-Bähnisch-Weg. (Joey Horsley)

Also erstmal kann man nur den Hut ziehen vor so einer Biographie, da empfinde ich ganz großen Respekt …

Und dann aber kann man sich nur wundern, dass dann so eine Frauenzeitschrift herauskam …

Das Heft eignet sich hervorragend für Studien zum Frauenbild in der BRD in den 50 er Jahren ,,, oder aber auch zum Thema „Warum die Frauenbewegung so dringend notwendig war“ …

Und wie gesagt … aus dieser Zeitschrift wurde dann „Für Sie“ … auch nicht gerade die Ausgeburt emanzipatorischer Frauenanliegen … zu gerne hätte ich die großartige Theanolte Bähnisch zu diesem Thema befragt … zu spät dafür.

Beispiel01

Beispiel02

Beachten Sie die neuesten Vorhangstoffe !

Beispiel03

Beispiel04

Der kleine Carl XVI. Gustaf von Schweden (* 30. April 1946 auf Schloss Haga bei Stockholm) im zarten Alter von 8 Jahren.

Beispiel05

Beispiel06

Jetzt wird es neckisch …

Beispiel07

Und jetzt wird es bunt…

Beispiel08

Natürlich … Schuhe … *ggg*

Beispiel09
Beispiel10

Beispiel11

Beispiel12

Beispiel13

Beispiel14

Beispiel15.jpg

Beispiel16

Ja natürlich … und die Welt ist eine Scheibe …

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Beispiel17

Dem Heft beigefügt: Ein Strick-Muster … und da versteh ich nicht mal mehr Bahnhof …

Impressum

Staatsorchester Stuttgart (Gabriele Ferro) – Verdi und die Banda (1995)

FrontCover1Eine musikhistorisch wahrlich spannende Aufnahme liegt da auf meinem Schreibtisch.

Aber erstmal ein paar Informationen über das ausführende Orchester, das schon ein paar Jahrhunderte (!) auf dem Buckel hat:

Das Württembergische Staatsorchester Stuttgart (auch Württembergisches Staatsorchester oder Orchester der Württembergischen Staatstheater) ist ein Sinfonieorchester, das auf die Württembergische Hofkapelle in Stuttgart zurückgeht. Es wurde vor über 400 Jahren gegründet.

Das Orchester versieht den Orchesterdienst in der Oper Stuttgart und gibt regelmäßig Konzerte in der Stuttgarter Liederhalle.

Unter den bisherigen Generalmusikdirektoren befand sich eine Reihe bedeutender Dirigenten. Im Jahre 2002 wurde das Württembergische Staatsorchester erstmals mit dem Titel Orchester des Jahres aufgrund einer Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt ausgezeichnet. (Quelle: wikipedia)

Staatsorchester Stuttgart

Die Bläser des Staatsorchester Stuttgart

Und der Dirigent Gabriele Ferro war genau der richtige für diese Aufnahmen:

Gabriele Ferro (* 15. November 1937 in Pescara) ist ein italienischer Dirigent.

Der Sohn des Komponisten Pietro Ferro studierte am Konservatorium Santa Cecilia in Rom Klavier und Komposition. Nachdem er 1970 den Wettbewerb für junge Dirigenten der RAI gewonnen hatte, dirigierte er regelmäßig die Orchester der RAI, der Mailänder Scala und von Santa Cecilia.

International trat er u.a. mit den Wiener und den Bamberger Symphonikern, dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Orchestre Philharmonique de Radio France und dem BBC Symphony Orchestra auf. Er war von 1979 bis 1991 Dirigent des Orchestra Sinfonica Siciliana, daneben erster Dirigent des Orchestra della RAI und Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. Sein Repertoire umfasst die Werke zeitgenössischer Komponisten wie Luciano Berio, Aldo Clementi, Bruno Maderna, Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Luigi Nono.

Seit 1978 machte sich Ferro einen Namen als Operndirigent und dirigierte u.a. am Opernhaus Teatro La Fenice in Venedig, dem Teatro communale von Florenz, der Covent Garden Opera in London, der Deutschen Oper in Berlin sowie Opernhäusern in Chicago, in San Francisco, Los Angeles und Tel Aviv.

Seit 1999 ist Ferro Musikdirektor am Teatro San Carlo in Neapel, seit 2001 Erster Gastdirigent am Teatro Massimo in Palermo. Aufnahmen mit ihm sind bei der Deutschen Grammophon, Sony und Emi erschienen. (Quelle: wikipedia)

Gabriele Ferro

Gabriele Ferro

Der auf den ersten Blick etwas rätselhafte Albumtitel lässt sich leicht aufklären:

Banda bedeutet auf Italienisch und auf Spanisch Musikkapelle oder im engeren Sinn Blaskapelle.

Blaskapellen mit diesem Namen bestehen in Italien und Spanien vor allem aus Klarinetten, Flöten, Trompeten, Posaunen, Tuben und Schlagwerk; Saxophone und weitere Holzblasinstrumente kommen bedingt zum Einsatz (insbesondere wenn es sich um sinfonische Blasorchester handelt). Die Ensembles rekrutieren sich in der Regel aus einem Ort und spielen in dessen Musik- und Festleben eine Rolle. So sind die Bandas für die Umrahmung der kirchlichen Prozessionen ebenso zuständig wie für öffentliche Aufführungen von Konzertmusik. Auch die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses läuft im Wesentlichen über die Bandas.

Daneben bezeichnet das Wort auch verschiedene Genres der Blasmusik, mithin das Repertoire dieser Kapellen.

In der italienischen Oper des 18./19. Jahrhunderts erscheint in der Partitur oft eine „Banda“ als Bühnenmusik, zum Beispiel in La gazza ladra von Gioachino Rossini. Oft ist die Banda auf zwei Notensystemen ähnlich wie ein Klavierinstrument notiert. Das bedeutet, dass man diese Musik an jedem Aufführungsort der Oper für die örtliche Blaskapelle instrumentierte, die dann auf der Bühne erschien. Über die geeignete Zusammensetzung der Banda in modernen Aufführungen gehen die Meinungen auseinander. (Quelle: wikipedia)

La Triviata Plakat

Plakat zur Oper La Triviata aus dem Jahr 1853

Und hier tobt sich nun die Bands des Staatsorchest Stuttgart an Opernmelodien von Verdi aus … und zwar ganz gewaltig.

Gelegentlich gab´s an diesen Aufnahmen allerdings auch Kritik:

„Das klingt dann allerdings schon fast zu gepflegt, zu elegant – da ist die Musik der Banda, die einst aus der Oper hinaus in die Strassen getragen wurde, von der Piazza in den Konzertsaal zurückgekehrt.“ (Neue Züricher Zeitung, 2004)

Ja Mensch, Maier … sollen die Profis aus Stuttgart nun plötzlich wie Amateure aufspielen ?
Das ist doch schier ein Ding der Unmöglichkeit …

Nein, neun, die Kerle haben alles richtig gemacht und siehe da … nachdem nicht gesungen wird (*ggg*) finde ich Opernmusik richtig Klasse, zum man hier klassische Bläsermusik vom feinsten bekommt.

Diese erste Aufnahme in diesem Stil war dann auch so erfolgreich,dass zwei weitere CD´s folgten. Mich sollte es nicht wundern, wenn die hier auch mal auftauchen …denn davon kann ich nicht genug bekommen !

BackCover1

Besetzung:
Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Gabriele Ferro
(weitere Informationen sihe dem vorbildlichem Begleitheft)

Booklet05A

Titel:

Oberto:
01. Sinfonia 6.26

Nabucco:
02. Sinfonia 7.50
03. Allegro marziale (1. Akt) 2.13

Macbeth – Ballettmusik 3. Akt:
04. Allegro vivacissimo 2.31
05. Allegro – Andante – Allegro 5.48
06. Valzer 3.12
07. Marcia 1. Akt 2.29

Rigoletto:
08. Allegro con brio (1. Akt) 2.28

La triviata:
09. Vorspiel (1. Akt) 3.34
10. Allegro brillante (Walzer) (1. Akt) 2.59

La forza del destino (Die Macht des Schicksals):
11. Sinfonia 8.12

Aida:
12. Hymne und Triumphmarsch 6.10

Musik: Guiseppe Verdi

CD1
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Pigor singt, Benedikt Eichhorn muß begleiten – Volumen 4 (2004)

FrontCover1Tja und das ist der Pigor:

Thomas Pigor (* Mai 1956 in Alzey) ist ein deutscher Kabarettist, Liedermacher, Buchautor und Komponist. Seit 1995 tritt er als Sänger von Pigor & Eichhorn auf.

 

Thomas Pigor wurde 1962 in der katholischen Volksschule in Unsleben (Unterfranken) eingeschult. Von 1966 bis 1975 erhielt er Violinunterricht und war Autodidakt an der Gitarre. Sein Abitur legte er 1975 am Neusprachlichen Gymnasium in Bad Neustadt an der Saale ab. Sein Studium an der Universität Würzburg schloss er 1982 als Diplom-Chemiker ab, ohne jemals in diesem Bereich zu arbeiten. Von 1988 bis 1991 erhielt er Gesangsunterricht bei L. Meichsner.

Pigor ist seit Ende der 1970er Jahre als Musikkabarettist mit verschiedenen Bühnenprogrammen unterwegs, z.B. 1991 gemeinsam mit Irene Rindje im Nummernprogramm Pigor und Rindje. Seine Texte beziehen sich oftmals auf aktuelle Ereignisse.

Seit 1995 arbeitet er regelmäßig mit dem Pianisten und Kabarettisten Benedikt Eichhorn zusammen. Das erste Programm Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten wird regelmäßig fortgesetzt, zuletzt als Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten,

Pigor01Pigor war von 1983 bis 1992 Mitglied der Berliner Musicaltruppe College of Hearts. Bei den ersten vier Produktionen New York muss brennen (1983), King Kurt (1985), Casanova (1987) und Blutiger Honig (1988) sowie beim Rotlichtmärchen Der Gestiefelte (1992) stand er auch selbst auf der Bühne, beim Metzgermusical Harry Stark (1989) führte er Regie. Er schrieb einen großen Teil der Texte und war auch an Buch und Musik mitbeteiligt.

Weitere von ihm geschriebene Musicals sind Die falschen Fuffziger (Neuköllner Oper, 1993) Im Schatten der Hochbahn (Theater am Halleschen Ufer, 1994), 30 60 90 (Theater des Westens, 1998) sowie Erhöhte Temperatur (2008) und Roulette (2010), beide im Staatstheater Saarbrücken. Im Jahre (2011) schrieb er für die Berliner Staatsoper eine Bearbeitung des Librettos der Offenbach-Operette Orpheus in der Unterwelt.

Außerdem schrieb er mehrere Kindermusicals: Cinderella (1990), Des Kaisers neue Kleider (1997) und Anton, das Mäusemusical (2004), Edgar, der Schrecken der Briefträger (2015) letztere gemeinsam mit seiner Schwester Gertrud Pigor.

Pigor schreibt außerdem Texte und Musik für andere Künstler, u.a. für Tim Fischer, Max Raabe, Walter Moers, Queen Bee (Ina Müller), Desiree Nick, die Missfits und die Berlin Comedian Harmonists. Lieder von Pigor sangen unter anderen auch Thomas Quasthoff und Jan Böhmermann

Seit 2010 komponiert Thomas Pigor für den SWR regelmäßig das Chanson des Monats rund um Themen der Zeitgeschichte, das später dann auch von anderen ARD-Anstalten und dem Deutschlandfunk ausgestrahlt wird. (Quelle: wikipedia)

PigorEichhorn

Thomas Pigor & Benedikt Eichhorn

Und hier sein 4. Album, das in Zusammenarbeit mit Benedikt Eichhorn entstand.

Zwar heißt es auch auf „Volumen 4“ immer noch: „Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten“, doch der Ulf lauert mit allerlei Gerätschaften der Unterhaltungselektronik und diversen Zupfinstrumenten im Hintergrund, und Eichhorn darf auch (einmal) singen. Anno 1995/96 haben Pigor und Eichorn das Chanson neu erfunden und den Beweis im fahrenden „club existentialiste“ aufgezeichnet. Damals hatten sie Nadja und Jaqueline. Heute haben sie den Ulf. Der hat sich spätestens seit 2002 und dem Album „Pigor und die Pigoretten“ völlig unentbehrlich gemacht und mischt sich nun dauernd ein. Pigor und Eichhorn nehmen das hin. Weil sie ihn brauchen.

Pigors anscheinend unbegrenzte Kreativität bei der Suche nach delikaten Details des täglichen Irrsinns und seinen vordergründig normalen Erscheinungsformen zeichnet auch „Volumen 4“ mit seinen 14 Titeln aus. Eichhorn hat es sich nicht nehmen lassen, auch für dieses Album und Pigors typischen Sprechgesang wieder kongenial die Musik zu schreiben. Es ist – und darum bin ich auch für das Booklet mit allen Texten dankbar – mal wieder ein schönes Stück literarisches Kabarett (oder kabarettistische Literatur) mit intelligenten Texten und feinen Tönen. Pigors Hassballade auf die Wurstverkäuferin, seine Manifestation der Feststellung, dass sich die Geländer von Rolltreppen schneller bewegen als die Stufen und die unmissverständliche Weigerung, bei einem Umzug zu helfen, kann wohl jeder nachvollziehen. Da singt Pigor Allgemeingut.

Die herrlich dekadente Boheme-Samba „Verrucht“ im Stil Fritz Brauses hätten Buddy Deppenschmidt und Charlie Byrd auch nicht besser hinbekommen und die Forderung nach einem neuen Lärmschutzgesetz unterschreibe ich sofort. Das Lachen über „Historische Vergleiche (mit dem Dritten Reich)“ schmerzt und enthält mehr Zündstoff, vor allem Wahrheit, als manche Bundestagsrede, sowie die Bitternis, die Pigor und Eichhorn ihren Gästen nie ersparen, auch nicht in „Petra K.“. „Wir sind Pigor und Eichhorn: die SS der deutschen Kleinkunst!“, relativieren sie flugs: „Wir sind zu weit gegangen! (…) Wir haben kokettiert mit dem Tabu-Bruch! (…) Es wäre besser, wir hätten geschwiegen!“ Oh nein – weitermachen, politisch unkorrekt bleiben und alles in Grund und Boden heideggern! (Quelle: Frank Becker)

Viel Lob und damit stand Frank Becker wahrlich nicht alleine …

Und ich steh da ganz und gar abseits … und das ganz dringend.

Denn was einem hier geboten wird, spottet jeder Beschreibung … geschmacklos wäre fast ne Untertreibung.

Höhepunkt dieser CD (ist das eventuell so ne Art „Punk-Comedy ?) ist dann das Lied „Petra K.“

KellyText

Ich weiß nicht, was soll das bedeuten … oder: Billige Scherze dieser Art finde ich eben geschmacklos und abstoßend.

Gelegentliche durchaus geistreiche Textideen werden dann durch die an Banalität nicht zu unterbietende Musik der Garaus gemacht. Die CD ist völliger Quatsch !

Wer wissen will, wie stark sein Nervenkostüm ist … kann sich die Scheibe ja mal anhören … ich werde sie schleunigst entsorgen. Und zwar mit größtem Vergnügen !

BookletBackCover1

Besetzung:
Bendedikt Eichhorn (vocals, piano)
Thomas Pigor (vocals)
+
Ulf Henrich (guitar, bass, background vocals)
Martin Lillich (bass)
Torsten Puls (guitar)
Harald Thiemann (drums)

Booklet04A

Titel:
01. Umzug (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3.05
02. Hypochondrie (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 5.02
03. Amerikaner (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3.10
04. Quatsch (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 2,22
05. Petra K. (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 4,34
06. Lärmschutzgesetz (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3,58
07. Hauptbahnhof (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3,26
08. Gehen bevor es hell wird (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 5.13
09. Historische Vergleiche (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 6,35
10. Verrucht (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 4.10
11. Wurstverkäuferin (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 2.49
12. Fliegen (Eichhorn/Pigor) 3.32
13. Rolltreppengeländer (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 1.44
14. Rheinländer (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 2.58

CD1
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Verschiedene Interpreten – Programm für Millionen – Original-Dokumentation zum Thema 50 Jahre Deutscher Rundfunk (1973)

FrontCover1Also, wer sich für die Geschichte des deutschen Rundfunks auch nur annähernd interessiert, kommt an dieser Präsentation eigentlich nicht vorbei !

Am 29. Oktober 1923 ging der deutsche Rundfunk seinen Weg in das Land.

Und von daher kam es, dass man dann 1973 – man feierte das 50. Jubiläum – diese aufwendig gestaltete Box auf den Markt brachte.

Und wir hören „wichtige und interessante Höhepunkte aus Rundfunksendungen der Vergangenheit. Zwei Langspielplatten und ein reichbebildertes Beilageheft. Ein radioaktiver Report über ein erregendes Stück Zeitgeschicht 1923 – 1949“.

So kann man es auf der Hülle lesen. Und damit nicht genug … es gibt dann noch als Drauf- bzw. Zugabe eine Bonus-Single mit den Titeln „Liebes altes Dampfradio“ (Bully Buhlan) und „Ti-Pin-Tin“ (Teddy Stauffer mit der Sängerin Rosita Serrano – live in Berlin am 22. November 1938 in Berlin).
Dieses Werk konnte nur entstehen in der Zusammenarbeit mit dem „Deutschen Rundfunkarchiv“… und die Zusammenstellung (was für eine Wahnsinnsarbeit) lag bei Walter Haas (damals Redakteur des NDR).

Was soll ich da noch schreiben … außer, dass diese Box einfach ne Wucht ist … unglaublich, was hier zusammengetragen wurde (ich hätte die Auswahl nicht treffen wollen).

Zu hören gibt es

Ergreifendes, sportliches, politisches, amüsantes, literarisches aus 5 Jahrzehnten, eine schier unglaubliche Fülle … Prädikat: atemberaubend !

 

Hier ein paar Beispiele aus dem ausführlichem Begleitheft (liegt der Präsentation bei, versteht sich ja von selbst)

Beispiel01.jpg

Beispiel02

Beispiel03

Beispiel04

Beispiel05

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel08

Titel:

01. 1.Teil: 1923-1930  (27.29)
02. 2.Teil: 1930-1932  (27.10)
03. 3.Teil: 1933-1934  (27.14)
04. 4.Teil: 1935-1949  (28.03)
+
05. Bully Buhlan: Liebes, altes Dampfradio (Jary/Haas) 5.20
06. Teddy Stauffer + Rosita Serrano: Ti-Pi-Tin (Grever) 3.41

Und so schaut dann die Titelliste von Teil 1 aus:

Beispiel11

Der geneigte Leser wird es nachvollziehen, dass ich hier nicht alle Titel abtippen wollte …

Weitere Informationen befinden sich dann im Begleitheft.

Wer hier nicht zuschlägt, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

 

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ExtraSingle

Die Extra Single

SingelLabelB1

 

Die Volksmusikanten – To´n Vagelscheeten (1965)

FrontCover1 Jetzt gibt es mal wieder eine Produktion des Schallplattenverlages Walter Kögler, Stuttgart:

Und über den Walter Kögler gibt es nun folgendes zu berichten:

Walter Kögler, am 29.10.1929 in Stuttgart geboren, studierte in Esslingen/Neckar Elektrotechnik. Bereits seit 1948 war er Mitglied im Stuttgarter Spielkreis einem Verein zur Pflege von Volkstanz, Chorgesang, Laienspiel und Brauchtum und war 1952 beim Zusammenschluss gleich gesinnter Gruppen zur Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise in Baden- Württemberg e.V., Gründungsmitglied dieses Verbandes.
Beruf, Freude an der Musik und die Erkenntnis, dass großer Mangel an Schallplatten für den Volkstanz herrschte, lösten bei ihm den Wunsch zur Gründung eines Schallplattenverlages aus. 1955 machte er sich selbstständig auf den Gebieten Elektronik, Elektroakustik und Messtechnik. Als Firma war es ihm möglich die Lizenzen für Importe aus England, Schweden, USA und der Tschechoslowakei zu erwerben. 1956 begann die Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Tanz im Bundesgebiet und dessen Fachgruppe Volkstanz.
Das war der Beginn seiner erstklassigen Volkstanzmusik auf Schallplatten. Nur wenige Gruppen hatten zu damaliger Zeit eigene Tanzmusikanten oder konnten sich einen Klavier- oder Akkordeon­spieler leisten. Daher waren viele Tanz- und Gruppenleiter froh als die ersten Köglerplatten erschienen.

Walter Kögler

Walter Kögler

Walter Kögler wollte nicht nur Platten herstellen sondern auch die Qualität musste stimmen. So suchte er die Zusammenarbeit mit der aus hervorragenden Solisten bestehenden Blaskapelle „Volksmusikanten“ des Süddeutschen Rundfunks unter der Leitung von Alfred Kluten. Das hervorstechende der neuen Tanzmusik der „Köglerplatten“ ist die Genauigkeit des Taktes von der ersten bis zur letzten Note und der Genuss des Hörens nicht nur für die Tänzer sondern auch die Zuschauer oder -hörer.
„Worin liegt nun das Besondere dieser Arrangements und Einspielungen? Zunächst geben Wechsel-Bass und Nachschlag den Impuls. Bei allen Tanzeinspielungen läuft dies wie selbstverständlich metronomisch exakt ab. Der Nachschlag kommt immer haargenau, auch bei schnellen Dreiertänzen wie etwa dem Lüneburger Windmüller oder dem Schlunz. Wer schon einmal Nachschläge, also den kurzen Ton nach der Zählzeit, geübt und gespielt hat, und dies zu zweit oder dritt, dass ein Nachschlag-Akkord daraus wird, der weiß um diese enorme Schwierigkeit.

Wenn aber trotz aller Genauigkeit diese Bassgruppe zu schwingen beginnt und der Tanzmusik den Drive gibt, dann spricht das für die Meisterschaft des Musizierens eines Ensembles. Ebenso meisterlich sind die Melodie- und Begleitstimmen gesetzt und gespielt. Manchmal umspielen z.B. die Klarinetten in virtuosen Passagen die Melodie, die jedoch immer führend bleibt… Das war Kögler-Qualität vom Feinsten, aber eben beileibe kein Sonderfall sondern der hohe Standart des Verlags. Bewusst hat Alfred Kluten seine Volkstanzmusik ‚Musikanten’ genannt, denn das Musikantische, also die Freude am Musizieren, ist in jedem Takt herauszuhören.“ (Auszug aus dem Referat “Ohne Tanzmusik kein Volkstanz – wie der Kögler-Verlag zur Volks­tanz­kultur beigetragen hat“ von Herbert Preisenhammer.)

Der bis heute gültige Schriftzug „tanz“ des Walter Kögler Verlages wurde zum Markenzeichen. Der Verlag wird unter der Firma „tanz – Verlag Reinhold Frank“ von Reinhold Frank, einem früheren Mitarbeiter von Walter Kögler und erfahrenem Tanzleiter, weitergeführt.

Für seine eigenen Veröffentlichungen war er Produzent, Techniker, Verleger und Manager in einer Person. Zusammen mit seiner damaligen Frau gestalteten sie die Cover und klebten die Hüllen persönlich zusammen. Außerdem gab er selbst Tanzlehrgänge im In- und Ausland (Belgien, Niederlande, Kanada, Mexiko, Schweiz, USA) vermittelte andere Tanzleiter und organisierte Lehrgänge. Neu war, dass auf seinen Schallplatten die Tanz­beschreibungen aufgedruckt waren, die er meist selbst verfasst und teilweise auch aus Fremdsprachen übersetzt hatte.

Tanzbuch

Der Walter Kögler Verlag veröffentlichte Tänze aus aller Welt

1958 entwickelte er den ersten tragbaren Plattenspieler mit stufenlos regelbarer Geschwindigkeit in Deutschland, 1976 auch einen solchen Kassettenrekorder. Er war auch Mitglied und Förderer des Arbeitskreises Tanzdatenbank.

Schon in den achtziger Jahren, als der Verlag noch in voller Blüte stand, verfasste Walter Kögler ein Testament in dem er festlegte, dass nach seinem Tode sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung zur Förderung der Volksmusik und des Volkstanzes eingebracht werden sollte. Da es bei seinem Tode 2007 kein anderes Testament gab, gründete der von ihm ausgesuchte Testamentsvollstrecker und Freund Albert Renz die Walter-Kögler-Stiftung, die am 10. November 2008 vom Regierungs­präsidium Stuttgart anerkannt wurde.
Am 29. Oktober 2009, dem 80. Geburtstag von Walter Kögler wurden die ersten Förder­preise ver­geben. (Quelle: koegler-stiftung.de/)
Und hier nun eine EP aus dem Hause Walter Kögel … fidele niederdeutsche Tanzlieder … und auf der Rückseite der Hülle kann mansich dann unterrichten lassen … was zu beachten ist …. beim tanzen:

Tanzanleitung

Aha … ist ja interessant …

Hab´ ich schon erwähnt …. dass ich es mit dem tanzen so gar nicht hab´?
Leider trüben akustische Beeinträchtigungen den Hörgenuss … aber diese halten sich in akzeptablen Grenzen

Dennoch wollte ich dem Walter Kögler und seiner Leidenschaft ein weiteres mal ein wenig Platz hier geben ….

Und zudem habe ich einen Beitrag zum Erhalt norddeutscher Heimattänze geleistet … ist ja auch was. Aber den Titel dieser EP versteh´ ich noch immer nicht.

Tanzheft

Was es nicht alles gibt  … Tanzhefte zum Niederdeutschen Volkstanz

Besetzung:
Die Volksmusikanten unter der Leitung von Alfred Kluten

BackCover1
Titel:
01. Ja, mit den Füßen 2.38
02. Mudder Witsch 1.45
03 Wiß´n Nachmütz hebb´n 2.04
04. Dor geiht nix över de Gemütlichkeit 1.29
05. Herr Smid 1.20
06. Gah von mi 2.05
07. Bohnenpott 1.47

Musik: Traditionals

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