Die bunte Welt von Haribo – Firmengeschichte (ca. 2010)

TitelFür die Zahnärzte waren und sind diese-Produkte wohl ein nicht zu verachtender Umsatzfaktor, für die Krankenkasse ein Ausgabefaktor und Gewichtsreduktions-Kurse für Kinder haben zugenommen.

Die Rede ist von Haribo …

Am 13. Dezember 1920 wurde die Firma Haribo in das Bonner Handelsregister eingetragen. Startkapital waren nach Firmenangaben ein Sack Zucker, ein Kupferkessel, eine Marmorplatte, ein Hocker, ein gemauerter Herd und eine Walze. Die erste Fabrikationsstätte befand sich in einem im gleichen Jahr erworbenen Haus in der Bergstraße im Bonner Stadtteil Kessenich. Zwei Jahre nach der Firmengründung erfand Hans Riegel den Vorläufer der Goldbären (damals „Tanzbären“). Heute stellt Haribo neben seinen bekannten Bären alle Arten von Fruchtgummis, Bonbons und Lakritzeerzeugnissen her.

Beispiel011925 begann Haribo mit der Herstellung von Lakritzprodukten. Anfang der 1930er Jahre entstanden die Vertriebsorganisation in Deutschland und der Hauptbau der neuen Fabrikationsanlage. 1935 wurde in Kopenhagen zusammen mit den Geschäftspartnern Christian und Eckhof Hansen die Haribo Lakrids A/S Kopenhagen gegründet.

Während des Zweiten Weltkrieges ging die Produktion nach Firmenangaben stark zurück, unter anderem wegen Rohstoffknappheit. Im Jahr 2000 stand Haribo im Verdacht, während des Krieges Zwangsarbeiter beschäftigt zu haben. Der Hersteller bestritt dies jedoch und weigerte sich folglich auch, in den Zwangsarbeiter-Fonds einzuzahlen.

Nach dem frühen Tod des Johann Hans Riegel im März 1945 wurde die Firma zunächst von seiner Frau weitergeführt. Nachdem die Söhne Hans und Paul 1946 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt waren, übernahmen sie die Leitung. Hans Riegel junior repräsentierte die Firma nach außen, während Paul Riegel die Forschung und Produktentwicklung leitete und so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftrat. 1957 Beispiel02übernahm Haribo die Godesberger Firma Kleutgen & Meier, wo Hans Riegel senior seinen ersten Arbeitsplatz hatte. 1961 übernahm Haribo die Bonera Industrie en Handelsmaatschappij N.V. in Breda und führte sie als HARIBO Nederland B.V. weiter.

1967 erwarb Haribo Anteile der französischen Süßwarenfabrik Lorette aus Marseille, die in HARIBO-France S.A. umbenannt wurde. 1987 fusionierte diese mit dem südfranzösischen Hersteller Ricqles Zan zur Haribo Ricqles-Zan mit Produktionsstätten in Marseille, Uzès und Wattrelos. Am Standort Uzès befindet sich auch das bislang einzige kleine Werksmuseum des Unternehmens. 1968 kaufte Haribo Anteile an der Solinger Firma Dr. Hillers AG, 1979 übernahm man sie ganz. Ab 1980 entstand am Standort in drei Ausbauphasen eine neue Produktionsstätte. Im Oktober 2011 wurde der Solinger Standort um ein Hochregal-Lager, ein Bürogebäude und eine Warenumschlagshalle erweitert.

1971 kamen Mehrheitsanteile am fränkischen Hersteller Bären-Schmidt, 1972 die Beteiligung an der englischen Firma Dunhills hinzu (1994 Übernahme). Außerdem wurden in den 1970er Jahren Vertriebsorganisationen in Österreich und Schweden aufgebaut.

Beispiel131982 wurden die Goldbären in den USA eingeführt. Weitere Zukäufe und Markteinführungen, u. a. in Frankreich, Norwegen, Spanien, Finnland und der Türkei, folgten.

Die bis dahin ungeklärte Unternehmensnachfolge führte zu einem Konflikt der Haribo-Familienstämme. Zur Klärung der rechtlich komplexen Fragen wurde im Sommer 2008 zunächst ein Schiedsverfahren eingeleitet, dieses dann aber wieder ausgesetzt. Anschließend wurde eine einvernehmliche Gesamtlösung erarbeitet und im Jahr 2010 vorgestellt. Danach wird die Haribo-Holding GmbH & Co. KG die neue Obergesellschaft. An ihr sind jeweils zur Hälfte die Dr. Hans Riegel Holding und die Paul Riegel Familienholding beteiligt. Dr. Hans Riegel ist am 15. Oktober 2013 verstorben.

Beispiel14Heute produziert Haribo mit etwa 6.000 Mitarbeitern in fünf Betrieben in Deutschland und zehn weiteren in anderen Ländern Europas. Haribo-Produkte werden in mehr als 100 Ländern vertrieben (Stand: Juni 2003). Im Oktober 2003 gab Hans Riegel junior im WDR bekannt, dass sein Neffe Hans-Jürgen Riegel (* 1956) sein Nachfolger werden solle. Zur Zeit leitet Hans-Jürgen Riegel noch den Betrieb in Frankreich. Der Mitinhaber von Haribo, Paul Riegel, starb überraschend in der Nacht zum 3. August 2009. Nach einem Bruch des guten Verhältnisses zu seinem Neffen entschied Hans Riegel, die Frage seiner Nachfolge offenzulassen. Nach einem Schiedsspruch durch die Industrie- und Handelskammer Bonn (Beschwerde durch Paul Riegel eingeleitet, nach dessen Tod durch die Söhne weitergeführt) wurde die Unternehmensstruktur von Haribo geändert. Es wurde eine Haribo Holdinggesellschaft gegründet. Die Hans Riegel Holding und Paul Riegel Holding, geführt von den Kindern aus erster und zweiter Ehe, besitzen jeweils 50 % der Haribo Holding. Vorgesehen ist, dass Hans-Arndt, der Sohn von Paul Riegel aus zweiter Ehe, dem Aufsichtsrat vorstehen und sein Bruder Hans-Guido Riegel den Posten des geschäftsführenden Gesellschafters für Produktion und Technik erhalten soll.

Beispiel15Seit 2005 wird in der Öffentlichkeit und in verschiedenen Medien darüber spekuliert, dass das Unternehmen den Standort Bonn mit seinen 1.300 Mitarbeitern verlegen will, da dort keine Expansion mehr möglich ist. Als neue Standorte waren lange Zeit zuerst die rheinland-pfälzische Gemeinde Grafschaft-Gelsdorf und dann die nordrhein-westfälische Stadt Rheinbach im Gespräch.

Im Jahr 2008 leitete das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen das Unternehmen und weitere Süßwarenhersteller wegen unerlaubter Preisabsprachen ein. 2012 verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld gegen Haribo und einen verantwortlichen Vertriebsmitarbeiter von zusammen 2,4 Millionen Euro. Grund waren wettbewerbswidrige Absprachen mit Konkurrenzunternehmen, bei denen man sich über Verhandlungen mit dem Einzelhandel austauschte.

Am 20. September 2013 wurde bekannt, dass Haribo ein Grundstück mit einer Fläche von 30 Hektar im Innovationspark Rheinland zwischen Ringen und Oeverich in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Grafschaft erwerben und dort zunächst ein Logistikzentrum aufbauen und später auch produzieren möchte.

Die Produkte der Firma Haribo werden auch im Werksverkauf an den Standorten Bonn-Bad Godesberg, Solingen, Mainbernheim und Wilkau-Haßlau angeboten und seit dem 27. Oktober 2012 auch in einer Verkaufsstelle auf dem Gelände der zum Haribo-Konzern gehörenden Firma MAOAM in Neuss.

Beispiel16Verkauft werden die Bärchen seit 1976 in Österreich, und seit 1989 werden Goldbären auch in Linz in Oberösterreich produziert. Im Jahr 1989 wurde mit der Übernahme der traditionsreichen Konditorei-Großbetriebs-GmbH Panuli (gegründet 1921) die einzige Produktionsstätte Haribos in Österreich gestartet. 250 Personen sind im Werk Linz beschäftigt, das in Österreich bei Fruchtgummi einen Marktanteil von 60 % hält. Dort werden jährlich 16.000 Tonnen Süßwaren hergestellt (75 Tonnen am Tag).

Die Stadt gilt als Drehscheibe für den gesamten ost- und südeuropäischen Markt. Es handelt sich um 100 verschiedene Produkte für Österreich, die Schweiz, das Baltikum und auch Lieferungen an andere Haribo-Gesellschaften. Von den weltweit täglich 100 Mio. in 105 Ländern produzierten Bären sind 5 Mio. aus Linz.

Beispiel09Seit 1935 wirbt das Unternehmen mit dem Werbespruch und -lied „HARIBO macht Kinder froh“. 1962 wurde das Motto um den Zusatz „und Erwachsene ebenso“ ergänzt. Nach einer Umfrage von kabel eins ist dies der bekannteste Werbespruch in Deutschland. Der Texter erhielt als Entlohnung 20 Reichsmark.

Seit 1991 wirbt der deutsche Fernsehmoderator Thomas Gottschalk als Testimonial für Haribo. Die außergewöhnliche Dauer dieser Werbepartnerschaft führte im Januar 2006 zu einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Haribo wirbt regelmäßig mit einem Kenworth-Showtruck, um seine Produkte zu präsentieren. Seit 2009 wird auch mit der Boeing 737-800 (GoldbAIR) und seit 2010 mit der Boeing 737-800 (HaribAIR) geworben (Quelle: wikipedia)

Man ahnt es schon: Eine durchaus interessante Firmengeschichte, bei, wie könnte es anders auch sein, ganz sicher nicht alles Gold war, was da so glänzte.

Und ist der Firmenpatriarch Dr. Hans Riegel neulich verstorben … Diese Nachricht war für mich dann der Anlass … mich ein wenig mit diesen süßen Ungeheuern zu beschäftigen, klar auch als Teil deutscher Konsumgeschichte.

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Und die hier präsentierte Promotion – Broschüre der Fa. Haribo (52 Seiten stark) präsentiert genanu diese Firmengeschichte und angesichts der bunten Vielfalt der Haribo-Produkte wurde diese Broschüre natürlich ein grafischen Farbspektakel. Hier ein paar Beispiele:

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Todesanzeige

Interessant könnte es werden, wie sich Haribo angesichts eines sich allmählich verändertem Gesundheitsbewußtsein in Deutschland weitereinwickelt(weiterentwickeln muss.

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2 Gedanken zu “Die bunte Welt von Haribo – Firmengeschichte (ca. 2010)

  1. Auch in Japan gibt’s Haribo – kostet ungefähr das 3-fache wie bei uns und ist trotzdem sehr beliebt. Es gibt japanische „Schmuggler“ die sich in Deutschland damit die Koffer vollstopfen.
    Die Verwendung von Kokos-Raspeln (im Haribo Konfekt – die mag ich am liebsten) geht wohl auf die germanischen Aktivitäten in der Südsee vor 1914 zurück.
    Danke für den schönen Beitrag.
    Hermann

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