Emscherkurve 77 – Wurzeln, Seele, Elternhaus + Genug zu tun (2014)

frontcover1Mir ist da neulich ne Single über den Weg gelaufen … da wusste ich anfangs nur die Stichworte „Ruhrpott“ und „Punk“:

Emscherkurve 77 ist eine 2000 in Oberhausen gegründete Streetpunk-Band. Das Titellied ihrer ersten CD, Die Macht vom Niederrhein (basierend auf dem Song No Surrender von Bruce Springsteen), ist seit 2001 die offizielle Einlaufmusik des SC Rot-Weiß Oberhausen, die zu Beginn der ersten Halbzeit gespielt wird. Im Jahr 2011 komponierte Emscherkurve 77 eine neue Stadionhymne „Rot-Weiß Oberhausen“, die zu Beginn der zweiten Halbzeit gespielt wird. In ihren Texten geht es um Spaß, Lebensfreude, den Fußball und das Leben im Ruhrgebiet sowie den Alltag des kleinen Mannes. (Quelle: wikipedia)

Da nenn´ ich kurz und knapp …. die Bandgeschichte erscheint mir allerdings wesentlich facettenreicher … immerhin haben die Jungs mittlerweile schon gut 18 Jahre auf dem Buckel.

Hier ein für ne Punkband eher überraschendes Lied … quasi ne Hymne auf die eigene Heimat … passt so erstmal nicht zum dem Klischee …

emscherkurve77

Aber: der Song hat was (nicht nur textlich; auch die Musik knallt so richtig rein) und auch wenn ich mal wieder nicht zur Zielgruppe gehöre … dafür gibt es ein par Sympathiepunkte und das Versprechen, mich mal ein wenig intensiver mit diesen Burschen zu beschäftigen.

Kleiner Nachtrag: Diese Single soll angeblich auf 333 Stück limitiert gewesen sein (davon 200 in schwarzem und 133  rotem Vinyl) … Na ja …

Und dann gibt´s noch einen feinen Video-Clip zu diesem Song (mit stimmungsvollen Filmsequenzen aus dem Ruhrgebiet – siehe unten).

Aber von wem diese salbungsvollen Worte am Anfang von „Wurzeln, Seele, Elternhaus“ stammen, habe ich noch nicht heraus bekommen.

inlet1

Besetzung:
Alex (drums)
Daniel (guitar, vocals)
Marc (bass)
Marcel (guitar, vocals)
Spiller (vocals)

BackCover1.jpg
Titel:
01. Wurzeln, Seele, Elternhaus 4.10
02. Genug zu tun 3.06

Musik und Texte: Alex – Daniel – Marc – Marcel – Spiller (vocals)

singles

*
**

Siehst du die Stadt, die Straßen ihre Steine.
Sie erzählen eine Geschichte, jeder Weg hat seine eigene.
Ja hier bist du zu Haus, ja hier kennst du dich aus.
Deine Wurzeln, deine Seele und dein Elternhaus.

Da ist ein Ort, mal ist er nah mal weit entfernt.
Du kennst ihn auch, du hast das Leben hier gelernt.
Nenn du es Stadt, ich nenne es Heimat.
Das Fleckchen Erde das ein jeder gerne hat.

Hier atmest du die Zukunft und das jetzt.
Liefst singend durch die Gassen, mal gesund und mal verletzt.
Wohin wird dich dein Weg führen? Wie wird es weiter gehen? Es gibt nur eins, gewinnen und verlieren.

Da ist ein Ort, mal ist er nah mal weit entfernt.
Du kennst ihn auch, du hast das Leben hier gelernt.
Nenn du es Stadt, ich nenne es Heimat.
Das Fleckchen Erde das ein jeder gerne hat.

 

Sebastian Engelbrecht – Oktoberfest in Taybeh (Radio-Reportage) (2011)

Beispiel01AEs gibt ja viele „Oktoberfeste“ auf der ganzen Welt: Naürlich in den USA, aber auch in Asien erfreut man sich an Oktoberfest-Plagiaten … Am meisten beeidnruckt hat mich allerdings jenes kleine Oktoberfest in Palästina, das es seit dem Jahre 2005 ausgerichtet wird.

Seit sieben Jahren feiern die Bewohner von Taybeh im Herbst das Oktoberfest. Das palästinensische Dorf liegt bei Ramallah im Westjordanland, wo das Biertrinken eigentlich überhaupt nicht zur Tradition gehört.

Taybeh hat 2000 Einwohner und ist einer der wenigen christlichen Orte in der Region inmitten muslimischer Dörfer und Städte.

In dem Dorf steht seit 1995 die einzige palästinensische Brauerei. Sie stellt ein hervorragendes Bier nach deutscher Braumethode her, das zwischen Mittelmeer und Jordan unübertroffen ist. Beim zweitägigen Oktoberfest genießen nicht nur die Bewohner von Taybeh ihr Bier, sondern auch bis zu 14 000 Gäste, darunter offiziell eingeladene Diplomaten aus 20 Ländern. In diesem Jahr spielt eine Band aus Brasilien, tanzen palästinensische Schüler – und die Festrede hält die palästinensische Tourismus-Ministerin.

Die Blaskapelle Leonberg hat beim Oktoberfest in Ramallah während ihres Auftrittes in Lederhosen und Tirolerhut sichtlich Spaß (2013)

Die Blaskapelle Leonberg hat beim Oktoberfest in Ramallah während ihres Auftrittes in Lederhosen und Tirolerhut sichtlich Spaß (2013)

Initiator des Oktoberfests ist die Unternehmerfamilie Khoury. Sie stellt den Bürgermeister und den Brauereidirektor.

Sebastian Engelbrecht hat die Familie und das Unternehmen in Taybeh besucht – und das Oktoberfest.

Die Radio-Reportage (24 Minuten) wurde 2011 u.a. im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt und natürlich ist dieses ganz spezielle Oktoberfest immer wqieder Anlaß um darüber speziell in bayerischen Zeitungen zu berichten, so wie z.B. in der „Mittelbayerischen Zeitung“(Oktober 2013):

„Ein Pro-hosit, ein Pro-hosit“ trompetet die bayerische Musikkapelle Leobendorf, das Bier fließt in Strömen und ein paar Lederhosen sind auch zu sehen. Soweit alles in Ordnung beim mittlerweile neunten Taybeh-Oktoberfest im Westjordanland. Erstmals fand es an diesem Wochenende nicht mehr in der kleinen Ortschaft Taybeh statt, sondern musste in ein Luxushotel in Ramallah verlegt werden.

Seit 2005 floss einmal im Jahr in Taybeh östlich von Ramallah fässerweise Bier aus den Zapfhähnen. Palästinenser, Israelis und Ausländer zog es in den einzigen überwiegend christlichen Ort im Westjordanland. 2000 Menschen leben hier, bis zu 16 000 Besucher trafen sich einmal im Jahr in den engen Gassen und tranken – undenkbar in anderen muslimischen Orten der Region – Bier auf offener Straße.

Der neuen Gemeindeverwaltung war dieses jährliche Treiben nun nicht mehr so recht. „Das Problem könnte das Bier sein“, sagt Nadim Khoury, der in Taybeh das gleichnamige Bier braut und das Fest ausrichtet, „nicht jeder hier mag Alkohol.“ Seine Schwägerin Maria Khoury versteht die Haltung der Verantwortlichen trotzdem nicht: „Wir reden hier von der erfolgreichsten Veranstaltung in Palästina.“ Ausgewichen sind sie nun in ein Nobel-Hotel in Ramallah. Dort drängen sich die Gäste am Pool. Es ist schwer, im muslimisch geprägten Westjordanland einen passenden Ort für ein Bierfest zu finden.

In Taybeh in Palästina ist 2008 die Blaskapelle Dürnbach vom Tegernsee zu Gast, um ein Oktoberfest zu feiern, bei dem auch die Nonnen des Ortes mitfeiern.

In Taybeh in Palästina ist 2008 die Blaskapelle Dürnbach vom Tegernsee zu Gast, um ein Oktoberfest zu feiern, bei dem auch die Nonnen des Ortes mitfeiern.

Darunter leidet die Atmosphäre des Festes, die Preise wurden erhöht, die Besucher aus den Dörfern um Taybeh fehlen. „Ich bin enttäuscht“, sagt Besucher Ahmed Alnasser. „Beim Oktoberfest geht es eigentlich darum, dass Menschen aller Religionen und Nationalitäten zusammen feiern.“ Eine Nationalität fehlt in diesem Jahr: Israelis wird von ihrem eigenen Staat untersagt, in die ganz unter palästinensischer Verwaltung stehenden Gebiete wie Ramallah zu fahren.

Madees Khoury

Madees Khoury

Maria Nieder (27) aus Kiel war schon in den vergangenen zwei Jahren beim Oktoberfest in Taybeh. Auch sie ist in diesem Jahr nicht zufrieden, aber: „Es ist besser, sie veranstalten das Fest hier als zum Beispiel in Nazareth“, sagt sie, „dort könnte ich nicht zusammen mit meinen palästinensischen Freunden hingehen.“

Die cleveren Bierbrauer aus Palästina haben nicht nur ihr Sortiment erweitert, sondern mittlerweile auch ihre erste Bierbrauerin:

Die Taybeh-Brauerei bietet jetzt sogar vier verschiedene Biersorten an: Ein dunkles, ein bitteres und ein alkoholfreies sind zum Golden noch hinzugekommen. Braucht ein Staat Palästina wirklich vier Biere? 98,5 Prozent seiner Bewohner sind Muslime, die keinen Alkohol trinken dürfen. »Das ist richtig«, sagt Khoury verschmitzt, »aber es halten sich nicht alle dran. Jedes Mal im Fastenmonat Ramadan bricht unser Absatz beim Bier ein.« Nun ist auch noch ist Davids Nichte Madees Khoury in den Betrieb eingestiegen. »Sie ist die erste arabische Bierbrauerin überhaupt«, sagt der Onkel voller Stolz: »Unser Bier ist unser Widerstand mit friedlichen Mitteln.«

Irgendwie kann man sich das so gar nicht vorstellen, aber auch das gehört in den bunten Geschichtsreigen des Oktoberfestes …

Und hier noch ein paar Bilder bevor es dann zur Präsentation geht:

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel10

Beispiel11

Beispiel12

Und nun, 2014 musste das Oktoberfest in Taybeh abgesagt werden … kein Wunder bei der aktuellen politischen Lagen:

Beispiel05

Zu dieser Präsentation gehört der Radiomitschnitt, ein Beitrag aus der „Zeit“ (2012) sowie ein TV-Beitrag des Bayerischen Fernsehens aus dem Jahr 2014 über diese Brauerei in Palästina, die sich dem bayerischen Reinheitsgebot angeschlossen hat.

*
**

Inga Rumpf (feat. KK’NF) – Still Got The Rock (Official Bootleg Album – Fabrik, Hamburg 21.11.2014)

FrontCover1Und jetzt wird mir ganz feierlich zu Mute, denn hier kommt die Rede auf Inga Rumpf:

Inga Rumpf (* 2. August 1946 in Hamburg) ist eine deutsche Sängerin und Komponistin.

Rumpf wurde als Tochter eines Hamburger Seemanns und einer ostpreußischen Schneiderin im Hamburger Stadtteil St. Georg geboren. Anfang der 1960er Jahre machte sie ihre ersten Auftritte mit verschiedenen Blues-Bands im Jugendheim von St. Pauli. 1965 wurde sie die Sängerin der Folk-Rock-Gruppe Die City Preachers, in der zeitweise Udo Lindenberg Schlagzeug spielte. 1968 nahm sie als Solointerpretin mit dem Titel Schade um die Tränen am ersten Deutschen Schlager-Wettbewerb teil. 1970 nannten sich Die City Preachers in Frumpy um, mit Carsten Bohn (Drums), Jean-Jacques Kravetz (Keyboards), Karl-Heinz Schott (Bass), und die erste Schallplatte All Will Be Changed entstand.

CityPreachers1970

Die City Preachers mit Inga Rumpf und Udo Lindenberg

1972 entstand aus Frumpy die neue Formation Atlantis, wo neben Rumpf und Frank Diez als Gründungsmitglied abermals Schott, Kravetz und Lindenberg in Erscheinung traten. Inga Rumpf galt zu dieser Zeit schon als eines der größten Talente der deutschen Rock-Szene. Es folgten erfolgreiche Konzertreisen durch verschiedene Länder mit wechselnden Besetzungen, u. a. mit Dieter Bornschlegel, Ringo Funk, Alex Conti, Adrian Askew und Rainer Schnelle. 1976 löste sich Atlantis auf.

Von 1981 bis 1982 tourte Rumpf mit ihrer Band Reality und war als Dozentin an der Hamburger Musikhochschule tätig; 1983 stand sie für eine einmalige Reunion von Atlantis auf der Bühne; außerdem schrieb sie für Tina Turner den Song I Wrote a Letter, die B-Seite ihrer Single Let’s Stay Together. In den Jahren 1986 und 1987 engagierte sie sich musikalisch mit der Gruppe Inga Rumpf & Friends in der Initiative „Rock gegen Atom“.

Logo1990 gab es eine Reunion von Frumpy als Trio in der Besetzung Rumpf/Kravetz/Bohn. In den darauf folgenden Jahren wurden mit Frumpy zwei Studio- und ein Live-Album mit Frank Diez an der Gitarre veröffentlicht. 1994 folgten Projekte mit dem Hamburger Pianisten Joja Wendt und der NDR Bigband.

Ende der 1990er Jahre wandte sie sich verstärkt der Gospelmusik zu und trat bei verschiedenen kirchlichen Veranstaltungen auf. 2004 gründete sie ihr eigenes Label „25th Hour Music“. Dort erschienen 2004 die CD Live im Michel und 2005 Easy In My Soul.

2006 gab es eine Wiederveröffentlichung der drei Alben My Life Is a Boogie, I Know Who I Am und Reality auf einer Doppel-CD mit dem Titel London – New York – Berlin. 2006 war sie in der Jury des „Gospel-Award“ der Fernseharbeit der evangelischen und der katholischen Kirche sowie der christlichen Hilfsorganisation World Vision Deutschland.

RumpfLive01

Im Jahre 2007 startete Inga Rumpf die CD-Reihe „Official Bootleg“. Dabei wurden Konzerte in Worpswede, Stuttgart und Schwerte mitgeschnitten und ungekürzt als limitierte Auflagen veröffentlicht.

Inga Rumpf tourt bis heute mit unterschiedlichen Programmen und Besetzungen ihrer Band durch die Republik. (Quelle: wikipedia)

Und hier ein weiteres „Offical Bootleg“ Album, diesmal ein Mitschnitt aus einem Konzert in der legendären „Fabrik“ in Hamburg … Dort hatte sie ja schon einen fulminanten Auftritt mit Atlantis der dann so um 1974 auch als Doppel-LP veröffentlicht wurde.

RumpfLive02

Und was soll ich sagen … es ist ein triumphales Konzert … Und Inga Rumpf kann aus dem vollen schöpfen. Da sind zum einen etliche Highlights ihrer eigenen Karriere und da sind eine Handvoll von Rock- und Bluesklassikern, die sie mit ihrer Stimme veredelt. Ein Blick auf die Titelliste lohnt sich schon mal.

Und da ist diese famos aufspielende Band, davon drei Musiker, die auch mal bei BAP aktiv waren: Werner Kopal, Helmut Krumminga und Michael Nass (der spielt eine ganz und gar großartige Orgel).

Wir können uns eigentlich nur glücklich schätzen, dass so eine Sängerin wie Inga Rumpf (die übrigens auch eine recht süffisante Slide-Gitarre spielt) all die Jahre durchgehalten hat … von ihrer Faszination hat sie nichts, aber auch gar nichts verloren … wer´s nicht glaubt … anhören … !!!

RumpfLive03

Besetzung:
Robin Fuhrmann (drums)
Werner Kopal (bass)
Helmut Krumminga (guitar, vocals)
Michael Nass (keyboards)
Inga Rumpf (vocals, guitar, slide-guitar)

Booklet1

Titel:
01. Homeward Strut (Bolin) 6.33
02. Friends (Rumpf) 7.44
03. Rock Me Baby (King) 5.22
04. Pain In My Heart (Marin/Bear) 3.43
05. No Cross – No Crown (Rumpf) 5.13
06. Breakdown (Petty) 6.00
07. Indian Rope Man (Price/Roth/Havens) 6.32
08. Love Is Gold (Rumpf) 3.45
09. My Life Is A Boogie (Rumpf) 4.27
10. The Messenger (Lanois) 5.19
11. Love Hurts (F.Bryant/B.Bryant) 4.51
12. More Than I Can Tell (Rumpf) 6.01
13. Come And Go (Rumpf) 4.15
14. Undercover Agent (White) 6.32
15. How The Gipsy Was Born (Rumpf/Kravetz) 8.41
16. Good Bye Porkpie Hat (Mingus) 5.34
17. It’s A Man’s World (Newsome/Brown) 6.18
18. Hungry Girl (Rumpf) 4.04
19. Mr. Bigshot (Askew/Conti) 9.16
20. Heroes (Bowie) 5.02
21. Still Got The Blues (Moore) 5.51

CD2A

*
**

 

Dieter Hildebrandt – Ausgebucht (2004)

FrontCover1Er bleibt für mich einfach unvergessen und wie verteufelt gut er war, davon kann man sich auch auf diesem Hörbuch überzeugen:

„Es gab“, so der Autor, „ein Leben vor dem Fernsehen, es gibt eins nach ihm. Das nach ihm ist freier und fröhlicher, denn es ist nicht „formatiert“. Vor der feindlichen Übernahme des menschlichen Tagesablaufs durch das Fernsehen haben wir das Wort Format mehr von der Qualität bestimmt verstanden.“ Nach dem Ausscheiden aus dem Fernsehgeschäft braucht Dieter Hildebrandt sich nur noch um sein eigenes Format zu kümmern, das Format als Buchautor, was er auf seinen Lesungen in den vorangegangenen Jahren mit großem Erfolg getan hat. Aufgetreten ist er in schmucklosen Sälen, ohne Bühnenbild, ohne Kostüm und ohne Rhythmusgruppe, nur er und sein Buch, aber er wusste, dass auch im freudlosesten Saal ein Publikum von Format saß.

„Jedes Publikum ist anders. In jeder deutschen Landschaft gibt es andere Voraussetzungen für das Lachen. Einige Vorurteile bestätigen sich alljährlich. Mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel ist die Bahn. Sie ist furchtbar. Selbst nachdem Biolek und Witzigmann die PR für die Esskultur in den Speisewagen übernommen haben.“ Hildebrandt hat viele Strapazen auf sich genommen, um seine Auftrittsorte rechtzeitig zu erreichen. Ist er mit dem Auto unterwegs, dräut ein Stau, wählt er die Bahn, ist die Ankunft wo auch immer ein Glücksfall. Und dass Fliegen schöner sei, ist eine glatte Lüge. Und doch ist er mit seiner ICH-AG zufrieden. Schließlich ist er überall ausgebucht.

Dieter Hildebrandt war in den vergangenen Jahren ein eifriger Vorleser seiner Texte. Bei Lesereisen lernte er seine Heimat Deutschland so richtig kennen, und er war fasziniert von den fulminanten Angeboten der Hotellerie, dem begeisternden Service der Bahn AG wie der Lufthansa, von kulinarischen Angeboten in allen deutschen Gauen; und wenn er im Hotelzimmer mal den Fernseher anschaltete, verging ihm auch da der Appetit. Seine Erlebnisse auf diesen Fahrten hat er aufgeschrieben, und seine Schilderungen hat er gespickt mit satirischen Aperçus und politischen Betrachtungen über den Tag hinaus. Sie zeigen den großen Kabarettisten erneut als kritischen und witzigen Erzähler. (Die Zeit, 06.10.2004)

BookletBackCover1

Bei diesem Hörbuch hören wir auch einen anderen Dieter Hildebrandt: So etliche seiner Kabinettstückchen  thematisieren auch sein Eheleben mit Renate Küster … Und da habe ich mich schon köstlich amüsiert und seinen Beitrag „Feng Shui“, den muss ich ganz dringend meiner Frau vorspielen, die doch mehr als einmal mit diesem gewissen Seufzton mein Arbeitszimmer betritt und sich mit einem gewissen kritischen umblickt, um gleich noch einen Seufzer loszulassen.

KüsterHildebrandt

Renate Küster + Dieter Hildebrandt

Aber natürlich gibt es auch den hochgradig bissigen politischen Kabarettisten … ich empfehle den Beitrag „Von Kohl zu Köhler“. Und dann gibt es noch so einen irgendwie noch ganz anderen Beitrag: „Ein tödliches Missverständnis“ … da gibt es dann gleich gar nichts mehr zum lachen … sondern der Kehle wird einem trocken … man schluckt und schweigt erstmal …  und hält inne.

Besetzung:
Dieter Hildebrandt (Sprecher)

DieBuchvorlage

Die Buchvorlage

Titel:

CD 1:
01. Immer unterwegs 3.23
02. München Hauptbahnhof 9.43 Uhr 10.33
03. Berlin – Leipzig – München 12.20
04. Als ich mal nach Hause kam 1.13
05. Feng Shui 10.33
06. München Hauptbahnhof 10.15 Uhr 16.06

CD 2:
01. Jetzt nicht, vielleicht später 5.23
02. Lingua tertii imerii 2.48
03. München Hauptbahnhof 9.43 Uhr 11.59
04. Von Kohl zu Köhler 17.29
05. Ein tödliches Missverständnis 10.34
06. Im Krankenhaus 2.42

CD1A.jpg

*
**

Dieter Hildebrandt01

Dieter Hildebrandt
(* 23. Mai 1927 in Bunzlau, Niederschlesien; † 20. November 2013 in München)

Timur Vermes – Er ist wieder da (Hörspiel) (2012)

FrontCover1Das war damals ein ganz schöner Knüller … und bis heute bleibt es für mich ein ganz chön zwiespältiger Knüller, denn dieses Hörbuch basierte auf das gleichnamige Buch, bzw. auf den gleichnamigen Film:

„Er ist wieder da“ ist der Debütroman des deutschen Journalisten und Schriftstellers Timur Vermes. Die Hardcoverausgabe erschien 2012 beim Kölner Eichborn Verlag, das Taschenbuch bei Bastei Lübbe. Im Jahr 2015 erschien die gleichnamige Verfilmung. Bei dem Roman handelt es sich um eine Satire, in der Adolf Hitler im Jahr 2011 mitten in Berlin auf einer grünen Wiese wieder zum Leben erwacht.

Nach der Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2012 stieg der Roman bis auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegels und blieb dort 20 Wochen. Das Hörbuch, gelesen von Christoph Maria Herbst, erreichte ebenfalls Platz 1. Herbst verwendet durchgehend den Duktus des Erzählers Adolf Hitler bzw. spricht andere Personen ebenfalls in deren je eigenem Duktus, wobei zum Beispiel auch ungeschliffener Berliner Akzent in gelangweilter, aggressiver, unterwürfiger oder schnippischer Art zum Einsatz kommt.

Insgesamt wurden bis August 2015 über 2.000.000 deutsche Exemplare sowie über 300.000 Hörbücher verkauft. Die Auslandsrechte wurden an über 41 Länder vergeben und seit Herbst 2014 liefen die Dreharbeiten für die Verfilmung.

Timur Vermes

Timur Vermes

In der galligen Politsatire erwacht Adolf Hitler im Sommer 2011 zu neuem Leben und startet eine Fernsehkarriere als Demagoge, die in ihren Einzelschritten und Details erschütternd plausibel ist.  (Ursula März, Die Zeit)

Die literarische Qualität des Romans, so viel steht schnell fest, kann für den enormen Verkaufserfolg von „Er ist wieder da“ kaum verantwortlich sein.[…] Diese Fokussierung auf Hitler – wahlweise als komische Figur oder aber als Inkarnation des Bösen – läuft Gefahr, die geschichtlichen Fakten verblassen zu lassen. […] Allzu oft lässt sich der Autor dazu hinreißen, seinen Hitler als humorigen Gesellen zu zeichnen und das wirkt letztlich verharmlosend. (Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung)

Das Buch

Das Buch

… für eine „Alternate History“ à la Robert Harris („Vaterland“) oder wenigstens eine actionreiche Farce fehlt es an erzählter Zeit … ein Klamauk, der allein darauf basiert, dass der Führer sein Vokabular auf unser Hier und Jetzt anwendet…, wird auf vierhundert Seiten dann doch ein bisschen schal. (Marc Reichwein, Die Welt)

Das Beste an dem Buch ist das Cover … Nach 50 Seiten habe ich angefangen, mich zu langweilen. Dann kennt man die Grammatik des Buches. Ich fand es auch deswegen nicht wirklich gut, weil die Geschichte zu absurd ist. (Sönke Neitzel, Historiker an der Universität Potsdam)

Und dann gab es den Film:

„Er ist wieder da“ ist eine deutsche Filmkomödie des Regisseurs David Wnendt aus dem Jahr 2015. Die Literaturverfilmung basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman des Autors Timur Vermes. Der Film hatte am 6. Oktober 2015 Premiere in Berlin und lief am 8. Oktober in den deutschen Kinos an. Er wurde von mehr als 2,4 Millionen Kinobesuchern gesehen., 69 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wacht Adolf Hitler bei bester Gesundheit in Berlin auf. Aufgrund der veränderten Umgebung und Menschen ist er vorerst ziemlich orientierungslos. Ein Kioskbesitzer gewährt ihm vorläufigen Unterschlupf. Bei der Zeitungslektüre im Kiosk ist Hitler mit einem völlig veränderten Deutschland konfrontiert, das seiner Ideologie entgegensteht und ihm daher auch nicht sonderlich gefällt. Zudem halten ihn alle Menschen, denen er begegnet, lediglich für einen Hitler-Imitator.

Filmbild01

Unweit des Ortes, an dem Hitler aufwacht, dreht der freie Angestellte des Senders MyTV, Fabian Sawatzki, eine Dokumentation über Kinder in einem Berliner Brennpunkt. Da dies aber nicht gut bei den Verantwortlichen des Senders ankommt, wird er entlassen. Sawatzki sichtet das von ihm gedrehte Video erneut und entdeckt Hitler im Hintergrund. Als Sawatzki bald darauf Hitler im Kiosk ausfindig machen kann, unterbreitet er ihm den Vorschlag, mit ihm eine Fernsehsendung zu produzieren, nicht zuletzt, um wieder bei MyTV eingestellt zu werden. Die beiden machen sich auf eine Reise an verschiedene Orte in Deutschland, bei der Hitler im Gespräch mit der Bevölkerung gefilmt wird.

Filmbild02

Nach ihrer Rückkehr nach Berlin stellt Sawatzki Hitler und das gedrehte Material bei den Senderchefs vor. Begeistert von Hitler, beschließt die Vorsitzende Katja Bellini, ihn für seinen ersten Einsatz in der bereits etablierten Sendung Krass, Alter auftreten zu lassen. Im Senderbüro bekommt er eine Sekretärin zur Seite gestellt, die ihm mit einiger Mühe das Internet erklärt. Hitler findet sich allmählich in der Gegenwart zurecht und absolviert erste Bühnenauftritte. Er greift auch seine alten Pläne, die Weltherrschaft an sich zu reißen, wieder auf, erarbeitet sich stattdessen aber mehr oder weniger ungewollt die Rolle eines großen Comedy-Stars, der wenig später bei allen großen Medien gefragt ist. Allerdings kommen nun auch erste Zweifel an dem vermeintlichen Schauspieler auf, da ihn bisher niemand anders erlebt hat als in seiner vermeintlichen Rolle.

Filmbild03

Als Frank Plasberg Hitler in seiner Sendung mit einem Video konfrontiert, in dem Hitler einen kleinen Hund erschießt, wird dessen Show abgesetzt, und er verliert zunächst seine noch frische Popularität. Wegen dieses Vorfalls verliert auch Katja Bellini ihre Anstellung beim Sender und muss den Chefsessel an ihren stillen Rivalen Christoph Sensenbrink abtreten. Parallel zu seinen weiteren Fernsehauftritten, die er absolviert, um seinen Ruf nach dem Hundevideo wieder aufzupolieren, schreibt er ein Buch über die Zeit nach seinem Wiederauftauchen. Es wird, mit Hilfe von Katja Bellini, zu einem Bestseller. Bald darauf wird das Buch sogar verfilmt, woran sich MyTV und Sensenbrink aufgrund des Quotenabsturzes nach Hitlers Imageverlust beteiligen.

Als Hitler aus dem Hotel, in dem der Sender ihn untergebracht hatte, wieder auszieht, kommt er bei seiner Sekretärin Franziska Krömeier unter, mit der Sawatzki mittlerweile zusammen ist. Beim Einzug erkennt Franziskas demente Großmutter den tatsächlichen Adolf Hitler. Nachdem Hitler und Sawatzki die Wohnung verlassen haben, stellt Sawatzki verärgert fest, dass der vermeintliche Schauspieler auch nach diesem Ereignis seine Rolle weiterspielt. Verwundert darüber, und wegen der Reaktion von Franziskas Großmutter und der jetzt bestehenden Zweifel über diesen Mann, geäußert von Mitarbeitern des Senders, beginnt Sawatzki Nachforschungen anzustellen.

 

Vor dem Filmstudio wird Hitler, der auch von Neonazis für einen Komiker gehalten wird, von diesen verprügelt. In ein Krankenhaus eingewiesen, wird er deshalb zu einer Art Märtyrer der Demokratie hochstilisiert. Während sich Hitler im Krankenhaus befindet, sichtet Sawatzki noch einmal das Videomaterial von dem Tage, an dem Hitler in Berlin aufgetaucht war. Dabei stellt er fest, dass dieser einfach aus dem Nichts erschienen ist, lediglich ein Licht deutet auf den Vorfall hin. Als Sawatzki an der gleichen Stelle, an der er auf dem Band das Licht gesehen hat, verbrannte Blätter findet und außerdem ein Schild, welches darauf hinweist, dass dort einst der Führerbunker gestanden hat, wird ihm klar, dass es sich um den echten Adolf Hitler handeln muss. Schockiert von seiner Erkenntnis stürmt er ins Krankenhaus, aus dem Hitler zwischenzeitlich jedoch schon wieder entlassen wurde. Nur Bellini befindet sich noch im Zimmer, die dem völlig aufgelösten Sawatzki jedoch keinerlei Glauben schenkt. Vom Krankenhauspersonal wird der nun wutentbrannt randalierende Sawatzki in eine geschlossene Psychiatrie gebracht.

Filmbild04

Die Verfilmung des Buches wird abgeschlossen, und Hitler wähnt sich bereits auf der Straße des Sieges. Er ist populärer als je zuvor und sieht Deutschland in einem Zustand, in dem es für seine Rückkehr an die Macht bereit zu sein scheint, allerdings glaubt das Volk weiterhin, es handle sich nur um einen Schauspieler. Der Film endet mit Hitlers Worten „Damit kann man arbeiten“, während die Zuschauer unter anderem Bilder von tatsächlichen politisch motivierten, rechten Gewalttaten und Demonstrationen zu sehen bekommen.
Unterschiede zum Roman:

  • Der Roman spielt im Jahr 2011, der Film im Jahr 2014.
  • Sensenbrink, Sawatzki, Krömeier und Bellini arbeiten beim Fernsehsender MyTV. In der Romanfassung arbeiten sie bei der Agentur Flashlight, die Hitler vertritt und im Auftrag des Senders seine Sendung produziert. Der Konkurrenzkampf zwischen Sensenbrink und Bellini um die Firmenspitze fehlt im Roman.
  • Im Roman lernt Hitler Sawatzki und Sensenbrink durch Zufall am Kiosk kennen. Im Film sucht Sawatzki gezielt nach ihm, nachdem er ihn beim Sichten seines Videomaterials, das er mit den Fußball spielenden Kindern gedreht hatte, entdeckt hat.
  • Im Roman sind die Kinder allein, und niemand sieht Hitlers Ankunft.
  • Sawatzki und Hitler fahren auf eigene Kosten durch Deutschland und befragen Menschen zu politischen Themen, um Anschauungsmaterial für den Sender zu haben und Sawatzkis Wiederanstellung zu erreichen. Im Buch fehlt dieser Aspekt völlig.
  • Im Roman ist der Kiosk auch nach Hitlers Bekanntwerden einer seiner regelmäßigen Anlaufpunkte. Im Film taucht dieser nach seiner Abreise mit Sawatzki nicht mehr auf.
  • Im Buch heißt der Moderator der Show Krass, Alter, in der Hitler seinen ersten Fernsehauftritt hat, Ali Witzgür. Da er im Film von einem deutschstämmigen Schauspieler, nämlich Michael Kessler, dargestellt wird, wurde der Name in Michael Witzigmann geändert.
  • Auch die Vornamen der Figuren Sawatzki, Sensenbrink, Krömeier und Bellini wurden geändert. Während diese Figuren im Roman die Namen Joachim, Frank, Vera und Carmen tragen, wurden im Film die Vornamen der Darsteller verwendet.
    Das Treffen mit Krömeiers Großmutter verläuft im Roman weitaus friedlicher als die Auseinandersetzung im Film.
  • Im Buch erschießt Hitler keinen Hund.
  • Im Film wird Hitler als Autor der Romanvorlage präsentiert. Dieser Aspekt fehlt ebenfalls im Buch. Auch ein möglicher Film über seine Zeit nach dem Aufwachen kommt in der Vorlage nicht vor.
  • Im Roman ereilt Sawatzki ein erfreulicheres Schicksal. Dort heiratet er Vera Krömeier, und das Paar erwartet ein Kind, das wahrscheinlich den Namen Adolf tragen soll.
  • Im Gegensatz zum Film findet im Roman niemand heraus, dass es sich um den leibhaftigen Adolf Hitler handelt.
  • Der letzte Satz Hitlers „Damit lässt sich arbeiten“ wird im Roman in einem weit weniger drastischen Kontext zitiert.

Filmbild05

Kritiken:

Jörg Albrecht schrieb auf der Website des Deutschlandfunks, dass der Film als Mediensatire durchaus Schtonk das Wasser reichen könne. Das Lachen könnte jedoch schnell verstummen, wenn man sehe, dass „die deutsche Willkommenskultur auch für Adolf Hitler gilt“.

In der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau schrieb Daniel Kothenschulte: „Erst ist es nicht richtig witzig, und dann ist es auch wieder nicht schmerzhaft genug.“ Die Bestseller-Verfilmung verschenke große dokumentarische Momente an eine biedere Mediensatire.

Als „dümmsten und perfidesten Film, der seit langem in die Kinos gekommen ist“ bezeichnete Michael Hanfeld bei faz.net die Romanverfilmung. Der Film wolle eine Satire sein, in Wahrheit sei er „eine experimentelle Anordnung und ein Pamphlet“.

Filmbild06

Und dann erschien das Hörbuch zum Film:

Dazu verwendete man ganz einfach die Tonspuren des Films und ergänzete diese um verbindendene Texte, und zwar immer dann, wenn die Bildsprache des Films fehlte …ein irgendwie eigenartiges Verfahren … Diese Texte sprach Fabian Busch, der im Film den Reporter Fabian Sawatzki spielte.

Die volle Wucht des Themas erschließt sich aus meiner Sicht erst, wenn man den dazugehörgen Film kennt … als als eigenständiges Hörspiel können diese Aufnahmen jedenfalls nicht durchgehen.

Unabhängig davon: das gesamte Thema hinterlässt mich mehr als zerrissen … das Thema ist erschreckend, beklemmend, beängstigend und albern zugleich …

BackCover1

Besetzung:
Jakob Bieber: Jüngelchen
Fabian Busch: Fabian Sawatzki
Stephan Grossmann: Staatsanwalt Göttlicher
Christian Harting: Chefredakteur
Christoph Maria Herbst: Christoph Sensenbrink
Michael Kessler: Michael Witzigmann
Ramona Kunze-Libnow: Mutter Sawatzki
Oliver Masucci: Adolf Hitler
Michael Ostrowski: Rico Mancello
Katja Riemann: Katja Bellini
Gudrun Ritter: Oma Krömeier
Lars Rudolph: Kioskbesitzer
Maximilian Strestik: Ulf Birne (NPD)
Thomas Thieme: Senderchef Kärrner
Franziska Wulf: Franziska Krömeier
Christoph Zrenner: Gerhard Lümmlich
+
Cameos:
Klaas Heufer-Umlauf, Joko Winterscheidt, Frank Plasberg, Daniel Aminati, Jörg Thadeusz, Roberto Blanco, Micaela Schäfer, Dagi Bee, Freshtorge, Robert Hofmann, Joyce Ilg, Andrea Nahles

Booklet02A

Titel:

CD 1:
Kapitel 01 – 20 / 50. Minuten

CD 2:
Kapitel 21 . 40 / 53 Minuten

CD1A

 

*
**

Booklet01A

Doris Blaich und Uwe Wolf – Gottfried August Homilius zum 300. Geburtstag (Radiomitschnitt) (2014)

Gottfried August Homilius1Zur Abwechslung mal einen Radiomitschnitt (SWR 2), Anlass ist der 300. Geburtstage des Kirchenmusikers Gottfried August Homilius

Von den Kantoren an den Dresdner Stadtkirchen erreichte Gottfried August Homilius (1714-1785) mit seinen Werken unter den Zeitgenossen und wenigstens noch zwei Genera­tionen nach seinem Tod überregionale Aufmerksamkeit. Abschriften finden sich bis heute im gesamten deutschsprachig-protestantischen Europa und in Einzelfällen auch darüber hinaus.
Später unterlagen seine Kompositionen dem verbreiteten Verdikt des „Verfalls“ der evangelischen Kirchenmusik und selbst in der sächsischen Residenzstadt beschränkte sich die Kenntnis auf wenige Motetten und Orgelwerke.

Im Zuge eines wachsenden Interesses an der älteren ­Dresdner Musikgeschichte und an der evangelischen Kirchen­musik des ausgehenden 18. Jahrhunderts rücken auch die Kompositionen von ­Homilius zunehmend in das Blickfeld des interessierten ­Publikums. So bietet die 300. Wiederkehr seines Geburtstages eine ­willkommene Gelegenheit nicht nur zu Wiederaufführungen, sondern auch für eine Bilanz des gegenwärtigen Wissens zu diesem Komponisten und die Diskussion offener Fragen.

Gottfried August Homilius Wurde am 2. Februar 1714 in Rosenthal in der Sächsischen Schweiz geboren. Nach dem Besuch der Annenschule in Dresden studierte er in Leipzig ab 1735 Jura. Als Frauenkirchenorganist war er zunächst ab 1742 und anschließend von 1755 bis zu seinem Tod am 2. Juni 1785 als Kreuzkantor in Dresden tätig. Er kann wohl als einer der bedeutendsten Kirchenmusiker seiner Zeit bezeichnet werden

Geburtshaus1Also:
Die Zeitgenossen waren sich einig: „Homilius war ohne Widerrede unser größter Kirchenkomponist“. Während seines Jura-Studiums in Leipzig war er Schüler von Johann Sebastian Bach, wählte dann die Musikerlaufbahn und avancierte schnell zu einem der angesehensten Organisten seiner Zeit. 1742 legte er ein Probespiel an der Silbermann-Orgel der Dresdner Frauenkirche ab und wurde bereits am folgenden Tag eingestellt. Später stieg er zum Kantor der Kreuzkirche auf – eine Position, die ein ähnlich hohes Ansehen hatte wie das Thomaskantorat in Leipzig. Komponiert hat Homilius fast ausschließlich Kirchenmusik: Oratorien, Passionen, Motetten und eine große Zahl geistlicher Kantaten. Erst in den letzten Jahren wird sein Werk in größerem Stil wiederentdeckt – das ist auch einer modernen Ausgabe seiner Kompositionen zu verdanken. Zu Homilius‘ 300. Geburtstag spricht Doris Blaich mit Uwe Wolf, dem Herausgeber dieser Notenausgabe.

Dieses Gespräch kann man hier nun nachhören … und auch wenn mir Kirchenmusik in der Regel nicht sonderlich nahesteht, so ist es doch wirklich bemerkenswert, mit welcher Akribie Dr. Wolf sich des Themas angenommen hat. Und deshalb noch ein paar Worte über ihn:

Dr. Wolf wurde 1961 in Kassel geboren und studierte Musikwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte und Historische Hilfswissenschaft in Tübingen und Göttingen. Im Jahr 1991 promovierte er zum Dr. phil. und war anschließend bis 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen, seit 1996 als Stellvertreter des Hauptamtlichen Leiters. Im Jahr 2004 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Projekt Bach-Repertorium der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und hatte von 2005 bis September 2011 die Leitung des Forschungsreferats II im Bach-Archiv Leipzig inne. Uwe Wolf ist Mitglied im Herausgeberkollegium der Neuen Bach-Ausgabe und der Neuen Bach-Ausgabe, revidierte Edition sowie Mitglied im Editorial Board von C. P. E. Bach: The Complete Works, und Herausgeber der Reihe „Gottfried August Homilius, Ausgewählte Werke“. Außerdem arbeitete er an weiteren Gesamtausgaben mit. Lehraufträge hatte Wolf an den Universitäten Göttingen, Pavia/Cremona und Leipzig inne und veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur Musikgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts sowie zur Editionstechnik u.a.

Wolf

Dr. Uwe Wolf

Wie sollte es anders sein, ist dieses Gespräch natürlich auch mit der passenden Musik garniert, hier die Liste der angespielten Kompositionen von Homilius:

Eingangschor der Kantate „Warum toben die Heiden“
Handel‘ s Company Choir, Handel‘ s Company
Leitung: Rainer Johannes Homburg

Choralvorspiel „Nun komm, der Heiden Heiland“
Christian-Markus Raiser (Chororgel der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe) 

Motette „Da es nun Abend ward“
Kammerchor Stuttgart
Leitung: Frieder Bernius 

Motette „Dennoch bleib ich stets an dir“
sirventes Berlin
Leitung: Stefan Schuck

Verleugnung des Petrus aus der Matthäuspassion
Monika Mauch (Sopran),
Ruth Sandhoff (Alt)
Hans Jörg Mammel (Tenor)
Basler Madrigalisten
L‘ arpa festante
Leitung: Fritz Näf

Eingangschor aus der Adventskantate
„Ergreifet die Psalter, ihr christlichen Chöre“
Körnerscher Sing-Verein Dresden
Dresdner Instrumental-Consort
Leitung: Peter Kopp

Also, wer ein wenig Zeit und Muße hat kann sich durchaus mal mit diesem Komponisten, seiner Biographie und seiner Zeit beschäftigen.

*
**

Cay Rademacher – Der Trümmermörder (Hörbuch) (2014)

FrontCover1Hier so ´ne Art Mitbringsel aus meinen Tagen auf Teneriffa … ein Krimi … Teil 1 einer Trilogie, die mich schon sehr bewegt hat:

Und darum geht´s:

Der Zweite Weltkrieg ist vorüber, Hamburg liegt in Schutt und Asche. Die Bevölkerung leidet unter Hunger und einem harten Winter. Als in den Trümmerfeldern Leichen gefunden werden, übernimmt Polizeiinspektor Stove den Fall. Alle Opfer sind nackt, ihre Namen und ihre Herkunft bleiben ungewiss. Sämtliche Aufrufe an die Bevölkerung, bei der Aufklärung der Verbrechen behilflich zu sein, verhallen ungehört, da die Menschen nur noch verzweifelt um das eigene Überleben kämpfen. Ein außergewöhnlicher Krimi, der die Atmosphäre Deutschlands in der Stunde Null brillant einfängt … (Klappentext)

Das Buch (ursprünglich 2011 erschienen) wie auch dieses Hörbuch bekam fast durchgehend gute, bis fast euphorische Kritiken. Stellvertretend hier folgende Zeilen:

Knapp zwei Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges ereignen sich im bitterkalten, zerstörten Hamburg eine Reihe von Morden, die die Stadt zusätzlich in Atem hält: die Polizei steht vor einem Rätsel, denn die in Trümmerruinen aufgefundenen Leichen sind unbekleidet und somit nicht einfach zu identifizieren.

Hamburg1947_01

Oberinspektor Stave macht sich gemeinsam mit seinem Team, einen Offizier der britischen Armee und einem noch jungen Polizisten von der Sitte, auf die Suche nach Zusammenhängen und Zeugen. Dabei macht er einige interessante Gedankenspiele und Entdeckungen…

Dem Autoren Cay Rademacher ist es gelungen, einen authentischen Fall der Nachkriegsjahre in einem Krimi aufzuarbeiten und dabei die Atmosphäre in der Hansestadt so greifbar zu machen, dass man weit über die Fakten eines jeden Geschichtsbuches eintauchen kann. Die Sorgen und Nöte der Menschen zu dieser Zeit sind so plastisch dargestellt, dass man mehr als nur erahnen kann, was sie im Hungerwinter 1946/47 bei eisigen Temperaturen durchmachen mussten. Hinzu kommt die Angst um die noch vermissten Angehörigen und die traumatischen Erlebnisse aus der Zeit der Operation Gomorrha. Besonders wird dies an Frank Stave deutlich, einem Polizisten, der seine Frau bei den Luftangriffen und seinen Sohn an die Nazis verloren hat. Doch ebenso bemerkenswert ist seine Einstellung: er lässt seinen Sohn über das Rote Kreuz suchen und hegt keinerlei Groll gegen die Alliierten, ja, er versucht nach vorne zu blicken – in ein hoffentlich besseres Deutschland.

Brennhexe

Brennhexe, Mitte der 40er Jahre

Zugegebenermaßen lese ich gerne Krimis, die im letzten Jahrhundert spielen, denn mich fasziniert die Zeit der Weimarer Republik, die Zeit zwischen den Weltkriegen und besonders auch die während des Dritten Reiches. Von daher war ich natürlich sofort begeistert, als ich die Ankündigung von Der Trümmermörder gelesen habe. Endlich einmal ein Krimi, der sich mit der Zeit nach 1945 und den Folgen des Krieges und des Nationalsozialismus‘ beschäftigt und dazu noch in Hamburg spielt, in der Stadt, in der ich selbst lebe.

Hamburg1947_02

Der Autor hat mich nicht eine Seite lang enttäuscht – im Gegenteil: die Figur des Polizisten Stave und die seines schottischen „Kollegen“ James MacDonald haben mir auf Anhieb sehr gut gefallen, aber auch andere Charaktere waren einfach toll (die möchte ich aber aufgrund der Spannung unerwähnt lassen). Nachhaltig hat mich auch der Staatsanwalt Ehrlich beeindruckt, ebenso wie die Leiterin einer Kindereinrichtung in einer Villa in Blankenese… besonders hervorzuheben ist aber auf jeden Fall die Atmosphäre des Buches, bei dessen Lektüre ich immer mehr der Meinung war, das Cay Rademacher das nicht besser hätte machen können – vermutlich nicht einmal ein Zeitzeuge hätte die damalige Situation der Menschen besser schildern können. Hier merkt man, wie gründlich der Autor recherchiert und Eindrücke eingefangen hat! Keine Ahnung, wie viele Krimis ich schon gelesen habe, aber meiner Meinung nach konnte ich mich selten so gut in die beschriebene Zeit und das Geschehen einfühlen. Im Grunde empfinde ich die Kategorie „Krimi“ als zu wenig, denn dieses Buch lebt eindeutig nicht (nur) von der Krimihandlung – obwohl es durchaus sehr spannend ist.

Definitiv ein Buchtipp für alle geschichtlich Interessierten …  (literaturschock.de)

Hamburg1947_03

Schwarzmarkt in Hamburg, ca. 1947

Cay Rademacher (* 1965 in Flensburg) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Er schreibt Kriminalromane und Sachbücher zu historischen Themen.

Cay Rademacher studierte Anglo-amerikanische Geschichte, Alte Geschichte und Philosophie in Köln und Washington, D.C. Als freier Journalist schrieb er für GEO, Merian, mare, Die Zeit und das SZ-Magazin. Seit 1999 ist er fester Redakteur bei GEO. Er baute die Zeitschrift GEO Epoche mit auf und ist deren geschäftsführender Redakteur.

Daneben schreibt Rademacher historische Sachbücher und Romane. Seine Themen reichen von der Zeit des Pharaohs Merenptah, dem historischen Jesus von Nazaret, den Essenern, dem ersten Kreuzzug, Paris im 14. Jahrhundert bis zur letzten Fahrt des LZ 127 Graf Zeppelin, der Versenkung der Athenia, dem Hamburger Trümmermörder und dem Untergang der Estonia. Er verfasste auch Reiseführer über Rom, Köln, Washington, D.C., die Provence und Frankreich.

Rademacher lebte und arbeitete in Hamburg, dem Handlungsort der Trilogie um den Oberinspektor Frank Stave, die in der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg spielt (Der Trümmermörder, Der Schieber, Der Fälscher). 2013 zog er mit seiner Familie in die Provence, wo sein neuer Romanheld, der französische Gendarm Capitaine Roger Blanc, angesiedelt ist.

Cay Rademacher

Cay Rademacher

Burghart Klaußner wurde 1949 in Berlin geboren. Er erhielt seine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin. Nach zweijähriger Arbeit an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin folgten Engagements unter anderem am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Schiller-Theater in Berlin wie auch in Frankfurt am Main, Bochum und Zürich. Im Jahr 2009 war er erstmals als Autor und Regisseur tätig und inszenierte am Schauspielhaus Bochum sein erstes eigenes Stück »Marigold«.

Einem breiten Publikum wurde er durch Kinofilme wie »Good Bye, Lenin!«, »Die fetten Jahre sind vorbei« und durch »Das weiße Band« von Michael Haneke bekannt, wo er die Rolle des Pastors spielte. Im Film »Nachtzug nach Lissabon« (Originaltitel: »Night Train to Lisbon«) war er als Richter Prado zu sehen. Außerdem spielte Burghart Klaußner bei dem erfolgreichen Fernseh-Dreiteiler »Das Adlon. Eine Familiensaga« und dem Doku-Drama »George« mit, wo er an der Seite von Götz George auftritt.

Burghart Klaussner - Portrait Session

Burghart Klaußner

Klaußner erhielt zahlreiche Preise, unter anderem 2005 den Deutschen Filmpreis seine Rolle in »Die fetten Jahre sind vorbei«, den Silbernen Leopar­den in Locarno als bester männlicher Darsteller in »Der Mann von der Botschaft«. Weiterhin wurde Burghart Klaußner mit den renommierten Preisen wie dem Preis der deutschen Filmkritik, dem Deutschen Filmpreis sowie dem Deutschen Hörbuchpreis als »Bester Interpret« ausgezeichnet. (Quelle: wikipedia)

„Burghart Klaußner liest den Fall mit wunderbarem Hamburger Akzent für Polizeiinspektor Stave ein und auch der britische Akzent und das holperige Deutsch des englischen Leutnants stimmt perfekt.“ (Thorsten Wiedau)

Hamburg1947_05

Dass Krimis mehr als nur Zeitvertreib sein können, wird gerade hier wunderbar deutlich.

Das zentrale Stichworte dieses Buches sind zum einen die Entbehrungen dieser Jahre und zum anderen … der zwingende Wille und die einfach gegebene Notwendigkeit, aus den Trümmern wieder aufzustehen … und na ja, die Liebe kommt auch nicht zu kurz …

Und das Buch ist auch deshalb so gelungen, da der Autor sich eine immense Mühe gegeben hat, die historischen Fakten jenes Jahr mit ganz viel Akribie zusammenzutragen. Respekt … das hat Zeit gekostet.

Eigentlich schade, das es bei dieser Trilogie blieb (sie endet, nicht ganz unlogisch im dritten Band mit der Währungsreform, die am 20.06. 1948 in Kraft trat).

Währungsreform 1948 / Einführung der DM

Sprecher:
Burghart Klaußner

Regie: Wolfgang Stockmann
Bearbeitung: Astrid Lukas

Booklet1

Titel:
01. Kaltes Erwachen 9.07
02. Die namenlose Tote (1) 7.04
03. Die namenlose Tote (2) 7.48
04. Die namenlose Tote (3) 7.11
05. Die namenlose Tote (4) 9.12
06. Die namenlose Tote (5) 10.31
07. Gefrorener Boden (1) 7.31
08. Gefrorener Boden (2) 5.52
09. Gefrorener Boden (3) 6.00
10. Ein alter Mann (1) 9.51
11. Ein alter Mann (2) 8.12
12. Ein alter Mann (3) 7.59
13. Ein alter Mann (4) 8.31
14. Schwarzmarkt (1) 7.08
15. Schwarzmarkt (2) 8.47
16. Schwarzmarkt (3) 9.09
17. Schwarzmarkt (4) 7.39
18. Schwarzmarkt (5) 9.24
19. Das Mädchen ohne Namen (1) 7.38
20. Das Mädchen ohne Namen (2) 5.17
21. Das Mädchen ohne Namen (3) 7.38
22. Das Mädchen ohne Namen (4) 10.47
23. Überlebende und Verschwundene (1) 5.50
24. Überlebende und Verschwundene (2) 7.24
25. Am nächsten Morgen 8.05
26. Ein Zettel und eine Zeugin (1) 8.38
27. Ein Zettel und eine Zeugin (2) 8.44
28. Ein Zettel und eine Zeugin (3) 7.17
29. Vor dem Rathaus 4.59
30. Nr. 4 (1) 10.27
31. Nr. 4 (2) 8.09
32. Nr. 4 (3) 8.25
33. Nr. 4 (4) 6.22
34. Unter Kollegen (1) 8.15
35. Unter Kollegen (2) 5.44
36. Unter Kollegen (3) 6.23
37. (fehlt leider, da dieser Track irreperabel beschädigt ist)
38. Enttarnung (1) 9.52
39. Enttarnung (2) 11.25
40. Enttarnung (3) 5.59
41. Enttarnung (4) 2.42
42. Lebenszeichen (1) 7.15
43. Lebenszeichen (2) 8.21
44. Lebenszeichen (3) 10.10
45 Ein Brief 7.37
46. Namen (1) 7.56
47. Namen (2) 10.27
48. Das Leben geht weiter (1) 7.51
49.Das Leben geht weiter (2) 4.38.
50. Trümmermörder (1) 6.08
51. Trümmermörder (2) 6.25

Gesamtdauer: 6.4 Stunden

CD1

 

*
**

Die Frank Stave Trilogie:

Die Trilogie