Marius Müller-Westernhagen – Gebt Bayern zurück an die Bayern + Wenn ich mal alt bin (1972)

FrontCover1Und schon wieder eine Leihgabe von einem Leser dieser blogs … ich sag schon mal ein ganz herzliches Dankeschön, denn bei dieser Leihgabe handelt es sich um eine ganz besonders amüsante Leihgabe … die zugleich ein Schlaglicht auf jenes Bayern wirft, wie es sich (nicht nur) in den 70er Jahren präsentiert hat. Stichwort: die Ära eines Franz-Josef Strauß !

Es begab sich in jenen Tagen, dass ein jungen Künstler names Marius Müller-Westernhagen (der sich erst seine Sporen zu verdienen hatte), für die ZDF – Satire-Sendung Express eine satirische Persiflage über das Land der Bajuwaren verfasste. Musikalische Grundlage dafür war der Paul Mc Cartney Song „Give Ireland Back to the Irish“ … Der Song kam anscheinend ganz gut an, zumindest so gut, dass United Artists Recdords beschloss, flugs daraus eine Single zu machen … Und das war ein Fehler: denn kaum war die Single auf dem Markt hagelte es nur so an Protesten. Man kann sich denken, dass diese Proteste nicht aus Ostfriesland kamen … sondern, dass viel eher die Bayerische Staatsregierung kurzfristig kollabiert, ob des unanständigen Textes, der wie folgt lautet:

TextDas war zuviel des Guten … unerhört ! Und so kam es in jenen Tagen, dass diese Single ziemlich rasch wieder vom Markt genommen werden (musste). So war er halt, der FSJ … ich erinnere mich noch gut an jene Tage und an mein Amüsement über dieses Lied.

Hier kann man es sich nun noch mal anhören … und sich an den Satz erinnern: „Was darf Satire ?“ …

Im übrigen: Westernhagens Idee ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Hier ein  Wahlplakat der allseits beliebten Bayern-Partei:

PlakatBayernPartei2

Na bitte … geht doch !

Also: für diesen köstlichen Spaß ein herzliches Dankeschön an den Spender !!!

Und die B-Seite der Single „Wenn ich mal alt bin“ ist eine fidele Cover-Version des Beatles Klassikers „When I´m 64“ !

Und das ist nun natürlich auch kein Zufall, den justament konnte ich diesen Klassiker in den letzten Tagen zumindest zumindest mal summen … quasi notgedrungen.

Und deshalb gibt´s dann noch ne weitere deutsche Fassung von „When I´m 64“ … diesmal ist es Udo Lindenburg der diesen Song vor sich hin nuschelt … gefunden auf der LP „Galaxo Gang“ (1976) … ja ja … seufz …

Promokarte:

Promokarte1

Besetzung:
Marius Müller-Westernhagen (vocals)
+
Die Wingos (? … aha)

BackCover1

Titel:
01. Gebt Bayern zurück an die Bayern (McCartney/Schmidt-Hans/Köper/Müller-Westernhagen) 3.03
02. Wenn ich mal alt bin (Lennon/McCarntey/Hauptmann) 2.31
+
03. Wenn ich 64 bin (Udo Lindenberg) (Lennon/McCartney/Lindenberg) 2.24

LabelA1

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PlakatBayernPartei

Marius Müller Westernhagen – Die Sonne so rot (1984)

FrontCover1Auch wenn er nicht so ganz mein Ding ist … wichtig bleibt er dennoch:

„Alter Hippiescheiß, eiskaltes Business, verpisst hat sich der Geist …“ – irgendwie hat Westernhagen mit der Textzeile vom letzten Song des Albums seine eigene Bewertung vorweg genommen. Das Gesamtwerk ist eher durchwachsen: musikalisch teils belanglose Songs reihen sich aneinander, erstmals entwickelt sich die Tendenz zu völlig wirren Texten, und die Version von „Mackie Messer“ (Brecht/Weill) ist für mich künstlisch der absolute Tiefpunkt.

Dennoch: von allen Synthie-Alben, die Westernhagen im zeitgemäßen Stil der 80er Jahre auf den Markt gebracht hat, ist „Die Sonne so rot“ immer noch das ein wenig bessere. „Rumpelstilzchen“ und „Bar bezahlt“ ließen ein letztes mal auf gelungene Weise den Schmuddel-Marius aus der Unterschicht durchkommen, das (leider weitestgehend unbekannte) „Baby“ bestätigt eindrucksvoll, dass Rock, Drumcomputer und Marius‘ röhrendes Organ sich durchaus sinnvoll ergänzen können, und Songs wie „Keine Zeit“ oder „So viele Leute“ waren trotz mäßigem kommerziellen Erfolg des Albums lange Zeit feste Tournee-Highlights, wenn auch mit geändertem Arrangement.

Unterm Strich ergibt dieser Mix aus musikalischen Experimenten, Fehltritten und kleinen Perlen immerhin ein Album mit einer gewissen Spannung, was manch‘ andere Werke Westernhagens gerne vermissen lassen. Kein typisches Westernhagen-Album also, eher was für Fans. Man muss es mehrfach hören, bevor man die eigene Meinung festigt. (Niesfisch).

Erwähnenswert ist dann noch, dass Müller-Westernhagen bei diesem Album sich auf eine spartanische Trio-Besetzung verlässt und mit Lothar Meid und Gert „Kralle“ Krahwinkel hatte er natürlich Hochkaräter mit an Bord.

Führte allerdings auch nicht dazu, dass dieses Album irgendwie erwähnenswert erscheint.

DieDrei

Müller-Westernhagen – Meid – Krahwinkel

Besetzung:
Lothar Meid (bass,drum programming, syntzhesizer, cymbal)
Gert „Kralle“ Krahwinkel (guitar, bass bei 02., background vocals)
Marius Müller-Westernhagen (vocals, guitar, cymbal)
+
Holger Czukay (waldhorn bei 06.)
Katrin Schaake (background vocals)

BackCover1

Titel:
01. Mackie Messer (Brecht/Weill) 3.56
02. Baby (Müller-Westernhagen) 2.51
03. Flügel (Müller-Westernhagen) 2.51
04. Menschenfresser (Müller-Westernhagen) 3.10
05. Keine Zeit (Müller-Westernhagen) 3.23
06. Rumpelstilzchen (…und ich melke meine Kuh) (Müller-Westernhagen) 3.51
07. So viele Leute (Müller-Westernhagen) 3.44
08. Kotz dich aus (Müller-Westernhagen) 3.13
09. Ich bin ein Mann (Müller-Westernhagen) 2.58
10. Wenn du nach Streit suchst (Müller-Westernhagen) 2.45
11. Bye Bye (Müller-Westernhagen) 2.55
12. Bar bezahlt (Müller-Westernhagen) 3.03

LabelB1.JPG

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Marius Müller-Westernhagen – Gebt Bayern zurück an die Bayern + Wenn ich mal alt bin (1972)

FrontCover1Und schon wieder eine Leihgabe von einem Leser dieser blogs … ich sag schon mal ein ganz herzliches Dankeschön, denn bei dieser Leigabe handelt es sich um eine ganz besonders amüsante Leihgabe … die zugleich ein Schlaglicht auf jenes Bayern wirft, wie es sich (nicht nur) in den 70er Jahren präsentiert hat. Stichwort: die Ära eines Franz-Josef Strauß !

Es begab sich in jenen Tagen, dass ein jungen Künstler namens Marius Müller-Westernhagen (der sich erst seine Sporen zu verdienen hatte), für die ZDF – Satire-Sendung Express eine satirische Persiflage über das Land der Bajuwaren verfasste. Musikalische Grundlage dafür war der Paul Mc Cartney Song „Give Ireland Back to the Irish“ … Der Song kam anscheinend ganz gut an, zumindest so gut, dass United Artists Recdords beschloss, flugs daraus eine Single zu machen … Und das war ein Fehler: denn kaum war die Single auf dem Markt hagelte es nur so an Protesten. Man kann sich denken, dass diese Proteste nicht aus Ostfriesland kamen … sondern, dass viel eher die Bayerische Staatsregierung kurzfristig kollabierte, ob des unanständigen Textes, der wie folgt lautet:

Text.jpgDas war zu viel des Guten … unerhört ! Und so kam es in jenen Tagen, dass diese Single ziemlich rasch wieder vom Markt genommen werden (musste). So war er halt, der FSJ … ich erinnere mich noch gut an jene Tage und an mein Amüsement über dieses Lied.

Hier kann man es sich nun noch mal anhören … und sich an den Satz erinnern: „Was darf Satire ?“ …

Im übrigen: Westernhagens Idee ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Hier ein aktuelles Wahlplakate der allseits beliebten Bayern-Partei:

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Na bitte … geht doch !

Und die B-Seite der Single „Wenn ich mal alt bin“ ist eine fidele Cover-Version des Beatles Klassikers „When I´m 64“ !

Also: für diesen köstlichen Spaß ein herzliches Dankeschön an den Spender !!!

 

Promokarte1

Promokarte

Besetzung:

Marius Müller-Westernhagen (vocals)
+
Die Wingos (? … aha)

BackCover1

Titel:
01. Gebt Bayern zurück an die Bayern (McCartney/Schmidt-Hans/Köper/Müller-Westernhagen) 3.03
02. Wenn ich mal alt bin (Lennon/McCarntey/Hauptmann) 2.31

LabelA

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PlakatBayernPartei

Marius Müller-Westernhagen – Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz (1978)

MariusFrontCover1978 als  vierte LP von Marius Müller-Westernhagen erschienen, verwirklichte sich der Meister des Rock zum ersten Mal ohne Hilfe als Komponist und Texter. Heraus kam eine der wohl bekanntesten Deutschrock-Aufnahmen überhaupt.
Gespickt mit heimlichen Hits wie „Mit 18“, „Dicke“ (das tatsächlich an Randy Newmans Song „Short People“ angelehnt ist und dessen Ironie gerne überhört wird) und „Johnny W.“, hat Westernhagen ein äußerst authentisches, teilweise autobiographisches Stück Rockmusik der späten 70’er hinterlassen, dem es nie am textlich nötigen Schuß Blues mangelt. Alle Begleitmusiker sind insgesamt hervorragend, was, neben Namen wie Nick Woodland (Gitarre), allein die Einspielzeit von nur sieben Tagen beweist. Die Texte ziehen ein weites Spektrum von rotzfrech über Kult bis hin zu schmachtenden Balladen voller Witz und Niveau, wobei der Inhalt durchaus Alltägliches widerspiegelt.

Alles in allem die wahrscheinlich beste, mit Sicherheit die kultigste Scheibe Marius Müller-Westernhagens und gewiß nicht zu Unrecht sein heimlicher Bestseller. (Felix von Vietsch)Marius Müller-Westernhagen hatte ja bis dieses Album entstand eine sehr bewegte Biographie hinter sich; vermutlich aus deshalb sind seine Texte auch so intensiv.

Schaut man sich die Besetzungslister dieser LP an, kann man getrost davon ausgehen, dass damals die Creme de le Creme der deutschen Rockmusik an Bord war.
in der Kneipe
Besetzung:
Karl Allaut (guitar)
Jean Jacques Kravetz (keyboards)
Olaf Kübler (saxophone)
Lothar Meid (bass)
Marius Müller-Westernhagen (vocals, harmonica, percussion)
Nick Woodland (guitar, background vocals, percussion)
Jean Paul Zimbris (drums, percussion, background vocals)
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Titel:

01. Mit 18 (Müller-Westernhagen) 5.09
02. Zieh‘ dir bloß die Schuhe aus (Müller-Westernhagen) 3.00
03. Willi Wucher (Müller-Westernhagen) 4.08
04. Oh, Margarethe (Müller-Westernhagen) 2.58
05. Alles in den Wind (Müller-Westernhagen) 3.40
06. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz (Müller-Westernhagen) 2.45
07. Dicke (Müller-Westernhagen) 4.05
08. Giselher (Müller-Westernhagen/Schenkelberg) 5.32
09. Grüß mir die Genossen (Müller-Westernhagen) 3.45
10. Johnny W. (Müller-Westernhagen) 3.25

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Marius Müller-Westernhagen – Radio Maria (1998)

FrontCover1Doch, doch, der Mann hat schon was zu sagen, wenngleich mir seine Musik nur bedingt zusagt.

Funky-Marius: Der Rockstar singt über traurige Cowboys, alte Männer und den Heiland – und kombiniert knifflige Texte mit seiner typisch gradlinigen Musik.

Westernhagen – was für eine Institution. Ein feststehender Begriff wie Tempos, Nutella oder Maggi. Nur für was steht er? Für die Urväter der deutschen Popmusik oder für besonders deutsche Musik im allgemeinen? Oder gar für Tradition? Für Westernhagen will ich das mal nicht hoffen, obwohl es ja leider so ist, daß das Publikum am liebsten sein eigenes Gedächtnis beklatscht, wie das der tolle Humorschreiber Max Goldt so schön formuliert hat. Und weil das Publikum immer nur bei den Stücken applaudiert, die es auch kennt und erwartet, ist es ein schlechter Kritiker.

Ich nehme mal an, daß Marius sich selbst als flexiblen Künstler betrachtet, als einen Fan des amerikanischen Grooves. An seinen Status als Markenprodukt hat er sich hoffentlich gewöhnt. Ich stelle mir den großen Marius vor, wie er zu Hause an Songideen arbeitet und natürlich auch sein Image und sein Älterwerden auf der Schulter sitzen hat – wie ein Papagei, der ständig dazwischenquasselt und so für einen enormen kreativen Druck sorgt.

Werden Tausende von Kritikern krächzen, er sei mit knapp 50 langsam zu alt für den Rock’n’Roll? Werden die Fans mal wieder behaupten, daß ihnen die alten Sachen besser gefallen haben? In meinen Alpträumen sehe ich ein opportunistisches, halb devotes Heer von Managern, Produzenten und Studiomusikern, die zu fast allem, was Westernhagen vorschlägt, immer gerne „Super, Marius, machen wir so“ sagen. Führt so was auf Dauer zu einem überzogenen oder verkümmerten oder gesunden Ego? Wie setzt sich wohl die Motivation zur Albumproduktion zusammen? Wie ist das Entscheidungsvieleck aus Gewohnheit, Geld, Lust, Vertragsverpflichtung, Gruppenzwang und Ego gewichtet?

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Zugegeben, ich bin ein ziemlicher Westernhagen-Laie. Einmal beim Durchzappen „Theo gegen den Rest der Welt“ für zehn Minuten angesehen, die Singles kenne ich aus Radio und Musikfernsehen. Immer wenn ein neues Album erscheint, erzählen mir zwei Dutzend Freunde und Musikbranchisten ihre Meinung dazu. Dabei interessieren mich deren Ansichten eigentlich weniger. Viel toller ist der Phantasie-Spielraum zwischen dem Künstler, den ich nicht persönlich kenne, und seinem Werk, und diesen Spielraum kann ich selbst mit Personality-Mutmaßungen und wilden Theorien über lustlose Zwangskreativität füllen.

Direkte Begegnungen zwischen Westernhagen und mir fanden nur hinter irgendwelchen Bühnen im Vorübergehen statt und beschränkten sich auf gegenseitige Sympathiebekundungen. Es ist sehr einfach und auch bequem, einander einfach nur gut zu finden. Zum einen beweist das eine gewisse Höflichkeit, zum anderen dient es dem Erhalt meiner Interpretationsmöglichkeiten: Rummäkeln kann man immer, aber das Album von jemandem zu loben, den man eigentlich doof findet, ist ziemlich schwer.

Natürlich habe ich uneingeschränkten Respekt vor der Person Westernhagen. Ich höre aus früheren Liedern wie „Dicke“ oder „Sexy“ das raus, was auch ich selbst gern in deutschsprachiger Musik höre und sehr stark in ihr vermisse. Nämlich groovy und funky zu sein. Eine gewisse schwingende Schwärze zu haben und auch mal soulig einfach „Yeah“ zu sagen oder sonstige Tanz- und Groove-Geräusche wissentlich in die Aufnahme zu plappern. Die deutsche Popmusik ist mir zu steril, und für die Aufweichung gängiger Vortragsmethoden bin ich der Marke Westernhagen dankbar.

Endlich drängt mir der SPIEGEL ein Album von ihm auf und zwingt mich mit Geld und Ruhm, es mir von vorne bis hinten anzuhören. Den kleinen Zweifel, ob ich überhaupt kompetent genug bin, beiseite gefegt: Letztendlich sollte es um die neue Platte gehen. Und die ist interessant.

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Textlich habe ich durchaus meinen Spaß. Natürlich nicht durchgehend. „Durch deine Liebe“ ist – wie die ungeile Single „Jesus“ – ein Religionsthema, allerdings textlich mit Abstand das Trivialste auf dem Album. Wenn ein solcher Titel mit den Worten beginnt „Du machst Blinde sehn, du machst Lahme gehn“, dann brauche ich nicht mehr weiterzuhören, weil ich ohnehin schon weiß, was passiert. So wie der Text der Langeweile-Koeffizient dieses Gottvater-Songs ist, so klingen für mich, den Rockgeschichts-Laien, die Gitarren der Sohnemann-Jesus-Single: öde. Wie die heutigen Rolling Stones.

Das ist schade, denn große Teile der Platte sind sehr unterhaltsam. Ganz weit vorne ist „Walkman“, welches sich zwischen Paul-Simon-Graceland-Sound und Rock-Ragtime abspielt. Das paßt in mein Bild vom Funky-Marius und paßt zu seiner Art, Deutsch zu einer griffigen Unterhaltungsmusiksprache zu machen. Das Wort „Walkman“ wirkt in dem Lied sogar ein wenig deplaziert, und das will was heißen, schließlich ist der Begriff inzwischen so englisch wie deutsch.

Das Stück schildert ein klassisches Altehen-Schicksal: Ein dicker Bankier angelt sich in seinem Alter noch eine Lolita („ein Mädchen mit Hang zum Personal“). Die Ehefrau will sich daraufhin scheiden lassen. Ihm ist das egal. Magic Word: Ehevertrag. Der Ätsch-Refrain: „Ich sitz‘ in deinem Walkman und schreie dir ins Ohr – ich trage keine Waffen; das ist nicht mein Ressort.“ Und dann: „Ich bin kein Schwarzenegger, kein Bombenmuselmann, eher wie Boris Becker, dem du blind vertrauen kannst.“ Bomben, Boris, Becker, blind, alle B auf den Punkt – das macht Laune.

„Alleine“ geht ähnlich ab: Black-Crowes-Südstaaten-Bluesrock mit Druck und einer kleinen Prise Popmusikhochschule. „Alleine – ohne Aufschub – ohne Elfmeter“. Da wird gebrüllt und geschrien. Yeah. Kurz beschleicht mich der Gedanke, daß ich hier in eine Zielgruppenfalle für die ewigen Marius-Rock-Fans getappt bin. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß der Hörer immer komplizierter denkt als der Sänger.

Bei der rockerfrivolen Bonnie-und-Clyde-Variante „Rosamunde“, welche in den ersten zwei Zehntelsekunden an „Hurra, hurra, die Schule brennt“ von Extrabreit erinnert, komme ich dann aber wieder ins Grübeln. „Rosamunde – geiles Biest – ohne Höschen nach Paris“ klingt mir zu sehr nach Pose und dem Wunsch, das frühe Publikum zu bedienen.

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Natürlich kann ich leicht ein paar Lieder in Schubladen ablegen. Festen Willens, keine abgegriffenen Grönemeyer-Parallelen zu bemühen, drängt sich mir bei „Wieder hier“ doch der Eindruck auf, die Marius-Variante eines Ruhrpott-Heimatlieds wie „Bochum“ zu hören – auch wenn die sich hier subtiler als Lovesong tarnt. Wird im Westfalenstadion sicher der Live-Knaller.

Auch meine Vorstellung vom Altersproblem des Künstlers und der daraus resultierenden Imagefrage kann ich, so scheint es, bei der Ballade „Kind von gestern“ unterbringen. „Ich bin ein Kind von gestern – ich hab mein Herz verkauft an einen Mann von morgen, er war nicht mal getauft.“ Aber Irrtum, alles falsch verstanden. Die Erkenntnis kommt erst beim dritten Hörversuch. Da singt Westernhagen: Als „meine erste Frau mir einen Sohn gebar, als sie noch Jungfrau war … Ich bin verkleidet als Prophet“. Es geht also gar nicht um den älter gewordenen Mann von morgen, sondern: schon wieder um den Heiland. Durch Kniffligkeit der Verse hat der Songschreiber den Kritiker blamiert. Hier steckt der Unterhaltungswert im Text: zuhören, nachdenken, verstehen. Zuhören allein reicht nicht.

Schön ist das ergreifende „Hoffnung“, weil ich finde, daß Lieder über die Liebe nicht einfach zu schreiben sind, wenn sie Substanz haben sollen. Trotz kitschigen Liederjan-Sounds und Barclay-James-Harvest-trifft-Pink-Floyd-Refrains gehört die Wird-aus-unserer-langen-Up-and-down-Beziehung-noch-mal-was- Geschichte zu meinen Textfavoriten, die ich obendrein grübellos verstanden habe.

Manch anderes habe ich allerdings nicht begriffen. Warum betrauert Westernhagen beispielsweise den geplatzten Traum von wahrer Liebe, indem er ausgerechnet die Geschichte eines Cowboys erzählt? Der erschießt den Freier der Saloontänzerin „Lola Blue“ aus Liebeskummer und wird dann zur Strafe erhängt („kein Happy-End spielte die Band, und selbst mein Pferd hat die Hinrichtung verpennt“). Die Musik klingt wie eine Roger-Whittaker-Country-Ballade. Der Popstar als Westernheld? Oder der Westernheld als Popstar? Jetzt hätte ich gern eines dieser Reclam-Interpretationshilfe-Bändchen.

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Musikalisch wird für mich mit „Radio Maria“ in keinster Weise das Rad neu erfunden. Vielleicht haben Westernhagen und seine Mitspieler aber nur an alten Tugenden festgehalten, statt sich mit aufgesetzten Experimenten musikalisch für Leute wie mich zu liften. Vielleicht ist ihm die ganze Grüblerei und Taktiererei auch vollkommen egal. Das würde ich ihn gerne mal fragen. Passenderweise bei einem Glas Nutella.(Der Spiegel 33/1998)

Soweit so gut, aber da will ich doch nochmals ganz laut und deutlich darauf hinweisen, dass der Song „Jesus“ für mich in die Kategorie „Killersong“ gehört … Hammerakkride und dann diese triumphale Orgel und dann als Sahnehäubchen – man glaubt es kaum – mit einem entfesselt aufspielendem Mundharmonikaspieler namens Marius Müller-Westernhagen …

Und sein „Du hast dich nie gewehrt“ lässt einen einfach verstummen …

Und dann – zumindest für mich ziemlich verblüffend, lese ich dass ein gewisser Pete Wingfield nicht nur die Tasten bediente, sondern auch gleich noch als Co-Produzent (neben Westernhagen) fungierte. Pete Wingfield, der mich seit Ende der60er Jahre musikalisch begleitete und dessen Aufnahmn mit Jellybread einfach nur ganz großartig sind (müsste ich mal auf meinem internationalem blog präsentieren *ggg*)

Also, der Mann hat schon was zu sagen …

Booklet-7A

Besetzung:
Julie Andrews (bassoon)
Julian Crampton (bass)
Blair Cunningham (drums)
Martin Ditcham (percussion)
Marius Müller-Westernhagen (vocals, harmonica, omnichord)
Nico Ramsden (guitar)
Jay Stapley (guitar)
Pete Wingfield (keyboards)
Helmut Zerlett (organ)
+
Madeleine Lang (vocals bei 11.)
Chris Laurence (double bass)

Background vocals:
Billy King – Madeleine Lang – Marion Schwaiger – Rolf Köhler

Cello:
Martin Loveday – Paul Kegg – Tony Lewis

Viola:
Garfield Jackson – Kate Wilkinson – Pete Lale

Violin:
Alison Dodds – Boguslav Kostecki – Dave Woodcock – Eddie Roberts – Gavyn Wright – Pat Kiernan – Perry Montague-Mason –  Tom Bowes – Vaughn Armon

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Titel:
01. Jesus  4.03
02. Lola Blue 4.51
03. Supermann 4.44
04. Walkman 2.46
05. Hoffnung 4.26
06. Alleine 3.05
07. Durch deine Liebe 6.11
08. Rosamunde 3.40
09. Du hast dich nie gewehrt 4.31
10. Wo ist Behle? 3.06
11. Wieder hier 6.26
12. Kind von Gestern 4.34

Musik und Texte: Marius Müller-Westernhagen

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Marius Müller-Westernhagen – Westernhagen Live (1990)

FrontCover1Live ist das erste Live-Album von Marius Müller-Westernhagen. Es wurde am 28. September 1990 bei WEA Records veröffentlicht.

Westernhagen und seine Band absolvierten im November und Dezember 1989 vor rund 500.000 Zuschauern die Tournee zum Album Halleluja.
Der Auftritt am 20. Dezember 1989 in der Dortmunder Westfalenhalle vor 20.000 Zuschauern wurde für das Album mitgeschnitten. Danny Dawson, René Tinner und Marius Müller-Westernhagen mischten die Aufnahmen im Can Studio in Weilerswist ab, ohne für die Nachbearbeitung Overdubs zu verwenden.
Die im Oktober 1990 ausgekoppelte Single Freiheit gilt neben Wind of Change der aus Hannover stammenden Hard-Rock-Formation Scorpions als eine der Hymnen der deutschen Wiedervereinigung.
Beim deutschen Bundesverband Musikindustrie wurde 1996 die dritte Platinschallplatte für mehr als 1,5 Millionen verkaufte Tonträger zertifiziert. (Quelle: wikipedia)

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Über den Erfolg dieses Albums brauchen wir also nicht mehr reden … und selbst ein Österreicher war ganz begeistert ob dieser Aufnahmen:

Dieses Live Doppelalbum ist magisch! Als Österreicher habe ich jetzt nicht den ganz intimen Bezug zu Marius‘ Liedern, auch wenn sie sich zeitweilig ins österreichische Radio verirrten. Das was ich kannte, gefiel mir immer. Aber genau dieses Live-Album haut mich echt vom Hocker! Und zwar JEDES mal, wenn ich es einlege!! Marius schnalzt seine urdeutschen Klassiker so bluesrockig unters begeisterte Publikum, dass sich die Balken biegen! Herrlich ungezwungen und völlig befreit von jeglichem vorgegebenen Zeitzwang; jeder Song darf die Zeit beanspruchen die er einfach braucht! Und Marius singt von klar bis typisch krächzend, irrsinnig pur und ungekünstelt. Einfach herrlich echt, dieser Mann! Die instrumentale Begleitung darf sich getrost zum Besten zählen!

Daher auch mein Vergleich mit Bruce Springsteen und dessen phänomenaler E-Street Band. Marius kommt so intensiv, dass sich dieser Vergleich für mich einfach aufdrängt! Die Stimmung könnte auch der „BOSS“ nicht besser hinkriegen, musikalisch steht Marius‘ Begleitband der E-Street Band kaum nach!

Single

Dieses Album  ist in allen Belangen einfach ein Hammer! Perfekt für die starken Momente im Leben!!! Kompliment, Herr Marius Müller-Westernhagen!!! (Smilodonam)

Nun ja, ich habe ja keine so große Affinität zum dem Müller-Westernhagen … Aber eines muss man im lassen: Bei diesem Album geht schon ganz gewaltig die Post ab (da sind schon etliche Kracher dabei wie z.B. „Ladykiller“) und mit dem Gitarristen Jay Stapley hatte er wirklich ein Ass im Ärmel. Überhaupt die ganze Band weiß zu überzeugen, aber das ist auch klar, der Marius holte sich natürlich keine Langweiler auf die Bühne.

Man höre sich mal den Blues „Lieben werd‘ ich dich nie“ an !!

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Besetzung:
Dave Bishop (saxophone)
Dave Plews (trumpet)
Christian Schneider (saxophone, keyboards, guitar, background vocals)
Jay Stapley (guitar)
Vince Sullivan (trombone)
Charlie T. (drums)
Raoul Walton (bass, background vocals)
Marius Müller-Westernhagen (vocals, guitar, harmonica)
Helmut Zerlett (keyboards, background vocals)

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Titel:

CD 1:
01. Händel´s Halleluja (Intro) 1.11
02. Fertig 3.18
03. Weißt du, dass ich glücklich bin 7.34
04. Nur ein Traum 3.57
05. Keine Zeit 4.41
06. Lieben werd‘ ich dich nie 8.13
07. Ladykiller 3.56
08. Halleluja 5.05
09. Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz 6.28

CD 2:
10. Lieb‘ mich 5.15
11. Ganz und gar 4.59
12. Sexy 6.15
13. Nimm mich mit 8.20
14. Dicke 4.14
15. Lass‘ uns leben 5.13
16. Geiler is‘ schon 2.31
17. Freiheit 2.48
18. Johnny W. 5.33

Musik und Texte: Marius Müller-Westernhagen

CD1

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Merchandising

Na klar … Merchandising …

Verschiedene Interpreten – Greenpeace (1984)

FrontCover1Es gab ja nicht nur diese Benefiz-LP´s der Aktion Sorgenkind & Co. Nein, auch die alternative, die linke „Szene“ hatte ihre Ideale, die es auch musikalisch zu unterstützen galt.

Die aufkeimenden Umwelt- und Ökobewegung (die „Grünen“ waren mittlerweile im Bundestag zu Bonn und verblüfften mit ihrem alternativen Verhaltensweisen die traditonellen Partein … und ich saß damals feixend vor dem Fernseher) hatte natürlich mit dem Flaggschiff „Greenpeace“ seine Helden.

Und das zu recht ! Mit ihren „radikalen“ Aktionen sorgten sie für die notwendige Aufmerksamkeit für den Zustand unserer Erde … Und diese Album sollte den Kauf eines Schiffes für Greenpeace unterstützen … immerhin 3 DM pro LP sollte Greenpeace zweckgebunden zufließen …

Fast 30 Jahre später macht dieses Album insofern weiterhin Freude, weil man damit auch einen Querschnitt der damaligen deutschsprachigen Rockmusik zu hören bekommt und erfreulich und überraschend kommt es mir vor, dass die meisten der damaligen Künstler sich bis heute halten konnten, bzw. bis heute nicht vergessen sind. Von BAP (mit ihrem brillianter „Kristallnaach“ über den gewohnt schnodrigen Udo Lindenberg bis hin ja, auch bis hin zu Peter Maffay, der durchaus was zu sagen hatte.

Und auf der Rückseite dieser LP kann man dann folgenden Text lesen:

Warum ...
Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017:

In Duschgels, Peelings oder Make-up finden sich winzige Plastikpartikel, beispielsweise als Schleifmittel, Filmbildner oder Füllstoff. Aber auch flüssige und wachsartige Kunststoffe werden in Kosmetik- und Körperpflege-Produkten eingesetzt. Mit dem Abwasser gelangen die vermeintlichen Helfer in Flüsse und Meere, kein Klärwerk kann sie vollständig aufhalten.

Die Folgen: Zanderlarven futtern Mikroplastik statt Plankton. Im Kot von Seehunden und Kegelrobben, in den Därmen von Dorschen und Makrelen, in den Körpern von Miesmuscheln und Nordsee-Garnelen – überall haben Wissenschaftler den quasi unverrottbaren Werkstoff bereits nachgewiesen. Im Mittelmeer ebenso wie in der Nordsee, selbst in den entlegenen Gewässern der Arktis und der Antarktis.

Microplastics Found in Fish

Mit Ihrer Hilfe kann Greenpeace Industrie und Politik zum Handeln auffordern: Studien und Laboranalysen beweisen den Einsatz von Plastik in der Kosmetikherstellung. Die freiwilligen Selbstverpflichtungen von L’Oréal und Co., auf Plastik zu verzichten, entlarvt Greenpeace als Lippenbekenntnisse und setzt sich für ein gesetzliches Verbot in Deutschland ein. Mit unserem weltweiten Netzwerk unabhängiger Greenpeace-Büros arbeiten wir daran, grenzüberschreitende Lösungen für eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit zu finden: die schleichende Vergiftung des Meeres und aller Lebewesen, die aus ihm hervorgehen, mit Plastik.(Quelle: Greenpeace.de)

Der Kampf geht weiter ! Und ab dem heutigen Tage bin ich nun Mitglied bei Greenpeace.

BackCover1

Titel:
01. BAP: Kristallnaach (BAP/Niedecken) 4.56
02. Udo Lindenberg: Commander Superfinger (Lindenberg/Kübler) 4.10
03. Ulla Meinecke: Zauberformel (Evans/Meinecke) 3.44
04. Novalis: Kleinwenig Mehr (live) (Job/Mühlböck) 3.15
05. Bots: Diese Nacht (Sanders/Lindenberg/Heirei/Walraff) 3.45
06. Konstantin Wecker: Noch lädt die Erde ein (Wecker) 3.03
07. Peter Maffay: Der Baum des Lebens (Schirmann/Zuckowski) 3.22
08. Ina Deter Band: Mit Leidenschaft (Deter) 3.39
09. Hans Hartz: Vor meinem Fenster steht ein Baum (Hartz) 3.08
10. Georg Danzer: Atlantis (Leitch/Danzer) 4.25
11. Ludwig Hirsch: Hobellied (Kreutzer/Raimund/Hirsch) 3.33
12. Marius Müller-Westernhagen: Laß uns leben (Müller-Westernhagen) 4.20
13. Hannes Wader: Reine Natur (Wader/Hoop) 3.13
14. Trio: W. W. W. (Wir wollen watt) (Remmler/Kralle/Czukay) 3.46

LabelB1

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PlastikmüllImMeer

Ohne Worte …