Hermann Leopoldi – Der Krankenkassenpatient + Ich bin ein Durchschnittswiener (1958)

FrontCover1Eine wahrhaft wackere Bigraphie:

Hermann Leopoldi (* 15. August 1888 in Gaudenzdorf, Meidling-Schönbrunner Straße (heute Wien, 12. Bezirk, Schönbrunner Straße 219[1]) als Hersch Kohn; † 28. Juni 1959 Wien, 9. Bezirk, Mariannengasse 10 (Poliklinik)), war ein österreichischer Komponist, Kabarettist und Klavierhumorist.

Sein Vater Leopold Kohn – die offizielle Änderung des Familiennamens in Leopoldi erfolgte 1911[2] – war Musiker und brachte seinen Söhnen Ferdinand (1886–1944) und Hermann das Klavierspiel bei. Er bemühte sich auch um Engagements für die beiden; 1904 ging Hermann bereits in sein erstes Engagement als Klavierbegleiter, später wurde er Kapellmeister, Barpianist und bald Klavierhumorist und Komponist.

1911 heiratete er Eugenie Kraus (1894–1982), aus der Ehe gingen zwei Kinder, Norbert (1912–1992) und Gertrude (1915–1992), hervor. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges rückte er ein und betätigte sich bald als Klavierhumorist und Kapellmeister im Frontvarieté. 1916 erfolgte sein erster großer Auftritt im Wiener Etablissement Ronacher. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Unterhaltungsbedürfnis groß, dementsprechend waren auch die Brüder Leopoldi viel beschäftigte Künstler. 1922 eröffneten sie schließlich zusammen mit dem Conférencier Fritz Wiesenthal das Kabarett „Leopoldi-Wiesenthal“, kurz „L.W.“, in der Rothgasse 5 im ersten Wiener Gemeindebezirk. Das Lokal wurde bald weit über die Landesgrenzen bekannt. Neben Leopoldi-Wiesenthal traten hier mehr oder weniger regelmäßig Charlotte Waldow, Franzi Ressel, Armin Berg, Hans Moser, Szöke Szakall, Max Hansen, Fritz Grünbaum, Karl Valentin oder Raoul Aslan und Otto Tressler auf. 1925 mussten sie das Lokal jedoch aus finanziellen Gründen schließen, keiner der Betreiber hatte jemals kaufmännisches Handeln erlernt. Daraufhin gastierten sie in Berlin, in der Schweiz und unternahmen Tourneen.

„Am Klavier: Leopoldi von der Savoy-Bar in Wien“, Baden, 1913

„Am Klavier: Leopoldi von der Savoy-Bar in Wien“, Baden, 1913

Hermann Leopoldi wurde langsam zu einem der populärsten Liederkomponisten und Vortragskünstler. Er schuf die Musik zu Wienerliedern und Chansons, vertonte Texte von Peter Herz, Rudolf Skutajan, „Salpeter“ (d.i. Karl Pollach), Theodor Waldau, Robert Katscher, Fritz Löhner-Beda, Fritz Rotter oder Hanns Haller. Seine Bühnenpartnerin war ab 1929 Betja Milskaja, eine gebürtige Russin. Gemeinsam gastierten sie unter anderem in Berlin, Paris, Budapest, Bukarest, Prag, Karlsbad und natürlich Wien.

Um dem unmittelbar drohenden Anschluss Österreichs am 11. März 1938 zu entkommen, fuhren beide noch in der Nacht zu einem schon geplanten Auftritt am 12. März nach Brünn. Der bereits mit Flüchtlingen überfüllte Zug, unter ihnen war auch Fritz Grünbaum, wurde an der tschechischen Grenze angehalten. Edvard Beneš hatte die Grenze für Flüchtlinge sperren lassen, und so wurden alle zurückgeschickt. Am 26. April 1938, Leopoldi hatte zusammen mit seiner Frau bereits die Einreise in die USA vorbereitet, wurde er aus seiner Wohnung zur „Auskunft“ ins Polizeikommissariat gebracht, von dort in das Notgefängnis in der Karajangasse und anschließend ins KZ Dachau überstellt, wo er gemeinsam mit Fritz Grünbaum, Paul Morgan und Fritz Löhner-Beda inhaftiert war. Im September 1938 wurden sie ins KZ Buchenwald deportiert. Dort entstand das Buchenwaldlied, zu dem er auf den Text von Löhner-Beda die Musik komponierte. Die Melodie zum so genannten Dollfußlied (Lied der Jugend) stammt dagegen Peter Diem zufolge von Alois Dostal (Wien 1878–1953 Wien) und nicht von Leopoldi, dem es weithin zugeschrieben wurde. Textdichter und Komponist traten unter dem Pseudonym Austriacus auf; es wurde auch von den Nationalsozialisten Hermann Leopoldi zugeschrieben, der im KZ festgehalten wurde, bis Rudolf Henz als Zeuge bestätigte, dass Leopoldi mit dem Dollfußlied nichts zu tun habe.

Inzwischen konnten seine Frau, die bereits in den USA war, und deren Eltern Leopoldi „freikaufen“ und schickten ein Affidavit. Er gelangte über Hamburg nach New York, wo er von Familie und Reportern erwartet wurde. Gleich nach dem Betreten amerikanischen Bodens küsste er diesen, ein Bild, das um die Welt ging.

LeopolidInNewYork
Dieser Beginn half ihm beim Einstieg in das amerikanische Unterhaltungsgeschäft. Bald trat er in „Eberhardt’s Café Grinzing“ in New York mit seinen Wiener Liedern auf und lernte dort Helly Möslein, seine spätere Bühnen- und Lebenspartnerin, kennen. Mit den ebenfalls emigrierten Textdichtern wie Robert Gilbert, Kurt Robitschek, Arthur Berger und auch mit Helly Möslein wurde Leopoldis Repertoire an die neue Sprache angepasst. Mit I am a quiet Drinker oder A Little Café Down the Street konnten beide bald mit großem Erfolg eigene Vorstellungen in deutschsprachigen New Yorker Exilcafés, wie dem „Old Vienna“ oder im „Viennese Lantern“, und auch in anderen Städten der USA geben.

Nach Kriegsende und auf Einladung des damaligen Unterrichtsministers Hurdes sowie des Wiener Kulturstadtrates Matejka kehrten Leopoldi und Möslein 1947 nach Wien zurück. Leopoldi konnte dort weitermachen, wo er 1938 jäh unterbrochen worden war. Bars, Varietés, Vergnügungslokale rissen sich um ihn, er unternahm gemeinsam mit Möslein Tourneen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. 1955 wurde ihm und Möslein ein Sohn Ronald geboren.

Hermann Leopoldi, Helly Möslein und Arthur Berger (v.l.n.r.), USA ca. 1943

Hermann Leopoldi, Helly Möslein und Arthur Berger (v.l.n.r.), USA ca. 1943

 

Sein ehrenhalber gewidmetes Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof, (Gruppe 15C, Reihe 2, Nr. 18) wo auch seine Lebenspartnerin Helly Möslein beerdigt ist. (Quelle: wikipedia)

Angesichts dieser Biographie kann man mal wieder nur staunen, dass dieser Mann seinen Humor nicht verloren hat. Und davon hatte er genug, wie man sich bei dieser Single überzeugen kann …. Wiener Schmäh in Perfektion und Reinkultur !

BackCover1

Besetzung:
Hermann Leopoldi (piano, vocals)

Single mit Firmencover

Titel:
01. Der Krankenkassenpatient (Leopoldi/Haller) 4,27
02. Ich bin ein Durchschnittswiener (Leopolid/Berndt) 2.56

LabelA1

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Brief von Hermann Leopoldi aus dem KZ Buchenwald an Eugenie Leopoldi (Januar 1939)

Franz Kutschera – Die Abenteuer des braven Soldaten Schweijk (Jaroslav Hašek) (Hörbuch) (1958 – 2010)

FrontCover1Ganz sicher ein Klassiker, der auch in deutschen Landen immer wieder auf großes Interesse stieß … hüben wie drüben …

Die Zeit hat dann mal beschlossen, dieses Buch ganz besonders zu würdigen:

Als Hašek um 1910 – wahrscheinlich nach einer Zechtour – eine jener zahllosen Geschichten verfaßte, mit denen er das Geld für seine Zechtouren verdiente, diesmal zur Abwechslung über einen einfältigen Soldaten, dessen Einfälle seine Vorgesetzten zur Verzweiflung und in Gefahr bringen, hatte selbst der Autor – von der Welt ganz zu schweigen – keine Ahnung, daß der tschechische Urfaust entstanden war, der Keim eines Werkes, das siebzig Jahre später auch die Redaktion der ZEIT unter „die 100 Bücher der Weltliteratur, die man lesen sollte“, aufnehmen würde.

Hasek mußte allerdings noch ein weiteres Dutzend Jahre, einen Weltkrieg und eine welterschütternde Revolution durchleben, damit die gängige Humoreske zu jenem einzigartigen Roman heranreifte, der sowohl die elementaren Zeichen seiner Zeit als auch die Situationen und Gestalten einfing, die immer wieder auf der Turmuhr der Geschichte vorüberziehen, nur in neuen Kostümen und mit neuen Accessoirs.
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In Böhmen gibt es indes neben den unzähligen Lesern, die den Schwejk zitieren wie ein Pater die Bibel, auch zahlreiche, die ihn nach wenigen Seiten weggelegt haben. Denn der Schwejk ist eines der Bücher, die gleichsam nicht geschrieben, sondern herausgeschleudert wurden; deshalb wirken sie eher wie lebendige Organismen denn wie Kunst: Dieses endlose Konglomerat von Anekdoten, dessen Handlung von Episode zu Episode schweift, aus dem Gestalten geheimnisvoll verschwinden, in dem das Genre von obszöner Possenreißerei ins sittenbildhafte Traktat hinüberschillert, fasziniert den Leser entweder immer wieder aufs neue, oder es stößt ihn ein für allemal ab. Ich habe nicht die Absicht, diese irrationale Begegnung zu beeinflussen, ich schreibe keinen Werbetext, sondern einen Brief an jene, die dem braven Soldaten Schwejk verfallen sind.

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Jaroslav Hašek in seinen letzten Lebensjahren

Der Roman ist ein Handbuch der unbewaffneten Selbstverteidigung des Bürgers, der gleich zweimal ausgepreßt wird: durch die Presse eines totalitären Regimes und durch die einer Besatzungsmacht. Sich gegen beides aufzulehnen, dazu fehlt es ihm an Kraft. Sich nicht aufzulehnen, bedeutet entweder, physisch ausgepreßt zu werden, als Bestandteil einer anonymen Menschenmasse, die für fremde Interessen als Kanonenfutter in die Schlacht geworfen wird, oder psychisch, wenn er aus Angst oder Bequemlichkeit anfängt, mit dem Regime und der Macht entgegen den Interessen seiner Gemeinschaft zu kollaborieren. Schwejk, Angehöriger eines Volkes, dem seine Aristokratie gewaltsam genommen wurde und dessen Intelligenz sich daher unmittelbar aus dem Volk rekrutiert, findet eine geniale Lösung, zu der wohl Intellekt als auch Instinkt beitragen: Er beginnt hohle Phrasen, die das totalitäre Regime und die Besatzungsmacht wie Reklameballons hochsteigen lassen, mit nimmermüder Aktivität zu füllen, bis dieser Ballast sie in Klötze verwandelt, die den Urhebern in den Weg und auf den Kopf fallen.

DeutscheErstausgabe1928

Deutsche Erstausgabe 1928

Schwejk ist ein Antiheld, der eine Antikraft produziert, die geplante Situationen in ihr Gegenteil verkehrt. Dieser Effekt, in der konkreten historischen Situation, da Österreich den Krieg zu verlieren beginnt, durch die hämische passive Resistenz des besetzten Volkes vervielfacht, trug zweifellos zur Beschleunigung des Debakels bei. Dieses hatte freilich auch anderes und ernstere Ursachen. Trotzdem wurde Schwejk in Böhmen zu seinem Symbol. Der Antiheld wurde von eben jener Mehrheit zum Helden gekürt, die mit der Besatzungsmacht generationenlang aktiv zusammengearbeitet hatte. Ein nur scheinbares Paradoxon. Schwejk als Widerstandskämpfer besitzt eine erstaunliche Eigenschaft: Er hinterläßt keine sichtbare Spur, und deshalb kann jeder sich für Schwejk halten. Masaryk? Gut, er hat den Widerstand außer Landes organisiert und die Alliierten dahingehend überzeugt, aus einem Teil der österreichisch-ungarischen Trümmer den tschechoslowakischen Staat zusammenzuleimen. Doch wo wäre Masaryk geblieben, hätte nicht zuvor Schwejk Österreich zerstört (sprich: wir!).Die moderne Zeit kennt Streiks, bei denen ganze Industrie- und Verkehrszweige dadurch lahmgelegt werden, daß die Arbeitnehmer sich buchstabengetreu nach den Vorschriften richten. Schwejk ist ihnen im Bereich der Ideologie zuvorgekommen. Seine aufreibende staatsbürgerliche Loyalität, die selbst die Polizei entwaffnet, seine gefährliche kriegerische Ungeduld, mit der er seine Offiziere aus der sicheren Etappe an die unsichere Front treibt, und vor allem sein unausgesetztes Glaubensbekenntnis für den Sieg des Hauses Habsburg – desto unerschütterlicher, ja weniger berechtigt –, all dies lähmt und deprimiert die Repräsentanten der Macht, schließlich verstört es sie. Da haben sie sich jahrzehntelang viribus unitis bemüht, den Musterbürger zu erschaffen. Nun steht er vor ihnen, und es gelingt ihnen nicht, zu unterscheiden: Ist er so durchtrieben oder so blöd? Wäre wenigstens eines dieser beiden Übel das kleinere! Doch das eine ist noch schlimmer als das andere: Falls Schwejks Unbefangenheit nur die Maske der Durchtriebenheit ist, woher dann die Gewißheit nehmen, daß er nicht gleich mit dem ersten Schuß den Vorgesetzten fällt? Und ist sie Ausdruck der Blödheit, wer garantiert dann dem Vorgesetzten, daß er nicht ins Verderben gerissen wird? So oder so bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine gesamte Energie aufzubieten, um die Energie des Untergebenen in sicheren Grenzen zu halten. Auf diese Weise wirken zwei Energien, die vereint gegen den Feind wirken sollten, gegeneinander und stören sich gegenseitig.

Darin liegt die Erklärung, warum auf der böhmischen Turmuhr der brave Soldat Schwejk den Präsidenten Masaryk bis heute überlebt hat, warum er Massenauflagen erlebt, während Masaryk längst eingestampft worden ist. Das gegenwärtige Regime und die dahinterstehende Macht wissen inzwischen sehr wohl, daß die Entstehung und jede weitere Inkarnation eines echten, gefährlichen Schwejk von zwei Faktoren bedingt werden: Die Macht muß müde sein, der Bürger bei Kräften. Deshalb ist Brechts „Schwejk im Zweiten Weltkrieg“ ein naives Stück, das höchstens beweist, wie die Zeit die Erfahrungen des Autors überholt hat: Der Nazismus auf der Höhe seiner Kraft hat den Schwejk verscheucht, weil er zwischen „Schwejkismus“ und Sabotage keinen Unterschied gemacht, sondern für beides das Beil bereitgehalten hat. Deshalb darf der brave Soldat Schwejk auch heute noch in jedem tschechischen Lokal hängen; er reflektiert nichts anderes als einen harmlosen frommen Wunsch der Bürger, die vom Dahintrudeln des nationalen Geschicks im Augenblick so erschöpft sind, daß sie alles tun, was das Regime verlangt, ohne auch nur zu versuchen, es in Verlegenheit zu bringen. Und sollte vielleicht ein unverhoffter Ruck das nationale Geschick wieder einmal zu einer besseren Zukunft wenden, wird Schwejk auch ihr Selbstbewußtsein steigern. Die Charta? Gut, sie hat die Kontinuität der nationalen Moral gerettet und somit auch die Voraussetzung der Staatlichkeit, aber wo wäre die Charta geblieben, hätten nicht zuvor wir den Hintergrund des Volkshumors, als die Schwejks, aufrechterhalten?

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Fritz Muliar als Schweik (mit Manfred Inger), 1972

Darin ist freilich keine Schuld der Figur oder des Autors zu erblicken, sondern eher eines der Zeichen für die ungebrochene Vitalität des Werkes. Unabhängig vom nationalen Geschick oder von aktuellen Gegebenheiten wird der brave Soldat Schwejk, daheim und überall auf der Welt, immer wieder neu entdeckt und immer wieder gelesen, weil er, wie jedes große Werk, schon „an sich“ funktioniert. Die Monate vor seinem Tod hat Hašek mit übermenschlicher Arbeit ausgefüllt; er schrieb oder diktierte sein Buch in einem einzigen, ununterbrochenen, hektischen Raptus – wie ein paar Gassen weiter, ebenfalls voll Todesahnungen, ein anderer Prager, Franz Kafka. Verblüfft vergleicht man, wie dieselbe historische und eine unterschiedliche existenzielle Erfahrung zur selben Zeit und am selben Ort einen tschechisch und einen deutsch schreibenden Autor zu zwei genialen Büchern inspiriert hat, die offensichtlich einen gemeinsamen Nenner haben: das Thema des Bürgers, der gerüttelt wird durch die elementaren Kräfte von Geschichte und Gesellschaft.

Verfügt er über genügend Kräfte, und stehen seine Sterne günstig, so wird er als Josef Schwejk daraus hervorschleichen. Im gegenteiligen Fall wird es ihm ergehen wie Josef K. (Pavel Kohout)

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Eterna Front+BackCover, 1959

Hier nun eine Hörbuch-Fassung, die ursprünglich 1958 in der DDR (Eterna Schallplatten) erschien. Erst auf 8 einzelnen Singles, dann ein Jahr später auf 2 LP´s. Sprecher war der damals sehr populäre Franz Kutschera:Franz Kutschera; eigentlich Franz Kucera (* 25. März 1909 in Wien, Österreich-Ungarn; † 27. Oktober 1991 in München, Bayern) war ein österreichischer Schauspieler und Regisseur.

FranzKutscheraFranz Kutschera absolvierte seine Schauspielausbildung bei Theodor Danegger in Wien. Seine ersten Bühnenstationen waren 1928 in Breslau bei Paul Barnay und 1930 am Darmstädter Landestheater unter Carl Ebert. Es folgten Engagements am Wiener Raimundtheater, sowie am Tiroler Landestheater in Innsbruck. Paul Smolny rief ihn 1938 nach Leipzig; 1947 ging er zu Wolfgang Langhoff an das Deutsche Theater in Berlin. 1948 wechselte er ins Ensemble von Fritz Wisten, das bis 1953 im Theater am Schiffbauerdamm spielte und dann – als Bertolt Brecht mit seinem Berliner Ensemble dort einzog – in die wieder aufgebaute Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz übersiedelte. Nach dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 verließ, der in West-Berlin wohnende, Franz Kutschera aus Protest die in Ost-Berlin gelegene Volksbühne.

In Klassikern, Komödien bis hin zu seinen geliebten Nestroyrollen hat der Vollblutkomödiant und Charakterdarsteller den Spielplan dieses Theaters dreizehn Jahre lang als Schauspieler und Regisseur wesentlich geprägt. Darüber hinaus war er Dozent an der Schauspielschule, machte Vortragsreisen mit Hašeks Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk, produzierte literarische Schallplatten und wirkte in mehreren DEFA-Filmen mit.

Den Gipfel seiner Laufbahn erklomm er als „schwerer Held“ an den Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main, wo er 1962 als Ill in Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame mit Grete Mosheim in der Titelrolle begann. Gegen heftige politische Widerstände versuchte der Brechtschüler und Intendant Harry Buckwitz damals, den „Stückeschreiber“ Brecht auf westdeutschen Bühnen durchzusetzen. In der Heiligen Johanna der Schlachthöfe spielte Kutschera den Pierpont Mauler, eine Rolle, für die er später in einer Inszenierung der Hersfelder Festspiele den „Großen Hersfeldpreis“ erhielt. Neben seiner Bühnentätigkeit wirkte er in vielen Hörspielproduktionen und Fernsehspielen mit.

Seine dritte Karriereetappe führte ihn von 1972 bis 1982 an das Bayerische Staatsschauspiel nach München. Dort spielte er unter anderem den Michael Kramer, die Madame Pernell in Ingmar Bergmans Tartuffe-Inszenierung, sowie Bergmans Molière-Inszenierung von Dom Juan, die 1983 bei den Salzburger Festspielen Premiere hatte und fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Münchner Waldfriedhof. (Quelle: wikipedia)

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Eterna Labels, 1959

Ein wenig verwundert es schon, dass dieser tolpatschige und zugleich hinterlistige Schwejk so ausführlich in der DDR inszeniert werden konnte. Denn sein Spott über Militarismus und der damit verbundenen bedingungslosen Disziplin konnte man natürlich auch auf DD-Verhältnisse übertragen (und hat das vielleicht auch still und heimlich getan).

Wie auch immer: ein bis heute erfrischendes Werk !

Buchbesprechung aus der Anarchisten-Zeitung "Syndikalist",  1926

Besetzung:
Franz Kutschera (Sprecher)

Booklet1

CD 1:
01. Das Eingreifen des braven Soldaten Schwejk in en Weltkrieg   8.30
02. Schwejk vor den Gerichtsärzten 3.20
03. Schwejk im Irrenhaus 6.30
04. Schwejks Hinauswurf aus dem Irrenhaus 5.20
05. Schwejk als Simulant im Garnisonsarrest 9.37
06. Schwejk im Garnisionsarrest 9.33
07. Schwejk als Offiziersdiener beim Feldkuraten 6.54

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Die acht Singles auf Eterna

CD 2:
01. Schwejk sucht den Feldaltar des Feldkuraten 5.30
02. Schwejk zelebriert mit dem Feldkuraten die Feldmesse 5.50
03. Schwejk als Offiziersschüler beim Oberleutnant Lukasch 12.30
04. Schwejk organisiert einen Hund für Oberleutnant Lukasch 6.25
05. Die Katastrophe 7.00
06. Schwejk und Oberleutnant Lukasch 6.30
07. Schwejk und Oberleutnant Lukasch ziehen in den Krieg 4.35

Text: Jaroslav Hašek

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Auch nicht schlecht: Schweijk und die dralle Ruth Maria Kubitschek

Caterina Valente – Caterina Valente (1958)

FrontCover1Nicht nur bei uns in Deutschland war sie ein Star und ihre Internationalität hat mir immer wieder imponiert:

Caterina Germaine Maria Valente (* 14. Januar 1931 in Paris) ist eine italienische Sängerin, Tänzerin, Gitarristin, Schauspielerin und Entertainerin. Sie spricht fließend sechs Sprachen (Französisch, Italienisch, Schwedisch, Deutsch, Englisch sowie Spanisch) und entstammt einer italienischen Künstlerfamilie. Da sie in erster Ehe mit einem deutschen Künstler verheiratet war, besitzt Valente neben der italienischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr musikalisches Repertoire, das bis in die Imitation von Instrumenten reicht, beinhaltet Jazz, Schlager, Pop, Musical, Chanson und Bossa Nova.

Ihr Vater Giuseppe Valente war ein bekannter Akkordeonvirtuose; die Mutter Maria Valente trat als Musikclown auf. Caterina Valente hat drei Geschwister, von denen Silvio Francesco (1927–2000) ebenfalls im Showbusiness tätig war. Sie war zweimal verheiratet. Aus ihrer ersten Ehe (1952 – 1971) mit dem Jongleur Gerd Scholz mit dem Künstlernamen Erik van Aro stammt der Sänger Eric van Aro (* 1958). 1972 heiratete Valente den englischen Komponisten, Arrangeur und Pianisten Roy Budd[3] – aus dieser Ehe stammt Alexander Budd (* 1974). Das Paar ließ sich 1979 scheiden.

Valente stand erstmals als Fünfjährige zusammen mit ihren Geschwistern in der Zirkusmanege. Ihren ersten Auftritt hatte sie 1936 im Friedrichsbau Stuttgart. Nach den Wirren des Krieges, Gefangenschaft in Breslau und der Deportation nach Russland kam die Familie Valente nach Paris zurück, wo Caterina zunächst als 16-jährige Sängerin in einem Nachtclub auftrat.

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Nach diversen Versuchen in Frankreich mit dem damals noch unbekannten Gilbert Bécaud und einer Tour durch Skandinavien machte sie 1948 erste Gesangsaufnahmen mit einem Quartett in Kopenhagen. Die ersten offiziellen Gesangsaufnahmen entstanden bei Radio Zürich 1952, nachdem sie der Unterhaltungschef von Radio Zürich, Walo Linder, im Zirkus Grock hatte singen hören. Diese Aufnahmen gingen an alle deutschen Rundfunkstationen, und daraus erfolgten diverse Studioproduktionen bei verschiedenen Rundfunksendern, unter anderem auch beim Südwestfunk Baden-Baden, wo sie der damalige Tanzorchester-Chef Kurt Edelhagen hörte und von da an auch förderte. Sie heiratete 1952 den Jongleur Erik van Aro und trennte sich vom Bühnenprogramm ihrer Mutter Maria Valente, der berühmtesten Clownin ihrer Zeit.

Im Jahr 1953 folgten erste Aufnahmen mit Kurt Edelhagen. Sie ging mit ihm auf Tournee in den Salon du Jazz in Paris. Ihr gemeinsamer Auftritt beim 2. Deutschen AutogrammkarteJazzfestival in Frankfurt am Main 1955 war ein großer Erfolg. Ihre erste Schallplatte war Istanbul auf dem Label Brunswick. Bald darauf wurde sie durch Aufnahmen mit dem Orchester Werner Müller wie Malagueña (1954), The Breeze and I (1955) des kubanischen Komponisten Ernesto Lecuona (14 Wochen in den US-amerikanischen Charts) und Dreh dich nicht um nach fremden Schatten einem breiten Publikum bekannt. Daneben arbeitete sie weiterhin im Jazzbereich. 1956 trat sie mit Chet Baker auf und nahm mit ihm die Singles I’ll Remember April und Ev’ry Time We Say Goodbye auf. Gleichzeitig erschienen ihre ersten Musikalben, darunter The Hi-Fi Nightingale (1956) und Plenty Valente! (1957).

In Deutschland verkaufte sich der Titel Ganz Paris träumt von der Liebe (1954) über 900.000 Mal, ein für diese Zeit außergewöhnlich hoher Umsatz in der deutschen Plattenindustrie. Weitere bekannte Songs waren Fiesta Cubana (1955), Komm ein bisschen mit nach Italien … (1956), Wo meine Sonne scheint (1957), Spiel noch einmal für mich, Habanero (1958) und Tschau, Tschau, Bambina (1959). 1959 wurde sie auch für den Grammy als beste Sängerin nominiert, und 1965 erhielt sie als erste Nicht-Amerikanerin den Fame Award der Fernsehkritiker als beste Sängerin im US-Fernsehen, überreicht von Sammy Davis Jr.

Caterina Valente verfolgte zu dieser Zeit neben ihrer Solokarriere noch etliche andere Projekte, die fast alle die deutsche Sehnsucht der 1950er Jahre nach fremden Welten im Namen trugen: Club Indonesia (Platz 1 1956 mit dem Lied Steig in das Traumboot der Liebe), Club Honolulu (Platz 1 1960 mit Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini), Club Italia, Club Argentina und einige weitere.

Im Winter 1978/79 hatte Caterina Valente mit dem Schlager Manuel noch einen Hit, mit dem sie zweimal in der ZDF-Hitparade auftrat. Ein weiterer Hit war 1984 Männer brauchen Liebe; er kam auf Platz 2.

1987 erschien das Album Ich bin … mit dem Single-Hit Ich bin noch da.

Die 1989 in Italien aufgenommene Jazz-CD A briglia sciolta (später unter den Titeln Fantastica und Platinum Deluxe wiederveröffentlicht) zählt bis heute weltweit als Valentes meistverkaufte CD. (Quelle: wikipedia)

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Die Valente hatte gerade in den50er Jahren auch diverse Aufritte in all jenen schlichten Filmen, die damals die Menschen beindruckten oder gar begeisterten. Diese 10″ LP enthält etliche ihrer Filmhits, die man ebenfalls als eher schlicht bezeichnen kann. Dennoch: was die Valente so auch gemacht hat, irgendwie hatte es stets einen gewissen Charme.

Und in einem ausführlichem Interview gibt die 80jährige Valente sehr intensiv Auskungs über ihre Karriere … (liegt bei)

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Besetzung:

Caterina Valente (vocals)
+
Kurt Edelhagen Orchester
Adalbert Luczkowski Orchester

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Titel:
01. Dich werd‘ ich nie vergessen (Feltz/Gietz) 2.13
02. Tipitipitipso (Feltz/Gietz) 2.33
03. Papa Piccolino (Ein gold’ner Stern) (Feltz/Gietz) 3.12
04. Das ist die Hafenmelodie (Feltz/Monnot) 2.36
05. Wo meine Sonne scheint (Island In The Sun) (Belafonte/Burgess/Feltz) 3.09
06. Frag‘ mich nie, was Heimweh ist (Cowboy-Jonny) (Feltz/Gietz) 3.08
07. Melodia d’amore (Feltz/Gietz) 2.58
08. Amadeo, ich will warten (Feltz/Schauberg) 2.27

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Verschiedene Interpreten – Für Damen verboten (ca. 1958)

FrontCover1Man mag jetzt ja glauben, diese EP bittet einen prallen Blick in die Sittengeschichte der 50er Jahre . Weit gefehlt. Das wohl frivolste Wort ist „Rosamarie Nitribitt“ (jene Luxusprostutierte aus Frankfurt, die unter mehr als mysteriösen Umständen 1958 ermordert wurde). Ok, das Wörtchen Jungfrau kommt auch noch vor.

Diese Schallplatte ist viel eher ein eher trauriges Dokument männlicher Bierseeligkeit und Protzerei jener Stammtisch-Runden, die ich so aus ganzem Herzen liebe.

Derr Genuss dieser Single ist dann auch noch aus einem weiterem Grunde ein wenig getrübt: Zuweilen knackt sie ganz arg (vorallem zu Beginn von Seite 1), aber nachdem das hier ja auch eine Art Dokumentationsplattform für alle nur möglichen Klängen aus deutschen Landen, gehört das halt auch mal dazu.

Ansonsten gilt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht und als eher betrübliches Beispiel für männliche Belanglosigkeiten eignen sich diese Aufnahmen bestens.

Besetzung:
Hans Otto Hilke (vocals)
Regnould Nonsens (vocals)
+
Die Nußknacker und ein Blasorchester unter der Leitung von Alfred Matschat

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Titel:

01. Für Damen verboten (Teil 1) (4.55)
01.1. Einführende Worte/Die Herrenpartie (Henning/Therningsohn/Zitzewitz)
01.2. Auf der Festung Königstein (Traditional)
01.3. Es steht einWirtshaus an der Lahn (Traditional)
01.4. Da ob´n auf dem Berge (Traditional)

02. Für Damen verboten (Teil 2) (5.09)
02.1. Laß das mal den Vati machen (Henning/Therningsohn/Zitzewitz)
02.2. Es lebe hoch der Sanitätsgefr. Neumann (Traditional)
02.3. Bonifcius Kiesewetter (Henning/Therningsohn/Schmidt)
02.4. Gut Holz (Henning/Therningsohn)
02.5. H.O. Hilke (Nonsens)

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Verschiedene Interpreten – Tuttifrutti IV (1958)

FrontCover1Jetzt mal beschwingte Musik aus dem Hause von Heliodor Schallplatten:

Heliodor (LC 00765) war ein deutsches Plattenlabel, das zur Deutschen Grammophon Gesellschaft gehörte.

Die Deutsche Grammophon Gesellschaft mit Sitz in Hannover ließ sich die Rechte für den Namen Heliodor bereits am 29. Juli 1914 sichern. Um 1953/1954 wurde das Label neu gegründet. Es diente zunächst vor allem dazu, um Titel von unbekannteren Nachwuchskünstlern zu einem günstigeren Verkaufspreis als beim Schwesterlabel Polydor auf dem Markt zu bringen. Die Aufnahmen entsprachen technisch denen der Polydor und zahlreiche Interpreten konnten später dort oder bei anderen Schallplattenfirmen Karriere machen. So standen unter anderem Ernie Bieler (als Kitty Sisters), Udo Jürgens, Lolita (als Ditta Zusa), Jimmy Makulis, Danny Marino und das Hazy-Osterwald-Sextett bei Heliodor unter Vertrag. Die Orchesterbegleitung stammte von namhaften Musikern wie Johannes Fehring, Bert Kaempfert (als Bob Parker) oder Hugo Strasser, die zur gleichen Zeit oder später ebenfalls für Polydor arbeiteten. Auf sogenannten EPs von Heliodor erschienen außerdem kabarettistische Lieder von Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller aus den Filmen Das Wirtshaus im Spessart und Wir Wunderkinder (beide 1958).

Im gleichen Jahr gelang es der Deutschen Grammophon die deutschen Vertriebsrechte einiger US-amerikanischer Labels zu erwerben. Unter den Künstlern befanden sich einige Rock ’n’ Roll- und Popmusiker, deren Singles in Deutschland bis dahin teilweise auf dem Label London der Teldec erschienen waren. Seit Ende 1953 besaß die Deutsche Grammophon Lizenzen der US-amerikanischen Labels Brunswick und Coral. Da eine Veröffentlichung des neuen Materials auf diesen Labels aus rechtlichen Gründen nicht möglich war, erschienen die Aufnahmen ab Juni mit eigener Seriennummer unter der Bezeichnung USA Production auf Heliodor.

Dank namhafter Rock ’n’ Roll- und Popmusik-Interpreten wie Frankie Avalon, The Chordettes, The Everly Brothers, Fabian, Johnny & The Hurricanes, Ray Peterson, Del Shannon oder Johnny Tillotson entwickelte sich Heliodor insbesondere bei Teenagern und sogenannten Halbstarken zu einer beliebten Marke. Für das Ausland besaß die Deutsche Grammophon teilweise zusätzliche Lizenzen, die dort ebenfalls auf dem Heliodor-Label herausgebracht wurden. Darunter befanden sich Aufnahmen von Fats Domino, Ricky Nelson und April Stevens. Gleichzeitig stellte man die Veröffentlichung deutscher Titel auf Heliodor weitgehend ein. Die entsprechenden Künstler wurden größtenteils von Polydor übernommen.

Weil der Markt für englischsprachige Musik in Deutschland Ende der 1950er Jahre noch klein war, wurden die Singles bei Heliodor in wesentlich geringeren Stückzahlen produziert als die des Schwesterlabels Polydor. Zahlreiche US-amerikanische Titel, die in Deutschland auf Heliodor erschienen, entwickelten sich erst durch deutschsprachige Coverversionen von Polydor-Stars wie Ted Herold, den Honey Twins oder Peter Kraus zu Verkaufserfolgen. Die wenigen englischsprachigen Titel, die eine Platzierung in den Hitparaden versprachen, erschienen weiterhin bei Polydor. Dementsprechend selten gelangten Schallplatten des kleineren Schwesterlabels in die Verkaufscharts.

Zum ersten Hit entwickelte sich der Instrumentaltitel Chi Chi der Studio-Band John Buck & His Blazers. Das Stück gelangte am 30. Januar 1960 für insgesamt neun Wochen in die Top Ten und erreichte den siebten Platz. Die deutschsprachige Version Tränen in deinen Augen von Ralf Paulsen wurde nicht weniger erfolgreich auf Polydor veröffentlicht. Johnny & The Hurricanes erreichten mit Down Under Platz 32. Im Februar 1961 kletterte Ray Peterson mit dem Titel Corinna, Corinna auf den sechsten Platz, der besten Chartposition einer Heliodor-Single. Wenig später erreichte Johnny Tillotson mit Poetry in Motion Rang 38 in Deutschland.

Während die Singles der Heliodor ausschließlich der Veröffentlichung von Popmusik dienten, vertrieb die Deutsche Grammophon auf Musikalben unter diesem Namen, jedoch mit anderem Logo, vorwiegend LPs mit klassischer Musik. Bis in die zweite Hälfte der 1970er Jahre brachte Heliodor vorwiegend ältere Aufnahmen der Deutschen Grammophon auf den Markt. Anfangs bestand das Angebot auch aus Produktionen osteuropäischer Plattenfirmen. Später erschienen Aufnahmen der amerikanischen Plattenfirma Westminster auf Heliodor in einer eigenen Serie mit eigenen Bestellnummern.

Mit dem Einzug britischer Beatmusik in die deutschen Charts, stellte die Deutsche Grammophon 1963/1964 die Produktion von Singles bei Heliodor gänzlich ein. Englischsprachige Popmusik aus Lizenzverträgen erschien ab 1965 vorwiegend auf dem Polydor-Label. (Quelle: wikipedia)

SpanischeAusgabe

Von diesem Album gab es sogar eine spezielle spanische Ausgabe !

Hier mal ein wohl typischer Sampler dieser Zeit. Man nehme eine handvoll unterschiedlicher Ensembles, lasse diese jeweils 3 Klassiker in Kurzfassung als eine Art Potpourri eingespielen und fertig ist so eine 10″ LP.

Am bekanntesten sind wohl die Musiker um Hazy Osterwald, der wirklich ein Hans Dampf in allen Gassen war.

Ansonsten ist zu berichten, dass diese Aufnahmen – sofern man dieser Art von Unterhaltungsmusik etwas abgewinnen kann – wirklich sehr ansprechend sind. Ganz im Gegenteil zum Cover, das könnte locker in die Top ten der hässlichstgen Plattencover aufsteigen, quasi von Null auf 100 ! Unglaublich was man sich damals bei diesem Cover wohl gedacht hat !

BackCover1

Titel:

Tanzorchester Delle Haensch:
01.a, Mexicano (Scharfenberger)
01.b. When (Reardon/Evans)
01.c . Raunchy (Justis/Manker) 2.49

Hazy Osterwald Sextett:
02.a. Bambina (Modugno)
02.b, Lazarella (Modugno)
02.c. Oh, Josefin, die Nacht in Napolin (Gietz) 2.52

Die Akkordeon – Melodiker:
03.a. Diana (Anka)
03.b. Mitternachtsblues (Grothe) 3.12

Das Tanzorchester Delle Haensch:
04.a.  Spiel noch einmal für mich, Habanero (Gietz)
04.b.  Das ist alles längst vorbei (Gietz)
04.c. Buona Sera (DeRose) 2.50

Die Akkordeon-Melodiker:
05.a.  Lollipop (Rose/Dixon)
05.b. I Love You Baby (Anka)
05.c. Küss mich einmal, küss mich zweimal (Davie/Moore) 2.37

Hazy Osterwald Sextett:
06.a. So ein Casanova (Gaze)
06.b. Pom-Pa-Lom (Wood)
06.c. Roter Wein und Musik in Toskanien (Gietz) 2.21

Das Tanzorchester Delle Haensch:
07.a. In deine Hand (Jordan,/Schielow/Bradtke)
07.b. All I Have To Do Is Dream (Bryant(
07.c. Ein Lied erklingt (Lombardo/Di Minno) 2.37

Werner Böhm und seine lustige Dorfmusik:
08.a. Rosamunde (Vejvoda)
08.b. Liechtensteiner Polka (Kötscher/Lindt)
08.c. Schützenliesel (Bern) 2.31

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LabelSpanien

Das spanische Label

Vico Torriani – Der Stern von Santa Clara (1958)

FrontCover1Nun eine vergnügte Reise in die Zeit der deutschen Musikfilme in den 50er Jahre, als in den USA schon der Rock N Roll brodelte, man aber hier zulande noch gerne Filme, die alle nur denkbaren Klischees erfüllen, gesehen hat.

Der Stern von Santa Clara ist ein deutscher Musikfilm von Werner Jacobs aus dem Jahr 1958.

Der sizilianische Sänger Carlo del Ponte ist in Amerika ein Star. Die Frauen umschwärmen ihn und bald will er sich auf Urlaub in sein Heimatdorf Santa Clara zu seiner Cousine Antonella zurückziehen. Er nimmt seinen Manager Freddy mit. Zudem tritt die fanatische Carlo-Anhängerin und Millionenerbin Mitzi Underhuber die Reise mit ihnen an, die Carlos Manager vorher das Reiseziel Carlos entlockt hat.

In Santa Clara auf Sizilien zeigt sich bald, dass die beiden Familienclans Tartini und del Ponte nach der vermeintlichen Ermordung des vorletzten del Ponte Pancratio darauf aus sind, nach dem Gesetz der Blutrache auch die letzten männlichen Familienmitglieder zu ermorden. Der letzte männliche del Ponte ist prompt Carlo, während auf Seiten der Tartinis noch die Brüder Tino und Matteo am Leben sind. Carlo denkt nicht daran, Tino und Matteo zu ermorden, verliebt sich jedoch in seine Cousine Antonella, die vor der Heirat die Ermordung der beiden Brüder einfordert. Die drei Männer greifen daher auf ein gestelltes Duell zurück, nach dessen Ende Tino und Matteo für drei Tage untertauchen.

Vico01Die Verlobung zwischen Carlo und Antonella wird gefeiert, doch ahnen die in Carlo verliebte Mitzi und der in Antonella verliebte Mario, dass beim Duell etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie finden Tino und Matteo in einer Waldhütte und lotsen sie zurück zu Carlo, der gerade mit Antonella und seiner Tante Theresa nach Amerika abreisen will. Beide Frauen sind entsetzt, dass Carlo sich als Feigling entpuppt hat. In dem Moment kehrt der totgeglaubte Pancratio ins Dorf zurück. Er ist vor seiner dominanten Schwägerin geflohen und hat in der Fremde geheiratet, sodass er nun mit seiner Rückkehr wieder sein eigener Herr sein kann. Der Grund für die Blutrache ist nun hinfällig, der Krieg zwischen den del Pontes und den Tartinis wird beigelegt. Gemeinsam reisen Carlo, Antonella, Theresa, Freddy und Mitzi zurück nach Amerika. (Quelle: wikipedia)

Das Lexikon des Internationalen Films nannte den Film eine „weithin vergnügliche musikalische Posse“

Na immerhin. Ich kenne diesen Streifen nicht, gehe aber mal davon aus, dass es einer jener eher schlichten Musikfilme jener Jahre war.  Und hier vier Lieder aus diesem Film.

Und zu meiner Überraschung handelt es sich dabei um überraschend hochwertige Unterhaltungsmusik. So ist z.B. das Syxophon bei „Du bist der Stern“ durchaus markant und eindringlich.

Also: Vico Torriani macht hier seine Sache ausgesprochen gut (das kann man nicht von allen seinen Produktionen sagen). Von daher lohnt sich ein Reinhören, und dabei kann man durchaus verschmitzt schmunzeln, ob der rührenden Naivität.

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Gerlinde Locker + Vico Torriani

Besetzung:
Vico Torriani (vocals)

Die Sunnies und die Coronels (background vocals)
+
Das Film Tanzorchester Willy Mattes

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Titel:
01. Avanti-Avanti-Avanti
02. Antonella
03. Du bist der Stern
04. Die Teenager von Tampico

Texte und Musik: Halletz – Bradtke

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Wiener Sängerknaben – Die Wiener Sängerknaben singen Kinderlieder (I) (1958)

FrontCover1Der eine oder andere mag ja dieses Cover niedlich empfinden.

Mich hingegen packt da eher die kalte Wut, ob des Mädchenportraits zur Illustration von klassischen Kinderliedern. Kaum treffender kann man illustrieren, wie der Zeitgeist der 50er Jahre uns Kinder damals gern gehabt hätte. Und betrachtet man dieses Bild, dann kann einem auch klar werden, wie lange der Kampf wohl war, bis sich zumindest viele im Laufe der Zeit von dieser Erwartungshaltung befreien konnten, um zu eigenen Lebensentwürfen zu kommen.

Und ich denke mal, Musiker wie Chuck Berry, aber auch Elvis Presley, Wanda Jackson („Let´s Have A Party“) waren da nicht unwichtige Wegbereiter. Und man mag heute ein wenig über Peter Kraus oder Ted Herold schmunzeln, aber auch sie brachten in die deutschen Wohnstuben jenen Funken des Aufbegehrens, der sich dann später auch entzündete. Gott sei´s getrommelt und gepfiffen !

Aber natürlich intonieren hier die Wiener Sängerknaben makellos und all die Lieder, wer kennt sie nicht. Sie waren meine musikalischen Begleiter in der Kindheit, sie waren (nicht nur, aber auch), die musikalischen Wegbegleiter meiner Kinder und heute höre ich diese Lieder gemeinsam mit meinen Enkelkindern an … das schließen und erweitern sich Kreise.

Und die Mannen von Philips ließen sich natürlich nicht lumpen und veröffentlichten noch im gleich Jahr eine weitere Ausgabe von „Die Wiender Sängerknaben singen Kinderlieder“ (dann mit einem holden Knaben auf dem Cover – demnächst hier in diesem Theater).

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Die Wiener Sängerknaben (Anfang der 60er Jahre) … Was wurde wohl aus all den Knaben ?

Besetzung:
Die Wiener Sängerknaben
+
Die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Helmut Froschauer

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Titel:
01. Ein Männlein steht im Walde 1.14
02. Hoppe, hoppe Reiter 1.37
03. Kommt ein Vogel geflogen 1.36
04. Alle Vöglein sind schon da 1.51
05. Weißt, due wieviel Sternlein stehen 3.00
06. Guter Mond, du gehst so stille 3.04

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