Die Hallenser Madrigalisten – Die liebe Maienzeit (1980)

FrontCover1Die Hallenser Madrigalisten sind ein semiprofessionelles Ensemble, dessen Mittelpunkt die Pflege des A-cappella-Gesangs aus mehreren Jahrhunderten bildet. Seit seiner Gründung widmet sich das Ensemble in besonderer Weise zeitgenössischer Chormusik.

Seit der Gründung des Kammerchores 1963 durch Siegfried Bimberg († 2008) treffen sich die Sängerinnen und Sänger der Hallenser Madrigalisten zur Probe in der Saalestadt. Ihre Mitglieder, die überwiegend musikbezogene Berufe wie Musiklehrer, Musikwissenschaftler oder Chorleiter ausüben, kommen aus Sachsen-Anhalt oder dem nahegelegenen Sachsen und Thüringen. Die unterschiedliche Gesangsausbildung der Ensemblemitglieder vereinigt sie zu einem semiprofessionellen Ensemble.

Unter der Leitung von Andreas Göpfert (Leiter 1980–1999) gewannen die Hallenser Madrigalisten 1995 unter anderem den Grand Prix des internationalen Chorwettbewerbs in Tolosa. Dies wurde der Höhepunkt einer Reihe von Auszeichnungen, Fernseh- und Rundfunkproduktionen sowie CD-Einspielungen im In- und Ausland.

Von 1999 bis 2003 wurde der Chor von Helko Siede (1969-2008) geleitet. In seine

SiegfriedBimberg

Siegfried Bimberg

Schaffensphase fällt unter anderem die Erstaufführung des Werkes “Der gelbe Klang” von Alfred Schnittke (Leitung: Eberhard Kloke) im Rahmen der EXPO 2000.

Unter Sebastian Reim konzertierte der Chor im Rahmen zahlreicher Musikfestivals, u.a. die Galeriekonzerte in der Dresdner Semperoper, des MDR Musiksommers, des Festivals Sandstein und Musik, des Rheingau Musik Festivals, Leipziger Bachfestes oder der Hildebrandt-Tage Naumburg.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit u.a. mit dem Händel-Festspielorchester Halle, den Virtuosi Saxoniae Dresden oder dem Bläser-Collegium Leipzig führt den Chor aber auch regelmäßig in die Welt instrumentalbegleiteter Musik. Unter Dirigenten wie Ludwig Güttler und Howard Arman gibt der Chor auch regelmäßig Konzerte in der Dresdner Frauenkirche und der Berliner Philharmonie. (Quelle: wikipedia)

Diese LP war wohl so eine Art Abschiedgeschenk für den Gründer des Ensembles, denn er schied so um 1980 aus Leiter des Chores aus.

FrischeTeutscheLiedlein1

„Frische Teutsche Liedlein“ (Nachdruck, Halle, 1903)

Und irgendwie bleibt einem da die Spucke weg: Da gibt es doch tatsächlich wieder mal Musik aus längst vergangenen Zeiten und die kann sich heute noch hören lassen.

Und man kann auch ob all der Quellen staunen: Da gibt es z.B. die fünfteilige Liedsammlung „Frische teutsche Liedlein“, die 1539–1556 von dem Arzt, Komponisten und Liedersammler Georg Forster (* um 1510 in Amberg; † 12. November 1568 in Nürnberg) herausgegeben wurde. Sie umfasst 380 mehrstimmige, vorwiegend weltliche deutsche Lieder. Ihren Sammelnamen erhielt die Sammlung später. Es ist die umfangreichste und bedeutendste Liedpublikation der Zeit und eine der wichtigsten Quellen für Tenorlieder (mit dem Cantus firmus im Tenor, wie sie beispielsweise eine Fassung von Innsbruck, ich muss dich lassen von Heinrich Isaac oder Mir ist ein rot Goldfingerlein von Ludwig Senfl darstellen).

Oder aber auch das Notenbüchlein „Fasciculus quodlibeticus“ des Melchior Franck:

Melchior Franck (* ca. 1580 in Zittau; † 1. Juni 1639 in Coburg) war ein evangelischer deutscher Komponist an der Stilwende von der Spätrenaissance zum Frühbarock.

Über Melchior Francks Lebensumstände ist wenig bekannt. Es sind kein Bild und kein Nachlass erhalten, und es ist nur eine einzige Handschrift überliefert. Er besuchte das Gymnasium in Augsburg, war Schüler Hans Leo Haßlers und ging mit ihm nach Nürnberg. Dort war er 1602 ein Jahr lang als Schulgehilfe an St. Egidien tätig.

Melchior Franck Fasciculus quodlibeticus

Melchior Franck´s „Fasciculus quodlibeticus“, 1611

Auch wenn man nichts über seine Ausbildung weiß, möglicherweise war er ein Schüler von Christoph Demantius, zeigen seine Werke doch eine gründliche Kenntnis des„niederländischen Stils“ der Lasso-Schule. Anders als einige seiner Zeitgenossen, etwa Heinrich Schütz, hatte Franck nicht die Möglichkeit einer Studienreise nach Italien. Den damals neuen italienischen Stil, die seconda pratica, hat Melchior Franck wohl durch Hans Leo Haßler kennengelernt. 1603 trat Melchior Franck die Stelle eines Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, die er lebenslang innehatte.

Nach vielen Schicksalsschlägen, wie dem Tod seiner Kinder und seiner Frau, der Not des Dreißigjährigen Kriegs und dem Tod von Herzog Johann Casimir, starb Franck 1639 in Armut. (Quelle: wikipedia)

Und das sind bei weitem nicht alle Quellen (ein wenig mehr über die Quellen kann man dem BackCover der LP entnehmen,

Und die Komponisten haben dann Namen wie Hans Leo Häßler, Jacob Meiland, Johann Hermann Schein, Thomas Sartorius oder Melchior Vulpius und ein gewisser Martin Luther war als Texter auch unterwegs. Und der Orlando di Lasso ist wohl der bekannteste Komponist in dieser Riege. Fast wäre ich geneigt zu schreiben: diese Namen sollte man sich merken …

Also: Hochgenuss pur: mittelalterliche Gesänge (mit z.T. sehr feinsinnigen Instrumentierungen), da hüpft einem wie mir das Herz. Und über die drolligen Titel kann und darf man sich amüsieren. Und der nächste Mai kommt bestimmt.

AlternativesFrontCover

Alternatives Frontcover

Besetzung:
Die Hallenser Madrigalisten unter der Leitung von Siegfried Bimberg
+
Insturmentalgruppe

BackCover1Titel:
01. Die liebe Maienzeit (Traditional) 1.17
02. Es taget vor dem Walde (Traditional) 2.21
03. Ach, weh des Leiden (Haßler) 1.38
04. Der Mai viel schöner Blümlein bringt (Lechner) 1.45
05. Ein Maidlein tat mir klagen (aus dem Liederbuch des Arnt von Aich, 1519) 2.31
06. Ich kam vor liebes Fensterlein (Traditional) 2.22
07. Sie ist mir lieb (Traditional/Luther) 1.29
08. Herzlich tut mich verlangen (Meiland) 1.46
09. Kein größer Freud‘ kann sein auf dieser Erden (Lechner) 1.17
10. Ich weiss mir eine Müllerin (Traditional) 1.40
11. Bei meines Buhlen Haupte (Traditional) 2.05
12. Tummel dich, gut’s Weinlein (Traditional) 0.49
13. Ihr Brüder, lieben Brüder mein (Schein) 1.45
14. Wohlauf, ihr lieben Gäste (Satorius) 2.14
15. Mit Lust tät ich ausreiten (Traditional) 2.08
16. Wohlauf, ihr lieben G’sellen (Traditonal) 2.14
17. Herzlich tut mich erfreuen (Lechner) 1.56
18. Die Musik, g’schrieben auf Papier (Lechner) 1.11
19. Jungfrau, dein schön Gestalt (Häßler) 2.40
20. Sie gleicht wohl einem Rosenstock (Traditional) 2.26
21. Ein Bauer sucht sei’m Sohn ein Weib (Schöffer) 2.17
22. Ein Hennlein weiß (Scandallus) 1.02
23. Der Kuckuck hat sich zu Tode gefallen (Stephani) 1.37
24. Der Mai will sich mit Gunst erweisen (Lemlin) 2.50
25. Die Brünnlein, die da fließen (Ott) 2.01
26. Ich armes Käuzlein kleine (Forster) 1.56
27. Die beste Zeit im Jahr ist mein (Vulpius) 0.58
28. Ich sag ade (de Melle) 1.43
29. Wer frisch will sein (di Lasso) 1.13
30. Es fuhr ein Bauer ins Holz (Franck) 2.55

LabelA1

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FrischeTeutscheLiedlein2

Isbruck, ich muss dich lassen; das berühmte Abschiedslied im Diskantstimmbuch der „Frischen teutsche Liedlein“; Teil I des Georg Forster, Nürnberg, 1552

Per-Sonat – Bis an der Welt ihr Ende – Deutsche Lieder der Reformationszeit (2017)

FrontCover1.jpgFür mich ein wirklich spannendes Nischen-Projekt:

Das Ensemble PER-SONAT widmet sich seit seiner Gründung im Jahre 2008 der Aufgabe, die Musik des Mittelalters und der Renaissance aus verschiedenen Kulturkreisen zu erforschen und einem kunstinteressierten Auditorium nahe zu bringen.

Der Fokus liegt hierbei stets auf einer den Originalquellen verpflichteten Interpretation der mittelalterlichen Musik und einer fundierten Ausdeutung der mittelalterlichen Lyrik. Den Ensemblemitgliedern: Sabine Lutzenberger, Baptiste Romain, Tobie Miller und Elisabeth Rumsey, renommierte Protagonisten „Früher Musik“, geht es neben einer größtmöglichen Authentizität um eine künstlerisch lebendige, innovative und spannende Aufführungspraxis. Ihre Intention ist es der Geisteshaltung und Lebenswelt des Menschen im Mittelalter nachzuspüren und die ferne Empfindsamkeit mit ihrer Musik in Einklang zu bringen

Einladungen zu Konzerten auf internationalen Festivals führten das Ensemble in den letzten Jahren nicht nur durch den deutschsprachigen Raum, sondern durch ganz Europa, so nach Frankreich, Holland, Italien, Spanien, Österreich, Belgien, Polen und Schweden. Dabei trat es bereits auf mehreren der bedeutendsten Alte Musik- und Mittelalter-Festivals auf, wie etwa dem Festival Oude Muziek Utrecht, montalbâne in Freyburg/Unstrut, Festival du Thoronet, Musik an der Romanischen Straße, Literatur- und Musikfestival Wege durch das Land, Laus Polyphoniae Antwerpen oder dem Early music festival in Stockholm.

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In jüngster Zeit konzertierte das Ensemble bei mehreren Veranstaltungen in Holland und Belgien im Rahmen der Konzerte des Netwerk Oude Muziek Utrecht, sowie auf Einladung bei den Tagen Alter Musik Regensburg und beim Festival Voix et Route Romane in Frankreich und dem internationalen Musik- und Tanzfestival Granada, Spanien. (Selbtdarstellung)

Die musikalische Leitung dieses Ensemble hat Sabine Lutzenberger:

Die Sopranistin Sabine Lutzenberger – eine der Pionierinnen des mittelalterlichen Gesangs und seit nunmehr über zwanzig Jahren eine der herausragenden Sängerinnen auf diesem Gebiet – war langjähriges und prägendes Mitglied des „ensemble für frühe musik augsburg“ sowie des italienischen Ensembles „Mala Punica“, singt aber auch in Gruppen, wie dem Huelgas Ensemble, Millenarium oder – in der zeitgenössischen Musik: – dem Klangforum Wien. (sonus-alte-musik.de)

Sabine Lutzenberger01

Sabine Lutzenberger

Und einen Gastauftritt bei der Elektronik-Avantgarde/Darkwave-Band „Die Lakaien“ hatte sie auch mal…

Und zum Lutherjahr fanden sich die Musiker zusammen, um Musik, die von und um Luther entstand, einzuspielen. Der besondere Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Einfluss, den Luther auf das geistliche und weltliche Liedgut hatte, sowie die Italien-Rezeption zu Luthers Zeiten.

»Die zurückhaltende, sensible Begleitung durch das kleine, feine Ensemble Per-Sonat und das informative Booklet machen die Produktion richtig rund.« (Fono Forum, Januar 2018)

Oder, um es mal auf den Ounkt zu bringen: Da schauen all die deutsche Mittelalter Bands ganz schön alt aus … der hier hören wir den überzeugnden Versuch, diese alten und wahrlich feinen Melodie authentisch zu interpretieren.

Aufnahme: 14 . 16. Februar im Konzert Blaibach

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Besetzung:
Joel Frederiksen (Bass)
Sabine Lutzenberger (Mezzo-Sopran)
+
Marc Lewon (lute, viola d’arco)
Caroline Richie (viola da gamba, lirone)
Baptiste Romain (violine)

Joel Frederiksen

Joel Frederiksen

Titel:

Martin Luther und der Zeitgenosse Ludwig Senfl:
01. Ein feste Burg ist unser Gott (Luther) 2.08
02. Aus tiefer Not schrey ich zu dir (Luther) 3.09
03. Was wird es doch des Wunders noch (Senfl) 5.27
04. Ich stuend an einem Morgen (Senfl) 5.53
05.  La Monzina (Anonymus; Augsburger Liederbuch um 1505-14) 2.07

Das „Newe Teutsche Lied“ und Orlando di Lasso:
06. Wach auff, wach auff O menschen Kind (di Lasso) 5.27
07. Domini est terra (Psalm 24) (di Lasso) 3.59
08. Was wird es doch des Wunders noch (Senf/Neusidler) 1.40
09. Verba mea auribus (Psalm 5) (di Lasso) 2.48
10. Motette Sine textu  23 (di Lasso) 2.26

Lobpreis Gottes im geistlichen und weltlichen Lied Lechners und Hasslers:
11. Ach Schatz, ich sing und lache (Haßler) 4.22
12. Mein Gmueth ist mir verwirret (Haßler) 4.54
13. Nun bitten wir den Heiligen Geist (Haßler) 1.37
14. Saltarello I (anonym, Bologna 1562) – Saltarello II (Gorzanis 1561) (Gorzanis) 3.24
15. Ach herzigs Herz (Lechner) 2.27
16. Ach Lieb mit Leid (Lechner) 2.22
17. Dieweil Gott ist mein Zuversicht (Lechner) 3.26

Ausblick in die Neue Zeit und Johann Hermann Schein:
18. Banchetto musicale 1617: Allemande – Tripla (Schein) 2.03
19. Johann Hermann Schein Ach mein herzliebes Jesulein (Schein) 4.53
20. Ach Gott und Herr (Schein) 4.18

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Ensemble für frühe Musik Augsburg – Spätmittelalterliche Musik der Karwoche (Planctus Mariae) (1994)

FrontCover1Eigentlich sollte man diese Aufnahmen eigentlich in der sog. Karwoche präsentieren aber ich mach´s jetzt halt mal antizyklisch.

Planctus Mariae – Spätmittelalterliche Musik der Karwoche:

Schmerz und Trauer der Gottesmutter Maria unter dem Kreuz ihres Sohnes finden ihren Ausdruck in zahlreichen mittelalterlichen „Marienklagen“ („Planctus Mariae“). Diese Marienklagen erklangen meist – oft eingebettet in eines der großen Passionsspiele – in der Karwoche.

Dabei ist die Intention, durch eine expressive Darstellung der Trauer Mariens beim Anblick ihres gemarterten Sohnes im Gläubigen das Mitleiden mit Maria, die „Compassio Mariae“ zu wecken und damit einen persönlichen Bezug auch zur Passion Christi herzustellen. Ähnlich wie bei zahlreichen spätmittelalterlichen Kreuzigungsdarstellungen, deren Entstehung in engem Zusammenhang mit den Passionsspielen zu sehen ist, tritt dabei das realistisch nachempfundene Leiden des Menschen Jesus und seiner Mutter in den Vordergrund gegenüber einer distanzierten theologischen Betrachtung der Passion als Weg zur Auferstehung und damit zur Erlösung der Menschheit. Es handelt sich vielmehr um Momentaufnahmen einer zutiefst getroffenen Mutter beim Tod ihres Sohnes. (Heinz Schwamm)

Eingespielt wurden diese Aufnahmen von dem großartigem „Ensemble für frühe Musik Augsburg“

Ensemble

Das ensemble für frühe musik augsburg wurde vor beinahe 25 Jahren gegründet und zählt heute nach Jahren intensiver musikwissenschaftlicher und musikalischer Arbeit zu den bekanntesten Gruppen für Musik des Mittelalters. Über 1000 Konzerte in ganz Europa, in den USA und bei Internationalen Festivals für Alte Musik sowie zahlreiche Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen begründen diesen Ruf.

Neben der Frage nach der Gesangs- und instrumentalen Spieltechnik des Mittelalters, neben der Zusammenarbeit mit Romanisten und Germanisten, aber auch mit spezialisierten Instrumentenbauern, neben dem Versuch also, zu erfahren, „wie es wirklich geklungen hat“ stand immer wieder die Idee im Vordergrund der musikalischen Überlegungen, „Musik von Gestern“ für „Leute von Heute“ zu machen, d.h. das Publikum mit „Phantasien über mittelalterliche Musik“ (Dieter Kühn) zu fesseln und zu begeistern. Dabei zeigte sich im Laufe der Jahre, dass beide Wege zum gleichen Ziel führten:
Je näher man versuchte dem „Original“ zu kommen, um so beeindruckender wurde das musikalische Erlebnis für den heutigen Zuhörer.
In seiner Besetzung ist das ensemble seit den Anfängen gleich geblieben.

1981 kam zu den drei Herren die Sängerin und Blockflötistin Sabine Lutzenberger dazu.

Das Instrumentarium, angefertigt speziell nach mittelalterlichen Abbildungen, wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert, nach neuesten Erkenntnissen verbessert und umfasst heute u.a. verschiedene Fideln, Rabab, Lauten, Chitarra saracenica, Psalterium, gotische Harfe, Drehleier, Blockflöten, Schalmei und Schlagwerk.

In der langen Zeit kontinuierlichen Probens und reger Konzerttätigkeit erarbeitete sich das ensemble ein umfangreiches Repertoire mit einigen hundert Liedern und Instrumentalstücken vom 11.-15. Jahrhundert, aber auch einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit dieser Musik aus der Zeit vor über 600 Jahren. Und so entsteht, wie in einer Konzertkritik zu lesen war „im gemeinsamen Atem, dem Wissen um die Kunst der Verzierungen und Überleitungen, der Pausen und der leise verlöschenden Dynamik ein besonderer Zauber, auf angenehm schwingende Weise … mittelalterliche Musik ohne belehrenden Zeigefinger.“ (Schwäbische Zeitung vom 19.2.2001)

Auch wenn ich an der christlichen Lehre mittlerweile nur noch ein akademisches Interesse habe, stelle ich wieder mal mit Verblüffung fest, dass mich diese christliche motivierte Musik doch ganz tief im inneren berührt … wie Klänge aus einem anderen Land in einer anderen Zeit … wunderbar !

Booklet02ABesetzung:
Hans Ganser (vocals, psaltery)
Reiner Herpichböhm (vocals, narrator, harp)
Sabine Lutzenberger (vocals, recorder)
Heinz Schwamm (vocals, fiddle)

Ensemble2Titel:
01. Kyrie Rondello (anonym) 3.22
02. Enmitten unsers lebens zeit – Media vita in morte sumus (anonym) 9.51
03. Compassio Beate Virginis Marie (v.Wolkenstein) 6.33
04. Planctus Mariae Magdalenae (anonym) 3.46
05. Und dann begann die Folterung (Johannes Evangelum; Übersetzung: Walter Jens) 2.12
06. Planctus beatae virginis (Anonym) 11.29
07. Von unser vrawen mitleiden (Mönch von Salzburg) 5.03
08. Planctus Mariae et aliorum i ndie Parasceven (Anonym) 15.24

Ensemble3

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Des Geyers Schwarzer Haufen – Die erste (1986)

FrontCover11986 hämmerte ein gewisser Ritchie Blackmore noch auf seiner Fender Stratocaster herum, da machten sich zwei Männer auf, mittelalterliche musik aus deutschen Landen geradzu zu zelebrieren:

Des Geyers schwarzer Haufen ist eine deutsche Mittelalterband. Ihr Name verweist auf die Bauernkriege, in denen sich der Ritter Florian Geyer an die Spitze einer Gruppe aufständischer Bauern setzte.

Albrecht Schmidt-Reinthaler gründete die Gruppe 1983 als „Spielmann Albrecht“ zusammen mit Ulrich von Olnhausen. Seit einer Trennung 1999 war die neue Formation mit Martin Ernst als „Bruder Martin“ und Ralf Glenk als „Ralf der Saitengreifer“ in der Tradition der Spielleute unterwegs. Martin Ernst und Ralf Glenk wurden 2011 durch Andreas Berg (Blasinstrumente, Cembalo, Percussion) und Bernd Settgast (diverse Saiteninstrumente) ersetzt. Ihr Lied-Repertoire wird großen Teils auf zahlreichen nachgebauten historischen Instrumenten dargeboten.

Die ehemaligen Mitglieder Thomas Roth, Albert Dannenmann und Jost Pogrzeba spielten bis Juni 2014 zusammen mit Georg Hesse, Maik Walter und Elias Maier unter dem Namen Geyers mittelalterliche Musik mit Rockelementen. (Quelle: wikipedia)

Hier das Erstlingswerke dieser schrägen Typen und insbesondere die Instrumentierung macht so richtig vergnügen … Wir hören hier eine Mischung aus tatsächlich uralten Weisen und Texten sowie Neukompositionen.

Und weil mir diese mittelalterliche Musik ein wenig suspekt ist (ich erinnere mich da nur an den Mittelalter Hokus Pokus auf diversen Märkten: Einerseits bin auch ich ein wenig fasziniert, andererseits kommt s mir dann arg albern vor) sprchen mich die Instrumentalwerke im besonderer Weise an … Man höre sich da mal z.B. „St. Chartier“ ab …

Also reinhören lohnt sich allemal … und dann erinnert man sich auch, dass ein gewisser Ritchie Blackmore später mal mittelalterliche Musik für sich entdeckte, und dabei justament genau diese Gruppe besonders imponierte .. und da konnte es dann schon malpassieren, dass er plötzlich auf der Bühne dieser Gruppe auftauchte.

DesGeyersSchwarzerHaufen.jpg

Besetzung:
Thomas Roth (vocals, violin, drums, mandoline)
Albrecht Schmidt-Reinthaler (lute, mandoline, accordeon, horns, flute, hurdy-gurdy, vocals)
+
Albert Dannemann (bagpipe, hurdy-gurdy, whistle, bassoon)
Ute Ulshöfer (flute)

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Titel:
01. Bauernkrieg (Traditional) 3.29
02. Freier Bauersknecht (Traditional) 4.00
03. Armer Bauer (Traditional) 2.43
04. Bauernhimmel (Traditional) 3.03
05. St. Chartier (Schmidt-Reinthaler/Roth) 2.49
06. Wiegenlied für Deutschland (Vesely/Herwegh) 4.06
07. Landsknechte kommen (Traditional) 1.55
08. Unser liebe Fraue (Traditional) 3.44
09. Flandrischer Totentanz (Traditional) 3.12
10. Es ist alles eitel (Schmidt-Reinthaler/Gryphius) 4.40
11. Hotel Globus (Schmidt-Reinthaler) 2.10
12. Hans im Schnakenloch (Traditional) 1.58
13. Tod von Basel (Traditional) 3.41

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Geyer3

Stich, der Florian Geyer zeigen soll / Wappen der Familie Geyer nach Siebmachers Wappenbuch

 

 

Capella Antiqua – Musik zur Zeit der frühen Wittelsbacher (1980)

FrontCover1Und jetzt steigen wir mal wieder ganz tief in den Keller der Musikgeschichte … Licht aus … Fackeln an !

„Unser klingndes Dokument zu den Wittelsbachern in Bayern umfaßt zwei getrennte Zeiträume: von Otto I. (1180) bis zu Kaiser Ludwig IV., dem Bayern (1340) und die Zeit der „reichen Herzöge“ von Bayern-Landshut, also etwas das 15. Jahrhundert.“

Und weiter heißt es dann im mehr als informativen Hüllentext:

Hüllentext1

Man kann sich denken, dass wenn jemand so tief den Keller hinabsteigt, eine große Leidenschaft vorhanden sein muss. Und diese jemand heisst in diesem Zusammenhang Konrad Ruhland:

Konrad Xaver Ruhland (* 19. Februar 1932 in Landau an der Isar; † 14. März 2010 in Deggendorf) war ein deutscher Musikhistoriker, Musikpädagoge, Dirigent und Musikherausgeber.

Ruhland2Seine ersten Kontakte mit der Musik hatte Ruhland als Chorsänger im Dom von Passau. Er studierte Musikwissenschaft bei Thrasybulos Georgiades und Theodor Göllner. Weitere Kurse in Geschichte, Theologie und Kirchengeschichte bildeten den Hintergrund für seine musikwissenschaftlichen Forschungen.

Unter seiner Leitung fanden sich 1956 in München neun begeisterte Studenten, welche die „Capella Antiqua“ bildeten, eine der ersten Gruppen, die sich mit der Renaissancemusik und der Musik des Frühbarock im Studium auseinandersetzten. Mit der Zeit wuchs das Ensemble auf 19 Musiker an und machte zahlreiche Schallplattenaufnahmen.

Zwischen 1968 und 1991 wirkte Ruhland am musischen und neusprachlichen St.-Gotthard-Gymnasium seines Wohnortes Niederalteich. Dort gestaltete er zusammen mit seiner Frau Elisabeth (Musiklehrerin von 1968 bis 1995) die Qualität der musikalischen Ausbildung und damit zusammenhängend den Ruf der Schule entscheidend mit.

Aus seiner langjährigen Musizierpraxis im Bereich der Historischen Aufführungspraxis heraus gründete er 1976 die Niederaltaicher Scholaren, einen Konzertchor, mit dem er sich dem Gregorianischen Gesang und bis dahin wenig bekannten Werken und Komponisten widmete.

Ruhland1

Als Wissenschaftler sowie als Herausgeber hat sich Ruhland einen Namen gemacht und mehrere hundert Werke von vorwiegend süddeutschen Komponisten herausgegeben. Daneben gab er in Sommerkursen sein Wissen weiter, so an der University of Philadelphia.

Für sein Wirken wurde Ruhland 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. (Quelle: Wikipedia)

Und natürlich hören wir ihn mit seinem Ensemble „Capella Antiqua“, zusätzlich waren dann die „Niederaltaicher Scholaren“ am Werke.

CapellaAntiqua

„Capella Antiqua“

Und wie so oft bei Aufnahmen dieser Art, lässt mich die Innigkeit des Gesangs aber auch der Musik inne halten … wenngleich mich freilich der religiöse Inhalt weiterhin nicht interessiert.

Und ein wenig Ehrfurcht überkommt mich, wenn ich mir vorstellen, dass wir hier Musik hören, die Menschen zwischen den Jahren 1180 und 1340 komponiert haben. Fein, dass es Musikforscher wie diesen Konrad Ruhland gab und noch gibt, die sich hier als wirkliche Forscher betätigen.

Der Konrad Ruhland hat übrigens eine wahre Flut von Aufnahmen dieser Art eingspielt. Von daher gut möglich, dass wir ihm hier wieder mal begegnen.

BackCover1

Besetzung:
Capella Antiqua
Niederaltaicher Scholaren

Musikalische Leitung: Konrad Ruhland

Booklet1

Titel:
01. Castis Psallamus Mentibus (Traditional) 2.36
02. Jubar Miri Luminis (Traditional) 2.38
03. Kyrie Magne Deus Potentiae (Traditional) 4.05
04. Nostri Festi Gaudium  (Traditional) 1.24
05. Ecce Iam Celebria (Traditional) 1.56
06. Te Lucis Ante Terminum (Traditional) 1.32
07. Nove Lucis Hodie (Traditional) 1.33
08. Procedentem Sponsum (Traditional) 2.07
09. Christus Vicit Resurgendo (Traditional) 2.02
10. Veni Sancte Spiritus – Veni Pater Divine (Traditional) 2.10
11. Gaude Nostra Contio (Traditional) 3.14
12. Daß Lepisch Gut Zu Lachen Ist (Traditional) 1.49
13. L’homme Armé (Deprez) 1.23
14. Der Polnische Dantz (Finck) 1.18
15. Der Pfoben Swancz 1.09
16. La Battaglia (Traditional) 0.44
17. Mit Ganczem Willen Wünsch Ich Dir (Paumann) 0.59
18. Weiblich Figur (Paumann) 0.55
19. Ich Beger Nit Mer (Paumann) 1.03
20. Jesu Corona Virginum (Nikolaus) 2.11
21. Der Füterer (Füterer) 1.07
22. Ave Mater O Maria (von Wolkenstein) 3.45

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Ensemble für frühe Musik Augsburg – Hildegard von Bingen und ihre Zeit (1990)

FrontCover1Seit Wochen, wenn nicht länger umkreise ich die Hildegard von Bingen gedanklich, denn sie scheint mir einer ganz und gar außergewöhnliche Frau gewesen zu sein, eine Frau die ihrer Zeit weit voraus war. Und damit steigen wir ganz tief in den Keller der Musikgeschichte … viel tiefer geht gar nicht mehr, denn wir schreiben un das 12. Jahrhundert:

Hildegard von Bingen (* 1098 in Bermersheim vor der Höhe (Ort der Taufkirche) oder in Niederhosenbach (damaliger Wohnsitz des Vaters Hildebrecht von Hosenbach); † 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein) war Benediktinerin, Äbtissin, Dichterin, Komponistin und eine bedeutende Universalgelehrte. In der römisch-katholischen Kirche wird sie als Heilige und Kirchenlehrerin verehrt. Daneben wird auch in der anglikanischen, der alt-katholischen und der evangelischen Kirche mit Gedenktagen an sie erinnert.

Hildegard von Bingen gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Werke befassen sich mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Sie war auch Beraterin vieler Persönlichkeiten. Von ihr ist ein umfangreicher Briefwechsel erhalten geblieben, der auch deutliche Ermahnungen gegenüber hochgestellten Zeitgenossen enthält, sowie Berichte über weite Seelsorgereisen und ihre öffentliche Predigertätigkeit.

Am 7. Oktober 2012 erhob Papst Benedikt XVI. die heilige Hildegard zur Kirchenlehrerin (Doctor Ecclesiae universalis) und dehnte ihre Verehrung auf die Weltkirche aus. Ihre Reliquien befinden sich in der Pfarrkirche von Eibingen. (Quelle: wikipedia)

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Diverse Hildegard von Bingen Abbildungen

Und mich interessierte natürlich insbesondere die Komponistin Hildegard von Bingen:

Musik hatte für Hildegard von Bingen eine ganz besondere Bedeutung: Als Spiegel der himmlischen Harmonie brachte die Musik die Menschen Gott nahe. Sie selbst verfasste zwischen 1151 und 1158 über 70 Gesänge, die als Symphonia armonie celestium revelationum bezeichnet werden, sowie ein geistiges Singspiel. Man muss Wibert von Gembloux zustimmen: „Wer hat je ähnliches von irgendeiner Frau gehört?“. In den Gesängen preist sie den dreieinigen Gott, die Engel und die Heiligen, allen voran Maria, die heilige Ursula sowie Rupert und Disibod. Wieder bekräftigt sie den göttlichen Ursprung ihres Werks:

„Darauf sah ich eine von Licht durchstrahlte Luft. Aus ihr ertönten mir auf wundersame Weise mannigfaltige Klänge entgegen. Es waren Lobgesänge für jene, die im Himmel wohnen (…)“.

Noten

In einem Brief an die Mainzer Prälaten, die 1178 über dem Kloster Rupertsberg das Interdikt ausgesprochen hatten, erfahren wir, welche bedeutende Rolle die Musik für Hildegard im Gesamtzusammenhang ihrer Theologie besaß: Vor dem Sündenfall sei es dem Menschen möglich gewesen, am Gotteslob der Engel teilzunehmen. Erst die Propheten erhielten wieder etwas von dem damals verlorenen Wissen zurück. Durch die Gesänge und den Klang der Instrumente sollten die Menschen belehrt und zu einem gottgefälligen Leben ermuntert werden. Seitdem habe der Teufel alles daran gesetzt, das gesungene Gotteslob zu verhindern. Er sei über die wiedergewonnene Fähigkeit der Menschen zu singen höchst beunruhigt gewesen, denn der Gesang entstamme dem Heiligen Geist und sei der Widerhall himmlischer Harmonie.

Innerhalb des musikalischen Werks Hildegards nimmt das Singspiel Ordo virtutum eine besondere Stellung ein. Es hat die Form eines gesungenen liturgischen Dramas: Ähnlich wie im Liber Vitae Meritorum stellen sich die Tugendkräfte im Kampf um die Seelen der Menschen dem Teufel und seinen Machenschaften entgegen. Da die Harmonie der Musik immer dem Lob Gottes dient, ist der Teufel in dem Stück nur zu unrhythmischem lärmendem Getöse fähig. Vielleicht trugen es Hildegard und ihre Nonnen auf dem Rupertsberg und in Eibingen bei kirchlichen Festen vor.

Die Gesänge, die Hildegard komponierte, wurden bei der Messe oder dem Stundengebet gesungen, wie wir von Wibert wissen: „Diese Gesänge, die zum Lobe Gottes und zur Ehre der Heiligen komponiert sind, werden öffentlich in der Kirche vorgetragen“. Ob sie erst die Texte und später die Melodien schrieb, die in Neumen, den damaligen Tonzeichen, notiert wurden, oder ob beides zeitgleich entstand, ist nicht überliefert. Genauso wenig kann heute gesagt werden, wie die Musik in Hildegards Zeit tatsächlich klang. Die heutigen Fassungen der Lieder können sich daran nur annähern. (Quelle: www.bingen.de)

Klosterruine

Klisterruine Disibodenberg: Am 1. November 1112 wurde sie mit Jutta, von da an ihre Lehrmeisterin, und einer dritten jungen Frau in einem Inklusorium an oder in dem seit 1108 von Benediktinermönchen bewohnten Kloster Disibodenberg eingeschlossen. Während Jutta an diesem Tage vor Abt Burchard (1108–1113) auch ihre Profess ablegte, tat dies Hildegard später vor dem Bischof Otto von Bamberg, der von 1112 bis 1115 den inhaftierten Mainzer Erzbischof Adalbert vertrat.
Nach dem Tode Juttas in der mittlerweile zum Kloster gewachsenen Klause wurde Hildegard 1136 zur Magistra der versammelten Schülerinnen gewählt. Mehrfach kam es zu Auseinandersetzungen mit Abt Kuno von Disibodenberg, weil Hildegard die Askese, eines der Prinzipien des Mönchtums, mäßigte. So lockerte sie in ihrer Gemeinschaft die Speisebestimmungen und kürzte die durch Jutta festgelegten, sehr langen Gebets- und Gottesdienstzeiten. Offener Streit brach aus, als Hildegard mit ihrer Gemeinschaft ein eigenes Kloster gründen wollte. Die Benediktiner von Disibodenberg stellten sich dem entschieden entgegen, da Hildegard deren Kloster Popularität verschaffte.

Und hier ein erster musikalischer Eindruck der damaligen Musik, wie sie von Hildegard von Bingen (und anderen) komponiert wurde.

Dargeboten werden diese musikalischen Kostbarkeiten von dem Ensemble für frühe Musik, Augsburg, dieses Album ist zugleich ihr Debütalbum:

Das Ensemble für frühe Musik Augsburg wurde vor beinahe 25 Jahren gegründet und zählt heute nach Jahren intensiver musikwissenschaftlicher und musikalischer Arbeit zu den bekanntesten Gruppen für Musik des Mittelalters. Über 1000 Konzerte in ganz Europa, in den USA und bei Internationalen Festivals für Alte Musik sowie zahlreiche Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen begründen diesen Ruf.

Ensemble

 

Neben der Frage nach der Gesangs- und instrumentalen Spieltechnik des Mittelalters, neben der Zusammenarbeit mit Romanisten und Germanisten, aber auch mit spezialisierten Instrumentenbauern, neben dem Versuch also, zu erfahren, „wie es wirklich geklungen hat“ stand immer wieder die Idee im Vordergrund der musikalischen Überlegungen, „Musik von Gestern“ für „Leute von Heute“ zu machen, d.h. das Publikum mit „Phantasien über mittelalterliche Musik“ (Dieter Kühn) zu fesseln und zu begeistern. Dabei zeigte sich im Laufe der Jahre, dass beide Wege zum gleichen Ziel führten:
Je näher man versuchte dem „Original“ zu kommen, um so beeindruckender wurde das musikalische Erlebnis für den heutigen Zuhörer.
In seiner Besetzung ist das Ensemble seit den Anfängen gleich geblieben. (Selbstdarstellung)

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Und dieses Ensemble gibt´s noch heute ! Was für ein Geschenk !

Man muss nicht unbedingt religiös sein … aber dennoch kann diese Musik so richtig tief in Herz gehen … so jedenfalls geht es mir …

Unglaublich, dass Melodien aus dem 12. Jahrhundert heute noch eine derartige Magie vertrömen können.

Wer´s nicht glaubt … sollte reinhören.

BackCover1

Besetzung:
Hans Ganser (vocals, percussion, psaltery)
Rainer Herpichböhm (vocals, chitarra saracenica, harp, percussion)
Sabine Lutzenberger (vocals, recorder, shawm)
Heinz Schwamm (vocals, fiddle, lira, shawm, hurdy-gurdy)

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Titel:

Hildegard von Bingen:
01. O Magne Pater1 O Magne Pater 3.06
02. O Aeterne Deus 2.19
03. Ave, Generosa, Gloriosa Et Intacta Puella 4.54
04. O Frondens Virga 5.31

Petrus Abaelardus:
05, Planctus David Super Saul Et Ionatha 9.38

Hildegard von Bingen:
06. O Felix Anima 4.24
07. Ave, Maria, O Auctrix Vitae 4.30

Petrus Abaelardus:
08. O Quanta Qualia 6.01

Anonym:
09. Promat Chorus Hodie (Aquitanien (12.Jh.) 3.29
10. Annus Novus In Gaudio (Aquitanien (12.Jh.) 4.48
11. Fulget Dies Celebris (Aquitanien (12.Jh.) 2.14

Hildegard von Bingen:
12. O Quam Mirabilis 6.19
13. O Virtus Sapientiae 2.46
14. O Vis Aeternitatis 6.00

CD1

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Textbeispiel

Claude Akiré- Alleweil ein wenig lustig (1977)

FrontCover1Also, die Recherchen zu diesem Album gestalteten sich anfangs ein wenig schwierig, mühsam, aufwendig.

Denn über die französische -Sängerin Claude Akiré ist nur wenig informatives zu finden. Aber dann wurde ich doch ein wenig fündig, und zwar im „Zentrum für Populäre Kultur und Musik“, Berlin (ein dreifache Hoch auf das deutsche Archivwesen !)

Claude Akiré (Pseudonym für Claudia Linnell, geb. Gschwend; (21.08.1933-08.04.2012) wurde in Immenstadt/Allgäu geboren u. wuchs in Kempten auf. Eine Skoliose-Erkrankung in der Pubertät hatte eine 50%ige Schwerbehinderung zur Folge. Trotz vorwiegend musischer Begabung absolvierte sie eine Ausbildung zur Chemotechnikerin u. übte diesen Beruf u.a. drei Jahre in Frankreich aus.

Bereits sehr früh nahm sie Gitarrenunterricht bei Prof. Santiago Mavascnés, einem Schüler von Segovia, u. beschäftigte sich mit altem Liedgut. Nach dem ersten Preis in einem Wettbewerb des Bayer. Rundfunks (1963) fand ihr erstes öffentl. Konzert 1969 im Münchner Lembachhaus sattt.

ClaudeAkire01In den 1970er Jahren folgten große Auslandstourneen, z.T. im Auftrag des Goethe-Institus. Diese führten sie in alle fünf Kontinente.
Claude Akiré nahm versch. Schallplatten u. Musikkassetten auf.
In den 1980er Jahren trat sie öffentl. auch als Malerin in Erscheinung.

Sie entwickelte eigene Programme zur künstlerischen Vermittlung (kultur-)historischer und literarischer Themen für Gymnasien.
Claude Akiré verfügte über umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse, so sprach sie u.a. Finnisch und Polnisch.   (Quelle: kalliope.staatsbibliothek-berlin.de)

Es verwundert mich weiterhin, dass über diese Sängerin, die dann doch über eine künstlerisch sehr abwechslungsreiche Vita hatte, so wenig überliefert ist.

Sie ist in Vergessenheit geraten … und hier taucht wie einfach mal wieder auf.

Die Barockzeit kennt ja nicht nur diese höfischen Kompositionen von Bach, Telemann & Co. Nein, in der Barockzeit gab´s natürlich auch Volkslieder und aus diesem Fundus bediente sich Claude Akiré.

Dabei nahm sie überwiegend das „Augsburger Tafelkonfekt“ zur Hand. Und diese Liedersammlung (insgesamt vier Sammlungen, erschienen zwischen 1733 bis 1946) wurden von einem Johann Valentin Rathgeber zusammengetragen und veröffentlicht.

RathgeberJohann Valentin Rathgeber (* 3. April 1682 in Oberelsbach; † 2. Juni 1750 im Kloster Banz) war ein deutscher Benediktinermönch, Komponist, Organist und Chorleiter des Barock. Zur Erforschung der Biografie und der Werke Rathgebers wurde die Internationale Valentin-Rathgeber-Gesellschaft gegründet.

Und so hören wir vergnügliche, aber auch nachdenkliche Weisen … wie z.B. „Männer versuchen stets zu naschen“ (angeblich von Mozart ?) oder „Von einem Deliberanten“ (Deliberation ist ein aus dem Lateinischen entlehntes Fremdwort mit der Bedeutung „Beratschlagung“, oder „Überlegung“)

Und dann gibt es so rätselhafte Titel wie „Modicum, ein wenig“ oder „Medium, das Mittel“.

Die Texte sind zuweilen ein wenig derb, das heißt dann dem wohl „dem Volks aufs Maul geschaut“ … ein wenig verwunderlich ist das ja schon, bedenkt man, dass Valentin Rathgeber ein Benediktinermönch war (mehr davon später).

 

Vorlesungsverzeichnis

Aus dem Vorlesungsverzeichnis der Volkshochschule Bremen, Oktober 1970

 
Claude Akiré begleitet ihren Gesang auf der Gitarre … und ich kann mir nicht helfen: all die alten Melodien, sie haben einen ganz eigenen Zauber … ‚

Wer sich für mittelalterliche Klänge erwärmen oder gar begeistern kann, sollte hier zuschlagen …

Man muss deswegen ja nicht gleich verkleidet auf einen Mittelaltermarkt gehen.

ClaudeAkire02

Besetzung:
Claude Akiré (vocals, guitar)
+
Traudl Brumbauer (guitar bei 09.)
Elisabeth Dirscherl (guitar bei 09.)

BackCover1

Titel:
01. Die frohe Campagnie (Seyfert) 2.48
02. Brüder, lasst uns lustig sein (Günther/Sperontes) 3.08
03. Von der Gedult (Rathgeber) 2.42′
04. Das Glück (Stoppe/Telemann) 1.05
05. Von der Hoffnung (Rathgeber) 1.56
06. Amor vincit omnia (Seyfert) 1.49
07. Von einem Deliberanten (Rathgeber) 4.08
08. Modicum, ein wenig (Rathgeber) 2.45
09. Wir haben drei Katzen (Seyfert) 2.27
10. Vom April gehen (Rathgeber) 2.40
11. Männer suchen stets zu naschen (Mozart) 2.01
12. Die Losung ist Geld (Krieger) 2.25
13. Medium, das Mittel (Rathgeber) 3.32
14. Von allerhand (Rathgeber) 2.45

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Todesanzeige

Aquarell Traumlandschaft

Aquarell „Traumlandschaft“ von Claude Akiré